Literaturrecherche

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Inhaltsverzeichnis

Wozu braucht man Literatur?

Fachliteratur vermittelt weitere Hilfestellungen, Anregungen und Vergleichsmöglichkeiten. Sie zeigt, wo man suchen muss und wie man die gefundenen Quellen zu bearbeiten hat, welche Schlüsse aus bestimmten Befunden gezogen werden können und welche nicht; sie gibt an, wo Ergebnisse über das Normale, Übliche hinausgehen oder diesem entsprechen.

Der Forschende, der z. B. bei der Erarbeitung eines regionalgeschichtlichen Themas mit sehr unterschiedlichen Quellen in Berührung kommt und mit Hilfe dieser Quellen manchmal komplizierte Themen zu bearbeiten hat, sollte diese Hilfe annehmen. Niemand kann von ihm verlangen, dass er die gesamte Literatur zur mittelalterlichen Geschichte Niedersachsens, zur ländlichen Siedlungsgeschichte, zur Sozial-oder Zeitgeschichte usw. kennt. Die Lösung kann nur in einem Mittelweg liegen: in der Heranziehung allgemeinerer handbuchartiger Literatur für bestimmte Themen und in der gezielten Benutzung einzelner, ins Detail gehender Arbeiten.

Welche Arten von Literatur gibt es?

Wer als Anfänger das erste längere Literaturverzeichnis sieht, wird wahrscheinlich entmutigt sein. In größeren Veröffentlichungen kann es mehrere hundert Titel umfassen, wie soll sich da ein Anfänger orientieren? Die Orientierung fällt leichter, wenn man die wissenschaftliche Literatur in mehrere grobe Typen unterscheidet:

  1. Handbücher mit überblicksartiger Zusammenfassung größerer Themenkomplexe (Perioden, Teilthemen wie Wirtschafts- und Sozialgeschichte),
  2. Bibliographien, die Bücher zu einem Thema, einer Region, einem Fachgebiet verzeichnen,
  3. Monographien, die in Buchform ein spezielles Thema intensiv, meist unter Heranziehung von ungedruckten Quellen darstellen,
  4. Aufsätze in Zeitschriften oder Sammelbänden, die engere Teilthemen behandeln.

Handbücher

Handbücher enthalten in vergleichsweise knapper Form eine Zusammenfassung des Forschungsstandes, sind aber zumeist keineswegs handlich, sondern sehr umfangreich, da sie ein größeres Fachgebiet behandeln, und mögen deshalb zuerst eher abschreckend wirken. Relativ gesehen ist das aber wenig, denn diese Bände sollen das Wissen ganzer Bibliotheken zusammenfassen. Das erwartet den Leser, wenn er den Schritt zur Lektüre gewagt hat:

  1. eine knappe Darstellung, die auf wenig Raum viel Informationen enthält,
  2. der weitgehende Verzicht auf Argumentation oder die Entwicklung von Gedankengängen,
  3. keine oder nur ansatzweise Berücksichtigung von Quellen,
  4. Hinführung zur weiteren Literatur.

Der Leser muß sich also mit einer zuweilen eher trockenen, abstrakten Lektüre auseinandersetzen, die häufig wenig anschaulich ist und damit das Verständnis erschweren kann. Daraus lassen sich schon weitere Schlußfolgerungen ziehen: Wer einen Überblick benötigt, bekommt ihn hier, wer aber erst ein Verhältnis zu dem jeweiligen Stoff entwickeln will, sollte ggf. auf andere Literatur zurückgreifen.

Der Leser kann sich somit schon vor der Lektüre von mehreren hundert Seiten einen Eindruck vom Inhalt und Charakter eines Werkes zu machen, sofern er Titel und Untertitel ebenso kritisch bewertet wie das Inhaltsverzeichnis und sofern Titel und Untertitel keine Etikettenschwindelei sind. Die spezifischen Möglichkeiten und Grenzen zusammenfassender Werke sollten in jedem Fall berücksichtigt werden. Wer am Anfang die Erfahrung gemacht hat, daß ein bestimmtes Werk unbrauchbar ist, der wird auch später kaum wieder zu ihm greifen - und sich damit vielleicht wichtige Erkenntnismöglichkeiten verbauen.

