1852

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Verhältnisse der Häuslinge, An- und Abbauer etc. Zur Statistik des Königreiches Hannover 2. H. 2. Abt. 1852

Vorbemerkung Der Text entstammt einer Zeit, als die ersten Auswirkungen der hannoverschen Agrarreformen absehbar war. Er steht zudem für die damalige Art der statistischen Darstellung komplexerer sozialer und ökonomischer Verhältnisse. Er ist u.a. auch deshalb von Bedeutung, weil er nicht nur die sozialen, sonden auch die naturräumlichen Unterschiede darstellt und thematisiert.


Landdrostei-Bezirk Stade

Mit dem geographischen Umfange des Landdrostei-Bezirks, als Ganzes betrachtet, wie es sich im Harheim-Schlüterschen Handbuche dargestellt findet, ist keine Veränderung vorgegangen. Der im Innern des Landdrosteibezirks, in der Territorial-Einteilung der Obrigkeitlichen Bezirke, eingetretenen Veränderungen wird weiter unten an den betreffenden Stellen gedacht werden.

In der Darstellung des Grundbestandes haben sie inmitten des Gräfengerichts Altenlandes gelegenen geschlossenen Patrimonial-Gerichte Francorp, Rincop, Rübke und Hove-Leeswig nicht getrennt behandelt werden können, weil die zu denselben gehörenden Ortschaften mit Ortschaften des Altenlandes im Gemeindeverbande stehen, und mit den letzteren auch gemeinsam zur Grundsteuer beschrieben sind. Die combinierte Auffassung des Altenlandes und dieser Gerichte dürfte übrigens an sich auch nur zweckmäßig erscheinen, um ein vollständiges Bild des unter dem Namen "Altesland" begriffenen Elbmarsch-Striches vorzuführen. Die von den Grundbesitzungen des Domaniums in den Aemtern Otterberg und Stade-Agathenburg, sowie im Gerichte Horneburg zu entrichtenden Steuern haben bei Ausfüllung der Volumen 16 und 20 Tab. A. nicht berücksichtigt werden können, da über deren Betrag Nachrichten nicht vorliegen. Rücksichtlich des Amtes Rotenburg war nur der von dem Domanialgrundbesitze im Flecken gleichen Names gezahlte Steuerbetrag zu ermitteln, und ist derselbe, mit Uebergebung der Steuer von den übrigen Domanial-Besitzungen im Amte, eingetragen.

Das Domanium besaß im

Herzogtum Bremen:

in Haushaltspachtungen: 2593 Morgen Ackerland, 382 Morgen Wiesen, 617 Morgen Weiden, 179 Morgen Torfmoore; im Einzelnen verpachtet oder sonst benutzt: 8399 Morgen Ackerland, 12,734 Morgen Wiesen, 5100 Morgen Weiden, 9756 Morgen Torfmoore;

gesammter Dorfgrund: 38,487 Morgen.

Herzogtum Verden:

In Haushaltspächtungen: 1027 Morgen Ackerland, 1354 Morgen Wiesen, 1255 Morgen Weiden, 404 Morgen Torfmoor; im Einzelnen verpachtet oder sonst benutzt: 648 Morgen Ackerland, 519 Morgen Wiesen, 1475 Morgen Weiden, 517 Morgen Torfmoore;

gesammter Dorfgrund: 8118 Morgen.

Land Hadeln:

in Haushaltspächtungen: 1469 Morgen Ackerland, 36 Morgen Wiesen; im Einzelnen verpachtet oder sonst benutzt: 220 Morgen Ackerland, 507 Morgen Wiesen, 90 Morgen Weiden, 3030 Morgen Torfmoore;

gesammter Dorfgrund: 415 Morgen.

Landdrostei-Bezirk Stade:

in Haushaltspächtungen: 5089 Morgen Ackerland, 1772 Morgen Wiesen, 1872 Morgen Weiden, 583 Morgen Torfmoor; im Einzelnen verpachtet oder sonst benutzt: 9267 Morgen Ackerland, 13,760 Morgen Wiesen, 6665 Morgen Weiden, 13,303 Morgen Torfmoore;

gesammter Dorfgrund: 47,020 Morgen.

Für die Beurteilung der Verhältnisse dieses Landdrosteibezirks ist es von besonderer Wichtigkeit, die topographische Unterscheidung nach Marsch und Geest, welche hier mehr als in den übrigen Provinzen des Landes (mit Ausnahme Ostfrieslands) hervortritt, zu beachten. Die Marsch nimmt den Uferstrich längs der Elbe und Weser und den Küstensaum der Nordsee ein; einzelne Theile derselben liegen auch in den Thälern der Oste und Aller und einiger kleinern Nebenflüsse. Es gehören dazu und zwar

1) zur Elb-, Ost- und Nordseemarsch:

das Alteland,

das Land Kehdingen, Bützflethschen und Freiburgschen Theils,

das Amt Wischhafen,

das Gericht Osten,

das Amt Neuhaus an der Oste zum größten Theile, mit Ausnahme des Geeststriches Die "Wingst",

einzelne kleine Theile der Aemter Himmelpforten und Bremervörde,

das Land Hadeln;

2) zur Nordsee-, Weser- und Allermarsch:

das Land Wursten biß auf einen kleineren Geeststrich,

das Amt Lebe zum Theil,

das Amt Hagen zum Theil( Osterstader Marsch),

das Amt Blumenthal zum Theil,

das Amt Lilienthal zum Theil,

das Gohgericht Achim zum Theil,

das Amt Verden zum kleinen Theil.

Der ganze übrige von diesem Marschsaume eingeschlossene innre Theil der Herzogtümer Bremen und Verden bildet die Geest. Auf der Geest verdienen die ausgedehnten Moor-Colonien, welche hier bedeutender sind, als irgendwo sonst im Lande, eine besondere Beachtung. Sie finden sich vornehmlich in den Aemtern: Bremervörde, Ottersberg, Lilienthal und Osterholz; in geringem Umfange auch im Amte Rotenburg, im Gohgerichte Achim u. f. m.

