1825 Gewerbe Rinteln

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1825, 30.1.: Bericht der Regierungs-Deputation Rinteln über den Zustand der Landwirtschaft und der Gewerbe infolge der niedrigen Getreidepreise. Abschrift.

STAB H2 VII 20,14.


„An Kurfürstliche Regierungs-Deputation allhier2, gestattet das Kreis-Amt Schaumburg über das fortwährende Sinken der Getreide-Preise

und die dagegen zu ergreifenden Mittel; zur Nr. 1938/1824 R.D.P.

gehorsamsten Bericht.

Nach Vorschrift des hochverehrlichen Regierungs-Rescripts vom 11. v.Mts.3 zur Nro. 1964 Gw. Pr. habe ich die Gegenstände desselben mit sämmtlichen Mitgliedern der Polizey-Commissionen und des Landwirthschaftsvereins vorher schriftlich und nachher in den Administrativ-Sitzungen der Polizei-Commissionen mündlich zur Berathung gezogen, deren Resultate ich zu der einzelnen Zeichen-Folge im angezogenen hochverehrlichen Rescript im Nachfolgenden bemerke.

Zu I. Die niedrigen Preise beschränken sich nicht auf das Getreide, sondern erstrecken sich auch auf alle landwirthschaftlichen Erzeugnisse, die ad III a.3. in Betracht kommen, und die daselbst erwähnt sind, als z.B. Stroh, Heu, Kartoffeln, Kraut, Flachs, ja sogar auf Kunstproducte als Leinwand und Garn. Eine Nebeneinanderstellung der Preise landwirthschaftlicher Erzeugnisse ist, so vollständig als sie hat beschafft werden können, angeschlossen.

Zu II. Die nachfolgenden Ursachen der gegenwärtigen niedrigen Preise sind wohl sämmtlich vorübergehend in der weiteren Bedeutung des Werks, wie wohl über den Übergang einer Reihe von Jahren verlaufen kann.

A. Veränderte Richtung des Handels, vermöge dessen die sonst im Kornhandel circulierenden Capitalien in Staatspapieren gesteckt sind.

B. Sperrung des Handels zur See nach England, Frankreich, Spanien und Portugall und Erschwerung desselben im Innern Deutschlands durch Zölle und zu hohes Chausseegeld.

C. Beträchtliche Vergrößerung der fruchttragenden Oberfläche in Großbritannien, welche durch Urbarmachung der großen Heiden statt gefunden und noch immer, bei der großen Begünstigung der Unveränderlichkeit der Grundsteuer ohne Rücksicht auf vermehrte Production fortgeht.

D. Nicht weniger beträchtliche Urbarmachungen in Frankreich seit der Revolution und Begünstigung des Ackerbaues unter der Kaiserlichen Regierung.

E. Ungemein vermehrter Ackerbau in Amerika, so wie auch in Schweden, welches jetzt Korn ausführt, anstatt daß sonst ein beträchtlicher Absatz dahin statt fand.

F. Besonders local für die hiesige Gegend und Norddeutschland: Die seit den Jahren 1816&1817 bey dem damaligen Fruchtmangel begonnene Einfuhr des gedörrten Ostseeischen Roggens, womit alle Lagen in den größeren Handelsplätzen namentlich in Bremen und Hamburg überfüllt sind.

G. Bedeutend vermehrte und im Vergleich zur vaterländischen bedeutend wohlfeilere Production von Früchten im südlichen Rußland, welche von Odessa aus Kornmärkte versehen, die uns sonst zu Gebote standen.

H. Empfindliche Verluste der größeren Getraidehändler durch die Sperren und Kornbills und dadurch erzeugte Meinung von der Unerschöpflichkeit der ohne Nachfrage bleibenden Vorräte.

I. und endlich die vortrefflichen Erndten der Jahre 1823 et 1824, die local eine Normalerndte nach 9jährigen Durchschnitte de 1815 bis 1823 um ein Viertel übersteigen, verbunden mit der geringeren Consumtion von Getraide bei zugenommenen Kartoffelanbau.

Zu III a 1. Die verlangte statistische Übersicht4 läßt sich ohne Mitwirkung der im Besitze der Cataster befindlichen Finanzbehörden nicht genau geben, wozu eine längere als die vorgeschriebene Zeit erforderlich seyn dürfte.

