Die Aufgabe

Aus LernWerkstatt Geschichte
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  • Am Anfang der Arbeit steht die Ermittlung der Aufgaben- und Fragestellung. Sie entscheidet über den Arbeitsaufwand, den Umfang der Quellen- und Literaturrecherche und die Form der Darstellung.

Im Normalfall werden die Themen für Hausarbeiten und Referate von den Dozenten vergeben. Die Aufgabe sollte genau beachtet und notfalls mit den Dozenten abgesprochen werden. Die Aufgaben- und Fragestellung ist für die Recherche von großer Bedeutung. Wird die Bearbeitung eines vorgegebenen Textes verlangt, so entfällt zunächst die Literaturrecherche, dürfte aber während der Arbeit an dem Text durchaus notwendig werden. Andernfalls ist zunächst ein Gang in die Bibliothek notwendig (siehe dazu unten mehr).

Die Quellen- bzw. Literaturauswahl und -bearbeitung ist für die weitere Arbeit von entscheidender, grundlegender Bedeutung. Nicht nur, welche Literatur benutzt wird, sondern auch wie sie bearbeitet und ausgewertet wird, entscheidet über den späteren Erfolg. Wer beispielsweise über grundlegende Elemente der Grundherrschaft berichten soll und lediglich eine veraltete Darstellung benutzt, wird mit hoher Wahrscheinlichkeit mit einem Mißerfolg die entsprechende Sitzung verlassen. Wer zentrale Grundpositionen der Forschung zum Thema „Grundherrschaft“ bearbeiten soll und zuvor nicht mit dem Dozenten klärt, welche Grundpositionen dieser in erster Linie vorgestellt haben möchte, geht ein ebenfalls hohes Mißerfolgsrisiko ein, denn ein Anfänger wird kaum in der Lage sein, sich in kurzer Zeit einen hinreichend genauen Überblick über Forschungspositionen und -kontroversen zu verschaffen.

Neben der richtigen Auswahl der zu benutzenden Literatur ist auch deren Bearbeitung wichtig. Es macht einen erheblichen Unterschied aus, ob man in einem Kurzreferat einen Überblick geben will, der lediglich Grundtendenzen aufzeigt (ohne sie aber vertiefend zu verfolgen), oder ob man eine sorgfältige Darstellung konkreter Vorgänge bzw. Ereignisse vorlegt, in der auch Details bedeutsam sind. Dabei sollten die Anforderungen, die ein Kurzreferat an den Autor stellt, nicht unterschätzt werden, denn eine auf wenige Aussagen reduzierte Darstellung setzt eine intensive Beschäftigung mit dem jeweiligen Thema voraus.

In unserem Beispiel, der Agrargeschichte der frühen Neuzeit, sind etwa folgende Arten von Darstellungen möglich:

  • Vorstellung theoretischer Ansätze, z.B. die Begriffe Feudalismus, Grundherrschaft,
  • Darstellung eines Ereignisses, etwa des Bauernkriegs,
  • Analyse einer gesellschaftlichen Struktur wie der Grundherrschaft,
  • Präsentation und Kritik einer Quelle wie der 12 Artikel des Bauernkrieges.

In jeder dieser Themenstellungen wird man spezifischen Herausforderungen begegnen. Im ersten Fall gilt es zunächst, sich bewußt zu sein, daß „theoretische Ansätze“ zwar furchtbar nüchtern klingt, es sich jedoch bei Theorien um modellhafte Rekonstruktionen historischer Sachverhalte handelt. Wer ein Modell darstellen will, muß sich von vornherein darüber im klaren sein, daß er es mit abstrakten Fragen und Überlegungen zu tun hat, die einer exemplarischen Konkretisierung bedürfen. Durch Beispiele sollte der abstrakte Gegenstand veranschaulicht darzustellen und die Möglichkeiten wie Grenzen der jeweiligen theoretischen Ansätze erläutert werden. In diesem Zusammenhang können auch eigene Verständnisprobleme erläutert werden.

Anders sieht es bei ereignisbezogenen Themen aus. Hier wird der Frage nach der möglichst genauen Rekonstruktion eines Geschehens große Aufmerksamkeit zu widmen sein; damit kommt der sorgfältigen und kritischen Quellenanalyse unter Berücksichtigung der wichtigsten Forschungsergebnisse eine wichtige Aufgabe zu.

Die Präsentation und Kritik einer Quelle erfordert eine Inhaltsangabe des Textes, einschließlich möglicher Varianten (Überlieferungsgeschichte), eine Bewertung des Autors (sofern er bekannt ist), seiner Adressaten und seiner Zielsetzung (an wen richtete er sich, was wollte er mit diesem Text bewirken) und schließlich eine Kritik der Quelle hinsichtlich ihrer Aussagefähigkeit und Wahrheitstreue, wobei diese Kritik sowohl textinterne Elemente (widerspricht sich der Autor, bleibt er in manchen Aussagen undeutlich etc.) als auch externe Aspekte (stimmen die Aussagen der Quelle mit denen anderer, zum gleichen Thema vorliegender Quellen überein?) berücksichtigen muß. Schließlich sollte die Aussagekraft der Quelle im Zusammenhang des behandelten Themas herausgearbeitet werden (z.B.: welche grundsätzlichen Aussagen ermöglichen uns die „12-Artikel“ über die Ziele und Motive der Bauern?)

Bei der Analyse einer gesellschaftlichen Struktur, etwa der Grundherrschaft, ist es wichtig, zentrale Begriffe und deren Beziehung zueinander darzustellen und durch charakteristische Beispiele zu erläutern.