Eine Bauerntochter wandert aus

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Eine Bauerntochter wandert aus

Die gut situierte Bauerntochter Sophie Meineke berichtet ihrer Familie in Briefen von der Reise nach Kalifornien und dem Alltag in der Zeit des Ankommens. Die Transkription entstand im Rahmen der Sommeruni im Museumsdorf Cloppenburg 2009 und der Sommeruni in Hannover 2010.

Briefe an die Hayssens vor der Auswanderung

(Vorgeschichte Briefe 01 - 03)

Im dritten Brief richtet sich ein gewisser Fähsenfeldt an die Familie Hayssen und bittet um die vierteljährige Zahlung der Pensions- und Unterrichtskosten für die Tochter Johanne. Des weiteren gratuliert der Herrn Hayssen zur Geburt seiner Tochter, deren Name unerwähnt bleibt. Auf dem Umschlag befindet sich eine weitere Nachricht zur Geburt dieser Tochter, deren Verfasser aber nicht genannt wird.


Auf der Reise

(Briefe 01 - 04)

Über die Reise aus dem oldenburgischen Land nach Kalifornien erfahren wir das erste mal in einem von der Verfasserin als 4 gekennzeichneten Brief. Sophie berichtet zunächst von der zweitägigen Überfahrt nach South Hampton und der Situation auf dem Schiff. Im folgenden Brief 2 befindet sie sich bereits an Bord der Borussia vor der Küste New Yorks. Sie beschreibt die englische Küste, Wetter und Wasser, vor allem lässt sie sich aber über das Essen auf dem Schiff sowie die Langeweile aus. Auch ein heftiges Unwetter, bei dem das Steuerhaus weggerissen wurde, bleibt nicht unerwähnt.


An Bord des Dampfschiffes [John L. Stephens] auf dem Weg von New York (Abreise am 07.11.1858) nach San Francisco berichtet Sophie von der letzten Etappe ihrer Reise (Brief 6). Da es seit langer Zeit nur Wasser zu sehen gab, ist sie nun erfreut über die abwechslungsreiche Landschaft, man muss wegen eines Sturmes einige Tage in Aspenwall (das heutige Colon) bleiben – ein bereits von Reisenden überfüllter Ort. Besonders die fremdartigen Ureinwohner so wie die und außergewöhnliche Früchte fallen Sophie auf. Einige Tage später dann treffen die Reisenden in Panama ein, die Fahrt führt weiter durch die „Wildniß“ mit den „schönsten Pflanzen“, doch besonders fallen ihr die ärmlichen Behausungen der Einwohner auf. Am 23. legt das Schiff schließlich in Mexiko an, auch hier ist Sophie sehr beeindruckt von den Eingeborenen. Die Passagiere des Schiffes vergnügen sich damit, Geldstücke ins Wasser zu werfen, nach denen die Mexikaner tauchen. Weiter beschreibt Sophie den Alltag an Bord des großen Schiffes mit seiner „amerikanischen“ Einrichtung und Verpflegung. Sie erwähnt einige Kontakte an Bord, sehr beeindruckt ist sie von dem Tod eines Kindes, das in einem Leinensack „ins Meer geworfen wurde“, während am andern Ende in demselben Augenblick „getanzt und musiciert“ wurde. Den Brief schließt Sophie voller Vorfreude, dass diese bereits sieben Wochen dauernde Reise in wenigen Tagen überstanden sein wird. Sie sorgt sich aber so sehr um ihre Familie in Deutschland, dass ihre Gedanken oft abschweifen – und sie weiß, dass auch die Daheimgebliebenen sehnlich auf Neuigkeiten warten.


Angekommen

(Briefe 05 - 07)

Im neunten Brief beschreibt Sophie ihren Eltern die neue Wohnung in Murphys. Besonders genau geht sie dabei auf die Ausstattung der Wohnung und die Küche ein. Sie berichtet über den Garten, die Arbeit und das Essen. Hauptsächlich verzehren sie Mehl- und Milchspeisen, Fleisch und Suppe. Sophie klagt über zu wenig Gemüse. Fritz und Sophie haben sich 25 Kühe und 30 Hühner angeschafft, sie stellen Butter und Buttermilch her, die sie verkaufen.


