Einführung in die Arbeit mit Quellen

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Inhaltsverzeichnis

Was ist überhaupt eine Quelle?

Als Quellen werden sämtliche Überreste der Vergangenheit bezeichnet. Dazu gehören neben schriftlichen Zeugnissen wie Gerichtsakten, Bevölkerungsstatistiken,Testamente und Tagebücher, z.B. auch bauliche Überreste (archäologische Zeugnisse, Grenzsteine, Gebäude, Denkmäler u.a.), Kleidung, "Tatsachen" (Flurnamen, Sitte, Brauch) oder erzählte Erinnerungen. Sie können, je nach Inhalt, z.B. Hinweise auf die Lebensverhältnisse, die politischen Geschehnisse oder die wirtschaftliche Situation in vergangenen Zeiten geben.

Es fällt auf, dass aus dem Mittelalter viele kirchliche Urkunden überliefert wurden. Das hat Folgen für unser Geschichtsbild. So beruht unsere Kenntnis von der mittelalterlichen Grundherrschaft (der sogenannten Villikationsverfassung) nahezu ausschließlich auf kirchlichen Urkunden. Wie dagegen das Verhältnis von weltlichen Grundherren zu ihren Bauern aussah, können wir höchstens vermuten.

Umfangreich ist das Schriftgut der Behörden des frühneuzeitlichen Staates, also Akten, Briefe und registerförmige Quellen. Je näher wir der Neuzeit kommen, desto mehr schwillt diese Überlieferung an, so dass die Probleme darin bestehen, aus dem Material das Wesentliche herauszufiltern.

Aber auch bei dem Schriftgut der Behörden gab es Verluste. Brände oder Überschwemmungen können ebenfalls große Lücken gerissen haben. So erlitt das Niedersächsische Hauptstaatsarchiv in Hannover durch Kriegseinwirkung und das Hochwasser von 1946 schwere Verluste.

Modernes Schriftgut ist inzwischen so umfangreich geworden, dass ein hoher Prozentsatz vernichtet werden muss. Zwar haben die Archivare ausgefeilte Methoden entwickelt, um sicherzustellen, dass in Zukunft alle wichtigen Fragen durch die Quellen bearbeitet werden können, aber wir wissen nicht, welche Fragen Historiker in Zukunft stellen und welche Methoden sie einsetzen werden.

Jede Quellengattung hat ihre spezifischen Informationsmöglichkeiten: mittelalterliche Urkunden dokumentieren Rechtsgeschäfte, Akten der frühen Neuzeit sind Behördenschriftgut und spiegeln damit die Behördentätigkeit, aber nicht unbedingt den Alltag der Untertanen wider.

Persönliche Erinnerungen, die nicht aufgeschrieben, sondern erzählt werden, liegen nur aus dem 20. Jahrhundert vor. Das 19. und 20. Jahrhundert bieten noch weitere, bis dahin nicht gekannte Quellen wie Fotos, Filme oder Zeitungen (wenngleich solche schon früher entstanden).

Eine entscheidende Frage bei der Interpretation von Quellen ist die Frage nach dem Rahmen, in dem die Quelle entstand: wer sie schrieb, an wen er schrieb, in welchem Zusammenhang sie geschrieben wurde. So biten registerförmige Quellen heute wichtige Informationsmöglichkeiten zur Bevölkerungs- oder Familiengeschichte der frühen Neuzeit, angelegt wurden sie aber, um dem Staat oder Grundherren einen Überblick der wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit der Untertanen zu geben, damit sie besser besteuert werden konnten.

Welche verschiedenen Quellen gibt es?

Die verwirrende Fülle der Quellen kann nach verschiedenen Gesichtspunkten geordnet werden. Einer davon fragt, ob die Zeugnisse mit der Absicht entstanden, uns Heutigen ein bestimmtes Bild ihrer Zeit zu vermitteln, oder ob sie vielmehr unmittelbare Überreste des damaligen Lebens sind. Entsprechend dieser Frage werden Quellen in "Überreste" und "Tradition" unterschieden. Unter Überresten ist alles dasjenige Quellenmaterial zu verstehen, das von den Geschehnissen übrig geblieben ist. Überreste können wie folgt eingeteilt werden:

  1. Sachüberreste,
  2. abstrakte Überreste,
  3. schriftliche Überreste,
  4. Oral History - mündliche Überlieferung,
  5. Fotos als Quellen,
  6. Filme als Quellen.

