MA Quelleneditionen

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Wie in den Kapiteln über allgemeine Allgemeine Quellenkunde und Paläographie deutlich geworden ist, ist der Zugriff auf die tatsächlichen Quellen nicht einfach, zum einen wegen der Schrift, zum anderen aber auch weil sie möglicherweise in zu großer geographischer Ferne liegen um eine Beschäftigung mit dem Original zu ermöglichen. Glücklicherweise haben in vielen Fällen andere Historiker diese Arbeit bereits für uns getan und kritische Quelleneditionen veröffentlicht. Oft sind diese verstreut und einzeln erschienen, es gibt aber auch große Reihen von systematischen Quelleneditionen. Einige davon werden im Folgenden vorgestellt.

Inhaltsverzeichnis

Deutschland

Noch aus dem Zeitalter des Historismus, d.h. dem frühen 19. Jahrhundert stammt das Projekt Monumenta Germaniae Historica (MGH). Der Anspruch war, eine umfassende, enzyklopädische Edition aller gedruckten Geschichtsquellen zu schaffen. Initiator diese Mammutunternehmens war die Gesellschaft für ältere deutsche Geschichtskunde, die 1819 gegründet wurde und 1826 den ersten Band in Folio herausbrachte. Man muss grundsätzlich zwischen drei Serien der MGH unterscheiden, die jeweils nach dem lateinischen Formatnamen benannt sind. Neben der Folioserie sind dies die Quart und die Oktavreihe. Dabei ist, wie schon erwähnt, die Folioserie die älteste, und die Bände in Oktav die jüngsten (und auch kleinsten). Seit Anfang des 19. Jahrhunderts haben sich natürlich die Positionen sowohl zur Geschichtstheorie, als auch zur Methodik des Edierens erheblich verändert. Daher war eine der ersten Editionsreihen in Oktav die Scriptores rerum Germanicarum (MGH SSrG). Hierbei handelt es sich um Neubearbeitungen aus der Folioserie mit verbessertem Text und kritischem Apparat. Falls eine Quelle also sowohl in Folio, als auch in Oktav erschienen ist, muss auf jeden Fall die aus der Oktavreihe verwendet werden, wie überhaupt immer die aktuellste Edition einer Quelle verwendet werden sollte.

In der langen Geschichte der Reihe wurden natürlich immer wieder Reihen neu gegründet und auch abgeschlossen. Wenn man aber von den kleineren thematisch begrenzten Unterreihen absieht, kann man im wesentlichen fünf große Editionsreihen ausmachen, die formal bestimmt sind:

1. Scriptores (MGH SS)

Diese Reihe enthält erzählende Quellen zur Geschichte wie z.B. Viten, Annalen, Chroniken, etc.

2. Leges (MGH LL)

Hier sind Rechtsquellen, wie Kapitularien, Konzilien, Volksrechte und Rechtsbücher ediert.

3. Epistolae (MGH Epp.)

Verschiedene Briefe.

4. Diplomata (MGH DD)

Urkunden der Könige und Kaiser, neuerdings auch der Fürsten.

5. Antiquitates (MGH Ant.)

Diverse Quellen wie z.B. Schriftsteller (poetae) oder Totenbücher (necrologia).

Die MGH Bände enthalten bis auf wenige Ausnahmen (Deutsche Chroniken) nur lateinische Texte. Deutsche Übersetzungen, grösstenteils der Scriptores Reihe findet man in:

Freiherr vom Stein-Gedächtnisausgabe: Ausgewählte Quellen zur deutschen Geschichte des Mittelalters, bisher 28 Bde., Darmstadt 1955- [= FSGA, AQ].

Geschichtsschreiber der deutschen Vorzeit, 104 Bde., 1847-1962 [= GdV].

Bei einer Arbeit im Grund-/Bachelorstudium reicht es aus deutsche Übersetzungen zu verwenden. Ebenso wie bei den Editionen muss bei den Übersetzungen natürlich auch immer die neuste Version verwendet werden, was wiederum bedeutet, dass die FSGA den GdV in jedem Fall vorzuziehen ist, falls eine Übersetzung in beiden existiert. In einem Mitte 2004 begonnenen Projekt werden die Editionen der MGH bis zum Jahr 2000 werden auf www.dmgh.de auch digital aufbereitet. Bis 2006 umfasst dies zunächst die Diplomata, Epistolae und Antiquitates. Da das Projekt aber noch in den Kinderschuhen steckt und ausserdem auch Editionen der letzten fünf Jahre nicht umfasst wird für eine wissenschaftliche Arbeit der Gang zum Regal in der Regel weiterhin unabwendbar sein. Die Kaiser- und Königsurkunden sind systematisch aufbereitet in:

Regesta Imperii, begr. von Johann Friedrich Böhmer, bearb. von der Österreichischen Akademie der Wissenschaften, (2.Aufl) [= RI].

