Basismodul Lektion2

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Inhaltsverzeichnis

Das Internet

Allgemeines

Was macht das Internet als Medium, nicht nur für Historiker, aus? Es ist ein Kommunikationsmittel, durch Foren oder Email, und gleichzeitig ein Weg, um schnell an vielfältige und meist auch preiswerte Informationen zu gelangen. Durch das Internet können Historiker einfach auf Auskünfte aus Bibliothekskatalogen, Archiven, Portalen, Online-Zeitschriften oder Forschungsinstitutionen zugreifen und sind zudem untereinander vernetzt. Aber mit welchen Problemen muss man rechnen, wenn man sich dem umfangreichen Angebot im Internet stellen möchte? Der Historiker Stuart Jenks vergleicht das Internet mit "Omas Dachboden: riesengroß […und] voller Krempel, […] dazwischen ein paar wahre Schätze."

Das Internet ist gekennzeichnet durch zwei wichtige Punkte: Zum einen gibt es ein dynamisches Informationsangebot. Täglich werden Seiten verändert, neue kommen hinzu und andere verschwinden. Einem aktuellen Online-Handbuch für Recherchen im Internet zufolge gibt es schätzungsweise inzwischen acht Milliarden Webseiten. Ähnlich wie im Fall der Forschungsliteratur in gedruckter Form hängt bei der Recherche vieles davon ab, was greifbar ist und auf was man im Laufe der Recherche stößt. Ein zweiter wichtiger Punkt ist, dass es bis heute noch kein etabliertes Klassifikationssystem für Internetangebote gibt, was annähernd acht Milliarden Seiten auch schwer vorstellbar wäre. Aufgrund der ständigen Veränderungen im Internet können aber auch die Hilfsmittel in Form von Katalogen, Suchmaschinen und Linklisten nie einen vollständigen Überblick über Online-Ressourcen geben. Ab einem gewissen Punkt wird der Aufwand der Informationsrecherche ungleich größer als der Gewinn an Auskünften.

Erste Anhaltspunkte für die Herkunft der Seite liefern die Endungen der Adresse. Edu, Abkürzung für education, deutet in der Regel daraufhin, dass es sich bei der Seite um eine Forschungseinrichtung, Hochschule oder schulische Einrichtung handelt. Gov, government, sind in der Regel Seiten, die der US-amerikanischen Regierung vorbehalten sind. com steht für commercial, heißt jedoch nicht, dass die Seiten ausschließlich auch einem kommerziellen Zweck dienen. So werden auch private Homepages unter diesem Kürzel angeboten. Org steht in der Regel für nicht-kommerzielle und andere Institutionen. Dies sind Abkürzungen, oder "Top-Level-Domains" aus den Anfangszeiten des Internets, die bei der weltweiten Verbreitung um Länderkürzel erweitert wurden, wie de für Deutschland, uk für United Kingdom oder ch für die Schweiz.

Der gängige Weg, an Informationen zu gelangen, sind so genannte Suchmaschinen, wenn man nicht wahllos Adressen ausprobieren möchte. Suchmaschinen haben eigene Datenbanken, die sie nach eingegeben Begriffen absuchen. Die bekannteste Suchmaschine ist wohl Google. Sie bewertet die Relevanz der Seiten nach Links, die auf die Seite gerichtet sind. Viele Links, also Verweise auf andere Seiten, bedeuten ein hohes Ranking in der Auflistung. Ein Link zählt umso mehr, wenn ebenfalls viele Links auf die entsprechende Seite gerichtet sind. Dahinter steht das Prinzip, dass gerichtete Links auch für eine gewisse Qualität sprechen. Der Nachteil ist dabei, dass neue Seiten weit hinten auftauchen, da zu Beginn wenig Links auf sie gerichtet sind. Jedoch existiert nicht nur Google als eine Form der Suchmaschine. Eine Erleichterung sind Metasuchmaschinen, die über keine eigenen Datenbanken verfügen, sondern mehrere Suchmaschinen simultan abfragen. Damit werden circa zweiundvierzig Prozent des Internets abgedeckt, wenn elf Suchmaschinen über die Metasuche befragt werden. Aber auch diese Treffer beinhalten ein hohes Maß an doppelten Nennungen oder bestehen einfach aus kommerziellen Seiten. Es bleibt das unbefriedigende Gefühl, nicht die Gesamtheit des Angebots überblickt zu haben. Eine Möglichkeit, akzentuierter zu recherchieren, ist, sinnvolle Synonyme und Plurale einzugeben oder Begriff, die im engen Zusammenhang mit dem Suchbegriff stehen. Ein Grundproblem ist, dass in Suchmaschinen wissenschaftliche Seiten in gleicher Augenhöhe mit privaten oder anderen institutionellen erscheinen. Deshalb sollte auch nicht ausschließlich über Suchmaschinen gesucht werden, sondern vorzugsweise über wissenschaftliche Portale oder wissenschaftliche Suchmaschinen. So existiert eine Suchmaschine, die vom Bund finanziert wird, das forschungsportal.net. Diese Suchmaschine sucht die eingegebenen Begriffe ausschließlich auf den Homepages der deutschen Universitäten ab.

