1766 Meierbrief

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1766, September 24. Meier-Brief für Johann Jobst Tegtmeier


„Meyer Brief vor Johann Jobst Tegtmeier Nr.9 in Lindhorst. Kund zu wissen sey hiermit, nachdem der Interims Meyer Johann Henrich Nülle auf meinem Meyer und Leib-Eigenthums-Hofe Nr. 9 zu Lindhorst wegen der demselben nachgelassenen Meyer-Jahre noch vor Ablauf derselben sich zur Abtretung des Hofes an seinen ältesten Stief-Sohn Johann Jobst Tegtmeier verglichen, und dieser daher die Anzeige gethan, wie er wohl gewillt wäre sothanen seinem Stief Vater interimsweise eingethanen Meyer Hof selbst anzunehmen, auch sich mit Annen Engel Sophien Auhagen aus Cobbensen zu versprechen und mithin darüber um meine Einwilligung nicht allein geziemend nachgesuchet, sondern auch um Ertheilung des Meyer Briefes gebeten, wobey auch sowohl für den Ehe Consens Einen Thaler als auch den Weinkauf nach Maßgabe Ver­gleichs vom 19. Febr. 1753 mit Fünfzehen Tahler berichtiget, übrigens aber sowohl für sich und seine Frau als seine zu erzeugenden Kinder sich mir zu Leibeigen gegeben, mithin angelobet und versprochen die jährlich an hiesiges adl. Hauss erfolgenden Leistungen und Abgiften als

1) Sechs Malter Rogken

2) Sechs Malter Gerste

3) Sechs Malter Haber

4) Zwei Thaler achtzehn Groschen Michaelis Schatz

5) Zwei Stück Mahlschweine oder Vier Thaler

6) Ein Rauch oder Eigenthums Huhn

7) Vier Stück Zinsshühner

8) Vier Stiege Eyer

9) 104 ordinäre Spanndiensttage welche ihm dermahlen für Zwantzig Thaler jährlich verpachtet sind

10) 6 extraordinäre Spanndiensttage

11) 4 Handdiensttage (Erntetage) zum Rogken Mähen

jedesmahl zu rechter Zeit zu prästieren, ferner bei vorkommenden Fällen Ehe­Consense, Erbe, Freikäufe und überhaupt alle Guths- und Eigenthumsherr­lichen Gebührnisse zu berichtigen, dem Hof als ein guter Hauswirth vorzustehen von selbigem ohne meinen Consens nicht zu veräußern, zu verpfänden oder sonst zu verschreiben. noch auch ohne mein Vorwissen und Gutfinden die Leibzucht zu beziehen und in allem sich jederzeit als ein getreuer Eigenbehöriger und Meyer gegen das hiesige adel. Hauss aufzuführen: so habe kein Bedenken gefunden obigem Gesuch Statt zu thun; und wird demnach hierdurch gedachter Johann Jobst Tegtmeier zum neuen Colono von mir hinwiederu angenommen, gestalt demselben darüber gegenwärtiger Meierbrief unter meiner eigenhändigen Namensunterschrift und beigedrucktem adl. Wappens ausfertiget und gegen Erwiderung eines von ihm unterzeichneten gleichlautenw Exemplare zugestellt worden.

So geschehen Remeringhausen, den 24. Sept. 1766

(L.S.) Börries von Münchhausen

Königl. Grossbrit. und Churfürstl. Lüneb. verordneter Land Drost.“

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