1830 Schreiben Hammerstein

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1830, 27.9.: Schreiben v. Hammersteins, Apelern, an die Polizei-Kommission in Rinteln. STAB H2 III 5,2 Vol.I.

"Durch die verehrl. Communication vom 26ten dieses Monat, bin ich veranlaßt worden, mich über den diesjährigen Erndte-Ertrag wie auch dazu zu äußern wie dem etwaigen Mangel vorzubeugen seyn mögte. Was die Sommer Frucht als Gerste, Hafer et Bohnen anbetrifft, so ist diese so viel mir bekannt geworden, erträglich gut ausgefallen, obgleich die nasse Ernte-Witterung hie und da auch einigen Verlust dabey verursacht hat. Dagegen das Winterkorn, der Roggen, worauf der hiesige Wirthschafts Betrieb basirt ist, kann ungewöhnlich mißrathen genannt werden, hier wenigstens erinnern sich die ältesten Leute kein ähnliches Beyspiel. Nicht allein, daß schon im Frühjahr ein großer Theil ganz umgepflügt werden mußte, sondern auch der bessern? gebliebene Rocken giebt fast gar nicht im Hbt. So z.B. habe ich bey einen Probe Gedrosch aus 99 Schock a 10 Garben nur 18 Hbt. Rocken und 1 Hbt. Trespen erhalten; ohnefähr 4-5 Hbt. p. Morgen, ähnliche traurige Resultate sind mir von meinen Nachbarn mehr bekannt geworden. Ebenfalls sind dieses Jahr die Kartoffeln wenig ergiebig.

Im nächsten Frühjahr wird also aller Wahrscheinlichkeit nach am Brodt Korn würklicher Mangel zu besorgen seyn, wogegen allerdings Vorsichtsmaßregeln, den Zeitumständen gemäß, sehr anräthlich seyn mögten; selbige können aber nicht von Privatpersonen gefordert werden, diese Pflicht gehört zu den heiligen Obliegenheiten des Gouvernements. [...[1]] Eine gleiche energische Maßregel muß von unserer Regierung jetzt für die hiesige Grafschaft geschehen, und was in dieser Hinsicht verfügt worden, zur Beruhigung der Gemüther, welche in banger Besorgnis einer Hungersnoth im künftigen Frühjahr entgegen sehen, durch die Wochenblätter sofort öffentlich bekannt gemacht werden.

In der gegenwärtigen bewegten Zeit darf die Regierung nicht bisher leider immer geschehen ist, sich auf bloß weitläufige leere Demonstrationen beschränken, es ist endlich einmal Zeit thätig zu beweisen, daß die Landes-Regierung ihrer Verpflichtung eingedenk ist, und für die Erhaltung der Steuerpflichtigen Unterthanen einige Opfer bringe. Die Regierung darf jetzt nicht mehr zurückschrecken, für die gewohnten Principien Plußmacherei von Kurfürstlicher Finanzkammer, die Regierung muß gleich Beschlag legen auf alle Herrschaftlichen Zinß-Früchte und sie zur Disposition für den Unterhalt der ärmeren Classen der Einwohner nehmen, wie ebenfalls auf den Credit der Landrentery-Cassen sofort Ostsee-Rocken von Bremen verschreiben, welcher dann binnen 3 Wochen hier seyn kann.

An baaren Gelde hierzu kann es nicht fehlen, da allein das Bergwerk zu Obernkirchen alljährlich circa 45.000 rt. nach Cassel abliefert usw. Nicht allein wegen der an mich ergangenen Aufforderung, sondern auch als landständischer Deputirter bin ich verpflichtet, mich offen über diesen Gegenstand auszusprechen, und ersuche Kurfürstliche Polizey-Commission das Gegenwärtige originaliter einzusenden, damit wenn sich unsere Regierung auf gewohnte Art wieder in bloßen Formalitäten herum dreht, und wie zu erwarten steht garnichts thun wird um der drohenden Noth vorzubeugen, demnächst bey'm Ausbruch der lauten gerechten Klagen über Mangel, alsdann auch das Publicum erfahren kann, wenn der schwere Vorwurf trifft nicht zur rechten Zeit dem möglichen Unglück vorgebeugt zu haben.

Aplern(!) den 27ten September 1830

Hammerstein."

  1. Weist auf das Beispiel Hannovers hin, wo nach VO v. 13.9. alle Zinskorn. und Magazinvorräte dazu dienen sollen, die ärmere Bevölkerung zu versorgen

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