Bedeutend ist die Vermehrung der korntragenden Oberfläche im Kreise Schaumburg in den letzten 20 Jahren nicht, da die meisten der ausgewiesenen Rottstücke als Wiesen benutzt werden und außer den Rottausweisungen, über welche Kurfürstliche Finanz-Cammer eine Uebersicht leicht ertheilen könnte, ist wenig Land urbar gemacht. Ueberall aber ist hierin die Noth des Reichtums nicht gegründet.

Zu III a2. So wenig nach Vorstehendem die absolute Vermehrung der fruchttragenden Oberfläche von bedeutung ist, um so größer ist die relative Vermehrung derselben durch bessere bebauung des an sich mit wenigen Ausnahmen vorzüglichen Kornbodens, geweckt durch das Beispiel junger kenntnisreicher Oeconomen und unterstützt durch die fast allgemein geschehene Ueberlassung der Zehnten an die Zehntpflichtigen, welche nunmehr den ganze Ertrag der Düngemittel in ihre Aecker verwenden können.

Von jeher ist die Grafschaft Schaumburg ein nicht consumierenden, sondern zum Verkaufe producierendes Kornland gewesen, welches 2/5 bis 1/2 seiner Korn-Erzeugnisse in die Heidegegenden hinter Minden, nach Hannover und nach Bremen abgesetzt hat. Gegenwärtig stockt jedoch dieser Absatz mit Ausnahme einer geringen Quantität Gerste, zum eigenen Bedarf von Bremen und der Umgegend.

Zu III a3. Beschränkt sich dieser Ueberfluß nicht auf Getraide, sondern er erstreckt sich auch auf Vieh, Branntwein, Häute, Wolle und Oehlsat, in geringerem Maaße auf Oehl. Flachs wird nur wenig ausgeführt und, zu Harn und Leinen verarbeitet, verkauft.

Zu III a4. Kartoffeln werden blos zur Nahrung für Menschen und zum Viehfutter gezogen – einen neuern schwachen versuch des Conductors Schumacher in Nienfeld, der eine geringe Quantität Branntwein aus Kartoffeln gebraut hat, ausgenommen. Stärke wird wenig im Kreise Schaumburg gemacht.

Dennoch aber hat der Kartoffelanbau sehr zugenommen und dadurch die locale Konsumtion der Kornfrüchte verringert. Deshalb würde es aber letztern doch nicht an Absatz fehlen, wenn sonst nur glücklichere Conjuncturen statt fänden, eben so als der dahier stets erzeugte Kornüberschuß oft zu den theuersten Preisen sonst schnell abgesetzt ist.

Wenn nun auch Kartoffeln hier wie überall nur für den Bedarf eines Jahres gezogen werden, so muß die Wohlfeilheit des Korns und des oft zu pachtenden Grund und Bodens auf die Wohlfeilheit der Kartoffeln (die aber überall nur einen geringen Handelsartikel abgeben) einwirken. Stände der Preis der Kartoffeln nicht mit dem Preise des Korns im Verhältnis, so würde man letzteres bald mehr zur Nahrung für Menschen und Vieh benutzen.

Zu III a5. ist das Nöthige zu III a2. bereits bemerkt. Trotz dem, daß in Normaljahren bedeutend mehr producirt als consumirt wird, trotz des vermehrten Kartoffelanbaues, bei dem eine Ackerfläche dreimal so viel Nahrungsstoff liefert als wenn solche mit Roggen bestellt gewesen wäre, ist eine Ueberproduction, die in der Regel unverkäuflich bliebe, nicht anzunehmen. Es sind kaum 2 Jahre her, daß die hiesigen Kornvorräthe total aufgeräumt wären. Wenn damals die Erndte vier Wochen später eingetreten wäre, so würde Mangel entstanden seyn.

Zu III b1. sind allerdings überjährige Kornvorräthe auf den größeren Güthern und Bauerhöfen vorhanden, die jedoch zu den bestehenden niedrigen, bedeutend unter die Productionskosten herabgesunkenen Preisen jederzeit verkauft werden können.

Zu III b2. Die Production steht bei einem an sich ergiebiger zu machenden Boden mit der Bevölkerung in Wechselwirkung. Da nun im Kreise Schaumburg theils mehr Korn producirt als consumirt wird, theils der fruchttragenden Oberfläche beim Kartoffelbau ein ungleich größerer Nahrungsstoff abgewonnen werden kann, so dürfte die Production mit der Bevölkerung so lange gleichen Schrittes zunehmen, als der Boden zu verbessern und zu einem höheren Ertrag zu bringen steht, was durch fleißige Hände in dieser Gegend noch lange der Fall sein dürfte.

