1804 Neuwarmbuechen

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Landwirthschaftliche Beschreibung der Dorfschaft Neuenwarmbüchen 1804 Oktober 26. und 29.

Nach Anleitung der von Königl. Churfürstl. Landwir[t]hschafts-Gesellschaft zu Celle bekannt gemachten Fragen [gekürzt]

Neues Hannöverisches Magazin, 86tes Stück, Freitag, den 26ten October 1804 und 87tes Stück, Montag, den 29ten October 1804, Sp. 1361-1382. Aus Quellensammlung Hauptmeyer, Rund, Hrg., Quellen ... Siehe dazu auch Kempf-Oldenburg, Claudia, Jes Tüxen, Isernhagen-Chronik 2: Waldschmiede und bäuerliche Wirtschaft. Isernhagen-Altwarmbüchen 1990, 107-110. Der Originaltext aus dem Neuen Hannöverischen Magazin ist hier zu finden.


"Die Dorfschaft Neuenwarmbüchen liegt in der Amtsvogtei Burgwedel, 2½ Stunden von Hannover und 5 Stunden von Celle. Diese Lage, besonders die Nähe von Hannover, ist ihr sehr vortheilhaft, und erleichtert den Absatz aller ihrer Producte, welche in Butter, Käse, Eiern, Hünern, Tauben, fetten Kälbern, gemästeten und magern Ochsen und Schweinen bestehen. Auch der Verkauf einer beträchtlichen Menge Torf macht einen Hauptnahrungszweig der Einwohner aus. Zum Absatz des letztern liegt ihr die nur 10 Minuten davon entfernte Ziegelei Lohne sehr bequem, doch wird auch ein Theil derselben nach Hannover verfahren.

Diese Dorfschaft hat 12 Einwohner[1], und ist in die 1 Stunde davon belegene Kirche zu Burgwedel eingepfarrt. Die Lage ist gut, ihre Ackerländereien, Wiesen und Weiden liegen, außer ein Paar 2 bis 3 Stunden entfernten Wiesen, nahe beim Dorfe.

Der Boden ist von verschiedener Güte; 1) das gegen Osten belegene Feld auf dem sogenannten Todtenhorn besteht aus sandigem Lehmboden, ist gehörig feucht, und das beste Land der Dorfschaft. 2) Das Rahlandsfeld, gegen Süden, ist lehmiger Sand. Dieses Feld ist nicht groß, und ist unter 4 Einwohnern vertheilt. Es wird nach einem alten Herkommen immer mit Sommerfrüchten, nemlich Haber, Gerste, Sommerweitzen und Flachs bestellt. Zum Buchweitzen ist der Boden wohl zu gut, denn dieser giebt zwar gutes und sehr langes Stroh, setzt aber keine Körner an. - Wie nachtheilig diese immerwährende Bestellung mit Sommerfrucht, die noch obendrein nie gehörig gewechselt wird, dem Lande ist, wird ein jeder leicht einsehen, besonders da dieses Feld oft im Frühling bei trockner Witterung durch seine Trockenheit und Härte die Bestellung sehr beschwerlich macht. Hingegen würde die Bestellung mit Winterfrucht - aller Vortheile, die durch den Wechsel der Früchte dem Lande erwachsen, nicht zu gedenken - gar keine Umstände machen. Vor einigen Jahren machte einer der Interessenten, nemlich Köneke, einen Versuch mit Rocken auf diesem Felde, welcher denn auch sehr gut ausfiel, aber dennoch ist dieses Beispiel nicht vermögend gewesen, die übrigen Interessenten von dem Nutzen des Fruchtwechsels zu überzeugen. 3) Das große und allgemeine Feld liegt gegen Westen, und hat grauen, an einigen Stellen mit gelbem Sande vermischten, doch keinen schlechten Sandboden. 4) Das sogenannte Rotenfeld, gegen Norden, hat hellgrauen Sandboden, und liegt schon seit vielen Jahren dreisch. Dieses Feld könnte den Einwohnern bei Einführung der Stallfütterung von besonderm Nutzen seyn; es liegt ihnen nahe bei der Hand, und ist von solcher Beschaffenheit, daß verschiedene Futterkräuter, besonders der Spörgel, auf demselben, wie ich glaube, mit Nutzen gebauet werden könnten. Hievon weiter unten. 5) Einige zerstreuete Ländereien, welche nach und nach aus der Heide gebrochen sind, bestehen größtentheils aus moorigem Sandboden. Die Erfahrung lehrt, daß, wenn solche Ländereien gehörig und mit Fleiß bearbeitet und gedüngt werden, ihr Ertrag die Mühe reichlich belohnt.

