1615 1762

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Die Wiedenbrügger Höfe der Familie von Münchhausen, Remeringhausen

Inhaltsverzeichnis

1600, Michaeli, Erich Hans von Münchhausen verkauft seine Erbgüter zu Wienbrügge an Ludolf von Münchhausen

STAB Dep. 3 GR 325

verkauft seine

„freie zugehörige Erbgüter zu Wienbrügge, sambt denen daselbst habenden fünff Meier Diensten Jerlich aufkommenden Krons Renthen, Mast Schweine, Gensen, Hünern, Ingleichen die Alda von wischen, So zu den Hofen gehörig vnnd sonsten stehende geldt Zinse, wie denn auch zwei Morgen Landes so in einem Campe Im Schmalenbruch, mir zugehorig, und jetzo Luder Wulff gebrauchet, darzu auch meinen freien Erb Korn Zehnten zu Barckirchen allerseits in der Graffschaft Schaumburg Im Ambt Sachsenhagen belegen …“

Kaufpreis: 3500 rt.


1612, am Tage Bartholomaei, Verkauf der Wiedenbrügger Güter

STAB Dep. 3 GR 325.

Verkäufer: Lippolt von Stöckheimb mit seinen Söhnen Joachim und Lippolt, Käufer: der Schwager Ludolph von Münchhausen, verkaufen:

„unsere frei zugehörige Ergbüter zur Wienbrugge, sambt denen daselbst habenden fünff Meyer Diensten, vnnd einen Koeter, jährlichen auffkommenden Korn Renten, Mahlschweine, Gensen, Hünern, Ingleichen die alda von wischen, so zu den Hoffen gehörig, und sonsten stehende Geldt Zinse, wie dan auch zwei Morgen Landes, so in einem Kampe In Schmalenbruch vns zugehörig, vnd itzo Luder Wulff gebraucht, dazu auch vnseren freyen Erb Korn Zehnden zu Barckirchen, allerseits in der Grafschafft Schaumbugk Im Ambt Sachsenhagen belegen, … für drey Tausendfünffhundert vnnd vierzehn Im heiligen Reiche genehme … Reichsthaler …


1614, Ostern, Ludolph von Münchhausen über die Rechte und Pflichten der Wiedenbrügger

STAB Dep. 3 GR 810.

„Zuwissen nachdem Ich Ludolff von Münchhausen Erbgesessen zu Reimeringhausen p. das Dorff Wienbrügge jetzt gantz an mich erblich gekaufft, und meine Leute daselbst zur Wienbrügge von mich ihrem Junckern ein Verschreibung begehret, wie sie sich hernach Jährlich verhalten sollen, alß hab Ich ihnen diese Verzeigniß gegeben; Ernstlich sollen alle Leute in der Wienbrügge wohnhafftig, sich in allen Dingen also gegen mich verhalten, wie eigene gehorsame Hausleuten sich gegen ihren Erbjunckern und Gutsherrn zu verhalten gebühret, und wie sich andere Herren Dienst Leute in dieser Graffschaft verhalten müssen. Und soll derselbigen, welcher Jährlichß das Bauermeister Ampt zur Wienbrügge verwaltet verpflichtet seyn, wann Verenderung vorlauffen, alß wenn jemand stirbet, jemand sich befreiet, jemand sich an frembde Orter begiebt, und von der Wienbrügge ausziehet, wenn etwas Bruchfällig vorfelt, oder sonsten, es alhier zu Reimeringhausen anzuzeigen, damit wegen der Erb, Weinkauffe, Freykauffungen, Bruch und dergleichen, kein Unterschleiff geschehe, sondern ich das Meinige bekomme.

Das Jahrlichs Zinß undt Zehendkorn wird den Wienbrüggern von mich(?) nit ersteigert, sondern die Wienbrügger geben sämptlich zusammen 1 Fuder XI. Malter 4 Himbten Rogken. Item 1 Fuder XI Malter 4 Himbten Gersten. 4 Fuder 6 Malter 4 Himpten Habern. Dieß Zinß vndt Zehendkorn sollen sie jährlichs zwischen Michaelis vndt Weihnachten richtig ohn allen Mangel bezahlen, und dahin führen und lieffern wohin ihnen angekündigt wirdt, und wie sie die vorige Jahr gethan; Wo sie aber den Himpten Hartkorn jährlichs mit 17 gr. guter Müntze bezahlen wollen, können sie mit der Fuhr des Hartkorns verschonet werden; den Habern muß ich noch der Zeit jährlichß auf Reimeringhausen haben. Den Zehenden müssen sie bißweilen beweinkauffen. So muß mir auch alle Jahr der Fleisch Zehendte, wie auch die Mahlschweine also entrichtet werden, daß Ich ohne Mangel das Meinige bekomme.