Eine Vergleichung der Seelenzahl im Jahre 1814 mit der im Jahre 1824 und eine Uebersicht darüber kann bei dem Mangel aller Nachrichten über erstere nicht beygefügt werden.

Zu III b3 5[...] Der allgemeinen Meinung nach sind die Handelssperre und Erschwerung zur See und im Innern Deutschlands die wichtigsten Gründe der heruntergedrückten Fruchtpreise.

Zu III b4. Daß der Krieg6 Einfluß auf das Steigen der Kornpreise habe, lehrt nicht nur die Erfahrung, sondern auch die Natur der sache .

Wenn dieser Einfluß auch nicht bedeutend des Verderbs von Früchten wegen seyn kann, so muß er doch desto bedeutender durch den Verzehr derselben seyn, welcher Nachfrage, Handel und somit erhöhete Preise veranlaßt. Je dringender die erstere ist, je schneller das Bedürfniß befriedigt werden muß, desto mehr müssen die Preise steigen, die sich nach der Erfahrung in den Jahren 1806 bis 1815 bei hinreichenden Vorräthen nicht sehr über den Mittelpreis erhoben.

Zu III b5. Ein Mangel an Capitalien ist im Kreis Schaumburg nicht zu spüren, im Gegentheile sind die Capitalisten oft froh, ihr Geld zu 4 1/2 bis 4 pCt. unterzubringen.

Wenn aber der Landmann dessenungeachtet keine Anleihen contrahiren kann, so liegt der Grund in der Meierordnung von 1774, welcher gemäß Consense unter Mitwirkung der Justizämter, Finanzkammer, des Obergerichts und Kurf. Regierung mit schweren Kosten eingeholt werden müssen und wonach eine Befriedigung des Creditors nur aus den Früchten des Bauernguts zugelassen wird.

Der vorsichtige Capitalist verleihet daher kein Geld in Bauernhöfe, weil er auch bei der bestmöglichen Verklausierung nie der Rückzahlung seines Capitals sicher ist.

Die Aufhebung der Meierverfassung in dieser Rücksicht und die Anordnung, daß ein consentiertes Capital bei unzureichenden Früchten durch den Verkauf des Bauerngutes selbst eingetrieben werden könnte, würde den Credit der Bauern wiederherstellen und eine große Wohlthat für letztere seyn.

Die Vorschläge über genügende Mittel zur Abhülfe der dermaligen Noth des Reichthums können nach dem Dargestellten nur unvollkommen seyn, da es nicht in der Macht einzelner Staaten stehen wird, die Ursachen derselben zu heben.

Zu A1. ist eine, jede Beschränkung des Ackerbaues, namentlich des Kartoffelbaues und der Fabrication aus Kartoffeln – da nur Freiheit das belebende Princip des Handels und der Production ist – mit den größten Nachtheilen verbunden, da eine freiwillige Resignation auf einen höheren Ertrag des Ackers durch den Bau der Kartoffeln die Einfuhr des Bedarfs aus dem Auslande zur Folge haben würde.

Namentlich haben sich sämtliche Oeconomen gegen beschränkende Verfügungen hinsichtlich des Landwirthschaftsbetriebes erklärt.

Zu A2. ist es wohl gegründet, daß bei einer gehörigen Wechselwirthschaft mehr Futterkräuter, mehr Vieh und Dünger und weniger Kornfrüchte gewonnen werden, allein die Einführung der Schlag- und Wechselwirthschaft ist allgemein im Kreise Schaumburg nicht anwendbar. Ja nicht einmal ein Fruchtwechsel nach Thaer ist allgemein anwendbar, da auf vielen Ländereyen jahrelang Halmfrüchte auf einander folgen müssen, um bei der großen Ueppigkeit des Bodens die Ernten zu sichern.

Vorangehen mit einem guten Beyspiele von seiten der Conductoren auf den größeren Oeconomien und dadurch bewirkte kräftige Ueberzeugung von den Vortheilen, die eine zweckmäßige Veränderung mit sich führt, wirken hinreichend und mehr als Zwang, der auch unthunlich ist.