Bibliographie

Für eine umfassende Recherche sind weitere Findmittel notwendig, insbesondere die Bibliographien. Sie

  • enthalten sowohl selbständig erschienene Schriften als auch Aufsätze,
  • erschließen in der Regel einzelne Fächer bzw. Teilgebiete eines Faches sowie die Literatur von Regionen
  • erscheinen für einen bestimmten Berichtszeitraum,
  • wählen die Literatur nach einem - jeweils unterschiedlich feinen - Raster aus. Dabei gilt allgemein: je umfangreicher das jeweilige Sachgebiet ist, desto gröber wird das Raster, je kleiner, desto feiner.

Aufgrund der großen und schnell wachsenden Menge wissenschaftlicher Literatur ist es wenig sinnvoll, für ein gesamtes Fachgebiet eine einzige Bibliographie zu erstellen. Zwar gibt es ein entsprechendes Angebot mit der "Quellenkunde der deutschen Geschichte", dem "Dahlmann-Waitz" (Dahlmann-Waitz: Quellenkunde zur deutschen Geschichte. Bibliographie der Quellen und der Literatur zur deutschen Geschichte. Hrg. H. Heimpel u. H. Geuss. Stuttgart) , der eine Bibliographie ist , aber die lange Bearbeitungszeit eines solchen Mammutwerks verhindert letztlich eine angemessene Aktualität. Gleichwohl bietet diese Bibliographie eine Fülle von Literatur und sollte deshalb benutzt werden. Daneben gibt es spezielle Bibliographien, entweder zu Teilgebieten, wie die "Bibliographie zur Zeitgeschichte", oder regionale Bibliographien etwa der einzelnen Bundesländer.

Inzwischen liegen einige dieser Bibliographien entweder online oder als CDs vor.

Monographien

Monographien sind selbständig erschienene Schriften, also Bücher, die ein enger umgrenztes Thema darstellen. Monographien behandeln im Unterschied zu Handbüchern ein engeres Thema und haben ein spezielles Erkenntnisziel. Sie basieren neben der systematischen Auswertung von Literatur in vielen Fällen auf der umfangreichen Bearbeitung von archivalischen Quellen. Damit ermöglichen sie eine vertiefende, systematische Auseinandersetzung mit einem engeren Thema. Die spezifischen Einsatzmöglichkeiten dieser Art Literatur liegen auf der Hand:

  1. Sie entspricht am ehesten den Anforderungen, die für ein Referat oder eine Hausarbeit bestehen, da zu einem begrenzten Thema ausführlich theoretische, methodische und inhaltliche Aspekte diskutiert werden;
  2. sie ermöglicht einen Quellen- und Literaturüberblick und gibt eine Einführung in wichtige Forschungspositionen;
  3. Einleitung und Zusammenfassung bieten zudem die Möglichkeit, das spezielle Thema in einen größeren Zusammenhang einzuordnen.
  4. Darüber hinaus bieten sie die Möglichkeit, eine interessante oder sogar spannende Einführung in ein wichtiges Thema zu bieten und damit Neugier zu wecken und detailierte Informationen zu erhalten.

Ein Nachteil soll aber nicht verschwiegen werden: gerade dann, wenn zum jeweiligen Referatsthema eine Veröffentlichung vorliegt, die scheinbar exakt dem gestellten Thema entspricht, besteht leicht die Versuchung, sich sowohl argumentativ als auch stilistisch eng an die Vorlage zu halten. Schließlich hat sich der Autor über Jahre hinweg mit dem Thema beschäftigt und ist damit wesentlich kompetenter als man selbst. Dabei wird übersehen, daß das Ziel eines Referates nicht darin bestehen kann, eine andere Position verkürzt wiederzugeben, sondern eine eigenständige Auseinandersetzung mit dem Thema vorzulegen. Das Anfertigen von Exzerpten (d.h. von knappen Inhaltsangaben) hilft in diesen Fällen meist weiter, außerdem ist das Einbeziehen weiterer Studien (etwa älterer Darstellungen oder Literatur zu vergleichbaren Themen) sowie die Lektüre von Rezensionen nicht nur sinnvoll, sondern auch notwendig, um die Aussagen und Ergebnisse der Studie angemessen bewerten zu können. Schließlich soll in einer Ausarbeitung nicht eine andere Arbeit - auch wenn sie noch so gut ist - nachgeschrieben, sondern eine eigene geistige Leistung erbracht werden, selbst wenn sie dem Vorbild unterlegen ist.

