Transatlantischer Sklavenhandel - Das Beispiel Dahomey

Aus LernWerkstatt Geschichte
Version vom 20. September 2006, 12:24 Uhr von Felix Schürmann (Diskussion | Beiträge)

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Inhaltsverzeichnis

Einleitung

Im 17. Jahrhundert entstand auf einem Hochlandplateau ungefähr 100 km landeinwärts der Sklavenküste, in der Bucht von Benin, das Königreich Dahomey. Das Plateau ist etwa 1.600 Quadratkilometer groß und liegt in einer Lücke des westafrikanischen Regenwaldes. Die Savanne reicht hier bis zur Küste. Auf dieser Hochebene liegen mehrere alte Handelsrouten zwischen dem nordöstlich gelegenen Yorubareich Oyo und den Aja-Staaten Whydah und Allada im Süden. Die natürlichen Grenzen, zumindest in der Regenzeit, bilden im Osten und Westen die Flüsse Kouffo und Zou, und im Süden ein großer Sumpf. (Siehe Karte 1)

Das Aufkommen des Transatlantischen Sklavenhandels beschleunigte die Bildung, das Wachstum und die Ausdehnung des Staates Dahomey. Bereits um die Mitte des Siebzehnten Jahrhunderts war ein regelmäßiger Handel der Küstenstaaten der Bucht von Benin mit den Europäern entstanden. Dieser dehnte sich immer mehr aus, so dass diese Region zu einem Hauptexporteur von Sklaven wurde. Etwa ein Fünftel der verschleppten Sklaven des gesamten Transatlantischen Sklavenhandels kamen von der sogenannten Sklavenküste.

Im Folgenden wird gezeigt, welche Politik Dahomey verfolgte und welche Beweggründe und Ziele diese hatte. Die Auswirkungen des Transatlantischen Sklavenhandels auf die Gesellschaft werden betrachtet, genauso wie die Wirtschaftsweise des Sklavenhandels. Eines der zentralen Motive und auch das zentrale Problem, die Balance zwischen Handel und Krieg, in der Dahomeyschen Geschichte wird deutlich gemacht.

Zuerst muss jedoch noch das Problem der Überlieferung – und damit eng verbunden der Namensgebungen – erläutert werden.

Dahomey war seit seiner Entstehung ein beliebtes Thema europäischer Reiseberichte und Schilderungen. Die Macht, die Sitten und die Fremdheit beeindruckten die europäischen Besucher sehr. So entstanden auch viele Legenden und Mythen, die bis heute existieren. Kannibalismus, Amazonen, Despotismus und afrikanische Primitivität sind nur einige der Themen, die im Zusammenhang mit Dahomey immer wieder erwähnt, nacherzählt und oft ungeprüft kopiert wurden. Meist ist es interessanter von den Berichten über eine fremde außereuropäische Kultur auf den Betrachter zu schließen und dessen eigene Kultur, in diesem Fall die europäische, zu beurteilen. Die Texte sind somit oft vorurteilsbeladen und häufiger für einen bestimmten Zweck, zum Beispiel zur Verteidigung des Transatlantischen Sklavenhandels, geschrieben worden. Deshalb müssen bei der Behandlung der Quellen immer diese Aspekte berücksichtigt werden. Trotzdem sind diese Quellen die einzige schriftliche Überlieferung.

Karte 1: Lage von Abomey hinter einer Lagunenküste mit ausgedehnten Sümpfen.

Es gibt außerdem noch eine reichhaltige mündliche Überlieferung, die sogenannte „Oral Tradition”. Hier gibt es besondere Schwierigkeiten, methodisch zwar weitestgehend beseitigt, praktisch aber immer noch vorhanden. So gibt es nur wenige den transatlantischen Sklavenhandel Dahomeys betreffende Editionen die außerhalb von internationalen historischen Forschungseinrichtungen zugänglich sind. Im Falle Dahomeys liegen natürlich im heutigen Benin einige Sammlungen vor.

Da die zeitgenössischen europäischen Besucher meist nicht die Sprachen der Einheimischen sprachen, ist es nicht verwunderlich, dass eine Vielzahl von Bezeichnungen für Personen, Orte und andere Dinge verwendet wurden. So gibt es beispielsweise für den Staat und Ort Whydah auch die Bezeichnungen Glehwe, Ouidah, Juda, Grigue, Griwhee, Hueda und noch einige Andere. Oft ist nicht klar was gemeint war, sollte etwa die Stadt benannt werden oder ihre Bewohner, ging es um den Staat, die Region oder um eine Provinz oder lag sogar eine Verwechslung vor. Die Herkunft der Verfasser ist ebenfalls wichtig, so nannte ein französischer Sklavenhändler den Ort anders als ein portugiesischer. In den Übersetzungen in andere europäische Sprachen wurden die Namen dann unter Umständen noch einmal geändert. Selbst für Dahomey gibt es mehrere Versionen, auf Deutsch heißt das Land eigentlich Dahomé oder Danhome. Inzwischen hat sich in der (maßgeblichen) anglophonen Forschung die englische Sprach- und Schreibweise durchgesetzt, die auch in diesem Text verwendet wird.


Exkurs - Der Transatlantische Sklavenhandel

Zwischen dem 15. Jahrhundert und der Mitte des 19. Jahrhunderts brachten europäische Händler über 11 Millionen Afrikanerinnen und Afrikaner als Sklaven über den Atlantik. Hauptsächlich waren es Männer im Alter zwischen 15 und 30 Jahren die zur Arbeit in Bergwerken und auf den Zucker-, Tabak- und Baumwollplantagen gezwungen wurden. Frauen machten circa ein Drittel der Transporte aus; besonders in der späteren Zeit (ab 1800) wurden zusätzlich mehr Kinder versklavt. An Bord, bei der sogenannten „Middle-Passage” über den Atlantik, herrschte eine hohe Todesrate, hervorgerufen durch schlechte Ernährung, große Enge, Aufstände, Selbstmord und Krankheiten, so dass bei den meisten Fahrten zehn bis zwanzig Prozent der Afrikaner starben. Die europäischen Händler, zuerst aus Portugal und Spanien, später größtenteils aus den Niederlanden, Frankreich und England konnten mit afrikanischen Mittelsmännern an der Atlantikküste Sklaven gegen Waren, aber auch gegen Geld tauschen. Beliebte Güter waren Stoffe, Genußmittel wie Tabak und Alkohol, Gold, verschiedene Luxusgüter, sowie Werkzeuge und Waffen. Diese Waren wurden direkt aus Europa eingeführt, im Zwischenhandel mit anderen afrikanischen Regionen erstanden oder sogar, was die Stoffe angeht, in Indien gekauft. Es waren meist teure und hochwertige Produkte, keine Glasperlen oder anderer billiger Tand, die gegen die ebenfalls teure Ware „Mensch” eingetauscht wurden. Somit war der Sklavenhandel ein Geschäft das hohe Investitionen erforderte und selten hohe Gewinne abwarf; Sinn und Zweck war die Zufuhr von Arbeitskräften nach Amerika und dort konnten dann auch höhere Renditen erzielt werden. Der Handel an der afrikanischen Küste war ein gleichberechtigter Austausch zwischen Menschen aus vorindustriellen Gesellschaften und wenn es zu Betrügereien kam, taten dies Europäer genauso wie Afrikaner. Die afrikanischen Gewinne aus diesem Handel wurden ausschließlich von den Herrschenden oder von reichen Eliten gemacht. Diese Gewinne brachten für jene einen erheblichen Machtzuwachs, der dann verteidigt werden musste. Viele Kriege, auch um neue Sklaven zu erbeuten, sind durch diesen Zuwachs an Machtpotenzial ausgelöst worden. Da die Europäer aus diesen Kriegen und aus der Nachfrage nach Luxusgütern Gewinn ziehen konnten, unterstützen sie kriegführende Staaten durch Waffen und teilweise auch durch politische Einflußnahme. Afrikanische Gesellschaften bekamen also Probleme durch äußeren Einfluß, der von den Eliten wiederum nach innen gekehrt wurde und so zu Konflikten führte, die ganze Landstriche entvölkerten und in einem ständigen Kriegszustand hielten. Die Folgen des Sklavenhandels haben der afrikanischen Geschichte eine Wendung gegeben. Die Schwächung der afrikanischen Gesellschaften führte zu einer leichteren Durchdringung des Kontinents während der Zeit des europäischen Imperialismus.


Kurzer Abriss der Geschichte Dahomeys

Die Geschichte Dahomeys als relativ eigenständiger Staat läßt sich in drei Epochen einteilen. Die erste umfasst die Vorgeschichte bis zur Eroberung der Küste, dann folgt die Periode mit der Beteiligung am Transatlantischen Sklavenhandel und dem Tributverhältnis zum Oyo-Reich, und als letzte Phase die Zeit nach der Befreiung von diesen Tributzahlungen und dem Übergang zum legalen Handel mit Agrarprodukten. Diese endet mit der Eroberung Dahomeys durch die Franzosen.

In die Vorgeschichte fällt der Gründungsmythos Dahomeys:

Eine Prinzessin der Tado aus dem heutigen Togo namens Aligbonu verließ eines Tages den Palast um Holz im Wald zu sammeln. Dort wurde sie von einem Leoparden überrascht. Neun Monate später gebar sie einen Sohn, Agasu, mit den Eigenschaften dieses Tieres, den Klauen, dem Pelz, dem Mut und der Behändigkeit. Unter der Obhut der Prinzessin wuchs das Kind auf, bis es groß war und nun den Thron für sich beanspruchte. Wegen seines illegitimen Vaters wurde Agasu zurückgewiesen.

