Beute

Aus LernWerkstatt Geschichte
Wechseln zu: Navigation, Suche

Das individuelle Akkumulieren von Beute war in vielen militärischen Kulturen für den größten Teil der Militärgeschichte eine zentrale Motivation für den Kriegsdienst.

In der neuzeitlichen, europäischen Militärgeschichte ist der Zugriff der Soldaten auf Beute praktisch nicht mehr existent. Soldaten erhalten ihre Vergütung in Form von Sold und Sachleistungen von Seiten des Staates, in dessen Dienst sie stehen. Beutemachen "auf eigene Faust" würde die Disziplin untergraben, die das neuzeitliche Militär für sein Funktionieren als unabdingbar betrachtet. "Beute machen" ist als kriminell und/oder barbarisch konnotiert.

Im Mittelalter und in großen Teilen der Frühen Neuzeit jedoch spielte Beute eine zentrale Rolle in der individuellen und in der kollektiven Kriegsorganisation: Beute machte einen entscheidenden Teil oder sogar die gesamte Entlohnung von Gewaltdienstleistern aus.

Für den Einzelnen boten sich Chancen auf Beute zum einen während Plünderungen von eroberten Burgen, Festungen, Dörfern und Städten.

Daneben war vor allem das Lösegeldsystem von entscheidender Bedeutung: Wer auf dem Schlachtfeld einen Gegner gefangen nahm, konnte je nach Stand des Gefangene mit beträchtlichen Lösegeldern rechnen. In der Frühen Neuzeit entwickelte sich ein komplexes Regelwerk, das diesen Prozess über die Grenzen hinweg steuerte. Die Gefangennahme eines hochrangigen Adeligen konnte für einen Menschen niederer Herkunft das Äquivalent eines modernen Lottogewinnes darstellen.

Der Nachteil des Beutesystems lag für den einzelnen in seiner Unberechenbarkeit. Für die militärischen Organisation lagen die Nachteile darin, dass der Einzelne aus Gewinnstreben zu ungewollten Zeitpunkten Eigeninitiative entwickelte und dadurch ggfs. die Ausführung militärischer Planungen behinderte.

Zurück zum Glossar