1836 statistisch merkantilistische Notizen

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1836 (?): „Auszug von den von dem Ober-Finanzrath Cavrachi zusammengestellten statistisch-geographisch-merkantilischen Notizen die Grafschaft Schaumburg betr.“ STAM 27 II 450.

„Uebrigens sind die eigentlichen Handels-Gegenstände der Grafschaft Schaumburg nur Leinen und Getreide. Hiermit wird sowohl ein Proper- als auch ein Zwischenhandel in nicht unwichtiger Art getrieben. Der Absatz des Getreides aller Art kann jährlich überhaupt auf 1600 Lasten /a. 4000 Pfd/ und der Werth hiervon auf 100.000 rt. angeschlagen werden. Dessen hauptsächliche Richtung ist nach Bremen. Bei trockenen Jahren ist der Absatz nach Preußen nicht unbedeutend und im Jahre 1834 sind dahin 500 Lasten verkauft worden, im ungefähren Wert von 25.000 rt. Die drei bedeutendsten Handelshäuser der Grafschaft stehen vor: die Herren Knipping, Lindemann und Ochs, sämmtlich in Rinteln wohnend, und nach eingeholten Nachrichten sind ihre jährlichen Geschäfte von diesen zwei Artikeln von Bedeutung.

Die Wichtigkeit des Leinenhandels für die Grafschaft Schaumburg stellt sich in folgender Notiz heraus:

Die Leinenfabrication ist hier nach Gattung und Menge folgende: a) Hausmacherleinen im Amt Obernkirchen und Rodenberg für 8-10.000 rt., der Absatzweg hierfür ist nach Holland,

b) Leggeleinen Landgericht Rinteln und Amt Oldendorf für 45 bis 50.000 rt., der Absatz hiervon geht nach Westphalen und den Rheinprovinzen für das Militair für ca. 25.000 rt., sodann nach Bremen, Hamburg, Holland zum Seeversandt für 30. bis 35.000 rtlr. Der Durchschnittswert eines Stücks Leinen ist 15 bis 20 rt. Ein dringender Wunsch der Rintelner Kaufmannschaft ist eine Vereinigung der Legge zu Rinteln mit jener zu Lemgo oder wenigstens daß die Lippische Regierung vermogt werde, den Leggezwang aufzuheben, und den gegenseitigen Unterthanen zu gestatten, nach deren Willkühr entweder die Legge zu Rinteln oder Lemgo zu besuchen, indem bis jetzt die lippischen Weber gezwungen sind, ihre Leinen nur nach Lemgo zu bringen. Wird diese gegenseitige Begünstigung erlangt, so erhält Rinteln vermöge seiner günstigen Lage an der Weser wieder den Hauptleinenhandel wie früher, welcher seit 1826 wo die Legge zu Lemgo errichtet wurde durch die Nichtbeachtung von Seiten der diesseitigen Regierung in Hinsicht der offerirten Gemeinschaft mit einer ebenfalls in Rinteln damals anzulegenden Legge, seitdem nach Lemgo gezogen hat, wo jährlich für 150.000 rt. Leinen verkaufft wird, ein Kapital welches früher zu 2/3 in Rinteln umgesetzt wurde."

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