MA Chronologie

Aus LernWerkstatt Geschichte
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Inhaltsverzeichnis

Allgemeines

Neben dem Raum, in dem sich Geschichte und Geschichten ereignen, findet auch eine zeitliche Einordnung dieser Geschehnisse statt. Die Einteilung der Zeit in möglichst einheitliche Abschnitte ermöglicht dem Menschen eine schnelle Orientierung innerhalb der Zeitrechnung. Die Zeitrechnung selbst begründen die Menschen schon immer, nicht nur im europäischen Raum, sondern auch beispielsweise in den asiatischen Kulturen, auf Naturerscheinungen, die erstens deutlich wahrzunehmen sind und zweitens durch ihre regelmäßige Wiederkehr eine Zeitmessung ermöglichen. Die einzelnen Rechnungseinheiten von Tag und Stunde, von Monat und Jahr basieren auf astronomischen Erscheinungen. Der Zeitraum, in dem sich die Erde einmal um die eigene Achse gedreht hat, wird als mittlerer Sonnentag bezeichnet - Dauer: 24 Stunden. Ob die Menschen in der jeweiligen Epoche bereits wussten, dass sich die Erde um die eigene Achse gedreht hat, ist hierbei von geringer Bedeutung, entscheidend ist die Wahrnehmung von Veränderung.. Der Monat ist der Zeitraum zwischen zwei aufeinander folgenden Neumonden - Dauer: etwa 29 Tage, 12 Stunden und 44 Minuten). Das gemeine Sonnenjahr ist der Zeitraum, in dem sich die Erde einmal um die Sonne bewegt hat - Dauer: im Durchschnitt 365 Tage, 5 Stunden, 48 Minuten und 46 Sekunden.


Jahre

Um eine brauchbare Rechnungseinheit zu erlangen, muss man eine vereinfachte Jahreslänge annehmen. Als erstes hat dies G. Julius Caesar durchgeführt, in dem er das Jahr auf 365 Tage festlegte. Der jeweilige sechsstündige Jahresüberschuss wurde dann alle vier Jahre in einem Schaltjahr mit 366 Tagen abgearbeitet. Das julianische Durchschnittsjahr ist jedoch um 11 Minuten länger als das Sonnenjahr und daher wurde im Jahre 1582 die Gregorianische Kalenderreform (benannt nach dem Papst Gregor XIII.) verkündet. Während im Julianischen Kalender alle durch vier teilbaren Jahreszahlen ein Schaltjahr waren, fallen im Gregorianischen Kalender die Jahrhundertjahre als Schaltjahre aus, wenn sie nicht glatt durch 400 teilbar sind. Daher sind 1700 und 1800 keine Schaltjahre, die Jahre 1600 und 2000 aber sehr wohl. Datumsangaben beziehen sich entweder auf den "alten Stil" (Julianischer Kalender) oder auf den "neuen Stil" (Gregorianischer Kalender). Die Einführung des Gregorianischen Kalenders hat sich nicht unmittelbar in ganz Europa durchsetzen können, daher kann es in einigen, vor allem protestantischen Gebieten, zu Differenzen kommen, die ein Historiker kennen sollte. Besonders hinzuweisen ist auf das griechisch-orthodoxe Russland, in dem sich die Kalenderreform erst im Jahre 1918 durchsetzte.

Zur Kenntnis zu nehmen sind auch die unterschiedlichen Jahresanfänge. Nicht zu jeder Zeit und überall ist und war der 1. Januar Jahresanfang. Nach byzantinischen Schöpfungsvorstellungen beginnt das Jahr stets am 1. September. Im europäischen Mittelalter war die verbreitetste Form des Jahresanfangs der 25. Dezember (Weihnachtsstil).

Auch bei den Jahreszählungen gibt es merkbare Unterschiede. Z.B. die berühmte Zählung in der römischen Antike nach "ab urbe condita" (a.u.c.), also nach der Gründung der Stadt Roms im Jahre 753 v. Christus. Erst im 6. nachchristlichen Jahrhundert hat sich die Zählung der Jahre nach Christi Geburt durchgesetzt (anni ab incarnatione, a nativitate Christi, etc.).


