Altenhagen Hofakten

Aus LernWerkstatt Geschichte
Wechseln zu: Navigation, Suche

Inhaltsverzeichnis

Hofakten Altenhagen Nr. 12

Erläuterung

Die folgenden Akten stellen entweder komplette Abschriften oder Exzerpte von Akten dar. Die Signatur dieser Akten lautet: Niedersächsisches Staatsarchiv Bückeburg K 2 B 1675. D.h., es handelt sich um eine Akte des Staatsarchivs Bückeburg aus dem Behördenbestand der Rentkammer. Die Rentkammer war eine Behörde, die den Grundbesitz des Landesherrn verwaltete, wozu insbesondere die vom Landesherrn abhängigen Bauernhöfe gehörten. Weiteres siehe oben zu Schaumburg-Lippe.

Die Tatsache, dass es sich bei der benutzten Akten um eine solche der Rentkammer handelt und zwar nur einer Akte, bedeutet, dass damit nicht die gesamte, den Hof betreffende Überlieferung wiedergegeben ist. Andererseits fassen die Hofakten der Rentkammer sehr unterschiedliche Vorgänge zusammen, und geben damit ein recht differenziertes Bild bäuerlichen Lebens in der Spätphase des Feudalismus wieder.

Eine Bemerkung zur Auswahl des Hofes: Sie ist, in gewisser Hinsicht zufällig. Die Entscheidung für diesen Hof entstand auf der Durchsicht der Hofakten für die beiden Orte Hagenburg (Flecken) und Altenhagen (Dorf). Unter diesen Akten bieten die des Hofes Nr. 12 ein besonders umfassendes Bild. Dass die Akten nur aus dem 19. Jahrhundert stammen, ist kein Zufall. Zwar gibt es auch Hofakten aus dem 18. Jahrhundert, aber sie sind weniger umfangreich und detailliert. Über das Äusserungsverfahren, welches auch in diesem Zusammenhang eine wichtige Rolle spielte, siehe den vorhergehenden Abschnitt.

Neben dem Äusserungsverfahren, und zum Teil im Zusammenhang damit, werden auch andere wichtige Aspekte ländlichen Lebens behandelt wie die Alterssicherung (Leibzuchtsvertrag), die Beziehung zwischen den Generationen, die Einkommensverhältnisse oder die Lebensverhältnisse der weichenden Erben.


1805, Oktober 14., Rechnung für Diedrich Suffrian

„Rechnung für Diedrich Sufferjan in Altenhagen an den Juden Jonas Moses hier Selbst.


Monath und Dato
Rtlr.
Mgr.
d.
1802
Habe bar Geld Geliehen
20
Mertz 1804
Eine WildLederne Hosse
3
18
Juli dem 12t.
Baar Geld
5
18
Den 26t.
Bar Geld
5
18
Januar 1805 den 2t.
12 Himpen Rocken a 1 Rtlr. 21 Gr.
19
Den 14. Mertz
Für eine Kuh 8 Rtlr. Gold
8
18
Den 28t. April
9 Himpen Rocken a 1 Rtlr. 21 Mgr. in Gold ago 1 Rtlr. 4 d.
15
13
4
Den 28t. September
Baro 3 Stück Ludor
16
9
Den 2t. Octbr.
Baro 1 Stück Ludor
5
15
Suma
102
19
4

Altenhagen d. 14.t. Octobr. 1805 Jonas Moses.

Ich bescheinige hier mit das ich vorstehende Rechnung Wircklich Schuldig bin an Jonas Moses, und verspreche die Suma auf Ostern 1806 Richtig zu Bezahlen Ohne die Geringste ein wendung dagegen zu machen und die Gehörige zinzen darauf zu Geben solches Bescheinige mit mein nahmens unter Schrift

Altenhagen d 14ten October 1805

weil … in Schreiben bin So habe anstat mein nahmen dise Drey Kreitze gemacht +++“

1806, November 20., Amtsbericht

„Auf die, durch das gnädigste Kammer Reskript vom 7/15. d. Ms. uns bekannt gemachte Einwilligung in das Anleihe-Gesuch des Suffrian Nr. 12 zu Altenhagen haben wir die Schuldverschreibung angefertigt …

Zugleich berichten wir, dass dem Supplikanten bedeutet worden, sich ferneren Schuldenwirkung zu enthalten, indem er künftig Communalconsens nicht zu hoffen habe. Schliesslich führen wir noch an, dass es mit den in diesen Jahren vom Einlieger, welcher sich Schwaake und nicht wie im gnädigsten Reskript steht, Huckemeyer nennt, hergeliehenen 100 Rtlr. folgende Bewandniss habe.

Als nach geendigten neuen Hausbau vor ungefehr neun Jahren der Colon Suffrian noch Bauholz übrig behalten, so hat der Einlieger Koch demselben zugeredet, ein kleines Nebengebäude aufzurichten, so er den Namen Leibzuchtshaus giebt. (Vorhin ist aber die Leibzuchtswohnung mit im grossen Haus gewesen) und hat vorgenannten Inquili bei fehlenden eigenen Mitteln des Suffrian dafür 100 Rtlr. ihm hergeliehen wofür er statt der Zinsen die Wohnung in dem erbauten Häuschen geniessen.

Als aber der Einlieger Schwaake der vor 10 Jahren von Poggenhagen hierzu gezogen, seine Wohnung im Frühjahr verändern müssen, und sich gegen den Suffrian erboten, dass er für den Aufenthalt in bemeldeten Haus nicht allein von 100 Rtlr. keine Zinsen haben, sondern auch alljährlich vom Capital sich etwas abrechnen lassen wollte, so hat er diesen zu seinem Mittelsmann angenommen, und den Koch, welchem von Schwaaken darauf die 100 Rtlr. zurückgezahlt sind, ausziehen lassen.“

1807, Dezember 2., Eingabe Johann Diederich Suffrian an den Fürsten

Ohne Vermerk eines Advokaten oder Schreibers, Unterschrift mit Text identisch, alle Formalitäten eingehalten. Nicht mit aufgenommen die anliegende Aufstellung der Schulden.

„Durchlauchtigster Fürst!

Gnädigst regierender Fürst und Landesherr!


Bekanntlich habe ich leider bei meiner Verheirathung und Annahme der Güter auch viele vorgefundene beträchtliche Schulden mit annehmen müssen, in welche grösstenteils schon meine Aeltern wegen verschiedener unverschuldeter harten Schicksale durch Feuersnoth, Erbauung neuer Häuser pp. versetzt worden waren.

Aus anliegender Specification in duplo ist also zu ersehen,

dass ich Hypotheken-Schulden habe:566 rtl.

Aussergerichtliche Schulden573 rtl.

Und dass ich von meinem erhaltenen Brautschatze der 300 rtl. wovon ich jedoch aus der Stätte meiner Frau 50 rtl. in terminlicher Zahlung noch jährlich 10 rtl. bekomme, schon an Ausgaben gehabt104 rtl. 18 Gr.

Wegen dieser beträchtlichen Schulden zwingt mich daher die grosse Noth, zumal alle die Creditores meiner aussergerichtlichen Schulden auf ein mal ihre Befriedigung verlangen, wodurch aber meine so starck verschuldeten Güter völlig ruinirt würden, indem mir die jährliche Abtragung vieler Zinsen, der herrschaftlichen Gefälle ad. 22 Rtlr. und der ordinären Mondgelder ad 4 Rtlr. schon viele Mühe, Last und Sorgen verursachen, dass ich meine unterthänigste Zuflucht zur Gnade Fürstlicher Rentkammer nehmen und den Wunsch äussern muss, dass eine Eintheilung meiner Brautschatzgelder und einstweilige Abbezahlung eines Theils der aussergerichtlichen Schulden an jeden dieser Creditores, sodann die Zahlung des Rückstandes ohne Zinsen auf dazu bestimmte leidliche jährliche Termine in kleinen Beträgen vom Fürstlichen Amt Hagenburg verfügt, gnädigst bewilligt werden möge. – Da ich ausserdem jung und gesund bin, auch eine arbeitsame Frau bekommen habe, so hoffe ich durch Fleiss und vernünftige, haushälterische Sparsamkeit, wenn Gott meinen Fleiss segnet, nach und nach aus meiner Last zu kommen, und wünsche daher, dass meine Güter nicht in Äusserung gesetzt würden. – Auch ist es sehr hart, dass der hiesige Schutzjude Jonas für sein geliehenes Geld sehr schwere Zinsen, schon seit 2 Jahren jedes Jahr ein Malter Roggen genommen,welches meine Eltern nachher zu 14 Rtlr. wieder kaufen müssen. – Zugleich muss ich unterthänigst bitten, weil die hiesige Wittwe Rövern gezwungener Weise meinen Vater dazu angetrieben, dass derselbe kurz vor meiner Güterannahme, ohne zuvor Rechnung zu übergeben, deren Schuldforderung ins Amt-Hypothekenbuch einschreiben lassen müssen, dass dieselbe mir zwar eine specificirte, richtige Rechnung, desgleichen auch der hiesige Schutzjude Jonas eine ähnliche produciren muss, ehe ich deren Forderungen als rechtmässig anerkennen kann. Sogar habe ich auch laut des Versprechens meiner Eltern dem Schutzjuden Monas in Hagenburg 3 Malter Roggen geben, und mich leider selbst an Brodkorn entblössen müssen, weil derselbe in vergangenem Jahre meinem Vater das Geld zu den herrschaftlichen Gefällen leihen musste. – Alle diese hier gemeldeten drückenden Schulden sezzen mich mithin ausser Stand, dass ich meine aussergerichtlichen Schulden ohne gänzlichen Ruin der Güter nicht auf ein mal nach dem Verlangen meiner Creditores bezahlen kann, indem ich bei der grossen Schuldenlast, jährlichen Bezahlung der Zinsen, meiner gnädigsten Landesherrschaft meine Landesherrschaft meine Praestanden und Dienstpflichten sonst nicht leisten zu leisten vermag; wozu noch die jährlichen beträchtlichen Ausgaben für den Contingents-Soldaten Fraek kommen, da auch mich das Loos zum Soldaten zu meiner Lastvermehrung getroffen hat, aber zur Bewahrung und Bearbeitung meiner Güter ich selbst nicht in Dienst treten konnte. In dieser meiner nach der Wahrheit treu geschilderten Lage meines traurigen – aber unverschuldeten – Zustandes flehe ich daher die grosse Gnade Ew. Fürstlichen Durchlauchten unterthänigst mit der nothgedrungenen Bitte an:

gnädigst zu bewilligen, dass vom Fürstlichen Amt Hagenburg mit dem Eingebrachten meiner Frau die Creditores meiner aussergerichtlichen Schulden vorerst in gleichmässiger verhältnismässiger Vertheilung, und sodann das rückständige jährlich ohne Zinsenberichtigung in leidlichen terminen allmählig mit kleinen Abträgen ihre Bezahlung erhalten mögen.

Die gnädigste Hinsicht auf meine traurige Lage lässt mich die gnädigste Erhörung meines unterthänigsten Gesuchs hoffen.

