Arbeitsbedingungen Ilsede

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Arbeitsbedingungen auf der Ilseder Hütte

Ausschnitte aus Interviews

"Das war kein Job für die Leute, das war ihre Arbeitsstelle, das war ihre Lebensstellung, denn wer auf der Ilseder Hütte war, hieß es früher immer, der hatte ausgesorgt, der brauchte sich um seine Zukunft keine Sorgen zu machen. Wer keinen silbernen Löffel klaut oder sich irgend etwas zu schulden kommen läßt, der ist bis ins Alter abgesichert."

"Für die Mädchen und Frauen hieß es früher, das beste, du suchst dir einen, der auf der Hütte arbeitet, der verdient nicht schlecht, hat einen festen Arbeitsplatz, wird nicht entlassen und der kriegt 'ne schöne Rente, 'ne Knappschaftsrente. Das hat ja nun was besonderes."

"Ich muß immer wieder sagen, ich habe sehr gute Mitarbeiter und Vorgesetzte gehabt, sehr gute."

"Das ganze Soziale von der damaligen Ilseder Hütte war eigentlich sehr gut. Wir kriegten unsere Werkswohnungen, zahlten nicht viel Miete, wir kriegten billige Feuerung und Weihnachtsgeld und Urlaubsgeld ... in der Betriebsüberwachung hier, da hätten wir kein Gehalt haben müssen, wir waren ja Angestellte, da hätten wir Gage haben müssen, weil wir Künstler waren, um das alles zu bewerkstelligen, was man uns abverlangt hat."

"Das war hier so eine Gemeinschaft, eine große Familie sozusagen."

"Hier war Freundschaft, man hat hier ja teilweise mit seinem Nachbarn zusammengearbeitet."

"Wir hatten auch selbst mit unseren Chefs ein sehr gutes Verhältnis. Das muß ich sagen, bis heute noch ... Also der Kontakt war gut. Alles lief reibungslos ab vom Meister bis zu den Kleinsten in den Werkstätten."

"Die Beschäftigung auf der Ilseder Hütte war eine Lebensversicherung. Wenn man da mal war und hatte eine einigermaßen Stelle, dann konnte einem nichts mehr passieren. Es war ganz egal, als was man durchs Pförtnerhaus ging, auch wenn man nur die letzte Arbeit ausführen mußte, das interessierte draußen nicht. Wer durchs Tor gegangen ist, der war bei der Hütte und hatte sein Auskommen. Konnte nur besser werden, nie schlechter."

"Die Absicherung war schon gut, allein durch die Knappschaftsversicherung, eine sehr gute Rentenversicherung, um die wir heute beneidet werden...die hatten ja damals schon Erholungsheime hier in Berkhöpen mitten im Wald und ein Altersheim in Handorf oder Erholungsheime in Hohegeiß. Schon vor dem Krieg wurden Aktien ausgegeben, um die Belegschaft zu halten und die Siedlungshäuser, die gebaut wurden, die sogenannten Reihen. Das war schon eine soziale Sache."

"Das Soziale war an und für sich sehr gut bei der Ilseder Hütte. Konnte man nicht meckern. Die Leute, die ein Grundstück am Haus hatten, wo sie drin wohnten, die hatten auch einen großen Garten, die konnten dann da ihre Hühner und Schweine füttern."

"Hat auch wieder das Werk Geld zur Verfügung gestellt für den Umbau, billiges Geld für ganz minimale Zinsen."

"Der Urgroßvater war auf der Hütte, der Großvater war auf der Hütte und der Vater war auch auf der Hütte, und die Geschwister waren auch auf der Hütte. Der Onkel, der ist gefallen, war auf der Hütte im Zeichensaal. Also die ganze Familie war ortsgebunden oder verbunden mit dem Werk."

"Das Werk hatte diese Bebauung angeregt und da flossen Montanunionsgelder, wir kriegten 8000 DM für den Bau, zinslos, in 30 Jahren abzahlbar. Die Werksgelder und die Montanunionsgelder waren ausschlaggebend für den ganzen Komplex."

"Also 15000 DM hatte es grundsätzlich gegeben, es gab zwei Stufen, aber wenn man noch 5000 DM mehr haben wollte, dann mußte der oberste Betriebschef sein Ja dazugeben. Die 20000 DM mußte man natürlich zurückzahlen, aber mit ganz wenig Zinsen."

"Und trotzdem war es eine Familie. Ich habe das ganz furchtbar empfunden, als wir mit Peine fusionierten. Wir waren ja vorher autark. Wir hatten unseren eigenen Werksdirektor, der war Boß hier von allen. Und in Peine war auch einer. Die haben zwar irgendwo zusammen kooperiert, wir haben auch denen das Eisen hingeschickt, aber der eine hatte da nichts zu sagen und der andere hatte da nichts zu sagen."

"Wir hatten alle 'nen schlechtes Gewissen, daß Salzgitter uns übernehmen konnte."

"Also im Winter frieren die Erze ja ein, deshalb mußte das Erz ziemlich genau angefahren werden und schnell. Wagen voll, sofort rauffahren und schnell kippen. Das waren Brocken! Solche Winter haben wir ja jetzt nicht mehr. Aber zu der Zeit, mit Pickhacke, die Ritzen sauber hacken, damit die Klappen wieder anschlugen, damit die Wagen wieder verriegelt werden konnten. Wenn der Zug rausgezogen war, erstmal leer machen, rausstoben, mit Leitern am Wagen, von oben mit langen Stangen und Spachteln das Erz raus. Dann lag es auf den Rosten und wurde mit Holzhämmern durch die Roste gekloppt in die Bunker. Das war harte Arbeit. Das war wohl die schlimmste Zeit! Dann kriegten wir eine Auftauhalle."

"Die damaligen Lokführer, die liefen ja in Schlips und Kragen rum, hatten ihre Stulpen, die auf den Loks fuhren. Der Lokführer war natürlich der Meister, der Heizer durfte sich nicht erlauben, den mit du anzureden, selbst wenn die fast auf einer Straße gewohnt haben. Es war immer der Lokführer, Herr Sowieso. Die hatten ein Privileg."

"Im Mai, Juni 50 ging es wieder aufwärts mit der Hütte, es wurde wieder eingestellt. Im Maschinenbetrieb war der Stundenlohn eine Mark und drei und bei denen am Hochofen eine Mark fünf, eine Mark sechs."

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