Wer auch meine Schäfferey zur Wienbrügge hat, muß mir järlichs bey Verlust der Schäfferey die Gebühr davon geben.

Gänse, Hüner, Wischzinse p. werden meine Leute wol alle Jahr dergestalt entrichten wie sie es zeithin schuldig.

Jeglicher meiner Leute in der Wienbrügge wohnhaft, soll alle Jahr zwey Stiege Eyer geben.

Und weil durch die Graffschaft Schaumburg gebräuchlich, daß die eigen Leute müssen zum Schaff abscherend, Hopffen abnehmung, über den Herrendienst helffen, auch zwey Bothen Flachß schwingen, und diese Leute vollkommentlich eigen, solten sie billig daßelbige auch thun.

Belangend die Dienste, ob wol diese Leute zur Wienbrügge wochentlich zu dienen schuldig und verpflichtet, auch die Leute welche Ich von Erich Hanß von Münchhausen gekaufft, ein Zeitlang der Dienste alle Wochen anhero gethan, die Wienbrügger aber unterthänig gebeten, daß ihnen wöchentlich nach Reimeringhausen so oft zu kommen der Weg etwas fern wäre, Alß hat sich Ihr Juncker Ludolff von Münchhausen dahin handeln lassen, daß Er nachfolgender gestalt mit seinen Leuten in der Wienbrügge einig geworden: Erstlich sollen die Sieben Meyer Erich Schrage, Jürgen Starckman, Cord Bicknese, Curdt Boltern, Hinrich Bicknese, Hinrich Reuter, Erich Reuter, jeglicher Jährlichs auff Weihnachten zu Dienstgelde geben, zehen Thaler. Weil aber Hanß Kick vnd Hanß Rüter etwas armer seyn, ist ihnen noch der Zeit biß ihre Gelegenheit besser wird, Jeglichen das jährliche Dienstgeld auff 8 Tlr. gelassen.

Über diß Dienstgeld sollen vorgemeldete Neun Meyer jährlichs auff Reimeringhausen Vier Reise mit den Pferden verrichten, nemblich wenn man die Gerste seet, das erste mahl, Das ander mal zur Düngel Zeit. Zum dritten in der Erndte; Vnd dann zum Vierdten, wenn die Roggensaat bestellet wird, und jegliches mahl die Nacht zu Reimeringhausen bleiben, und auf jeglicher Reise zwey Tage dienen.

Hansing ob Ich denselben wol für einen Meyer gekaufft, so thut er doch so lang Ich ihn damit begünstigen will, wöchentlich an statt der Meyer Dienste, zwey Handdienste. Müller ist ein Köther verrichtet wöchentlich seinen Köther Dienst.

Der Schmidt zur Wienbrügge muß sich auch also verhalten, daß Ich in allen Sachen mit Ihm zufrieden.

Eilert Brandes gibt auch Dienstgeld und Michaelis Schatz.

Und weil Ich mich vorbeschriebener Maße mit den Leuten in meinem Dorffe Wienbrügge vergleichet, sollen Sie demselbigen in allen Stücken bey Straffe und Brüche nachleben.

Und hab Ich Ludolff von Münchhausen Meinen Leuten in der Wienbrügge zugesagt, wo sie dieses also getreulich vnd fleißig alle Jahr verrichten, daß ich ihnen dann mein Lebtage den Dienst nicht ersteigern, sondern es gutwillig dabey lassen wolle. Nach Ludolff von Münchhausens todt mögen die Wienbrügger weiter handeln.

Zu Urkundt seyn dieser Vergleichung gleichlautend zwey mit einer Hand geschrieben und durch Juncker von Münchhausen unterschrieben, vnd versiegelt,

Geschehen auf Ostern 1614.

LS

Ludolff von Münchhausen.“


1652, Juli 3., Protokoll wegen der Hachmeister

STAB Dep. 3 GR 325

„Seien die Wienbrügger der Citation zu Folge vffen adelichen Sitz Remeringhausen in praesentia … bereits erschienen.

