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Der Deutsche Offizier und sein kulturelles Agieren


Von Moritz Kosel (Hausarbeit, Sommersemester 2007)


Inhaltsverzeichnis

Einleitung

"Krieg ist stets Ausdruck einer Kultur, oft sogar eine ihrer bestimmenden Größen, und in manchen Gesellschaften selbst."[1]


Mit diesem Satz eröffnete John Keegan die Möglichkeit Krieg aus einer anderen Perspektive, als z.B. die des "Schlachtengebummels"[2], zu betrachten. Die Kultur eines Krieges steht hier im Mittelpunkt und damit auch ihre Verknüpfungen bzw. ihre Wechselwirkungen mit ihrem Umfeld, was in diesem Fall, wenn man sich an der Kulturdefinition von Edward Burnett Taylor orientiert, "that complex whole which includes knowledge, belief, art, law, morals, custom, and any other capabilities and habits acquired by man as a member of society"[3], die Gesellschaft ist. In Verbindung mit Keegan würde das heißen, daß die Art und Weise, wie kriegerische Akteure handeln und denken sich aus einem bestimmten gesellschaftlichen Wertegerüst ergeben, was im Bezug auf Krieg und Kultur heißen könnte, dass sich, z.B. ein ethischer, moralischer oder wirtschaftlicher Einfluß auf das Wesen der Kriegsführung, von der taktischen bis zur strategischen Ebene bemerkbar macht, bzw. nach Keegan, sogar eine bestimmende Größe wäre.

Insgesamt hatte diese Thematik erst in jüngere Vergangenheit mehr Aufmerksamkeit bekommen. Hier sei zunächst besonders die Mittelaltergeschichte zu nennen, die sich diesen Ansatz immer wieder bei der Beschreibung des Kriegswesens dieser Zeit und dem damit verbundenen Rittertum bedient. Besonders deutlich wurde dies z.B. an den Studien von Maurice Keen[4] und Malte Prietzel[5]. Beide Studien hatten ihre Schwerpunkte auf sozial-, mental- und kulturgeschichtlicher Basis und den damit verbundenen Auswirkungen auf das Kriegswesen dieser Zeit. Auch in der Frühen Neuzeit gibt es Arbeiten, die sich dieser Thematik annahmen. Zu nennen ist hier z.B. die Studie von Bernhard Kroener über den Professionalismus der französischen Offiziere während des Siebenjährigen Krieges[6]. Dagegen fand diese Thematik, zumindest aus einer militärhistorischen Perspektive, in der Zeit um den Ersten Weltkrieg, zumindest im deutschsprachigen Raum[7], nur wenig Beachtung. Zwar gab es einige Studien zum Deutschen Offizierskorps und seiner kulturellen Prägung, jedoch wurde meistens nicht untersucht, inwieweit sich diese im militärtechnischen Prozess wieder finden läßt und ob es somit einen Einfluß der jeweiligen Kultur auf die Kriegsführung gab. Lediglich Heiger Ostertag[8] und Dieter Storz[9] wandten sich diesem Problem in einer jeweils bestimmten Form zu. Während Ostertags Schwerpunkt auf einer allgemeinen Studie über das Offizierskorps, mit dem Schwerpunkt der kriegerischen Professionalität und der damit verbundenen Frage, inwieweit der Deutsche Offiziere auf den Ersten Weltkrieg vorbereitet war, lag, zeigte Storz den Einfluß von Ideologie im militärischen Entscheidungsprozeß auf.

Damit soll im Folgenden ein Ansatz entwickelt werden, der an unterschiedlichen Beispielen zeigen soll, wie militärische Entscheidungen des Deutschen Offizierkorps aus seinem Kulturlager heraus beeinflusst wurden. Um dies zu Verwirklichen, soll ein strukturanalytischer Ansatz genutzt werden. Dieser sieht vor, daß als erstes der kaiserlich-deutsche Offizier vor dem Ersten Weltkrieg identifiziert wird, da dieser als maßgeblicher Entscheidungsträger großen Einfluß auf das Kriegsbild der Zeit hatte. Identifizieren heißt im vorliegenden Fall auch das Umfeld des Offiziers aufzuzeigen, da er aus diesem seinen kulturellen Einfluß erhalten hatte, der letztlich, wie oben aufgezeigt, den jeweiligen Entscheidungsprozeß beeinflußte. Allerdings stand hinter einem Offizier das Offizierskorps und bildet somit das direkte Umfeld, weshalb unsere Betrachtung nicht wie oben erwähnt, die Verbindung zwischen Gesellschaft und Offizier beschreibt, sondern zwischen Offizierskorps und Offizier. Mit Hilfe der sich daraus ergebenden Ergebnisse soll in einem nächsten Schritt das Idealbild eines Krieges für einen deutschen Offizier dieser Zeit untersucht werden. Von diesem entstehenden Kriegsbild erhofft sich der Autor ein Bild, das aufzeigt, ob und wie sich die kulturelle Prägung auf militärische Verhältnisse umsetzte. Daraus soll sich ein bestimmtes "kriegs-kulturelles" Gebilde ergeben, daß in einem letzten Abschnitt auf unterschiedliche Beispiele der taktischen und strategischen Ebene angewendet werden soll, um so Erklärungsansätze für das militärische Agieren der Offiziere dieser Zeit aus einer kulturellen Perspektive zu gewinnen. Abschließen wird diese Arbeit mit einem Fazit.