Der ich in tiefster Submission ersterbe

Ew. Fürstlichen Durchlauchten


Altenhagenunterthänigster Knecht

den 2ten DezemberJohann Diederich Suffrian

1807in Nr. 12“

1808, Februar 4., Amtsprotolkoll

„Geschehen Hagenburg, am Amt 4. ? 1808

Der Schutzjude Jonas Moses aus Altenhagen übergab Rechnung zu in Summa 132 rtl. 6 gr. gegen den Colon Suffrian auf Nr. 12 daselbst und bitte den Schuldner zu Bezahlung dieser Schulden unter Erstattung der Kosten anhalten zu lassen. Beklagter Suffrian nebst seinen Vater Leibzüchter Suffrian auf Vorladung erschienen, gestanden die Rechnung als richtig an, und gaben an, dass die baar geliehenen Gelder theils zu Anschaffung steinerner Krippen und Entrichtung herrschaftlicher Gefälle verwandt seyen. Weil der Colon aber sehr viele unconsentirte Schulden von seinem Vater ererbt, so könne er diese successive in 6 Jahren erborgte Gelder nicht auf einmal bezahlen und habe deshalb schon bey Fürstlicher Rentkammer zu Conservation seiner Stätte deshalb gebeten, dass erlaubt werden möge einen jährlichen Termin an das Amt zu liefern, damit pro rate die unconsentirten Forderungen berichtigt würden. Er offerire sich jedoch, jährlich dem Kläger auf 10 Rtlr. zu bezahlen auch die von ihm selbst geliehenen 20 Rtlr. 33 Gr. unter den nächsten 14 Tagen wieder abzutragen. Kläger replicirte, dass er auf eine solche geringe Terminzahlung sich nicht einlassen könne und verlange, dass den Schuldnern davon abtrage wie folgt: In diesem Jahr die 1802 geliehenen 20 Rtlr. nebst denen, 20 Rtlr. 33 Gr. welche Beklagter sich erbothen, unter 14 Tagen zu berichtigen. 1809 soll er die im Jahre erhaltenen 15 Rtlr., 1810 aber die im Jahre 1805 geliehenen 61 Rtlr. 19 Gr. 6 Pf. Bezahlen, auch sogleich die übrigen 8 Rtlr. 25 gr. 4 Pf. Entrichten, überdem aber verlange er Rechtmässige Zinsen auf die jedesmahl stehengebliebenen Schulden bis zur Auszahlung.

Beklager beharrte bey seinem vorherigen Erbieten mit dem Anführen dass er ein Nachweis nicht wie jährlich gebothen abzutragen im Stande sey.“


1808, Mai 16., Amtsbericht

„Der jetzige Colon Suffrian Nr. 12 in Altenhagen, den im vorigen Jahre das Loos zum Contingentssoldaten unter den hiesigen Fürstlichen Truppen bestimmte, suchte damals eine Heirath zu treffen und durch diese Geld zu erlangen, um dem Militärdienst durch Stellung eines Andern in seinen Platz sich entziehen zu können. Er fand auch diese Gelegenheit und ehelichte die Catherine Auhagen von Nr. 30 in Winzlar, womit er einen Brautschatz von ungefähr 200 Rtlr. erhielt, wovon jedoch noch ein hundert Thaler rückständig sind. Fünfzig davon hat die Suffriansche Ehefrau bereits zu Winzlar gekündigt, 50 Rtlr. aber werden in jährlichen Terminen zu 10 Rtlr. aus ihrer elterlichen Stätte bezahlt, daher nur erst in vier Jahren dieser Posten ganz abgetilget sein wird. Ueberdem aber wurden des Supplikanten Ehefrau noch einhundert Thaler vor einigen Jahren durch ihren ersten Stupratorem, den Colon Dettmer Nr. 6 zu Wiedenbrügge vergleichmässig pro hustentatione et alimentations des mit ihm erzielten Kindes ausgezahlt und sind Amtswegen an den Tiesten Nr. 54 dahier ausgeliehen worden, welche der Suffrian gleichfalls beziehen und zum Abtrag seiner consentirten Schulden verwenden könnte, wenn er dagegen die Unterhaltung des jetzt dreijährigen Dettmerschen Kindes bis zum zurückgelegten 14ten Lebensjahre desselben in bündiger Form übernehmen wird, wozu er geneigt ist.

Auf diese Weise könnte sich sein Passivstand unter einem halben Jahre um 150 Rtlr. unter gerichtlicher Einwilligung angeliehener Capitalien, wohin auch das Geld, welches der … Soldat Fraek gut hat, zu rechnen, verringern. Wegen der unconsentirten Schulden, so richtig angegeben sind, möchte ihm nachzulassen, solche in zu Martini jeden Jahres abzutragenden Termine von 20 bis 25 Rtlr. allmalig abzutilgen, weil er nicht im Stande ist, auf einmal diese Schuld zu bezahlen, denn er hat gar zu viele passiva von seinem Vater geerbt. Wegen den Betrag derselben, wie auch Zubehörungen und abgaben des Suffrianschen Colonats beziehen wir uns auf unsern unterm 24. November und 21. Dezember 1806 unterthänigst … erstatteten Bericht. …“

1808, Juni 22., Rentkammer an Amt Hagenburg

„Wir eröffnen Euch hierdurch, auf Euren Bericht vom 16. v. Ms., die Stätte Nr. 12 in Altenhagen betr., dass das Gesuch des Colons Suffrian, ihn zu Bezahlung seiner Schulden Termine zu setzen nicht statt finde, und tragen Euch vielmehr auf, dessen sich gegen ihn meldende Gläubiger nach dem gesetzlichen Wege zu ihrer Befriedigung zu verhelfen.“

1809, Juli 5., Eingabe Jonas Moses

Aufstellung der Schulden von Suffrian:

  1. Krüger Huckemeier, Düdinghausen250 Rtlr.
  2. Schmidt Rust in Hagenburg90
  3. Witwe Röver in Altenhagen60
  4. Witwe Schulzen daselbst60
  5. Sophie Teigeler daselbst35
  6. Bilitz zu Hülshagen60
  7. Einlieger Hans Zürgen aus Suffrians Hofca. 100
  8. Moses selbst132 Rtlr. 6 Gr.
  9. Sostmann Moses40

Summe827 Rtlr. 6 Gr.

„Zinsen und andere mir nicht bekannte Schuldforderungen ungerechnet. Überdem hat er einen Stellvertreter zum Soldatenstand für sich engagiert, welchem er den bei weitem grössten Theil der versprochenen Belohnung noch schuldig ist. Ich und andere mehrere Gläubiger seufzen nach Befriedigung, welche aber so gut als ad Calendas Graecas aufgeschoben ist, wenn die von Fürstl. Amte Hagenburg vorläufig eröffnete Meinung, dass der Suffrian auf jährliche Termine – welchem einem Einwohner in Pollhagen, der einen besseren Hof hätte, zu jährlichen zehn Rtlr. bestimmt wären – gesetzt würde, realisirt würde.

Die Gläubiger, welche eben von mir benannt sind, haben mit Ausschluss des sub. lit. G (oben Nr. 7) bemeldeten, mich beauftragt, bey Ew. Durchlaucht ihre baldmöglichste Befriedigung auszuwörken. Ich weiss mich wohl zu bescheiden, dass Fürstl. Amt Hagenburg nicht ermächtiget sey, der Justiz auf solche Art, wie es bey Bürgern gebräuchlich ist, den unbehinderten Lauf zu lassen, sondern die dahin einschlagenden Proceduren von der Entschliessung der Fürstl. Rentkammer abhangen. Die Gläubiger dürfen eine unzeitige Milde für den Colon Suffrian bey Fürstl. Rentkammer um so weniger befürchten, da derselbe einestheils das Colonat sehr voreilig, jetzt ohngefähr 24 Jahr alt, übernommen hat, zu einer Zeit, da dessen jetzt höchst 50jähriger Vater, welcher noch ganz kleine Kinder hat, demselben noch gut vorstehen konnte, anderntheils als ein gelernter Leineweber den Ackerbau gar nicht versteht und überdem das Colonat durch die Heirath eines Mädchens aus Winzlar, welche ihm zwey fremde uneheliche Kinder zubrachte, belästigt hat.

Dass nun unter diesen angeführten Umständen der Suffrian auch kleine Terminszahlungen nicht einmal werde bewerkstelligen können, ist leicht zu ermessen. Durchgreifende Massregeln werden also um so nothwendiger seyn, da selbste eine Elocation des Colonats nach Abzug der herrschaftlichen Prästanden und einer doppelten Leibzucht für den Colon, dessen Familie und Eltern die Befriedigung der Gläubiger auf sehr entfernte Zeit hinausschieben würde.

An Ew. Durchlaucht daher die unterthänigste Bitte

um eine gnädigste Resolution, dass die Justiz gegen den Colon Suffrian Nr. 12 in Altenhagen ihren ungehinderten Lauf erhalten, folglich dessen Colonat judicati exequendi causa (als welches für eine Abmeierung nicht zu halten) öffentlich verkauft und die Creditoren in rechtlicher Ordnung aus den für den Hof und den gleichfalls zu verauctionierenden Feldfrüchten aufkommenden Geldern befriedigt werden sollen.

Huldreichts Höchstrechtsgeneigter Erhörung getröstet sich

Ew. durchlaucht


unterthänigster
Schutzjude Jonas Moses
in Hagenburg für sich
und in Auftrag der
aussenbenannten Suffrianschen
Gläubiger.“


1809, Juli 31., Amtsprotokoll

Leibzüchter Suffrian und Colon Suffrian von Altenhagen 12 werden gefragt, welche Schulden auf dem Hof lasten, Angabe, dass ausser den von Schutzjuden Jonas genannten noch 50 Rtlr. Schulden an die Lindhorster, und 35 Rtlr. Schulden an die Hagenburger Kirche bestehen, „welche 1773 von des Leibzüchters Vater angeliehen wurden“.

Schulden wurden zu folgenden Zwecken verwandt:


Rtlr./Gr./Pf.
a) Das Kapital an Krüger Huckemeyer zu

und dem Schmidt Rust dahier wegen Arbeitslohn und zum Hausbau vorgeschossenen Gelder zu befriedigen

25,-,-
b) An Schmidt Rust dahier

seyen hinterstellige Zinsen und Schmiedelohn

90,-,-
c) An Witwe Rövern 60,-,-
d) - Witwe Schulzen

Diese Posten wären zu Anschaffung eines Pferdes und zum Bau geliehen

60,-,-
e) Sophie Teigelers

sey vom verstorbenen Suffrian geerbte Schuld

35,-,-
f) Bylitz zu Hülshagen

wäre zu den Zeiten des Hausbaues successive des Arbeitslohns hergeschossen

60,-,-
g) An Einlieger Schwake

sey verwendet um eine altgeerbte Schuld abzutragen und wäre nur der Creditor verändert

100,-,-
h) An Schutzjuden Jonas Moses

wären zu steinernen Krippen und zu Saatkorn auch zu Bezahlung herrschaftlicher Gefälle successive geliegen worden

132,6,-
i) Schutzjuden Sostmann Moses

sey zu Korn und nöthiger Waare verwendet.

