Basismodul Lektion1

Aus LernWerkstatt Geschichte
Wechseln zu: Navigation, Suche

Inhaltsverzeichnis

Die Recherche

Allgemeines

Ein ganz wesentlicher Teil jeder wissenschaftlichen Arbeit besteht in der Auswahl der geeigneten Zutaten. In der Geschichtswissenschaft unterscheidet man dabei im Wesentlichen zwischen Quellen und Sekundärliteratur.

Gestatten Sie uns zunächst einige Anmerkungen zu den Quellen: Zu ihnen zählen all jene Zeugnisse, die aus der Vergangenheit hinterlassen sind und die Historiker und Historikerinnen einzuordnen, zu beschreiben und zu analysieren bemüht sind. Texte, Artikel, Berichte, Tondateien, Interviews, Bilder, Videos und vieles mehr bilden eine der Grundlagen für Ihre weitere wissenschaftliche Arbeit. Sie unterziehen diese, nachdem Sie sie gesichtet haben, einer so genannten Quellenkritik (Vws). Die Sekundärliteratur umfasst all die wissenschaftlichen Arbeiten, die sich - auf Quellen oder Sekundärliteratur beziehend - mit Ihrem Thema beschäftigt haben. Sekundärliteratur dient nicht allein der Hintergrundinformation. Wie Sie an späterer Stelle sehen werden, dient sie der vielfältigen Orientierung, beispielsweise hinsichtlich historiographischer Entwicklungen, ebenso bezüglich wichtiger Forschungspositionen, Debatten, Ansatz etc…

Da in der Regel weder Quellen noch Sekundärliteratur an einem einzigen Ort zu finden sind, ist es wichtig, vor dem Beginn der Recherche genau zu überlegen, welche Zutaten Sie an welchem Ort suchen wollen. Mit einer umfangreichen Einkaufsliste müssen Sie schließlich auch in mehrere Geschäfte gehen und viele Gänge abschreiten. Manchmal werden Sie Dinge nicht finden, während Sie gleichzeitig auf Funde stoßen werden, die gar nicht auf Ihrer Liste standen, aber sehr gut zu dem von Ihnen geplanten Menü passen.

Bei der Orientierung in den "Supermärkten" für Quellen und Literatur gibt es dabei verschiedene "Gänge", die Sie abgrasen sollten. Wir empfehlen dafür zunächst

  • Handbücher und Lexika
  • Monografien
  • Zeitschriften

und somit jene "Großpackungen" und bereits zusammengestellten Sortimente, aus denen Sie Passendes nur herauszupicken brauchen.

Im Anschluss an das Schweifen durch den Supermarkt der Bibliotheken, Archive und Anlaufstellen für Interviews - und es hat Sie vielleicht an noch andere Orte verschlagen - werden Sie stolz, genervt, zuversichtlich, skeptisch oder neugierig ihre angehäuften Schnäppchen, schwer erhandelten Kleinigkeiten oder listenmäßig vorgesehenen Einkäufe nach Hause tragen. Manchen wird es schwer gefallen sein, sich aus der Fülle des Angebotes das Vielversprechendste ausgesucht zu haben. Sie alle werden sich nun fragen, was genau sich hinter den einzelnen Posten verbirgt.

Zeigen Sie sich experimentierfreudig! Sie mögen das gute deutsche Rührei mit Speck, Kartoffeln mit Stippe oder die traditionelle Schwarzwälder Kirschtorte noch so sehr lieben: Ohne Zutaten aus dem Ausland werden Sie in der heutigen Zeit nicht auskommen. Auch die Geschichtswissenschaft kommt ohne den Blick über den Tellerrand der deutschen Sprache nicht aus. Bei den meisten Themen wäre es geradezu vermessen, darauf zu vertrauen, jeder gute Überblick stünde in deutscher Sprache zur Verfügung. Die Arbeit mit fremdsprachlichen Texten gehört deshalb zum Alltag des Historikers - und sie macht Spaß. Nicht zuletzt liegt eine der Faszinationen des Geschichtsstudiums im Umgang mit Sprache.