Der Deutsche Offizier und sein Umfeld

Das preußische Offizierskorps

Im Jahr 1890 erließ der deutsche Kaiser und preußische König folgende Kabinettsordre:

"Neben den Sprossen der adeligen Geschlechter des Landes, neben den Söhnen meiner braven Offiziere und Beamten, die nach alter Tradition die Grundpfeiler des Offizierskorps bilden, erblicke ich die Träger der Zukunft meiner Armee auch in den Söhnen solcher ehrenwerten bürgerlichen Häuser, in denen die Liebe zu König und Vaterland, ein warmes Herz für den Soldatenstand und christliche Gesittung gepflegt und anerzogen werden."[10]

Diese Kabinettsordre Wilhelms II. spiegelt den Trend wieder, dem das preußische Offizierskorps seit einigen Jahren unterlag. Die seit der Einführung des stehenden Heeres in Preußen traditionelle Domäne des preußischen Militäradels[11] hatte sich, zumindest quantitativ, „Verbürgerlicht“. So ging der Anteil adliger Offiziere im Zeitraum 1860 bis 1913 von 65 auf 30% zurück.[12] Auch außerhalb Preußens waren derartige Trends noch deutlicher zu erkennen. In der württembergische Armee waren 1910 81,5% und in der sächsischen Armee 1908 85,2% bürgerliche Offiziere.[13] Eine Erklärung für diese Entwicklung, zumindest aus der Perspektive des Bürgertums, wäre die allgemein ansteigende Beliebtheit des Militärs, die laut Ute Frevert, mit Identifizierungsmotiven zusammenhängt. Demnach hatte das Bürgertum seine langen gepflegten Vorbehalte gegen das preußische „Soldatenheer“ fallen gelassen, weil man sich mit dem neu gegründeten Nationalstaat, der nachweislich auf militärischer Stärke und Effizienz gegründete war, identifizieren wollte.[14] Allerdings, wie selbst aus Wilhems II. Odre hervorgeht, war das Korps nicht jedermann geöffnet. Die Rekrutierung des Offiziersnachwuchses folgte weiter den Prinzipien der gesellschaftlichen Homogenität des Korps und die Exklusivität als Stand. Für den bürgerlichen Offiziersaspiranten hieß das, dass er bestimmten Auswahlkriterin unterlag. Diese lassen sich darauf zu reduzieren, dass die neuen Offiziere aus den Kreisen stammen sollten, den das preußische Beamtentum als Vorbild galt und die somit keine kulturfremden Attribute besaßen.[15] Das waren in erster Linie die zu wirtschaftlichem Wohlstand gelangten oder das akademisch gebildete Bürgertum.[16] Während 1888 235 Offiziersanwärter aus akademischem Hause stammten, waren es 1913 459, also fast doppelt so viele.[17]

Was bedeutete diese quantitative Entwicklung aus einer kulturellen Perspektive? Folgende Optionen lassen sich erkennen: Entweder wurde das Offizierskorps nicht nur zahlenmäßig, sondern auch kulturell und mental verbürgerlicht und damit auch z.B. die Verhaltensnormen und Denkweisen oder das Bürgertum selbst wurde von einem noblierten Verhaltenscode assimiliert.

Die Forschung beantwortet diese Frage im Allgemeinen damit, daß das vertretende Bürgertum im Offizierskorps die Kultur des Adels übernommen hatte. In jüngere Vergangenheit hatte Mark Stoneman diese Diskussion wieder aufgegriffen und hatte dabei die Schlüsselaussagen einiger Forscher analysiert. Demnach meint Wehler zu diesem Thema: In der Langzeitperspektive ist der Rückgang des Adels in den Leistungspositionen der Streitkräfte eine sozialhistorische Tatsache. Da er aber im Hegemonialstaat seine Vorherrschaft im oberen Offizierskorps dennoch behaupten konnte, reichte sein Einfluß im größten [d.H. Preußen] Militärverband, damit auch im Reichsheer, immer noch erstaunlich weit"[18] Zudem heißt es bei Nipperdey: "[wurde] die bürgerlichen Offiziere in den tradierten Verhaltensnormen integriert, sie wurden Teilhaber der Exklusivität und des homogenen Korpsgeistes. Insofern hat die zunehmende bürgerliche Herkunft an Geist und Stil des Offizierskorps wenig geändert - allenfalls die schulische Vor- und technisch-intellektuelle Fortbildung gewannen an Gewicht".[19]

Stoneman selbst kritisiert an den beiden Interpretationen Wehlers und Nipperdeys, dass keine neuen Ergebnisse aus der neueren Bürgertumsforschung beachtet wurden "wonach die wilhelminischen Eliten nicht nur aus Adel und einem dominierten bzw. "feudalisierten“ Bürgertum, sondern auch aus vielfältigen und selbstbewussten bürgerlichen Elementen bestanden".[20] Auch Wilhelm Deist vertritt eine ähnliche Auffassung, die er mit der Personalsteuerungspolitik des Militärkabinetts begründet.[21] Neben den bereits angesprochenen Rekrutierungskriterien verweißt Deist auf die Personalsteuerung im Offizierskorps selbst. So waren dort 1913 56% der Stellen vom Obersten an aufwärts adeliger Herkunft, was für ihn ein weiterer Beleg für die Assimilation des Bürgertums durch den Adel ist.[22] Zudem verweißt er auf die Strukturprinzipien der einzelnen Regimenter. So waren die Elitären, zumeist die Garde-Regimenter, dem Adel vorbehalten, während die weniger Prestigeprächtigen Regimenter, besonders aus dem technischen Bereich wie Artillerie, Verkehrstruppen, etc. dem Bürgertum vorbehalten waren.[23] Diesen Aspekt hatte auch Stoneman aufgefasst und vertieft. So ermittelt anhand unterschiedlicher Ranglisten aus dem Jahr 1912 das Verhältnis von adeligen und bürgerlichen Offizieren in den unterschiedlichen Regimentern. Daraus sollen folgende Beispiele genannt werden:

Das Verhältnis von Adel/Bürgertum im 1. Garde-Regiment zu Fuß [Potsdam] 1912 betrug 86:0 und beim 1. Thüringischen Feldartillerie-Regiment Nr. 19 [Erfurt] 0: 29.[24]

