Truppenkörper

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Allgemeines

Truppenkörper ist ein Sammelbegriff für alle administrativen und taktischen Organisationen innerhalb von Armeen. Die Nomenklatur von Truppenkörpern weist eine ganze Reihe von für Organisationsgeschichte typischen Problemen auf, die stets beachtet werden sollten:

1. Die Bennungen sind einerseits historisch, andererseits wissenschaftlich-funktional. Das bedeutet, es gibt im letzteren Sinne bspw. "das Regiment" als archetypischen, statistisch gemittelten, entzeitlichten und enträumlichten Idealtypus. Dieser Begriff ist anwendbar auf administrative und/oder taktische Truppenkörper mit ca. 2.500-3.000 Mann. Daneben gibt es aber durchaus konkret historische Regimenter, die deutlich mehr oder deutlich weniger Männer umfassten, oder die andere Aufgaben als taktische oder administrative hatten - die aber aus dem historischen Kontext heraus den Begriff Regiment trotzdem unbedingt erfordern.

2. Darüber hinaus haben die hier idealtypisch genannten Begriffe in verschiedenen Ländern verschiedene Bedeutungen. Hier greift also einerseits eine organisationshistorische wie eine sprachliche Barriere.

3. Schließlich unterlagen die Begriffe sogar innerhalb eines Bezugssystems (beispielsweise "Deutsche Armeen der Neuzeit") starken Schwankungen: Die Technisierung des deutschen Heeres in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts führte z.B. zu einer massiven Reduktion der Personalstärken in verschiedenen Truppenkörpern - trotzdem belibt die Benennung die gleiche.

4. Truppenkörper sind hochkomplexe Organisationen, die neben der reinen Kopfstärke eine teils extrem ausdifferenzierte Binnenstruktur haben. Wenn in einem Arbeitszusammenhang konkrete Truppenkörper vorkommen, ist eine Beschäftigung mit dieser Binnenstruktur dringend angeraten.

5. Friedens- und Kriegsstärken unterschieden sich zumeist drastisch.

Idealtypischer Aufbau

Ein eingedenk der oben genannten Einschränkungen stark vereinfachter und abstrahierter Aufbau europäischer Heere der Neuzeit sieht in etwa wie folgt aus:

Eine Gruppe ist die kleinste Einheit des modernen Militärs. Sie umfasst im Regelfall ca. 10 Mann. Diese wird von einem Unteroffizier- oder Mannschaftsdienstgrad geführt.

Drei bis fünf Gruppen bilden einen Zug. Dieser wird von einem Unteroffizier oder einem Offizier geführt. Ca. 50 Mann.

Drei bis vier Züge bildeten eine Kompanie. Diese wird von einem Offizier geführt, zumeist Hauptmann oder eine Entsprechung (bei der Kavallerie bspw. Rittmeister). 1900 lag die durchschnittliche Kopfstärke einer deutschen Kompanie noch bei 250 Mann, im Zweiten Weltkrieg durch zunehmende Technisierung nur noch bei 150 Mann.

Mehrere Kompanien, im Regelfall vier, bilden ein Bataillon. Ca. 800-1.000 Mann. Das Bataillon gilt in der deutschen Militärgeschichte als der zentrale soziale Ort der Soldaten. Wird in der Regel durch einen Oberstleutnant geführt.

Mehrere Bataillone, im Regelfall drei, bilden ein Regiment. Ca. 2.500-3.000 Mann. Das Regiment gilt in der britischen Militärgeschichte als der zentrale soziale Ort der Soldaten. Wird in der Regel durch einen Oberst geführt.

Mehrere Regimenter bilden eine Brigade. Ca. 6.000 Mann. Wurde in der Regel durch einen Generalmajor (heute: Brigadegeneral) geführt.

Zwei Brigaden oder mehrere Regimenter (ohne die Zwischenebene Brigade) stellen eine Division. Eine Division umfasst alle Truppengattungen (bis hierher waren die Truppenkörper teils rein infanteristisch, kavalleristisch oder artilleristisch) und ist somit der kleinste eigenständig zu operativem Handeln fähige Truppenkörper. Zu den zusammengefassten Regimentern treten eigene Divisionstruppen (Pionierkompanien, Divisionsartillerie, eigene Stäbe, zentrale Sanitätsdienste). Sie umfasst daher ca. 15.000 Mann. Eine sog. verstärkte Division kann aber auch leicht über 20.000 Mann umfassen. Wird in der Regel durch einen Generalleutnant oder General geführt.

Zwei bis drei Divisionen werden zu einem Armeekorps zusammengefasst. Ca. 30.000 Mann. Werden in der Regel von einem General oder Generaloberst geführt.

Zwei Armeekorps bilden eine Armee. Armeen werden aber im Regelfall noch nach strategischen Gesichtspunkten um weitere Truppenkörper ergänzt, so dass hier auch grobe Zahlenschätzungen sinnlos werden. Armeen können Größen von 70.000 bis 250.000 Mann haben, je nach Lage. Werden in der Regel von einem General oder Generaloberst geführt.