Im Krieg Grundidee

Aus LernWerkstatt Geschichte
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Inhaltsverzeichnis

Zielsetzung des Seminars

Methodisch

Das Seminar war als Praxis- bzw. Projektseminar ausgeschrieben. Die Studierenden sollten zwar durchaus an historischen Inhalten arbeiten – zentraler Mehrwert sollte aber die Projektform dieser historischen Arbeit sein.

Die Studierenden sollten sich als Arbeitsgruppe konstituieren und und ihre Arbeitsabläufe selbst organisieren, um am Ende eine Video-Lerneinheit aus mehreren Videos als Produkt vorlegen zu können. Sie sollten dabei

  • Literatur reflektiert auswählen und vorbereiten
  • Gegenseitigen Informationsfluss dieser Vorbereitung sicherstellen
  • Das Gesamtkonzept der Lerneinheit entwickeln
  • Die Inhalte der Videos im Zusammenhang mit dem Gesamtkonzept festlegen
  • Diese Inhalte ausarbeiten
  • Eine Vortragsform für das jeweils eigene Video entwickeln
  • Den Vortrag vor der Kamera durchführen
  • Transkript bereitstellen
  • Parallel: Vor- und Nachspänne gestalten, passende CC-Musik finden, Kameraarbeit erlernen, Videokonvertierung und -verarbeitung durchführen etc.

Die zeitlichen und technischen Begrenzungen bedingen inhaltliche Schwächen der Videos. Dies wurde aus didaktischen Gründen aber in akzeptiert, weil der primäre Lerneffekt für die Studierenden in der Arbeitsorganisation und der Annäherung an das Medium Video lagen. Die historischen Inhalte waren dabei ein Bonus.

Historisch

Das Video ist mit seiner Konzentration auf die Erlebniswelt der einfachen Soldaten genau im Mainstream der "New Military History" oder auch "Modern Military History". Diese Strömung konzentriert sich auf sozial- und kulturhistorische Aspekte der Gewaltgeschichte und schreckt dabei auch keineswegs vor bspw. dekonstruktivistischen Ansätzen zurück. Weiteres finden Sie hier.

Das Seminar sollte den Studierenden ein Kennenlernen und einen interessengesteuerten Einstieg dieses spannenden und oftmals noch völlig unbekannten Teils der Militärgeschichte bieten.

Ursprüngliches Konzept

Folgende Konzeption war die Arbeitsbasis des Seminars.

Ablauf

  • Schritt 1: Die Studierenden arbeiten sich im Verlaufe des Semesters im Rahmen des Seminars in den Forschungsstand zur Erfahrungsgeschichte der neuzeitlichen Schlacht ein. Diskussionen finden neben einer einzelnen Sitzung zur Halbzeit in Foren (Stud.IP) statt.
  • Schritt 2: Darauf aufbauend konzipieren sie in einer einwöchigen Blocksitzung 5-15 kurze Videocasts von 5-10 Minuten, in denen sie jeweils einen Aspekt dieses breiten Themas kohärent referieren. Diese Videocasts sind wiederum in ein übergeordnetes Konzept eingebunden, so dass die einzelnen Beiträge eine homogene Lerneinheit bilden.
  • Schritt 3: Die Studierenden produzieren die Videos (Aufnahme, Schnitt, Erstellung von Vor- und Nachspännen, Musikauswahl etc.). Zentraler Vorteil: Der ephemere Charakter von Studienleistungen wird durch den Einsatz digitaler Medien überwunden, die Studienleistung gewinnt an Nachhaltigkeit.
  • Schritt 4: Die Studierenden produzieren begleitendes Material (Transkripte mit Fußnoten, MP3s für mobilen Einsatz, Literaturlisten).
  • Schritt 5: Die Studierenden entwickeln eine Online-Darstellung, welche die Materialien zusammenfasst, didaktisch sinnvoll gliedert und ansprechend der Öffentlichkeit zugänglich macht. (Hierbei wird das etablierte elearning-Portal www.lwg.uni-hannover.de und Youtube

Lernziele

Die Studierenden erreichen bei diesem Vorgehen drei Lernziele:

  • Inhaltliche Kompetenzen, erreicht über die Vertiefung in den Forschungsstand.
  • Didaktische Kompetenzen, erreicht über den Vorgang des Konzipierens der Beiträge für ein spezifisches (und im Regelfall neues) Medium.
  • Mediale Kompetenzen, erreicht durch die selbstständige technische Umsetzung des Projektes.

Nachhaltigkeit

Da die Lerneinheit in der Kombination aus Videos und Begleitmaterialien in sich geschlossen ist und öffentlich gemacht wird, kann das fertige Produkt danach dauerhaft als elearning-Material genutzt werden - und zwar nicht nur im Rahmen von späteren Veranstaltungen, sondern auch durch die Studierenden individuell. In diesem Szenario wird das entzeitlichte und enträumlichte, individuelle Lernen ideal umgesetzt.