Keine Beachtung fanden dagegen die Kavallerie-Regimenter, also die absolute Domäne des Adels und stellt somit auch einen Höhepunkt der kaiserlichen Personalsteuerungspolitik dar. Daher sei das Beispiel des 2. Garde-Dragoner-Regiments „Kaiserin Alexandra von Russland“ an dieser Stelle erwähnt. Allein der Name lässt auf eine äußerst elitäre Stellung ahnen, die durch die Namen der Mitglieder dieses Regiments, wie von Schlieffen, von Tirpitz, von Dohner, usw. unterstützt wird. Bekräftigt wird diese Annahme bei genauerer Betrachtung der Ehren-Rangliste von 1914, wo kein bürgerlicher Offizier zu finden ist.[25]

Leider kann diese Problematik hier nicht weiter vertieft werden, da sie nicht Gegenstand der Betrachtung ist. Es soll daher für die folgende Arbeit die These übernommen werden, dass die bürgerlichen Offiziere vom Adel feudalisiert wurden. Allerdings möchte der Autor auf die Verbindung zwischen dem Thema der Arbeit und der genannten Problematik hinweisen. Alle Betrachtungen beachten nicht die militärische Ebene. Jedoch, kann diese ggf. eine Artikulation einer Kultur in dem militärischen Agieren aufzeigen, womit neue Rückschlüsse auf die kulturelle Dominanz im Offizierskorps erschloßen werden können.

Der Marineoffizier

"Gerade das Offizierskorps der Reichsmarine, ohne militärische Tradition und in der Anfangszeit fast rein bürgerlich, entwickelte unter dem Patronat des jungen Kaisers Wilhelm II. einen Korpsgeist „altpreußischer“ Prägung, der in der Armee nicht seines gleichen findet".[26]


So lautet das Urteil von G. Papke über das Wesen des kaiserlichen Marineoffiziers im Vergleich zu dem der preußischen Armee. In der Tat war das kaiserliche Marineoffizierskorps von vornherein bürgerlich geprägt. Ein Tatsche, die u.a. auch daran erkennbar wird , dass die meisten bekannten Seeoffiziere, wie Knorr, Koester, Müller, Hollmann, Tirpitz, Ingenohl, Pohl, Schröder, Capelle, Hipper usw. bürgerlicher Herkunft waren und erst nach langen Dienstjahren nachgeadelt wurden.[27] Diese Tendenz wird auch in den Zahlen der Seekadetten deutlich: 1895 waren 14%, 1902 13% und 1905 14% adeliger Herkunft[28] womit ihr Anteil, im Vergleich zur preußischen Armee, etwa halb so groß war. Innerhalb des maritimen Offizierskorps gab eine Sozialstruktur, die der des Heeres in gewisser Weise ähnelte. Während beim Heer der Gardeoffizier an der Spitze der Hierarchie stand und der technische Offizier am Ende, war es der Seeoffizier, der die Elite in der Marine bildete, während der "Techniker", also z.B. der Ingenieur, sich am Ende dieser befanden. [29] Zwischen diesen beiden Gruppen standen die Fachoffiziere (Feuerwerks- und Torpedooffiziere) und die "studierten Herrschaften" (Marinesanitätsoffiziere).[30]

Im Vergleich zur Deutschen Marine hatte die Britische Royal Navy unter Sir John Fisher das "Selborne Scheme" eingeführt, wonach Seeoffiziere, Marineingenieure und Marineinfanteristen ebenbürtig ausgebildet und zum Offizier befördert wurden[31].

Der Seeoffizier beanspruchte nicht nur eine elitäre Stellung innerhalb des Offizierskorps, sondern beanspruchte auch eine dementsprechende Stellung in der Gesellschaft. Tirpitz wollte ihm eine "Aristokratenstellung"[32] sichern . Dazu meinte er:

"Das Seeoffizierskorps soll schließlich auch Führer hervorbringen, die unter Umständen das Schicksal der Nation in der Hand haben".[33]

Um dies zu gewährleisten konnte die Marine auf unterschiedliche Mechanismen bei ihrer Personalsteuerung zurückgreifen, die ihren Schwerpunkt auf der Herkunft, Bildung und Kosten der Laufbahn hatten. Somit rekrutierte sich der Seeoffizier aus dem gehobenen Mittelstand des Besitz- und Bildungsbürgertums und des wohlhabenden Adels[34], da diese Bevölkerungsschichten meist nur in der Lage waren, die hohen Kosten der Seeoffizierslaufbahn zu tragen, die sich 1910 auf etwa 9000 Mark beliefen. Somit war den Aspiranten aus kleinbürgerlichen Familien und der Arbeiterschaft die Karriere zum Seeoffizier allein wegen der Höhe der notwendigen finanziellen Unterstützung der Seekadetten versperrt. Diese Personalsteuerungspolitik wurde bei Anwärtern für den Seeoffizierkadetten zwar in einer verschärften Form angewandt, was nicht heißen soll, dass das Auswahlverfahren für Kadetten für andere Offizierposten nicht streng war. Genauso wie beim preußischen Heer stand die Marine auch nicht jedem Bewerber offen. Bei ihrer Personalsteuerung konnte die Marine ebenfalls auf verschiedene Instrumentarien zurückgreifen, um "unerwünschte Elemente" aus der Offizierslaufbahn fernzuhalten. Eine weitere Parallele zwischen preußischen Heer und Marine ist die Ablehnung des "Technikers"[35]. Neben der gewollten elitären Stellung des Seeoffiziers ergaben sich aus einer allgemeinen Ablehnung der Technik, der Bevorzugung der humanistische Bildung gegenüber den Naturwissenschaften und der Tradition der Seefahrt, wonach stets der älteste Seeoffizier das Kommando hatte, die Gründe für die Minderbewertung des Seeingenieurs.[36]

Prägung und Umfeld

Bislang gehen wir davon aus, daß das Offizierskorps, trotz quantitativer Unterlegenheit, durch eine adelige Verhaltenskultur geprägt war. Uns ist jedoch nicht bekannt, was diese Verhaltenskultur ausgemacht hatte und welche Auswirkungen damit auf die Person des Offiziers verbunden waren. Das soll im folgenden Abschnitt untersucht werden.

