Das Königreich Dahomey zwischen Sklavenhandel und französischer Kolonie

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  • Autor: Ulf Hagemann
  • Erstveröffentlichung: 01.10.2002 bei www.geschichte.uni-hannover.de


Inhaltsverzeichnis

Die Situation in Dahomey um 1850

Dahomey um 1885.

Das Königreich Dahomey erreichte um 1850 bis zur Kolonialisierung durch die Franzosen 1892 seine größte räumliche Ausdehnung. Auch die politische und wirtschaftliche Macht Dahomeys hatte 1850, als in Brasilien ein neues Anti-Sklaverei-Gesetz erlassen und damit der endgültige Niedergang des transatlantischen Sklavenhandels eingeläutet wurde, seinen Höhepunkt erreicht. Dahomey hatte zu der Zeit ca. 200.000 Einwohner, davon nur ca. 12.000 freie Bürger. Alle anderen waren Sklaven.

Ausgehend vom Zentrum Abomey im Landesinneren wurde das Herrschaftsgebiet durch Eroberungen vor allem Ende des 17. Jahrhunderts immer weiter vergrößert, so dass schließlich etwa eine Fläche von der Größe des heutigen Deutschlands kontrolliert wurde. Die Hafenstadt Whydah, die Dahomey Zugang zum Welthandel verschaffte, wurde 1730 eingenommen und bald zum wichtigsten Umschlagplatz für Sklaven und später auch für Palmölerzeugnisse in der Bucht von Benin.

Der Hafen Whydah.

Seit dem 18. Jahrhundert stieg die Zahl der Mitglieder im königlichen Hofstaat erheblich an. Durch die Einbeziehung der Aristokratie in sein Umfeld konnte der König die politische Kontrolle über sie halten. Alle Angehörigen des Hofes, zu denen auch die beiden Armeen zählten, waren dem König als persönliche Sklaven, sogenannte Hofsklaven, unterstellt. Ihre Versorgung wurde über große Plantagen sicher gestellt, für deren Bewirtschaftung wiederum Bauern an den Hof gebunden und somit ebenfalls zu Hofsklaven wurden. Auch der Bedarf an Haussklaven zur Bewirtung der Aristokratie stieg deutlich.

So kam es zustande, dass zur Zeit König Gezos (1818-1858) ca. 40.000 Menschen dem Hofe angehörten.

König Gezo bei einer Audienz.

Die beiden Armeen: Krieger und Amazonen

Eine Amazone (weiblicher Soldat) mit dem abgeschlagenen Haupt eines Feindes als Kriegstrophäe.

Aus den historischen Erfahrungen vor allem aus den Kämpfen mit dem Oyo-Reich im 17. Jahrhundert hatte es sich als dienlich erwiesen, ein stehendes Heer zu unterhalten. In Friedenszeiten zählten zur Armee ca 12.000 Soldaten. Auch hier sind die Funktionen nach Geschlechtern getrennt: Die Männerarmee hatte etwa 7.000 Krieger und die Amazonen-Armee war ca. 5.000 Frauen stark. Beide wurden voneinander unbhängig geführt und waren z.T. in innenpolitischen Fragen auch Gegner.


Die Fliegen- und Elefanten-Debatte

So waren sie z.B. bei der berühmten Debatte der Fliegen- und Elefanten-Parteien, die das militärische Ausgreifen Dahomeys auf das mächtige Abeokuta diskutierten, unterschiedlicher Ansicht. Die Männerarmee unterstützte die Elefanten-Partei, die immer wieder (erfolglose) Angriffe auf Atakpame, das unter dem Schutz von Abeokuta stand, unternahmen, während die Amazonen der Fliegen-Partei anhingen, die sich auf Überfälle auf kleinere benachbarte Gebiete beschränken wollte.

Als das Oyo-Reich um 1830 zusammenbrach wurde Dahomey unter der Führung König Gezos zur militärischen Hegemonialmacht. Viele Gebiete vor allem im Süden zur Küste hin und nach Westen bis zum Königreich Ghana wurden erobert und eröffneten Dahomey die Möglichkeit, am Welthandel teilzunehmen. Die kriegerischen Auseinandersetzungen mit Abeokuta im Osten bleiben für Dahomey aber immer erfolglos. So erlitten sie sowohl 1851 als auch 1864 schwere und verlustreiche Niederlagen, bei denen von weißen Beobachtern die Tapferkeit und der unbändige Mut bis hin zur bedingungslosen Aufopferung der Amazonen besonders hervorgehoben wurde.