Die spätere Nutzung kann auch interdisziplinär geschehen, da das Thema an die Felder der Soziologie, Psychologie etc. angrenzt.

Die langfristige Nutzbarkeit der produzierten Lerneinheit ist gegeben, da die Forschung zu diesem Thema erst sehr langsam in Gang kommt und die Inhalte vermutlich mittel- bis langfristig aktuell bleiben werden.

Änderungen am Konzept

Das Konzept wurde während der Durchführung in mehreren Punkten geändert.

Fokus

Die Beschäftigung mit der Literatur führte einvernehmlich zum Entschluss, dass die eigentliche Schlachterfahrung stärker kontextualisiert werden sollte. Zwar bildet die Erfahrung der Kampfhandlungen durchaus die (zumindest qualitativ) dominante Erinnerung der Soldaten - vieles von dem, was in der Schlacht erfahren und getan wird, wird allerdings bereits lange vorher definiert. Daher wurden die Themen "Motivation zum Krieg" (Folge 2: Aufbruch) und die Ausbildung (Folge 3: "Lernen") hinzugefügt. Außerdem wurde deutlich, dass die Phasen zwischen den Kämpfen psychologisch mindestens genauso interessant und relevant für die Kampferfahrung sind wie die Kampfhandlungen selber. Daher wurde der Aspekt "Verarbeitung" hinzugefügt (Folge 6: "Verarbeiten"). Schließlich entschied sich das Seminar auch dazu, die Konstruktion des "Schlacht-Narratives" zu thematisieren, weil die Wirkung dieser Erzählungen für die Schlachterfahrung der jeweils nächsten Generation nicht überschätzt werden kann.

Durch diese Änderungen ging die Konzeption nun deutlich über die eigentliche Schlachterfahrung hinaus. Dieser Schritt wurde jedoch vom Seminar nicht als Verwässerung bewertet, sondern im Gegenteil als Aufwertung betrachtet: Erst durch breite ihre Kontextualisierung erhält die Kampferfahrung ihre eigentliche Signifikanz.

Als Resultat wurde der Titel der Veranstaltung nach langer und guter Diskussion von "Die Erfahrung der neuzeitlichen Schlacht" zu "Im Krieg" geändert.

Tötungshemmung

Ursprünglich war vorgesehen, die Theorie von S.L.A. Marschall zu einem Schwerpunkt des Seminars zu machen. Zusammengefasst sagen diese aus, dass die Soldaten bis zum Zweiten Weltkrieg einer tiefsitzenden Tötungshemmung unterlagen, die ca. 80% von ihnen dazu brachte, nicht gezielt auf den Feind zu schießen. Diese Theorien sind in populärwissenschaftlichen Werken heute immer noch sehr verbreitet. Da sie auf die meisten Laien sehr überraschend wirken, war ursprünglich angedacht, sie als zentralen Aufhänger zu nutzen.

Allerdings reifte durch die Rezeption der Literatur die Erkenntnis, dass Marshalls Arbeiten seit längerem wenn schon nicht widerlegt, so doch sehr geschwächt wurden. Eine Darstellung einer wissenschaftlichen Debatte konnte aber nicht das Ziel der Videos sein - daher wurde das Thema aus dem Fokus genommen und nur im Rahmen von eines Videos [Folge 3 "Lernen"] behandelt, in der Hoffnung, dass interessierte Zuschauer selbstständig die Literaturliste nutzen, um dem Thema auf die Spur zu kommen.

Onlinedarstellung

Die einwöchige Blocksitzung war inhaltlich sehr konstruktiv und auch praktisch äußerst produktiv. Es stellte sich jedoch heraus, dass es ob der geringen Kopfzahl des Seminars nicht machbar gewesen wäre, auch noch die Onlinepräsenz durch das Seminar entwickeln und umsetzen zu lassen, wie es ursprünglich geplant war. Sie wurde daher durch den Dozenten selbst aufgesetzt.

Fußnoten

Ebenfalls aus Zeitdruck wurde die Idee verworfen, die Transkripte durch Fußnoten anzureichern. Angesichts der begrenzten Zeit und Manpower wurde beschlossen, dass die Literaturliste als Belegapparat reichen muss. Diese Entscheidung wurde dadurch erleichtert, dass in den Videos zumindest häufig die Namen der genutzten Autorinnen und Autoren genannt werden. Ggf. werden die Belegstellen im Laufe des Sommersemesters aber durch freiwillige Initiative der Studierenden noch nachgetragen.


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