Der Adel wurde an Kadettenanstalten, Ritterakademien oder Pagerien ausgebildet und erzogen. Über die Ausbildungsziele dieser Anstalten schrieb Marcus Funck, daß diese "eine umfassende Standeserziehung vermitteln sollten, in der "modernes Fachwissen in den adelig-männlichen Wertekanon interigiert" werden sollte[37]. Standeserziehung implizierte dabei die "Erziehung nach einem traditionalen adeligen Männerideal, das im 19. Jahrhundert in der Kunstfigur des (modernen) Ritters eine neue Blüte erlebte und in den genannten Berufsfeldern [Offizier] noch real gelebt werden konnte"[38].

Was dieses moderne Rittertum bedeutet erläutert ein Aufsatz aus dem Militärwochenblatt aus dem Jahr 1889. Darin heißt es u.a.:

"Dem Offizierstand ist eine spezielle, meist angeborene Vornehmheit zu eigen. Aus dieser schöpft der einzelne Offizier seine sittliche Kraft. Unbedingt verbindlich ist für die ganze Armee das aristokratische Prinzip, ohne dieses gäbe es kein Offizierskorps. Betont wird ferner die Ehre als tragendes Grundprinzip, als Urgesinnung des wahren Offiziers. Ehre und ritterliche Gesinnung, Erziehung und gesellschaftliche Sicherheit stehen im engen Konnex miteinander verwoben, sind die Säulen der Armee".[39]

Die hier genannten Charakterzüge werden bei Funck bestätigt, dessen Erkenntnisse allerdings aus einer Analyse der am meist genantesten Begriffen stammen, die adelige Autoren genannt hatten, wenn sie von ihren Kindheitserinnerungen berichteten. Demnach waren das "Höherwertigkeit, Ehrenhaftigkeit, Haltung (Affektbeherrschung und Körperkontrolle) und Höfflichkeit bzw. Benehmen" und in einer Extremform die anerzogene Todesverachtung[40].

Auffällig ist, daß bislang eine charakterliche Erziehung und Ausbildung betont wird. Eine schulische wird nicht erwähnt, was die Erziehungspraxis im Kadettenkorps widerspiegelt. Dort gab es ein Kampf zwischen "Charakter versus Bildung", wie Klaus Schmitz feststellen konnte, der letztlich zugunsten einer Werteorientierten Erziehung und Ausbildung entschieden wurde[41]. Allerdings sollten die Kadettenanstalten nicht überbewertet werden, da diese nur eine Minderheit des Offiziernachwuchses stellten[42]. Dennoch lassen sich diese adeligen Erziehungsprinzipien immer wieder im Offizierskorps erkennen. Deutlich wird dies bei einem Vergleich, den Heiger Ostertag durchführte. Er bezog sich auf eine Studie von Hans Nuber zur "charaktereologischen Untersuchung" zur Wahl des Offiziersberufs aus dem Jahr 1935 und verglich diese mit den Beschreibungen der Offiziersqualitäten aus einer Ehrengerichts-Verordnung vom 2. Mai 1874[43]. Er fasste diesen Vergleich in folgender Tabelle[44] zusammen:

Koseltabelle.jpg

Hier wird deutlich, wie die einstmaligen erzieherischen Werte des Adels in das Offizierskorps übergegangen sind. Aus diesem Wertesystem hatte sich ein eigenes Normensystem entwickelt, daß Ostertag als „Esprit de Corps“ bezeichnete[45]. Damit wäre gleichzeitig das Umfeld der kaiserlichen Offiziere bestimmt und somit seine „Kulturlage“. Leiter kann der Autor zu diesem Zeitpunkt keine Aussage über die Kulturlage des Marineoffiziers machen, da ihm keine derartigen Ergebnisse vorlagen, wie für den preußischen Offizier. Jedoch geht der Autor von einer ähnlichen Kulturlage aus. Über die Gründe soll an spätere Stelle diskutiert werden.

Die Idealform des Krieges

Bevor John Keegan zu dem oben aufgeführten Ergebnis kam, hatte er zuvor die "zivilisiert Art" der Kriegsführung mit der "ungesetzlichen und unzivilen" verglichen[46]. Hauptakteure dieses Vergleichs waren Carl von Clausewitz und die zaristischen Kosaken während Napoleons Russlandsfeldzug. Beide Akteure dienten dabei als zwei unterschiedliche "Kulturpole". So wurde in diesem Kontext der zivile Krieg als der beschrieben, der genauen Richtlinien folgte, wie "Belagerung, offene Feldschlacht, Geplänkel, Angriff, Aufklärung und Vorposten"[47]. Das Gegenteil davon, war das, was für Clausewitz die Kosaken verkörperten, nämlich der "Kleine Krieg"[48]. Damit verbunden waren ihre Prinzipien bei ihrer Kriegsführung, wie Plünderungen[49] oder wie es Keegan analysiert, "grausam gegenüber den Schwachen und feige gegenüber den Tapferen – das genaue Gegenteil dessen, wozu ein preußischer Edelmann erzogen war [zu sein]"[50]. Zudem legte Clausewitz viel wert auf militärische Disziplin und Gehorsam[51]. Allerdings stammen die aufgezeigten Charakterzüge über das was "zivil" und "unzivil" am Krieg ist aus dem Beginn des 19. Jahrhunderts. Unser Betrachtungszeitraum liegt jedoch am Ende des 19. Jahrhunderts bis kurz vor den 1. Weltkrieg. Ist Clausewitz somit für uns repräsentativ? Dies muß bejaht werden, da Clausewitz als preußischer Offizier in der Tradition des preußischen Militäradels stand und somit auch seine Werte, Normen und Ideale verkörperte, was besonders deutlich bei einem Vergleich mit der oben erschlossenen Kulturlage des preußischen Offiziers wird.