Und ist damahlig der Schmid Hans Brösche, für einen Hachmeister freygestellet und dabey sub poena 5 Rt. daß sie ihm vf zukommenden Befehl pariren solten, angedeutet werden, derentgegen soll der Hachmeister des Hausherrn jura mit Fleiß zu beobachten, wissen und nichts newes vfbringen, welchem allen treulich und fleißig nachkommen wolte, …

Erich Bicknese hat nicht 1 sond. 2 Morgen und soll das Land in Augenschein genommen werden.

Weill etzliche Reichs Creditores obligationes pretendiren, als sol post ferias instantes terminus ad liquidandum des wegen protigirt werden,

Johann Meyer wegen soll Herman Bußman citiret werden.

Erbfälle in der Wienbrügge.

Henrich Schrage 2 Erbfälle von Vatter v. der Frauen,

Erich Bicknese von Vatter v. Mutter

Lurcke Münters von ihrem Mhan (?)

Henrich Rüeters Wittib wegen ihres Mhans,

Cort Bicknese von Vatter und Mutter

Henrich Huckemeyer von seiner Fraun.“


1654, Teilung zwischen Börries und Ernst von Münchhausen

STAB Dep. 3 Gr 325.

Zinskorn, Remeringhäuser Anteil:

Bauern in Wiedenbrügge:

Erich Schwager, Lippelt Schrager, Gern Gerdt Bickenäse, Hans Rüeter, Hans Hansing, Eilert Brandes, Heinrich Rüeter, Hennings Sohn, Henrich Rüeter, Bartholds Sohn, Cord Bickenäse, Johan Meyer.

„Nota, das diese nacheinander benannte 10 Meier zu Wienbrügge, mit Weib und Kindern eigen und verpflichtet sind, wöchentlich mit Wagen und Pferde zu dienen. Müssen auch den gepührlichen Fleisch Zehnten von Schafen und Gänsen geben. … Auch ist zu wissen, das unser Sehl. Vater von Erich Hanse von Münchhausen und Lippolt von Stockheimb die sich darin geteilet, zusammen verkauft und also wie er sich jeglichen bezalet, absonderlich ins Register verzeichnet habe, daher etliche zuvor erwehnte Nahmen, hiernach wiederholt werden. “

Dienste, wieder Aufzählung der Höfe, dann:

„Diese 10 halbe Meyer zu Wienbrügge seit angesezt jeglicher jährlichs auf 6 tl. Dienstgeld, thun zusammen 60 rt.

Diese 10 Wienbrügger Leute müssen (über das erwehnte Dienstgeld) jährlichs 4 mahl mit 10 Pflügen nach Remeringhausen kommen, und 2 tage verpleiben, sind 80 Pflugspanne.“


1716, April 7., Vergleich mit den Wiedenbrügger Dienstpflichtigen

STAB Dep. 3 GR 325.

„Im Nahmen des Dreyeinigen Gottes, Amen!

Zuwissen sey hierdurch Jeder männiglich, sonderlich denen daran gelegen, daß im Jahr nach der Gnaden, und heylbringenden Geburth und Menschwerdung Unsers Theursten Erlöser und Sehligmachers Jesu Christi 1716, Indict. Rom., bey Preiswürdigste Herrsch.- und Regierung, des allerdurchl. großmächtigst- und Unüberwindlichsten Fürsten und Herrn, Herrn CARL des Sechsten dieses Nahmens, durch Gottes Gnaden Erwehlten Röm. Kaysers, zu allen Zeiten Mehrer des Reichs, in Germanien, Hispanien, Hungarn, Bohmen, Dalmatien, Croatien und Sclavonien, Konigs, Ertzhertzoges in Osterreich, Hertzogens zu Burgund, Steir, Kärnten, Crayn und Würtenberg, Graffens zu Tyrol, pp. Unsers Allergnädigsten Kaysers, Königes und Herres Ihr. Kayserl. Majestaet Regierung und Reiche, deß Römischen im 5ten, des Hispanischen im 13. und des Ungarischen im 6ten Jahr, den 7. April Nachmittags zwischen 1 und 2 Uhren, Sel. Hochwohlgeb. der Herr Drost von Münchhausen, auch Ensgesetzten Notarium zu sich auf seinen dahier belegenen Hof erbitten lassen, und wir daselbst um 2 Uhr Nachmittags, nebst zween Zeugen, Nahmens Conrad Henrich Kayser und Johann Hinrich Groten, erschienen und derselbe vorgestellet, gestalt Er sich allweil mit seinen nachgesetzten, gegenwärtig gewesenen SpannDienstPflichtigen in Wiedenbrügge,

