Herrschaft Abhängigkeit

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Karl H. Schneider

Einführung

Bäuerliche Abhängigkeit bis zu den Agrarreformen des 19. Jahrhunderts (siehe auch Bauernbefreiung) war zeitlich und räumlich sehr unterschiedlich ausgeprägt. An dieser Stelle sollen nach und nach einzelne Aspekte vorgestellt werden.

Das beiliegende Schema zeigt die Abhängigkeiten der Bauern von unterschiedlichen Herren bzw. Herrschaftsrechten und die daraus folgenden Abgaben. Das "Durcheinander" der Pfeile gibt einen Eindruck von der Komplexität der Herrschaftsrechte, die sich tatsächlich oft überschnitten.

Schema grundherrschaft kl.jpg

Der Landesherr nahm in diesem Bild eine besondere Stellung ein. Einerseits war er in vielen Territorien der größte Grundherr, andererseits übte er weiter gehende Herrschaftsrechte aus und verfügte meist über den besten Herrschaftsapparat, so dass er oft nicht nur gegenüber den Bauern, sondern auch gegenüber konkurrierenden Herrschaftsträgern seine Interessen leichter durchsetzen konnte (siehe etwa Dienste in Celle um 1700). Diese besondere Stärke des Landesherrn bestand u.a. in den nordwestdeutschen Territorien. Typisch war für diese Gebiete außerdem, dass die Bauern nicht einen, sondern mehrere Herren hatten, d.h. die einzelnen Herrschaftsrechte an den Höfen war in den meisten Fällen aufgesplittet, so dass in Konfliktfällen erst geklärt werden musste, wer von den Herren in diesem Fall der Verantwortliche war. In der Forschung[1] werden die Gebiete mit grundherrschaftlichen Verhältnissen gern als solche beschrieben, in denen kaum Dienstleistungen erbracht werden mussten. In Nordwestdeutschland waren allerdings die Verhältnisse oft anders, hier waren - etwa in Schaumburg-Lippe - durchaus Dienstleistungen in einer Höhe von mehreren Tagen die Woche üblich. Unser Wissen über die ökonomischen Folgen der Abhängigkeit ist trotz einer intensiven Forschung begrenzt. Einerseits spricht einiges dafür, dass vorwiegend die großen Höfe von der Agrarkonjunktur im späten 18. Jahrhundert profitieren[2] Dennoch war die ökonomische Situation vieler Höfe kritisch.[3]


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Belege

  1. Einen guten Überblick bietet Werner Rösener, Die Bauern in der europäischen Geschichte. (Europa bauen) München 1993.
  2. Achilles, Walter, Die Lage der hannoverschen Landbevölkerung im späten 18. Jahrhundert. (Veröffentlichungen der Historischen Kommission für Niedersachsen und Bremen 34, 9) Hildesheim 1982.
  3. Schneider, Karl H., Äußerungswesen und bäuerliche Wirtschaft in Schaumburg-Lippe 1770-1800. in: Schaumburg-Lippische Mitteilungen, 25 (1982), 55-83.