MA Periodisierung

Aus LernWerkstatt Geschichte
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Die Einteilung der Geschichte, welche auch heute noch angewendet wird, stammt aus dem 17. Jahrhundert, wurde jedoch erst im 19. Jahrhundert in Europa allgemein anerkannt. Der Historiker Christoph Cellarius (1638 - 1707) nahm die bekannte Dreiteilung (trias) in seinem Geschichtswerk "Historia universalis, in antiquam, medii aevi ac novam divisa" vor. Die theologische Konstruktion der vier Weltreiche, die aufeinander folgen sollten, wurde damit angezweifelt und schließlich ersetzt.

Die ALTE GESCHICHTE wird bis etwa 500 n.Chr. angesetzt. Es existieren verschiedene Einzeldaten und Phänomene, welche dies zu begründen suchen, etwa 375 n.Chr. der Hunneneinfall oder 476 die Absetzung des letzten weströmischen Kaisers Romulus Augustulus durch den Germanen Odoaker. gerade in der deutschen Geschichtsschreibung nimmt jedoch das Einsetzen der Völkerwanderung einen großen Stellenwert ein.

Das MITTELALTER (lat.: medium aevum) wird zwischen den Jahren 500 und 1500 n.Chr. angesiedelt. Es ist die Zeit "dazwischen", zwischen Alter Geschichte bzw Antike und der Neuzeit.

Die NEUZEIT setzt etwa um 1500 n.Chr. ein. Auch hier gibt es zahlreiche einzelne Daten, welche einen solchen Ansatz bestärken, jedoch gerade in ihrer Fülle für diesen Einschnitt plädieren. 1453 wird Konstantinopel von den Türken erobert. Gutenberg entdeckt 1450 den Buchdruck. 1492 wird durch Kolumbus die "neue Welt" entdeckt und damit auch gleichzeitig der Beweis angetreten, dass es sich bei der Erde um eine Kugelgestalt handelt und eben nicht um eine Scheibe. Im selben Jahr endet mit der Einnahme Granadas auch die Reconquista auf der iberischen Halbinsel. Letztlich zählt auch die Reformation 1517 zu einem bestimmenden Ereignis in der europäischen und deutschen Geschichte.

Zum Vergleich: Periodisierung der chinesischen Geschichte, nach Wolfram Eberhard

  • Altertum 1050 v.Chr. - 206 v.Chr.
  • Mittelalter 206 v.Chr. - 906 n.Chr.
  • Neuzeit ab 906 n.Chr.

So wie sich die Neuzeit in Frühe Neuzeit, Neuzeit und Zeitgeschichte einteilen lässt, so kann auch die mittelalterliche Geschichte in drei verschiedene Phasen eingeteilt werden:

  • Frühmittelalter (500 - 1050)
  • Hochmittelalter (1050 - 1250)
  • Spätmittelalter (1250 - 1500)

Gelegentlich spricht man auch von Aufstieg, Blüte und Verfall des Mittelalters.

Die einzelnen Phasen werden von bestimmten Phänomenen charakterisiert:

Frühmittelalter:

  • Der Okzident emanzipiert sich zwar zusehends von seinem "großen Bruder" Byzanz, doch bleibt das Erbe des römischen Reiches noch im Schatten von dessen wirtschaftlicher und vor allem kultureller Prosperität
  • Das Vordringen des Islam in Spanien und Süditalien
  • Wirtschaftliche Stagnation einerseits durch Epidemien andererseits durch Raubzüge beispielsweise von den Sarazenen, den Wikingern, etc.
  • Die Kultur der Antike bleibt vorzüglich durch die Klöster erhalten
  • Das Papsttum spielt eine völlig untergeordnete Rolle
  • Das Lehenswesen entwickelt sich und bleibt dann auch während des gesamten Mittelalters die hierarchische Gesellschaftsordnung

Hochmittelalter:

  • Die Dominanz von Byzanz wird immer weiter eingeschränkt und verliert schließlich nahezu ganz an Bedeutung
  • Neben dem Kaisertum erstarkt eine weitere universale Gewalt - das Papsttum
  • Investiturstreit zwischen "regnum" und "sacerdotium", der kaiserlichen und päpstlichen Gewalt
  • In Spanien beginnt die "Reconquista"
  • Die Kreuzzüge (1. Kreuzzug 1096-1099) gehen gegen die muslimische Welt vor, ereilen jedoch auch sogenannte Ketzerbewegungen (Katharer, Waldenser)
  • Gründung von Universitäten (Bologna, Paris, etc.)
  • Durch die Erschließung von weiteren Landstrichen (z.B. Ostexpansion und -siedlung) und zahlreichen Städtegründungen findet eine weitere wirtschaftliche Stärkung statt.

Spätmittelalter:

  • Die politische Vormachtstellung des römischen Kaiserreiches endet und verlagert sich auf die Entwicklung von Territorialstaaten, die zentrale Gewalt vor allem der westeuropäischen Könige wird erweitert und konsolidiert sich. Auf diese Weise werden die Voraussetzungen für spätere "Nationalstaaten" geschaffen
  • Eine Klimaveränderung bewirkt wirtschaftlichen Rückgang
  • Durch zahlreiche Epidemien (z.B. die Pest) wird die Bevölkerung enorm reduziert
  • Die Kultur des Bürgertums entwickelt sich und damit gleichzeitig seine wirtschaftliche Bedeutung. Politische Partizipation wird vom Bürgertum in den Städten gefordert (z.B. Zünfte, Hanse, etc.)