Über die Amazonen

Wichtige Staaten und Ethnien in der Bucht von Benin 1640-1890.

Die Amazonen-Armee Dahomeys war wegen ihrer außerordentlichen Tapferkeit und Grausamkeit gefürchtet. Sie bildete die Eliteeinheit und stellte außerdem die persönliche Garde des Königs. Die weiblichen Einheiten wurden auch von weiblichen Offizieren geführt, die ihren männlichen Kollegen entsprechend ihrem Rang gleichgestellt waren. Für die einzelnen "Regimenter" der Amazonen gab es unterschiedliche Uniformen und bestimmte Auszeichnungen, von denen der (Sonnen-)Schirm die bedeutendste war.

Die Enstehung der Amazonen-Armee ist ungeklärt und in der Forschung umstritten. Für Überlegungen, dass sie aus einer Elefantenjagdtruppe entstanden sei, gibt es keine Hinweise. Auch die These, des Königs Zwillingsschwester habe sich in einer entscheidenden Schlacht bewährt und so eine Frauenarmee ins Leben gerufen, ist nicht haltbar.

Plausibler erscheint eine Entwicklung aus einer "Polizeitruppe", die für den Schutz der Frauen des Königs im Palast zuständig war. Da es für alle Männer mit Außnahme des Königs unter Todesstrafe verboten war, den Palast zu betreten, musste eine Palastwache entsprechend aus weiblichen Soldaten bestehen. Diese königliche Wache könnte möglicherweise aus einer Gruppe Frauen aus dem Haarem des Königs entstanden sein, die zuvor für seine Bewirtung und sein Wohlergehen zuständig war.

Die Anfänge der Amazonen gehen nach mündlicher Überlieferung bis ins 17. Jahrhundert zurück. Die ersten gesicherten schriftlichen Äußerungen über weibliche Soldaten sind für die Einnahme Whydahs 1730 bezeugt. Reguläre Einheiten als Teil der Armee wurden erstmals in der 1830er Jahren unter König Gezo aufgestellt.

Amazonen ziehen mit ihrem König in den Krieg.


Kriegsgefangene werden zu Sklaven

Der Xwetanu dauert mehrere Wochen. Sklaven und Kriegsgefangene werden bei der jählichen "Großen Zeremonie" als Menschenopfer dargeboten.

Zum Unterhalt des hohen Materialbedarf des Hofstaates und auch zur Sicherung der Territoriumsgrenzen wurden die beiden Armeen auf Beutezüge geschickt. Wenn der König den Kriegszustand ausrief - was aufgrund der ständigen Überfälle und der daraus resultierenden Kämpfe keine Seltenheit war - konnte die Heeresstärke auf bis zu 50.000 Personen aufgestockt werden. Die notwendigen Rekrutierungen wurden unter Bauern und Sklaven vorgenommen.

Auch wenn Dahomey im 18. Jahrhundert ein wichtiger Exporteur von Sklaven wurde, so war die Sklavenjad doch nicht die Hauptintention der Kriegszüge. Der transatlantische Sklavenhandel ist eher als Folgeerscheinung der ständigen Kriegsführung mit den Nachbarn zu verstehen. Die Kriegsstrategie Dahomey war eine Vernichtungsstrategie: Dörfer wurden geplündert, Städte zerstört. Die Menschen wurden getötet oder gefangengenommen, versklavt und entweder für den eigenen Bedarf eingesetzt oder über den Atlantik verkauft. Einige Kriegsgefange wurden bei der alljährlichen "Großen Zeremonie", der Xwetanu, als Menschenopfer zusammen mit anderen Straftätern hingerichtet. Der weitaus größte Teil der feindlichen Krieger kam allerdings schon auf dem Schlachtfeld ums Leben. So wird besonders den Amazonen eine Vorliebe zur Enthauptung nachgesagt.


Entwicklung der Wirtschaft

Familiäre und gemeinschaftliche Produktion

Die wirtschaftliche Situation in Dahomey gegen Ende des 17. Jahrhunderts fußte auf familiärer und gemeinschaftlicher Produktion. In der familiären Produktion ("domestic mode of production") von Austauschgütern waren auch Sklaven eingebunden, die dem Familienverband assoziiert waren. Diese Art der Produktion überstieg allerdings die Subsistenzwirtschaft nur um Weniges. Daher blieb das Einflussgebiet auf die regionalen Märkte beschränkt und auch der Sklavenhandel vollzog sich nur auf lokaler Ebene.