Zusätzlich gibt es für den wissenschaftlichen Teil des Internets spezielle Linklisten. Solche Listen sind Ansammlungen von Netzadressen zu einem bestimmten Themengebiet, wie beispielsweise die Virtual Library Deutschland. Auch VL-Geschichte genannt, ist es eine Linksammlung, die thematisch und/oder chronologisch geordnet ist. Solche Listen sind von Fachpersonal erstellt worden. Eine Methode, an wissenschaftliche Seiten aus dem Internet zu kommen, sind die so genannten Foren oder Portale, die es für annähernd jede Interessensgruppe gibt. Auch für Historiker gibt es inzwischen spezielle Portale. Für den deutschsprachigen Raum sind ist hsozukult zu nennen, eine Seite der Humboldt-Universität in Berlin. Weitere bekannte Seiten sind für die Frühe Neuzeit historicum.net oder allgemeiner clio-online.de. Es sind Plattformen für interessierte Historiker, in denen aktuelle Rezensionen angeboten werden, kurze Biografien, spezifische Linklisten oder andere Fachinformationen. Diese Form der Literaturbeschaffung sollte Priorität gegenüber der Information über gängige Suchmaschinen besitzen!

Anders als im gedruckten Bereich der Geschichtswissenschaft gibt es kaum Rezensionen über Online-Veröffentlichungen, die helfen würden, das Gelesene einzuschätzen. Die "spezifische Kultur des wissenschaftlichen Publizierens" ist im Internet aufgelöst. Gedruckte wissenschaftliche Literatur wird von unterschiedlichen etablierten Einrichtungen getragen. Verlage bearbeiten die Veröffentlichungen durch ihre Lektoren, es gibt viele Rezensionsorgane, Fachbibliographieren und auch Bibliotheken entscheiden mit, welche Werke sie erwerben. Die vorhandene Struktur filtert, dies ist im Internet noch nicht in dieser etablierten Form der Fall.

Mit dem Internet nach wissenschaftlichen Standards zu arbeiten, ist schwierig. Bei gedruckter Literatur muss eine Veränderung in der Neuauflage angeben werden. Man kann jederzeit die alten Ausgaben einsehen, die immer zur Verfügung stehen. Internetseiten können und werden ständig aktualisiert. Sich die "alte" Seite wiederzubeschaffen, ist in den meisten Fällen schwierig und dann auch unvollständig. Viele Seiten haben kein oder nur ein unvollständiges Impressum. Selten wird bei Artikeln der Autor genannt oder das Entstehungsdatum. Bei Nachweisen kann es passieren, dass bei langen und komplizierten Pfaden Fehler unterlaufen - anders als bei klassischen Literaturangaben kann ein fehlender Buchstabe weitreichende Auswirkungen haben und es ist nicht mehr möglich, auf die angegebene Webseite zu gelangen. Jenks warnt, und dies ist auch mit gesundem Menschenverstand zu erschließen, dass man sich vor Seiten hüten sollte, die ihre Quellen nicht angeben. Im günstigsten Fall wären die Informationen nur abgeschrieben und man hätte es mit Plagiaten zu tun. Jenks hält Seiten, die ihre Seriosität betonen, für ebenso zweifelhaft wie Angebote mit rechtsradikalen oder anderen politischen nicht korrekten Begrifflichkeiten. Im Grunde muss man bei der Beurteilung von Seiten aus dem Internet Ähnliches beachten, wie im Umgang mit der gedruckter Literatur: Wer ist der Autor? Im Internet sollte dies noch ergänzt über welche Organisation die Seite veröffentlicht wird. Zusätzlich welche Literatur und Quellen der Verfasser verwendet hat und ob es einen wissenschaftlichen Apparat gibt.


Leichtere Suche?

Das Internet nimmt einen zunehmend breiteren Raum bei der Recherche nach historischen Informationen ein. War es vor einigen Jahren zumindest im deutschen Sprachraum eher ein Ort, an dem kommuniziert und für traditionelle Publikationsformen geworben wurde, so hat sich das inzwischen deutlich geändert. Das Informationsangebot hat mittlerweile deutlich zugenommen. Dennoch oder vielleicht gerade deshalb sind mit der Nutzung von Informationen aus dem Internet besondere Gefahren und Möglichkeiten verbunden.