40,-,-
Summa
827,6,-

Sonst keine weiteren Schulden


1809, August 4., Verkaufsprotokoll

Es kauften


Rtlr.,Gr.,Pf.
a) Vieh und Ackergeräte
1) 1 schwarzer Wallach, 23 J. Rust, Hagenburg 8 9,21,-
2) 1 schwarze Stute, 12 J. Ziegelmeister Daake, Hohenholz 33,3,-
3) 1 Pferdegeschirr Tiele, Steinhude 87 6,-,-
4) Dergl. Rust, Hagenburg 8 25,-,-
5) 2 Halstragen Kuckuck, Altenhagen 32 15,-,-
6) 2 Zäume Conrad Scheele, Altenhagen 6,-,-
7) 1 Koppelring, 1 Kamm Sostmann Moses 9,-,-
8) 1 alt. Pferdegeschirr nebst Theer-Eimer Tischler Rust, Hagenburg 9,-,-
9) 1 Hinterschwengel Döpke, Grossen Heidorn 33 13,-,-
10) Desgl. Schweer, Steinhude 80 8,-,-
11) 1 Pflug Ders. 1,4,-
12) 1 Pfluggestell Ders. 1,4,-
13) 1 Pflug-Stür und –Kette Ders. -,16,-
14) 1 eiserne Egge Falcke, Hagenburg 55 1,1,-
15) 1 Vordergestell Falcke, Hagenburg 53 5,30,-
16) 1 Hinterwagengestell Schade, Bergkirchen 11 5,9,-
17) 1 Wendeschemel Kick, Hagenburg 16 -,7,-
18) 2 Flochten, 1 Brett Rust, Hagenburg 8 -,32-
19) 2 Ernte-Leitern und Brett Tiele, Steinhude 87 -,27,-
20) 1 Paar Fuhrleitern Tiele, Steinhude 35 -,6,-
21) 2 Wagen-Kerke, 1 Langwagen Tiele, Steinhude 87 -,9,-
22) 3 St. eiserne Nagel zum Wagen Schade, Bergkirchen 11 -,7,-
23) 1 jähriges Schwein Sieckmann, Steinhude 8,16,-
24) 2 jähriges Rind Tiele, Steinhude, 39 8,18,-
25) ¼ jähriges Kalb Kantor Klostermann, Steinhude 4,-,-
b) Feldfrüchte
2 Morgen Roggen Döpke, Grossen Heidorn 30 27,12,-
1 Morgen Hafer Brands, Wölpinghausen 2 21,6,-
1 Morgen Roggen Rackelbusch, Hagenburg 69 12,-,-
1 Morgen Hafer Türnau, Wölpinghausen 19 9,12,-
1 Morgen Hafer Bothe, Hagenburg 79 13,15,-
1 ½ Morgen Bohnen Scheele, Altenhagen 16 13,3,-
1 ½ Roggen Stege, Altenhagen 13 19,-,-
1 ½ Roggen Scheele, Altenhagen 16 19,-,-
1 Morgen Bohnen Scheele, Altenhagen 16 9,3,-
2 Morgen Roggen Scheele, Altenhagen 16 28,15,-
Summe 260,22,-

1809, August 15., Amtsbericht

„Durch ein gnädigstes Resrcript Fürstlicher Rentkammer vom 11/17. vorigen Monaths, mit welchem uns zugleich eine Vorstellung der Suffrianschen Gläubiger um Verkauf dessen Stätte mitgetheilt worden, sind wir angewiesen, die Supplikanten unverzüglich auf gesetzlichen Wege zu ihrer Befriedigung zu verhelfen, indem eine Terminzahlung dem vorgenannten Colon Suffrian Nr. 12 nicht zu bewilligen stehe.

Diesem zu folge haben wir bereits den Verkauf von dessen Allodial Vermögen als der Feldfrüchte, des Viehes und Ackergeräthes verfügt, und den Termin dieser öffentlichen Subhastation am Freitag den 14ten August … abgehalten, sehen aber voraus, dass mit den aufkommenden Kaufgeldern, welche 260 rt. 22 mgr. betragen die Schulden desselben nicht alle getilget werden können, es wird vielmehr die Elocation der Stätte oder deren Verkauf nothwendig werden; denn der Vorschlag des Schuldners eine Wiese im Westphälischen an der Aue belegen zu versetzen oder mit Communal Consens zu verkaufen, würde, weil bey diesem Halbmeyerhof ohnehin nur so wenig Ländery gehört, nicht rathsahm seyn.

Die Anwendung einer Eusserung dürfte zwar nur langsam und spärlich die Creditoren zu ihrer Befriedigung verhelfen, …

Es giebt im Amte Stadthagen Höfe, die seit undenklichen Zeiten schon in der Aeusserung stehen, wovon beyspielsweise wir nur den des Haarkopf Nr. 5 zu Habichhorst anführen dürfen, wovon einige Creditoren noch vor wenigen Jahren gar nicht in die Hebung kommen konnten, weil die Reihe nicht an sie war.

Da die Verordnungen, dass keine Gelder ohne Kammer- und Amtskonsens denen Colonen vorgeliehen werden sollen bekannt sind und als bekannt angenommen werden muss, weil deren Ignoranz nicht schützet, so geschiehet denen die ohne Consens (häufig aus Prellerei) Gelder herschiessen oder Waaren an Landleute verbergen, schon Recht, wenn sie auf ihre Forderungen Abbezahlungen warten müssen.

Überdem hat der zeitige Colon die vorhandenen Schulden sämtlich bey Annahme der Stätte vorgefunden, ist mithin nicht durch Verschwendung und Faulheit herunter gekommen und dürfte daher nach der Verordnung vom 22ten October 1772 auf eine Leibzucht, die aber über 2 Morgen nicht zu bestimmen wäre, sich Hoffnung machen. Dass auch dessen Vater nicht nothwendig den grossen Passiv-Stand veanlasst hat, ist bereits bey Gelegenheit Suffrianschen Anleihe-Gesuche unterm 21. October und 20ten November 1806 unterthänigst berichtet worden, nämmlich dass Brandschaden und der dadurch nothwendig gewordene Bau eines Wohnhauses auch Neben-Gebäudes, Viehsterben und ein geerbtes beträchtliches negatives Vermögen Schuld am Verfalle dieser Stätte sind.

Das damahls abgebrannte Haus ist nur zu 400 Rtlr. in der Brandkasse versichert gewesen, das neue aber stehet zu 800 Rtlr. darin assecurirt, so dass allein dadurch 400 Rtlr. an Baukosten eingebüsst worden sind. Der jetzige Leibzüchter hat ohne Vieh und Geräthe den Hof angenommen und während seiner Administrationszeit mehr dann für 200 rt. Schaden durch Viehsterben gelitten, so dass schon in den 80ger Jahren des vorigen Jahrhunderts die Stätte hat elocirt werden sollen.

Weil jedoch der alte Suffrian bey sehr pflegmatischen Temperamente nicht fortstrebend und um sich aus der Schuldenlast zu winden thätig genug sich zeigte so konnte man amtswegen nicht dawider haben, dass dessen Sohn den zeitigen Colon die Güther antrat, welcher über dem eine solche Furcht und Abneigung für den Soldatenstand bezeugte, dass er desertirt seyn würde, wenn er nicht Gelegenheit gefunden, zu heirathen und dadurch einen Stellvertreter beim Militair zu erhalten.

Dessen Heirath ist auch nicht so unvortheilhaft, als die Suffrianschen Creditoren sie schildern wollen, denn er hat eine arbeitsame fleissige Frau mit 200 rt. Brautschatz erhalten und deren uneheliche Kinder sind ihm gar nicht zur Last, weil er ein beträchtliches Kostgeld von deren Stupratoren dabey gegeben wird, …

Ob aber die Elocation auf 6 oder 12 Jahre zu verfügen, oder der Verkauf der Stätte statt haben soll, müssen wir lediglich zum Ermessen und Bestimmung Fürstlicher Rentkammer verstellen.“


1809, August 17., Suffrian an den Fürsten zu Schaumburg-Lippe

Ausfertigung: Redeker, Stadthagen

„Durchlauchtigster Fürst!

Gnädigst regierender Fürst und Herr!


Als ich vor zwei Jahren den väterlichen Halbmeierhof Nr. 12 zu Altenhagen abgetreten erhielt, war derselbe mit einer Schuldenlast von circa 1000 Thaler, worunter 500 Thaler unconsentirte Schulden waren, behaftet.

Es war ein kühnes Wagestück von mir, dass ich bei so bewandten Umständen die Bewirthschaftung der Stätte übernahm; allein meine grosse Anhänglichkeit an den väterlichen Herd und die Besorgniss, dass die Güter bei meinem Vater immer noch mehr herunter kommen möchten, liessen mich auf dieselben heirathen.

Jetzt, wo ich mich kaum ordentlich eingerichtet und auch schon angefangen habe, von den Schulden abzutragen, werde ich durch den Zusammenlauf meiner gläubiger, die durch den Juden Jonas von Hagenburg in Allarm gebracht sind, mit der Nachricht, dass meine Güter zur Befriedigung derselben verkauft werden sollen, erschreckt.

Eure Durchlaucht werden mich nebst Frau und Kinder gewiss nicht auf solche Art ohne Not unglücklich machen wollen. Ich habe ja die Schulden nicht gemacht, bin also unschuldig. Sodann kann durch Ergreifung der Aeusserung auf jeden Fall dem Hof geholfen werden. Meine Feldfrüchte stehen gut, und habe ich bereits für 300 Thaler davon zur Befriedigung der gläubiger verkauffen lassen. Hierzu kommen noch 200 Thaler rückständige Brautschatzgelder von meiner Frau her, so dass also von diesen 500 Thaler die Hälfte der ganzen Schulden schon bezahlt werden kann. Die übrigen, die noch dazu unkonsentirte Forderungen haben, werden warten müssen und zum Theil auch gern warten, bis ihre Befriedigung erhalten.

Es ergeht daher an Euch meine unterthänigste Bitte

die Elocation meiner Stätte zur Befriedigung meiner Creditoren gnädigst zu bewilligenund da es jetzt die höchste Zeit ist, dass die Veranstaltungen dazu getroffen werden,das Behusteye an das Amt Hagenburg schleunigst gnädigst zu erlassen.

Euer huldreichste Erhörung mich getröstend ersterbe ich in tiefster Devotion

Euer Durchlaucht

unterthänigster Knecht

Colon Suffrian Nr. 12 zu Altenhagen“


1809, August 22., Rentkammer über Äusserungsverfahren

„Auf Euren Bericht betreff Aeusserung oder Subhastation der Suffrianschen Stätte Nr. 12 in Altenhagen verhalten wir, dass besagte Stätte auf 2 Braakzeiten in die Aeusserung zu setzen ist. Die Debita consensuata habt Ihr auf die Aeusserungskasse anzuleihen und auf diese Weise die andringenden mit Consens versehenen Creditoren zu befriedigen. Mit den mit Consensen nicht versehenen Gläubigern habt Ihr einen für die Stätte möglichst vortheilhaften Accord abzuschliessen. Dem zeitigen Colon und künftigen Discusso sind zwey Morgen Saatland zur Competenz bewilligt u. habt Ihr sorgfältig darüber zu wachen, dass der derselbe nicht selbst oder andere für ihn von den zu elocirenden Ländereye einige Parcellen selbst erpachtet, welches auf keine Weise gestattet werden soll. Übrigens ist es uns sehr befremdend vorgekommen, wie Ihr Euch … wegen der Bezahlung unsoncentirter Schulden auf die Landesverordnungen vom 31ten Octob. 1730 u. 5t Febr. 1729 berufen könnt, welche längst durch die vom 8ten Nov. 1785 erlassenen diesen Gegenstand betreffende Verordnung aufgehoben worden sind …“

1809, September 9., Amtsprotokolle

„ …

Die Bedingungen, die denen in Menge erschienenen Pachtlustigen zuvor eröffnet wurden, sind folgende:

1) Die Verpachtung geschieht auf 12 Jahre von Michaeli 1809 bis dahin 1821.