Verhältnisse der Häuslinge

Die hierauf bezüglichen Ermittelungen übergeben die vier Städte Stade (nebst den Vorstädten), Verden, Buxtehude und Otterndorf, da diese für die Erörterung der Verhältnisse des ländlichen Häuslingstandes nicht in Betracht kommen. Auch der große, städtisch organisierte Flecken Bremervörde ist unberücksichtigt gelassen.

Alle Angaben über die Zahl der vorhandenen Hofbesitzer, Anbauer und Häuslinge, über deren Grundbesitz und Viehstand, über Land- und Wiesenpacht, sowie über die Größe des Tagelohns, stützen sich auf Aufnahmen vom Jahre 1850, während bei den Bemerkungen über die Erwerbsquellen der Häuslinge und Anbauer und über die Mittel zur Ernährung ihres Viehs, in Ermangelung neuerer Nachrichten, auf solche vom Jahre 1848 zurückgegangen werden mußte.

Unter den "Hofbesitzern" sind solche ländliche Grundeigentümer verstanden, welche sich und ihre Familie vom Betriebe der Landwirtschaft (Ackerbau, Viehzucht,etc.) nähren. Die Anbauer dagegen begreifen alle übrigen kleineren Haus- und Grundeigentümer (Anbauer, Neubauer, Beibauer, Brinksitzer, Köthner) , welche den größten Theil ihres Lebensunterhalts von ihrer Hände Arbeit (Tagelohn, Handwerksbetrieb u.s.w.) haben. Als "Häuslinge" endlich sind alle ihrer Hände Arbeit lebenden, mit Häusern nicht angesessenen Einwohner aufgeführt. Ueberall ist die Zahl der Hofbesitzer, Anbauer und und Häuslinge nach Familien angegeben. Die Angaben über den Flächengehalt der zum Grundbesitze der Hofbesitzer und Anbauer gehörenden Weiden, Haiden und Moore können nur als annähernd richtig bezeichnet werden, da sie meistens nur auf ungefähren Überschlagungen beruhen. In den Grundsteuer-Mutterrollen sind bekanntlich die Moore entweder nur nach Fudern Torf oder, gleich den Gemeinde- und Koppelweiden, nach Kuhweiden veranlagt. Uebrigens haben die Moore im Lande Kehdingen-Bützfleth und der größte Theil der hadelnschen Moore ganz unberücksichtigt bleiben müssen, da Nachrichten über deren Flächengehalt nicht vorliegen. Auch die Angaben über das s.g. Wechselland in den Marschen (welches halb als Ackerland, halb als Weide oder Wiese benutzt wird) können als durchaus zutreffend nicht bezeichnet werden; worauf es indeß (so weit die Gesammtsumme des Areals in Frage steht), auch weniger ankommt, da die betreffenden Flächen, wenn sie als Wechselland nicht ausdrücklich bezeichnet worden, jedenfalls unter einer der beiden Rubriken: "Ackerland" oder „Wiesen und Weiden", gerechnet sind. Was den Viehbestand der Anbauer und Häuslinge betrifft, so kann das von denselben außer Kühen, Schweinen und Schafen noch gehaltene Vieh (Pferde, Ziegen, Federvieh) beim Mangel desfallsiger Nachrichten nicht verzeichnet werden. Die Zahl der im Besitze von Anbauern und Häuslingen befindlichen Pferde ist jedenfalls nicht erheblich.

Unter den nachgewiesenen Tagelohns-Sätzen ist nur Tagelohn für männliche Arbeiter zu verstehen.

1. Mit Ausnahme der obenerwähnten Städtischen, resp. Fleckens-Gebiete, befanden sich im Landdrostei-Bezirke:

12,577 Hofbesitzer mit einem privaten Grundbesitz von

482,495 Morgen Garten- und Ackerland,

329,007 Morgen Wiesen und Weiden,

28,702 Morgen Wechselland,

406,110 Morgen Haiden und Forsten,

153,073 Morgen Moor (außerdem noch eine zu 3075 Fudern Torf veranlagte Moorfläche),

24,955 Morgen Moor und Haide gemischt,

überhaupt 1,424,342 Morgen und 3075 Fuder Torf.

Es kommt mithin auf jeden Hofbesitzer durchschnittlich eine Grundfläche von pptr. 113 Morgen.

19280 Anbauer mit 64,566 Morgen Garten- und Ackerland,

38,903 Morgen Wiesen und Weiden,

195 Morgen Wechselland,

38,589 Morgen Haide und Forsten,

55,269 Morgen Moor,

6,619 Morgen Moor und Haide gemischt,

überhaupt 204,141 Morgen privaten Grundbesitz, so daß auf jede Anbauer-Familie durchschnittlich etwas 10 1/2 Morgen fallen.

Der Viehbestand der Anbauer betrug

26,885 Kühe,

12,568 Schweine

26,091 Schafe,

12,949 Häuslinge mit einem Viehbestande von

7,823 Kühen,

4,741 Schweinen,

11,302 Schafen.

Rechnet man die Zahl der Anbauer und Häuslinge zusammen, so stehen

32,229 Familien, welche vorzugsweise von ihrer Hände Arbeit leben,

12,577 vom Ackerbau etc.

lebenden Hofbesitzer-Familien gegenüber.