Henrich Wilkeningen, vor sich und in Vollmacht, Hanß Detmers, Henrich Rüter, Henrich Huckemeyer, Johann Kaulmann, Hans Bicknese, Hans Hermann Buck, Johann Meyers Sohn, Dietrichen in Vollmacht seines Vaters, Hanns Rütern, duch seine Tochter, Ilsa Margarethen, und Hinrich Bicknesen,

der Natural-Spann-Dienst-Prästation also zu vergleichen:

1.) Daß S. Hochwohlgeb. aus Consideration ihres schlechten Gespannes (doch ohne Beeinträchtigung seiner bisherigen durch Urtheel und Recht erstritten Spann-Dienstpraestation und ohne Consens, auch so lange es ihm alleine gefallen würde) ihnen diese Gutheit, zu ihrer desto besserer retablirung, zu erweisen, sich dahin bewegen lassen, für solche wöchentl. schuldige Spann Dienste von einen jeden, diesen Ostern 1717 sich an Gelde bezahlen zu lassen, jährlich 7 rt. schreibe sieben Thaler, doch mit dieser moderation,

2.) weil dieses jahr extraordinaire Außgabe, zu Erlegung Fräulein Steuer und sonsten andere Gefälle, sich hervor thue, die Dienstpflichtigen diesen Michaelis allererst, die accordirte 7 rt. nachhero aber alle halbe Jahr aniticipando, also Tages vor Ostern und Michaelis 3 Thl. 18 Gr. sub poena cassationis Transacti, gütlich zu erlegen solle gehalten seyn.

3.) Wegen der schuldigen Extraordinarien Dienste, als jährl. in der Rocken Saad, an statt sonst gewöhnl. Vier Morgen zu pflügen, wolle er es ihnen gleichfalls auf die Hälfte erlassen,

Zwey Morgen mit Rocken zu bestellen, In der Gerst Saad, gleich vorigen, In der Dungelzeit an statt sonst gebräuchlichen Zwey Morgen, Einen Morgen zu düngen, und

4.) Dazu in der Erndte, die von Alters gewöhnl. Erndte Tage, als daß jeglicher, Einen tüchtigen Sensen Meyer und Ausgarber, zum Abmeyen des gesamten Remerhäuser Rabens (?), nebst denen anderen Dienstpflichtigen, ohnerschwingl. sistiren sollen und wollen.

Wenn nun vor eingeführte Spann Dienst Pflichtige, solche von Sel. Hochwohlgeb. auf ihr vielfältiges Sollicitiren, erhalten Interims-Resolution, entschuldigsten Dank acceptiret und denselben mit schuldigem Gehorsam bey der darin gesezten Annulation dieses Vergleichs, nach zu kommen festiglich versprechen,

So habe darauf Transigentes, weil. Notarium auf mein officiumpublicum ersucht, diesen vorstehenden Vergleich als deren Einhalt sonderlich denen Dienstpflichtigen … verständiget …

(Damit endet vorerst ein seit dem 17. Jh. ausgetragener Streit)


1729, Januar 5, „Protocollum die Zehn Meyere zu Wienbrügge“

STAB Dep 3 GR 810.

„ ... Actum den 5ten Januarii 1729

Wurde anheite mit der Commission weither fortgefahren und erschienen ... die Zehen Meyers von Wienbrügge, Nahmentlich

Henrich Bückenese Henrich Bücke Henrich Homeyer Dirck Kaulman Henrich Rüther Henrich Wilckening Johann Wittel Dirck Meyer Hanß Henrich Bückenese Hanß Harm Wolff

welchen eröffnet wurde, welchergestalt Herr Erbdrost von Münchhausen von Hochgräflicher Cantzley zu dem Ende commission extrahiret, sich mit ihnen Gründlich zu Benehmen und fals sich auf eine oder der anderen Seithe eine Contradiction sich herfür thun solte, solche Hochgrälf. Cantzley deciso zu unterwerffen, weilen nun Herr von Münchhausen von seinen ob sepcificirten Zehen Meyere praetendire, daß ein jeder derselben nicht nur vor seinem Antritt, der Weinkauff mit 10 rt. zu entrichten schuldig, sondern auch bey Absterben des Guths Herrn ein gleichs quantum entrichten müssen, davor er in der übergebenen Rechnung von dem Fall da sein Seel. Herr Vatter verstorben, und er die Güther angetreten, 100 rt. in Ansatz brächte, als hetten sie sich darüber vernehmen zu lassen.