Nachdem er das königliche Trinkgefäß zerbrochen hatte, musste er mit seiner Familie und einigen Heiligtümern fliehen. Das Ziel der Flucht war Allada, dort teilte sich die Familie auf, und einige gingen in die Gegend Abomeys. Dort brachten sie den heimischen Regenten um und errichteten auf seiner Leiche einen Palast. Hieraus leitet sich der Name Dahomeys ab (Dan heißt Bauch oder Leib, Home bedeutet Palast oder großes Haus).

Diese Geschichte kennt noch viele Variationen und ihr Ziel ist die Legitimation der Herrschaft, durch die Verknüpfung der Dynastie mit religiösen Symbolen. Einiges an ihr ist wahrscheinlich auch wahr, so zum Beispiel, dass Allada der Ursprung der Dynastie ist, und dass sich eine Gruppe abspaltete, die einige andere Dörfer unterwarf und einen neuen Staat bildete.

Ansonsten ist über die Vorgeschichte Dahomeys nicht viel bekannt. Die kleine kriegerische Elite die in die Hochebene eingefallen war, gliederte die dort ansässigen Bewohner in ihren Herrschaftsbereich und damit in ihr Volk ein. Dieser Vorgang, die Verschaffung von Macht über Leute, war das zentrale Motiv dahomeyschen Handelns. Die entstehende Palastgesellschaft in Abomey war das Zentrum dieses Prozesses. Um die Herrschaft zu festigen wurden Töchter der örtlichen Adeligen geheiratet und somit assimiliert. Die große Menge der Bevölkerung wird aber einer dörflich geprägten Ackerbaukultur zugehörig gewesen sein.

Seit dem Aufkommen des Transatlantischen Sklavenhandels und mit dessen Ausdehnung auf die Bucht von Benin um die Mitte des 17. Jahrhunderts, veränderte sich die politische Lage für Dahomey, das bislang noch unbehelligt seinen relativ kleinen Machtbereich regieren konnte. Die Staaten an der Küste, Allada und Whydah, begannen mit Sklaven zu handeln, die sie aus dem Hinterland kauften oder raubten. Dahomey wurde Opfer von Sklavenjagden aus Allada, raubte aber auch selbst Sklaven die weiterverkauft wurden. Anfang des 18. Jahrhundert unter dem König Agaja eroberte Dahomey die Küstenstaaten. Es gibt heute zwei Interpretationsmöglichkeiten für diesen Vorgang. Einmal wird angenommen, dass Dahomey sich vor den von dort ausgehenden Sklavenjagden schützen wollte; die andere Theorie ist, dass Dahomey selbst unmittelbar am lukrativen Handel teilnehmen wollte. Zwar hörte der Handel mit Bewohnern Dahomeys auf, aber es wurden sofort Menschen anderer Völker im verstärkten Maße an die Europäer verkauft. Bereits 1715 hatte es einen Versuch Dahomeys gegeben, Allada und Whydah weiter östlich zu umgehen, und den Handel mit Sklaven dort zu betreiben.

Karte 2: Westafrika zur Zeit des Transatlantischen Sklavenhandels.

Nun geriet Dahomey in Konflikt mit dem Oyo-Reich, welches die vorherrschende Großmacht dieser Region war. Dahomey und Oyo führten mehrere Kriege, die von Dahomey verloren wurden. Bei einem der Angriffe Oyos wurde sogar die Hauptstadt Abomey zerstört. Die Bewohner und der König waren in die nahen Sümpfe geflohen; diese Flucht wiederholte sich noch häufiger. Da Oyo das Ziel nicht erreichte, den Staat Dahomey zu erobern, wurde 1748 ein Tributverhältnis vereinbart. Dahomey musste nun jedes Jahr Tribut an Oyo zahlen. Die Außenpolitik wurde nun ebenfalls von Oyo beeinflußt, so musste Dahomey einige Male für Oyo in den Krieg ziehen oder es wurden Feldzüge Dahomeys verboten.

Während es Dahomey in den 50er und 60er Jahren vergleichsweise gut ging, setzte im letzten Viertel des 18. Jahrhunderts eine lang andauernde Rezession ein. Zwar hatte sich Dahomey 1823 von den Tributzahlungen an Oyo befreit, doch half dies nicht der ökonomischen Gefahr zu begegnen. Der gesamte Sklavenhandel der Region war in die Krise geraten. Dies hatte mehrere Gründe, zum einen waren die umliegenden Gebiete leergeraubt und es fanden sich keine Sklaven mehr, zum anderen waren durch die ständigen Kriegszüge die Zwischenhändler aus dem Inland abgeschreckt worden. Zusätzlich hatten die Europäer den Sklavenhandel erst auf andere Regionen (Angola) ausgedehnt und verstärkt, um ihn dann schließlich zu verbieten. Sie lösten ihre Handelsposten auf und begannen sogar die Sklavenschiffe zu jagen. Das Ende des Transatlantischen Sklavenhandels in Dahomey kam langsam. Erst hatten sich noch brasilianische Kreolen an die Stelle der Europäer gesetzt und diese intensivierten den Handel mit Brasilien. Der letzte Sklaventransport aus Dahomey welcher den Atlantik überquerte verließ Whydah erst um 1865.

Dahomey musste sich nun neu orientieren. Seit dem Ende des 18. Jahrhunderts exportierte Dahomey schon Palmöl, welches in Europa für die Seifen- und Schmiermittelherstellung verwendet wurde. Mit der Industriellen Revolution nahm die Nachfrage nach diesen Produkten für die Ölung der neuen Maschinen zu und Dahomey wurde zu einem bedeutenden Lieferanten. Trotzdem blieb die Gesellschaft noch in den Organisationsformen der Sklavenjagd – damit eng verbunden dem Militarismus – bestehen. Die Händler und Produzenten des Palmöls hatten einen schweren Stand gegen diese Gruppierungen. So bildeten sich Fraktionen innerhalb der politischen Führung, der Palastgesellschaft Abomeys. Erst spät, unter dem König Glele – er regierte von 1858 bis 1889 – setzte sich der sogenannte „legitime Handel” durch. Allerdings kam es nun schon zu Konflikten mit den Franzosen. Der Nachfolger Gleles König Behanzin war Dahomeys letzter unabhängiger Regent.


Politik und Gesellschaft

Das wichtigste Grundmuster der dahomeyschen Gesellschaft – und damit auch der Politik – war die Eingliederung und Inkorporation von Menschen in die eigene Gruppe. Dahomey war auf einen stetigen Zufluß von Menschen angewiesen, da die eigentliche Kerngruppe der Dynastie nur sehr klein war und so ihre Macht nicht wahren konnte. Eine Familie oder Lineage hatte einen um so höheren Status je mehr Menschen ihr angehörten. Ökonomisch war es ebenfalls von Vorteil über möglichst viele Leute zu bestimmen, konnte doch so besser Ackerbau betrieben werden.

Der englische Marineoffizier Forbes, der Dahomey in der Mitte des 19. Jahrhunderts bereiste, beschrieb dieses Muster wie folgt:

„Aus dem Kernland, in gleicher Entfernung zwischen den Flüssen Volta und Niger liegend, heraus, hatte sich die zur Zeit stärkste militärische Monarchie in West Afrika entwickelt. In alle Richtungen haben Eroberungen ihr Gebiet vergrößert, indem mit jeder erfolgreichen jährlichen Sklavenjagd, der eine oder andere Nachbarstaat erobert, und dabei auf gnadenlose Weise entvölkert wurde. Wäre nicht dieses System der Entvölkerung angewendet worden, hätte die siegreiche Nation nur mit Schwierigkeiten die riesigen Territorien regieren können, die durch die jährlichen Sklavenjagden zum Königreich hinzugefügt wurden. Einkommen aus dem Verkauf der Gefangenen ist das erste Ziel dieser Expeditionen und die Hinzufügung der verwüsteten Ländereien nur die unvermeidliche aber nicht verlangte Konsequenz.“ (Aus: Forbes, Frederick: Dahomey and the Dahomans, London 1851, Vol. 1, S. 6, eigene Übersetzung aus dem Englischen.)

Er erkannte, dass Dahomeys Intention darin lag Leute zu erobern und nicht Land. Der Verkauf der Gefangenen oder deren Opferung war zwar ein Ziel, aber der Großteil der Leute wurde in die dahomeyschen Familien oder Lineages und somit in die Gesellschaft eingegliedert und leistete verschiedene Dienste, vom Ackerbau bis zur Dienerschaft.

Den Charakter des Landes bestimmten Dörfer und kleinere Städte, von denen einige, wie Whydah, aber auch größere Bedeutung erlangen konnten. Kern der dahomeyschen Gesellschaft war allerdings die Palastgesellschaft in Abomey. Sie bestand aus sehr vielen Menschen, die über die engere Familie des Herrschers und seines weiblichen Gegenparts weit hinausging. Natürlich schwankte die Zahl der in Abomey lebenden Menschen im Laufe der Zeit. Während man am Anfang des 18. Jahrhunderts von einer ca. 2.000 Leute umfassenden Gemeinschaft ausgehen kann, waren es im späten 19. Jahrhundert ca. 8.000 Personen die dort lebten. Diese Zahlen betreffen allerdings nur die meist weiblichen Bewohner des inneren Palastes der durch Erdwälle von der Stadt abgeschlossen war. In dieser Stadt oder äußerem Palast lebten auch noch viele Menschen – meist Männer –, wobei man deren Zahl heute nicht verläßlich schätzen kann.