Zu A 3. haben wir in allen Gegenden des Kreises Schaumburg wohlhabende fleißige und wissenschaftliche gebildete Oeconomen, die mit musterhaftem Eifer ihre Landwirthschaft betreiben, namentlich der Kammerherr und Gutsbesitzer von Hammerstein in Apelern, der Gutsbesitzer Wackerhagen zu Südhagen, der Conductor Neusel zu Sachsenhagen, der Conductor Caesar zu Coverden, der Conductor Zöllner zu Oldendorf, der Conductor Hagedorn zu Stau, der Inspector Cordemann zu Apelern, der Conductor Cordemann zu Wormsthal, der Amtsvogt und Oeconom Klostermann zu Friedrichsburg, die Conductorin Wilhelm in Rodenberg u.a.m., welche vereinigt den hiesigen Boden für einen vortrefflichen Kornboden ansehen, der zu diesem Zwecke benutzt, die größte Ausbeute leistet.

Wenn auch früher namentlich in den Jahren 1808 bis 1814 Versuche mit den Anbau von Tabak, Cichorien etc. gemacht sind, so ist man doch wieder auf die ergiebigste Quelle der Aecker, den Kornbau, zurückgekommen.

Jene einsichtsvollen Oeconomen finden den Anbau von Handels- und Gewerbspflanzen nicht anwendbar; gefährlich würde er aber in der Hand des ungebildeten Bauern werden, da er gewöhnlich die Kraft des Ackers verzehrt und nicht, wie beym Getreidebau, durch Stroh ersetzt, also in den meisten Fällen die größte Umsicht und gereifte Kenntnisse und Erfahrungen erfordert, des für einen Bauern unerschwinglichen Vorschusses nicht zu gedenken, der der Uebergang aus einem Wirthschaftssystem in das andere erheischt.

Dann aber müßte – wenn nicht die Meierverfassung alles vereiteln sollte, vermöge deren der Zins und Zehnten auf dem Landes des Bauerns in Natura gezogen wird – eine Ablösung dieser Prästanden vorangehen, ehe mit dem Anbau solcher Kräuter in größeren Massen begonnen werden könnte.

Zu B 17 lassen sich dergleichen Untersuchungen im Kreise Schaumburg aus dem Grunde nicht erwarten, weil keine reichen Leute in demselben existieren, die zahlreichen Wohlhabenden aber ihr Geld sicherer anlegen als mit solchen gefährlichen Speculationen.

Der Hofrath Faust hat wohlgemeinte Vorschläge über Anlegung von Magazinen in einer Schrift „Kornvereine, Kornhäuser, Kornpapiere in jeder ansehnlichen Stadt des deutschen Vaterlandes bey Hahn in Hannover 1824“ gethan, allein die Erfindung der Kornhäuser von Bauverständigen verlangt, in denen sich eine gleiche Temperatur von 789° Reaumur befinde und dem Licht, der Luft und Feuchtigkeit umzugänglich sey, ohne welche Erfindung er selbst sein Werk einen Traum nennt.

Welchen Erfolg ähnliche Aufbewahrungsörter in Baiern gehabt haben, ist mir nicht bekannt und die Silos möchten für den hiesigen, dem Witterungswechsel so sehr unterworfenen Landstrich nicht anwendbar sein.

Auf jeden Fall müssen erst reifere Erfahrungen über die Möglichkeit der längeren Aufbewahrung von Korn gemacht seyn, ehe zur Anlage großer Magazine nach Pflicht und Gewissen gerathen werden kann, und wenn diese die Sicherheit der Anlage verbürgen, dann müssen die Kornhäuser deutscher Zunge allgemein angelegt werden, wenn Erfolg von Bedeutung hervorgebracht werden sollen. Einzelne Magazine würden sich bald füllen ohne daß dadurch dem Unterthan wirksame Hülfe geleistet würde.

Das Magazinieren des Getreides ist überall bedenklich. Will der Staat, von dem allein eine so großartige Anlage ausgehen kann, blos den Abnehmer zu den laufenden Preisen machen, dann wird dem Producenten mehr geschadet als geholfen, weil der Staat alsdann den Handelsspeculanten auf Kosten des Ersteren macht; will aber der Staat dem Producenten einen seinen Producten angemessenen Preis gewähren, so muß derselbe sobald sich der Kornhandel belebt, seine Vorräthe in bewegung setzen und wird dann die Fruchtpreise zu sehr herunter drücken.

Ob die Erfolge, die Friedrich der Große durch seine Kornmagazine – ein in seiner Art einziges und durch sein Alleinstehen im Erfolge wahrscheinlich gesichertes Institut – hervorbrachte, von Neuem zu bewirken sind, wage ich nicht zu beurtheilen.

[...]

An diese Betrachtungen reihe ich noch mehrere Vorschläge zur Erleichterung des Landmannes.