2) Die Pacht wird jährlich zu Martini in grober Conventions-Münze an hiesige Amtsschreiberei bezahlet.

3) Das Land wird Zehntfrey verpachtet und das Zehntgeld aus der Rechnung bezahlet, sollten aber den letzten Pachtjahre der Zehnten in natura gezogen werden, so müssen Pächter sich solches gefallen lassen, wogegen ihnen das jetzige Zehntgeld gutgetan wird, das Land wird nach 12 Jahren in selbiger Gaile worin es Pächter erhalten, wieder abgeliefert worauf der Colon Suffrian achten muss.

4) Remission findet nicht statt, und müssen Pächter allen Schaden an Hagelschlag, Mäusefrass pp. übernehmen.

5) Hecken und Zäune welche sich bey der Colonie befinden, benutztet Colon, wogegen dieser dieselben in gutem Stande erhalten muss.

Es pachteten hierauf


Rtlr.
Gr.
1) 2 Morgen von dem Hofe in 2ter Geile Schmidt Schaer Ha. 75
9
12
2) 2 Morgen ebendaselbst soor Eidtmann, Hagenburg
10
3) 2 Morgen in Auhagen Wege soor Scheele Nr. 14
11
3
4) 2 Morgen daneben in 2. Geile Danckenbrinck Hagenburg 26
12
3
5) 2 ½ Morgen daneben bis an den Wunstorfer Wege kommt in die 3te Geile Sostmann Moses Hagenburg
15
3
6) 1 Morgen überm Wunstorfer Wege, kommt in 3. Geile Hartmann, Hagenburg 39
6
27
7) 1 Morgen ebendaselbst, gleichfalls 3. Geile Einlieger Wulf Hagenburg
6
12
8) 1 Morgen Wiese Tieste, Altenhagen 33
5
3
9) Eine Wiese hinterm Hause,ecl. Das Leibzuchtshtheils und der Competenz des Colons welche letztere ohngefehr ½ Morgen hält. Rüter, Altenhagen 30
13
12
Summa
89
3

1809, September 23., , Amtsprotokoll

„In den auf heute anberaunten und vorher öffentlich sowohl in den Landesanzeigen als auch dem Amte und dem benachbarten Auslande laut den documentirten Anlagen bekannt gemachten Liquidations-Termine erschien der Gemeinschuldner Colon Suffrian Nr. 12 aus Altenhagen und sind in dessen Gegenwart nachstehende Forderungen angezeigt worden.


I) Unconenstirte Schulden
1) Lindhorster Kirche laut Verschreibung vom 2ten Januar 1773 in Münze 50 rt.
2) Krüger Huckemeyer in Düdinghausen laut Verschreibung vom 11ten Jänner 1798 und 24ten November 1808, confimirta Camera 9. December an. ejusd. demselbe Zinsen von Michaeli vorigen Jahrs 250 rt.
3) Einlieger Schwake in Altenhagen vermöge Schuldbriefe vom 24. May 1806 in Gold 100 rt.
4) Witwe Rövern Nr. 40 allda laut Amts-Creditschein vom 1. Merz 1807 60 rt.
5) Witwe Schulzen daselbst aus gerichtlich bestätigten Anleihe vom 10. October 1807 40 rt.
Zinse von zwey Jahren incl. schon darauf erhaltenen 2 Gulden 2 rt. 24 gr.
6) Christian Suffrian aus Altenhagen auf einen Creditschein vom 15. Februar 1781NB: Ist im Hypothekenbuch nicht eingetragen. 15 rt.
Zinsen vom vorigen bis diesen Michaeli 21 ½ Gr.
II) Kinderschuld
1) Einlieger Suffrian dahier an rückständigem Brautschatz 15 rt.
2) Dorothee Sophie Suffrians jetzt verehelichte Behrens zu Wunstorf ingleichen an solchen 20 rt.
III) Unconsentirte Schulden
1)
Witwe Rövern Nr. 40 in Altenhagen für Roggen de 1806 in Golde 5 rt.
2)
Witwe Schultzen daselbst geliehen Geld de 1803 16 rt.
3)
Sophie Teigeler allda auch eine Handschrift vom 18ten Juni 1807 in Gold 21 rt.
4)
Schuster Henning dahier laut Schuster-Rechnung 2 rt. 25 Gr.
5)
Schutzjude Sostmann hierselbst laut dem Schuldner übergebene Rechnung 51 rt. 4 ½ Gr.
6)
Schutzjude Jonas Moses hieselbst vermöge Judicals 112 rt.
item für neue Weste 34 Gr.
7)
Schmidt Rust allhier laut Übergabe aus Rechnung 90 rt.
8)
Schumacher Bode hieselbst für Schumacher Arbeit laut übergebener Rechnung 10 rt. 8 Gr.
9)
Einlieger Korthauer aus einer Handschrift vom 9ten Mai 1781 in Golde 20 rt.
10)
Dorothee Kuckuck in Altenhagen an … geliehenem Gelde 18 rt.
11)
Kramer Essmann zu Sachsenhagen für Waare laut Rechnung 6 rt. 27 Gr.
12)
Witwe Pielcker dahier für Waaren laut Rechnung 4 rt. 24 Gr.
13)
Colon Bylitz Nr. 43 aus Hülshagen fordert an geliehenem Gelde halb in wichtigem Gold welche zum Hausbau beim Brande geliehen 60 rt.
Summa
971 rt. 24 Gr.

1809, Dezember 19., Amtsprotokoll

„Da durch den Reskripts Fürstlicher Rentkammer vom 22. August d. J. dem hiesigen Amte aufgegeben worden, mit denen mit Consens nicht versehehen Gläubigern des Suffrian Nr. 12 in Altenhagen einen für die Stätte möglichst vortheilhaften Accord abzuschliessen, so ist dazu auf heute Termini angesetzet worden, in welchem Creditores inconsensuati erschienen, Amtswegen liess man es nicht an Zuwendung fehlen, in Berücksichtigung der schlechten Beschaffenheit des Suffrianschen Hofes Creditores zu remissorischen Verträgen zu disponiren und gaben selbige jeder für sich nachstehende Erklärung ab.

ad II) …

1) Will Einlieger Suffrian dahier und

2) die verehelichte Behrens zu Wunstorf einer jeder nach dem guthaben den Brautschatz 2 rt. 18 mg. schwinden lassen.

ad III) …

1) Wittwe Rövern

2) Wittwe Schulzen

3) Sophie Teigeler sämmtlich aus Altenhagen

4) Schuster Henning hierselbst

wollen 1/3 ihrer Forderungen schwinden lassen und sich mit 2/3 begnügen

5) Schutzjude Sostmann Moses alhier erlässt seine Forderung von 51 rt. 4 mgr. 4 d. zu 40 rt.

6) Schutzjude Jonas Moses dahier hält sich an den mit den Liquidatoren anto elocationem getroffenen Vergleich.

7) Schmidt Rust allhier will nichs von seiner Forderung nachlassen.

8) Schumacher Bode dahier remittirt davon 1 ½ rt.

9) Einlieger Korthauer erklärt sich wie der Schmidt Rust

10) Dorothee Kuckuck in Altenhagen erbiethet sich 1/3 schwinden zu lassen.

11) Kramer Essmann in Sachsenhagen verlangt den völligen Betrag seiner Rechnung.

12) Witwe Tielcker dahier lässt sich den Abzug von 1/3 ihrer Forderung gefallen.

13) Colon Bielitz Nr. 43 aus Hülshagen will 3 Pistolen nachgeben.

Comparenten waren zu einer weiteren Remission nicht zu bewegen und führten zugleich an, dass wenn sie nicht den Betrag ihrer Forderung aufs baldigste erhalten könnten, sie an der Erlass wozu sie sich erklärt, nicht gebunden sein wollten.

…“


1811, Oktober 25., Eingabe Jonas Moses und Schmiedemeister Rust, Hagenburg

Ausfertigung Capaun, Bückeburg

„Euer Durchlaucht geruhen aus der abschriftlichen Anlage A mit mehrerem zu ersehen, wie der Colon Suffrian Nr. 12 in Altenhagen durch einen von Fürstlichem Amt Hagenburg am 10ten Februar 1808 ertheilten Bescheid schuldig erkannt worden sey, mir eine ausgeklagte Schuldforderung von 132 Rtlr. 6 Mgr. in gewissen Terminen zu entrichten und wie ich mit meiner Zinsforderung aus der Ursache abgewiesen sey, weil meine Forderung unconsentirt ist. Die Termine waren auf die Jahre 1808, 1809 und 1810 ertheilt, sind aber von dem Suffrian, der nur einen ganz kleinen Theil seiner Schuld bezahlt hat, nicht eingehalten worden. Nun ist zwar der gedachte Suffrian in die Eusserung gesetzt, da aber derselbe

a) nicht nur eine gute Leibzucht von vier Morgen Saatland, eine grosse Wiese und einen Garten erhalten hat, sondern auch

b) sich von seiner Leineweber-Profession ernähren kann, übrigens aber

c) der Amtsschreiber Wedemeyer erklärt hat, dass aus den Colonats-Einkünften welche derselbe zu erheben hat, die unconsentirten gläubiger gar nichts erhalten können, es jedoch

d) äusserst unbillig seyn würde, wenn der Colon Suffrian mich mit meiner gerechten Forderung divexiren durfte zumahlen die Sistirung eines Stellvertreters eine Passivschuld von dreyhundert Reichsthaler auf die Colonie gewälzt hat, worunter die unconsentierten Gläubiger nicht leiden können, und endlich auch

e) die Landesherrliche Verordnung vom 8. November 1785 den unconsentirten Gläubigern eine nachdrückliche Justizadministration zugesichert hat, so halte ich mich nicht verbunden, mich wegen einer gerechten Forderung ad calendas graecas hinhalten zu lassen, und auf die mir rechtmässig gebührenden Zinsen zu verzichten, und bitte deshalb unterthänigst:

an das Fürstliche Amt Hagenburg zu rescribiren, dass die dem Colon Suffrian bewilligte Leibzucht zurück genommen und zu meiner Befriedigung in Ansehung des Capitals und Zinsen verwendet werden sollen.

Mit dieser Bitte des Jonas Moses vereinige ich, der Schmiedemeister Friedrich Rust in Hagenburg, die meinige wegen eines Capitals von neunzig Reichsthaler, so ich den Suffrian baar vorgeliehen habe, und der davon rückständigen Zinsen.

Wir beyde Supplikanten getrösten uns gnädigster Erhörung und beharren in tiefster Submission.