Darin sind in einer Art Tabelle jeweils die Zusammenfassung des Rechtsinhalts, der beteiligten Personen und von Ort und Datum in standardisierter Form. Die Spalte mit der Ortsangabe bietet, vertikal gelesen, eine Übersicht über den Reiseweg des Königs. Dies nennt man den Itinerar.

Die Bände der MGH decken zum grössten Teil nur die Zeit bis zum Hochmittelalter ab. Für das Spätmittelalter gibt es, neben zahlreichen kleineren Projekten zwei weitere grosse Editionsreihen:

Deutsche Reichstagsakten, hg. von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Ältere Reihe (1376-1486), seit 1867, bisher 22 Bde., Mittlere Reihe (1486-1518: Maximilian I.), bisher 6 Bde., Jüngere Reihe (1518-1556: Karl V.), bisher 4 Bde.

Die Chroniken der deutschen Städte vom 14. bis ins 16. Jahrhundert, hg. von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, 37 Bde., 1862-1968.


Kirchengeschichte

Kirchenrecht Corpus iuris canonici, hg. von E. Friedberg, Leipzig 1879-.

Schriften der Kirchenväter Corpus scriptorum ecclesiasticorum latinorum, hg. von der Akademie der Wissenschaften in Berlin, bisher 89 Bde., Wien 1866- [= CSEL].

Corpus Christianorum. Series latina, hg. von den Benediktinermönchen der Abtei St. Peter in Steenbrugge, bisher 176 Bde., Turnhout 1953- [= CCL].

Deutsche Übersetzungen Bibliothek der Kirchenväter, Alte Reihe: 61 Bde., Kempten 1911-; Neue Reihe: 20 Bde., München 1932-1938.

Heiligenviten Acta Sanctorum, hg. von den Bollandisten, 67 Bde., Paris 31863-1870[11653] [= AA SS].

Mabillon, Jean: Acta Sanctorum Ordinis s. Benedicti in saeculorum classes distributa, 9 Bde., Venedig 21733-1738 [= AA SS OSB].


Europa außerhalb Deutschlands

England Rerum Britannicarum medii aevi scriptores, 99 Bde., London 1858-1896 [= Rolls Series].

Oxford Medieval Texts (früher Medieval Classics), 35 Bde., 1949-.

Frankreich Recueils des historiens des Gaules et de la France, hg. von M. Bouquet, 24 Bde., Paris 1736-1904 [= RHF].

Les classiques de l'histoire de France au moyen âge, bisehr 34 Bde., Paris 1923-.

Italien Fonti per la storia d'Italia, hg. vom Istituto storico italiano, bisher 111 Bde., Rom 1887-.

Regesta chartarum Italiae, 38 Bde., Rom 1907-.


Quellenkunden

Kapitelweise regional und chronologisch geordnet, bietet die von Wilhelm Wattenbach begründete Quellenkunde einen Überblick über die wichtigsten Quellen, Editionen und Übersetzungen. Das mittlerweile etwas angejahrte Werk wird in verschiedenen Folgen neu bearbeitet:

Wattenbach, Wilhelm/Levison, Wilhelm/Löwe, Heinz: Deutschlands Geschichtsquellen im Mittelalter. Vorzeit und Karolinger, Weimar 1952-1973.

Wattenbach, Wilhelm/Holtzmann, Richard/Schmale, Franz-Josef: Deutschlands Geschichtsquellen im Mittelalter. Die Zeit der Sachsen und Salier, Darmstadt 1967-1971.

Wattenbach, Wilhelm/Schmale, Franz-Josef: Deutschlands Geschichtsquellen im Mittelalter. Vom Tode Heinrichs V. bis zum Ende des Interregnums, Darmstadt 1976.

Spätmittelalter Dotzauer, Winfried: Quellenkunde zur deutschen Geschichte im Spätmittelalter, Darmstadt 1996.

Lorenz, Ottokar: Deutschlands Geschichtsquellen im Mittelalter seit der Mitte des 13. Jahrhunderts, Berlin 1886-1887.

Die deutsche Literatur des Mittelalters. Verfasserlexikon, hg. von Kurt Ruth u.a., 11 Bde., Berlin u.a. 1978-2004 [= Verfasserlexikon].

Ausserhalb Deutschlands

Für andere Länder gibt es meist ebenfalls ähnliche Projekte, wie z.B.:

Gransden, Antonia: Historical writing in England, 2 Bde., London 1974-1982.

Lhotsky, Alphons: Quellenkunde zur mittelalterlichen Geschichte Österreichs, Graz/Köln 1963.

Molinier, Auguste: Les sources de l'histoire de France des origines aux guerres d'Italie, 6 Bde. , Paris 1901-1906.