In den Marschen ist durchgängig die Zahl der Anbauer und Häuslinge gegen die der Hofbesitzer überwiegend, und verhält sich zwischen 3 und 6 zu 1. Es kommt nämlich

im Altenlande . . . 5-6 Anbauer und Häuslinge auf 1 Hofbesitzer,

im Lande Kehdingen-Bützfleth 5 Anbauer und Häuslinge auf 1 Hofbesitzer,

im Amte Wischhafen . . . . . . . . 4 Anbauer und Häuslinge auf 1 Hofbesitzer,

im Lande Kehdingen-Freiburg 6 Anbauer und Häuslinge auf 1 Hofbesitzer,

im Gerichte Osten 3-4 Anbauer und Häuslinge auf 1 Hofbesitzer,

im Amte Neuhaus a. d. O. 6 Anbauer und Häuslinge auf 1 Hofbesitzer,

im Lande Hadeln 3-4 Anbauer und Häuslinge auf 1 Hofbesitzer,

im Lande Wursten 4-5 Anbauer und Häuslinge auf 1 Hofbesitzer.

Auf der Geest ist das Verhältnis im Allgemeinen günstiger, entweder gleich oder wie 2 zu 1; ja es giebt einzelne obrigkeitliche Bezirke (Amt Beverstedt, Gericht Meyenburg), wo die Zahl der Anbauer und Häuslinge zusammengenommen unter der Zahl der vom Ackerbau lebenden Hofbesitzer bleibt. Dasselbe Verhältnis tritt häufig ein, wenn nicht bloß das Resultat eines ganzen obrigkeitlichen Bezirks, sondern die einzelnen Unterabteilungen (Voigteien, Kirchspiele, Gemeinden) ins Auge gefasst werden. So ist z.B. im Amte Bederkesa die Zahl der Hofbesitzer der Anbauer und Häuslinge gleich (715 zu 715). Wird hiervon aber der Flecken Bederkesa abgesetzt, so ergeben sich für die eigentlichen Landgemeinden des Amtes 676 Hofbesitzer und nur 545 Anbauer und Häuslinge. Nur in einzelnen obrigkeitlichen Bezirken, wo die Nähe großer Städte oder besonderer Erwerbsquellen (Moorbetrieb, Schiffahrt, Schiffsbauereien etc.) eine stärkere Ansammlung der Arbeiterklasse veranlaßt haben, steht daß Verhältnis der letztern zu den Hofbesitzern bedeutend ungünstiger;

nämlich

im Gerichte Delm, im Gohgerichte Achim, in den Aemtern

Osterholz und Ottersberg wie 3 zu 1,

in den Aemtern Lehe und Lilienthal wie 4 zu 1,

im Amte Blumenthal und Gerichte Lesum-Schönebeck wie 6 zu 1,

im Gerichte Horneburg (nur aus dem Flecken gleichen Namens und einer Landgemeinde bestehend) wie 7 zu 1.

Werden die Anbauer mit den Häuslingen in Vergleich gebracht, so übersteigt im Allgemeinen die Zahl der ersteren die der letzern, zum Theil sehr bedeutend.. Vom ganzen Landdrosteibezirke beträgt das Plus der Anbauerfamilien gegen die Häuslingsfamilien 6331 (fast die Hälfte aller Häuslingsfamilien). In den folgenden obrigkeitlichen Bezirken tritt jedoch das umgekehrte Verhältnis ein: Delm, Francop, Rincop, Harsefeld, Stade-Agathenburg, Wischhafen, Zeven, Rotenburg, Neuenhausen und Strukturgericht Verden; während bei Hove Leeswig, Rübke, Himmelspforten, Horneburg, Meyenburg und Amt Verden das Verhältnis etwa gleich steht.

2. Der auf 1 Anbauerfamilie durchschnittlich fallende Grundbesitz wurde oben zu 10 ½ Morgen ermittelt. Dies Verhältnis gestaltet sich bedeutend anders, wenn die Ermittlungen auf Marsch und Geest getrennt gerichtet wird. Während in den meisten Geestämtern der Grundbesitz der Anbauer über jene Durchschnittsfläche hinausgeht, bleibt derselbe in den Marschen dahinter zurück. Es kommen auf 1 Anbauerstelle:

im Altenlande nur 2 ½ Morgen,

im Lande Kehdingen-Bützfleth 2 ½ Morgen,

im Lande Kehdingen-Freiburg 2 Morgen,

Im Amte Wischhafen 6 Morgen, im Grichte Osten 2 ½ Morgen, Im Amte Neuhaus a. d. O. 6 ¾ Morgen, im Lande Hadeln 8 Morgen, im Lande Wursten 8 Morgen.

Über das Grundeigentum der Häuslinge, welches überall nur sehr unbedeutend sein kann, liegen nähere Nachrichten nicht vor.

Der Preiß der Land- und Wiesenpacht richtet sich nach der Bevölkerung der betreffenden Gegend, nach ihrer Belegenheit in der Nähe oder entfernt von größeren Städten, nach der Bodenbeschaffenheit, nach Verkehrverhältnissen u.s.w. Hiernach erklärt sich die hohe Pacht in den Marschen im Vergleich zu den Preisen auf der Geest; aber selbst in den einzelnen Marschtheilen ist das Verhältnis sehr verschieden, was meistens in der geograpischen Lage (in der Nähe oder Ferne von Hamburg oder Bremen) seinen Grund hat. So beträgt die Pacht für 1 Morgen Ackerland in dem Hamburg zunächst gelegenen Altenlande zwischen 4, 12 und 20 rt.; für 1 Morgen Wiesengrund 4, 16 bis 20 rt.; der Preis einer Sommerweide steigt bis 18 rt; während in dem am Ausfluß der Elbe in die Nordsee belegenen Kehdingen-Freiburgschen die Land- und Wiesenpacht nur zwischen 3 und 4 1/3 rt., der Preis einer Sommerweide nur zwischen 8 ¼ und 10 2/3 rt beträgt. Auch auf der Geest ist natürlich die Belegenheit von entschiedenen Einfluß auf die Höhe der Pacht. In dem auf der hohen Geest belegenen Haidamte Zeven beträgt z.B. die Pacht für 1 Morgen nur ½ bis 2 rt, für 1 Morgen Wiesengrund 5/6 bis 4 ½ rt, für 1 Sommerkuhweide 1/3 bis 4 rt; wogegen sie in dem benachbarten, aber näher bei Bremen belegenen Amte Ottersberg schon von 2/3 bis auf 4 rt, für den Morgen Ackerland und von 1-6 rt für den Morgen Wiesengrund steigt, während in diesem grasreicheren Bezirke niedriger steht als im Amte Zeven.