Für die gemeinschaftliche Produktion ("linage mode of production") schlossen sich mehrere Familienverbände zusammen, um auf diese Weise die Erträge zu steigern. Im Rahmen der Clans waren auch hierbei Sklaven beschäftigt, trugen aber nicht die Hauptlast der Arbeit. Die über den eigenen Bedarf hinaus produzierten Waren konnten so in den überregionalen Handel innerhalb Dahomeys gelangen. Auch mit den umliegenden Staaten wurde Warentausch - auch mit Kauri-Muscheln als Zahlungsmittel - betrieben.


Einbindung in den Handel mit Austauschgütern bis zum Sklavenhandelsverbot

Sklavenexporte der Bucht von Benin nach Abnehmerländern, 1640-1870.

Durch den relativen Wohlstand wurden in das bestehende System aus Produktion und Markt auch Waren aus Brasilien und Europa integriert, was wiederum einen Anstieg der Produktion von Austauschgütern zur Folge hatte. Der transatlantische Sklavenhandel leistet in dieser Zeit einen bestimmenden Beitrag zum innerstaatlichen Wachstum Dahomeys - und das, wie der Textausschnitt von Patrick Manning zeigt, sowohl positiv wie auch negativ.

Obwohl der Sklavenhandel in Europa Anfang des 19. Jahrhunderts verboten wurde, dauerte es noch bis Mitte der 1860er Jahre, bis er auch in Dahomey an Bedeutung verlor. Von Whydah aus verließ 1865 das letzte Sklavenhandelsschiff Afrika. Parallel dazu entwickelte sich seit den 1830er Jahren die Palmölproduktion mit einer neuen Infrastruktur. Zwei Faktoren waren für diese Entwicklung ausschlaggebend:

Sklavenexporte der Bucht von Benin nach ethnischer Herkunft, 1640-1870.
1. Die gestiegene Nachfrage an Palmerzeugnissen konnte durch die bisher betriebene Kombination aus familiärer und gemeinschaftlicher Produktion nicht mehr erfüllt werden, so dass die Produktion auf den Plantagensektor ausgeweitet wurde.
2. Die Ausweitung der Plantagenwirtschaft bei gleichzeitig sinkenden Preisen für Sklaven führte dazu, dass die Sklaven nicht mehr exportiert, sondern auf Plantagen eingesetzt wurden.


Weitere Sklavenjadgen

In der Folge wurde der Sklavenhandel ins Innere Dahomeys bzw. auf die benachbarten Regionen verlagert. Weiterhin wurden Sklavenjagden betrieben, z.T. in größerem Ausmaß als zuvor. Da diese Sklaven aber im eigenen Land eingesetzt wurden, erstarkte die familiäre und gemeinschaftliche Produktion der regionalen Märkte und erfuhr bald einen großen Aufschwung. Gleichzeitig konnte so dem Problem der Entvölkerung ganzer Landstriche entgegnet werden, die vor allem Rückwirkungen auf die "linage mode of production" hatte.


Der Übergang vom Sklaven- zum Palmölhandel

Trotz des Verbots des Sklavenhandels 1801 in England wurden die Exporte ungemindert weiter betrieben. Brasilien, das die Sklaverei erst 1888 verbot, verdrängte die europäischen Länder vom dahomeyschen Markt. Obwohl der Anteil des transatlantischen Sklavenhandels auf das gesamte Wirtschaftseinkommen Dahomeys gerechnet nur einen kleineren Teil ausmachte, zeigt sich doch an der Weigerung König Ghezos und der Elite, den Handel aufzugeben, dass er für die innenpolitischen Verhältnisse eine große Bedeutung hatte. Das in der familiären und gemeinschaftlichen Produktion betriebene System der Haussklaven blieb darüber hinaus weiter bestehen.

