Das lange Ende der Sklaverei - Der Fall Nigeria

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  • Autorinnen: Catharina Bolz & Julia Borchers
  • Erstveröffentlichung: 05.07.2003 bei www.geschichte.uni-hannover.de


Inhaltsverzeichnis

Ein schleichender Prozess in Nordnigeria

Im Jahr 1841 gründete T. F. Buxton einen landwirtschaftlichen Betrieb im unteren Niger-Benue Gebiet, um entlaufenen Sklaven Arbeit und Unterkunft zu geben. Gleichzeitig sollte mit den erwirtschafteten Waren Freihandel betrieben werden. Buxton wollte verdeutlichen, dass der Verkauf und die Gefangennahme von Sklaven durch einen fairen Handel ersetzt werden könne. Das Projekt scheiterte jedoch, denn der transatlantische und der innerafrikanische Sklavenhandel waren zu tief in der Gesellschaft verwurzelt. Paul Lovejoy sieht in dem Modell aber auch den Anfang einer britischen Einflussnahme auf die nordnigerianische Sklaverei. Deren Abschaffung würde schwer mit den Traditionen der herrschenden nordnigerianischen Elite brechen. Vorerst blieb es bei diplomatischen Versuchen wie diesen, um die Abolution und den eigen Einfluss gegenüber den Kalifen zu stärken. Ein weiteres Projekt wurde während einer Expedition von W. B. Baikie ins Leben gerufen. Im Jahre 1859 baute er die Siedlung Lokoja. Hier fanden ungefähr 200 freigekaufte oder entlaufene Sklaven die Möglichkeit gegen Bezahlung zu arbeiten. Baikie wollte auf diesem Weg versuchen, die Sklaverei durch Arbeit und freien Handel zu ersetzen. Zwischen 1866 und 1869 gab es dort sogar ein britisches Konsulat. Dieses Vorgehen war jedoch nur durch die Tolerierung des herrschenden Emirs möglich und scheiterte letztlich ebenso wie Buxtons Farm am übermächtig erscheinenden Sklavensystem.

Der nördliche Teil Nigerias im 19. Jahrhundert ist ein Beispiel für die Symbiose von innerafrikanischer und transatlantischer Sklaverei. Das von den muslimischen Fulani regierte Sokoto Kalifat profitierte traditionell von den Sklaven, die innerhalb der 30 Emirate in der Landwirtschaft, in der Verwaltung oder in den Höfen und Häusern arbeiteten. Des weiteren herrschte ein reger Sklavenhandel mit Küstenstädten im Süden Nigerias wie beispielsweise Lagos.

In diesem Text steht jedoch nicht der Sklavenhandel an sich im Vordergrund. Der Schwerpunkt liegt vielmehr auf der Frage, welche Rolle die Abschaffung der Sklaverei bei der britischen Eroberung des Sokoto Kalifates gespielt hat. Da die Sklaverei stark in das Herrschaftssytem der Fulani integriert war, stieß die Abolitionsbewegung auf Widerstand bei der herrschenden Elite. Markant für das Kalifat ist, dass kein Bürgerkrieg wie in den USA oder eine Revolte der Sklaven wie auf Haiti die Sklaverei offiziell beendete. Es handelte sich vielmehr um einen schleichenden Prozess, der weit in die Zeit des britischen Protektorates ab 1900 hineinreichte. Wie sich die Abschaffung der Sklaverei auf die weitere Entwicklung der Gesellschaft auswirkte, illustriert das Kapitel über die Emanzipation der ehemaligen Sklaven in Nigeria. Für die Zusammenstellung der Informationen über die Abschaffung der Sklaverei diente maßgeblich Paul Lovejoys Buch "The Slow Death for Slavery" (Cambridge 1993) als Vorlage.


Britische Instrumente zur Eroberung Nordnigerias im 19.Jahrhundert

Die Durchdringung des nordnigerianischen Hinterlandes fand ab 1840 statt. Expeditionen, Händler und Missionare erschlossen Sokoto, um dort die wirtschaftliche und politische Vormachtstellung Großbritanniens aufzubauen. Ziel war es, ein diplomatisches Vordringen in fremden Territorien zu erlangen.

