MA Paläographie

Aus LernWerkstatt Geschichte
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Ein der wichtigsten Quellengattungen in der mittelalterlichen aber auch neuzeitlichen Geschichtsforschung ist die Paläographie, die Lehre von den schriftlichen Zeugnissen der Vergangenheit. Beschäftigt man sich eingehender mit der Forschung, so wird man um Originalschriften nicht herumkommen und sich mit ihnen auseinandersetzen müssen.

Die Schrift ist der Träger der Überlieferung und daher ist das paläographische Studium eine der wesentlichen HHilfswissenschaften in der Geschichtsforschung. Darüberhinaus kann die Art der Schrift an sich auch gelegentlich als Quelle dienen. Sie kann Aufschlüsse über etwaige Vorgänge und Zeitgeschehnisse geben.

Mittelalterliche Schriften lassen sich häufig sehr gut datieren, weil zeittypische Elemente im Schreibstil durchgehalten werden und individuelle Züge des Schreiberlings gar nicht oder eben sehr gering ausgeprägt sind. Die Paläographie hilft also nicht nur die Schrift überhaupt lesen zu können, sondern auch bei der Datierung der Quelle.

Als drittes Element der Paläographie müssen Schreibgeräte und sogenannte Beschreibstoffe genannt werden. Bei älteren Beschreibstoffen wie Holz, Stein und Metall werden die Schriften eingeritzt oder eingeschlagen. Aus diesem Grund handelt es sich meist um sehr eckige und oft unverbundene Zeichen. Die neueren, tatsächlich "geschriebenen" Schriften mit Tinte, Rohr oder Feder erzeugt, sind von ihrem Erscheinungsbild bereits viel kunstvoller.

Mittelalterliche Beschreibstoffe:

  • Wachstafeln: Einzeltäfelchen oder zusammengebundene Tafeln; meist für vorübergehende Notizen verwendeter Beschreibstoff.
  • Papyrus: Dieses Material besteht aus den Streifen des Marks der Papyruspflanze. Papyrusrollen las man von links nach rechts und rollte dementsprechend fortschreitend links zu und rechts auf. Die einzelnen Seiten waren aneinander geklebt. Urkunden waren meist auf Einzelblättern (chartes = charta). Papyrus war bis ins 10. Jahrhundert im gesamten europäischen Raum verbreitet.
  • Pergament: Zwar war dieser Beschreibstoff von der Qualität besonders gut geeignet, jedoch äußerst kostspielig. Hergestellt wurde und wird Pergament aus gebeizten Tierhäuten vorzugsweise von Schaf, Ziege und Kalb. Pergament gibt es seit dem 4. Jahrhundert nach Christus und hat sich noch bis in das 20. Jahrhundert hinein gehalten. Im Mittelalter kommt Pergament oft in Rollenform vor. Entgegen dem Papyrus werden die einzelnen Seiten nicht horizontal aneinander gefügt, sondern vertikal durch Annähen.
  • Papier: Diese chinesische Erfindung hielt in Europa erst im 12. Jahrhundert Einzug und war durch seine grobe Struktur und schlechte Beschreibbarkeit zunächst eher unbeliebt, aufgrund seiner günstigen Herstellung dann jedoch immer unerlässlicher.

Grundlegend für das Verständnis der Schriftgeschichte ist das Begriffspaar Majuskel und Minuskel, sowie die Unterscheidung in Buchschrift und Geschäftsschrift. In den älteren Schriften erscheinen alle Buchstaben etwa gleich groß, es gibt weder besondere Ober- oder Unterlängen. Diese Majuskelschrift erwies sich als Buchschrift für gut lesbar, war aber bei schneller Korrespondenz eher hinderlich. Die Minuskel entsteht daher als Geschäftsschrift, um zügig schreiben zu können.

Im Mittelalter werden in Urkunden häufig auch Abkürzungen benutzt; häufig gebrauchte sind die folgenden:

ds = deus dns = dominus scs = sanctus sps = spiritus eps = episcopus pbr = presbiter eccla = ecclesia

In der Regel haben abgekürzte Wörter einen horizontalen Kürzungsstrich übergesetzt.