1812 Bericht

Aus LernWerkstatt Geschichte
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1821: Bericht Pastor Reck/Sülbeck. Situation der Bevölkerung, speziell der Kinder

STAB L3 Bf 1b


„Die Kinder verlassen nach geendigtem 13. Jahr die Schule. Die Knaben meines Kirchspiels werden entweder Bergleute oder vermiethen sich bei Ackerbau treibenden Bauern oder erlernen das Handwerk oder verrichten im Hause ihrer Eltern oder bei fremden Leuten Tagelöhner Arbeit und müssen sich durch Verrichten von Feldarbeiten ihr Brod zu verdienen suchen. Die Mädchen vermieten sich als Kinderwärterinnen oder müssen zu Hause spinnen. Die Bergwerksarbeiten sind für 13 und ?, daß man sie eher Sklaven als Kinderarbeit nennen könnte. Auch die Dienstknaben müssen Arbeiten verrichten, welche ihren schwachen körperlichen Kräfte nicht angemessen sind. Sie müssen in der Saatzeit im Frühjahr und Herbste täglich 10-12 Stunden im gepflügten land als Pflugjungen gehen, und des Winters fast täglich dreschen oder fahren helfen, und haben wegen ihrer anderweitigen Geschäfte täglich kaum 3 Stunden Zeit zur Ruhe und zum Schlafen, und die Lehrer und Brodherren der übrigen Knaben bei welchen diese ein Handwerk erlernen oder ins Tagelohn gehen, mißbrauche gleichfalls die Kräfte der kindischen Körper zu übertrieben langen oder gar zu schweren Arbeiten, daß die Knaben bei diesen ihre Körperkräfte weit übersteigenden schweren Arbeiten, sowie die Mädchen bei dem immerwährenden Kindertragen und Kinderwarten oder bei dem Spinnen von täglich 30 Gebinde Garn nicht gesund bleiben können und daß ihre schwachen Körper nicht gehörig wachsen und stark werden können, das wird die Folge leider lehren.“

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