1838 Legge Rinteln

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1838, 7.5.: Allgemeiner Bericht des Rintelner Leggemeisters Meyer über die Situation der Rintelner Legge, Auszüge.

STAM Best. 27 a II Nr. 450.

"Der Absatz unserer Leinen geht hauptsächlich nach den Seestädten Bremen u. Hamburg, wo besonders am ersten Orte stets Lager davon unterhalten werden. Außerdem wird viel nach Dänemark verschifft, wo es von seinen westindischen Besizungen, theils verbraucht, theils nach Havanna, Mexico pp. verhandelt wird. Letzteres wird gleich so wie es dort üblich ist appretirt und die Kasten verpackt. Nach Holland geht jetzt äußerst selten direct und was dies Land von unseren Linnen braucht, bezieht es von den Lagern in Bremen. Der einheimische Verkauf davon ist nicht der Rede werth, allein nicht unbedeutend die Geldsumme, welche dahier ins Land gezogen wird. Mancher arme Einlieger würde in diesem harten Winter mit der bittersten Noth zu kämpfen gehabt haben, wenn ihm dieser Erwerbszweig nicht zu statten gekommen wäre. Der Zustand worin sich die hiesige - seit Juny 1835 errichtete Legge befindet, ist erfreulich und hat die Frequenz, besonders im Jahre 1837 die kühnsten Erwartungen übertroffen. Wir haben dieses theils der Gnade Sr. Hoheit unseres allergnädigsten Kurprinzen, womit die unvermeidlichen Kosten einer solchen Anstalt bisher bewilligt wurden, theils der günstigen Lage unseres Ortes an der schiffbaren Weser und in der Nähe der fabricirenden Dörfer sowohl der einheimischen als der benachbarten Lippischen... (und teils der Arbeit der Bediensten zu verdanken).[1][...]

Von Juny bis December 1835 hatten wir 1701 St., vom 1. Jan. bis alt. Dec. 1836 3725 St. vom 1. Jan bis alt. Dec. 1837 7339 St. Summa 12765 St.

Um den Geldbetrag dieser Quantität zu ermitteln, habe ich mir die Mühe genommen, jedes einzelne Stück vom ersten Jahre, nämlich vom Juny bis alt. May 1836 auszurechnen, worin sich 2645 St. (bestehen aus 1944 ganzen und 701 halben Stücken) befanden, welche einen Betrag von ca. 40.000 rt. lieferten. Nun trat aber im Sommer 1836 ein Aufschlag von mehr als 20 % ein, welcher auch das Jahr 1837 anhielt, und sich bis auf 30 % im Sommer steigerte. Rechne ich nun die seit Juny 1836 bis alt. Dec. verkauften 10.120 St. nach obigem Verhältnis und den Aufschlag zu 25 %, so ertragen sämtliche 12.765 St.. über 233.000 rt. [2] [...]"

  1. Als Personal werden aufgezählt: Leggemeister, 1 Gehilfe, 3 festangestellte Leggediener, sie werden notfalls durch Tagelöhner ergänzt, täglich werden wenigstens 80, meist 90 bis 100 Stück Leinen umgesetzt, wobei der Zeitaufwand pro Stück ca. 1/2 Stunde beträgt - es wird geprüft und gemessen.
  2. Meyer berichtet weiter, daß durch die Anlage auch auf dem rechten Weserufer in einigen Dörfern mit dem Weben von Legge-Leinen begonnen worden sei, wo dies früher nicht üblich gewesen sei. Trotzdem sei man auf den Zufluß fremden Leinens angewiesen, dies komme vor allem aus dem Hannöverschen, ja selbst aus dem Braunschweigischen, aus den Ämtern Bisperode und Eschershausen; Bückeburger kommen aus dem Amt Stadthagen, und bieten hauptsächlich graues Leinen an. Die meisten kommen aber aus den benachbarten lippischen Dörfern, da diese dichter an Rinteln als an Lemgo liegen, trotz der darauf haftenden Strafe von 5 rt., aber bis jetzt sei die lippische Regierung in diesem Punkt eher milde gewesen. Deshalb wieder Vorschlag der Zusammenarbeit mit Lemgo