Literaturbeschaffung – Sichtung, Orientierung und „richtiges Lesen“

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Inhaltsverzeichnis

Titelaufnahme

  • Literaturerhebung strukturieren: vom Allgemeinen zum Besonderen, von den jüngsten zu den ältesten Veröffentlichungen.
  • Einen Überblick zum Thema und weiteren Veröffentlichungen anhand vorgegebener Literatur mit Hilfe von Handbücher und Einführungen verschaffen.
  • Unterschiedliche Findmittel benutzen: Handbücher, Sachkataloge, alphabetische Kataloge, Besprechungsteile in Zeitschriften, Bibliographien, Literaturangaben benutzter Literatur.

Zu Beginn der Beschäftigung mit einem speziellen Thema sollte zunächst ein Überblick angestrebt werden, um spätere Detailinformationen in größere Zusammenhänge einordnen zu können. So ist am Anfang der Arbeit die Benutzung von Handbüchern zum jeweiligen Gesamtgebiet sinnvoll – wobei die jüngeren und mit Literatur- und ggf. Forschungsüberblicken versehenen Vorrang haben sollten. Allerdings kann es sein, daß aufgrund des zuweilen Abstraktionsgrades der Handbücher neue Fragen aufkommen, die erst im weiteren Verlauf der Arbeit beantwortet werden können.

Es sollte eine sorgfältige Quellen- und Literaturrecherche folgen, die die Kataloge der hannoverschen Bibliotheken (Historisches Seminar, SoWi, NLB bzw. jetzt http://www.gbv.de ) berücksichtigt, und an deren Ende eine Literaturliste steht, welches die weitere gezielte Suche und Auswahl ermöglicht.


Arbeit in Bibliotheken und mit Bibliographien

  • Machen Sie sich mit den wichtigsten Bibliotheken vertraut.
  • Nutzen Sie folgende Bereiche: Kataloge (inzwischen teils als Datenbanken vorhanden), Freihandbestände, Bibliographien.
  • Arbeiten Sie flexibel; meist gibt es mehrere Wege, um ein Problem zu lösen.
  • Geben Sie nicht bei dem ersten Mißerfolg auf, sondern versuchen Sie einen anderen Weg zu gehen.
  • Nutzen Sie die Möglichkeit, die Bibliothek in Form von Führungen kennenzulernen
  • Nutzen Sie elektronische Medien, insbesondere das Internet, allerdings immer kritisch!

Lediglich einige knappe, strukturierende Angaben sollen an dieser Stelle gemacht werden, die sich auf die Arbeit in der Niedersächsischen Landesbibliothek (NLB) beziehen. Daran schließt sich eine kurze Einführung in die Bestände und Ausleihmöglichkeiten der Bibliothek des Historischen Seminars an. Außerdem werden wichtige hannoversche Bibliotheken vorgestellt.

Zunächst ist es sinnvoll, sich darüber im klaren zu sein, was die Bibliothek enthält:

vorhandene und damit ausleihbare Literatur, die entweder im Magazin aufbewahrt wird oder in den Freihandbereichen (Lehrbuchsammlung, Lesesäle und Zeitschriftensaal) zugänglich ist;

Kataloge, in denen die gesamte Literatur der Bibliothek verzeichnet ist (und zwar auf unterschiedliche Art und Weise), und

Bibliographien und Kataloge, über die der Zugang zum gesamten Schrifttum (und nicht nur der in der jeweiligen Bibliothek vorhandenen Literatur) ermöglicht wird.

Die in den Bibliotheken vorhandene Literatur wurde bislang vorrangig über Kataloge erschlossen, wobei zwei Arten nebeneinander standen, bzw. miteinander verknüpft waren: der alphabetische Katalog und der Sachkatalog.

Der alphabetische Katalog enthält die Titel aller selbständig erschienen Schriften in der alphabetischen Reihenfolge der Autoren bzw. ihres Titels bei Reihenwerken oder Sammelbänden.