Gesambte Meyere, und ein jeder derselben ins Besondere gestehen ein, daß sie Bey Antrettung der Höfe dem Herrn von Münchhausen den Weinkauff mit 10 rt. zu entrichten schuldig, es wäre dann, daß er aus guthen Willen einem oder dem andern, wie mehrmahls geschehen, etwas daraus schencken wolte, Immaßen Einige sehr geringe Güther hätten, und nicht Bestehen könten, wann der Herr nicht Gnädig wäre.#Ratione des Weinkauffs bey Antritt des GuthsHerren, wären sie nichts geständig, und hette indem niemahlen an ihnen etwaß gefordert, und saget Henrich Bückenese: "daß er zu der Zeit als des jetzigen Herren Erbdrosten seel. Herr Vatter die Güther angetretten, schon gelebet, es wäre aber kein Weinkauff gefordert worden." Münchhausenscher Mandatarius acceptiret die Geständnis des ersteren utiliter, den zweyten punct aber anbelangend, beruft er sich auf die Landes Constitutiones, und haubtsächlich auff das 28. Cap. ord pol. wie nicht weniger auf das Bey der gestriges Tages mit den Lindhorstersn vorgewesener Handlung angezogene Urthel, darinnen dar deutlich enthalten, daß derjenige, so den Weinkauf einer seither schuldig, auch auf der anderen seithe nempe bey Antritt des GuthsHerrn bezahlen müsse.

Wienbrügger Meyer sagen hierauff, daß sie nicht glaubten, noch wüsten, daß ein solches in der Policey-Ordnung enthalten, und wenn es auch wäre, so hette solches eher und zu anderen Zeiten auch gefordert werden müssen, daß Urthel wieder die Lindhorster könne ihnen nicht schaden, weil dieselben nicht nur Reiche Meyers, sondern auch Erbleuthe, Sie Wienbrügger aber zukauffet wären, aus den Bockeloher Lagerbuch, welches Herr Erbdrost in Händen hette, und dahin sie ehehin gehörig gewesen, müßte deutlich erscheinen, daß Sie nur Bey dem einen und nicht Bey dem anderen Fall den Weinkauff schuldig wären.

... [Anhörung der einzelnen Bauern:]

Henrich Bückenese gegenwertig saget, davon hette er Zeit Lebens nichts gehoret.

Heisterberg [Vertreter des Gutsherrn] produciret das Münchhausensche Hausbuch, darinnen pag. 204 unter dem 24. Febr. 1713 protocolliret, daß eben dieser Henrich Bückenese durch Abgebung seines gepfändeten Pferdes, welches er an Bezahlunges Statt anzunehmen gebethen, 10 rt. vor das Erbe seines verstorbenen Vatters würklich bezahlet. ...

Bückenese gesteht, daß man ihm Anno 1713 ein Pferd ausgepfändet, er hette aber solches stehen lassen und Zeit seines Lebens nicht danach gefragt ...“


1739, Gutachten über den Weinkauf der Eigenbehörigen von Remeringhausen

STAB Dep. 3 GR 680: Acta Betr. von Münchhausensiche Eigenbehörige überhaupt, in specie wegen des Weinkaufs eingeholtes Gutachten. 1739 (1801)

(als Entwurf und Ausfertigung, aber ohne Datum und Unterschrift) (Auszug)

Titel: „Unvorgreifliches Gutachten wegen derer Erb- und Weinkaufsgefälle von denen zum Gute Remerhausen gehörigen Eigentbehörigen.“