Im Vorfeld erschlossen Reisende wie die Schotten Hugh Clapperton (1788-1827) und Richard Lemon Lander (1804-1834) sowie der Deutsche Dr. Heinrich Barth (1821-1865) mit ihren Expeditionen das Gebiet im nördlichen Nigeria. Die Expeditionen waren Wegbereiter für weitere britische Unternehmungen im Kalifat. Unter dem Banner der Abolitionsbewegung sollte der Freihandel mit Palmöl ("legitimate trade") den transatlantischen Sklavenhandel als wirtschaftlichen Grundstein in Sokoto ablösen, notfalls sollte dies auch mit Druck von Großbritannien durchgesetzt werden. Das Modell einer Farm war 1841 einer der ersten Versuche die Sklaverei zu unterbinden.

Drei Instrumente zur Beseitigung der Sklaverei im Sinne der Briten spielten bei diesem "Transformationsprozess" des Sokoto Kalifates eine wichtige Rolle: Die Royal Niger Company, Treaties (1879-1894) und die Protektorate.


Royal Niger Company

Ab dem Beginn des 19.Jahrhunderts versuchte die britische Regierung den "legitimate trade" in Sokoto durchzusetzen. Die Trans-Sahara-Route, die Flüsse Niger und Benue sowie die Ilorin-Ibadan-Lagos Route waren dabei die wichtigsten Handelswege. Neben dem Handel bereiteten die Expeditionen und die "Church Missionary Society" (Kirchliche Missionsgesellschaft) unter der Führung des christlichen Yoruba Priester Bischof Samuel Crowther die Etablierung britischer Institutionen in Sokoto vor. Einige von ihnen machten es sich zur Aufgabe, die Abschaffung der Sklaverei durchzusetzen. Die britischen Handelsfirmen und die Zivilisten standen unter dem Schutz des Kalifen ("dhimmi"), denn noch lag die Macht im Land bei den einheimischen Herrschern.

George Taubman Goldie.

Mit der Gründung der "United African Company" durch George Taubman Goldie im Jahre 1879 versuchten sich die Briten gegen die Konkurrenz von französischen und deutschen Handelsfirmen ("Compagnie Francaise de L`Afrique Equatorial" und die "Deutsche Afrika Gesellschaft") um Ansehen und Verträge durchzusetzen. Einen stärkeren Zusammenhalt der britischen Handelsinteressen sah Goldie in der Bildung einer "National African Company" 1881, diese hatte auch eigene Truppen zum Schutz der Siedlungen.

Im Jahre 1890 entstand aus der N.A.C. die Royal Niger Company. Ziel war es, die britischen Interessen hinsichtlich eines Handelsmonopol in Sokoto durchzusetzen. Die Royal Niger Company diente der britischen Regierung zur Umsetzung ihrer Durchdringungspolitik bis zum Ende des 19. Jahrhunderts. Der Freihandel sollte den transatlantischen Sklavenhandel ablösen, gleichzeitig tolerierten die Briten jedoch aus machtpolitischen Gründen die "Haltung" von Sklaven im Kalifat selbst.

Paul Lovejoy führt in seinem Buch, "Slow Death of Slavery" an, dass schätzungsweise mehr als 2,5 Millionen Menschen als Sklaven zwischen 1873 und 1903 in Sokoto lebten. Diese Zahl verdeutlicht, dass die Abschaffung der Sklaverei keinesfalls durch die Briten erreicht wurde. Vielmehr lässt es den Schluss zu, dass den Briten nach der Etablierung des Freihandels das Verständnis der Kalifen wichtiger war als die Abschaffung der innerafrikanischen Sklaverei.


Treaties (1879-1894)

Mit dem Aufkommen der Abkommen ("Treaties") zwischen den Briten (Royal Niger Company) und den einzelnen Emiraten als "gleichberechtigte" Partner, nahmen die Meinungsverschiedenheiten zu. Die Frage, wie stark die Souveränität der Fulani Herrscher in Fragen des Außenhandels eingeschränkt wurde, war dabei der Hauptstreitpunkt. Die Abschaffung der internen Sklaverei stand eher im Hintergrund.

Zwischen 1884 und 1885 wurden mit den einzelnen Emiraten Abkommen geschlossen, deren inhaltliche Auslegung an den verschieden arabischen und englischen Übersetzungen scheiterten, beispielsweise am 01.Juni 1885 mit Sokoto. Die muslimischen Führung akzeptierte die Ansprüche der britischen Partner nicht, denn sie hatten nur "territorial beschränkte Handelsrechte" vergeben. Die Briten wollten aber den gesamten Außenhandel des Kalifats durch die "treaties" in ihren Händen wissen. Das Ziel der Abschaffung des transatlantischen Sklavenhandels diente ihnen dabei als Rechtfertigung für die Durchsetzung der britischen Interessen. (LOVEJOY, 14-15.)