Das Verhältniß zwischen Wiesen und Ackerländerei könnte besser seyn und werden, wenn die Stallfütterung nach und nach eingeführt, die Weiden getheilt, in Wiesen umgeschaffen, und mit dem durch die Stallfütterung vermehrten Mist die Wiesen und Ländereien besser, als jetzt, gedüngt würden. [... ] Die Weiden der Neuenwarmbüchener sind zwar groß genug, aber von keiner sonderlichen Güte, und das darauf geweidete Vieh kann nicht viel Milch geben. Wenn also die Einwohner Käse und Butter verkaufen wollen, so müssen sie sich das Nöthige selbst entziehen. Ihre Weiden sind, außer der sogenannten Truffelnheide, auf welchen der Reinboldsche Lohehof das Recht der Mithut hat, für das Dorf privativ. Außer dem letztgedachten Reinholdschen Lohehof giebt es keine Güter oder freie Höfe in der Nähe.

Die jährliche Aussaat dieses Dorfs beträgt im Durchschnitt 93½ Malter Rocken, 54 Malter Haber, 19 5/6 Malter Buchweitzen.

Man besäet hier den Morgen von 120 Quadratruthen mit 2 Himten Rocken, 3 Himten Haber und 1½ Himten Buchweitzen; mithin betrüge die sämmtliche Ackerländerei der Dorfschaft, nach dieser Aussaat gerechnet, 467 bis 468 Morgen; rechnet man hiezu noch zu Sommer- und Winterweitzen, Gerste, Kartoffeln und Flachs ungefähr 15 Morgen, so wäre die ganze Größe der Neuenwarmbüchener Ackerländerei 482 bis 483 Morgen. Die Aussaat des Sommerkorns, Sommer- und Winterweitzens, so wie der Gerste, ist unbedeutend. Die Ordnung und Folge des Fruchtwechsels läßt sich nicht bestimmt angeben, denn daß die Einwohner zu Neuenwarmbüchen zu ihrem größten Schaden beinahe gar keine Regeln befolgen, wird aus folgender 3 und 4jähriger Bestellungstabelle einleuchten.

Erstes Jahr, Rocken in vollem Dünger.

Zweites Jahr, Rocken ohne Dünger.

Wird der letztere auch gleich etwas gedüngt, so ist doch diese Düngung nie hinreichend, welche doch um so mehr nöthig wäre, da dieses Land das erste Jahr selten, und ich möchte fast sagen, niemals den benöthigten Dünger erhalten hat. Die Düngung mit Hürdenschlag ist bei der geringen Anzahl der Schafe des Dorfes für den Einzelnen nicht beträchtlich, und wird daher auf dem nach dieser Art bestellten Lande so sehr in die Länge gezogen, dass man die Wirkung desselben kaum bemerken kann.

Drittes Jahr, Haber oder auch wohl zum drittenmal Rocken auf geringem Dünger, oder, und zwar die meiste Zeit, ohne Dünger.

Viertes Jahr, zum Beschluß Buchweitzen ohne Dünger; hierauf im fünften Jahre wieder Rocken und so ferner, oder auch wohl im erstern Jahre Rocken auf Dünger; im zweiten Jahre Haber; im dritten Jahre Buchweitzen, und zwar letztere beide ohne Dünger; auf diese beiden Bestellungsarten müßte nun im 4ten oder 5ten Jahre die Brache folgen. [...] Vor einigen Jahren verheirathete sich der Einwohner Goltermann, aus dem Hildesheimischen gebürtig, in Neuenwarmbüchen. Kaum hatte er seine Wirthschaft übernommen, so dachte er auch gleich auf Einführung der Brache, und machte auch so wirklich mit einem Theile seiner Ländereien den Anfang. Dieser Versuch fiel nach Wunsch aus, und der Vortheil war sehr beträchtlich. Doch ließ sich dieser Mann von einigen, aller Verbesserung entgegen arbeitenden Dummköpfen hinreißen, die herrliche Brache wieder abzuschaffen. Einst fragte ich ihn, warum er das Brachen wieder augegeben habe? Die Antwort war: seine Nachbarn hätten ihn dazu beredet.

Daß zu wenig gedüngt wird, habe ich schon vorhin gesagt. Hier mache ich noch bemerklich, daß einige Einwohner ihr Land durch gar zu schlechte Düngung und fehlerhafte Bestellung immer mehr ruiniren, und die Zeit wird es leider lehren, daß ein gänzlicher Ruin das Ende dieser wenigen ökonomischen Kenntniß ist. Einige Wirthe bestellen und düngen, nachdem es ihnen einfällt, so unordentlich und verworren durch einander, daß man glauben möchte, sie legten es darauf an, sich selbst zu ruinieren.

[...]