„Was hierauf 5) die Wienbrügger Meyer betrifft, so gestehen dieselben sich zu 10 Rtl. Weinkauf bey Antretung ihrer Höfe, verweigern aber gar zu keinen Weinkauf verbunden zu seyn, wenn der dominus verändert werde. Da aber die Policey Ordnung c.1 allerdings in beyden Fällen den Weinkauf als landsittlich angiebet, und gedachte Meyer übrigens in dem einen Falle das Quantum der 10 Rtlr. agnosciren, so werden sie solches auch in dem andern Falle billig agnosciren, oder daß ein anders Rechts beständig zwischen ihnen und ihrem Gutsherrn hergebracht, erweisen müssen. Es wird jedoch auch hier gut seyn, vorläufig von denen coram Commissione von diesen Meyern übergebenen Registern und Meyerbriefen Abschrift ex Cancellaria zu suchen, weil bereits damahls Heisterberg vermeynet, daß auch der Weinkauf sich daraus verificire. Johann Heinrich Brüske hat indeß dem H. von Münchhausen überall keinen Weinkauf gestehen wollen, weil er von ihm nichts als eine kleine Stäte habe, weshalbs zuvor einige Erläuterung haben möchte.

So viel nun 6) Cord Meyern betrifft, von welchem 50 Tlr. Weinkauf-Gelder gefordert werden, so gestehet sich dieser nur zu 30 Rtlr. in 3 Terminen zu bezahlen, in dem Falle aber, wenn der Dominus verändert werde, gar zu nichts. Weil nun übrigens auch aus dem Commissions-Protocollo vom 7. Jan. 1729 erhellet, daß bereits Acta sonst in dieser Sache verhandelt worden, so werden solche vor allen Dingen nachzusehen seyn, als bis dahin, wenn nemlich den Inhalt solcher Acten erfahren, mein weniges Gutachten aussetzen.

...

Die Wienbrügger Meyer hingegen wollen das Erbe gar nicht gestehen, weil ihnen bisher ihren Angaben nach nichts abgefordert worden. Allein da wie sonst, also in der Grafschaft Schaumburg das Erbe über Eigenbehörige Leute von den Guts-Herren durchgehends hergebracht ist, diese Wienbrügger aber ob sie gleich anfangs ad Protocollum solches leugnen wollen, dennoch besage der von ihnen selbst ad Acta Commissionis producirten Register de 1600 sie mit Weib und Kinder des von Münchhausen eigene Leute würklich sind, dieses auch ferner die bey denen Actis vorhandenen Abschnitte derer Meyer-Briefe sattsam und offenbar zu Tage legen, so würden diese Wienbrügger wenigstens ihr Angeben, daß das Erbe ihnen mittelst einer Rechtsbeständigen Gewohnheit niemals abgefordert, noch von ihnen entrichtet worden, erweisen müssen, mit welchem Beweise sie doch allem Ansehen nach schwerlich fortkommen mögen, in Betracht

a) der an Johann Kaulmann in Wiedenbrügge (!) ertheilte Meyerbrief de 1695 wovon Copia bey denen Actis der Praestirung der Erbe, als eines unstreitigen Praestandi folgender gestalt ausdrücklich gedenket: Das Erbe von seinem seel. Stiefvater habe ich ihm aus Mitleiden auf 6 Tlr. gelassen.

b) Bicknese [hat] selbst gestanden, daß man ihm 1713 ein Pferd ausgepfandet, er aber solches stehen lassen, daß aber solches, wie dabey an Seiten des H. von Münchhausen ausgeführt ist, nun des Erbe willen geschehen, er wewnigstens nichts ableugnet, aber gleich in dieser seiner Antwort von der Ursache der Pfandung nichts gedencket, vielmehr

c) eben dieser Bicknese nach ferneren Inhalt des Protocolli vom 5ten Jan. 1729 als ihm selbst auf 5 Tlr. wegen seiner verstorbenen Frauen Erbe abgefordert worden, die Befugniß des H. von Münchhausen gegen seine Eigenbehörige zu Wienbrügge gar nicht weiter in Zweifel ziehet, sondern bloß sich damit schützen wollen, daß seine verstorbene Frau einen Freybrief auf sich und seine Kinder gehabt, als sie ihn geheyrathet, mithin er kein Erbe davor schuldig wäre.“


1762, Frühjahr, Protocollum über die persönliche Abhörung der nach Remering­hausen gehörigen Censiten und Eigenbehörige wegen ihrer häuslichen und Familien-Umstände zu Bewahrung derer sich darauf beziehenden gutsherrlichen Gerechtsame und Gefälle