Sachüberreste

Sachüberreste sind einfach "da". Es sei denn, es bedarf intensiver Suche und sorgfältiger Ausgrabungen, um erst an sie zu gelangen und sie "zum Sprechen" zu bringen. Das gilt für archäologische Zeugnisse. Deren Bergung muß von Fachleuten vorgenommen werden. Amateure können hier nur in Teilbereichen helfen - Grabungen und Auswertung der Ergebnisse müssen den Fachleuten überlassen bleiben.

Archäologische Zeugnisse als wichtige Gruppe der Sachüberreste sind für schriftlose Kulturen die einzigen Quellen, die wir besitzen. Dabei sind sie immer aus einem Zusammenhang gerissen, den wir nicht kennen. Sie vermitteln uns zuweilen sehr genaue Kenntnisse über enge Teilbereiche des Lebens, tauchen diese in helles Licht, während dicht daneben alles im Dunkeln bleibt. Sachüberreste geben uns dabei vorrangig Informationen über die Sachkultur bestimmter Zeiten. Damit erfassen sie einen Bereich, den schriftliche Quellen nicht oder nur sehr unzureichend erfassen. So wissen wir recht gut über die Kleidung frühgeschichtlicher Menschen Bescheid (anhand von Moorfunden), deren Eßgewohnheiten oder die Größe ihrer Häuser (aufgrund von erhaltenen Pfostenlöchern). Doch dabei bleibt es. Wie teuer z.B. die Nahrung war, das wissen wir ebensowenig, wie wir die Höhe der Häuser oder deren Dachformen kennen.

Ihren Wert haben archäologische Zeugnisse vor allem deshalb, weil sie uns angeben können, wann in frühgeschichtlicher Zeit schon Menschen in der Nähe unseres Heimatortes gelebt haben. Archäologische Zeugnisse aus jüngerer Zeit, in der schon schriftliche Quellen vorliegen, sind für die Dorfgeschichte selten. Anders ist es bei der Stadtgeschichte. Hier kann mittelalterliche Archäologie zunehmend Material bereitstellen, welches eine gute Ergänzung zu den schriftlichen Quellen bildet.

Abstrakte Überreste

Abstrakte Überreste wie z.B. Sprichworte, Rituale, Verhaltensnormen etc. sind besonders schwierige Quellen - und vielleicht deshalb so beliebt. Reizen sie doch zum Spekulieren.

Betrachten wir das "scheinbar Selbstverständliche" unseres Alltags, so lassen sich daraus oft interessante Schlüsse ziehen: was essen wir, welche Kleidung tragen wir, wie wohnen wir, welche Redewendungen verwenden wir, welche Berufe gibt es in welcher Gegend, welche Rituale (Feiern, Trauen, Streiten etc.) sind gebräuchlich - all das läßt sich unter dem Begriff "Alltagskultur" zusammenfassen.

Schriftliche Überreste

Gemäß der Begriffsbestimmung sind als schriftliche Überreste Quellen erfaßt, welche auf die jeweilige Gegenwart bezogen bleiben. Für die frühe Neuzeit (1500-1800) und die Neuzeit (ab 1800) liegt eine nahezu unübersehbare Fülle solcher schriftlicher Überreste vor. Damit drängen sie alle anderen Quellen gewissermaßen in eine Randposition. Zu einem großen Teil bestehen diese schriftlichen Überreste aus dem Schriftgut der Behörden des frühneuzeitlichen und neuzeitlichen Staates. Erst in den Jahrhunderten nach 1500 entstand Verwaltung im heutigen Sinne. Sie hinterließ in zunehmendem Maße schriftliches Material. Das geschah nicht in der Absicht, späteren Historikern ein bestimmtes Bild von der eigenen Zeit zu geben, sondern die gegenwärtigen Aufgaben der Verwaltung zu erfüllen. Das Material wurde aufbewahrt, um auch später der Verwaltung die Möglichkeit zu geben, frühere Verwaltungsvorgänge zu rekonstruieren. Damit bildet es gewissermaßen das "Gedächtnis" des Staates und seiner Verwaltung.

Für den Historiker ist das ein wichtiger Tatbestand. Bedeutet er doch, daß diese schriftlichen Quellen nie den Anspruch erfüllen können, direkt ein bestimmtes Bild ihrer Zeit zu vermitteln (es sei denn ein Bild von der Arbeit der Verwaltung. Zwar erfahren wir über die Akten viel von der Vergangenheit, doch nur indirekt. Immer wieder müssen wir fragen, wer dort mit welcher Absicht und für wen etwas geschrieben hat. Nur wenn wir diese Fragen beantworten können, sind wir in der Lage, zu entscheiden, wie wir die Informationen in den Quellen einzuschätzen haben.