Erst als die Engländer in den 1840er Jahren ihre Bemühungen verstärkten, den Handel an der "Sklavenküste" zu unterbinden, und auch in Brasilien 1850 ein verschärftes Anti-Sklaverei-Gesetz erlassen wurde, nahmen die Überseeexporte mit Sklaven aus Dahomey ab. Gleichzeitig verschoben sich etwa seit den 1830er Jahren die Handelsinteressen Europas und der privaten Händler auf Öle und Fette, die wegen der beginnenden industriellen Revolution dringend gebraucht wurden. Die Palmölproduktion erwies sich hier als lohnendes Investitionsfeld, sowohl auf europäischer wie auch auf afrikanischer Seite.

Exporte von Sklaven und Palmerzeugnissen von Dahomey nach Anzahl und Marktwert, 1700-1900.

Die Palmölexporte gewannen so immer mehr an Gewicht, erreichten schon etwa 1845 das (nunmehr stagnierende) Niveau der Einkommen aus Sklavenexporten und überflügelten dieses in der Folgezeit. Um dieser neuen Nachfrage gerecht werden zu können, musste eine neue Infrastruktur geschaffen werden. Der Wert des Landes stieg dabei mit dem Wert des Ertrags, so dass auch innerhalb der Bauernschicht der Wohlstand zunahm. Einflussreiche Familien und Clans sicherten sich durch die Kontrolle über größere fruchtbare Landstriche ihr Einkommen und konnten wirtschaftlich aufsteigen. Indes konnte die familiäre und gemeinschaftliche Produktion die erwünschten Ertragsmengen nicht mehr bieten, so dass sie für die Exporte wieder an Bedeutung verlor und sich die Plantagenwirtschaft ungehindert entwickeln konnte.

Die für die Bewirtschaftung der Plantagen benötigten Träger und Arbeiter fand man in den Sklaven ("domestic slaves"), die nun nicht mehr zu niedrigsten Preisen nach Übersee oder Europa verkauft werden mussten. So ist der Umstand zu erklären, dass der "Gewehre-Sklaven-Zyklus" auch nach Beendigung des transatlantischen Sklavenhandels weiter betrieben wurde und nun der innerafrikanische Sklavenhandel in Dahomey expandierte.

Dass diese Umstellung auf eine sklavenbewirtschaftete Produktion von Palmerzeugnissen nicht reibungslos verlief, ist nur zu verständlich. 1855 zeigte der - freilich erfolglose - Sklavenaufstand von Abomey den Plantagenbesitzern gewisse Grenzen auf, und sei es nur die, dass sie die Sklaven ökonomisch effizient einsetzen mussten, wenn sie den Ertrag steigern wollten. Insgesamt gesehen brachte die Umstellung des Exports von Sklaven auf Palmerzeugnisse (Öl und Kerne) ein großes gesamtwirtschaftliches Wachstum mit sich.


Der Kolonialisierungsprozess Dahomeys unter französischem Einfluss

Drei Säulen der königlichen Macht

Noch in der Mitte seiner Regierungszeit vereinigte König Ghezos eine große Macht auf sich. Er sah sich selbst auf einer Stufe mit der englischen Königin Viktoria, so wie er Dahomey auf einer Stufe mit England sah. Dort würden die Engländer Europa beherrschen, dessen Oberhaupt sie sei, hier herrsche er über Afrika. Obwohl der König innenpolitisch wenig autonom war, repräsentierte er nach Außen einen starken, von den europäischen Händlern und Reisenden als despotisch und tyrannisch bezeichneten Herrscher. Seine (außenwirksame) Macht stützte sich vor allem auf drei Bereiche:

1. Der Sklavenhandel mit den Europäern. Durch ein differenziertes Abgaben- und Zöllesystem diktierte der König den Sklavenhändlern die Preise. Aus diese Weise konnte er auch die nicht-königlichen Händler in Schach halten, denn ein Handelsmonopol hatte er nicht.
2. Das starke Militärwesen. Durch die hohen Einkünfte aus dem Exportgeschäft konnte Ghezo sein Heer im Laufe seiner Regierungszeit von 4.000 auf 12.000 Soldaten verdreifachen. In dieser Zeit zerfiel auch das alte Oyo-Reich, so dass die Tributzahlungen wegfielen und Dahomey zur Hegemonialmacht aufsteigen konnte. Die hohe Zahl an Kriegern war für Beutezüge in benachbarte Regionen und zur Sicherung der eigenen Handelswege nötig geworden.
3. Der Hofstaat. Auch wenn die Machtbefugnisse des Königs innerhalb der Palastgesellschaft nach neueren Forschungen recht eringschränkt waren, so war er doch zweifelsohne die Identifikationsfigur des Volkes. Eine solche Gott-ähnliche Position im Diesseits wurde durch den enorm großen Hofstaat gefestigt. Die adelige Elite wurde durch Heirat der Töchter, durch deren (gewaltsame) Aufnahme in den königlichen Harem oder durch die Übergabe von Ämtern an die Familienoberhäupter an den Hof gebunden.