Die Gesamtbevölkerung Dahomeys lag bei der Eroberung durch Franzosen 1893 zwischen 150.000 und 200.000. Vorherige Zahlen sind unsicher und ungenau, man kann aber davon ausgehen, dass die Bevölkerung erheblich größer gewesen sein muss. Im 17. Jahrhundert wurde die Bevölkerung des Staates Allada, anhand von Berichten über die militärische Stärke, alleine schon auf 200.000 Menschen geschätzt. Der Staat Whydah wird zu der Zeit ungefähr halb so groß gewesen sein. Beide Staaten wurden, unter großen Opfern durch Hungersnot und Krieg, Anfang des 18. Jahrhunderts von Dahomey erobert. Zu der Zeit wird die Bevölkerungsentwicklung der Region ihren Höhepunkt gehabt haben, der danach nicht wieder erreicht wurde. Sklavenjagden und Kriege forderten ihren Tribut.

Die Bevölkerungszahl wurde also kleiner, während der Palast durch die assimilierten Menschen immer größer wurde, besonders der äußere. Er war nämlich für die Versorgung zuständig, während im inneren Palast die Politik ausgehandelt wurde. Die dabei handelnden Gruppen waren zum weitaus größten Teil Frauen, dementsprechend kam ihnen die wichtigste Rolle bei Entscheidungsfindungsprozessen zu. Der König hatte nur eine sehr beschränkte Autonomie, auch wenn er nach außen unabhängig in seiner Regierung wirkte, was besonders die zeitgenössischen europäischen Beobachter sahen. So gut wie keine Kontrolle hatte er über die Thronfolge. Welcher der Prinzen aus seiner Linie die Regierung übernahm, wurde unter den weiblichen Mitgliedern des Hofes ausgehandelt. Dabei kam es hin und wieder zu Parteibildung und Palastrevolten. Dem König gegenüber stand die Kpojito, eine Art Königinmutter, queen-mother in den Quellen, die nur selten die wirkliche Mutter, aber immer eine Frau oder Verwandte des Vorgängers, war. Sie wohnte in einem Teil des Palastes, der nicht von Männern betreten werden durfte und stark bewacht wurde. Zu ihrem erheblichen Reichtum trugen zahlreiche tributpflichtige Dörfer und zusätzlich im 19. Jahrhundert Plantagen bei. Über ihre wirklichen Funktionen ist wenig bekannt; WissenschaftlerInnen gehen davon aus, dass sie Personen, die mit dem König in Konflikt geraten waren, in ihren Palastbereich aufnahm und den obersten Richter kontrollierte, der über diese zu urteilen hatte. Sie konnte also entscheidend auf die Politik einwirken.

Die Aufgaben des Königs lagen mehr in der Repräsentation, wie der Folgende Auszug aus Archibald Dalzels Geschichte von Dahomey zeigt:

„Der König, und alle seine Untertanen, empfangen Fremde mit der ausgezeichnetsten Höflichkeit. Gesandte von jedem Staat sind nicht genötigt, die Dahomische Etikette vom Ceremonienmeister zu lernen. Jeder begrüßt den Regenten nach der in seinem Lande üblichen Gewohnheit. Stühle werden europäischen Befehlshabern oder Schiffsherren gesetzt, auf welchen sie bedeckt sitzen, bis der König erscheint, wo sie stehend und unbedeckt eine Verbeugung machen, dann nehmen sie ihre Sitze wieder und setzen ihre Hüte auf. Bisweilen hat man gesehen, daß der dahomische Monarch mit einem Europäer Hände schüttelte, aber dieses ist ein sehr ungewöhnliches Merkmal königlicher Herablassung und wird nur großen Günstlingen zuteil. Weiße Gäste werden jederzeit mit einem Glas herzstärkenden Wassers beehrt, welches von des Königs eigener Hand gefüllt wird; wird es nicht angenommen, so verursacht es leicht Beleidigung.“ (Aus: Dalzel, Archibald: Geschichte von Dahomey, einem inländischen Königreich in Afrika, aus glaubwürdigen Nachrichten gesammelt, Leipzig 1799; in: Loth, Heinrich (Hg.): Reisen nach Nigritien, Leipzig 1986, S. 115.)

Trotzdem kam dem König eine wichtige Position zu, denn er hatte einen zentralen Stellenwert in der dahomeyschen Gesellschaft. Die Vorstellungen der europäischen Besucher von einer Despotie konnten bestätigt werden, weil die Aussagen der Bewohner oft eine solche beschrieben. Alles was mit dem Staat als Autorität zu tun hatte, wurde auf den König projiziert, er war gleichsam der Palast in einer Person. Zudem spielte der König in der Ahnenverehrung eine zentrale Rolle. Das folgende Zitat von Norris verdeutlicht dies:

„Ich denke an meinen König”, antwortet ein Mann aus Dahomey mir, als ich ihn fragte kurz bevor er in die Schlacht ging, ob er nicht besorgt wäre, den Gegner zu stark zu finden. „Ich denke an meinen König”, sagte Dakou (Ein treuer Diener, den ich in meiner Faktorei beschäftigte. Später fiel er unberechtigter Weise beim König in Ungnade und wurde auf dessen Befehl als Sklave verkauft.) „und dann kann ich es auch mit fünf Feinden aufnehmen.” Ich sagte ihm, dass ich um seine Gesundheit und Sicherheit besorgt sei, und dass ich glücklich wäre, wenn er den Gefahren des Tages entkäme. „Es ist nicht schlimm”, antwortete er, „mein Kopf gehört dem König und nicht mir; Wenn er geneigt ist ihn zu fordern, werde ich ihn ihm schicken; oder wenn er in der Schlacht durchschossen wird, macht es für mich keinen Unterschied; ich bin zufrieden, denn das ist der Dienst an meinem König.” Jeder Bewohner Dahomeys teilt diese Ansichten, sogar an diesem Tage – nach einer Tyrannei vierzig Jahren– bleiben ihre Loyalität und ihre Hingabe ungebrochen.“ (Aus: Norris, Robert: Memoirs of the Reign of Bossa Ahadee, King of Dahomy ... to which are Added the Author's Journey to Abomey ... and a Short Account of the African Slave Trade. London 1789, S. 7, eigene Übersetzung aus dem Englischen.)

Empfang beim König vom Dahomey (1793).

Diese Aussagen spiegeln Elemente der dahomeyschen Religion, die sich nicht großartig von den der benachbarten Völker Westafrikas unterschied, deutlich wider. Der Glauben ging von zwei Welten aus, der Gbetome und der Kutome. Erstere ist die Welt der Lebenden und letztere die Welt der Toten, die das genaue Spiegelbild der Ersteren ist. Die königliche Lineage regiert in beiden Welten und die Kommunikation erfolgt durch Gebete, Rituale oder Botschaften, die Toten mitgegeben werden. Die Geburt und der Tot sind die beiden Passierstellen zwischen den Welten. Die hingerichteten Anhänger des Königs wurden also zu seinem Spiegelbild im Kutome geschickt, dem sie Nachrichten brachten und dienten. Im Kutome lebten auch die Geister, Götter und Ahnen, wobei die toten Könige oft zu Gottheiten wurden. Gute Verbindungen zu diesen Voduns – der karibische Voodoo-Kult knüpft an diese westafrikanischen Wurzeln an – waren wichtig, entschieden sie doch über Wohlergehen, Erfolg und Ernten. Verlor eine Familie im Gbetome Reichtum und Ansehen, verloren es die Voduns im Kutome ebenfalls. Die königliche Familie konnte so ihre Legitimität stützen, als Wahrer des religiösen Kultes hatten sie ein gewisses Maß an Einfluss in der Gbetome. Durch den Entzug von Macht und Status in der Kutome konnten Familien im Gbetome geschwächt und zerstört werden, wenn sie beispielsweise zu reich wurden oder palastfeindliche Politik betrieben. Die Religion wirkte also stark auf die Politik und das Handeln ein.

Die Aufgaben im Staat waren auf verschiedene Ämter verteilt. Die sogenannten Caboceers waren staatliche Minister mit klar umrissenen Aufgabenfeldern. In der Rangordnung folgten dem König der Migan, der als Premier, Handels- und Wirtschaftsminister fungierte, und dann der Meu als Außenminister. Der Titel des militärischen Oberkommandierenden hieß Agaow. All diese männlichen Amtsinhabern lebten im Palast und somit unter der direkten Kontrolle durch weibliche Offizielle. Außerhalb des Palastes gab es ebenfalls eine Reihe von Ämtern, besonders welche die mit der Versorgung des Palastes und der Organisation des Fernhandels – darunter der Sklavenhandel – zu tun hatten.

Dem Militär kommt in Dahomey eine große Bedeutung zu. Bei großen Feldzügen stand etwa ein Fünftel bis ein Viertel der Bevölkerung unter Waffen. Die Größe des stehenden Heers schwankte im Laufe der Zeit stark und ist nur sehr schwer zu schätzen. Bei den Kriegen gegen die Franzosen 1892 bestand es aus ungefähr 2.000, in den 70er Jahren des 18. Jahrhunderts aus circa 3.000 SoldatInnen. Zu beiden Zeiten galt Dahomey allerdings als sehr schwach. Es gab zwei Varianten der Kriegführung; die eine bestand aus Schlachten zwischen riesigen Armeen, die andere aus kleineren Kriegszügen, um Dörfer und Städte anzugreifen, zu plündern und Menschen zu fangen. Seit Anfang des 18. Jahrhunderts wurden dazu Feuerwaffen eingesetzt. Sie bekamen aber erst Anfang des 19. Jahrhunderts mit ihrer höheren Zuverlässigkeit eine größere Bedeutung. Sie wurden teils importiert und teils selbst produziert. Wichtiger waren aber die Hieb- und Stichwaffen, wie Knüppel, Schwerter, Speere und Macheten. Der Nahkampf war das eigentliche Ziel der dahomeyschen Streitkräfte, denn dort konnten die Gefangenen gemacht werden. Wichtigstes taktisches Element war die List und die Überraschung, wenn es dann zu den Kämpfen kam, war das eindrucksvolle Auftreten bedeutend. Mit Trommeln, anderen Instrumenten und Schlachtgesang wurde der Gegner eingeschüchtert und zur Flucht animiert. Einmal in die Flucht geschlagen, setzte die dahomeysche Armee nach und fing die gegnerischen Soldaten.