Hierher gehört die Überlegung, ob ein Register der Steuerzahler zum Beispiel hinreichend genau das erfaßt hat, was es erfassen sollte, oder ob ein Amtsbericht über nichtbäuerliche Bevölkerung auf dem Land deren Verhältnisse tatsächlich angemessen beschreibt oder vorrangig Vorurteile des Amtmanns widerspiegelt, der diesen Bericht verfaßt hat. In solchen Fällen müssen diese Quellen sozusagen "gegen den Strich", also gegen die vordergründige Haltung des Verfassers gelesen werden. Über Absicht und Bedeutung des Schriftguts der Behörden können wir dann gut urteilen, wenn wir über die Geschichte der betreffenden Behörden und deren Geschäftsgang hinreichend informiert sind. Das ist ab dem 17. Jahrhundert tatsächlich meistens der Fall.

Wenn die Masse der schriftlichen Quellen der frühen Neuzeit von Behörden stammt und der schriftliche Niederschlag von deren Verwaltungstätigkeit sind, so läßt sich daraus auch schließen, welche Informationen wir diesen Quellen entnehmen können und welche nicht. In den Akten berichten Beamte, also meist Ortsfremde, immer dann über das Dorf oder die Stadt, wenn bestimmte Verwaltungsaufgaben erfüllt werden müssen. Das geschieht etwa, wenn für die Erhebung neuer Steuern Register oder Kataster erstellt werden.

Es sind vor 1800 meist nicht die Einwohner selbst, die uns von ihrem Dorf berichten und dem Leben, welches sie darin führen. Sondern es sind Ortsfremde, die uns ihre Version hinterlassen haben. Selbst wenn auf den ersten Blick die Bürger und Untertanen zu sprechen scheinen, ist das selten tatsächlich der Fall. Zwar geschah es ab und zu, daß sie sich zu Wort meldeten - in Eingaben (Petitionen) etwa. Doch bis 1830/40 schrieben und formulierten sie im allgemeinen nicht selbst, sondern vertrauten sich einem Schreiber an. Der brachte dann den Brief in eine Form, die er für angemessen hielt. Dazu gehörte auch die Verwendung zeittypischer Höflichkeitsfloskeln, die mancher Eingabe den so demütigen Ton geben ("in Ehrfurcht ersterbend"). Im Schriftgut des frühneuzeitlichen Staates haben wir also nur Berichte über das Dorf vor uns. In kritischer Auseinandersetzung mit diesen Berichten müssen wir aus ihnen erschließen, wie sich die Lebensbedingungen in Dorf und Stadt tatsächlich entwickelt haben. Dazu gehört, wie schon gesagt, ein Lesen "gegen den Strich". Manche Bereiche des damaligen Lebens werden in den Akten nicht oder nur am Rande erwähnt, weil es nicht Aufgabe einer bestimmten Behörde war, darüber zu berichten oder weil es keinen Anlaß für einen Bericht gab.

Oral History - Mündliche Überlieferung

Schriftliche Quellen sind immer einseitig. Über die Gefühle, Wünsche, Vorstellungen, Erwartungen der Dorfbewohner sagen sie nichts, ebensowenig wie über deren persönliche Wahrnehmung der Geschichte. Hier hilft nur die mündliche Überlieferung weiter. Erzählte oder aufgeschriebene Lebenserinnerungen gehören ebenfalls der Tradition an. In den letzten Jahren wurde vor allem die mündliche Überlieferung (wieder) entdeckt. Sie brachte endlich Bevölkerungsgruppen zum Berichten, die bislang in den schriftlichen Quellen nicht oder nur am Rande vorkamen. Damit bildet die mündliche Überlieferung eine notwendige Ergänzung zu den Akten der Behörden. Leider reichen ihre Informationen nur etwa 80 Jahre zurück. Doch lassen sie uns ahnen, was alles in dem umfangreichen Behördenmaterial nicht vorkommt.