Wer glaubt, er könne mit dem Internet schnell Informationen finden, der irrt. Die Suche wird dadurch nur noch komplexer, da die "klassischen" Medien, also das Buch und die Zeitschrift weiter vorrangig benutzt werden müssen. Entscheidend sind aber die komplexen, uneinheitlichen und - im Vergleich zum Buch - schwerer nutzbaren Medien. Einerseits findet der Suchende eine Fülle von Informationen, andererseits hat er große Probleme die brauchbaren von den nicht brauchbaren zu unterscheiden, und schließlich hat er sich mit Kopier- oder Ausdruckproblemen herumzuschlagen.

Das alles mag sehr skeptisch klingen, ist es aber nicht! Denn nur wer nicht davon ausgeht, daß das Internet keine leichten Erfolge anbietet und zudem andere Arbeitsweisen und Leseweisen verlangt als bisherige Medien, kann dies neue Medium auch nutzen.


Tipps

Bei der Internetrecherche ist zu beachten: Es gibt unterschiedliche Suchoptionen nach Titelstichwörtern, nach Personennamen oder Schlagworten, die entsprechend berücksichtigt werden müssen, um zu Suchergebnissen zu gelangen, die weder zu klein noch zu groß ausfallen. Bei der Suche nach Titelstichwörtern muß etwa beachtet werden, daß damit nur Begriffe gefunden werden, die im Titel vorhanden sind. Ein Trunkieren der Suchbegriffe (wie beispielsweise "Agrargeschicht*" für Agrargeschichte, agrargeschichtliche) ist in jedem Fall sinnvoll. Außerdem müssen alternative Suchbegriffe verwendet werden. Ein großer Vorteil der Internet-Kataloge besteht darin, daß sie wesentlich flexibler zu handhaben sind als die alten Kataloge, da über sog. Links verzweigt werden kann. Ein Nachteil liegt in der Suggestion, man könne schnell und leicht an die relevanten Informationen gelangen. Grundsätzlich besteht über das Internet ein weltweiter Zugriff auf Bibliothekskataloge. Anfänger sollten mit dem daraus resultierenden Angebot aber vorsichtig umgehen. Auch die besten Datenbanken ersetzen nicht das eigene Lesen und selbständige Recherchieren in anderen Findmitteln. Die Arbeit mit Internet-Informationen

Sind schließlich Informationen gefunden, so ergeben sich gleich weitere Probleme. Auf ein Themenkomplex wird in der wissenschaftlichen Literatur immer wieder verwiesen: die Unbeständigkeit und die nicht immer überprüfbare Wissenschaftlichkeit der Texte.

Der erste Punkt ist nicht zu unterschätzen: Da die Informationen als Dateien auf einem oder mehreren Rechner liegen, sind sie dann nicht mehr verfügbar, wenn dieser Rechner abgeschaltet wird. Das geschieht nicht selten. Schwierig wird es auch zuweilen mit der Wissenschaftlichkeit der Texte. Da praktisch jeder im Internet publizieren kann, entfällt die Selektionsstufe, die bei traditionellen Publikationen gegeben ist. Hier kann es nur helfen, sehr vorsichtig zu sein, mit gedruckten Informationen vergleichen und nachzusehen, auf wessen Seiten die Informationen stehen. Ein kritischer, ja sehr kritischer Umgang mit den gefundenen Daten ist in jedem Fall anzuraten.


Vom schnellen Springen zum langsamen Lesen

Internetseiten bieten die Möglichkeit der schnellen Verknüpfung von Informationen. Texte können mit anderen Texten verbunden werden, Bilder mit Texten, Texte mit Bilder oder Geräuschen. Zentrale Aussagen eines Textes können mit anderen, ergänzenden Texten „verlinkt" werden, so daß sich komplexe Hypertexte ergeben. Der Vorteil dieser neuen Form von Information liegt auf der Hand. Jedoch dürfen auch die Risiken dieser Art des Lesens nicht übersehen werden: es erleichtert eine neue Form der Lektüre, die nicht darin besteht, sich mit einzelnen Inhalten intensiv auseinander zu setzen, sondern immer auf der Suche nach neuen Informationen zu sein, ohne die bislang gefundenen wirklich verarbeitet zu haben.