Die dahomeysche Armee war sehr gut organisiert und ihre Offiziere gut ausgebildet – teilweise auch von europäischen Militärberatern. Die Regimenter waren durch Abzeichen, Uniformen und andere farbige Erkennungsmerkmale voneinander zu unterscheiden. Die weiblichen Einheiten entstanden als eine Art Palastwache und wurden später der Kern der dahomeyschen Armee, auch wenn sie nie die Masse des Heeres bildeten. Sie weckten als Amazonen das besondere Interesse der europäischen Besucher:

„Wie groß auch immer die Kühnheit der Amazonen unter den Alten gewesen sein mag, so ist sie doch in der neueren Geschichte eine Erscheinung, welche nicht so leicht übergangen werden sollte, Innerhalb der Mauern der verschiedenen königlichen Paläste in Dahomey sind nicht weniger als dreitausend Weiber eingeschlossen. Mehrere Hundert von diesen werden zu den Waffen erzogen und zwar unter einem weiblichen Feldherrn und verschiedenen untergeordneten Offizieren, welche vom König ebenso angestellt werden, wie die unter dem Agaow. Diese Krieger werden regelmäßig geübt und verrichten ihre Schwenkungen mit ebensovieler Geschicklichkeit wie die männlichen Soldaten. Sie haben ihre großen Sonnenschirme, ihre Fahnen, ihre Trommeln, Trompeten, Flöten und andere musikalische Werkzeuge. Kurz, das Sonderbare dieser Einrichtung reizt unfehlbar die vorzügliche Aufmerksamkeit der Europäer, wenn ihnen, unter anderen ungewöhnlichen Darstellungen, das seltene Schauspiel einer Musterung weiblicher Truppen gezeigt wird.“ (Aus: Dalzel, Archibald: Geschichte von Dahomey, einem inländischen Königreich in Afrika, aus glaubwürdigen Nachrichten gesammelt, Leipzig 1799; in: Loth, Heinrich (Hg.): Reisen nach Nigritien, Leipzig 1986, S. 116.)

Trotz dieses ausgeprägten Militarismus hielten sich die militärischen Erfolge Dahomeys in Grenzen. Im 18. Jahrhundert unterlag Dahomey dem Oyo-Reich, und im 19. Jahrhundert folgten eine Reihe von blutigen und wenig erfolgreichen Kriegen mit dem ebenfalls östlich gelegenen Abeokuta. Im Westen drohte das Asante Reich, welches allerdings weiter entfernt lag. Bedroht wurde Dahomey eigentlich nur aus dem Osten, während im Norden und im näheren Westen keine starken Staaten lagen, die eine ernsthafte Gefahr für Dahomey dargestellt hätten. Entsprechend lagen hier die Gegenden, in denen meistens die jährliche Raubzüge stattfanden.

Resümee

Das Grundprinzip der dahomeyschen Gesellschaft war die Verschaffung von Macht und Kontrolle über Menschen. Die Politik war darauf ausgerichtet, dieses Streben zu erfüllen. Anfangs geschah dies durch Kriegszüge, und so entstand ein militaristischer Staat. Der Transatlantische Sklavenhandel stütze und förderte die gewaltsame Aneignung und war ein zusätzlicher Markt, der nach den Prinzipien der Kontrolle über die Arbeitskraft der Menschen aufgebaut war, also den afrikanischen nicht unähnlich; nur fehlte dort die gesellschaftliche Eingliederung. Im 19. Jahrhundert erlahmte die Ausdehnungskraft und Dahomey stand vor Problemen. Die Palmöl-Händler wollten ihren friedlicheren Weg zur Erlangung von Reichtum durchsetzen. Dazu war die dahomeysche Politik auch in der Lage, denn das Bilden von Interessengruppen in der Palastgesellschaft war üblich. Wenn das Aushandeln und Ausbalancieren der Interessen beendet war, beeinflußten die neuen Ziele die Politik. So konsolidierte sich der Staat im 19. Jahrhundert.


Exkurs - Demographie: Afrika und der Bevölkerungsverlust durch den Transatlantischen Sklavenhandel

Sklavenschiff Brookes mit Schema des Belegungsplanes (1791).

Bevölkerung ist eines der zentralen Themen der afrikanischen Geschichte. Wo nicht die Herrschaft über Land, wie in Europa, sondern die Herrschaft über Personen die Grundlage der gesellschaftlichen Organisation und damit der Ernährung ist, dort machen sich Schwankungen in der Bevölkerungsentwicklung sofort bemerkbar.

Demzufolge sind die Auswirkungen des Transatlantischen Sklavenhandels auf die Bevölkerung Afrikas wichtig und eine Untersuchung wert. Hier tun sich allerdings zwei Hauptprobleme auf. Einmal die Frage nach dem Umfang des Handels, die dabei Umgekommenen und die Zusammensetzung der versklavten Bevölkerungsgruppen. Zum anderen die Frage nach dem Einfluß auf die Entwicklung Afrikas, und hierbei besonders, ob der Sklavenhandel einer der Gründe für die heutige Unterentwicklung ist.

Seit der bahnbrechenden Veröffentlichung des amerikanischen Historikers Philip Curtin im Jahre 1969[1] über den Umfang des Transatlantischen Sklavenhandels, wird eine Zahl von etwa 11 Millionen Menschen, die nach Amerika verschleppt wurden, angenommen. Spätere Untersuchungen, bei denen Schiffsdokumente, Steuerlisten oder Reiseberichte verarbeitet wurden, haben diese Zahl bestätigt und ältere Annahmen korrigiert.

Heute geht man davon aus, dass besonders Männer im Alter zwischen 15 und 30 Jahren, das heißt die kräftigsten Arbeiter, versklavt wurden. Trotzdem bestanden die Transporte zu etwa einem Drittel aus Frauen, auch hier wiederum die Kräftigsten, im gebärfähigen Alter. Zusätzlich wurden Kinder und Babys versklavt.

Bei der Überfahrt über den Atlantik kamen viele Afrikaner ums Leben und auch auf dem Weg zur Küste und in den Kriegen, bei Überfällen und bei der Flucht starben sehr viele. Angenommen wird, dass diese Verluste an Menschenleben ähnlich hoch sind, wie die Anzahl der Sklaven die in Amerika ankam. Der afrikanische Kontinent büßte also etwa 20 Millionen Menschen ein.

Wie sich dies auf die Entwicklung auswirkte, ist umstritten. So meinen einige Autoren, dass die Bevölkerungsentwicklung unterbrochen wurde und bis heute nicht wieder eingeholt worden sei; andere sagen, dass es diese Unterbrechung gegeben habe, diese aber wieder aufgefangen wurde; wieder andere behaupten, dass der Transatlantische Sklavenhandel keinerlei Auswirkungen auf die demographische Entwicklung gehabt hätte.

Gegen die erste These spricht, dass gerade die vom Sklavenhandel am stärksten betroffenen Regionen, Biafra im heutigen Nigeria oder das Kongobecken, heute zu den dichtest bevölkerten Gebieten gehören. Für diese These sprechen andere Gründe, so ging der afrikanische Anteil an der Weltbevölkerung stark zurück (von etwa 30% um 1600 auf etwa 10% um 1900). Auch wird die Schnelligkeit der Durchdringung des Kontinents durch die Europäer im Hochimperialismus als ein Zeichen für die grundlegende Schwächung der afrikanischen Gesellschaften durch den Verlust an Menschen gewertet.

Die zweite These geht ebenfalls davon aus, dass zunächst die Bevölkerungszahl durch den Transatlantischen Sklavenhandel zurückging, doch hat die Einführung neuer Feldfrüchte (Cassava, Mais) diese Entwicklung wieder eingedämmt. Außerdem wird der Sklavenhandel sogar als eine Art Bevölkerungsregulativ bezeichnet, der eine Überbevölkerung abbaute. Dieses ist allerdings stark umstritten, da nur für die wenigsten vom Sklavenhandel betroffenen Gebiete eine Überbevölkerung festzustellen ist.

Die Anhänger der dritten These sehen den Transatlantischen Sklavenhandel als ein recht kurzes Intermezzo welches die afrikanischen Gesellschaften nur am Rande berührt hat. Um dies zu stützen wurde die Wirtschaft des Sklavenhandels untersucht, wobei man zu dem Schluß gekommen ist, dass nur ein geringer Prozentsatz (2,5%) des Einkommens eines Staates oder einer Bevölkerungsgruppe aus dem Sklavenhandel gezogen wurde. Diese Analyse läßt aber viele Entwicklungen in der politischen und gesellschaftlichen Geschichte außer acht.

Eine endgültige Klarstellung zur Demographie des Sklavenhandels wird es nicht geben. Die Versuche des Historikers Patrick Manning[2] mit Hilfe einer Computersimulation die Bevölkerungsentwicklung hochzurechnen sind ungenau. Manning geht von einer jährlichen durchschnittlichen Wachstumsrate von 0,5% aus und errechnet so, ausgehend von demographischen Daten von 1931, eine Westafrikanische Bevölkerung von 25 Millionen Menschen im Jahr 1700. Bis zum Jahr 1850 war diese Zahl in der Simulation auf 20 Millionen gesunken. In Gesamtafrika um 1850 müßten nach den Berechnungen ohne Einfluß des Sklavenhandels 100 Millionen Menschen gelebt haben, mit diesem waren es nur 50 Millionen, so Manning. Diese Zahlenspiele können die Probleme aber nicht lösen; die Frage die bleibt ist, wie die Bevölkerungsentwicklung ohne den Sklavenhandel ausgesehen hätte.