3. Die Viehzucht der Anbauer anfangend, so stellt sich auf der Geest das Verhältnis in der Art, daß fast in allen obrigkeitlichen Bezirken durchschnittlich mindestens 1 Kuh auf jede Familie kommt. Eine Ausnahme hievon machen nur einige, an der Weser gelegene, aus Geest und Marsch gemischte Bezirke (Amt Blumenthal, Gericht Lesum-Schönebeck), wo gewerbliche, besonders Schiffahrts-Interessen überwiegend sind, und den landwirtschaftlichen Betrieb der kleinen Grundbesitzer beschränken. Dagegen geht in der Mehrzahl der Geestämter die Hornviehhaltung der Anbauer über jenes minimum hinaus. So kommen auf einen Anbauer

im Amte Ottersberg und Lilienthal über 3 Kühe,

im Amte Bederkesa, Zeven, Rotenburg und im Gerichte Schwanenwede 2 bis 3 Kühe,

im Amte Harsefeld, Stade-Agathenburg und Verden 2 Kühe,

im Gohgerichte Achim, Gerichte Delm, im Amte Himmelspforten und Osterholz und auf der Geest des Amtes Hagen 1 bis 2 Kühe.

Ungünstig steht dagegen daß Verhältnis durchgehends in den Marschen (mit Ausnahme des Amtes Hadeln und der Marsch des Amtes Hagen, wo durchschnittlich noch etwas mehr als 1 Kuh auf jeden Anbauer fällt); denn es kommen

im Altenlande nur 720 Kühe auf 1622 Anbauer,

im Kehdingen-Freiburgschen nur 719 Kühe auf 895 Anbauer,

im Kehdingen-Bützflethschen nur 434 Kühe auf 748 Anbauer,

im Amte Wischhafen nur 101 Kühe auf 153 Anbauer,

im Gerichte Osten nur 245 Kühe auf 354 Anbauer,

im Amte Neuhaus a. d. O. nur 1133 Kühe auf 1445 Anbauer,

im Lande Wursten nur 842 Kühe auf 978 Anbauer.

In Beziehung auf die Schweinezucht stellt sich das Verhältnis für die Marschen im Allgemeinen etwas günstiger; wenngleich der Durchschnitt vom ganzen Landdrostei-Bezirke bedeutend niedriger ausfällt als in der Hinsicht auf die Hornviehhaltung. Auf 19,499 Anbauer kommen nur 12,568 Schweine, also längst noch nicht auf jeden Anbauer ein Schwein. Es ist jedoch zu vermuten, daß die Aufzeichnung der Schweine von den Obrigkeiten nach verschiedenen Grundsätzen vorgenommen sein wird. Nicht von allen Obrigkeiten werden sämtliche Schweine ohne Unterschied (Zucht- und Mastschweine) sondern, gleichwie bei der allgemeinen Viehzählung, nur die Zuchtschweine allein, aufgezeichnet sein. Hiernach erläutert sich z.B. der auffallende Unterschied in der Schweinehaltung im Kehdingschen. Im Kehdingen-Bützflethschen sind 748 Anbauer mit 601 Schweinen, Freiburgischen dagegen 805 Anbauer mit nur 14 Schweinen verzeichnet.

Am günstigsten für die Marschen ist das Verhältnis der Schafzucht. Die Schafe sind dort in großer Race, werden gemolken, und vertreten in so weit die Stelle der Kühe oder Ziegen. Es kommen

im Altenlande auf 1622 Anbauer 1381 Milchschafe,

im Kehdingen-Freiburgschen auf 895 Anbauer 1196 Milchschafe,

im Kehdingen-Bützflethschen auf 748 Anbauer 1187 Milchschafe,

im Amte Wischhafen auf 153 Anbauer 161 Milchschafe,

im Gerichte Osten auf 354 Anbauer 425 Milchschafe,

im Amte Neuhaus a. d. O. auf 1445 Anbauer 1415 Milchschafe,

im Lande Wursten auf 978 Anbauer 1068 Milchschafe,

in der Marsch des Amts Hagen auf 363 Anbauer 498 Milchschafe.

Was die Viehhaltung der Häuslinge betrifft, so verteilt sich dieselbe über die einzelnen obrigkeitlichen Bezirke noch ungleicher, als die der Anbauer. Im Allgemeinen ist dieselbe bei ersteren weit beschränkter, als bei letzteren; denn nach dem Durchschnitte vom ganzen Landdrosteibezirke fallen noch nicht ganz auf je 3 Häuslingsfamilien 2 Kühe; und es giebt nur 6 Aemter, deren Durschnitt mehr als 1 Kuh, aber nicht ganz 2 Kühe auf jeden Häusling ergiebt; während in allen übrigen obrigkeitlichen Bezirken der durchschnittliche Bestand geringer als 1 Kuh für die Familie ist.

Uebrigens tritt auch hinsichtlich der Viehhaltung der Häuslinge ein wesentlicher Unterschied zwischen Geest und Marsch ein.