Hierin liegt eine der großen Herausforderungen für den Benutzer/Leser von Internetseiten: sich mit dem Gefundenen zufrieden geben und mit ihm arbeiten. Dies setzt andererseits Internetangebote voraus, die mehr sind als nur kurze Informationshappen, auf viele, in den Text eingestreute Links verzichten, sondern vertiefende, zur Lektüre anregende Informationen enthalten. Jedoch ist es auch dann notwendig, daß der Leser sich ein neues Leseverhalten aneignet. Hier entsteht aber ein Zielkonflikt, denn das von dem Internetleser erwartete bzw. ausgeübte Lesen unterscheidet sich deutlich von dem Leseverhalten eines Forschenden.

  • Normale Websites sollen möglichst knappe Textinformationen in einer einfachen, allgemein verständlichen Sprache enthalten,
  • der Text sollte möglichst nicht länger als eine Seite sein, um Scrollen zu vermeiden,
  • es wird schnell nach kurzen Informationen gesucht, um dann weiter zu suchen.

Dagegen soll die Lektüre eines historischen Textes

  • intensiv erfolgen und
  • längere Textpassagen umfassen.

Die Lösung kann nur darin bestehen,

  • Texte auszudrucken oder
  • „anders" zu lesen.

Ehe das Lesen beginnt, ist aber zu entscheiden, von welchem Medium gelesen wird: vom Bildschirm oder vom Blatt Papier?


Ausdruck von Internetseiten

Das Ausdrucken von Internetseiten ist zwar beliebt, aber nicht unproblematisch. Die meisten Seiten sind für den Bildschirm, nicht für den Ausdruck optimiert, so daß etwa der Ausdruck entweder nicht alle Elemente des Bildschirms enthält, viele weisse Flächen enthält oder Informationen, wie die Navigationsleiste, die gar nicht benötigt werden. Im ungünstigsten Fall werden größere farbige Flächen der Seite mit ausgedruckt, was nicht nur unschön ist, sondern auch den Verbrauch an Toner oder Tinte in die Höhe treiben kann. Als Alternative bieten einige Seiten eine Druckversion an, die zumindest diese Probleme lösen hilft (die neue Homepage des Historischen Seminars bietet diese Variante ebenfalls an). Allerdings werden damit teilweise erhebliche Kosten auf den Benutzer abgewälzt und zitierfähig sind diese Seiten ebenfalls noch nicht.

Eine weitere Lösung besteht in pdf-Dateien, die einen seitengenauen und zitierfähigen Ausdruck erlauben und ein Druckbild erzeugen, welches dem normalen Buch- oder Manuskriptdruck entspricht. Das sind dann wirklich elektronische Bücher, wie zum Beispiel dieser Text hier, der sowohl als html-Variante als auch als pdf-Variante genutzt werden kann.


Kopieren und Einfügen

Für den Benutzer besteht außerdem die Möglichkeit, die benötigten Textteile zu kopieren und über die Zwischenablage in eine Textverarbeitung zu kopieren, wo sie entsprechend gestaltet und anschließend ggf. ausgedruckt werden können. Allerdings macht das etwas Arbeit, kostet Zeit und Mühe.

Diese Variante funktioniert aber nicht bei dynamischen Internetseiten, wie sie inzwischen auch in historischen Projekten erstellt werden. Solche Seiten bieten jeweils nur kurze Informationsangebote, die miteinander verknüpft werden müssen. Immerhin können auch diese Informationen gezielt kopiert und in eine Textverarbeitung oder Datenbank kopiert werden, wo sie weiterverarbeitet werden können.

Diese Variante des Kopieren/Einfügens in eine eigene Datei bietet zudem die Möglichkeit, die Texte offline in Ruhe lesen zu können, ohne sich von Navigationsleisten oder Links ablenken zu lassen. Werden die Informationen unter Beibehaltung der Formatierung gespeichert, so können die Links auch später noch abgerufen werden. Allerdings ist dies Verfahren mit zusätzlichen Arbeitsschritten verbunden.

Ob die Informationen dann ausgedruckt oder direkt am PC gelesen werden, hängt sicher von Arbeitsgewohnheiten und den Möglichkeiten der Lesenden ab. Bei der Lektüre am PC ist die Bereitschaft, sich ein neues Leseverhalten anzugewöhnen, das auch die intensivere Lektüre am Bildschirm ermöglicht (entsprechend gute Monitore vorausgesetzt) eine wichtige Voraussetzung. Dies setzt zudem die Bereitschaft voraus, sich mit neuen technischen Mitteln auseinander zu setzen.

Schließlich wirft das Zitieren von Internetinformationen Probleme auf, nicht zuletzt deshalb, weil die "Lebensdauer" mancher Dateien nicht sehr hoch ist.



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