Wirtschaft

Wie jede vorindustrielle Gesellschaft war auch Dahomey von der Agrarwirtschaft abhängig. Angebaut wurden Jams und Mais als Grundnahrungsmittel, zusätzlich noch Hirse, Sorghum, Bohnen, Süßkartoffeln, Kokosnüsse, Orangen, Ananas und Ölpalmen. Meist wurden zwei Ernten im Jahr eingefahren, was Bewunderung bei den Europäern bewirkte und für diese ein Zeichen für Fruchtbarkeit, guten Boden und gutes Klima war. Ein nicht unerheblicher Teil der Bevölkerung war mit Fischfang in den Lagunen des Atlantik oder auf den Flüssen und Seen beschäftigt. Ansonsten wurden noch Geflügel, Schafe, Ziegen und (wenige) Rinder gehalten. Die Produktionsweise war familiär und auf die dörfliche Ebene ausgerichtet. Die Großfamilien arbeiteten gemeinsam, wobei es eine dahomeysche Eigenart war, dass eher die Männer die Feldarbeit machten, während die Frauen mit Wasserholen und ähnlichen Tätigkeiten beschäftigt waren. Dies war in den benachbarten afrikanischen Ländern nicht so, dort mussten vornehmlich die Frauen das Land mit den auch in Dahomey üblichen kurzen Hacken beackern. Pflug und Zugtiere gab es nicht, zu den regionalen Märkten wurden die Waren auf dem Kopf transportiert. Höherrangige Personen wurden in Hängematten getragen. Das Wegenetz war klar strukturiert und am Wegesrand lagen in den passenden Abständen Raststätten und Garnisonen zum Schutz des Handels. Die Wege waren auch die Routen die die Wensangun benutzten, um die Botschaften des Königs zu transportieren und zu verbreiten. Besonders der Weg zur Küste nach Whydah war wichtig. Die Handelsstadt beschreibt Norris wie folgt:

„Whydah, einst ein florierendes und unabhängiges Königreich, aber jetzt eine Küstenprovinz des dahomeyschen Reiches, liegt östlich der Goldküste, zwischen den Flüssen Volta und Benin... Grigue oder Griwhee, die Hauptstadt dieser Provinz, auf einer sandigen Ebene liegend, ungefähr drei Meilen von der See, ist eine große, weitläufige Stadt mit bald achttausend Einwohnern. Sie ist die Residenz des Vizekönigs, welcher von zwei Caboceers und einem hochrangigen Offizier in seiner Herrschaft unterstützt wird. Die Engländer, Franzosen und Portugiesen haben hier jeweils ein Fort und einige Handelsfaktoreien als Unterkunft für die Kapitäne der Handelsschiffe, die dort jährlich zwischen fünf- und sechstausend Sklaven kaufen.
Meine Geschäfte erforderten ein Gespräch mit dem König. Ich fragte den Vizekönig nach den notwendigen Begleitern und wurde von ihm mit einem Übersetzer, sechs Hängemattenträgern, zehn Trägern und einem über das Verhalten der anderen wachenden Aufseher ausgestattet. Mit meinen Dienern und einigen anderen, die bewaffnet den Aufseher begleiteten, waren wir dreißig Personen... Der Anblick des Landes, obwohl flach, ist sehr angenehm; es ist sehr weit und ein beachtlicher Anteil, nur unterbrochen von einigen Gehölzen und Gruppen hoher, edler Bäume, wird zum Ackerbau genutzt. In anderthalb Stunden erreichten wir die Stadt Xavier, wo es Plantagen für Jams, Kartoffeln, Schlangenwurz und Mais gibt, die in Griwhee einen guten Markt finden.“

Außer diesen landwirtschaftlichen Produkten wurden besonders Stoffe und Werkzeuge hergestellt. Erstere sind neben Salz und Metallen auch über weitere Distanzen gehandelt worden. Im lokalen Handel waren Holzschüsseln, Kalebassen und andere Holz- oder Tonbehältnisse bedeutend. Als Währungen sind Cowrie-Muscheln, Eisen- und Messingbarren im Umlauf gewesen, wobei die Cowrie die wichtigste war. Die aus dem Indischen Ozean stammenden und entweder von Arabern über Land oder um das Kap von Portugiesen gehandelten Muscheln wurden auf Schnüre gezogen und bildeten Ketten mit einem bestimmten Wert und Namen. Diese wandelten sich aber im Laufe der Jahre, zudem war es eine Möglichkeit Inflation oder Deflation zu bekämpfen, indem Cowries von den Schnüren entfernt oder hinzugefügt wurden. Bis zum Anfang des 19. Jahrhunderts kann man bei 40 Cowries von einem String oder Tocky sprechen. Fünf Tockies wurden Gallina genannt und zwanzig Gallinas waren eine Cabess.

Bei der wirtschaftlichen Verstrickung in den Sklavenhandel war nicht nur der Handel mit den Sklaven wichtig, der später genauer beschrieben wird, sondern besonders die Verdienste die mit ihm zusammenhingen, sei es die Versorgung mit Lebensmitteln für die Middle-Passage oder die Dienstleistungen in Whydah. Da der Ackerbau in Dahomey so erfolgreich war, konnten die Sklavenschiffe dort in manchen Jahren den billigsten Proviant der Region fassen. Einen Eindruck von den Verdienstmöglichkeiten im Dienstleistungssektor, aber auch vom Ablauf des Handels vermittelt folgende Quelle (Aus: Donnan, Elizabeth: Documents Illustrative of the History of the Slave Trade to America, 4 vols., Washington D.C. 1930 - 35.Vol. 1, 1931, S.531, Dokument Nr. 252 von 1767, eigene Übersetzung aus dem Englischen.):



Über die Zölle die in Whydah erhoben werden (eine Zusammenstellung die wohl Kapitän Ambrose Lace für einen seiner Kapitäne aufgestellt hat, d. Übers.)

Die Höhe der Zölle die Schiffe die ihren gesamten Handel über Whydah abwickeln an den König von Dahomey zahlen müssen:

Acht Sklaven für die Erlaubnis zum Handeln, einschließlich dem Trommelschlägern und den Händlern (Diese Sklaven werden an die Caboceers gezahlt. Dieser gibt Ihnen dann zwei kleine Kinder im Alter von sieben oder acht Jahren die der König als Anerkennung für den gezahlten Zoll schickt.)

Des weiteren sind zu zahlen:

Ein Sklave für Wasser und die Waschfrauen

Zwei Sklaven für das Handelshaus und Lager

Sieben Sklaven für die Kanus

Diese Sklaven werden an denjenigen gezahlt, der Sie im Fort beliefert.

Die oben genannten Sklaven haben den Wert:

  • Sechs Anker (altes Hohlmaß für Wein, Branntwein und Öl, etwa 35-45 Liter, d. Übers.) Brandy sind ein Sklave
  • Zwanzig Cabess Cowries sind ein Sklave
  • Vierzig schlesische Leinen sind ein Sklave
  • Zweihundert Pfund Schießpulver sind ein Sklave
  • 25 Gewehre sind ein Sklave
  • Zehn lange Stoffbahnen sind ein Sklave
  • Zehn Indische Baumwollstoffe niederer Qualität sind ein Sklave
  • Zehn Möbelstoffe sind ein Sklave
  • Vierzig Eisenbarren sind ein Sklave

Andere Güter müssen ähnlich viel Wert sein, aber Sie müssen aufpassen, dass diese nicht die am wenigsten nachgefragten Güter sind.

Nachdem die Zölle gezahlt sind, was schnellstmöglich passieren sollte, weil die Händler den Handel nicht eröffnen bis die königlichen Zölle gezahlt sind, gibt der Vizekönig Ihnen neun Bedienstete, die im Folgenden aufgelistet sind.

Ein Aufseher der aufpasst, dass die Güter die vom und an das Ufer kommen gezählt und bewertet werden. Er muss auch auf Ihre Fragen über nachgefragte Güter antworten. Er bekommt jedesmal zwei Gallinas Cowries, wenn er irgendetwas bewertet, sei es etwas das kommt oder geht, außerdem bekommt er jeden Sonntag eine Flasche Brandy.

Zwei Händler die in den Handelshäusern für Sie nach Sklaven gucken und als Übersetzer während des Kaufes zur Verfügung stehen. Sie werden mit je zwei Tockies Cowries am Tag und je einer Flasche Brandy am Sonntag bezahlt. Am Ende des Handels bekommt jeder noch einen Anker Brandy und ein Stück Stoff.

Zwei Jungen die im Haus dienen. Sie bekommen jeder zwei Tockies pro Tag und am Ende des Handels bekommt jeder ein Stück Stoff.

Ein Junge der im Zelt am Strand dient, dieser bekommt zwei Tockies am Tag.

Ein Türsteher, bezahlt mit zwei Tockies am Tag und einem Stück Stoff, welches er sich mit dem letzteren Jungen teilt.

Eine Waschfrau für die Faktorei. Sie bekommt zwei Tockies am Tag am Ende des Handels und ein Stück Stoff.

Eine Waschfrau die mit zwei Tockies pro Tag bezahlt wird und mit sechs Tockies jedesmal, wenn Sie ihr ein Leinen zum Waschen geben. Sie bekommt noch ein Stück Stoff am Ende des Handels. Bemerkung: Die letzten beiden Bediensteten sind manchmal ein und dieselbe Person, ist dies der Fall dann bezahlen Sie auch nur eine.

Für die Kanumänner die den Kapitän ans Ufer bringen gibt es einen Anker Brandy und für jeden Einzelnen einen Hut und einen Faden Stoff. Für den Bootsmann einen Hut, ein halbes Stück Stoff, eine Cabess Cowries, eine Flasche Brandy jeden Sonntag und jedesmal wenn sie einen Weißen übersetzen und am Ende des Handels fürs Übersetzen des Kapitäns einen Anker Brandy und vier Cabess Cowries.

