MA Sphragistik

Aus LernWerkstatt Geschichte
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Siegel von sigillum (Diminutiv von signum, gr. sphragis) bestehend aus Wachs, Metall oder (Siegel-)Lack. Das Siegel kann als Erkennungs- und Beglaubigungszeichen dienen (vgl. Urkunden). Das Siegelbild ist, ähnlich einem Wappen, individuell auf eine Persönlichkeit, dem Siegelinhaber (oder auch Körperschaften) zugeordnet. Siegel existieren auch heute noch, jedoch meist nicht mehr in Form von Siegellack, sondern eher als Stempel, der diese Funktion übernommen hat. Wie schon im Mittelalter so besitzt das Siegel auch heute noch eine sehr hohe rechtliche Qualität und Anerkennung.

Siegel dienen drei rechtserheblichen Zwecken:


1. Als loses Erkennungszeichen (Ausweis)


2. Als Verschlussmittel, beispielsweise eines Briefes um entweder den Inhalt vor Unbefugten zu sichern (vgl. Polizeisiegel nach Verbrechen bei Wohnungstüren - um in die Wohnung zu gelangen muss das Siegel gebrochen werden, so kann zumindest erkannt werden, ob sich Unbefugte Zutritt verschafft haben) oder um den Inhalt des Schreibens vor einer Fälschung zu schützen


3. Als Mittel zur urkundlichen Beglaubigung; entweder als Willenserklärung oder als Zeugnis eines Rechtsgegenstandes


Im Gegensatz zur Wappenfähigkeit konnte jeder siegeln, der:

  • erstens uneingeschränkt rechtsfähig war
  • zweitens einen Grund zum Siegeln hatte und
  • drittens ein Siegel besaß.
Siegel beispiel.jpg
Siegel der Urkunde Nr. 78 Urkundenabteilung 1, Münzprivileg aus dem Jahre 1322,

vgl. auch bei Urkunden- und Aktenlehre. (Für die Bereitstellung der Reproduktion danken wir dem Stadtarchiv der Landeshauptstadt Hannover)

Auch bei der bekannten "Goldenen Bulle" aus dem Jahre 1356 handelt es sich um nichts Anderes als um die Bezeichnung des Siegels. Ursprünglich aus Byzanz stammend hatten sich vornehmlich die deutschen Könige und Kaiser das Vorrecht genommen und besonders wichtige und entscheidende Urkunden in dieser eher prunkvollen und feierlichen Form besiegelt.