Jene 6 Aemter gehören sämmtlich der Geest an ( Harsefeld, Stade-Agathenburg, Ottersberg, Zeven, Rotenburg, Verden). Außerdem findet noch ein ziemlich günstiges Verhältnis in folgenden Geestbezirken Statt:

in Achim, wo auf 574 Häuslinge 480 Kühe

in Bederkesa, wo auf 189 Häuslinge 110 Kühe

in Beversteth, wo auf 172 Häuslinge 114 Kühe

in Bremervörde, wo auf 413 Häuslinge 251 Kühe

in Delm, wo auf 252 Häuslinge 202 Kühe

in Himmelspforten, wo auf 575 Häuslinge 379 Kühe

kommen.

Ungünstig ist das Verhältnis auf der Geest nur

bei Blumenthal, wo 323 Häuslinge 13 Kühe

bei Hagen (zum Theil Marsch), wo 330 Häuslinge 111 Kühe

bei Horneburg, wo 157 Häuslinge 50 Kühe

bei Lehe (zum Theil Marsch), wo 258 Häuslinge 49 Kühe

bei Lesum-Schönebeck, wo 243 Häuslinge 9 Kühe

bei Lilienthal, wo 142 Häuslinge 36 Kühe

bei Meyenburg, wo 24 Häuslinge 9 Kühe

bei Osterholz, wo 328 Häuslinge 79 Kühe

bei Schwanenwede, wo 13 Häuslinge 2 Kühe

besitzen. Davon findet der besonders hervorragende Fall bei Blumenthal und Lesum-Schönebeck in den schon oben berührten eigenthümlichen Erwerbsverhältnissen jener Uferbezirke an der Weser seine Erläuterung; und auch die übrigen Fälle erklären sich auf die gleiche Weise oder durch die gemischte Zusammensetzung der Bezirke aus Geest und Marsch.

In den Marschen ist dagegen der Hornviehbestand der Häuslinge durchgehend nur sehr unbedeutend, und wird dort auch nicht so vollständig, wie bei den Anbauern, durch die Haltung von Milchschafen ausgeglichen. So kommen

im Altenlande auf 1320 Häuslinge 23 Kühe 130 Schafe,

im Kehdingen-Bützflethschen auf 566 Häuslinge 36 Kühe 325 Schafe,

im Kehdingen-Freiburgschen auf 421 Häuslinge 38 Kühe 357 Schafe,

im Amte Wischhafen auf 197 Häuslinge 12 Kühe 182 Schafe,

im Gerichte Osten auf 294 Häuslinge 57 Kühe 221 Schafe,

im Amte Neuhaus a. d. O. auf 725 Häuslinge 65 Kühe 362 Schafe,

im Lande Hadeln auf 752 Häuslinge 120 Kühe 160 Schafe,

im Lande Wursten auf 365 Häuslinge 39 Kühe 205 Schafe.

4. Der Tagelohn ist sowohl örtlich als nach der Art der Beschäftigung verschieden. In der Nähe der Städte und da, wo ein reger Schiffahrts und Handelsverkehr Statt findet (längs der Elbe, Weser und Nordsee besonders, bei Bremen, Bremerhafen und Vegesak), steht er beträchtlich höher, als in den vom städtischen und Schiffahrtsverkehre entlegenden Gegenden. Im Allgemeinen ist natürlich immer die vorhanden Arbeit und ihr Verhältniß zu der Zahl der Arbeiter für die Bestimmung des Tagelohns maßgebend, so daß z.B. in der Saat- und Erntezeit verhältnismäßig mehr gezahlt wird, als für andere, weniger eilige Arbeiten. Besonders findet dies auf die Marschen Anwendung, wo die landwirtschaftlichen Arbeiten mehr als auf der Geest durch die Witterung bedingt sind, und sich nicht, wie auf der Geest, über einen längeren Zeitraum vertheilen.

5. Die im Vorhergehenden berührten wesentlichen Unterschiede in den Bevölkerungsverhältnissen der s. g. Arbeiterklasse gegenüber den von Ackerbau lebenden Hofbesitzern, finden in den Erwerbs-Verhältnissen ihre völlige Erklärung. Diese werden zunächst und im Wesentlichen durch die geographische Lage und die Productions-Verhältnisse der einzelnen Gegenden des Landdrostei-Bezirks bedingt. Auf der Geest ist die Landwirtschaft die Haupterwerbsquelle. Sie war hier bisher noch sehr zurück; man beschränkte sich vorzugsweise auf die mögliche Benutzung der Erzeugnisse, welche die Natur freiwillig bot (Holz- und Moorbetrieb, Weidewirtschaft, Bienenzucht etc.); die Gemeinheiten lieferten die dürftige Nahrung für das Vieh im Sommer; daß Ackerland wurde nach altherkömmlicher, zum Theil wenig zweckmäßiger Weise bestellt. Der meistens leichte, sandige Boden kann, mit Ausnahme einer kurzen Frostperiode, faßt das ganze Jahr hindurch bearbeitet werden; daher vertheilen sich die meisten Feldarbeiten über einen langen Zeitraum, und erhebliche Arbeitskräfte waren also bei der alten einfachen Wirtschaftsweise, bei der Beschränktheit der cultivierten Ackerflächen, nicht erforderlich; Altentheiler und nachgeborene Kinder der Hofinhaber genügten meistens dafür. Es fanden sich auch bis zum Beginne dieses Jahrhunderts auf der Geest nur wenige Anbauer- und Häuslingsfamilien, weil ihnen die Gelegenheit zum Erwerbe fehlte. Mit dem Beginne dieses Jahrhunderts ist aber mit der Einführung der Gemeinheitstheilungen eine bessere Benutzung der im Boden schlummernden natürlichen Kräfte angebahnt, welche nur durch Aufwendung größerer Arbeitskräfte möglich war. So ist mit der fortschreitenden Bodencultur auf der Geest die Arbeiterklasse, sowohl die Klasse der Tagelöhner als die der kleinen Handwerker, stets im Zunehmen begriffen, und wird, wenn die besonders in neuerer Zeit rasch fortschreitende Entwicklung der landwirtschaftlichen Zusände keine unvorhergesehene Hemmung erfährt, sich nach und nach erheblich vermehren. In den Städten Bremen, Stade, Buxtehude und Verden benachbarten obrigkeitlichen Bezirken, nicht weniger in der Nachbarschaft der Häfen an der Weser (Bremerhafen und Vegesak) ist die Arbeiterklasse bereits viel zahlreicher, als im Innern der Geest, weil die Nähe der Städte und der rege Verkehr an den Hafenplätzen vielfache Gelegenheit zum Unterhalte bietet. Ganz abweichend von diesen Zusänden auf der Geest sind diejenigen in den Marschen. Auch hier ist der Ackerbau und die Viehzucht die wichtigste Erwerbsquelle; aber die Landwirtschaft ist hier nicht erst, wie auf der Geest, in der Entwicklungsperiode begriffen, sondern der höchst wertvolle, fruchtbare Boden ist schon seit den älteren Zeiten sorgfältig angebaut. Der Ackerbau erfordert in den Marschen sehr erhebliche Arbeitskräfte, theils des schweren Bodens wegen theils, weil die landwirtschaftlichen Arbeiten bei der eigenthümlichen Beschaffenheit des bindigen Kleibodens und mit Rücksicht auf die Passirbarkeit der Wege nur bei günstige Witterung vorgenommen werden können, sich also nicht, wie auf der Geest, über einen längeren Zeitraum vertheilen lassen. Aus diesen Gründen hat der Ackerbau in den Marschen von jeher eine zahlreiche Arbeiterklasse erfordert. Mit geringeren Arbeitskräften reichten allerdings diejenigen Marschgegenden aus, welche vorzugsweise Viehzucht betreiben, wie z.B. die Osterstader Marsch und der Marschtheil des Amts Lehe, an der Unterweser.