Aber nicht nur der darstellbare Zeitraum ist begrenzt, und es muß mit mehrfachen subjektiven Veränderungen gerechnet werden. Die erste ergibt sich daraus, daß jede Wahrnehmung nur ausschnitthaft ist. Dies gilt natürlich auch und gerade für den einfachen Dorfbewohner. Er hat von den großen politischen Veränderungen nur wenig erfahren, nahm meist höchstens am Rande mit teil (etwa bei den Großkundgebungen des NS-Regimes), und war in seinen persönlichen Erfahrungen auf das eigene Dorf und dessen nähere Umgebung beschränkt. Jeder kann für sich die Gegenprobe machen: wieviel von den politischen Ereignissen unserer Zeit erleben wir tatsächlich als Zeit-Zeugen, und nicht nur als Konsumenten und Objekte der großen Politik? Erinnerung ist selektiv, vieles wird verdrängt oder vergessen, anderes im Laufe der Zeit anders bewertet.

Fotos als Quellen

Fotos stellen neben der mündlichen Überlieferung eine wichtige Quelle für die Lokal- und Regionalgeschichte dar. Ähnlich wie "Oral History" ist sie auf die letzten 70 bis 80 Jahre beschränkt. Die Wege, um an Fotos überhaupt zu gelangen, sind im Prinzip einfach zu beschreiben: am besten über persönliche Kontakte, zuweilen helfen auch Aufrufe in der örtlichen Presse.

Fotos scheinen zunächst aus sich heraus zu sprechen, das ist jedoch ein Irrtum. Die üblichen Fotoalben (und erst recht die Fotos in Schuhkartons und ähnlichen Behältnissen) enthalten meist nur wenig oder keine Informationen über die abgebildeten Personen, Ereignisse oder Gebäude. Ohne diese Information sind sie aber nahezu wertlos. Fehlen diese Informationen, müssen sie erschlossen werden, am besten über Gespräche mit den Besitzern der Fotos oder anderen Ortsbewohnern. Zuweilen ist es aber schon zu spät für solche Fragen, denn auch im Dorf reichen manche Fotos bis in die letzten Jahrzehnte des vorigen Jahrhunderts zurück. Und für diese Zeit versagen die Erinnerungen der ältesten noch lebenden Zeitzeugen. Mithin stellt das Sammeln und Bearbeiten alter Fotos schon an sich einen wichtigen Beitrag zur Lokal- und Regionalgeschichte dar.

Fotos sind mithin eine wichtige, ja unverzichtbare Quelle. Sie beginnen jedoch erst dann ihre Informationen preiszugeben, wenn sie richtig ausgewertet werden. Nur in der Kombination mit mündlicher Überlieferung und schriftlichen Zeugnissen kann dies gelingen.

Filme als Quellen

Die Wiedergabe bewegter Bilder im Jahre 1895 vor einem Publikum, das dafür Eintritt zahlte, gilt als die Geburtsstunde des Films. Von Beginn an waren die Menschen fasziniert von der "echten und lebensnahen" Wiedergabe der erlebten Realität. Die enormen Fortschritte in der Aufnahme- und Projektionstechnik haben diesen Eindruck seitdem weiter gesteigert, so dass das Medium Film prädestiniert dafür erscheint, Ereignisse und Vorgänge wiederzugeben bzw. darzustellen.

Für die Geschichte des 20. Jahrhunderts heißt das, dass der Film (und sein "jüngerer Bruder", das Fernsehen) relevant sind, zum einen weil sie selbst ein wichtiger Teil des gesellschaftlichen Lebens waren und sind, zum anderen weil im Film zahlreiche Lebensbereiche abgebildet wurden, auf die wir nun zurückblicken können. Das Problem für historisch Interessierte liegt nun darin, dass jeder Film (vom klassischen Filmdokument bis zum Spielfilm) immer beides ist, wenn auch nicht immer zu gleichen Anteilen: er ist dokumentarisch ("objektiv"), weil er das abbildet, was sich im Blickwinkel der Kamera befindet (u.U. "nur" das inszenierte Spiel), und er ist stets inszeniert, weil er nur einen bestimmten örtlichen und zeitlichen Ausschnitt aus einem bestimmten Blickwinkel zeigt, der dann auch noch der Nachbearbeitung unterliegt.

Eine filmische 1:1-Abbildung der Realität kann es also nicht geben, ein Film ist niemals ein sich selbst erklärendes Dokument für die Vergangenheit. Um den Quellenwert zu ermessen, muss der Film befragt werden, das heißt dass die immanente Aussage des Films zunächst bestimmt und dann kontextualisiert werden muss: wer zeigt hier mit welcher Absicht und unter welchem Einfluss was und wie reagiert die Mitwelt darauf. Wenn ein Film auf diese Weise in seinem Kontext sichtbar wird, kann er eine hervorragende Quelle seiner Entstehungszeit sein: für Ereignisse, Vorgänge, Zustände, noch mehr allerdings für eine zeitgenössische Sicht auf die Ereignisse etc.