Die vom 15. November 1884 bis zum 26. Februar 1885 stattfindende Berliner Kongo-Konferenz behandelte die Verteilung der Gebiete um das Kongobecken. Es wurde entschieden, dass allen Nationen "freier Zugang" zu den Schifffahrtswegen gestattet wird. Der koloniale Handel sollte damit in diesen Gebieten für alle imperialen Mächte möglich sein. Gleichzeitig erhielt die "Association Internationale du Congo" unter der Leitung des belgischen Königs Leopold II. das Recht, den "Kongo-Freistaat" zu gründen, was am 1.Juli 1885 geschah. Das Vorgehen gegen die Sklaverei blieb aber weiterhin den einzelnen Kolonialmächten überlassen, es kam nicht zu einer internationalen Übereinkunft.

Die Briten beriefen sich auf die vorausgegangene Berliner Kongo-Konferenz von 1884. Dort wurden afrikanischen Gebiete unter den imperialen Mächten aufgeteilt. Britannien konnte seine Handelsinteressen im Norden Nigerias gegen Frankreich und Deutschland durchsetzen. Paul Lovejoy argumentiert weiterhin, dass die Sklaverei "zwar verurteilt wurde, jedoch wurde keine gemeinsame Aktion [gegen die Sklaverei] beschlossen. Jeder europäischen Macht war es freigestellt, so zu handeln wie sie es für richtig hielt.

Durch die Brüsseler Anti-Sklaverei Konferenz zwischen 1889 und 1890 nahm die Politik der Royal Niger Company hinsichtlich der Abschaffung des Sklavenhandels in Nigeria eine Wende. So drang sie am 1.Januar 1895 in Gebiete ein, die einen regen Sklavenhandel betrieben. Dort zerschlugen sie dir Verbände vermeintlicher Sklavenhalter. Gleichzeitig wurden aber auch entflohene Sklaven wieder eingefangen beispielsweise in der Stadt Bussa. Diese Dynamik zeigt, dass es keinesfalls eine einheitliche britische Linie in der Frage der Abschaffung der Sklaverei gab. Die Briten nahmen diese Geschehnisse als Vorwand, um endgültig Ihre Politik der Diplomatie gegen einen militärischen Eingriff einzutauschen.

Die Truppen der RNC unter Goldie unterwarfen im Januar 1897 die Stadt Bida und im Februar Ilorin. In beiden Städten hielten sich Sklavenhändler für den transatlantischen "Markt" auf. Ihre Okkupation rechtfertigte Goldie, indem er das militärische Vorgehen im Hoheitsgebiet Sokotos als notwendiges Mittel für die Durchsetzung der Anti-Sklaverei-Bewegung bezeichnete. Das sich dabei aber auch das Wirkungsgebiet der Royal Niger Company vergrößerte blieb von Goldie unerwähnt: "Wenn Europa kein materielles Interesse in Afrika zu beschützen und weiterentwickeln hätte, dann würde es [Europa] immer doch das gleiche Recht, die gleiche Pflicht haben, Sklaven Raubzüge zu unterbinden, ebenso wie ein Mann einen anderen niederschlagen muss, der Frauen und Kinder misshandelt.

Im Zuge der Auseinandersetzung flohen viele Sklaven vor ihren Herren. Die Gegenwehr in beiden Städten wurde schnell von den technisch überlegenen Briten abgewendet. Unter Druck wurden Abkommen über die neue Souveränität der Briten mit den besiegten muslimischen Führern getroffen. Die Eroberung weiterer Gebiete durch die RNC am Fluss Benue nahm bis 1898 ihren Lauf: Agaya, Bauchi oder Muri. Um der Handelsfirma nicht die imperialen Interessen zu überlassen, wurde im März 1898 Colonel Frederick Lugard mit der West African Frontier Force von der britischen Regierung nach Sokoto geschickt. Die WAFF wurde nicht mehr nur für die Absicherung der Handelssiedlungen wie Lokoja genutzt. Mit dem offiziellen Einmarsch britischer Truppen in Bida und Ilorin seit spätestens 1900 begann dann die Zeit des britischen Protektorats über Nord-Nigeria Die Politik der Diplomatie hatte damit ihr Ende gefunden, der Wechsel zu militärischer Gewalt war somit vollzogen.


