1834 Glasfabrik Schauenstein

Aus LernWerkstatt Geschichte
Wechseln zu: Navigation, Suche

1834, 11.4.: Glasfabrik Schauenstein über ihre Produkte

STAB H2 VII,2,1.

"Beantwortung der uns vom Kurfürstlich Hessischen Kreisamte Schaumburg aufgegebenen Fragen:

ad 1: Hermann Heye, Kaufmann in Bremen, Friedrich Aug. Becker, Glasfabrikant zu Schauenstein, Eigner der Glasfabrik Schauenstein und verbunden als Assoeies (!) unter der Firma von H. Heye & F.A. Becker.

ad 2: Das Personal der bisher beständig beschäftigten männlichen Arbeiter bei den Betriebe von zwei großen Glasöfen besteht aus 84 Mann Glasmacher, Schürer, Gemengemacher, Eintrager, Korbmacher und Tagelöhner. Temporär sind beschäftigt Einbinderinnen, Schreiner und Fuhrleute, so weit die eigenen Gespanne nicht ausreichen.

ad 3: a) Grünes Hohlglas, bestehend in großen Flaschen von 2 bis 40 Maaß, Bouteillen jeder Art zu Wein in engl. und französischen facor, zu Porter Bier, zu Ale Bier, zu Genever, kleinen Bouteillen zu Proben pp. b) Große mit Korbweiden umsponnene Falschen von 2 bis 40 Maaß, in den verschiedenen für Nord und Südamerika und für Westindien geforderten facons und Dimensionen, c) Medizinische Taschenbuttel und andere Gattungen von Bastardglase.

ad 4: An fremden Materialien werden zu diesen Betrieben benutzt und bezogen, a) Mergel, theils aus Lippe Detmold, theils aus dem Hannoverschen theils aus dem Preußischen, b) Ausgelaugte Büchen-Asche, von der Oberweser, größtentheils aus dem Hannoverschen, c) Korbweiden, von der Ober- und Unterweser von der Leine, der Lippe, der Pader, der Aller auch der Elbe.

ad 5: Der Absatz geschieht über Bremen nach den Haupt Seeplätzen der Vereinigten Staaten von Nordamerika, nach Rio de Janeiro und Bahia in Brasilien, nach Mexico, nach Havanna, St. Jago und Trinidad auf der Insel Cuba, nach Cap Haiti und Portauprince auf Domingo, nach St. Thomas, Portorico und andern Häfen Westindiens und zwar in der Regel, da seit mehreren Jahren die hohen Zölle, die Concurrenz Nordamerikanischer, deutscher, Französischer und Englischer Glashütten und andre sowohl hiesige als transatlantische Hemmungen den frühern reellen Verkaufs Ausweg bedeutend geschmälert haben - durch Consignations Sendungen für Rechnung und Gefahr des Mitteilnehmers Herm. Heye in Bremen.Der Betrag, welchen die Glashütte auf diesen nun schon seit 5 Jahren mit großen Opfern eingeschlagenen und doch immer ungewissen Wege, baar aus dem Auslande ins Innland ziehgt und in Letztern für Arbeitslohn, als den bedeutendsten Theil der Ausgabe, für Kohlen, für Materialien usw. wieder verwendet, beträgt 25 bis 27.000 Thaler.

ad 6: Alle fremde Glasfabriken führen ihre Glasfabrikate in die Grafschaft Schaumburg gegen einen geringen Zoll, die Bückeburger Fabrik zollfrey ein. Dahingegen können wir ins Hannoversche und namentlich ins Bückeburgische nichts einführen ohne einen Eingangszoll von 12 mgr. á 100 Pfd. bezahlen, ja wir können durch das Bückeburgische nicht einmal transitiren ohne einen Durchgangszoll zu erlegen, der Anfangs auf 4 ggr. je Pferdelast von 800 Pfd., endlich 1832, Dezbr. 1, auf unser vieles Suppliciren bei der Schaumburg Lippischen Regierung für 3 Jahr auf 1 ggr. je Pferdelast von 800 Pfd. herabgesetzt ist, alle unsere Verwendungen um Aufhebung dieser conventionswidrigen Abgabe sind vergeblich gewesen, obgleich in der Grafschaft Schaumburg kein solcher Durchgangszoll auf Bückeburgische Fabricate existiert. Daß der Absatz der Hessischen Fabrik Schauenstein im Lande selbst und den benachbarten Auslande unter solchen Umständen complet Null sein muß begreift sich leicht. Glasfabrik Schauenstein, 11. April 1834

H.Heye & F.A. Becker Hr. Bensemann"

Zurück zu Quellen