Außerdem haben die Marschen ihrer günstigen geographischen Lage nach stets Gelegenheit zur Schiffahrt geboten, und diese ist ebenfalls auf die Zunahme der vom täglichen Gewerbe lebenden Arbeiterklasse von großem Einflusse gewesen. Auch die umfangreichen Deich - und Wasserhandwerke rufen ein bedeutendes Arbeiter-Bedürfnis hervor; sowie der bei der Nähe zweier Weltstädte (Hamburg und Bremen) gebotene leichte und vortheilhafte Ablaß aller landwirtschaftlichen Erzeugnisse eine ganz ungewöhnliche Erhöhung der Production zur Folge gehabt hat, welche mittelbar auch den arbeitenden Klassen wieder zu Gute kommt. Aus allen diesen Verhältnissen erklärt sich die starke Ansammlung der Häuslinge und Anbauer in den Marschen und deren verhältnismäßig großes Übergewicht über die Zahl der kleinen Städte und der Geest. Wird die Lage Häuslinge und Anbauer näher ins Auge gefaßt, so kann dieselbe in Bezug auf die Geest durchgängig eine günstige genannt werden. Allgemein findet sich hier der Tagelöhner und Landhandwerker sein gutes Auskommen, um so mehr als Fleiß und Mäßigkeit in den Lebensansprüchen auf der ganzen Bremen- und Verdenschen Geest zu Haufe sind. Mangel an Arbeitsgelegenheit tritt nur Ausnnahmsweise und zwar nur während des Winterfrostes ein. Der Überfluß an Feuerungsmitteln, besonders der Reichtum an Torf und Brennbülten kommt den kleinen Leuten zu Statten; auch ist in den ausgedehnten Feldmarken die Erpachtung von Land zu billigem Preise nicht schwer, sowie die umfangreichen Gemeinheiten: Haiden, Moore und Brüche, ihnen die Haltung von Vieh erleichtern. Selbst durch die mehr und mehr eintretenden Gemeinheitstheilungen soll sich die Lage der Häuslinge und Anbauer nicht wesentlich verschlechtern. Mögen allerdings hin und wieder in der Übergangsperiode Verlegenheiten eintreten, so pflegen sie sich doch bald auszugleichen, da der Häusling leicht Gelegenheit findet, von den Hofbesitzern, welche meistens sehr umfangreiche Abfindungen bekommen, Land und Weide zu billigem Preise zu heuern. Daneben bietet sich nicht nur während der Theilung und Verkoppelung durch die erforderlich werdende Wege - und Graben-Arbeit etc., sondern auch nachher durch die neuen Kulturen dem Arbeiterstande eine Bedeutend erweiterte Gelegenheit zum Verdienste dar. Eine besondere Berücksichtigung erfordern ferner die Moorkolonien. Sie sind für das Bremersche von hoher Wichtigkeit, da sie daß Mittel darbieten, die ungeheuren Moor-Oedungen, welche die Geest der Provinz überall durchziehen, in angebautem fruchttragende Gegenden umzuwandeln, und mit dem fast unerschöpflich scheinenden Brennmaterial, welches hier angehäuft liegt, die benachbarten holz- und torfarmen Marschen zu versorgen. Die Verhältnisse sind in den Moorkolonien wesentlich anders als auf der eigentlichen Geest, und zwar ungleich ungünstiger. Während auf der Geest der Landwirth in seinem mancherlei ziemlich sicheren Erwerbszweigen (Ackerbau, Viehzucht, insbesondere Schäfereien, Holzzucht, Bienenzucht etc.) der Hülfe der Häuslinge bedarf, mithin der Eine durch den Andern seinen Unterhalt findet, sind die Bewohner der Moorkolonien alle in gleicher Lage, alle auf denselben Erwerbszweig angewiesen. Dieser besteht hauptsächlich in der Brandcultur und Torfgewinnung, beide durch die Witterung bedingt und daher höchst unsicher. Die Bewerthung der Erzeugnisse erfordert ungleich mehr Productionskosten, und kann nur, durch Ablaß nach Außen hin stattfinden.; daher die Wichtigkeit der Wasserwege für die Moorkolonien. Die Verhältnisse der Anbauer und Häuslinge in den Marschen sind im Allgemeinen weit ungünstiger als diejenigen der Bewohner der Geest. Die kleinen Leute, welche in jüngeren Jahren meistens auf den größeren Höfen als Knechte und Mägde dienen, werden schon in diesem Dienstboten-Verhältnis an eine kräftigere Nahrung gewöhnt, weil diese in den Marschen einmal herkömmlich, der ungleich schwereren Arbeit wegen auch wohl erforderlich ist. Ihr Unterhalt ist mithin kostspieliger als derjenige der Geestbewohner. Leider wird aber auch in den Marschen viel Vergügungs- und Putzsucht angetroffen, welche besonders die dienende Klasse abhält, von ihrem Lohne, welcher durchgängig höher ist als bei den Dienstboten auf der Geest, Ersparnisse für den künftigen eigenen Haushalt zu machen. Bei Begründung des letzteren werden dann häufig Schulden gemacht, und diese sind später schwer zu überwinden. Von entscheidendem Einflusse auf die Lage der kleinen Leute sind aber die eigenthümlichen Landwirtschaftlichen Verhältnisse in der Marsch.