So ist z.B. das Prinzip, "grausam gegenüber den Schwachen und feige gegenüber den Tapferen" im Idealfall nicht vereinbar mit den Normen eines Offiziers, da dieser aufgrund seiner allgemeinen moralischen Tugenden, wie seinem persönliche Ehrgefühl, nicht so handeln dürfte, denn zum einen hätte sein Gegner von vorhinein nicht die gleiche Chance wie er selbst, was sich z.B. wiederum auf seine Würde auswirken würde und zum anderen beweißt er damit keine Tapferkeit, wenn man z.B. aus der Perspektive "Tugend der militärischen Art" argumentieren will. Somit müsste die idealste Form des Krieges für einen preußischen Offizier einer gewesen sein, in dem er sein gesamtes Normenssystem zur Geltung bringen konnte, d.h. um seine Tapferkeit und Mut zu beweisen, bräuchte er z.B. einen gleichwertigen Gegner. Damit würde er zugleich sein Ehrgefühl und seine Gerechtigkeit ausdrücken, denn er würde nur ungern gegen einen unterlegenen Gegner kämpfen, da dann seine Aussichten auf Ehre geringer wären, usw. Auch am Beispiel des Seeoffiziers Korvettenkapitän Ernst von Weizsäcker wird die beschriebene Kulturlage deutlich. So charakterisierte er am 3. August 1914 den jüngst begonnen Krieg wie folgt:

"Die Stimmung ist gut in Gedanken daran, daß man in den Engländern einen ebenbürtigen Gegner haben wird"[52]. Am 9. August schrieb er:

"Wir schämen uns ja selbst am meisten, daß wir noch nicht vorgegangen sind und voraussichtlich noch lange abwartende Strategie treiben. Ich wünsche nur, daß man sich mit Ehren später als Seeoffizier sehen lassen kann".[53]

Welche Rückschlüße lassen die Aussagen von Weizsäcker zu? Zum einen wird unterstrichen, daß die Idealform eines Krieges im engen Zusammenhang mit der Kultur seiner Akteure steht und zum anderen die Verbindungen von Seeoffizierskorps und dem preußischen Offizierskorps auf Basis einer gemeinsamen Kulturlage, wodurch die obige Annahme, daß der Marineoffizier und der Heeresoffizier eine gemeinsame Kulturlage hatten, bekräftigt wird.

Damit lässt sich feststellen, daß ein Idealer Krieg dann existiert, wenn er dem Normenkatalog und somit der Kulturlage des Offizierkorps entsprach. Damit ergibt sich auch die Wichtigkeit des Idealbildes eines Krieges, da dieses systematisch die Grenzen eines kulturellen Erklärungsansatzes aufzeigt, wenn es als eine Art Orientierungslinie fungiert. Aspekte, die nicht in die Kulturlage des Offiziers passen, bedürfen einen anderen oder einen zusätzlichen Erklärungsansatz. Dies soll im folgenden Abschnitt erprobt werden.


Der Krieg und seine Kultur

Ein interessantes Beispiel wäre die Art der Kampfweise, womit insbesondere die taktische Offensive gemeint ist. Was taktische Offensive heißt, verdeutlicht ein Plädoyer aus dem Jahre 1906, worin es heißt: "jeder Gegner sei offensiv - wenn man nur wolle - auch bei Überzahl zu schlagen"[54]. Dieses Vorgehen entspricht dem Exerzier-Reglement 1906, 345. Für den Fall eines Sturmangriffes heißt es dort: "auf kürzestem Weg ohne Beachtung von Verlusten vorzueilen"[55]. Überträgt man dieses Kampfmuster, insbesondere, auf den Bereich "Tugend der militärischen Tat", so lassen sich hier die Attribute Tapferkeit, Mut, Siegeswillen und Opferbereitschaft erkennen. Damit liegt ein klassischer Fall vor, wie die Kulturlage das militärische Agieren beeinflußt hatte. Denn rationale Gesichtspunkte, die hier nötig gewesen wären, um aufzuzeigen, wie unsinnig eine solche Angriffsart war, fehlten. Der Normenkatalog sah kein Attribut für eine wissenschaftliche Bildung vor, demnach war sie auch zuvernachlässigen. Zudem wusste man über die Gefahr eines solchen Angriffsverfahren bescheid. In einer "Verordnung für höhere Truppenführer" vom 24. Juni 1869 warnte der ältere Moltke vor einem Frontalangriff auf eine befestigte Stellung[56]. Dass die Warnung wenig Beachtung fand, zeigen die "ersten Tage" des Ersten Weltkrieges mit ihren hohen Verlusten[57]. Mit den Verlustzahlen kam zugleich ein neuer Typus von Offizier: Der Frontoffizier, der einen Bruch mit dem alten Offiziersbild bedeutet. Es war nicht mehr nach dem (modernen) Ritter auf dem Schlachtfeld gefragt, sondern nach dem frontauglich "Fachmann"[58]. Interessant wäre es zu sehen, wie die Kulturlage dieses neuen Offiziers ausgesehen hatte.