Die Protektorate

Im Jahr 1900 begann Colonel Frederick Lugard als High Commissionar des Protektorats Nord-Nigeria mit der vollständigen Eroberung des Sokoto Kalifats. Als Rechtfertigung diente dabei die Auflösung sämtlicher Sklavenmärkte, um die Abolution voranzutreiben. Über das militärische Vorgehen gegen die muslimischen Herrschen äußerte Lugard sich wie folgt in einem Brief an den britischen Premierminister Chamberlain im Februar 1903:

"Die militärischen Operationen gegen die großen Städte Bida, Kontagora, Yola, Bautschi, Ilorin und Zaria, die so stark abgelehnt wurden, führten zur Beendigung dieser Dinge [gemeint ist der Sklavenhandel]. Die Aufgabe, die mir zuteil wurde, ist die der Verhinderung der täglichen Blutschande, welche gerade dieses Land [gemeint ist Sokoto] um die Hälfte seiner Bevölkerung gebracht hat. Diese Unterdrückung der tyrannischen Kräfte wurde sogar fast ohne Blutvergießen erreicht."

Das Vorgehen der Briten verletzte immer noch die Herrschaftsansprüche der Emire, die das Eindringen nicht widerstandslos hinnahmen.


Das Sokoto Kalifat und seine Reaktion auf die britische Durchdringung des Landes

Der Kalif Bello schloss schon 1826/27 einige Abkommen mit den Briten und ließ auch ein Konsulat in Sokoto zu. Dennoch war er skeptisch gegenüber den wahren Motiven seiner Geschäftspartner: "Sie würden Hausaland ebenso einnehmen wie sie es mit Indien taten. Diese Äußerung zeigt, dass die muslimischen Führer vorsichtig gegenüber ihren Geschäftspartnern waren, obwohl Großbritannien zu diesem Zeitpunkt noch keine Waffengewalt androhte, um seine politischen Ziele in Nigeria umzusetzen." (Paul Lovejoy)

Mit der Errichtung des Protektorates hat sich die Vorahnung des Kalifen bestätigt und der militärische Widerstand gegen die britische Vorherrschaft wurde gebrochen. Dem Kalifat standen jetzt nicht mehr Geschäftspartner gegenüber, sondern vielmehr politischen und militärischen Gegner. Das Bild, das die Briten von den Fulani zeichneten, verdeutlichte auch ihre politischen Ansichten über die innerafrikanische Sklaverei. Dies zeigt besonders deutlich eine Äußerung des britischen Majors O'Neill während der Besetzung des Emirates Kontagora im August 1900. Im Zuge der "Befreiungsfeldzüge" der Briten flüchteten viele Sklaven, die von ihren Herren teilweise wieder eingefangen wurden. O'Neill titulierte in dieser Zeit das Oberhaupt von Kontagora Sarkin Sudan Ibrahim als "Sklavenfänger der schlimmsten Art." Die Fulani Herrscher ließen sich nämlich nicht ohne Widerstand von den Briten unterwerfen. In den folgenden Jahren gaben die Emire ihre Länder nicht preis, doch letztlich scheiterten sie an der militärischen Überlegenheit der Briten. Die letzte Auseinandersetzung war die zweite Schlacht von Borni am 27. Juli 1903, die die Briten gewannen.

Die Fulani mussten den alleinigen Herrschaftanspruch aufgeben und sich den neuen Machthabern beugen. Die alten muslimischen Herrschaftseliten blieben in ihren Ämtern, jedoch unter britischer Kontrolle. Die Briten erhoffte sich von dieser Politik, dass es zu keinen Revolten kommen würde. Nach und nach wurden die alten Herrscher zu den willigen Instrumenten der Kolonialherrscher, denn Ihnen blieben teilweise alte Privilegien wie die Hofsklaven erhalten. Diese Dynamik zwischen alten und neuen Herrschern sollte beiden Seiten eine relative sichere Koexistenz ermöglichen. Diese Politik wurde "Indirect Rule" genannt und ermöglichte den Briten den bisher intakten Staat Sokoto zu übernehmen.


Die Emanzipation der Sklaven im britischen Protektorat Nordnigeria

Paul Lovejoy sieht in dem "Kampf um die politische Macht zwischen Sklavenhalter und Abolitionisten, sowie den Sklaven" in Nord-Nigeria den maßgeblichen Faktor zur Befreiung der Sklaven aus der traditionellen Sklaverei. Dieser Kampf wurde anfangs zwischen den britischen Abolitionisten und den muslimischen Sklavenhaltern in Sokoto ausgeführt, aus dem letztlich die muslimischen Herrscher als Unterlegene hervorgingen. Während dieser Auseinandersetzungen fanden viele Sklaven in der Flucht eine Form des Widerstandes gegen die Sklaverei.