Da das eingeerndtete Stroh zum Dünger nicht hinreichend ist, so hauen oder mähen die Neuenwarmbüchener in ihrem Holze, welches aus Fichten und Fuhren besteht, einen großen Theil Streu, welche aus langhalmigtem Grase und andern niedrigen Sträuchern, als Heidel- und Kronsbeeren etc. besteht.

[...]

Die zweite Sorte von Streu sind die Heideplaggen; diese sind aber, so wie man nach der gewöhnlichen Art damit verfährt, kaum der Mühe werth. Sollen sie düngen, so müssen sie in die Kuh- und Schafställe statt des Strohes ausgebreitet und von den thierischen Excrementen durchdrungen werden. Legt man sie aber, wie hier geschieht, mit dem Mist in große viereckige Haufen, Mieten oder Mischen genannt, schichtenweise auf einander, so sehe ich gar nicht ein, wo der Nutzen herkommen soll. Sie werden von dem Miste durchdrungen, und hiedurch wird das damit befahrne Land doppelt gedüngt. So sagt man. Aber wird denn der Mist dadurch, daß er seine öligen und salzigen Teile von sich giebt, nicht selbst geschwächt und zum Dünger unvermögend?

[... Es folgt eine längere Passage über Düngung - KHS]

Wenn das Land mit Rocken bestellt werden soll, so wird es gleich nach der Erndte gestreckt, oder flach gepflügt, dann läßt man es gewöhnlich 4 bis 5 Wochen liegen, alsdann wird es gebothet, d.i. geegget, damit die Quecken herausgerissen werden und vertrocknen müssen; hierauf wird es nach einigen Tagen mit oder ohne Dünger zur Saat gepflügt. Zum Haber bleibt das Land von der Erndte an bis in den Frühling unangerührt liegen, dann wird es gestreckt, und zuletzt zur Saatzeit, gleich zur Saat gepflügt.

Zum Buchweitzen wird gewöhnlich nur einmal ungedüngt oder gedüngt zur Saat gepflügt; geschieht das letztere, so bedient man sich hiezu des Hürdenschlags oder der in den Schafställen ausgebreitet gewesenen Sandplaggen.

Der Haken ist hier nicht im Gebrauch, sondern nur allein der Pflug. Man pflügt entweder mit 2 Pferden und 2 Ochsen, oder mit 2 Ochsen und einem Pferde.

Auf das sogenannte Bothen verwendet man nicht Sorgfalt genug; denn dieses ist das beste Mittel, die Quecken zu vertilgen. Das Walzen wäre nach dem Säen des Sommerkorns von großem Nutzen, aber doch braucht man die Walze nicht.

Nach Beschaffenheit der Lage des Landes fängt man gewöhnlich 14 Tage vor Michaelis an, den ersten Rocken zu säen; man sieht sich aber auch oft genöthigt, wegen Mangel an Dünger, bis nach Weihnachten mit der letzten Bestellung zu warten. Fehlt alsdann der Dünger noch, so wird man in die Nothwendigkeit gesetzt, statt des Winterrockens den bei weitem nicht so einträglichen Sommerrocken zu säen.

Den Haber säet man auf einiges Land früh, auf anderes spät; den Buchweitzen aber gewöhnlich zu früh, daher er denn sehr oft erfriert.

Weil das Neuenwarmbüchener Feld selten mehrere Feuchtigkeit hat, als nöthig ist, so braucht man sich um die Ableitung derselben, folglich um das Abgraben des Landes und die Wasserfurchen eben nicht sonderlich zu bekümmern.

Den Körnerertrag rechnet man bei dem Rocken das 3te Korn, oder zum höchsten 3½; Haber das 4te Korn; vom Buchweitzen kann dieses, da er so oft mißräth, nicht gewiß bestimmt werden. -

Der Neuenwarmbüchener Zehnten ist das Eigenthum zweier, namentlich der Müller- und Meyerschen Familie, welche auf den benachbarten Dörfern zerstreuet wohnen, und wird derselbe auf die gewöhnliche Art, daß die zehnte Stiege oder Garbe dem Zehntherrn gehört, gezogen. Von dem Felde Nr. 5 gehört der Zehnte der Königl. Churfürstl. Cammer, und ist von derselben an die Einwohner nach Anzahl der Morgen, die ein jeder in diesem Districte besitzt, verpachtet. Ersterer, nemlich Fleisch- und Kornzehnten, (das Eigenthum der beiden genannten Familien) ist jetzt zu 190 Thlr., letzterer aber an die Einwohner jeder Morgen zu 6 mgr. verpachtet; es wird aber so wenig darauf, ob das Land bestellt ist oder nicht, als auf die Art des Korns, womit bestellt worden, Rücksicht genommen.