Was ist mit der strategischen Ebene? Würde es nach den kulturellen Doktrin gehen, müsste zunächst eine Offensive mit dem Ziel einer Entscheidungsschlacht im Fordergrund stehen. Denn „Defensive“ würde heißen, daß man keinen Mut, keine Ehre etc. hat. Außerdem biete eine Entscheidungsschlacht die Möglichkeit, die aufgezeigte taktische Kampfform zu verwirklichen. Zwar wäre das in einem langjährigen Abnutzungskrieg auch möglich, jedoch verspricht eine solche Schlacht, als ein singuläres Ereignis, mehr Ruhm und damit mehr Ehre. Die strategische Dimension lässt sich jedoch nicht auf den reinen Kampf reduzieren. Technische Bereiche, wie die Logistik nehmen in ihr, je nach Planung, einen erheblichen Platz ein. Am Beispiel des General Alfred von Schlieffens wird dies deutlich. Schlieffen verfolgte während seiner Amtszeit als Generalstabschef die Doktrin eines Bewegungskriegs, die durch das technische Element der Eisenbahn ermöglicht werden sollte. Anlaß dazu gab Schlieffens Hauptsorge, im Falle eines Krieges in einen Zweifrontenkrieg verwickelt zu sein, wodurch das Deutsche Reich zahlenmäßig stark unterlegen gewesen wäre[59]. Im Bezug auf unser Kulturlager stellt dieser Plan eine Art Revolution dar. Die technische Ebene nimmt, trotz Technikfeindlichkeit, eine wichtige Hauptrolle in der „Rettung des Vaterlandes“ ein. Wie kann es, kulturell gesehen, zu so einer Planung kommen? Eine mögliche Antwort gibt Carl von Clausewitz, der als das wichtigste im Krieg, den Kampf ansah und nicht die Planung[60]. Würde das heißen, daß für den preußischen Offizier die Strategie eine Art, um es zugespitzt zu formulieren, "Nebensächlichkeit" wäre, in der "man machen konnte, was man will"? Das ist sicherlich übertrieben, aber dennoch scheinen die Deutschen eine strategische Schwäche gehabt zu haben. In seiner Vergleichsstudie zwischen der US-Army und der Wehrmacht "Powers" lobt Martin van Creveld die Wehrmacht für ihre Kampfkraft auf taktisch-operativer Ebene, kritisiert aber das schwache Strategische Denkvermögen . Auch Werner Rahn kritisiert die strategische Leistung der Marine. Dazu meint er:

"Die Ergebnisse des Ersten Weltkrieges zeigten, daß Deutschland, dessen Kriegsführungspotential stark von Rohstoffimporten abhing, durch eine Blockade langfristig so geschwächt werden konnte, daß nach vier Jahren selbst eine defensive Kriegsführung nicht mehr möglich war. Die deutsche Marineführung hatte nicht erkannt, daß Seemacht das Produkt von Machtelementen ist, von denen Flottenstärke und geographische Position die wichtigsten Faktoren sind. Wenn einer dieser Faktoren gering ausgeprägt war, musste das Produkt "Seemacht", das heißt die Fähigkeit, die See zu kontrollieren und erfolgreich zu nutzen, unzureichend ausfallen. Dies war ein wesentlicher Grund dafür, daß die Hochseeflotte im Rahmen der Gesamtkriegsführung keine strategische Entscheidung bewirkte"[61].

Somit wird die These von der „Zweitrangigkeit“ der Strategie unterstütz. Einmal, indem deutlich wurde das der Kampf, also die Taktik, wichtiger als die Strategie sei und zum anderen, weil die strategischen Leistungen der Deutschen Teilstreifkräfte Schwächen offenbarten. Ob das tatsächlich so war, kann hier nicht weiter erläutert werden. Aber, für den Fall, daß es sich bestätigen würde, dann wäre aus einer kulturellen Perspektive der Grund im "Normensystem des Offiziers" zu suchen. Denn hier fehlen Attribute, wie z.B. Bildung, die eine erfolgreiche Strategie erst möglich machen. Weil sie fehlen, macht es die Strategische Ebene zu etwas nicht "Sehnenwertes" und somit Zweitranig.


Exkurs: Kultur und Ideologie

Dieter Storz konnte belegen, daß die Kriegsführung vor dem Ersten Weltkrieg auch ideologisch geprägt war[62]. Neben einer militärtechnischen Analyse wurden die damaligen militärischen Geschehen auch durch eine ideologisch-psychologische Perspektive beschrieben, die in der vorliegenden Arbeit bislang keine Beachtung bekommen hat[63]. Diese Ideologie bestand aus drei Kernen: Moral; Verluste; Zivilisationskritik und Sozialdarwinismus. Daraus ergibt sich die Frage, wie sich die Kulturlage des Deutschen Offiziers mit der Ideologie seiner Zeit arrangierte, was Gegenstand der Diskussion in diesem Exkurs sein soll.

Wenden wir uns dem ersten Aspekt als Beispiel zu, der Moral: Diese War ein Mittel der Zeit, daß man allen Veränderungen entgegensetzte, da man im Allgemeinen der Überzeugung war, daß die ideellen Kräften den materiellen überlegen sein[64]. Deshalb wurde technische Entwicklungen wenig beachtet, was sich z.B. auf taktischer Ebene widerspiegelt, da dort durch die starke Betonung von Willen und Moral auf das Angriffverfahren auf den Schlachtfeldern favorisierte[65]. Die Gemeinsamkeiten zwischen Moral und Kultur sind neben der technik-feindlichen Parallele, die gesamte Kategorie "Tugend der militärischen Tat". Denn in einen Angriff lassen sich am ehesten Tapferkeit, Mut, Verantwortungsbereitschaft, Siegeswillen und Opferbereitschaft vereinen. Das Beispiel zeigt, daß beides neben einander existieren konnte, da sich die kulturellen und ideologischen Charakterzüge überschnitten. Damit bleibt nur die Frage offen, ob die Kultur ggf. von der Ideologie geprägt wurde bzw. die Ideologie von der Kultur [66]?


Fazit

Unter den Annahmen, daß die Offizierskorps der Marine und des Heeres gleiche Normen verband und das in beiden eine adelige Kultur gelebt worden ist, lässt sich festhalten, daß der Offizier eine eher Werte orientierte Ausbildung erhielt, als eine schulisch-wissenschaftliche, womit auch die Prägung seines Wertesystems stattfand, aus dem sich ein Normensystem für den Offiziersstand entwickelte, woraus sich die Kulturlage ableiten lässt.