Eurer Durchlaucht
unterthänigste
Schutzjude Jonas Moses
und Schmiedemeister Friedrich Rust in Hagenburg.“


1811, November 11., Rentkammer an Amt Hagenburg

„Unter Mittheilung der angebenen Vorstellung des Jonas Moses und Schmidt Rust zu Hagenburg wird das Amt beauftragt, denselben zu eröffnen, dass ihre Zinsforderung auf ihre unconsentierten Forderungen unstatthaft sey, auch die Verordnung vom 8. Nov. 1785 hier keine Anwendung finde, und vielmehr selbst nach dieser Verordnung ihre unconsentirten Forderungen, als das Colontat und dessen Aufkünfte nicht afficirend (?), so wenig den Verkauf der Stätte als die jetzt verfügte Elocation derselben begründen könnten, und dass eben so wenig davon etwas während der Elocation nicht zu be? Abtragung die Endigung der Elocation der Stätte aufhalten könne.

Das Amt wird indess dafür sorgen, dass die Forderung des Juden Jonas Moses … abgetragen werde, übrigens aber wird das Amt auf das Rescript vom 11. 8br. a.p. … verwiesen.

…“

1821, Juni 1., Amtsbericht

„Der in der Eusserung sich befindende Colon Suffrian auf dem rubricirten Hofe ist nicht in den Umständen, dass er seine Güter wieder jetzt annehmen kann, zumal noch bedeutende Schulden darauf haften, sein Wunsch gehet also dahin, dass noch auf anderweite 6 Jahre seine Grundstücke wieder aufs Neue elociret würden.

…“

1821, Juni 7., Rentkammer an Amt Hagenburg

„Die vom Amte geschehene Wiederverpachtung der zu der obigen Stätte gehörigen Grundstücke auf anderweite 6 Jahre ist genehmigt, und es erfolgt das darüber eingesandte Protocolle angebogen bestätigt zurück.“

1821, Juni 12., Verpachtungsprotokoll

Ergänzung der Verpachtungsbestimmungen: „Einlieger und als schlechter Bezahler“ bekannte Personen können nur mit Bürgen pachten. Gepachtet hatten:


1) 1 Morgen vor dem Hofe in 2. Geile Schmidt Schaer Hagenburg 75 5,-3,-
2) 1 Morgen daselbst in derselben Geile Ders. 5,-6,-
3) 1 Morgen daselbst, ist soor Seehausen, Altenhagen 29 5,24,-
4) 1 Morgen daselbst, ebenfalls soor Ders. 5,24,-
5) 1 Morgen über der Wasserfurche am Auhager Wege, ist soor Neubauer, Bauermeister 5,3,-
6) 1 Morgen daselbst, ist soor Tegtmeyer, Hagenburg 76 5,9,-
7) 1 Morgen daneben in 2. Geile Korthauer, Hagenburg 27 6,3,-
8) 1 Morgen daselbst in ders. Geile Ders. 6,-,-
9) 2 ½ Morgen daneben bis an Wunstorfer Wege, kommt in 3. Geile Sostmann Moses, Hagenburg 15,3,-
10) 1 Morgen überm Wunstorfer Wege, kommt in 3. Geile Ders. 6,27,-
11) 1 Morgen ebendaselbst, kommt in 3. Geile Ders. 6,12,-
12) 1 Morgen hinterm Hause, besteht in 4 Abteilungen
1. Abt. Gernant 41 dahier 4,3,-
2. Abt. Seehausen 39 dahier 3,-3,-
3. Abt. Gernant 41 dahier 2,33,-
4. Abt. Scheele 4 hieselbst 3,6,-
13) 1 Morgen eine Wiese bey der Aue Thürnau 3 dahier 5,3,-
Summe 90,18,-

1824, Dezember 9., Eingabe Heinrich Röwer, Steinhude Nr. 15

Ausfertigung: Adv. Wippermann

„Meine Frau, die von der geäusserten Stätte Nr. 12 in Altenhagen gebürtig ist, sind 50 Rtlr. Brautschatz verschrieben, von welcher Summe ich indess erst 5 Rtlr. erhalten, obgleich ich schon vor mehreren Jahren geheirathet habe. Ich bin Drellweber, junger Anfänger und kann wenig beginnen, weil ich keinen Verlag habe. Um dessentwillen erklärte ich bereits beim Amte Hagenburg, dass ich von der mir noch zukommenden Brautschatz-Summe der 45 Rtlr. zehn Rtlr. schwinden lassen wolle, wenn ich nur den bleibenden Rest dieses Jahres auf einmal oder doch mindestens zur Hälfte und das folgende Jahr die andere Hälfte bekäme. …“

Nach Entscheid der Rentkammer vom 31.1.1825 erhält Röwer 30 Rtlr.

1827, März 12., Eingabe Suffrian Nr. 12 in Altenhagen an den Fürsten

Ausfertigung durch Schreiber (Namen nicht lesbar), Schreibvariante „Äusserung“ im Original.

„Die Äusserung meines Hofes wäre mit diesem Jahre zu Ende (die Wiesen sind schon jetzt pachtlos). Es sind aber noch etwa 400 rt. Schulden vorhanden und wünsche ich, dass der Hof noch auf 6 Jahre geäussert werde um meinen Kindern dereinst einen Schuldenfreyen Hof zu hinterlassen. Bisher habe ich 2 Morgen gehabt. Ich habe aber jetzt 3 Kinder und wünsche für die folgenden Jhre 4 Morgen zu behalten, so wie ¼ Morgen Wiesenwachs hinterm Hause. Als Leineweber kann ich denn schon meine Familie ernähren und die gewöhnlichen Lasten der Stätte tragen.

Ich bitte daher unterthänigst

gnädigst die Äusserung meines Hofes auf andere 6 Jahre zu verlängern, jedoch 4 Morgen Ackerland und den Wiesenwachs hinter meinem Hause mir zu belassen.“

Dazu Amtsbericht vom 24. März 1827 (Auszug):

Pachtzeit für den geäusserten Hof endet mit dem laufenden Jahr, Finanzen: consentierte Schulden 300, unconsentierte Schulden 100 Rtlr., zusätzlicher Aufwand für das Inventar: 150 Rtlr. = 550 Rtlr., deshalb soll der Hof noch einmal in die Äusserung.

Leibzucht: 1821 zur Leibzucht erhalten: 1) 2 Morgen Saatland, Garten hinter dem Haus „ausschliesslich des grossen Leibzuchtsteils und einen Wiesenfleck“. Für die damals noch lebenden Eltern 5 Morgen Saatland, 12 kleine Enden im Garten beim Hause, den 4. Teil des Heuwachses in der Wiese hinterm Hause. Bei Tod des Vaters 1825 Hälfte der Leibzucht meistbietend für 14 Rtlr. 15 Gr. verpachtet. Suffrian soll nur noch einen Morgen Saatland zugebilligt bekommen.

„Die vorerwähnte 1825 verpachteten Leibzuchts-Parcelen sind nun diejenigen, wovon der Supplicant in seiner Vorstellung angiebt, einige davon zu erhalten. In Anbetracht aber dessen, dass der Discussus Suffrian nur noch eine Tochter, welche schon confirmirt ist, bey sich am Tische hat, so möchte höchstens demselben noch 1 Morgen Saatland zuzubilligen sein, besonders da menschlichem Ansehen nach des Discusso Mutter noch lange die Leibzucht geniessen wird.

Wiesenwachs bedarf übrigens Supplicant nicht mehr, als er bisher genutzt hat.“

In diesem Sinn entscheidet auch die Rentkammer am 2.4.1827.

1827, März 16., Amtsbericht

Amtsbericht zu Eingabe Suffrian vom 1827, Februar 13.:

Er hatte für 155 Rtlr. einen Stellvertreter bezahlt, der in Spanien vermisst ist; von den 155 Rtlr. sind erst 60 Rtlr. bezahlt, die Erben des Stellvertreters wollen sich aber mit 28 rt. Begnügen. Bitte an Amt und Fürst, ihm das Geld zu geben.

Amtsbericht (Auszug)

„Als der jetzige Kolon und Supplikant Suffrian Nr. 12 in Altenhagen vom Militär-Commando aufgefordert wurde, in dem hiesigen Contingent nach Spanien zu marschieren, kaufte derselbe für sich einen Stellvertreter in der Person eines gewissen Friedrich Freck aus Wunstorf, für die Summe von 155 Rtlr., wovon damals 60 rt. aus eigenen Mitteln vor der Aeusserung der Stätte Nr. 12 an denselben ausbezahlt sind, und gegenwärtig 85 rt. als unbezahlt zurückstehen. Dieser erwähnte Freck war der uneheliche Sohn eines hannoverschen Soldaten Freck und einer Suffrians aus Altenhagen 12. Der Vater des Freck ist verschollen, und hat die Suffrians nachher mit einen Namens Behrens in Wunstorf verheirathet, womit sie zwey Töchter erzeugte.

Der Stellvertreter Freck soll vor seinem Abmarsche auf den Fall seines Nichtwiederkommens, von den Rest der Strellvertreter-Gelder ad 85 rt. an die Mutter des Supplikanten geborne Nietert aus Lauenhagen, weil er von solcher auf Nr. 12 in Altenhagen erzogen worden, 20 rt. vermacht haben, welche aber jetzt damit zufrieden ist, wenn ihr nach Abzug von 6 rt. gegenwärtig 14 rt. ausbezahlt werden.

Die übrigen Erben des vorberegten Freck sind

1.) ein Kind seiner Halbschwester geborene Behrens welche der Canonier Fette in Wunstorf in Unpflichten mit der Behrens erzeugt hat. Beide Aeltern der Kinder sind todt, und ist für solches vom Magistrat in Wunstorf der Tischlermeister Kücker allda zum Vormunde bestellt.

2) Schustermeister Heinrich Asche in Kleinenheidorn, welche eine Tochter der Mutter des pp. Freck geborene Behrens geehelicht hat. …“

Den Erben werden nach Entscheid der Rentkammer vom 26.3.1827 die gewünschten 28 Rtlr. ausbezahlt.

1827, Juni 20., Verpachtungsprotokoll

1) 1 Morgen vor dem Hause, 2. Geile Schmidt Schaer Hagenburg 75 5,-,-
2) 1 Morgen daselbst dito Ders. 4,33,-
3) 1 Morgen daselbst, soor Seehausen, Altenhagen 29 5,21,-
4) 1 Morgen daselbst soor Ders. 5,24,-
5) 1 Morgen über der Wasserfurche, am Auhager Wege, ist soor Einlieger Stegmann Hagenburg 39 5,3,-
6) 1 Morgen daselbst, soor Tegtmeyer, Hagenburg 76 5,3,-
7) 1 Morgen daneben, 2. Geile Korthauer, Hagenburg 27 5,9,-
8) 1 Morgen daselbst, dieselbe Geile Ders. 5,18,-
9) 2 ½ Morgen bis Wunstorfer Wege, 3. Geile Sostmann Moses 14,3,-
10) 1 Morgen überm Wunstorfer Wege, kommt in 3. Geile Einlieger Koch, Hagenburg 1, Bürge: Tieste, Hagenburg 60 5,-,-
11) 1 Morgen dito Ders. 5,-,-
12) 1 ½ Morgen unterm Wunstorfer Wege, soor Wirth, Hagenburg 61 7,15,-
13) 1 Morgen bei der Aue Türnau, Altenhagen 33 5,21,-
14) 1 Wiese hinterm Hause, 4 Abteilungen
1. Abt. Einlieger Suffrian Altenhagen 20, Bürge: Korthauser, Hagenburg 27 4,18,-
2. Abt. Ders., Bürge: Tegtmeyer, Hagenburg 76 3,9,-
3. Abt. Türnau, Altenhagen 33 2,12,-
4. Abt. Ders. 2,12,-
Gartenland: 2 Stücke beim Hause Einlieger Suffrian, Altenhagen 20, Bürge Korthauser, Hagenburg 27
1
Insges. 4 weitere Stücke, dito Desgl. 1,24,-
Summe 94,9,-

1827, Mai 12., Eingabe Wilhelm Suffrian

Ist alleiniger Bruder des jetzigen Colons, hat im vergangenen Jahr geheiratet und dabei lediglich Brautschatz von 25 Rtlr. verschrieben bekommen. Wünscht nun Abänderung auf 50 rt., da es sich um einen Halbmeierhof handelt. Amtsbericht vom 27.6.1827: Antrag wird genehmigt.