Welche Fragen stellt man an eine Quelle?

Eine Quelle spricht niemals aus sich selbst heraus. Neben einer Abklärung von unklaren Begriffen und der Sicherung der Lesbarkeit, sollte sich die Interpretation an den fünf "großen Ws" orientieren.

  • WER hat die Quelle verfasst?
  • WANN wurde sie geschrieben?
  • Um WAS für eine Quelle handelt es sich? WARUM und zu welchem Zweck wurde sie geschrieben?
  • Wo findet man die Quellen?

Wer hat diese Quelle geschrieben?

Wenn man vom Normalfall ausgeht, so ist aus der Quelle der Autor ersichtlich. Ist dies nicht der Fall, so wird es in den meisten Fällen schwer, diese Quelle eindeutig einer Person zuzuordnen.

Neben der Frage des "Wer" ist auch das "An wen" eine wichtige Fragestellung an eine Quelle sein. Ein Vertrag zwischen zwei Staaten ist natürlich in einer anderen Sprache und mit einem anderen Ziel verfaßt worden.

Wann wurde die Quelle geschrieben?

Die Frage, wann eine Quelle entstanden ist, kann zunächst als ganz banales Problem erscheinen. Wenn man jedoch eine Quelle in einen historischen Gesamtkontext stellt, so ergeben sich aus dieser Frage wichtige Schlußfolgerungen. So kann es vorkommen, daß z.B. Verträge an bedeutungsvollen Tagen unterzeichnet oder daß Daten nachträglich verändert wurden, um die Geschehnisse in einem anderen Licht erscheinen zu lassen.

Nicht immer ist aus einer Quelle genau ersichtlich, wann sie verfaßt wurde. Die Aufgabe des Forschenden besteht dann darin, Hinweise aus der Quelle in einen Gesamtzusammenhang einzubetten und daraus Rückschlüsse zu ziehen. An welche Person ist das Schreiben gerichtet? Taucht ein Begriff oder eine Redewendung auf, die nur zu einer bestimmten Zeit gebräuchlich war? Wird auf markante Ereignisse Bezug genommen? Solche und viele weitere Fragen können helfen, das Entstehungsdatum einer Quelle herauszufinden.

Um was für eine Quelle handelt es sich? Warum und zu welchem Zweck wurde sie geschrieben?

Hier soll nur auf Quellen schriftlicher Art eingegangen werden, wo bei es sich um folgende Schriftstücke handeln kann:

  • Kirchenbücher
  • Verträge
  • ...

Die Fragen nach den Umständen, unter denen die Quelle entstand, verweisen ganz allgemein auf die Verwaltungsgeschichte und die politische Geschichte des Territoriums. Hier erfahren wir Näheres über die Einrichtung von Behörden, die Personen, die in ihnen handelten und die Absichten der Herrscher und ihrer Räte, die den Behörden bestimmte Aufgaben zuordneten.

Jede einzelne Quelle gehört in einen größeren sachlichen Zusammenhang. Für den Forschenden ergibt sich daraus die Forderung, diesen Zusammenhang vor der Bearbeitung der Quelle zu kennen. Hierzu dient die Fachliteratur.

Wo findet man Quellen?

Der übliche Ort für Quellen sind Archive (schriftliche Überreste) und Museen (Sachüberreste). Dort findet man jedoch überwiegend Quellen staatlicher bzw. kommunaler Herkunft.

Aber gerade Quellen aus der neueren Geschichte - seien es Tagebücher, Briefe, Fotos, Alltagsgegenstände - sind mit viel Glück noch bei Privatpersonen zu finden. Aufrufe über Zeitungen haben sich dabei als wenig ergiebig erwiesen. Vielmehr sind hier persönliche Beziehungen gefragt. Man muß mit den Menschen in Kontakt kommen, sie erzählen lassen, ihnen den Eindruck vermitteln, daß man sie und ihre Erlebnisse ernst nimmt. Sich von persönlichen Erinnerungsstücken zu trennen - und sei es auch nur zeitweise (z.B. um Schriftstücke zu kopieren) - kostet viele, gerade ältere Menschen eine große Überwindung. Wer hier einmal das Vertrauen dieser Menschen enttäuscht hat, wird es schwer haben, in diesem Dorf, Verein, Verband o.ä. wieder Fuß zu fassen. Neben der fachlichen ist hier also auch eine menschliche Kompetenz gefragt.

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