Die Enstehung des "Kaufmannsadel"

Mit dem Aufkommen des Handels mit Palmerzeugnissen - im Gegensatz zu dem von den Europäern verbotenen Sklavenhandel "legitime trade" genannt - entronn dem König die wirtschaftliche Kontrolle zusehends. Einzelnen Linages - größeren Familienverbänden - gelang es, die gemeinschaftliche Produktion zu Plantagenwirtschaft auszuweiten, so dass sie in direkte Konkurrenz zum König treten konnten. Als Reaktion darauf versuchte er, mithilfe europäischer Händler ein frühkapitalistisches Wirtschaftssystem aufzubauen: gefördert und kontrolliert von ihm selbst, von dem seine eigenen Konkurrenten ausgeschlossen sein sollten.

Im Zuge dieser Bestrebungen entstand eine neue Oberschicht mit kaufmännischen Vertretern aus Brasilien, Fankreich, Großbritannien und auch afrikanischen Königreichen (z.B. der Fon). Dieser "Kaufmannsadel" betrieb die neu entstehenden Plantagen, die sie durch Landerwerb (oder -einnahme) an sich gebracht hatten. Vor allem durch die Einfuhr von Geld und Waffen konnten die europäischen Händler allmählich immer mehr Einfluss im Bereich der Exportwirtschaft gewinnen. Die königlichen Plantagen mussten diese neuerliche Konkurrenz hinnehmen, so dass aus der anfänglichen Zusammenarbeit schnell Auseinandersetzungen erwuchsen.

Nachdem dem König die Kontrolle über den Exporthandel durch die europäischen Händler weitgehend entzogen worden war, sollte auch die militärische Hegemonie des Königs in der Region fallen. 1863 wurde das Königreich Dahomey zum französischen Protektorat. Damit sollte die Gefahr der militärischen Übergriffe gegen die nicht-königlichen Plantagen, die u.a. zur Beschaffung neuer Sklaven unternommen wurden, gebannt werden. Die Schlagkraft der Armee des Königs - nach Ghezos Tod 1858 war ihm dessen Sohn Glele auf den Thron gefolgt - war aber ungebrochen. Auch die Versuche anderer afrikanischer Staaten, die Hegemonie Dahomeys zu stürzen, schlugen trotz der wirtschaftlichen Unterstützung europäischer Händler fehl. Als letztes Mittel suchten sie ihre Interessen mit Hilfe der militärischen Macht ihrer Mutterländer zu erreichen.


Französische Kolonie

1890 fielen französische Truppen in Dahomey ein, nachdem es 1884/85 auf der Berliner Konferenz zum Interessengebiet Frankreichs erklärt wurde. Der anschließende Kolonialkrieg hatte 1892 die Ausrufung der Französischen Kolonie Dahomey und 1894 den französischen Sieg zur Folge. Auch die Kolonialherrscher zeichneten sich zunächst nur für den Exporthandel verantwortlich. Der Binnenhandel auf den lokalen Märkten blieb davon weitgehend unberührt. Jedoch veboten sie sofort die Sklavenjagd und den -handel. Durch diese Behinderung des Plantagenwirtschaftsystems wurde eine erneute Umstrukturierung erzwungen, die Dahomey wirtschaftlich weit zurückwarf.

Patrick Manning:

"The French regime treated Dahomey as a sort of preserve, a hedge against the day when it might turn out to have resources worth developing. That day never came for the French." ("Das französische Regime betrachtete Dahomey als eine Art "Reserve" für den Tag, an dem sich herausstellen sollte, dass dieses Land ein entwicklungswertes Potential besäße. Diesen Tag sollten die Fanzosen nie erleben." [eigene Übersetzung])