Außer der Befreiung des Handels mit landwirthschaftlichen Producten von allem Zwang, außer der fortzusetzenden Begünstigung der Branntweinfabrikation und der Viehzucht, namentlich der Schaafzucht in veredelten Racen, würde local in der Grafschaft Schaumburg die Annahme der gutsherrlichen Abgaben, namentlich des Dienstgeldes und Michaelisschatzes etc. in einem, den Productionskosten angemessenen Preise nicht unbillig seyn, da der Gutsherr den Schaden seines Colonisten mittragen würde, wenigstens würde die Stundung der zu Martini fälligen Prästanden bis Ostern verfügt werden können und beides den bedrängten Landmann große Erleichterung gewähren.

Sodann aber glaube ich ein vorzügliches Mittel zur Verbesserung des Nationalwohlstandes in der billigen Ueberlassung der Domainenpachtungen an kenntnisvolle, fleißige und als nachahmungswerthe Muster zu empfehlene Oeconomen zu finden, welche somit im Stande seyn werden, ihr Pachtgut auf eine immer höhere Stufe der Cultur zu bringen und ohne weitere Kosten für den Staat in allen Theilen der Kurstaaten, wenigstens des Kreises Schaumburg, Musterwirtschaften zu treiben, wovon sich die Bauern wirksame Beyspiele für ihren Ackerbau nehmen würden, als die einsichtsvollste belehrung und der strengste Zwang bewirken kann. Es hat hier wenigstens die Erfahrung gelehrt, daß der Landmann in der Bearbeitung der Ländereyen und in der Viehzucht sich solche Beyspiele zu Nutz gemacht hat, wogegen es den übelsten Eindruck macht und zweckmäßige Neuerungen auf lange Jahre hintertreibt, wenn ein Oeconom, der das Gute befördert und von alten übeln Gewohnheiten abweicht, aus der Ursache zu Grunde geht, daß er ein zu hohes Pachtgeld geben muß. Der Bauer hält sich an den Erfolg und weiß die Ursache nicht gehörig zu unterscheiden.

Endlich würde wohl ein kleiner Versuch zu machen seyn, das Korn in Mehl zu verwandeln und, in Fässern verpackt, entweder durch die Rheinisch-Westindische Gesellschaft auszuführen, oder aber das Mehl, welches sich 20 und mehrere Jahre hält, bis zu theueren Kornzeiten aufzubewahren.

Noch kräftigere und großartigere Mittel würde die Veränderung der Richtung des Handels mit Staatspapieren und die Erwegung eines Kriegs zwischen Rußland und der Pforte gewähren, wodurch sich der Kornhandel und damit der Handel mit allen landwirthschaftlichen Producten heben würde.

[...]

Dieses ist meine und der Meisten, welche ich zu Rathe gezogen, Meinung von den anzuwendenden Mitteln, der Noth des dermaligen Reichthums zu steuern.

Andere Oeconomen haben ferner angerathen:

1. Die Verkoppelung der Ländereyen (hier aber besonders der gutsherrlichen Verhältnisse wegen schwierig und selbst in der Rücksicht nicht rathsam, daß zu viele einzelne Parzellen, die durch die fleißige Hand des Eigenthümers zu einem hohen Ertrage gebracht worden, in ein großartiges, für Unvermögende minder ergiebiges und nur den größeren Oeconomen Vortheilhaftes Wirthschaftssystem gezogen werde.

2. Verwandlung der Wegebaukosten in den ehemaligen Naturaldienst [...]

3. Brücken- und Wegebauten [...]

4. Verlegung einer Garnison von Infanterie und Cavallerie in die Stadt Rinteln und andere Landstädte der Grafschaft Schaumburg [...]

5. Aufhebung der Verbrauchssteuer vom Kesselbier, wodurch der Landmann mehr auf dieses Nahrungsmittel zurückgeführt und zur Vermeidung von Geldausgaben für Kaffee, Zucker und Branntwein veranlaßt werden würde. [...]

6. Heruntersetzung des Gesinde- und Arbeitslohns der Handwerke unter angemessenen Strafbestimmungen.

7. Anlernung der Anerben der Bauerngüter zur Stellmacherprofession und der Töchter zum Beiderwand(?)- und Leinweben, und

8. Erhöhung der Schafzucht nach dem Bedürfniß eines jeden Haushalts an Wolle[...]

[...]

Kurfürstliche Regierungs-Deputation

Rinteln den 30ten Januar 1825 gehorsamster

Schwarzenberg."

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