Übrigens: Zur Vorbereitung auf das eigentliche Kochen gehört vor allem, einen Überblick zu behalten. Dazu tritt man am besten einen Schritt zurück, gönnt sich eine kleine Kaffeepause, um dann mit Durchblick an den weiteren Arbeitsprozess zu gehen. Machen Sie es wie wir und schwingen Sie doch auch im Geiste Topf und Kugelschreiber!


Literaturüberblick erarbeiten

Zu jeder wissenschaftlichen Arbeit gehört es, zunächst einen Literaturüberblick zu erarbeiten. Von der Recherche allgemeiner Hintergrundinformationen und breiter historischer Kontexte kommen Sie dabei auf den historiographischen Zuschnitt, der für Ihre Arbeit wichtig ist. Mehrere Schritte sollten Sie sinnvollerweise dafür nacheinander unternehmen:

Zuerst müssen Sie mit Hilfe von Bibliographien, HOBSY und anderen Bibliothekssystemen, oder fachspezifischen CDs erste Literatur anhand von Autoren, Titelstichwörtern und Schlagwörtern recherchieren. Stöbern Sie, wenn möglich, durch die Gänge der Bibliotheken. Man "sieht und findet" häufig andere Literatur als diejenige, die sich durch Online- und Katalogrecherche ergibt. Aus der Lektüre dieser ersten Literatur erschließen Sie weitere, möglicherweise wichtige Literatur über die Fußnoten. Dies ist insbesondere wichtig, wenn Sie auf keine Bibliografien zurückgreifen können. Anhand der gelesenen Lektüre und nach einer ersten Orientierung entwickeln Sie eine Fragestellung (Vws). Nach der Formulierung einer spezifischen Fragestellung entscheiden Sie, welche Literatur Sie verwenden wollen und in welche Richtung Sie weiter recherchieren wollen. Diese ausgewählte Literatur sollten Sie dann so referieren, dass der Bezug zu Ihrem Thema deutlich wird (Vws: Forschungspositionen referieren).


Das bedeutet: Sie müssen grundsätzlich für Ihre Arbeit mehr Literatur lesen, als Sie später in Ihrer Arbeit tatsächlich verwenden werden.

Denken Sie daran, die verwendete Literatur bibliografisch in den Fußnoten Ihrer Arbeit zu nennen und in das Literaturverzeichnis aufzunehmen. Meist bietet es sich an, bereits in der Einleitung des wissenschaftlichen Textes, kurz auf die verwendete Literatur einzugehen und Gründe für deren Auswahl vorzutragen.


Die Arbeit mit fremdsprachlichen Texten

Wichtig ist bei der Arbeit mit fremdsprachlichen Texten nicht unbedingt, eine fremde Sprache von Beginn an perfekt zu beherrschen. Die Perfektion kommt später. Viel maßgeblicher ist für Sie, sich auf eine zunächst ungewohnte Sprache einzulassen.

Jeder entwickelt wahrscheinlich seine eigene Strategie, einen fremdsprachlichen Text zu bewältigen. Hier einige Tipps, die Sie nach eigenem Gusto gewichten mögen:


  • wichtige, wiederkehrende Vokabeln, Begriffe nachschlagen
  • Abschnitte auch mal lesen, ohne jedes einzelne Wort zu übersetzen, einfach den Sinn erfassen
  • Kontakt zu Personen mit Sprachkompetenz suchen
  • den Text zum Anlass nehmen, einen weiteren in derselben Sprache zu lesen. Sie werden staunen, wie viele Begriffe sich bereits im zweiten Text wiederholen.