StA. Bückeburg Dep. 3 GR 49 N 8

„Lindhorst Nr. 9

Johann Harmen Nulle einige und 30 Jahr alt, sey Hausherr 3 Jahr lang, habe den Hof mit seiner Frau auf eine interims1 Weise so lange zu cultivieren, biß einer von seines Vorwirths Kindern im Stande seyn sollte, denselben anzunehmen, alsdann er eine gewiße Leibzucht zu genießen habe, worüber ihm ein protocoll vom Amte ausgefertiget sey. Von hiesigem adel. Hause habe er außer den Quittungen über bezahltes Erbe nichts schrifftliches, vermeine auch als interims-Meyer dergleichen nicht nöhtig zu haben.

Verheurahtet sey er gleichlange mit seines Vorwirths Johann Tegtmeyer hinterlaßenen Witwe, mit welcher er noch keine Kinder habe. Jedoch seyen noch Kinder erster Ehe im Leben als

1) Johann Jobst 23 Jahr alt.2

2) Johann Otto 20 Jahr alt.

3) Catharine Elisabeth 14 Jahr alt.

4) Hans Henrich 9 Jahr alt.

Geschwistern seyen von seinem Vorwirth keine vorhanden, auch befinde sich auf der Leibzucht niemand.

Lindhorst Nr. 10

Johann Henrich Tatjen 35 Jahr alt, sey Hausherr 9 Jahr lang nach Abgang seiner Frauen Stief-Vaters Otto Hitzemann, habe seinen schon bezahlten Meyerbrief noch nicht.

Verheurahtet sey er gleichlange mit der Tochter vom Hofe Ilse Margrete Willen, mit der er 2 Kinder habe als

1) Johann Henrich 8 Jahr alt.

2) Engel Marie 3 Jahr alt.

Geschwistern von seiner Frau seyen folgende und schon längst vor seinem Antritt vom Hofe ausgesteuert:

1) Margrete Elisabeth an Jürgen Hugo zur Hagenburg verheurahtet.

2) Anne Marie an Joh. Dietr. Oldendorf nach den Neuengraben verheurahtet.

3) Engel Marie an Joh. Jürgen Fröhlig in Lindhorst verheurahtet.

Auf der Leibzucht sey niemand.


Derselbe zeiget noch ferner an

I. daß man ihm seinen noch nicht erhaltenen Meyerbrief zu der Zeit wie er ihn bezahlet, nicht habe ausfertigen wollen, weil man an Freykauf und Erbe noch ein mehrers von ihm gefordert, welches doch nunmehr, wie er meine, völlig berichtiget sey besage der in originali hiebey producirten und copeylich allhie nachstehender Quittungen, als

Johann Henrich Tatje hat dato vor den Meyer-brief 10 rthlr. Wein­kauf richtig bezahlet. Remeringh. d. 13. Nov. 1752

B. v. Münchhaus

daß Joh. Henr. Tatje aus Lindhorst auch die ausgeklagte Schuld an Freykauf und Erbe ad 40 rthlr. heute dato.

[...]

Wiedenbrugge [!] Nr. 2


Christian Hasemann 45 Jahr alt.

Hausherr seit 14 Jahren.

Verheurahtet gleich lange mit der Tochter vom Hofe Anne Marie Raulmann, welche um Martini 1760 verstorben. Mit ihr habe er Kinder

1) Ilse Marie 10 Jahr alt.

2) Henrich Christian 5 Jahr alt.


Geschwistern von seiner Frau seyn

1) Ilse Catharine 40 Jahr alt.

2) Anne Margrete 22 Jahr alt.

Auf der Leibzucht sey niemand.

Übrigens

1) Sey der Hof noch in der Äußerung wegen vieler noch unbezahlter Schulden, ob er gleich die mehreste Ländereyen schon wieder in cultur habe.

2) Sey vor etwa 50 Jahren eine Bruch-Wiese die Deel-Wiese genannt, welche zu seinem und sub Nr. 3 folgenden Hofe gemeinschafftlich gehöret habe, an einen Nahmens Joh. Henrich Buschmann verkauffet, und habe einer von deßen Nachkommen der Haus-Voigt Spannut an einem Amte bey Bremen selbige jetzo in Besitz.


Wiedenbrügge Nr. 3.

Henrich Widdel 46 Jahr alt.

Hausherr seit 25 Jahren vom Hofe gebürtig.