1827, Juli 3., Eingabe Heinrich Wilhelm Take aus Bokeloh Nr. 12

Hat zwei Schwestern des Colon Suffrian geheiratet [nacheinander (der Dozent)], erwartet je 50 rt. Brautschatz, hat bisher nur 40 Rtlr. erhalten, möchte die restlichen 60 rt. bekommen, weist darauf hin, dass das „Colonat beinahe gänzlich aus den Schulden“ sei.

Dazu Amtsbericht vom 20.7.1827. Darstellung des Verfahrens bei Heiraten, zwar stehen jedem abheiratenden Kind 50 rt. zu, aber es werden lediglich Raten von je 5 Rtlr. jährlich gezahlt, Take für die erste Frau insgesamt 40 rt. erhalten. Darauf Entscheid Rentkammer vom 30.7.1827: Take bekommt erst einmal kein Geld.

1828, Juli 27., Eingabe Friedrich Wilhelm Suffrian von Nr. 12, jetzt Einlieger auf Nr. 20

„Ich bin auf der Stätte Nr. 12 in Altenhagen, die sich dermalen in der Eusserung befindet, geboren, und habe mich, vor zwey Jahren verheirathet. Von den mir gebührenden und amtlich verschriebenen Brautschatz ad 50 rt. habe ich erst 5 rt. erhalten bekommen, also annoch 45 rt. Meine häusliche Einrichtung hat mir viel gekostet, unter anderen habe ich mir kürzlich einen Webstuhl machen lassen, der auf 18 rt. zu stehen kommt. Grösstentheils habe ich dieses noch nicht bezahlt, indem ich immer hoffte, meinen Brautschatz ausbezahlt zu erhalten, auch ohne dies das Geld nicht anschaffen könnte. Wenn es nicht anders seyn könnte, so wollte ich mir allenfalls einen Abzug von 10 rt. gefallen lassen, damit ich den Rest gleich jetzt ausbezahlt bekäme ...“

Nach Amtsbericht vom 8.8.1828 genehmigt die Rentkammer den Antrag auf Auszahlung von 35 rt. aus der Äusserungskasse des Hofes.

1829, November 14., Eingabe Einlieger Take wegen Brautschatz

Take hat 2 Suffrian-Töchter geheiratet, insgesamt 100 Rtlr. Brautschatz stehen ihm zu, davon hat er erst bekommen 45. Ist bereit auf 15 Rtlr. zu verzichten, wenn ihm 40 Rtlr. sofort ausbezahlt worden. Wirtschaftliche Verhältnisse: „ich bin in der drückendsten Lage von der Welt, habe 7 Kinder, wenig Verdienst und viel Unglück durch Krankheiten in meiner Familie“.

Dazu Amtsbericht vom 2.12.1829: Bestätigt die Angaben von Take, hat folgende Töchter geheiratet: Charlotte S. und dann Friederike S. Amt befürwortet eine Genehmigung des Antrages mit Hinweis auf die anderen Geschwister und die Situation der Äusserungskasse; Pachteinnahmen für das 1. Jahr 94 Rtlr., Ausgaben dagegen nur 31 Rtlr., bei 300 Rtlr. consentierter Schulden.

Rentkammer am 10.12.1829 an das Amt: gegen Verzichtleistung auf restliche Brautschatzgelder sollen die 40 Rtlr. ausbezahlt werden.

1830, Januar 21., Eingabe Suffrian

Ausfertigung: Advokat Wippermann

„Als meine Stätte N. 12 in Altenhagen in die Eusserung gesetzt wurde, fanden sich, trotz des mehrmahligen Aufgebots, durchaus keine Miethleuthe zu dem auf denselben befindlichen kleinen Nebenhause, hauptsächlich aus dem Grund, weil dasselbe sehr baufällig und eigentlich nicht wohnbar war. Der damalige Beamte zu Hagenburg, Amtmann Sander, stellte mir daher frey, dass ich solches Haus, gegen Verzinsung der daran haftenden Schuld von 100 rt. bis auf weitere Verfügung benutzen möge, welches ich auch annahm. Vor einigen Jahren habe ich solches Haus insoweit herstellen lassen, dass es besetzt werden konnte, und ging ich deshalb auf den Einlieger Brandes, dermalen in Hagenburg, den Accord ein, dass derselbe besagtes Haus, sechs aufeinanderfolgende Jahre von Ostern 1839 an miethsweise bewohnen, und für diese Zeit das Pachtquantum von 100 rt. in Golde auf sechs Jahre, im Voraus bezahlen sollte. Letzteres ist auch würklich geschehen, und habe ich mit solcher Summe, die obenbewegte gleichmässige Schuld sofort an die frühere Gläubigerin, Wittwe Schwake in Altenhagen, abgetragen. Fatalerweise will aber jetzt der gedachte Brandes solchen Contract nicht halten, ist von hier nach Wunstorf gezogen, fordert jene 100 rt. zurück und drohet mir, wenn ich mich dessen weigern sollte, mit Verklagen. Jedoch ist mir sichere Kunde geworden, dass der Brandes nicht abgeneigt seyn soll, sich mit 70 rt. allenfalls gar mit 60 rt. eins für Alles statt der erwähnten 100 rt. abfinden zu lassen. -- Indem ich nun obige Umstände Ew. Hochfürstlichen Durchlaucht unterthänigst darzulegen mich erkühne, bringe ich die ehrfurchtsvolle Bitte an:

Hochdieselben wollten Gnädigst mich authorisiren, der besagten Angelegenheit halber, mit dem Inhalts gedachten Einlieger Brandes den Wege Rechtes zu betreten, oder mich zu ermächtigen, dass ich mich mit demselben in Vergleichsunterhandlungen aussergerichtlich einlassen dürfe, in welchem letzteren Falle alsdann der Rendandt der Elocations-Casse meines Colonats die Vergleichs Summe aus selbiger zu entrichten Huldreichst angewiesen werden mögte.

In tiefster Ehrfurcht ersterbend ..."


1830, Febr. 4., Amtsbericht

„ ... Dem jetzigen Supplicanten soll daher damals [1810] vom vorherigen Amtmann Sander nachgelassen worden seyn, das vorbemerkte Nebenhaus auf eigene Kosten in Stand setzen zu und dafür die Hausmiethe zu beziehen. Um dieses bewerkstelligen zu können, lieh der jetzige Discussus Suffrian vom Einlieger Schwake in Altenhagen ein Capital von 100 rt. und zwar unter der Bedingung, dass der Schwake die Zinsen von der Miethe abrechne, und deren Ueberrest von dem berichtigenden Miethzinse dem pp. Suffrian bezahle.

Nach dem vor ohngefehr 8 Jahren erfolgten Tode des Schwake kündigte dessen hinterlassene Witwe das von ihrem Mann dem Suffrian geliehene Capital von 100 rt. und befriedigte derselbe die Wittwe Schwake dadurch, dass er jene 100 rt. vom Einlieger Brands in Altenhagen auf einen simplen Handschein Accord machte, als Einlieger bey ihm für die Zinsen zu wohnen.

Im abgewichenen Jahre kamen aber Supplicant und der gedachte Einlieger Brands dahin überein, dass von Ostern 1830 anhebend der Brands sechs Jahre lang als Miethsmann in dem Nebenhause des discussus Sufrian wohnen und nach Ablauf dieser Zeit das Capital der 100 rt. nebst Zinsen dadurch abgetilget sein sollte.

Der Einlieger Brands hat aber diesen abgeschlossenen Contract dadurch nicht in Erfüllung gebracht, dass er es vorzog, statt in die Suffriansche Wohnung zu ziehen, sich nach Wunstorf zu begeben, und hat, weil er des Geldes sehr bedürftig ist, sich veranlasst gesehen, dem Suffrian das Anerbieten zu machen, an dem Capital der 100 rt. 30 rt. schwinden zu lassen, wenn er den Rest gleich jetzt mit 70 rt. ausbezahlt erhalten könne.

Wenn nun gleich jene vorberegte Capitalsumme ad 100 rt. keine consentirte Forderung ist, so leidet es doch keinem Zweifel, dass solches zum Besten der Colonie ist verwendet worden, so wie auch, dass der discussus Suffrian jene 70 rt. aus eigenen Mitteln herzuwenden nicht vermag, weshalb wird unterthänigst anheim geben, ob wir etwa zur Bezahlung jener 70 rt. ein Anleihn in die Suffriansche Äusserungskasse contrahiren sollen, indem, obgleich die Umstände in der Suffrianschen Elocationskasse nicht schlecht sind, doch nicht so viel Vorrathsgelder vorhanden sein werden, um jene 70 rt. zu berichtigen zu können, und möchten sodann die aufzunehmenden Pachtgelder des Suffrianschen Nebenhauses in der Eusserungskasse zu vereinnahmen sein. ...“


Rentkammer vom 11.2.1830 an das Amt, das entsprechend verfahren soll, dazu Ausführung in Amtsbericht vom 23.2.1830.

1830, Oktober 22. Eingabe Maurer Söhlke aus Wunstorf

Söhlke hat „vor einigen Jahren“ Dorotheee Sophie Suffrian geheiratet und bislang von seinen 50 Rtlr. Brautschatz noch nichts gesehen. Antrag wird am 15.11.1830 vom Amt abgelehnt, da die finanziellen Verhältnisse des Hofes eine Auszahlung nicht zulassen.

1830, Dezember 10., Eingabe Maurer Söhlke aus Wunstorf

Ausfertigung Advokat Wippermann, Auszug.

Wiederholt seinen abgelehnten Antrag vom Oktober, Begründung:

„Häufige Krankheiten in meiner Familie haben mich sehr zurückgebracht, welches mir jetzt in den gegenwärtigen theuren Zeiten, wo überdem wenig Verdienst ist, von Tag zu Tag fühlbarer wird. Mit Wahrheit kann ich sagen, dass ich oft für meine Kinder kein Brod habe, und nicht weiss, wo ich solches herbekommen soll.“

1830, Dezember 16., Rentkammer entscheidet, dass keine Auszahlung stattfindet.

