1707

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Meierbrief für Carl Heinrich Herbst

Aus: Hauptmeyer, Carl-Hans u.a., Quellen zur Dorf- und Landwirtschaftsgeschichte. Der Raum Hannover im Mittelalter und in der Neuzeit. (Hannoversche Schriften zur Regional- und Lokalgeschichte Bd. 3) Bielefeld 1992, S. 166-168 1707 Dezember 24. NHStAH. Hann. 75 Klosteramt Wennigsen Nr. 653

Wir Friederica Amalia v. Weyhers Abbatißin, und George Moritz Denicke Amtmann des Closters Wennigsen auch ganzer Convent daselbst, urkunden und bekennen hiemit: Demnach Uns Carl Heinrich Herbst alhie zu Wennigsen zu vernehmen gegeben, wasmaßen er die von seinem verstorbenen Vater Johann Jürgen Herbst bis daher besessene, Unsers Closters Meyer-Stedde daselbst, unter nachfolgenden darauf haftenden Beschwerden zu übernehmen gewillet sey, mit dem Ansuchen, ihn damit hinwiederum zu bemeyern. Daß Wir also, nach vorhergegangener der Sachen gründlichen Untersuchung, auch genauer Einsicht und Erwägung der desfalls vorgezeigten alten Meyerbrief dessen Suchen Statt gegeben und gedachtem Carl Herbst bemeldeten Unsern, von aller Schulden-Last befreyeten Meyerhoff alhie zu Wennigsen samt dessen Pertinentzie) an Ländereyen und Wiesen, so belegen:

Auf dem Ahler Felde

2 Stk. zwischen Jürgen Ernst Homeyer 2 Stk. zwischen demselben 2 Stk. zwischen demselben 14 Stk. 1 Gehre zwischen demselben 5 Stk. 1 Gehre zwisch. Jürgen Ernst Homeyer und Joh. Hinrich Ahrberg

Auf den Hohen Felde

6 Stk. zw. Jürg Ernst Homeyer und Joh. Hinr. Ahrbergs Landt 6 Stk. zw. Jürg. Ernst Homeyer und Thomas Friedrich Hallers Landt. 2½ Stk. zw. Jürg Ernst Homeyer und den Closter Landt auf dem Behren Campe.

Also überhaupt 28. Morgen Ackerlandes, als einen Theil in der Wull Wiese und 1 Wiese bei der Ahler See benebst 1 Garten am Hause und 1 kl. Garten im Lindenfelde [und] 1 kl. Garten am Hohenfelde so derselbe vom Lande und der Wanne gemacht, auch allen dazu gehörigen Recht- und Gerechtigkeiten im Felde, Holtze, Huede, Trifft und Weiden, nebst andern dazu gehörigen Pertinentzien, in der Maaße, wie sein Vorwirth und deßen Vorfahren solches alles inne gehabt, genutzet und gebrauchet hat, auf Zeit seines Lebens hinwiederum eingethan und ihn damit bemeyert haben, dergestalt und also: daß er die Meyer-Stedde und deren Pertinentzien84), in guter Aufsicht, Art, Gail) und Besamung halten, haußhälterisch gebrauchen, das geringste davon aber, ohne Unser Vorwissen und ausdrückliche Einwilligung, nicht verändern, beschweren, verkauffen, vertauschen, verpfänden, zur Abtheilung, Aussteuer, Mitgift, Leibzucht und Gegen-Vermächtnisse, es sey gäntzlich oder auf eine Zeitlang, verschreiben, oder in einige andere Wege veräusern, noch Stellungs- oder Arts-weise andern Leuthen abtreten, und in fremde Hände kommen lassen, sondern vielmehr dasselbe beysammen verwahren und selbst cultiviren, sich auch mit allem Fleisse und Treue erkundigen, was etwa davon abkommen, und daß solches wieder herbeygebracht werde, auch ohne des Closters dabey ihm zu leistende Hülfe und Beystand, gebührend betreiben, und überhaupt den Hoff mit dessen Gebäuden, Zäunen, Inventarien-Stücken und Zubehörde in vollenkommenem gutem Stande erhalten solle, mit dem aus drücklichen Bedinge: daß das Meyerguth durch keinerley Verträge und Contracte mit Schulden oder Abgifften ohne des Guhtsherren Einwilligung beschweret werde, gestalten dann nicht nur alle diejenige Schulden oder andere Verschreibungen, welche, ohne des Closters, als Guthsherrn, Consens, dem Hofe zur Last gemachet, übernommen und eingegangen seyn mögten, ohnedem von selbst null, nichtig und unkräftig, folglich ohne alle Verbindlichkeit seyn und bleiben, sondern auch so wenig deshalben, als wegen zu starker Beschwerung des Allodi) einige Remissione) verlanget oder ertheilet werden sollen. Ferner verspricht unser neuer Meyer Carl Hinrich Herbst Uns und Unserm Closter getreu und hold, daneben gehalten zu seyn, ausser dem bereits mit zehen Rthlr. entrichteten Weinkauffe, alljährlich um Michaelis an untadelicher marckgängiger Frucht und gebührender in hiesigen Landen eingeführten Braunschweigischen Maaße auf das Closter zu liefern:

Zwey Mlt. Rocken Zwey Mlt. Gersten und Drey Mlt. Habern

auch an das Kloster Amthauß

Drey Stück Hofhüner Drey Stiege Eyer 20 mgr. Wiesen Zinß 11 mgr. 1 Pf. Landschatz 2 mgr. Hofzinß und 3 mgr. Zehnt Geld vor den kl. Garten am Hohen Felde, so vom Lande und der Wanne gemacht. auch wöchentlich dem Closter mit dem Spann zu dienen nicht minder den Korn und Fleischzehnten gebührend zu entrichten.

Auch gegen das Closter und deßen Vorgesetzte sich jederzeit bescheidentlich zu verhalten.

Wann nun mehrgemeldter Carl Hinrich Herbst obstehenden allen ohnweigerlich nachkommen und seine Meyer-Praestand) zu gesetzter Zeit ohntadelich entrichten wird, so wollen Wir, und Unsere Nachkommen sollen, ihn auch bey der Meyer-Stedde gegen jedermannigliche Ansprache schützen und vertreten. Daferne er aber hierunter den geringsten Mangel erscheinen lassen würde, auf solchenfall soll er sich dieser Unser MeyerStedde samt Zubehör in der That selbst entsetzet und verlustig gemachet haben, und Uns, auch Unsern Nachkommen frey stehen, damit nach Belieben eine Aenderung zu treffen; wie er denn dagegen aus keinem Grunde einige Schwürigkeit machen, sondern sich aller etwa dawieder vorzuschützenden Ausflüchte ausdrücklich und aufs bündigste hiemit begeben, weniger nicht alle seine Haab und Güter wegen des dem Closter, wieder Verhoffen, zu verursachenden Schadens und Kosten hiemit zur öffentlichen Hypothec gestellet, und sodann promter Execution sich unterworfen haben will, auch solches und übriges alles mit einem Handschlage festiglich versprochen hat. Zu Urkund dessen ist dieser Meyerbrief mit des Klosters Insiegel bedrucket, auch von Uns Abbatißinn und Amtmann alhie für Uns und im Nahmen des Convents eigenhändig unterschrieben.

Geschehen Wennigsen den 24. Xbr. 1707.

A. von Weyhers, Abb. GM Denicke



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