1776 Dienstabstellungsrezeß Calenberg

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1776 Januar 4.

Dienstabstellungsrezeß des Amtes Calenberg [gekürzt]

HStAH. Hann. 74 Calenberg Nr. 1013.

"Wir Georg der Dritte, von Gottes Gnaden König von Groß-Britannien, Franckreich [!] und Irrland, Beschützer des Glaubens, Herzog zu Braunschw. und Lüneburg, des Heil. Röm. Reichs Ertz-Schatzmeister und Churfürst, etc. Urkunden, und fügen hiemit zu wißen: wasmaßen in Gefolg Unserer gnädigsten Befehle wegen Aufhebung der Natural-Dienste der Unterthanen in Unsern Teutschen Chur- und Erblanden von Unserer Rentcammer zu Hannover die des Endes erforderliche Untersuchung und Behandelung mit den Dienstpflichtigen in Unserm Amte Calenberg angeordnet, und darauf von denen dazu bevollmächtigten Commissariis mit den Unterthanen des gedachten Amts ein Vergleich und Receß verabredet und geschlossen worden sey, welcher von Wort zu Wort lautet, wie folget:

Zu wissen sey hiemit: wasmaßen der Allerdurchlauchtigste, Großmächtigste Fürst und Herr, Herr Georg der Dritte, König von Gro߬brittannien, Frankreich und Irrland etc. Unser Allergnädigster Kö-nig, Churfürst und Herr, zur Aufnahme und Beförderung des Wohl¬standes Dero Land und Leute, aus Landesväterlicher Huld und Gnade den Entschluß genommen, und Dero Rentcammer zu erken-nen gegeben haben, daß die Unterthanen in Dero Teutschen Chur- und Erblanden von den Herrendiensten, welche dieselben bisher mit der Hand und dem Spanne in natura abzuleisten verpflichtet gewesen sind, für das künftige unter gewissen Einschränk- und Bedingungen frey gelassen werden sollen, und in Gemäßheit dieser höchsten und gnädigsten Willensmeynung Sr. Königl. Majest., von Dero Königl. und Churfürstl. Cammer aus, als dem Amtmann Heinrich Hellmer zu Wülfinghausen, und dem Ober-Commissario Christian Friedrich Gotthard Westfeld zu Osterwald, besonderer Auftrag und Vollmacht ertheilet ist, darüber nach vorgängiger dieser Veränderung halber erforderlicher Untersuchung, mit den dienstpflichtigen Eingeseßenen und Unterthanen des Amts Calenberg eine gewisse Abrede und Vereinbarung zu treffen, darauf auch wir vorbenannte Commissarii mit gedachten Amts Calenbergischen Unterthanen zusammen getreten sind, und mit denselben, für sich, ihre Erben und Nachkommen, wegen Aufhebung der Natural-Dienste, gegenwärtigen Vergleich und Receß auf Dreyßig nach einander folgende Jahre, von dem ersten May des jeztlaufenden 1775sten Jahres anzurechnen, bis und mit den lezten April 1805 mit Vorbehalt Sr. Königl. Majest. aller¬gnädigsten Genehmigung und Bestätigung behandelt und geschlossen haben.

I.

Werden alle, der Allergnädigsten Landesherrschaft Dienstpflichtige Unterthanen des Amts Calenberg von der würklichen Ableistung der schuldigen ordinairen Wochen- Hand- und Spanndienste in der Maaße frey gelassen, daß dieselben nur annoch einige wenige Tage, und zwar

jeder Vollmeyer, welcher jährlich 104 Spanntage zu dienen schuldig ist, künftig Sieben Spanntage;

jeder Vollmeyer, welcher 52 Spanntage zu dienen schuldig, drey und einen halben, oder ein Jahr drey, das andere vier Spanntage;

jeder Halbmeyer, welcher 52 Spanntage zu dienen schuldig, drey und einen halben, oder ein Jahr drey, das andere vier Spanntage;

jeder Halbmeyer und Höfeling, welcher 26 Spanntage zu dienen schuldig, einen und dreyviertel, oder drey Jahre nach einander jährlich zwey, und das vierte Jahr einen Spanntag;

jeder Höfeling, welcher 13 Spanntage zu dienen schuldig, dreyviertel, oder Drey Jahre nach einander jährlich einen, und das vierte Jahr überall keinen Spanntag; also die Spann-Dienstpflichtige je auf 104 Spanntage, welche dieselben bisher jährlich zu dienen schuldig gewesen sind, für das künftige jährlich Sieben Spanntage:

