Amerikaauswanderung im 19.Jahrhundert

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Anfang und Verlauf der deutschen Amerikaauswanderung

Die deutsche Amerikaauswanderung begann im 17. und 18. Jahrhundert. Die erste geschlossene deutsche Auswanderergruppe wanderte 1683 aus religiösen Gründen aus. Die Zahl der deutschen Auswanderer vor 1776 ist jedoch weitgehend unbekannt. Da für diese Zeit keine Auswandererstatistiken vorliegen, die Überfahrt nicht über deutsche Seehäfen verlief und die Zahl der illegal ausgewanderten Personen unbestimmt ist. Erste zuverlässige Statistiken liegen von deutscher Seite erst ab 1871 vor. Für die Zeit ab 1820 können für die Betrachtungen der deutschen Einwanderung nach Amerika amerikanische Einwanderungsstatistiken herangezogen werden, die aber zum Teil unzuverlässig sind. Insgesamt kann für das 18. Jahrhundert eine schwankende Auswanderungsbewegung festgestellt werden. Zwischen 1787 und 1820 wanderten nach Schätzungen ca. 30.000 bis 50.000 Deutsche nach Nordamerika aus. Die Auswanderungsbewegung erreichte in den Jahren 1845 – 1856, 1865 – 1875 und 1880 – 1885 ihren Höhepunkt. Danach verlor die deutsche Auswanderungsbewegung an Bedeutung. Der Verlauf der Auswanderung zeigt somit die politischen und sozialen Verhältnisse in Deutschland und Amerika an und richtete sich nach diesen aus. Bis ins 19. Jahrhundert gab es für die deutschen Immigranten keine Beschränkungen bei der Einreise.



Einwanderungs- und Auswanderungspolitik

Auswanderungspolitik der deutschen Staaten

Die Auswanderung war aus Teilgebieten der deutschen Staaten im 19. Jahrhundert nicht grundsätzlich verboten. Es existierten jedoch Bestimmungen, die das Ausreisen in bestimmten Punkten einschränkten oder erleichterten. Diese Einschränkungen betrafen die Absolvierung des Militärdienstes und den Verlust des Heimatrechtes. Die Genehmigung zur Auswanderung wurde von den Behörden nicht erteilt, sollte der Antragsteller vorbestraft oder verschuldet gewesen sein. Das Großherzogtum Hessen erlaubte in einer Verfassungsurkunde 1820 die Auswanderung. In Preußen war die Auswanderung ab 1818 von staatlicher Seite genehmigt, ab 1842 musste die Auswanderung bewilligt werden. In der Verfassungsdebatte 1848/49 sollte die Auswanderungsfreiheit als Grundrecht festgelegt werden. Die Anwerbung oder die Verleitung zur Anwerbung wurde in den deutschen Staaten immer strafrechtlich verfolgt. Trotzdem gab es für einen kurzen Zeitraum von 1849 – 1852 in Baden und Württemberg eine Subventionierung von minderbemittelten Emigranten. Insgesamt lag ein Zwiespalt in der Betrachtung der Auswanderung vor. Zum einen wollten die Staaten die Abwanderung von vermögenden Personen und Arbeitskräften verhindern zum andern wollten die Staaten die Menschen ausweisen, die ihnen zur Last fielen. So wurden Arme und Kriminelle nach Amerika abgeschoben. Gesetzliche Bestimmungen wurden in Preußen erst mit dem Ende der deutschen Massenauswanderung beschlossen.


Einwanderungspolitik Amerikas

Im 19. Jahrhundert wurden amerikanische Bundesgesetzes zur Einwanderung beschlossen. Die Einschränken, die die europäische Einwanderung nach Amerika betrafen, wurden erst ab 1917 erlassen. So musste man des Lesens und Schreibens mächtig sein um einwandern zu können. In den 1920 er Jahren wurden die Quotenregeln eingeführt, die die Höchstzahl der Einwanderer der verschiedenen Staaten festlegte. Damit wurde die Masseneinwanderung nach Amerika beendet. Vorher hatte es aber schon Bestimmungen für die Einwanderung gegeben. So wurde zum Beispiel 1875 die Einwanderung von Prostituierten und Kriminellen, 1882 von Geisteskranken, 1891 Vorbestrafte, Polygamisten und Menschen mit ansteckenden Krankheiten, 1807 Schwachsinnige und Tuberkulosekranke, 1903 Epileptiker, Bettler und Anarchisten und 1917 wurde dann die Einreise von Analphabeten, Alkoholikern, blinden Passagieren und Obdachlosen verboten. Von Seiten Amerikas gab es keine direkten Maßnahmen zur Anwerbung von Immigranten. Vielmehr wurden diese von Einzelstaaten Amerikas, Bahn- und Schifffahrtslinien sowie von Privatpersonen durchgeführt.

Gründe für die Auswanderung

Gründe für die Auswanderung vor 1800 lagen vor allem in der Suche nach der Religionsfreiheit. Ab 1800 wandert man vor allem nach Amerika mit dem Ziel aus seine soziale und wirtschaftliche Stellung zu verbessern. Im folgenden sind Gründe für die Auswanderung aufgezählt:

- Krieg (Bevölkerungsverschiebung)

- Suche nach Religionsfreiheit

- Hunger und Armut

- Geringe Steuern im Auswanderungsland

- Zerstörung der Zukunftsperspektiven durch soziale Ungerechtigkeiten (z.B. Hofteilung), Wunsch nach Verbesserung der Lebensqualität

- Billiges Land und hoher Lohn in Amerika im Gegensatz zu geringem Lohn und teurem Land in deutschen Gebieten

Bsp.: In Amerika 1823 zahlte 1,25 $/acre für 16 ha zahlte man 50 $ im Gegensatz bekam man für den gleichen Wert keinen Morgen.