1831, Oktober 31. Eingabe Schlosspförtner Gernant, Hagenburg

Ausfertigung Advokat Wippermann

Hat vor 12 Jahren Sophie Suffrian geheiratet und bisher nur 15 Rtlr. Brautschatz erhalten, betont seine schwierige soziale Lage, ist mit geringer Abzahlung zufrieden. Suffrian erhält nach Entscheid RK vom 22.11.1831 35 Rtlr. Auszug:

„Die Eusserungs-Casse des Hofes … soll aber in dem besten Zustande seyn, und ist mir wenigstens so viel glaubhaft versichert, dass der Colon auf selbiger sogar mehrere Capitalien ausgeliehen habe. Ich dagegen bin, bey meinem geringen Einkommen als hiesiger Schlosspförtner und in Folge verschiedener Krankheits-Zufälle in meiner Familie, in einer wirklich sehr bedrängten Lage … „

1833, Mai 8., Amtsbericht Äusserung

Äusserung des Hofes läuft aus, nach Rechnung von 1831 sind bei 59,15,3 Rtlr. Vorrath noch 370 Rtlr. consentierte Schulden auf dem Hof, selbiger könnte deshalb bewirtschaftet werden, aber: Anerbe hat nicht den erbetenen Abschied vom Militärdienst erhalten, muss deshalb entweder Dienst antreten oder Ersatzmann stellen, letzteren Falls aber neue Schulden, Suffrian bittet deshalb um neue Äusserung und etwas grössere Kompetenz für die Leibzucht.

Rentkammer an Amt vom 20.5.1833: Äusserung wird genehmigt, Kompetenzerweiterung wird nicht genehmigt.

Amtsbericht vom 19.6.1833: Verpachtungsangebote sind eingeholt, gegenüber 94,-,9 Rtlr. für 12 Jahren sind nun 92,21,- Rtlr. geboten worden, Rentkammer genehmigt am 1.7.1833 die Äusserung.

1834, Juni 28., Amtsbericht

Sendet Verpachtungsprotokoll vom 17.6. über Verpachtung des Leibzuchtshauses auf Nr. 12 zu.

Pachtbedingungen:

  1. Verpachtung von Michaelis 1834 bis Michaelis 1839
  2. Bezahlung in grober Konventionsmünze zu Michaelis
  3. Pächter muss evtl. Bürgen stellen
  4. Reparaturen bis 18 Gr. muss Pächter zahlen.
  5. Bedingung, dass Pächter mit Feuer und Licht sorgfältig umgehen müsse“.

Gebote: Einlieger Scheel Altenhagen bietet erst 4, dann 5, dann 6 Rtlr.

Zimmergeselle Haasemann aus Wiedenbrügge bietet 4,18,-, dann 5,18,- dann 6,12- Rtlr.

Rentkammer am 4.7.1834: Höchstgebot erhält den Zuschlag.

1837, Januar 27., Amtsbericht auf Antrag Suffrian

vom 8.1.1837, die Leibzucht der verstorbenen Mutter nutzen zu können. Auszug Amtsbericht, der diesen Antrag befürwortet:

„Der geäusserte Colon Suffrian Nr. 12 in Altenhagen zeichnet sich durch Fleiss und Betriebsamkeit vor den Geäusserten hiesigen Amts vortheilhaft aus, indem er nicht nur nie eine Unterstützung aus der Elocations-Casse seines Hofes in Anspruch nimmt, sondern im Gegentheile Baureparaturen und dergleichen aus eigenen Mitteln beschafft, daher denn auch der Hof fast ganz schuldenfrei ist und jeden Falls am Ende der Pachtjahre, Michaeli 1839, von dem Supplikanten wieder angenommen wird.“

Antrag wird von Rentkammer mit Schreiben vom 4. Februar 1837 genehmigt.

1839, Juni 27., Amtsbericht

„Der Anerbe Suffrian Nr. 12 in Altenhagen, dessen Halbmeierhof bis Michaelis d. J. elocirt ist, tritt solchen dann zu eigener Bewirthschaftung schuldenfrei an, wovon wir Fürstliche Rentkammer pflichtmässig in Kenntniss setzen.“

1839, November 11., Ehebeschreibung, Kopie

„Der Anerbe Diedrich Wilhelm Suffrian Nr. 12 zu Altenhagen, 31 Jahre alt, und seiner Militärpflicht einfolglich entlassen, heirathet die Johanna Christina Louise Wulf aus Nr. 24 dahier, alt 23 Jahr.

Die Braut ziehet zu dem Bräutigam, welcher zu Michaelis d.J. seine elterliche Stätte aus der Aeusserung nimmt, und inferirt aus wohlerworbenem Vermögen ihres Vaters des Colons Wulf Nr. 24 dahier so wie an kindlicher Abfindung aus ihrer elterlichen Stätte die Summe von 350 Rtlr. Courant, nebst einen vollständigen Brautwagen und einer Kuh, wogegen der Bräutigam der Braut seine elterliche Stätte nebst Zubehör verschreiben lässt und wollen sich Verlobte ein ander nach beschrittenem Ehebette beerben nach der Regel längst Leib längst Gut.

Zur Leibzucht reservieren sich des Bräutigams Eltern:

1) ein Stück Saatland an der Ostseite belegen nebst der daran hergehenden Grasfurche, von der Dorfstrasse an, bis an das Mesemeroder Feld, und Alles Nöthige zur Bestellung des Saatlandes, auch das Einfahren der Früchte welches vom Anerben unentgeltlich zu bewerkstelligen ist;

2) An Gartenlande im Garten an der Ostseite, vom Torfstalle bis an die Wiese nebst dem Anger von dem Gartenlande;

3) An Wiesenwachs in der Wiese hinter dem Hause von dem Garten bis an den Bruch, lang und so breit, wie es jetzt abgepfält ist und zwar an der Westseite.

4) Die Hälfte des Bleichplatzes zum Bleichen.

5) Von den jetzt vorhandenen 5 Stück Hornvieh behält der oder die Leibzüchter eine milchwerdende Kuh und das jährige Rind zum unstreitbaren Eigenthum und behält der Anerbe gar keine Ansprüche an obige zwey Stück Hornvieh.

6) Diesem Hornvieh, oder 2 Stück, muss der künftige Colon, wenn er freie Rindvieh zur Huthe in den Baumhof und die Wiesen lässt, ebenfalls die Huthe einräumen.

7) Von allem Obste erhalten die Leibzüchter den 3ten Theile jährlich, es mag ein oder zwey von den genannten Leibzüchtern am Leben sein.

8) Freye Feuerung.

9) Jährlich 2 Schock Eyer.

10) Zur Wohnung: a) die kleine Wohnstube im Wohnhause an der Ostseite nebst der dicht daran stossenden Schlafkammer, auch die Böhne darüber, b) die Schlafkammer an der Westseite, c) auf dem Balken 4 Fach im Hause und oben dem Kuhstalle den Platz, d) Platz im Kuhstalle, e) den Schweinestall an den kleinen Hause, f) Raum zum Dünger auf dem Hofe an der Westseite,

11) zwey Schaafe bleiben Eigenthum der Leibzüchter,

12) von den vorhandenen zwey grossen Schweinen erhält, wenn sie gesund bleiben, der Anerbe Eins;

13) Von allen vorhandenen Hausgeräthen erhält der Anerbe, nach dem Tod der Leibzüchter, das(!) alte grosse eicherne Kleiderschrank. Alles Uebrige bleibt Eigenthum der Leibzüchter um nach Gefallen damit zu verfahren, jedoch steht den jungen Leuten der Mitgebrauch zu.

14) Sollten die jetzt noch unverheiratheten Geschwister des Anerben ledigen Standes bleiben, und die Leibzüchter versterben, so behalten jene, ausser den freien Sitz in der Wohnstube die Schlafkammer an der kleinen Stube nebst der Böhne darüber zur alleinigen Disposition.

Beschrieben, vorgelesen und bescheinigt in Gegenwart der beiden Verlobten, des Bräutigams Eltern, des Colons Suffrian Nr. 12 in Altenhagen und dessen Ehefrau, der Braut Vaters, Colon Nr 24 dahier, des Anerben Röber Nr. 24 in Altenhagen, des Conrad Kammeier aus Wunstorf, so wie des Amtsdieners Tieste dahier und von Comparenten eigenhändig unterschrieben und resp. unterzeichnet.“

Von denen hat nur die Ehefrau von Suffrian mit Handzeichen gezeichnet.

1841, Januar 25., Eingabe des Suffrian

„Zu der unbedeutsamen Halbmeierstätte Nr. 12 in Altenhagen gehören nur 20 Morgen saadiges Land, eigentliche Wiese gar nicht, sondern nur ein s. g. Sünder und ungefähr 4 Morgen Hutheland. Diese Stätte nahm ich 1839 aus der Äusserung an und waren die Ländereien zu jener Zeit ausgesoort und Inventarium fast gar nicht vorhanden. Trotzdem haben meine Eltern mich genöthigt, ihnen zur Leibzucht fünf Morgen Saatland, den halben Garten und die halbe Bleiche zur Benutzung zu überlassen, ja sie haben es sich besonders noch verschreiben lassen, dass, obgleich mein Hof so unbedeutend ist, dass ich keine Pferde darauf halten kann, ich ihnen dennoch alls nöthige zur Bestellung des Landes geben und die Früchte einfahren und ihnen überhaupt ihr Land unentgeltlich bestellen muss, wie dies die in beglaubigter Abschrift angelegte Ehebeschreibung dd. Hagenburg … ausweist, damit noch nicht zufrieden, haben sie mich genöthigt, ihnen von meinen Brautschatzgeldern auch noch 200 Rtlr. herauszugeben. Dadurch ist meine Lage so drückend geworden, dass ich die Lasten und Abgaben der Stätte nicht tragen kann und deshalb Fürstliche Rentkammer bitten muss

gnädigst die Leibzucht meiner Eltern nach der Grösse meines Colonats zu bestimmen.“


1841, Februar 15., Bericht Amt Hagenburg, Situation des Hofes

„Zu der Halbmeierstätte Nr. 12 in Altenhagen gehören nach dem hiesigen Steuer-Cataster

1) 10 ¼ Morgen gutes Land,

2) 4 Morgen mittelmässiges,

3) 5 Morgen schlechtes,

4) 1 Morgen Hudeland,

5) ½ Morgen Holzung,

6) 1 ½ Morgen Garten,

7) 2 Morgen Hofraum mit Baumhof,

8) 1 Morgen Heidwiese und

9) ½ Morgen Hainholz

im Ganzen daher 25 ¾ Morgen Flächenraum.

Ausserdem besitzt der Colon Suffrian noch eine im Hessischen belegene Wiese von circa 1 ½ Morgen.

Der Colon Suffrian und dessen Vater, welche früher in der grössten Eintracht lebten, sind seit längerer Zeit von dem bittersten Hasse gegen einander beseelt, welches bereits zu verschiedenen Streitigkeiten und Prozessen unter beiden Anlass gegeben hat. -- Was nun die Beschwerden des Supplikanten wegen der zu grossen Leibzucht seiner Eltern betrifft, so scheint uns solche nicht ungegründet zu sein, indem ihm über 5 Morgen des besten Saatlandes und beinahe die Hälfte des zur Stätte gehörigen Gartenlandes verschrieben ist, während die früheren Leibzüchter von dieser Stätte in 4 Morgen Saatland und auch in weniger Gartenland bestanden haben. Nach unserer unvorgreiflichen Ansicht mögte die Leibzucht, welche die Eltern des Supplikanten geniessen, insoweit geschmälert werden, dass dieselben an Saatland nur 4 Morgen behalten und von dem ihnen eingeräumten Gartenland ebenfalls 2 Stücke (s. g. Hollen) an den Colonen abtreten. …“

Rentkammer fordert mit Schreiben vom 24. Februar 1841 weitere Untersuchung. Kein weiteres Schreiben zu diesem Vorgang in der Akte.