Der Sachkatalog enthält nach Sachgebieten geordnet die Titel selbständig erschienener Schriften (etwa Geschichte mit weiteren chronologischen und sachlichen Unterteilungen).

Inzwischen dürften nur noch ältere Titel (in der NLB: vor 1977 erschienene) auf diese erfaßt werden, ansonsten werden elektronische Kataloge (HOBSY, bzw. jetzt auch GBV) [1] genutzt. Deren Vorteil liegt darin, daß die Recherchemöglichkeiten erheblich verbessert wurden (das gilt insbesondere für den GBV und die WWW-Version von HOBSY) und außerdem auch von zu Hause recherchiert werden kann. Außerdem bietet das Internet weitere Recherchemöglichkeiten, um etwa Zeitschriftenaufsätze erfassen zu können. Eine intensive Einarbeitung in die Nutzung des Internet für Literaturrecherche ist dringend geraten! Die Adressen:

hobsy und gbv


Gleichwohl sind einige Aspekte bei der Internetrecherche zu beachten

Es gibt unterschiedliche Suchoptionen nach Titelstichwörtern, nach Personennamen oder Schlagworten, die entsprechend berücksichtigt werden müssen, um zu Suchergebnissen zu gelangen, die weder zu klein noch zu groß ausfallen. Bei der Suche nach Titelstichwörtern muß etwa beachtet werden, daß damit nur Begriffe gefunden werden, die im Titel vorhanden sind. Ein Trunkieren der Suchbegriffe (wie beispielsweise „Agrargeschicht*„ für Agrargeschichte, agrargeschichtliche) ist in jedem Fall sinnvoll. Außerdem müssen alternative Suchbegriffe verwendet werden.

Ein großer Vorteil der Internet-Kataloge besteht darin, daß sie wesentlich flexibler zu handhaben sind, da über sog. Links verzweigt werden kann (siehe das Beispiel der obigen Abbildung).

Grundsätzlich besteht über das Internet ein weltweiter Zugriff auf Bibliothekskataloge. Anfänger sollten mit dem daraus resultierenden Angebot aber vorsichtig umgehen.

Auch die besten Datenbanken ersetzen nicht das eigene Lesen und selbständige Recherchieren in anderen Findmitteln.

Bibliographien

Für eine umfassende Recherche sind weitere Findmittel notwendig, insbesondere die Bibliographien. Sie

  • enthalten sowohl selbständig erschienene Schriften als auch Aufsätze,
  • erschließen in der Regel einzelne Fächer bzw. Teilgebiete eines Faches,
  • erscheinen für einen bestimmten Berichtszeitraum,

wählen die Literatur nach einem – jeweils unterschiedlich feinen – Raster aus. Dabei gilt allgemein: je umfangreicher das jeweilige Sachgebiet ist, desto gröber wird das Raster, je kleiner, desto feiner.

Aufgrund der großen und schnell wachsenden Menge wissenschaftlicher Literatur ist es wenig sinnvoll, für ein gesamtes Fachgebiet eine einzige Bibliographie zu erstellen. Zwar gibt es ein entsprechendes Angebot mit der „Quellenkunde der deutschen Geschichte“, dem „Dahlmann-Waitz“, der eine Bibliographie ist [2], aber die lange Bearbeitungszeit eines solchen Mammutwerks verhindert letztlich eine angemessene Aktualität. Gleichwohl bietet diese Bibliographie eine Fülle von Literatur und sollte deshalb benutzt werden. Daneben gibt es spezielle Bibliographien, entweder zu Teilgebieten, wie die „Bibliographie zur Zeitgeschichte“, oder regionale Bibliographien etwa der einzelnen Bundesländer.

Titelaufnahme

Die gefundene Literatur muß erfaßt werden. Hierfür eignet sich am besten ein Karteikartensystem, in dem die Titel alphabetisch, evtl. auch nach bestimmten Sachgebieten geordnet werden. Für die Titelaufnahme gibt es bestimmte Regeln.