Bemerkung: Die oben genannten Mengen wurden den Kanumännern früher gegeben, aber jetzt gibt der Kapitän ihnen einen Anker Brandy und eine Cabess Cowries jeden Sonntag für die Arbeit der Woche.

Der Trommelschläger der den Handel eröffnet bekommt zehn Gallinas Cowries und eine Flasche Brandy.

Der königliche Botenläufer der die Nachricht von der Ankunft des Schiffes und die Grüße des Kapitäns zum König bringt erhält zehn Gallinas.

Für den Aufpasser der Waren gibt es eine Flasche Brandy jeden Sonntag und ein Stück Stoff, wenn sie mit seinem Service zufrieden sind.

Der Strandwächter erhält bei Ihrer Ankunft einen Anker Brandy und bei Ihrer Abfahrt ein Stück Stoff und einen Anker Brandy.

Den sechs Wasserholern werden zwei Tockies am Tag und zwei Flaschen Brandy bezahlt, zusätzlich bekommen sie noch zwei, drei oder vier Tockies Cowries für jedes Fass je nach Größe. Am Ende des Handels bekommen sie zwei Stücke Stoff und einen Anker Brandy.

Der Vizekönig der mit seinen Leuten den Kapitän bei dessen Ankunft begrüßt und ihn ins Fort begleitet bekommt dafür ein Anker und zwei bis vier Flaschen Brandy.

Die Zölle des Vizekönigs bestehen aus einem 15 Yards langen Stück Seide, einem Fass Blumen und einem Fass Fleisch. Sollten Sie dies nicht haben, dann können Sie ihm auch etwas anderes geben was er benötigt.

Für die Leute die das Zelt bauen gibt es einen Anker Brandy und zwei Cabess Cowries. Der Capt´n Gong Gong der nachts auf das Haus aufpasst bekommt eine Flasche und ein Stück Stoff wenn Sie zufrieden sind.

Sie müssen den Trägern für jede Last drei Tockies Cowries zahlen, wenn sie nicht schwerer als ein Anker, zwanzig schlesische Leinen, zehn Stücke Stoff oder ähnlich kleine Waren sind, sollte dies der Fall sein sollten Sie mehr bezahlen, zum Beispiel für eine Kiste mit Pfeifen zehn Gallinas.



Die Quelle zeigt außerdem, dass der dahomeysche Staat erheblichen Einfluss und Kontrolle über den Handel mit Sklaven gehabt hat. Das Ausmaß der Kontrolle ist umstritten. Sicherlich hat die Monarchie erheblich in die Abläufe des Handels eingewirkt, aber es gab auch typische Marksituationen, wo das Gesetz von Angebot und Nachfrage regierte. Alleine an der Preisentwicklung in Dahomey kann man dies erkennen. So ist der Preis eines Schafs mit 1.600 Cowries von circa 1690 bis 1720 gleich geblieben, 1850 hat es dann aber 5.000 Cowries gekostet. Der Besuch bei einer Prostituierten kostete 1690 drei Cowries, 1710 fünf und 1850 zwanzig. Die meisten Güter und Dienstleistungen blieben allerdings relativ stabil im Preis. Wenn die Kontrolle über die Preise gering war, so kann man dies nicht von der Kontrolle über die Europäer und die inländischen Händler behaupten. Mit der Stadt Cana in der unmittelbaren Nähe von Abomey, gab es eine inländische Handelsstadt in der die afrikanischen Oyo- und Mahihändler ihre Geschäfte abwickeln mussten. Die fremden Händler durften sich nicht frei bewegen, sondern wurden immer überwacht und begleitet. Es wurden dazu bedrohliche Geschichten erfunden, zum Beispiel von Menschenfressern, die waren dann ein Grund die Weißen nicht alleine herumstreifen zu lassen, konnten sie doch nicht der Gefahr ausgesetzt werden, gegessen zu werden. Gelegentlich wurden die Forts und Faktoreien an der Küste zerstört, wenn jemand gegen die Handelsgesetze verstoßen hatte. Wenn Dahomeys Politik wieder sehr regressiv war und der Krieg den Handel schädigte, indem die Wege unsicher wurden, wandten sich die Händler aus dem Inland anderen Exporthäfen zu. Erfolgreiche Kriege brachten zwar viele Gefangene ein, doch konnte solch ein Feldzug im darauf folgenden Jahr nicht wiederholt werden, denn die Gebiete waren durch den Kriegszug und durch Flucht entvölkert. So wechselten Phasen mit einer Freihandelspolitik sich ab, mit Phasen in denen militärische Erfolge gefeiert wurden. Um den Handel zu kontrollieren und die Gesetze zu überwachen gab es in Dahomey verschiedene Ämter. Dies zeigt die folgende Quelle:

„Der jetzige König von Dahomey (Kpengla) ist ein Mann von beinahe fünfzig Jahren, wohl gebaut und mit großer Intelligenz. Er kommt nie nach Whydah, sondern bleibt immer in Dahomey, wahrscheinlich weil er Angst um sein Leben hat, denn er regiert die Bewohner Whydahs mit extremen Despotismus, um sicher zu gehen, dass sie unter dem Joch der Sklaverei, nicht mehr die Idee wiederbeleben, wieder ihren eigenen König zu bestimmen. Er unterhält einen Vizekönig und vier Caboceers in Whydah, die ihn genau darüber informieren, was so vorgeht unter den Weißen als auch den Schwarzen.“ (Aus: Isert, Paul Erdmann: Letters on West Africa and the slave trade, seventh Letter 1785, eigene Übersetzung aus dem Englischen.)

Wichtigstes Amt ist das des Vizekönigs, Yevogan auf Fon, was soviel wie Chef der weißen Männer bedeutet. Vorsitzende der dahomeyschen Händlerschaft und damit die Kontaktleute der Europäer waren der Cocq und der Boya. Diese waren abhängig vom König, versuchten aber nebenbei Reichtümer zu erwerben. Damit es dazu nicht kam und der Palast immer noch das ökonomische Machtzentrum blieb, gab es hohe Einkommenssteuern von 30 Prozent und eine noch höhere Erbschaftssteuer von nahezu 100 Prozent. Durch Heiraten und Sendung von Offiziellen in die Haushalte, hatte der Hof zusätzliche Kontrolle über die Familien der Händler. Das Ausmaß der Überwachung schwankte im Lauf des 18. Jahrhunderts.

Mit dem Ende des Sklavenhandels und dem Aufkommen des Legitimate Trade hatte sich die Händlergemeinde stark verändert. Es entstand eine Gemeinschaft der Händler. Das Amt des Yevogan verlor an Einfluss, den der Chacha, der dessen Amt und Titel nicht übernahm, aber seine Aufgaben erfüllte, in Whydah hinzu gewann. Dieser konnte sein Amt vererben und es blieb lange Zeit in den Händen der brasilianisch-kreolischen Familie De Souza. Die anderen Händler vererbten ebenfalls ihre Besitztümer, so bildeten sich im 19. Jahrhundert fünf mächtige und einflussreiche Familien heraus. Trotzdem oder gerade wegen dieser Machtkonstellation konnte nicht jede Familie zu diesem Status aufsteigen, dies dokumentiert folgende Quelle:

„Das alltägliche Leben eines Dahomers wäre sehr schwer zu beschreiben, hängt es doch von der Laune des Herrschers ab. Sollte ein Mann sich eines betriebsamen Benehmens aneignen, muss er sehr vorsichtig sein diese zu entwickeln, denn sonst wird die Regierung auf ihn aufmerksam. Wenn er ohne die Erlaubnis des Königs mehr Land beackert oder in irgend einer Weise seine Familie zu Reichtum bringt, gefährdet er nicht nur sein Vermögen, sondern sein Leben und auch das seiner Familie: Anstatt dass er ein Mann von Besitz und Ansehen wird, ist die Sklaverei sein Los; und dem König und dessen Ministern zu dienen, bedeutet zwar das unwillige Aufrechterhalten von Gesetzen die ihn selbst ruinierten, doch als Alternative gibt es nur den Tod.“ (Aus: Forbes, Frederick: Dahomey and the Dahomans, London 1851, Vol. 1, S. 36, eigene Übersetzung aus dem Englischen.)

Ein zentrales Element der Wirtschaft, aber auch der Politik, Gesellschaft und Religion war das jährliche Fest Xwetanu, englisch Annual Customs genannt. Hier wurden die Steuern bezahlt, Paraden gezeigt, getrunken und gefeiert, gehandelt und verhandelt, der Reichtum umverteilt, Gesandte empfangen und Menschen getötet und so ins Kutome geschickt. Ähnliche Feste wurden beim Tod des Königs gefeiert, diese hießen dann Grand Customs. Das Xwetanu fand meist nach der jährlichen Sklavenjagd statt, denn die Gefangenen die dem König gehörten – die Besitzrechte an den Kriegsgefangenen wechselten, aber meist lagen sie beim König – wurden dort an die Händler weitergegeben. Das war ebenfalls ein Steuerungselement, denn so konnten Günstlinge belohnt und Gegner abgestraft werden. Das Xwetanu hatte also einen vermittelnden und ausgleichenden Charakter im Sinne des Palastes.

Die Rolle des Transatlantischen Sklavenhandels innerhalb der dahomeyschen Wirtschaft ist in der Wissenschaft umstritten. Es existieren drei Richtungen die Erklärungsversuche geben.