Mit Brief 07 richtet sich Wilhelm an seinen Bruder Hinrich. Nachdem sie zwei Monate in Murphys wohnen, haben sie die Viehwirtschaft bereits gut eingerichtet und erwägen den Zukauf weiterer Tiere. Wilhelm berichtet über unterschiedliche Viehhaltungsmethoden, Preise und Absatzmärkte.


Eingelebt

(Briefe 08 - 12)

In Brief 08 schreibt Friedrich an die Eltern, dass sie die Entbindung von ihrem Sohn gut überstanden hat. Auch berichtet er von Wilhelms Geschäften. Friedrich versichert den Eltern, dass er das Darlehen von ihnen mit Zinsen an sie zurückzahlen wird. Außerdem erzählt er von einem Feuer, das Valecito heimgesucht hatte. Seine Bekannten sind, aber alle von diesem verschont geblieben.

Wilhelm Hayssen, der Bruder Sophies, wendet sich im 13. Brief an seine Eltern. Er habe von Fritz Vieh gekauft und sei deswegen nicht mit seiner Schwester umgezogen [siehe Brief 11]. Das neue Geschäft führe er zusammen mit Wilhelm von Rönn, doch widrige Umstände erschweren die Aufzucht des Milchviehs. Bereits im Voraus wünscht er seinen Eltern alles gute für das anbrechende Jahr und verabschiedet sich mit der Bitte nach weiteren Briefen.

In Brief 11 berichtet Sophie ihren Eltern von ihrem Umzug nach Stockton in ein Haus mit Garten aufgrund der Geschäftsaufgabe ihres Mannes. Sie gibt über die Schwierigkeiten des Möbeltransportes ebenso Auskunft wie über die Krankheit ihres Sohnes, der sich jedoch laut Sophie auf dem Wege der Besserung befinde. Ein weiteres Thema des Briefes ist ein missglücktes Verkaufsgeschäft zwischen Fritz und einem Fremden durch einen Fehler Wilhelms. Sie erzählt aber auch von den Schwierigkeiten der zeitaufwändigen und langwierigen Kommunikation durch Briefe.

In Brief 12 schreibt Sophie erkundigt sie sich über die Gesundheit ihrer Familie in Deutschland und erzählt vom Wetter und den Nachbarn. Sie bedankt sich für die Geburtsanzeige und berichtet von ihrem Sohn. Sophie erzählt, dass Wilhelm und Fritz v. Rönn sie besucht hätten. Der jüngste Lothmann hilft ihr im Haushalt, sie wünscht sich aber ein Mädchen als Hilfe. Sophie erwähnt, dass sie umgezogen sind und beschriebt detailliert den Garten.

In Brief 14 berichtet Sophie vom Frühjahr in Kalifornien, das besonders schön ist, während die Hitze und der Staub im Sommer sehr unangenehm sind. Sie baut langsam einen landwirtschaftlichen Haushalt wie zu Hause auf, leidet aber auch wohl unter der Trennung von den Eltern und der fehlenden Aussicht auf deren Besuch in Kalifornien. Sie berichtet von einer neuen Bekannten in Stockton, deren junger Sohn gestorben ist. Ihr junger Ferdinand ist immer noch nicht ganz gesund, scheint ein kleines Kind zu sein, das aber langsam sich erholt von einer vorherigen Krankheit.

In Brief 15 berichtet Sophie zum einen, dass Fritz v. Rönn keinen festen Arbeitsplatz hat, trotzdem aber gutes Geld verdient, zum anderen erzählt sie, dass ihr Fritz sein Land zusammen mit Wilhelm bewirtschaftet. Der Garten wird von ihnen weiter gepflegt und die Verkehrswege sind schlecht befahrbar. Sophie schreibt, dass in der Gegend Vieh gestohlen wurde, auch ihnen sind zwei Stiere abhanden gekommen. Auch Silvester haben sie gefeiert.

In Brief 16 beschwert sich Sophie zu Anfang, dass sie so wenig von Hannchen hört und Meta noch bei ihnen lebt. Sie wurde von einem Herrn Kloppenburg aus Seefeld besucht wurde. Sophie schreibt, dass ein neuer Präsident bald sein Amt antreten werde und sich die Trennung der südlichen und nördlichen Staaten anbahnt. Sie hofft aber, dass es nicht dazu kommen wird.


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