1862, November 24., Bericht Amt Hagenburg zu Gesuch des Colon Suffrian

Dietrich Suffrian will die Stätte seinem zukünftigen Schwiegersohn sofort abtreten. Hof ist eine Halbmeierstätte mit 25 ¾ Morgen Flächenraum. Suffrian ist „schwächlich“, 55 Jahre alt, verheiratet, Vater von zwei Töchtern, die zweite, 23 Jahre alt, ist mit Conrad Tieste, Altenhagen 26, verlobt, Tieste ist 29 Jahre, ein „recht ordentlicher, fleissiger und nüchterner Bursche“, Amt hat nichts dagegen. Genehmigung erfolgt am 1.12.1862.

1863, Februar 7., Ehebeschreibung, Abschrift

„Der Colon Conrad Tieste Nr. 26 in Altenhagen, 29 Jahre alt, heirathet die Anerbin Dorothee Louise Suffrian von Nro. 12 in Altenhagen, 22 Jahre alt.

Der Bräutigam zieht zur Braut und inferirt mit Genehmigung Fürstlicher Rentkammer Inhalts Reskripts vom 20 v. M. N. C. 463 zwölf und einen halben Morgen Erbpachtländerei, welche bisher bei der Stätte Nro. 26 in Altenhagen … sind. Hingegen lässt die Braut unter Zustimmung ihres Vaters den Mitgenuss der Halbmeierstätte Nro. 12 in Altenhagen dem Bräutigam verschreiben.

Nach beschrittenem Ehebette wollen sich die Verlobten nach der Regel ‚längst Leib, längst Gut‘ beerben.

Der Colon Suffrian tritt mit Genehmigung Fürstlicher Rentkammer, erteilt durch das Reskript vom 4. Dezember v. J. den jungen Leuten sofort nach der Hochzeit die Stätte zur eigenen Verwaltung ab und hat mit seinem künftigen Schwiegersohn eine Übereinkunft getroffen, wonach er und seine Ehefrau zur Leibzucht erhalten wie folgt:

1) Zur Wohnung die unbeschränkte Nutzung des neuen Leibzuchtshauses,

2) die gemeinschaftliche Nutzung des Torfstalles,

3) zur Niederlegung des Düngers, der Düngererde, des Holzes usw. einen Raum von 8-10 Schritten auf dem Hofe vor dem Leibzuchtshause und den Raum hinter dem Leibzuchtshause bis an das Gartenland.

4) im Garten beim Hause 12 Stücke, welche an der Ostseite liegen und den an der Ostseite bis an den Fussweg.

5) In der Wiese hinterm Haus den abgepfällten Theil hinter dem Gartenlande an der Ostseite bis an den Fussweg.

6) im Hainholztheile den dritten Theil an der Westseite,

7) die Wiese am Meergraben, 1 Morgen gross,

8) die Befugniss, in dem s. g. Sündern und aus den Hecken am Garten die nöthigen Vieksbohnenstangen und Erbsstiefeln sich zu haun,

9) an Saatland 5 Morgen in 1 Stücke am Kichwege bis an das Mesward, der Feld nebst der davor hergehenden Grasfurche, 2 Morgen in 1 Stücke am Kirchwege bis an die Westfurche, die vom Auhager Land kommt, vom Grasweg neben dem letzteren Stücke bis an die Westerfurche nutzen die Leibzüchter.

10) der Colon hat alle zur Bestellung und Aberntung der Leibzuchtsländereien nöthigen Fuhren rechzeitig und unentgeltlich zu leisten.

11) die Mitbenutzung des Bleichplatzes

12) [nur teilweise lesbar]

13) den dritten Theil des Obstes,

14) zu Ostern und zu Michaelis je 1 ½ Schock Eier,

15) jährlich 16000 Stück Törfe. Zum Aufstellen und Einfahren der Törfe müssen Leibzüchtern einen Auflader stellen.

16) zur freien Disposition wählen sich die Leibzüchter von dem vorhandenen Vieh zwei Kühe, zwei Schaafe und zwei ¼ jährige Schweine aus,

17) die Mitbenutzung der Hausgeräthe.

Den Comparenten wurde eröffnet, dass die von ihnen getroffene Übereinkunft rücksichtlich der Leibzucht amtsseitig nicht genehmigt werden könne, da diese Leibzucht zu umfangreich sei und den Hof zu sehr belaste.

Der Colon Suffrian erklärte jedoch, dass er von der oben niedergeschriebenen Leibzucht nichts mehr abgeben könne und wolle.

Schliesslich erklärte noch der Colon Suffrian, dass er die 1 ½ Morgen grosse Wiese, welche er im Hessischen besitze, den jungen Leuten seiner Zeit zuschreiben lassen wolle.“

1867, Februar 6., Eingabe Tieste

Ausfertigung Wippermann

„Als im Jahre 1863 mein Schwiegervater, der damalige Colon Suffrian Nr. 12 in Altenhagen, mir seine gedachte Stätte zuschreiben liess, bedang derselbe sich eine so übermässige Leibzucht aus, dass ihm sofort anderseitig eröffnet wurde, eine solche Leibzuchtsverschreibung, als die Stätte zu sehr belastend, nicht genehmigt werden könne.

Gleichwohl habe ich bislang meinen Schwiegervater in ungeschmälerten Genuss der von ihm bedungenen Competenz gelassen, welche nicht weniger als zwei Fünftel des gesamten Ackerlandes, das beste Drittel des Wiesenwachses und die Hälfte des Gartens umfasst. Erwägt man, dass ich die gesamten Staatslasten abzuführen, die Leibzuchtsländereien unentgeltlich zu bewirtschaften und die Stätteschulden zu verzinsen habe, so leuchtet ein, dass der Leibzüchtern von den reinen Erträgen der Stätte mehr bezieht als ich.“

Der Schwiegervater hat u.a. die Übernahme von Schulden in Höhe von 800 Rtlr. verlangt und Brautschatz in Höhe von 300 Rtlr. für die jüngste Tochter.

1867, März 11., Eingabe Leibzüchter Suffrian

Bezug: Antrag Schwiegersohn, Hof war bei der Übergabe in gutem Stand, Leibzucht wurde nicht als zu hoch angesehen.

„Ich habe besonderen Grund den Inhalt dieser Eingabe zur unmittelbaren Kenntniss hoher Rentkammer zu bringen …

Ich erlaubte mir hierbei zum Schluss noch die Bemerkung, dass ich damals meinen Hof nicht abgetreten haben würde, wenn mir mein Schwiegersohn nicht eine Leibzucht in dem festgesetzten Masse zugesichert hatte; leider sind zwischen uns über verschiedene andere Punkte Differenzen ausgebrochen, derentwegen ich sogar den Schutz der Gerichte anzurufen genöthigt war. Ich muss sonach nach Befund der Umstände mit Grund annehmen, dass mein Schwiegersohn mir in der Absicht, … meine Existenzmittel zu schmälern, die fragliche Beschwerde eingebracht sich dabei auf den Umstand gestützt hat, dass die Leibzucht nicht consentirt worden sei.“

1867, März 11., Ertragsberechnung des Hofes, Anlage zu Eingabe

„Ertrags-Berechnung der Stätte Nr. 12.


Rtlr. Sgr.
1) Von 40 Morgen saatigen Landes Körnerertrag a Morgen 24 Taler 960
2) Von circa 5 Morgen Wiesen á 8 Rtlr. 40
Summe 1000
Davon gehen ab:
1) Abgabe vom Zehnten für 20 Morgen á 1 rt. Da aber der Leibzüchter für einen Teil des Zehnten mit 6 rt. 15 gr. bezahlt, so bleibt für den Kolonen 13 15
2) Dienstgeld 16 20
3) Burgfest-Rente 2 10
4) Grundsteuer 8
5) Aussaat pp. 100
6) Sonstige Bestellungskosten (Beackerung) 80
Summe 219 15
Würde dadurch für den Kolonen bleiben 741
Der Werth der Leibzucht berechnet sich sodann wie folgt
1) Die Berechnung der Leibzuchtshäuser pro Jahr 12
2) Für 12 Stücke im Garten beim Hause 3
3) Für die Wiese hinter dem Hause (etwa 1 Morgen) 8
4) Den 3. Teil des Hainholzteils 6
5) Mitbenutzung in der sogenannten Sundern zu Vitsbohnenstangen im Durchschnitt pro Jahr 1
6) 6 ½ Morgen saatigen Land á 24 rt., jedoch abzüglich 6 rt. 15 Sgr. Zehntgeld 149 15
7) Für die Verpflichtung des Kolonen zur Stellung der nöthigen Fuhren á Morgen 2 rt. 10 Sgr. 15 3
8) Den dritten Theil des Obstes, durchschnittlich pro Jahr 3
9) 3 Schock Eier 2
10) 16000 Stück Törfe, abzüglich der Verpflichtung des Leibzüchters zur Stellung einer Hülfe beim Einfahren und Aufstellen 12
Summe 214 20
NB. Bei dieser Berechnung ist der Werth für Benutzung der Colontsgebäude, sowie der vom Kolonen fast dreifach zu gering angegebenen Dorfgerechtigkeit nicht veranschlagt.
Verglichen daher der Ertrag der Kolonie mit 741
Mit dem Werth der Leibzucht 214 20
Bleibt für den Kolonen ein Überschuss von 526 16

1867, März 15., Amtsbericht und Amtsprotokoll

Bei Vorladung vor dem Amt wurde neue Vereinbarung getroffen.

Amtsprotokoll vom 11.3.: Erschienen Altenteiler und Schwiegersohn vor dem Amt und es wurde Vorschlag gemacht, „dass der Leibzüchter Suffrian von der ihm verschriebenen Leibzucht die folgenden an den Colon Tieste abtreten möge:

„1. 1 Morgen Saatland, sodass Leibzüchter künftig 6 Morgen behalten werden, nämlich 4 Morgen vom Kirchwege bis zum Wunstorfer Wege und 2 Morgen vom Kirchwege bis an die Wasserfurche.

2. Die Wiese am Meergraben.

3. Den dritten Theil im Hainholztheile,

4. dass dagegen der Leibzüchter und seine Ehefrau, solange sie beide leben, die übrigen beschriebenen Leibzuchtstheile behalten sollen.

Der colon Tieste nahm diesen Vergleichsvorschlag an, der Leibzüchter Suffrian dagegen wollte sich nicht dazu verstehen, auf die Nutzung des 3ten Theils im Hainholztheile zu verzichten, weil er diesen selbst angekauft habe.

Der Colon Tieste erwiderte, dass sein Schwiegervater dieses Hainholztheil allerdings für 165 Rtlr. angekauft habe, er (Tieste) dagegen 500 Rtlr. zur Berichtigung ausgeliehener Schulden seinem Schwiegervater habe bezahlen müssen.“

Schliesslich einigen sich die beiden, dass Suffrian den Hainholztheil behält, aber anderes Land zusätzlich abtritt.


Zurück zu Quellen_zur_Agrargeschichte