MA Allgemeine Quellenkunde

Aus LernWerkstatt Geschichte
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Was ist eigentlich eine Quelle? Laut einer Definition von P. Kirn gelten "alle Texte, Gegenstände oder Tatsachen, aus denen Kenntnis der Vergangenheit gewonnen werden kann" als Quellen. Dies kann in der Tat alles umfassen, vom Schädelknochen über Tonscherben bis hin zu einem Buch, sei es Sachbuch oder Belletristik.

Relevant für die historische Forschung ist der sogenannte Erkenntniswert einer Quelle. Dies kann bei ein und demselben Gegenstand für die jeweiligen Disziplinen durchaus variieren. So ist unter Umständen eine goldene Fibel in einem Grab für die Ereignisgeschichte der Schlachten in Germanien nicht ganz so wertvoll einzuschätzen wie für die sozialgeschichtliche Forschung. Dies festzustellen ist Aufgabe der Quellenkritik, die den jeweiligen Gegenstand, Text oder die entsprechende Tatsache in den Sachzusammenhang einzubinden sucht und die Relevanz und Bedeutung überprüft.

Weiterhin von Bedeutung ist die Unterscheidung zwischen den Primär- und Sekundärquellen. Hier ist die "Nähe" zum zu untersuchenden Gegenstand Maßstab. Fehlt eine Primärquelle, so sucht sich der Historiker zunächst die relativ nächststehende Sekundärquelle, um sich der zu erforschenden Zeit zu nähern. Bismarcks eigener geschichtlicher Rückblick über seine Karriere und Bedeutung im Deutschen Reich von 1870/71 - "Gedanke und Erinnerung" - ist wohl eher als eine Sekundärquelle anzusehen, wenn man die Fülle an zeitgenössischen Briefen, Notizen und Aufzeichnungen in den Jahren vor dem Verfassen seines Buches erfasst. Grundsätzlich kann es für das Verständnis wesentlich wertvoller sein, eine objektivere Sekundärquelle zu besitzen, als eine von der entsprechenden Situation verklärte Primärquelle.

Quellen werden weiterhin in zwei verschiedene Quellengruppen unterteilt. E. Bernstein prägte die Bezeichnungen "Überreste" und "Tradition".

Als Überreste wird all jenes gesehen, was unbewusst und unabsichtlich Zeugnis von der Vergangenheit gibt. Dies können beispielsweise Briefe, Akten, Ruinen, Hausmüll, Telefonrechnungen usw. sein. Dies alles wurde nicht angefertigt, um einen Beleg für die Nachwelt zu hinterlassen. Sie sind unbewusst hinterlegt oder weggeworfen worden.

Unter Tradition versteht der Historiker hauptsächlich schriftliche Quellen wie Annalen, Chroniken und auch Biographien. Meist sind sie allein für den Zweck einer historischen Unterrichtung produziert worden. Dass auch solche Quellen mit äußerster Vorsicht zu genießen sind, versteht sich von selbst. Immer bleibt die Frage, was der jeweilige Verfasser für wichtig erachtet hat und was er in seinem Werk vernachlässigt. Vielleicht sind auch einige Passagen aus anderen Werken übernommen und so entsteht zusätzlich die Frage nach der Originalität des Textes und auch der anderen Passagen. Was ist also die Intention des Verfassers gewesen? Eventuell finden sich jedoch Informationen in dem Werk, die gar nicht Zeugnis über die beschriebene Vergangenheit geben, sondern vielmehr Quelle für die Lebzeit des Autors darstellt. Ein klassisches Beispiel hierfür sind wohl die homerischen Epen.