Zeitschriften und Zeitschriftenaufsätze

Zeitschriften bieten einen Blick auf aktuelle Forschungsdiskussionen.

Eine besondere Gattung wissenschaftlicher Literatur bilden Aufsätze in wissenschaftlichen Zeitschriften. Wissenschaftler nutzen sie als ein Diskussionsforum, um neue Themen zu diskutieren oder einzelne Aspekte, z.T. als Ergebnis oder als Vorstudie größerer Arbeiten vorzustellen. Aufsätze sind damit kurzfristiger angelegt, erlauben aber einen besseren Blick auf Forschungstendenzen und Kontroversen. Einen breiten Raum nehmen in den meisten Zeitschriften Buchbesprechungen ein. Sie bieten

  1. einen Überblick über neuere Veröffentlichungen (bei den jüngsten Ausgaben der Zeitschriften ca. ein bis drei Jahre alte),
  2. eine inhaltliche Einschätzung der besprochenen Werke aus der Perspektive des Rezensenten.

Arbeiten in einer Bibliothek

Bibliotheken können beim ersten Besuch ziemlich erdrückend wirken. Um dieser Verwirrtheit entgegenzuwirken, sollte man die Einführungsveranstaltungen der Bibliotheken nutzen, die Neulingen eine erste Orientierung bieten sollen. Solche Veranstaltungen bieten nahezu alle Bibliotheken an - also einfach mal nachfragen! Sobald man einen ersten Überblick gewonnen hat und sich an folgenden Tipps orientiert, wird die Literatursuche wesentlich erleichtert.

  1. Machen Sie sich mit den wichtigsten Bibliotheken vertraut.
  2. Nutzen Sie folgende Bereiche: Kataloge (inzwischen teils als Datenbanken vorhanden), Freihandbestände, Bibliographien.
  3. Arbeiten Sie flexibel; meist gibt es mehrere Wege, um ein Problem zu lösen.
  4. Geben Sie nicht bei dem ersten Mißerfolg auf, sondern versuchen Sie einen anderen Weg zu gehen.
  5. Nutzen Sie die Möglichkeit, die Bibliothek in Form von Führungen kennenzulernen.
  6. Nutzen Sie elektronische Medien, insbesondere das Internet.

Erste Schritte in einer Bibliothek

Zunächst ist es sinnvoll, sich darüber im Klaren zu sein, was die Bibliothek enthält:

  1. vorhandene und damit ausleihbare Literatur, die entweder im Magazin aufbewahrt wird oder in den Freihandbereichen (Lehrbuchsammlung, Lesesäle Bibliographien- und Zeitschriftensaal) zugänglich ist;
  2. Kataloge, in denen die gesamte Literatur der Bibliothek verzeichnet ist (und zwar auf unterschiedliche Art und Weise), und
  3. Bibliographien, Kataloge und CDs, über die der Zugang zum gesamten Schrifttum (und nicht nur der in der jeweiligen Bibliothek vorhandenen Literatur) ermöglicht wird. Schließlich gehören zu jeder größeren Bibliothek heute Rechner, die nicht nur einen Zugang zu den Datenbeständen der Bibliothek, sondern auch zum Internet ermöglichen.

Wo finde ich Literatur zu einem Thema?

Bibliotheken gibt es in fast jeder kleineren Stadt. Dort bietet sich - soweit die erforderliche Literatur nicht vorhanden ist - die Möglichkeit, per Internet zu recherchieren und Bücher auf dem Wege der Fernleihe zu bestellen.

Die den Archiven angeschlossenen Dienstbüchereien sind für den jeweiligen Zuständigkeitsbereich gut ausgestattet. Somit wird man dort die wichtigste regional- und ortsgeschichtliche Literatur finden. Dies gilt auch für ungedruckte Manuskripte, Examens- und Magisterarbeiten. Hinzu kommen Nachschlagewerke und Hilfsmittel wie Wörterbücher. Allerdings können die Bücher nicht ausgeliehen, sondern nur im Benutzersaal gelesen werden.

Media

Digitale Datenbanken

Für Studierende und Lehrende der Leibniz Universität Hannover gibt es mittlerweile eine Reihe von Datenbanken mit Volltexten, eine Übersicht, die fortlaufend erweitert wird, finden Sie hier. Bitte beachten Sie, dass diese Datenbanken nur für Angehörige mit einem Zugang über das Uni-Netz verfügbar sind.

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