Glossar(Agrargeschichte)

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Glossar zur Agrargeschichte

- im Aufbau! -

Inhaltsverzeichnis

Ablösungen

Bei dem Begriff der Ablösungen handelt es sich um einen technischen Begriff, der in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts verwendet wurde, um die Aufhebung feudaler Abgaben im Rahmen der Bauernbefreiung zu benennen. Ablösungen hieß konkret, dass die Bauern für die Befreiung von Abgaben und Dienste seitens ihrer Grund-, Eigentums- oder Zehntherren Geld zu zahlen hatten. Die Höhe ergab sich aus dem Geldwert der Abgaben. Meist musste zur vollständigen Befreiung von der Aufhebung ein 20 bis 25facher Jahreswert der Abgaben gezahlt werden.

Agrarreformen

Der Begriff "Agrarreformen" meint die umfassende Neuorganisation der ländlichen Verhältnisse zwischen 1750 und 1850, in dem einerseits genossenschaftliche Strukturen durch die Gemeinheitsteilungen und Verkoppelungen in individuelle Nutzungsformen überführt wurden. Andererseits wurde durch die sogenannte Bauernbefreiung die herrschaftliche Abhängigkeit der Bauern aufgehoben. Allerdings wurde in der Regel nur die persönliche Unfreiheit unentgeltlich beseitigt, während die Übertragung des uneingeschränkten Eigentums an dem bewirtschafteten Land und den Höfen entweder Landabtretungen (speziell in den älteren Gebieten Preußens) oder Geldzahlungen Ablösungen voraus setzten.

Brinksitzer

siehe: Hofklassen

Bauernbefreiung

Die Bauernbefreiung meint die Aufhebung feudaler Rechte (Grundherrschaft, Gutsherrschaft) im 19. Jahrhundert. Es war ein komplexer Prozess, der sich in Deutschland von der Mitte des 18. Jahrhunderts, als sich erste Kritik an den bäuerlichen Zuständen äußerte, über das frühe 19. Jahrhundert bis weit über die Mitte des Jahrhunderts hinzog. Wichtige Etappen waren:

  • die französische Zeit mit der Aufhebung der Leibeigenschaft in den französisch kontrollierten oder beeinflußten Gebieten des westlichen Deutschland und dem Oktoberedikt in Preußen (wo es aber schon ab 1799 für die Domänenbauern erste Befreiungen gegeben hatte),
  • mit einer Restaurationsphase besonders im westlichen Deutschland, wo nach der französischen Zeit häufig wieder die alten Verhältnisse hergestellt und die Reformen "kassiert" wurden,
  • Ablöungsgesetzen (siehe Ablösungen) im Verlauf und in der Folge der Revolution von 1830 in einer Reihe deutscher Staaten,
  • dem weitgehenden Abschluss der Reformen zwischen 1848 und 1850,
  • gesetzliche Maßnahmen bis in das Kaiserreich in Regionen, in denen die Reformen selbst nach 1850 nur unvollständig durchgeführt worden waren.

Zu beachten ist, dass die Reformen nicht mehr der Veröffentlichung von Gesetzen abgeschlossen waren, sondern erst begannen und dass sie zumindest im nördlichen Deutschland häufig verbunden waren mit Gemeinheitsteilungen und Verkoppelungen

Gemeinheitsteilungen

Neben den Verkoppelungen gehörten die Gemeinheitsteilungen zu den Agrarreformen, die nicht der Aufhebung herrschaftlicher Abhängigkeit dienten (Bauernbefreiung), sondern genossenschaftliche Strukturen, die bis Anfang des 19. Jahrhunderts individuelle Landnutzungen behinderten, aufhoben. Bei den Gemeinheitsteilungen wurden zunächst die zwischen mehreren Dörfern bestehenden gemeinsamen Nutzung an Land (Weiden, Wälder) aufgehoben (Generalteilungen), ehe dann die zur Nutzung der Gemeindeflächen berechtigten Gemeindemitglieder (meist nur die Landbesitzer) im Zuge der Spezialteilungen Flächen erhielten, die sie jetzt individuell nutzen konnten. Gemeinheitsteilungen und Verkoppelungen bildeten eine erste Flurbereinigung, durch die Fluren der Dörfer nahezu komplett umgestaltet wurden, weil nicht nur die Feldeinteilung komplett neu vorgenommen, sondern auch ein neues Wegenetz angelegt wurde.

Hofklassen

Hofklassen wurden in Norddeutschland seit dem 16. Jahrhundert eingeführt, wobei die Bezeichnungen teilweise älter sind. Sie dienten dazu, die Belastung mit Abgaben und vor allem Diensten näher zu regeln. Folgende große Gruppen, die noch teilweise in Untergruppen unterteilt waren, gab es:

  • Meier, unterteilt in Voll- und Halbmeier, es handelte sich jeweils um die größten Höfe; diesen waren zu Spanndiensten verpflichtet,
  • Kötner (auch: Köter, Kötter), unterteilt in Groß- und Kleinkötner; hatten Handdienste zu leisten; die Großkötner konnten Besitzflächen aufweisen, die nicht weit von Halbmeier waren; Kleinkötner hatten meist nur sehr kleine Flächen in Bewirtschaftung.
  • Brinksitzer, Straßensitzer, An- und Abbauer, hatten wenige Handdienste zu leisten, hatten oft nur ein Haus und einen kleinen Garten.

Siehe auch: Register

Kötner

siehe: Hofklassen

Meier

siehe: Hofklassen

Register

Die Hofklassen lassen sich am einfachsten über die sogenannten registerförmigen Quellen nachweisen, siehe dazu die Beispiele bei Kopfsteuerbeschreibung von 1689 oder das Lagerbuch des Amtes Blumenau von 1600. Weitere Literatur siehe hier. Eine kurze Einführung erläutert nicht nur die Quelle, sondern zeigt auch ein Beispiel einer Seite aus der Edition der Kopfsteuerbeschreibung von 1689.

Verkoppelungen

Bis in das 19. Jahrhundert hinein waren die Ackerflächen stark parzelliert; außerdem verliefen über den Flächen oft Wegerechte, die etwa im Herbst für die Viehtrift genutzt werden konnten. Seit dem späten 18. Jahrhundert wurden diese Flächen im Rahmen der Verkoppelungen (von Koopeln) zusammen gelegt. Die Verkoppelungen waren damit Vorläufer der Flurbereinigung.