Tage

Für die Wochentage sind folgende Benennungen üblich:

Sonntag: dominica (selten feria prima) Montag: feria secunda, dies lunae Dienstag: feria tertia, dies Martis Mittwoch: feria quarta, dies Mercurii, media septimana Donnerstag: feria quinta, dies Jovis/Iovis Freitag: feria sexta, dies Veneris Sonnabend: sabbatus (selten feria septima), dies Saturni, Satertag

Zur Tagesbezeichnung dienten aber vor allem auch die Heiligentage, bzw. Festtage. Der Kalender der römischen Kirche kennt für jeden Tag mindestens einen Titelheiligen. Die Festtage sind entweder fest datiert, wie z.B. Christi Geburt, oder beweglich und in diesem Falle meist vom Osterfest abhängig.


Taschenbuch der Zeitrechnung

Wie ich bestimmte Datierungen dechiffrieren und in den heutigen Kalender einordnen kann, wird im "Taschenbuch der Zeitrechnung" behandelt:

Grotefend, Hermann: Taschenbuch zur Zeitrechnung des deutschen Mittelalters und der Neuzeit. Hannover 13, 1991.

Für die Zeitrechnung im Mittelalter und auch in der Neuzeit ist das Wissen um bestimmte Grundlagen unerlässlich. Sowohl die Grundlagen als auch die erforderlichen Tabellen zur Datierung eines bestimmten Feiertages oder "Alltages" in der Vergangenheit. Für unsere heutige Datierung ist es notwendig, sich mit dem "Grotefend" (genannt nach dem Archivrat Dr. Hermann Grotefend) wenigstens einmal auseinandergesetzt zu haben. Am besten nimmt man hierzu das "Taschenbuch der Zeitrechnung" in die Hand - es gehört zur Standardausrüstung jeder deutschen Seminarbibliothek für Geschichte - oder sich im Internet über den online-Grotefend zu informieren:

http://www.manuscripta-mediaevalia.de/gaeste/grotefend/grotefend.htm

Anhand der Tabellen im Anhang des Grotefends können folgende Daten berechnet werden: 1. Wochentag 2. Monatstag 3. Monat 4. Mindere Jahre 5. Jahrhundert Die Anleitung zur Datenberechnung findet sich auf Seite 130ff. wieder

Als Einstieg gibt es folgende Aufgabe:

An welchem Wochentag seid Ihr geboren?

Entweder Ihr wisst die Antwort ohnehin, oder Ihr könnt sie bei den Eltern erfragen und so Eure Berechnungen anhand der Tabellen überprüfen.

Lösungsweg:

Auf Seite 134 bringt Ihr zunächst in Erfahrung, welcher Buchstabe für Euch in Frage kommt. Hierbei müsst Ihr natürlich nach dem N.S. = Neuer Stil (A.S. = Alter Stil) berechnen, also für die Zeit nach der Einführung des gregorianischen Kalenders. Dieser Buchstaben findet sich auf den Seiten 144-213 wieder - für den N.S. jeweils auf der rechten Seite. Bei den Jahresangaben über der Tabelle muss auch Euer Geburtsjahr sein, ansonsten zum jeweils nächsten Buchstaben weiterblättern, oder auf Seite 221 schnell die entsprechende Festzahl suchen und gezielt nachschauen. Bei dem Beispiel 21. März 1977 finden wir den Buchstaben B und auf Seite 221 die Festzahl 20. Seite 182-183 rechts oben präsentiert die Jahreszahl 1977 und den Buchstaben B sowie die Festzahl 20. Bei Schaltjahren ist ein * hinter der Jahreszahl! Beim 21. März steht die Abkürzung Bened. (kann auf Seite 37 nachgeschlagen werden). Der 20. März ist Letare, ein Sonntag, demnach muss es sich beim 21. März 1977 um einen Montag handeln.

Achtung: Die Tabellen beginnen mit der Wochentagszählung stets sonntags, weil der erste Tag der Woche immer mit einem Sonntag beginnt. Die kursivierte Bezeichnung nennt den jeweiligen Kirchennamen des Sonntags.

Für das Mittelalter muss natürlich der Kalender des A.S. benutzt werden. Erschwerend kommt hinzu, dass es selten Monatstage als Bezeichnung gibt, sondern wir beispielsweise die Angabe "dritter Montag nach Ostern" finden. Hier muss erst einmal erforscht werden, wann die Ostergrenzen des entsprechenden Jahres gesetzt sind. Die Ostergrenzen lassen sich nach der Anleitung von Seite 4ff. leicht errechnen.