Auf Grundlage dieser Ergebnisse ergab sich das Idealbild das Idealbild des Krieges für einen Offizier dieser Zeit. Dieses war eng mit seiner Kultur verknüpft. Nur ein Krieg der seinen Kulturattributen entsprach konnte ein „Idealer“ sein. Damit war die Basis geschaffen, um das Kulturlager auf taktischer und strategischer Ebene anzuwenden. Dabei kam heraus, daß die er kulturellen Normen auf taktischer Ebene stärker mit diesen vereinbar war, als die strategischen, anscheinend wegen fehlender Kulturattribute, die diese Ebene attraktiv gemacht hätten, womit sich eine gewisse „Zweitrangigkeit“ eingestellt hatte. Zudem kam der Faktor Ideologie, die im Einklang mit dem Kulturlager des deutschen Offiziers stand, wodurch wiederum eine stärkere Betonung auf der taktischen Ebene lag, da somit die ideellen Kräfte gestärkt wurden.

Doch sind diese Ergebnisse eine Art „ultimo“? Das würde der Autor verneinen! Dieser methodische Ansatz hat seine Grenzen, wie das Beispiel der Strategie gezeigt hatte. Es wurde uns ein Konflikt aufgezeigt, zwischen Kultur und Strategie, der aber vielleicht nur deshalb existiert, weil er durch das gewählte methodische Verfahren „erzeugt“ wurde. Es wurde bewußt vereinfacht, indem gesagt worden ist, daß das deutsche Offizierskorps adelig geprägt ist! Was wäre, wenn es tatsächlich einen militärischen Professionalismus gegeben hätte? Welche Folgen hätte das auf den Normenkatalog und den damit verbundenen Kulturlager? Andererseits bietet diese Methodik mit ihrem schemahaften Prinzip, die Möglichkeit, Konflikte und Zusammenhänge Schnelllaufzeigen, womit ein Ansatz entwickelt werden kann, den es gilt genauer zu untersuchen.


Literaturverzeichnis

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  • Zuber, Terence, Der Mythos vom Schlieffenplan, in: Ehlert, Hans, [u.a], Der Schlieffenplan. Analysen und Dokumente, Padaborn [u.a.] 2006.