Literatur

  • Forbes, Frederick E. Dahomey and the Dahomans. Being the Journals of Two Missions to the King of Dahomey and Residence at his Capital in the Years 1849 and 1850. London 1851 (ND 1966).
Wichtigste (englischsprachige) Quelle: Der Reisebericht von einem britischen Marineoffizier und überzeugten Abolitionisten, der am Hofe des Königs akzeptiert war.
  • Peukert, Werner. Der atlantische Sklavenhandel von Dahomey 1740-1797. Wirtschaftanthropologie und Sozialgeschichte. Wiesbaden 1978.
Sehr detailliert und trotzdem gut übersichtlich analysiert Peukert die Sklavenhandelsgesellschaft Dahomey zu der Zeit ihrer größten Exportzahlen unter öknomischen und vor allem sozialen Geschichtspunkten.
  • Manning, Patrick. Slavery, Colonialism and Economic Growth in Dahomey 1640-1960. Cambridge u. a., 1982.
Das Standardwerk für die Geschichte Dahomeys aus wirtschaftlicher Sichtweise. Der relativ umständliche Stil wird durch viele Tabellen, Diagramme und Karten mehr als wett gemacht. Besonders erwähnenswert ist die Tatsache, dass die Monographie nicht die einzelnen Zeitabschnitte allein untersucht, sondern auch deren Übergänge beleuchtet und bis in die späte Phase der französischen Kolonialherrschaft reicht.
  • Alpern, Stanley B. Amazons of Black Sparta. The Women Warriors of Dahomey and the Nature of War. London, 1998.
  • Edgerton, Robert B. Warrior Women. The Amazons of Dahomey and the Nature of War. Boulder und Oxford, 2000.
Diese beiden relativ neuen Arbeiten über die Amazonen bieten - bei gegenseitiger Ergänzung - eine fundierte Grundlage zum Einstieg in dieses spezielle Thema. Während Alpern eher im Erzählstil schreibt, hebt Edgerton mehr auf die Bedeutung der Amazonen für den Krieg selbst ab. Die ausführlichen Anmerkungen und Literaturlisten ermöglichen weitere intensive (hauptsächlich francophone) Studien.


Links

Diese Zeitleiste behandelt den transatlantischen Sklavenhandel insgesamt von etwa 1450 bis ins 19. Jahrhundert. Die zeitlich relativ grobe Untergliederung ist mit kurzen Erläuterungen versehen, die auf die wichtigsten Ereignisse der jeweiligen Zeitspannen eingehen. Zusätzlich sind zu den einzelnen Aspekten 2-3 knapp kommentierte Links angegeben. Diese Seite ist gut geeignet, um sich einen Überblick zu verschaffen und gleich anschließend in ein Thema tiefer einzusteigen.
Die Seiten der "Afrocentric Experience" bieten eine recht bunte Mischung aus Informationen, ohne dass sich dem Nutzer das dahinter liegende Konzept schnell erschließen würde. Von daher ist eine kritische Überprüfung der Inhalte unerlässlich. Die sehr detaillierte Zeitleiste zum transatlantischen Sklavenhandels ist jedoch einwandfrei recherchiert und stellt einen Zusammenhang zwischen dem Handel und politischen Entwicklungen in Europa und Amerika her. Sie ist eine gute Ergänzung zu der Zeitleiste oben.
Hinter diesem Link verbirgt sich eine extrem ergiebige Bildergalerie zum Thema Sklaverei. Der quantitative Schwerpunkt liegt zwar auf der Dokumentation der Sklaverei in Amerika, zum Stichwort "Dahomey" liefert der angebotene Suchindex aber auch 21 Bilder. Auch 27 (z.T. historische) Karten Afrikas werden angeboten. Ein weiterer Vorteil: Alle Bilder eignen sich in Größe und Qualität zum Kopieren oder Ausdrucken auf Folie.
Essay von Robin Law: "The Transition from the Slave Trade to 'Legitimate' Commerce" (1996), der hier im Volltext vorliegt.
Diese Seite von Studenten der Universität Hamburg unter der Leitung von Prof. Dr. Leonard Harding bietet einen hervorragenden Einblick in die Geschichte des alten Königreiches von Benin. Mit dem Aufkommen des Palmölhandels löste das alte Benin Dahomey als Hauptexporteur der Region ab. Insofern ist es eher als Erweiterung zu verstehen, um die fortschreitenden Entwicklung aufzeigen zu können.
Die Universität von Pennsilvania bietet auch aktuelle allgemeine Informationen über die heutige Republik Benin an, die in Art und Umfang mit denen eines Reisführers vergleichbar sind.



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