Einige HistorikerInnen gehen davon aus, dass Dahomey ein Staat war, der ausschließlich für die Sklavenjagd existierte. Nur durch einen hohen Grad von Militarismus und damit eng verbunden Despotismus konnten die Raubzüge durchgeführt werden. Das Handelsgut welches für die Sklaven erstanden wurde waren Musketen, Pulver und andere europäische Waffen. So entstand ein Slave- Gun-Circle in dem Dahomey immer mehr Sklaven jagen musste, um immer mehr Waffen für immer mehr Jagden kaufen zu können. Man bezeichnet diese Wirtschaftsform als Slave-raiding economy. Natürlich wird auch hier davon ausgegangen, dass sich die dahomeysche Bevölkerung ernährt hat, und dass dieses durch Ackerbau geschah. Trotzdem wird dem Sklavenhandel die zentrale Bedeutung in der Wirtschaftsweise zugeschrieben, weil die Gesellschaft auf ihn zugeschnitten und organisiert war. Zusätzlich besagt diese Theorie, dass in dieser Wirtschaftsform die Marktgesetze leicht außer Kraft gesetzt wurden, beziehungsweise diese nicht existierten. Angebot und Nachfrage als preisbildende Faktoren sollten keine Rolle spielen, sondern nur die despotische Rolle des Herrschers. Es lag in seinem Einfluss wirtschaftlichen Reichtum zu verteilen und somit Status und Rolle seiner Untergebenen zu definieren. Er war dadurch von dem Sklavenhandel abhängig und die europäischen Händler nutzten dies aus, um ihre Produkte abzusetzen und den größten Teil des Gewinns beim Sklavenhandel einzustecken.

Diese Analyse der Wirtschaftsform ist bis ungefähr 1970 aktuell gewesen und weitestgehend falsch, wenn auch einige gesellschaftliche Beobachtungen richtig sind. Bei der Sichtweise der Slavetraiding economy wird die Bedeutung des Militärs unterschätzt. Hier soll der Sklavenhandel ausschließlich zum Kauf einzelner Luxusgüter, besonders Branntwein und Tabak, verholfen haben. Die gesellschaftlichen Eliten konnten so vom Sklavenhandel profitierten, während der Großteil der Bevölkerung Ackerbau betrieb und von den Handelsbeziehungen kaum etwas mitbekam und schon gar keinen Nutzen hatte. Für die Eliten war der Sklavenhandel aber so lukrativ, dass sie den Handel möglichst intensivierten, wobei sie sich auf die Gesetze des freien Marktes stützen.

Die letzte These bezeichnet Dahomey als eine Agricultural ecomomy in der nur ganz am Rande mit Sklaven gehandelt wurde und dieser Handel kaum eine Bedeutung hatte. Die Sklaven aus dem Inland wurden über Dahomey gehandelt, weil es an der Küste lag und hier die Handelswege verliefen. So wurde nur ein geringer Teil des Bruttoinlandproduktes durch den Sklavenhandel erwirtschaftet, circa vier Prozent. Das Militär gab es für Kriege zwischen Staaten, die aus anderen Gründen als dem Sklavenhandel geführt wurden. Dahomey fühlte sich sogar durch den Sklavenhandel gestört, und eroberte deswegen die Küste. Generell war für die Politik der Blick nach Osten, also ins Binnenland entscheidend und nicht der zur Küste. Das Anti Slave Trade Theme in der dahomeyschen Geschichte ist nur mit sehr viel guten Willen zu finden und verschließt die Augen vor den doch recht hohen Exporten, die zwar mit der Herrschaft Dahomeys über die Küste geringer wurden, aber immer noch ein beträchtliches Ausmaß hatten.

Resümee

Die Rolle des Sklavenhandels innerhalb der Wirtschaft Dahomeys ist nicht endgültig geklärt. Es wäre allerdings zu statisch sich für eine dieser Sichtweisen zu entscheiden, wurde doch die Handelspolitik an die jeweiligen Situationen angepasst. Die eigenständige Wirtschaftspolitik Dahomeys wandelte sich von Zeit zu Zeit und von Herrscher zu Herrscher. Manche waren sehr den Sklavenjagden zugeneigt, andere – unter dem Druck Oyos – versuchten eher eine friedlichere Politik durchzusetzen und als Anfang des 18. Jahrhunderts die Angriffe Alladas ein erhebliches Ausmaß annahmen, scheint es nicht unrealistisch, dass der Gegenangriff auch das Ziel hatte, die Bewohner Dahomeys vor der Sklaverei zu schützen. Eine Konstante ist die hohe Kontrolle über die Handelspartner. Das einzige Mittel der Europäer den Handel zu beeinflussen, bestand darin in andere Gebiete auszuweichen, was sie recht früh taten.


Die Auswirkungen des Transatlantischen Sklavenhandels auf die dahomeysche Gesellschaft

Der Grad der Beeinflussung ist nur sehr schwer zu durchschauen. Die Logik des Sklavenhandels stand nicht im Kontrast zur Logik der Eingliederung von Menschen in die eigene Gruppe. Der Sklavenhandel passte gut zur dahomeyschen Ideologie und stellte keinen Gegensatz dar; wenn sich dabei noch Profite erwirtschaften lassen um so besser. Bis circa 1830 war der Export von Menschen lukrativer, als sie zur Arbeit einzusetzen. Zudem ist die Eingliederungsfähigkeit begrenzt. Das Interesse der Europäer an kräftigen meist männlichen Arbeitern, passte gut zu dem Interesse des Palastes an Frauen, denn diese waren leichter einzugliedern. So wurden mehr Männer an die Weißen verkauft. Dies führte zu einem erheblichen Frauenüberschuss und zur Ausweitung der Polygamie.

Da die Geschichte Dahomeys, als die einer kleinen Gruppe in einer feindlichen Umwelt, sich in den Institutionen und in der Politik niederschlug, war das Streben nach hoher Kontrolle über die Vorgänge im Staat nur natürlich. Durch mehr Kontakte im Zuge des Sklavenhandels zu Europäern, Konkurrenten, Handelspartnern und Opfern, musste auch diese Kontrolle verstärkt werden, und damit die staatlichen Institutionen, insbesondere das Militär. Diese stärkere Verwobenheit und Integration führte zu dem starken dahomeyschen Staat im 19. Jahrhundert, der den Wechsel zur Wirtschaftsweise der Sklavenplantagen für die Palmölproduktion erfolgreich vollzog, auch wenn es dabei zu einigen Anpassungskrisen kam.


Schlussbetrachtung - Was zeigt die Geschichte Dahomeys?

Die wichtigste Erkenntnis sollte sein, dass die nach heutigen Maßstäben grausamen Vorgänge des Sklavenhandels einer inneren Logik entsprangen und nichts mit Wildheit, Unzivilisiertheit, Gewohnheit oder Primitivität der Bewohner Dahomeys oder Afrikas zu tun haben. Das Beispiel der afrikanischen Barbarei lässt sich zwar leicht anhand Dahomeys zeigen, doch die Wertvorstellungen des 20. Jahrhunderts taugen nicht, um Menschenopfer und Massenenthauptungen in die (afrikanische) Realität des 18. und 19. Jahrhunderts einzuordnen. So fremd es auch erscheinen mag, die Motive sind nachzuvollziehen. Die handelnden Personen sollen nicht als unzivilisierte Wilde diskriminiert, sondern in ihren religiösen und politischen Lebenswelten verstanden werden. Außerdem darf nicht von den Einzelfällen, den Blitzlichtaufnahmen der seltenen Besuche von Europäern, auf die Gesamtheit der Ereignisse geschlossen werden. So aufmerksamkeitserheischend diese blutigen Vorgänge sind, so entsprechen sie nicht den alltäglichen Handlungen und Problemen der dahomeyschen Bevölkerung.

Den zeitgenössischen Beobachtern ging es ähnlich. Ihr Blick fiel vor allem auf diese Unterschiede zur westlichen damaligen Gegenwart. Der Kontakt einer europäischen Gesellschaft, die gerade humanistische Ideale und die Menschenrechte entdeckte und in der aufklärerische Ziele aus den kleinen Intellektuellenzirkeln auf weite Teile der Gesellschaft auszugreifen begannen, mit einer „wilden” Kultur, führte zu einer Fokussierung und einer Überbewertung dieser dahomeyschen Verhaltensweisen. Hinzu kommt der Wandel Europas während des Sklavenhandels, der eine Zeitspanne von über 300 Jahren (ca. 1450-1850) umfasst, von einer mittelalterlich geprägten, zu einer sich industrialisierenden Gesellschaft. Alleine die Rolle des Monarchen wandelte sich vollständig. Als Dahomey die Küste eroberte, herrschte in Frankreich ein absoluter Monarch; als der Sklavenhandel seinen Höhepunkt hatte, fand in Nordamerika und in Frankreich die ersten bedeutenden Revolutionen und die Erklärung der Menschenrechte statt; als die Franzosen Dahomey eroberten war deren Land industrialisiert und eine Republik. Die Position der europäischen Beobachter zum König wandelte sich dementsprechend; anfangs war der König von Dahomey nahezu gleichwertiger Regent, dann ein unaufgeklärter Wilder und schließlich ein grausamer Despot, je nach Gusto und politischem Standpunkt des Verfassers. Während zu Beginn des Sklavenhandels die Ware Mensch in Europa ein alltägliches Gut war, – die etymologische Herkunft des Begriffs Sklave kommt von den osteuropäischen Slawen – ist das Verkaufen von Menschen am Ende geächtet.

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Dies zeigt den großen Wandel Europas, der aber nicht ausschließt, dass die außereuropäischer Gesellschaften ebenfalls eine Dynamik besäßen. Das Bild vom sich entwickelnden Europa und der stillstehenden Welt ist falsch. Das Beispiel Dahomey zeigt die Wandlungsfähigkeit, die innere Dynamik afrikanischer Gesellschaften.