Für selbständig erschienene Schriften gilt:

  • Name des Autors, einschließlich Vornamen, aber ohne Titel, bei Herausgebern mit Zusatz Hrg. (auch möglich: Hrsg. bzw. Hg.); bei bis zu drei Autoren werden alle drei genannt, bei mehr als drei Autoren genügt es, den ersten Autor mit dem Zusatz: u.a. (= und andere) aufzuführen
  • vollständiger Titel und Untertitel des Werkes
  • Erscheinungsort und Erscheinungsjahr, bei höheren Auflagen noch ergänzt um die Auflage in Form eine hochgestellten Ziffer vor dem Erscheinungsjahr (21979); bei mehreren Erscheinungsorte werden alle aufgeführt, keine Angabe des Verlages (wie in anderen Fächern teilweise üblich)

ist die Arbeit innerhalb einer Reihe erschienen, so wird diese in Klammern einschließlich der Bandzählung erwähnt

  • bei Dissertationen muß die promovierende Universität, die Fakultät und das Promotionsjahr erwähnt werden (=Phil. Diss. Hamburg 1992), ist die Arbeit ungedruckt, so unter Zusatz von masch. (= maschinenschriftlich).

Monographie:

Werner Trossbach, Bauern 1648 - 1806. (Enzyklopädie deutscher Geschichte Bd. 19) München 1993.

Sammelband:

Rainer Wohlfeil, Hrg., Der Bauernkrieg 1524-26. Bauernkrieg und Reformation. Neun Beiträge. München 1975.

Die Angaben zu 1 und 2 finden sich auf dem Titelblatt des jeweiligen Buches.

  • Für Aufsätze, Lexika und Handbücher gelten grundsätzlich entsprechende Regeln, also:

Name des Verfasser, des Titels und ggf. des Untertitels des Aufsatzes

  • Bei Zeitschriftenaufsätzen Name der Zeitschrift, Bandnummer, Erscheinungsjahr und die Seiten, auf denen der Aufsatz steht (erste und letzte Seite),

kein Verlagsort und kein Herausgeber

  • Bei Aufsätzen, die nachträglich in Aufsatzsammlungen veröffentlicht wurden, ist dies entsprechend zu berücksichtigen, d.h., es wird der Titel des Aufsatzes angegeben, dann (in Klammer) das erste Erscheinungsjahr, ggf. auch der komplette Verweis auf die erste Veröffentlichung, anschließend der Fundort des Neudruckes

Artikel in Sammelwerken werden ebenfalls vollständig zitiert, also der Titel des jeweiligen Beitrags, dann Angabe des Werkes mit Titel, Erscheinungsjahr, Erscheinungsort und Seitenzahlen

Lexikaartikel werden unter Angaben des Autors, des Artikels und des Lexikon sowie der Seitenzahlen zitiert.

Aufsatz in Sammelband

Carl-Hans Hauptmeyer, Aufklärung und bäuerliche Opposition im zentralen Niedersachsen des ausgehenden 18. Jahrhunderts. In: Rudolf Vierhaus, Hrg.: Das Volk als Objekt obrigkeitlichen Handelns. Tübingen 1992, S. 197-217.

Aufsatz in Zeitschrift

Siegfried Müller, Kulturgeschichte im Museum. Probleme der Präsenatation an landesgeschichtlichen Beispielen. In: GWU [3] 47 (1996), S. 729-744.

Sinnvoll kann es sein, für jeden Titel einen Kurztitel festzulegen (in den Beispielen wurden sie kursiv gesetzt), der dann für Belege bei Exzerpten und beim Zitieren verwendet werden kann. Das setzt natürlich ein entsprechendes, alphabetisch gegliedertes Literaturverzeichnis voraus.

Fußnoten

  1. Hannoversches Online Bibliothekssystem, GBV ist ein norddeutscher Bibliotheksverbund.
  2. Dahlmann-Waitz: Quellenkunde zur deutschen Geschichte. Bibliographie der Quellen und der Literatur zur deutschen Geschichte. Hrg. H. Heimpel u. H. Geuss. Stuttgart 101969 ff
  3. Geschichte in Wissenschaft und Unterricht

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