Außer auf dem Felde Nr. 2 und in einigen Gärten, ist bis jetzt wenig Klee gebauet worden, und es würde noch weniger gebauet worden seyn, wenn nicht von Königl. Churfürstl. Landwirthschaftsgesellschaft jährlich Kleesaame zu niedrigen Preisen vertheilt würde. Wie bequem läge das schon dreisch liegende Feld Nr. 4 den Eigenthümern zum Kleebau, wenn diese sich nur bemühen wollten, es durch Vermischung mit Thon, Lehm oder andern paßlichen Erdarten zu verbessern.

Man säet den Klee mit Haber vermischt. Die Nutzung desselben im ersten Jahre bedeutet nicht viel, man erndtet blos den Haber. Das zweite und dritte Jahr sind die Nutzungsjahre, im vierten geht er gewöhnlich wieder aus.

[Ende 1. Teil]


[...]

Den Nutzen des Kleebaues werden die Einwohner wohl nach und nach einsehen, welches ich um so mehr glaube, da ihr Urtheil schon anfängt, dem Kleebau günstiger zu werden.

Der ehedem zu Horst, jetzt zu Kirchboitzen stehende Hr. Pastor Semler hat die Stallfütterung des Rindviehes mit einigen Kühen versucht, dessen Meinungen und Bemerkungen über diesen Gegenstand allerdings belehrend seyn können.

Rüben bauet man im freien Felde und es gerathen solche auch recht gut, ohne behackt zu werden; denn hierauf versteht man sich nicht.

In Neuenwarmbüchen ist meines Wissens noch keine Theilung der Gemeinheiten in Vorschlag gebracht worden. Doch würden sich die Einwohner zur Theilung einiger Weiden [...] leicht bewegen lassen, besonders da hiezu keine Hindernisse im Wege liegen.

Man hat eben so wenig Neigung zum Obstbau, als man die etwa noch gepflanzten jungen Obstbäume mit erforderlicher Sorgfalt behandelt. Ehemals haben die Einwohner mehr Lust und Neigung zum Obstbau gehabt, man sieht dieses aus der Anzahl der zum Theil nun abgängig werdenden Obstbäume.

[...]

Das vorzüglichste Nebengewerbe des Landmannes ist das im Winter häufige Kaufgarnspinnen. Dieses könnte für den Ackerbau allerdings von Nutzen seyn, wenn die Einwohner von Neuenwarmbüchen durch die starke Flachsconsumtion sich bewegen ließen, ihren Flachsbau zu vergrößern; bei der jetzigen Einrichtung ist aber dieses wegen Mangel des Düngers nicht möglich, zumal man hier so wenig die rechte Behandlung des Flachses bei und nach der Aussaat, als die Kunst, ihn auf eine leichte und geschwinde Art zu reinigen, versteht. Denn diese Kunst scheint bis jetzt der Gegend um Uelzen eigen zu seyn.

Die Lust zu Verbesserungen, besonders wenn solche den Schein der Neurung haben, wird gewöhnlich bei dem Landmanne von Vorurtheilen und Anhänglichkeit an alte Gewohnheiten verdrängt. Vielleicht aber würde es gute Wirkung thun, wenn man nach vorhergegangener Bekanntmachung demjenigen Wirth eine kleine Prämie aussetzte, welcher in einem Jahre die meisten Obstbäume angepflanzt, die meisten Kälber angezogen, die Schweinezucht am stärksten betrieben, das beste Füllen gehabt, die Wolle durch Anschaffung spanischer Böcke veredelt, die Anzahl seiner Schafe vermehrt, die meisten Rüben gebauet hätte u.s.w. Wenn man ferner demjenigen eine noch etwas größere Prämie aussetzte, welcher den meisten Kleesaamen ausgesäet, und das Land dazu am besten bearbeitet und bestellt; mit Anbauung anderer Futterkräuter, z.B. des Spörgels und dergleichen, mehrere Versuche angestellt; seine Wiesen durch Urbarmachung wüster Plätze, die niedrig liegenden, mithin schlechtes Gras tragenden Wiesen aber durch Ueberfahren mit guter Erde verbessert und vergrößert hätte; welcher ferner durch eine regelmäßige Eintheilung seiner Ackerländereien und Einführung der Brache, die dazu passenden Ländereien durch Vermischung mit dem von dem Einwohner Dröse zuerst gebrauchten Thon verbesserte; die Stallfütterung am besten nach und nach einführte; durch Holzanpflanzung für die Nachkommenschaft sorgte, u.s.f. [...]

Lohne. Schneider.”

Quellen

  1. Einwohner gleich Hausstellen oder nur ein Schreibfehler? Im Jahre 1821 sollen es 172 Einwohner gewesen sein (vgl. Gustav Uelschen: Die Bevölkerung in Niedersachsen 1821-1961 (= Veröffentlichungen der Akademie für Raumforschung und Landesplanung, Abhandlungen 45), Hannover 1966, S. 84).

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