Der Ackerbau erfordert hier, wie schon oben angedeutet wurde periodenweise sehr bedeutende Arbeitskräfte. Der Landwirt kann solche aber nur aus der Marsch selbst beziehen, da eine heranziehung von Arbeitern von der Geest nicht nur durch die Unzugänglichkeit der Marschen während eines großen Theils des Jahres erschwert wird, sondern auch in der großen Abweichung aller Verhältnisse in der Marsch von denen der Geest in Hinsicht auf Bodenbeschaffenheit, Wirtschaftsweise, Sitten und Gewohnheiten manche Hindernisse findet. Nach dem vorübergehnden Bedürfnisse für einige Monate im Jahre regelt sich daher die Zahl der Arbeiterklasse in den Marschen, welcher es dann während der übrigen Zeit an genügender Beschäftigung fehlt. Auch der höherer Preis fast aller Lebensbedürfnisse in der Marsch, im Vergleich zu den Preisen auf der Geest, sowie die den kleinen kleinen Leuten in der Marsch bei Weitem nicht in so großem Umfange wie auf der Geest gebotene Gelegenheit, ihren Bedarf an Korn, Kartoffeln, Gemüse, Schlachtvieh u.s.w. selbst zu erzielen, trägt dazu bei, die Lage derselben noch mehr zu verschlimmern. Dann fehlt es den Frauen und Kindern der Häuslinge in der Marsch auch durchgängig an Gelegenheit, durch häusliche Arbeiten Etwas nebenbei zu verdienen, wie dies auf der Geest durch Landbestellung, Spinnen und Weben, Einsammeln von Waldbeeren, Torfbaken u.s.w. geschieht. Häufig lassen es die kleinen Leute in den Marschen freilich auch an Fleiß und Betriebsamkeit mangeln, so wie Sparsamkeit, Ordnung und gute Sitte hier leider nur zu oft vermißt werden. Daher herrscht dort im Allgemeinen größere Armuth als auf der Geest; die wohlhabende Klasse muß zur Abhülfe ungleich stärkere Mittel Aufbringen. Zwar kommt der richtige Erwerb durch die Schiffahrt und den damit Verbindung stehenden größern Handels- und Gerwerbebetrieb (Schiffsbauereien, Ziegeleien etc.), durch Deich- und Wasserbauarbeiten, durch den den Detailverkauf von Milch, Obst, Geflügel u.s.w. in Hamburg, Altona und Bremen hinzu; aber der Unterhalt durch die Schiffahrt ist unsicher, weil die Schwankungen im Handel darauf einwirken. Mancher Schiffer verunglückt, und hinterläßt dann eine der Unterstützung bedürftige Familie. Armenwesen.

In den Marschen des Landdrostei-Bezirks Stade wurde das Armenwesen wie seit alter, so biß auf die neueste Zeit immer von den Gemeinden, resp. durch die letztern gewählten Vertreter und Armenvorstände selbständig verwaltet. Die desfallsigen Einrichtungen haben sich bisher im Allgmeinen bewährt. Nur in einigen Distrikten, wo die Armengelder durch freiwillige Beiträge aufgebracht wurden, mußte eine andere Einrichtung getroffen, und die Aufbringung nach einem bestimmten Concurrenzfuße angeordnet werden. Auf der Geest war das Armenwesen unter die unmittelbare Leitung der Obrigkeiten gekommen; jedoch ist auch hier in Folge der Gesetzgebung des Jahres 1848 die selbständige Verwaltung, insbesondere die Prüfung, Bewilligung und Aufbringung der beantragten Armenunterstützungen, sowie die Rechnungsabnahme auf die Gemeinden übergegangen, und die Entwirkung der Obrigkeiten dabei lediglich auf das Beaufsichtigungsrecht beschränkt.