- Militärdienst entgehen

- Abenteuerlust, Abschiebung von Kriminellen, Prostituierten und Armen

- Auswanderung wurde teilweise subventioniert

Der Weg nach Amerika

Von der Kolonialzeit bis ins 19. Jahrhundert

Während der Kolonialzeit war eine Reise von Deutschland nach Amerika nur über England möglich. Die Überfahrt war mit hohen Kosten und einem hohen Risiko fürs eigene Leben verbunden. Überfahrten, die sich speziell an Auswanderer richteten gab es nicht. Die Dauer der Überfahrt war vom Wetter abhängig und nahm per Segelschiff 7-12 Wochen in Anspruch. Die meisten Auswanderer konnten die Überfahrt nicht bezahlen und mussten Redemtionsverträge mit dem Kapitän oder Agenten abschließen. In diesen Verträgen wurden die Kosten für die Überfahrt übernommen und die Auswanderer hatten nach Ankunft in Amerika ihre Schuld abzuarbeiten. Die Laufzeit des Vertrages wurde je nach Schuld und Leistungsfähigkeit des Passagiers festgesetzt. Das Redemptionssystem verschwand nach 1820. Die Kosten für die Überfahrt wurden häufig auch von Gemeinden oder Privatpersonen finanziert. Mitte des 19. Jahrhunderts wurden Auswanderergesellschaften gegründet, die den Start in Amerika vereinfachen und Missstände beheben sollten. Die Auswanderung verlief nun auch über deutsche Seehäfen wie Hamburg, Bremen und Bremerhaven. Nach der Ankunft in Amerika hatten sich die Einwanderer Kontrollen zu unterziehen und mussten bei Krankheiten häufig die Rückreise antreten.

Informationen für die Auswanderung

Die Auswanderungswilligen hatten vielseitige Möglichkeiten um Informationen über die Ausreise nach Amerika und das Leben dort zu erwerben. Unter anderem erschien die Auswandererzeitung, die über die wichtigsten Faktoren der Auswanderung informierte. Des Weiteren gab es zahlreiche Flugblätter, Bücher und englische Wörterbücher.


Regionale Herkunft deutscher Auswanderer

Die Verteilung zwischen 1871 – 1914:

35% Nordostdeutschland, 25% Südwestdeutschland, 14% Nordwestdeutschland, 11% Westdeutschland, Rest Mitteldeutschland, Südostdeutschland und Hansestädte

In der neuen Heimat

Die Reise der Auswanderer war mit der Ankunft in New York für viele nicht beendet. Häufig arbeiteten die Immigranten in ihren ersten Jahren in Amerika in Fabriken der großen Städte um sich dadurch die finanzielle Grundlage für den Landkauf zu sichern. Zum Teil konnten sie auch durch Geldsendungen aus der Heimat direkt Land erwerben. Die bevorzugten Gebiete zur Ansiedelung waren der mittlere Westen, Texas, Kentucky, Maryland, New Jersey, Oregon, und Washington. Des Weiteren siedelten Deutsche in Gebieten regionaler Spezialisierung in der Landwirtschaft: dem Corn belt (Ohio – Iowa), dem Wheat belt (Kansas – North Dakota) und in den Milchwirtschaftsregionen in Wisconsin und New York. Die durchschnittliche Betriebsgröße war deutlich höher als in den deutschen Gebieten und der Einsatz von Maschinen begann deutlich früher. Die Durchschnittsgröße der Farmen in den USA lag zwischen 1820 – 1910 zwischen 54 – 59 ha. Hauptsächlich wurde mit Familienangehörigen gearbeitet und nur wenige Landarbeiter wurden eingestellt. Die deutschen Siedler lebten meistens in der Umgebung anderer deutschen Siedler. Sie betrachteten ihren Landbesitz als permanent und kauften häufig Land in der Nähe ihrer Farmen dazu. Auf diese Weise kam es zur Verdrängung zu landwirtschaftlichen Außenseitern. Für die meisten Auswanderer war das Leben in Amerika eine Verbesserung vor allem in materieller Hinsicht.

Literatur

Helbich, Wolfgang J.: „Alle sind dort gleich…“. Die deutsche Amerikaauswanderung im 19. und 20. Jahrhundert. Düsseldorf. 1988.

Böttcher, Rolf: Auf dem Weg nach Amerika. Auswanderung im 17. und 18. Jahrhundert. Bremerhaven. 1997.

Günther, Markus: Auf dem Weg in die neue Welt. Die Atlantiküberquerung im Zeitalter der Massenauswanderung 1818- 1914. Bochum. 2003.

Moltmann, Günter (Hrsg.): Deutsche Amerikaauswanderung im 19. Jahrhundert. Sozialgeschichtliche Beiträge. Stuttgart. 1956.

Bernd Brunner: Nach Amerika. Die Geschichte der deutschen Auswanderung. München. 2009.

Die Auswanderung der Sophie Meineke

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Eine Bauerntochter wandert aus

Kontext und Materialien

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