Endnoten

  1. Keegan, John, Die Kultur des Krieges, 3.Aufl., Hamburg 2003, S.34.
  2. Der Autor verwendet den Begriff als Synonym für die Reduzierung der Militärgeschichte auf das Aufzählen z.B. von Schlachten.
  3. Zitat nach Edward B. Taylor, entnommen der Wikpedia Homepage. Der Autor ist sich der Problematik dieser Homepage bewusst, jedoch ist erwähntest Zitat belegt, (eingesehen am: 05.12.2007)
  4. Keen, Maurice, Das Rittertum, München 2002.
  5. Prietzel, Malte, Kriegsführung im Mittelalter: Handlung, Erinnerung, Bedeutung, Paderborn [u.a.] 2006.
  6. Militärischer Professionalismus und soziale Karriere. Frankreichs Adel in den europäischen Kriegen des 18. Jahrhunderts, in: Bernhard R. Kroener (Hg.), Europa im Zeitalter Friedrichs des Großen. Wirtschaft, Gesellschaft, Kriege, München 1988, S. 99-132.
  7. Im englischsprachigen Raum existieren dagegen mehr solcher Studien. Um nur die jüngste zu nennen, hatte Stefan Goebel über die Thematik der mittelalterlich-kulturellen Erinnerung an den Ersten Weltkrieg eine Arbeit verfasst. (vgl. Goebel, Stefan, The Great War and Medieval Memory, (=Studies in the Social and cultural History of Modern Warfare), Cambridge 2007.)
  8. Ostertag, Heiger, Bildung, Ausbildung und Erziehung des Offizierskorps im deutschen Kaiserreich. 1871 bis 1918.
  9. Storz, Dieter, Kriegsbild und Rüstung vor 1914. Europäische Landstreitkräfte vor dem Ersten Weltkrieg. (= Militärgeschichte und Wehrwissenschaft, Bd. 1), Herford [u.a] 1992.
  10. Kabinettsordre Wilhelm II. vom 29. März 1890, hier in: Deist, Wilhelm, Militär, Staat und Gesellschaft. Studien zur preußisch-deutschen Militärgeschichte, [=Beiträge zur Militärgeschichte, Bd. 34), München 1991, S. 50.
  11. Ostertag, Bildung, S. 23.
  12. Deist, Staat, S. 49.
  13. Stoneman, Mark, Bürgerliche und adlige Krieger: Zum Verhältnis von sozialer Herkunft und Berufskultur im wilhelminischen Armee – Offizierskorps, in: Reif, Heinz (Hg.), Adel und Bürgertum in Deutschland II. Entwicklungslinien und Wendepunkte im 20. Jahrhundert. Berlin 2001, S.29.
  14. Frevert, Ute, Die Kasanierte Nation: Militärdienst und Zivilgesellschaft in Deutschland, München 2001,S. 207.
  15. Stoneman, Bürgerliche, S.30.
  16. Deist, Staat, S. 50.
  17. Demeter, Karl, Das deutsche Offizierskorps in Gesellschaft und Staat. 1650-1945, 2. neubearb. und wesentl. erw. Auflg., Frankfurt am Main 1962, S. 22.
  18. Stoneman, Bürgerliche, S. 33.
  19. Stoneman, Bürgerliche, S. 33.
  20. Ebd., S. 33. Weiterhin setzt Stoneman der These, daß das Bürgertum vom Adel assimiliert worden ist das Beispiel des Generals Wilhelm Groeners entgegen, derein Beispiel für bürgerlichen Professionalismus darstellt. (vgl, Stoneman, Bürgerliche, S. 93ff.)
  21. Deist, Staat, S. 50.
  22. Deist, Staat, S.50.
  23. Stoneman, Bürgerliche, S. 32.
  24. Stoneman, Bürgerliche, S. 32.
  25. Kessler, Hubertus von, Die 2. Garde-Dragoner im Weltkrieg 1914-1918. (=Erinnerungsblätter Deutscher Regimenter, Bd. 201), Ehrenrangliste. Die Rangliste berücksichtigt die Veränderung bis 1926. Berlin 1927.
  26. Herwig, Holger, Zur Soziologie des kaiserlichen Seeoffizierskorps vor 1914, in: Schottelius, Herbert und Deist, Wilhelm, Marine und Marinepolitik im kaiserlichen Deutschland. 1871-1914, S. 87.
  27. Herwig, Seeoffizierskorps, S.75.
  28. Ebd., S.75.
  29. Ebd., S.84. Scheerer, Thomas, Die Marineoffiziere der kaiserlichen Marine im Ersten Weltkrieg, in: Rahn, Werner (Hg.), Deutsche Marinen im Wandel. Vom Symbol nationaler Einheit zum Instrument internationaler Sicherheit, (=Beiträge zur Militärgeschichte, Bd. 63), München 2005, S. 275.
  30. Scheerer, Marineoffiziere, S. 273. Herwig, Seeoffizierskorps, S.84.
  31. Herwig, Seeoffizierskorps, S. 85.
  32. Scheerer, Marineoffiziere, S. 274.
  33. Herwig, Seeoffizierskorps, S.84.
  34. Scheerer, Marineoffiziere, S. 274.
  35. Herwig, Seeoffizierskorps, S.84.
  36. Scheerer, Marineoffiziere, S. 275, Herwig, Seeoffizierskorps, S.79.
  37. Funck Marcus, Vom Höfling zum soldatischen Mann. Varianten und Umwandlungen adeliger Männlichkeit zwischen Kaiserreich und Nationalismus, in: Conze, Eckart und Wienfort, Monika (Hrsg.), Adel und Moderne. Deutschland im europäischen Vergleich im 19. und 20. Jahrhundert, Köln 2004, S. 213.
  38. Funck, Höfling., S. 212.
  39. Ostertag, Bildung, S. 197-198. Der Artikel lag dem Autor selbst vor.
  40. Funck, Höfling, S. 212. Herwig, Seeoffizierskorps, S.101.
  41. Schmitz, Klaus, Militärische Jugenderziehung. Preußische Kadettenhäuser und Nationalpolitische Erziehungsanstalten zwischen 1807 und 1936, (=Studien und Dokumentationen zur Deutschen Bildungsgeschichte), Frankfurt am Main 1997, S. 134.
  42. Stoneman, Bürgerliche, S. 41.
  43. Ostertag, Bildung, S. 199.
  44. Ebd., S. 200. Für die kommenden Abschnitte nimmt sich der Autor den Ergebnissen Nubers an.
  45. Ostertag, Bildung, S. 199.
  46. Keegan, Kultur, S.24.
  47. Keegan, Kultur, S. 24.
  48. Ebd., S. 24.
  49. Ebd., S.27.
  50. Ebd., S. 30.
  51. Ebd., S. 24
  52. Scheerer, Marineoffiziere, S. 269.
  53. Ebd., S. 269.
  54. Ostertag, Bildung, S. 271.
  55. Ebd., S. 270.
  56. Storz, Kriegsbild, S. 27.
  57. Der Autoren kann sich für die Verlustzahlen der ersten Kriegsmonate nur auf Heiger Ostertag beziehen. Ostertag nennt für den Zeitraum Mitte Oktober 1914 bis Anfang November 1914 39.000 Tote und Verwundet sowie 13.000 Vermisste bei der 4. Armee und 27.000 tote und verwundete bei der 6. Armee. (vgl. Ostertag, Bildung, S. 271.) Bis Dezember 1914 gab es an Unteroffizieren und Mannschaften Ausfälle von ca. 800.000 Mann. Die Verluste der Offiziere beliefen sich auf etwa 18.000 Mann im gleichen Zeitraum. (vgl. Ostertag, S. 284.)
  58. Ostertag, Bildung, S. 270ff.
  59. Zuber, Terence, Der Mythos vom Schlieffenplan, in: Ehlert, Hans, [u.a], Der Schlieffenplan. Analysen und Dokumente, Padaborn [u.a.] 2006, S. 48.
  60. Ebd., S. 71.
  61. Ebd., S.
  62. Storz, wie Anm. 9.
  63. Storz, Dieter, Die Auswirkungen der wirtschaftlichen und technischen Entwicklung auf die Vorstellungen der europäischen Militärs von einem zukünftigen krieg zu beginn des 20. Jahrhunderts, in: Groß, Gerhard P. [Hg.], Führungsdenken in europäischen und nordamerikanischen Streitkräften im 19. und 20. Jahrhundert, Hamburg [u.a.] 2001, S. 77.
  64. Ebd., S. 77.
  65. Ebd., S. 80.
  66. Im Rahmen der Seminararbeit kann der genannte Punkt nicht weiter untersucht werden. Zudem verweißt der Autor, daß die Marine bewußt ausgeklammert wurde. Es ging hier nur darum, den Einklang von Ideologie und Kultur zu demonstrieren und nicht, alle ideologischen Fassetten des Heeres und der Marine aufzuzeigen. Für eine genaure Untersuchung über das Thema Ideologie verweißt der Autor zur Einführung auf: Herwig, Holger, Der Einfluß von Alfred Th. Mahan auf die deutsche Seemacht; Hobson, Rolf, Die Besonderheit des wilhelminischen Navalismus, beide in: Rahn, Werner (Hg.), Deutsche Marinen im Wandel. Vom Symbol nationaler Einheit zum Instrument internationaler Sicherheit, (=Beiträge zur Militärgeschichte, Bd. 63), München 2005. Weiterhin: Besteck, Eva, Die trügerische „First Line of Defence“. Zum deutsch-britischen Wettrüsten vor dem Ersten Weltkrieg, (= Einzelschriften zur Militärgeschichte, Bd. 43), Freiburg i. Br. 2006.


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"Der Deutsche Offizier und sein kulturelles Handeln" (PDF)