Textsorten in Auswahl

Handbücher

  • sollten in erster Linie zum Nachschlagen und Einlesen genutzt werden
  • dienen dem Zweck der allgemeinen Information - eine knappe Darstellung, die auf wenig Raum viel Informationen enthält
  • geben in dichter Form Abläufe in der Geschichte wieder, allerdings unter verschiedenen Gesichtspunkten, dass heißt: jedes Handbuch hat eine andere Perspektive, man sollte sich deshalb nicht nur eins anschauen Verweis auf verschiedene Handbücher
  • berücksichtigen oft keine Quellen, sondern sind an der Sekundärliteratur orientiert und referieren deren Ergebnisse
  • bieten Hinweise zu vertiefender Literatur (Erscheinungsdatum beachten!)

Lexika oder/und Wörterbücher

  • sind eine andere Möglichkeit sich einen Überblick oder ersten Eindruck über ein Themengebiet zu verschaffen
  • sind alphabetisch gegliedert, Fachausdruck: lemmatisiert
  • Es gibt keine Kapitel, sondern Stichworte, Lemmata
  • Man kann zwischen kurzen und fast essayistischen Artikeln unterscheiden.
  • Bei Lexika, die historische Grundbegriffe erläutern, ist der Autor häufig genannt; Konversationslexika, wie der Brockhaus, nennen den Autor selten
  • Auch Lexika aus älteren Jahrhunderten können nützlich sein, da sie zeitgenössische Sichtweisen darstellen. Zeitschriften

Zeitschriften enthalten:

Aufsätze

  • sie erscheinen häufiger und erlauben deshalb Einblick auf sich stets verändernde Forschungsdebatten
  • Rezensionen, die wichtige Hinweise auf neuere Veröffentlichungen geben und helfen können bei einer Einschätzung

Foren, Mitteilungen und vieles mehr

  • Es gibt allgemeine historische Zeitschriften und solche für speziellere Themen, etwa Geschlechtergeschichte, Kulturgeschichte oder Themen aus der Zeitgeschichte.


Recherchewege

  • Kataloge
  • Bibliothek
  • Fußnoten
  • Internet
  • Bibliographien


Beispiele

Um sich besser mit Textsorten auseinandersetzten zu können, sind hier einige Punkte aufgelistet, nach denen man sich bei der eigenen Bewertung richten kann. Sie sollen zu einer ersten Orientierung dienen.

Merkliste für Handbücher:

  • Herausgeber:
  • Name und Umfang des Gesamtwerks:
  • Autor und Titel des Artikels:
  • Aufbau/Gliederung:
  • Publikationsdatum - (wann kam der erste Band heraus, ist es unvollendet, wann der letzte Band)
  • Literaturverzeichnis?
  • Quellenverzeichnis?
  • Für welche Aspekte und Themengebiete ist das Handbuch geeignet? Gibt es eine Spezialisierung?


Merkliste für Lexika

  • In welche der Kategorien lässt sich das Lexikon am ehesten einordnen?
    • Allgemeine Lexika (umfassender Anspruch)
    • Sachlexika (eingeschränkter Themenbereich)
    • Historische Nachschlagewerke
    • Biographische Lexika
    • Wörterbücher
    • Geographische Nachschlagewerke
  • Herausgeber:
  • Name und Umfang des Gesamtwerks:
  • Aufbau/Gliederung?
  • Publikationsdatum - (wann kam der erste Band heraus, ist es unvollendet, wann der letzte Band)
  • Literaturverzeichnis?
  • Quellenverzeichnis?
  • Geeignet für Fragen aus welchem Gebiet?
  • Artikel oder eher Stichpunkte?
  • Haben die Artikel eigene Verfasser?


Merkliste - Zeitschriften

  • Name der Zeitschrift?
  • Herausgeber?
  • Seit wann erscheint die Zeitschrift?
  • Wie erscheint sie? (vierteljährlich, wöchentlich,…)
  • Was für Teile hat sie und wie sind sie gegliedert
  • Wie ist das Sigel der Zeitschrift?
  • Geeignet für Fragen aus welchem Gebiet?



Basismodul_Lektion2