Verheurahtet mit Anne Catharine Witsen von Bergkirchen eben so lange. Mit selbiger habe er Kinder

1) Anne Ilse Catharine, 22 Jahr alt, sey verwichnen Martini an Joh. Henr. Biknese auf Nr. 4 in Wiedenbrügge verheurahtet.

2) Joh. Henrich Philip 18 Jahr alt3

3) Anne Marie 14 Jahr alt.

4) Ilse Marie 12 Jahr alt.

5) Catharine Margrete 10 Jahr alt.

6) Joh. Henrich 7 Jahr alt.

7) Anne Catharine 3 Jahr alt.

Geschwistern habe er nicht, auch nicht gehabt.

Auf der Leibzucht sey noch seine Mutter.

Übrigens

habe ein vormahliger interims-Meyer auf seinem Hofe Nahmens Hans Dettmer vor ohngefehr 40 Jahren an deßen mit dem noch lebenden Joh. Henr. Köneken in Wiedenbrügge verheurahtete Tochter zum Brautschatz den zum Hofe gehörigen sogenannten Schlicht-Kamp hinter der Heide mit- und also vom Hofe weggegeben.


Wiedenbrügge Nr. 4.

Johann Henrich Biknese 51 Jahr alt.

Hausherr vom Hofe gebürtig seit 27 Jahren, über welche Differenz von seiner voriges Jahr auf 24 Jahr gethanen Angabe er Bescheinigung beybringen will.

Verheurahtet seit gleicher Zeit mit Anne Marie Dasekind aus Wiedenbrugge, welche vor 4 Jahren gestorben.

Hierauf habe er sich vor 3½ Jahren anderweitig mit Anne Catharinen Meyers aus Dudinghausen verheurahtet, welche noch lebe.

Kinder

Erster Ehe

1) Joh. Henrich 21 Jahr alt, welchen er noch bey sich habe. Die übrigen seyn sämtlich jung verstorben.

Zweyter Ehe

seyen noch nicht erfolgt.

Geschwistern

1) Joh. Ahrend sey vor 10 Jahren nach Luthe im Amte Blumenau verheurahtet.

Auf der Leibzucht sey niemand.

Übrigens

Habe seine Großmutter zu ihrer Zeit ohngefehr 10 Morgen Land hinter dem Atkeberge bey den Heuers-Wiesen vom Hofe verkaufft an Buschmann bey der Landwehr, von welchem es an eine Lieutnants-Frau in Messenrode gekommen, die es noch habe.

[...]


Wiedenbrügge Nr. 8

Johann Jürgen Wulf 36 Jahr alt.

Hausherr seit 18 Jahren vom Hofe gebürtig.

Verheurahtet gleich lange mit Anne Marie Hamelmann von Auhagen. Mit ihr habe er Kinder

1) Johann Jürgen 13 Jahr alt4

2) Anne Marie 16 Jahr alt

3) Anne Sophie 9 Jahr alt

4) Anne Catharine 5 Jahr alt

5) Anne Louise 2 Jahr alt

Geschwistern habe er nicht.

Auf der Leibzucht sey niemand.

Übrigens

1) Sey der Hof schon in der Äußerung gewesen, wie er selbigen angetreten. Seit 4 Jahren habe er etwas Land wieder in Cultur bekommen, wovon er aber kaum sein Brod erndte und seyen noch ohngefehr 12 Morgen wegen der Schulden ausgethan, daher er das Zinskorn anher noch nicht in natura liefern könne.

2) bey seines Großvatters Zeiten sey verschiedenes Land von dem Hofe abgekommen, davon Philip Rüter in Wiedenbrügge noch 2 Morgen vor dem Dorfe auf dem sogenannten Acker in Besitz habe. In der alten Meßung stünden auch noch 2 Morgen hinter dem Berge zu dem Hofe gehörig. Er wiße aber nicht anzugeben, was es eigentlich für welche seyn, und wer sie besitze, daher sie ihm in der neuen Meßung auch nicht weiter angesetzet worden.


© KH Schneider, Universität Hannover 1999

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1 Zwischenzeitlich.

2 Auf der rechten Seite des Textes: „bey ihm auf dem Hofe“.

3 Auf der rechten Seite des Textes: „sämtlich noch bey ihm auf dem Hofe“.

4 Auf der rechten Seite des Textes: „sämtlich noch bey ihm“.