Trotzdem ist der Sklavenhandel nicht zu verharmlosen, denn es wurde vielen Menschen großes Leid angetan. Die Schuld daran, kann nicht ausschließlich den Europäern, den Afrikanern oder den jeweiligen Eliten angelastet werden, sondern verteilt sich gleichmäßig auf alle. Das Erbe des Sklavenhandels ist ein belastendes und auch heute noch hochpolitisches. Dass der ghanaische Präsident Rawlings Afroamerikanern freigestellt hat die ghanaische Staatsangehörigkeit zu wählen, oder dass amerikanische Verbände und afrikanische Staaten und Organisationen Millionenentschädigungen ähnlich wie für die Zwangsarbeiter des deutschen Dritten Reiches fordern, zeigt dies deutlich.

Das Beispiel Dahomey eignet sich gut, um diese Lernziele zu erreichen und ein Problembewusstsein zu fördern. Nebenbei kann der kritische Umgang mit Quellen geübt werden und Linien zur Entwicklung Europas gezogen werden. Weltgeschichte kann so greifbarer werden.


Weitere Informationen zu den Quellen

Forbes, Frederick - Bereiste im Oktober und November 1849 Dahomey um Verhandlungen über die Abschaffung des Sklavenhandels zu führen. Als britischer Marineoffizier und überzeugter Abolitionist hatte er ein starkes Interesse daran, Dahomey als gewalttätig darzustellen, war doch bei der englischen Regierung im Gespräch, dort die westliche Zivilisation einzuführen, Dahomey also zu kolonisieren. Dazu veröffentlichte er 1851 seine Erzählung, in der er auch einen Brief von Bulfinch Lamb (1724) aus Norris Werk (1789) zitiert. Dies ist bemerkenswert, denn unter dem Vorzeichen, dass Dahomey kolonialisiert werden sollte, war es wieder wichtig den Staat als möglichst blutrünstig und gewalttätig darzustellen, genauso wie es die Sklavenhändler taten, um den Handel zu rechtfertigen. Diese stellten das Argument auf, dass es den Schwarzen in der Karibik wesentlich besser gehen würde, seien sie doch nicht mehr den Launen der Despoten und dem Tod ausgeliefert, sie würden also gerettet und zusätzlich dem Christentum zugeführt.

Dalzel, Archibald - War ein Mitglied der Company of Merchants Trading to Africa und in den 60er Jahren des 18. Jahrhunderts deren Resident in Whydah. Seine 1793 veröffentlichte History of Dahomey war – obwohl zu einem großen Teil aus älteren Berichten erstellt – das Standardwerk zur Geschichte des Landes und ist auch heute noch eine der wichtigsten Quellen. Das Buch war in vielen Übersetzungen erschienen und in ganz Europa verbreitet. Dalzel ging es um die Verteidigung des Sklavenhandels, so flossen zahlreiche anti-abolitionistische Thesen in sein Werk ein.

Norris, Robert - War Kapitän eines Sklavenschiffes und lebte zeitweise in Dahomey, wo er Fon lernte. Er war ein Verfechter des Sklavenhandels und dem Anhang seines Buches von 1789 war eine Schrift zu dessen Verteidigung beigefügt. Er sammelte seine Informationen über Dahomey in den 70er Jahren des 18. Jahrhunderts vor Ort.

Isert, Paul Erdmann - War ein deutscher Arzt und Forschungsreisender, der in Kopenhagen lebte und arbeitete. Auf seinen Reisen kam er 1785 auch an die Sklavenküste, wo er einige Briefe an seine Freunde verfasste, in denen er die dortigen Zustände beschrieb. Diese Briefe wurden 1788 dann veröffentlicht und in mehrere Sprachen übersetzt. Er war ein Abolitionist und hegte aufklärerische Gedanken, die sich mit dem „Edlen Wilden” befassten. Um genaue Berichte über die Unmoral des Sklavenhandels zu geben, arbeitete er als Arzt auf Sklavenschiffen. Seine Wahlheimat Dänemark war das erste Land, welches den Sklavenhandel verbat; dies geschah 1792 und Isert hatte einen nicht geringen Anteil daran, waren seine Briefe doch populär, bekannt und weit verbreitet.

Donnan, Elizabeth - Diese amerikanische Historikerin stellte in den 30er Jahren des 20. Jahrhunderts eine Quellensammlung zum Sklavenhandel zusammen. Die hier zitierte Zollliste hat sie dem Buch Liverpool Privateers von Williams entnommen.


Biographie von Gezo

Gezo.

In Gezos Regierungszeit 1818 bis zu seiner Ermordung 1858 fallen wichtige Ereignisse in der Geschichte Dahomeys. Auch sein Regierungsantritt markiert einen Wechsel, denn Gezo gehörte einer anderen Familie an. Die mündliche Überlieferung besagt zwar, daß Gezo der Halbbruder des vorherigen Königs war, die moderne Forschung neigt jedoch zu der Ansicht, daß seine Thronbesteigung die Gründung einer neuen Dynastie markiert. Die lange wirtschaftliche Depression vor seinem Amtsantritt, erleichterte Gezo es, mit Hilfe des brasilianischen Chachas De Souza, die Herrschaft zu erlangen. Einmal an der Macht führte Gezo zahlreiche Reformen durch, so reorganisierte er den Handel und den Ackerbau. Auch feierte Gezo militärische Erfolge, besonders ist hier die Befreiung von den Tributzahlungen an Oyo 1823 zu nennen. Diese Siege bewirkten einen erneuten Zustrom an Sklaven. Da für diese schlechter Absatzmöglichkeiten im illegal gewordenen Transatlantischen Sklavenhandel bestanden, ließ Gezo 1838 die erste königliche von Sklaven bewirtschaftete Palmöl-Plantage in der Nähe von Abomey errichten. Forbes beschreibt Gezo im Jahre 1850 wie folgt:

„Seine dahomeysche Majestät König Gezo, ist ungefähr 48 Jahre alt, gutaussehend und hat nichts vom Gesichtszug eines Negers seinem Teint mangelt es mehrere Schattierungen um Schwarz zu sein; seine Erscheinung gebieterisch und sein Gesichtsausdruck intellektuell, obwohl Ernst bis ins Extreme.“ (Aus: Forbes, Frederick: Dahomey and the Dahomans, London 1851, Vol. 1, S. 76, eigene Übersetzung aus dem Englischen.)

Gezo hatte als erster Monarch Dahomeys mit dem beginnenden Imperialismus und der direkten Einflußnahme der Europäer zu tun, so führte er viele Verhandlungen mit England. Das Bild ist ebenfalls dem Buch Forbes entnommen.


Glossar

Personen

  • Kpojito - Grob übersetzt queen mother, dies ist eine Frau, nicht unbedingt die Mutter des Königs, die Einfluß auf den König hat, und auch dessen Thronbesteigung mit beeinflußt.
  • Yevogan - Chef der weißen Männer, Vizekönig in Whydah.
  • Wensangun - Botenläufer und Beamte, auch half-heads genannt, da sie eine Seite des Kopfes geschoren tragen. Sie sind für die Überbringung königlicher Nachrichten, aber auch für die Durchsetzung von Befehlen verantwortlich.
  • Caboceers - hohe Beamte, mit verschiedenen Aufgaben.
  • Mehu - Caboceer der als Außenminister fungiert, zweithöchstes Amt im Staat.
  • Megan - Caboceer der als Handels- und Wirtschaftsminister fungiert, dritthöchstes Amt im Staat.
  • Agaow - Militärischer Oberbefehlshaber
  • Cocq und Boya - Offizielle Händler von hohem Rang.
  • Chacha - ab dem 19. Jahrhundert der Verantwortliche für den Handel in Whydah, meist von brasilianischen Kreolen, besonders der Familie De Souza, ausgeübtes Amt.

Sonstiges

  • Xwetanu - auch (annual) customs genannte zentrale mehrwöchige Veranstaltung in Abomey.
  • Cowries - die Währung von Dahomey, bestehend aus Muscheln, die auf den Malediven vorkommen. 40 von diesen sind ein string oder auch tocky, dies ist die eigentliche Währungseinheit. Größere Mengen hatten eigene Bezeichnungen, diese wechselten aber auch im Lauf der Jahre, so sind im 19. Jahrhundert 2000 Cowries eine Cabess, davor besteht eine Cabess aus 4000 Cowries.
  • Lineage – afrikanischer Verwandtschaftsverband


Literatur - Romane und sonstiges

  • Carter, Peter: Die Sentinel, Verlag Freies Geistesleben 1995;
sehr gutes Jugendbuch mit interessanten Figuren und Handlungssträngen. Ein junger Offiziersanwärter der britischen Marine und ein Sklavenjunge kommen sich durch ein Schiffsunglück näher, und lernen sich zu verstehen.
  • Chatwin, Bruce: Der Vizekönig von Ouidah, Reinbek 1982;
Buch war Grundlage zum Drehbuch des Werner Herzog Films "Cobra Verde" von 1987.
  • Pate, Alexs: Amistad, München 1998;
Buch zum Film von Spielberg.
  • Pesci, David: Amistad, Bergisch Gladbach 1997;
besser als das Buch zum Film.
  • Bourgeon, Francois: Reisende im Wind, Reinbek 1981-1984;
fünf ausgezeichnete Comicalben.
  • Amistad- ein Film von Steven Spielberg, Dreamworks Studios 1997;
er handelt von dem 1839 auf dem Sklavenschiff Amistad vorgefallenen Aufstand und der anschließenden Gerichtsverhandlung, in der es US-Marine Offizieren darum ging, die Eigentumsrechte an den 53 Afrikanern zu erlangen.


Endnoten

  1. Curtin, Philip D.: The Atlantic Slave Trade: A Census, Madison 1969.
  2. Manning, Patrick: African Life and Slavery, Cambridge 1990.



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