Die Emanzipierung der Sklaven begann jedoch nicht erst mit den Fluchtbewegungen. Lovejoy führt das Beispiel der Kinder von Sklavinnen und freien Männern an. Diese Kinder erhalten einen legalen freien Staus auch während der Fulani Herrschaft. Dies ist für ihn ein Schritt in die "Eigenemanzipation".

Die eigentliche Emanzipation und somit die Abschaffung der Sklaverei setzt erst nach einem langen Transformationsprozess ein. Damit Großbritannien sich der politischen Stabilität sicher sein konnte, wurde ab 1900 ein Ausgleich mit den Sklavenhaltern gesucht. Diese sollten den ehemaligen Sklaven für ihre Arbeit Lohn zahlen ["Murgo"]. Mit diesem Lohn sollten sich die Sklaven wiederum von ihren ehemaligen Herren freikaufen, eine "Entlohnung für ausgefallenen, [Sklaven-] Arbeitskraft". Es gab zwei Arten von Freikäufen: Zum einen den "Fansar kai", den Freikauf durch eigene Mittel; Und zum anderen den "Fansa", den Freikauf durch Mittel Dritter. Dieses Konzept sicherte nicht nur die Zurückhaltung der ehemaligen Herrscher, deren Einkünfte gesichert waren. Vielmehr sollten die ehemaligen Sklaven durch die Abhängigkeit von der Lohnarbeit von möglichen Aufständen abgehalten werden.

Lovejoy zeigt somit auch die negativen Seiten der Abschaffung der Sklaverei auf. Die ehemaligen Sklaven bekamen nicht nur Geld, vielmehr mussten sie hohe Steuersätze bezahlen. Diese Abzüge ermöglichten es vielen nicht, sich sofort freizukaufen oder sich etwa eigens Land zu kaufen. Die abhängigen Arbeiter repräsentierten die neue Form der Sklaverei. Die Emanzipation hatte noch einen weiten Weg vor sich, denn seit 1912 war Nigeria offiziell eine britische Kolonie und die Lage der ehemaligen Sklaven hatte sich mit den schlecht bezahlten Löhnen nicht verbessert. Erst am 17.Oktober 1936 mit der "16.Verordnung" wurden alle Menschen, die in Nigeria geboren wurden oder dorthin gebracht worden sind, rechtsgültig als freie Personen anerkannt. Somit musste sich niemand mehr freikaufen. Jedoch wendet Lovejoy ein, dass selbst zu diesem Zeitpunkt noch nicht alle Nigerianer wirklich frei gewesen sein. Als Beispiel führt er königliche Sklaven sowie Konkubinen an, deren Leben immer noch an ihre Herren gebunden waren. Diese Feststellung belegt, die eingangs gestellte These, dass die Abschaffung der Sklaverei in Nigeria ein schleichender Prozess gewesen ist. Schließlich verging von den ersten "Befreiungsfeldzügen" der Briten ab 1896 bis hin zur "16.Verordnung" 1936 fast vierzig Jahre in denen es immer noch Sklaven gab.


Literatur

  • Adeleye, R. A. Power and Diplomacy in Northern Nigeria 1804-1906. The Sokoto Caliphate and its Enemies. London, 1971.
  • Asiegbu, Johnson U. J. Nigeria and its British Invaders 1851-1890. New York / Lagos, 1984.
  • Crowder, Michael. The Story of Nigeria. London, 1966.
  • Harding, Leonhard. Einführung in das Studium der afrikanischen Geschichte. Münster / Hamburg: Lit, 1992.
  • Ikime, O. The Fall of Nigeria. The British conquest. London, 1977.
  • Last, Murray. The Sokoto Caliphat. London, 1977.
  • Lovejoy, Paul und Jan S. Hogendorn. The Slow Death of Slavery. The Course of Abolition in Northern Nigeria 1897-1936. Cambridge: University Press, 1993.
  • Manning, Patrick. Slavery and African Life. Occidental, Oriental and African Slave Trades. Cambridge: University Press, 1990.
  • Watts, Michael. Silent Violence. Food, Famine and Peasantry in Northern Nigeria. London, 1983.



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