Nur für einzelne Verbände haben auf den Wunsch der Beteiligten, oder weil man sich noch nicht einigen konnte, einstweilen die Obrigkeiten -anstatt der aufgehobenen Quartals-Verschlags-Commissionen- die Leitung und Beaufsichtigung des Rechnungswesen behalten. Die Unterhaltung der Armen lag in sämmtlichen Geestgerichten früher fast durchweg den s.g. Nebenanlage- oder Börde-Verbänden ob, und als Regel darf dies auch noch jetzt angesehen werden. Seitdem die spezielle Einwirkung der Behörden und besonders der Landdrostei aufgehört hat, haben die Vertreter der einzelnen Gemeinden des Verbandes in Gemeinschaft mit den Gemeindebeamten die beantragten Armenunterstützungen zu prüfen, zu bewilligen, sowie deren Verwendung zu überwachen; und in diejenigen Verbänden, in welchen nicht vorerst nach den Orbigkeiten die Leitung der Angelegenheiten übertragen ist, hat ein ständiger Ausschuß, welcher von den Interessenten zur Ausführung der Beschlüsse der Vertreter des Verbandes bestellt wird, insbesondere auch die specielle Leitung und Verwaltung des Armenwesens mit den Gemeindebeamten zu übernehmen, und in unvorhergesehen eiligen Fällen die nötigen Ausgaben zu bewilligen.

Seit dem Jahre 1848 ist auf den Wunsch der Gemeinden in mehreren obrigkeitlichen Bezirken die gewöhnliche Armenunterhaltungslast den größeren Verbänden abgenommen, und, mit Ausnahme der außergewöhnlichen bedeutenden Ausgaben, auf die betreffenden Specialgemeinden oder auf kleinere Kirchspiels- oder Armenverbände übertragen. In diesen Fällen ist, ähnlich wie bei den größeren Verbänden, die Wahl eines Ausschusses oder doch eines Armenpflegers aus der Mitte der Interessenten angeordnet, welcher in Gemeinschaft mit den Gemeindebeamten sich vorzugsweise des Armenswesen in der Gemeinde anzunehmen hat. Für eine solche Veränderung sprechen manche Gründe. Besonders wird dadurch die Verwaltung einfacher und eine genauere Prüfung der an die Verwendung der bewilligten Unterstützungen möglich gemacht. Aber sie findet auch gegründete Bedenken, zumal darin, daß nicht nur die meisten, in jenen Gegenden häufig sehr kleinen, sondern auch sehr viele größere Gemeinden, wenn in denselben viele besitzlose Familien der Tagelöhner oder Handwerkerklasse wohnen, nicht im Stande sind, die Armenlasten aus eigenen Kräften zu tragen. Auch ist schon die Erfahrung gemacht worden, daß in Fällen, wo die gewöhnliche Armenlast von den größeren Verbänden auf die Specialgemeinden übergegangen war, letztere bei Bewilligung der Unterstützung allzu karg verfuhren. Doch lassen sich die etwaigen Vorzüge oder Mängel dieser seit dem Jahre 1848 im Armenwesen eingetretenen wichtigen Veränderungen ( mit welchen übrigens neuerdings, im Hinblick auf die bevorstehende neue Organisation der Verwaltung, weniger rasch vorgeschritten ist) jetzt noch nicht mit Sicherheit überleben. Seit den letzten beiden Jahren hat sich die Armenlast im ganzen Landdrosteibezirke, welche nach dem Mißwachse von 1846 zu einer bedeutenden Höhe gestiegen war, schon erheblich vermindert, wenn gleich dieselbe noch längst nicht wieder auf den niedrigen Standpunkt zurückgekommen ist, welchen sie vor dem erwähnten Notjahre einnahm. Es wurden nämlich durch Anlagen für die Armenpflege aufgebracht:

im Jahre 1845 . . . 38,833 rt 9 ggr - pf

im Jahre 1846 . . . 40,311 rt - ggr - pf

im Jahre 1847 . . . 46,318 rt 20 ggr 8 pf

im Jahre 1848 . . . 46,442 rt 23 ggr - pf

im Jahre 1849 . . . 45,258 rt 10 ggr 7 pf

im Jahre 1850 . . . 44,448 rt 19 ggr 6 pf

Sparkassen

Außer den im Landdrosteibezirk Stade bestehenden 8 Sparkassen werden auch die Sparkassen zu Bremen und Vegesak von diesseitigen Unterthanen der Wesergegend vielfach benutzt. Mehrfach angestellte versuche, noch an verschiedenen anderen Orten des Landdrosteibezirks ( namentlich zu Blumenthal, im Lande Kehdingen-Bützfleth, zu Selfingen im Amte Zeven) Sparkassen ins Leben zu rufen, sind ohne Erfolg geblieben, da theils das Bedürfnis nicht lebhaft genug gefühlt wurde, theils die zu beschaffene Garantie für die Sicherheit der Einlagen Schwierigkeiten entgegenstellte. Günstiger gestalteten sich die Bemühungen um Errichtung einer Sparkasse zu Francorp im Altenlande. Am Schlusse des Jahres 1850 zählte diese junge Anstalt,deren Verhältnisse noch der endlichen Regelung entgegenstanden, bereits 35 Einleger mit einem vorläufig an die benachbarte Harbuger Sparkasse ausgethanen Capitalbestände von 398 rt. - ggr 11 pf. Im Allgemeinen findet das Sparkassen-Institut weit mehr Theilnahme auf der Geest als in der Marsch. Die Sparkasse zu Rothenburg allein, deren Geschäftsbezirk sich über eine dünnbesiedelte Haidegegend erstreckt, hat mehr als ein Dritttheil des gesammten Capitalbestandes aller Sparkassen des Landdrosteibezirks aufzuweisen. In den Elbmarschen herrscht wenig Sinn für diese, im Interesse der besitzlosen Klassen doch so wohltätig wirkenden Institute, wie schon daraus hervorgeht, daß sie für das Kehdingen-Bützflethsche projectirte Casse bisher nicht zu Stande kommen konnte, während auch die beiden in der Elbmarsch schon bestehenden Kassen (abgesehen von der Stader und Buxtehuder Kasse) zu Freiburg und Borstel nur eines geringen Geschäftsbetriebes sich erfreuen. Bedeutend mehr Theilnahme findet die für das Land Hadeln bestehende Sparkasse, für welche die hadelnschen Stände die Garantie übernommen haben.