Ferner

jeder Großköther, welcher jährlich 104 Handtage zu dienen schuldig ist, künftig Fünf Handtage;

jeder Köther, Halbköther und Beybauer, welcher 52 Handtage zu dienen schuldig, zwey und einen halben, oder ein Jahr zwey, das andere drey Handtage;

jeder Halbköther, Beybauer oder Brinksitzer, welcher 26 Handtage zu dienen schuldig, einen und ein viertel, oder drey Jahre nach einander jährlich einen, und das vierte Jahr zwey Handtage;

also die Hand-Dienstpflichtigen je auf 104 Handtage, welche dieselben bisher jährlich zu dienen schuldig gewesen sind, für das künftige jährlich Fünf Handtage, behuef Herrschaftl. Angelegenheiten und Amts-Bedürfniß auf Erfordern in Natura abzuleisten verbunden bleiben sollen;

Wohingegen, und zur Entschädigung wegen des durch den Abgang der Naturaldienste bey den Herrschaftlichen Cassen und Pachtungen entstehenden mehrern Aufwandes, die Dienstpflichtigen nicht allein das ordinaire in jeder Voigtey hergebrachte Dienstgeld, sondern annoch überdem eine Auflage oder erhöhetes Dienstgeld von 4 mgr. 1 3/13 pf. auf jeden Spanntag, und von 3 pf. auf jeden Handtag, mithin

von 12 Rthl. gr. pf. auf 104 Spanntage

von 6 Rthl. gr. pf. auf 52 Spanntage

von 3 Rthl. gr. pf. auf 26 Spanntage

von 1 Rthl. 18 gr. pf. auf 13 Spanntage

von 1 Rthl. 3 gr. pf. auf 104 Handtage

von Rthl. 19 gr. 4 pf. auf 52 Handtage

von Rthl. 9 gr. 6 pf. auf 26 Handtage

nach ihrer Convenienz entweder in guten Cassemäßigen Silbergelde und Goldgulden Herrschaftl. Gepräges, oder in andern auswärtigen, bey den Herrschaftlichen Cassen annehmlichen Goldmün-zen, die ganze Pistole zu Sieben Gulden, die halbe Pistole zu drey und einen halben Gulden, und den Ducaten zu vier Gulden gerechnet, jährlich zu entrichten haben, jedoch soll für diejenigen Tage, welche die Pflichtigen obgedachtermaßen in natura abzuleisten verbunden bleiben, in so fern solche in Herrschaftlichen Angelegenheiten erfordert, und würklich abgedienet sind, sowohl das ordinaire Dienstgeld, als auch die behandelte Auflage zu 4 mgr. 1 1/13 pf. für jeden Spanntag, und 3 pf. für jeden Handtag gut gethan, und an dem gesamten Betrage, der von einem jeden Dienstmanne zu bezahlenden ordinairen und erhöheten Dienst-Gelder abgerechnet, auch statt der Pröven ), da selbige bey dieser Veränderung des Dienstwesens nicht in Vorrath gehalten und in natura verabreicht werden mögen, für jeden Spanntag 4 pf. und für jeden Handtag 2 pf. baar bezahlet, hergegen wegen obgedachter reservirten Diensttage, wenn selbige in natura nicht erfordert und abgeleistet seyn solten, an dem ordinairen und erhöheten Dienstgelde kein Abzug zugestanden werden. [...]