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Der falsche Ruhm


Eine militärhistorische Betrachtung des Wirkens von T.E. Lawrence.
Von Ralf Raths (Hausarbeit, Sommersemester 2002)



Inhaltsverzeichnis

Einleitung

Nimmt man die wichtigsten Übersichtswerke zum Ersten Weltkrieg zur Hand, so wird man auch bei den aktuellsten Büchern, die sich allgemein durch eher progressive, moderne Ansätze und Theorien auszeichnen, zum Thema Lawrence von Arabien erstaunlich veraltete Bewertungen finden. Stellvertretend sei hier John Keegan, Aushängeschild der modernen Militärhistorie, zitiert: "Dessen [gemeint ist Hussein] arabische Armee, die - unter der Leitung eines später berühmten Verbindungsoffiziers, Oberst T.E. Lawrence - in Arabien und Palästina gegen die Flanken der Türken operierte, zog beträchtliche Streitkräfte von den wichtigen Fronten ab."[1] Ungeachtet der zweifelhaften Gesamtbewertung der arabischen Aktivitäten, gibt Keegan hier ein für seine Verhältnisse überraschend konservatives Bild wieder: Lawrence als alleiniger Führer der Araber, eine Wertung, die sich nicht unterscheidet von dem Urteil eines so konservativen Historikers wie Feldmarschall Montgomery über 30 Jahre vorher, in dessen Augen Lawrence allein die Araber zu ihren Erfolgen führte.[2] Ein Grund für diese kaum veränderte Betrachtungsweise kann in der Nebensächlichkeit des Kriegsschauplatzes gesucht werden.[3] Der Erste Weltkrieg war trotz seines Namens vor allem ein europäischer Krieg. Alle Operationen außerhalb Europas dienten nur dem Ziel, die Erstarrung innerhalb Europas indirekt zu lösen. So verliert z.B. Ferguson in seinem viel beachteten Übersichtswerk kein Wort über Lawrence Tätigkeiten[4], ähnlich wie Hans Herzfeld, der dem arabischen Kriegsschauplatz in seinem Standardwerk nur sehr wenige Seiten widmet und Lawrence nur in zwei kurzen Bemerkungen überhaupt erwähnt.[5] Diese Nebensächlichkeit des Schauplatzes hat es möglich gemacht, dass veraltete militärhistorische Bewertungen der Tätigkeiten Lawrence immer noch im allgemeinen Forschungsstand des Ersten Weltkrieges zu finden sind, gleichwohl die eigentliche Persönlichkeit Lawrence selber viel Aufmerksamkeit der Historiker auf sich gezogen hat und immer wieder neue Bewertungen erhalten hat.

Die Aufgabe dieser Arbeit ist es daher, Lawrence militärische Aktivität innerhalb der arabischen Revolte auf ihre Qualität hin zu prüfen, und mit dem bekannten, immer noch kolportierten Bild abzugleichen. Diese Aufgabe teilt sich dabei in zwei Fragestellungen auf: Erstens: Welche Rolle hat Lawrence für die Entwicklung der Guerilla gespielt, als deren erster wirklicher Vertreter er oft genannt wird? Zweitens: Wie relevant waren seine konkreten militärischen Leistungen vor Ort? Auf der Ebene der großen Strategie verschwimmen oft Politik und Strategie, und besonders bei Lawrence Arbeit war dies der Fall. Trotzdem sollen vor allem die rein militärischen Aspekte dieses Kontextes wie deutlich möglich herausgearbeitet werden; die politische Rolle des Lawrence soll nur dann von Interesse sein, wenn eine Auswirkung auf die militärische Seite des Aufstandes nachweisbar ist.

Zu diesem Zwecke wird sich die Arbeit zuerst mit der Guerillakriegführung in Theorie und historischer Praxis beschäftigen, um zu definieren, um welche Kriegführung es sich hier überhaupt handelt, denn gerade bei der Guerilla oder dem Kleinkrieg ist das alles andere als einfach. Anschließend werden Lawrence Theorien zum Thema zusammengefasst. Im zweiten Teil der Arbeit werden vorbereitend die militärischen Verhältnisse und die Operationen im arabischen Raum bis zu Lawrence Eintreffen skizziert, um danach im eigentlichen Kernteil der Arbeit entlang der wichtigsten Einsätze seine jeweilige Rolle bei diesen zu untersuchen. Dabei soll keine kontinuierliche Darstellung der arabischen Kampagne entstehen, sondern nur die für unsere Fragestellung wesentlichen Einsätze beleuchtet werden. Auf der Basis dieser Ausarbeitung findet dann im dritten und letzten Teil die abschließende Bewertung statt - war Lawrence im militärischen Sinne ein guter Soldat, der Führer der Araber und ein Guerillero nach seinen eigenen Maßstäben?

Der Guerillakrieg

Bevor wir uns der Frage nach Lawrence militärischer Rolle im arabischen Aufstand zuwenden können, muss kurz geklärt werden, was das überhaupt für eine Kriegsform war, in der er sich bewegte und agierte, und die er in späteren Schriften nicht wenig wirkungsmächtig theoretisch unterfütterte. Der gängige Name für die von Lawrence praktizierte Form des Krieges ist heutzutage der Begriff Guerillakrieg. Allerdings ist mit diesem Begriff ein Feld der Kriegstheorie angeschnitten, das sich im Gegensatz zu anderen, klarer fassbaren Aspekten wie z.B. der Lineartaktik, in der Theorie und Begriffsbestimmung durch besondere Nebelhaftigkeit und Definitionsvielfalt auszeichnet. Wenden wir uns also zuerst dem Versuch einer Definition dieses Kriegstypus' zu.

Definitionsansätze

Der Begriff Guerillakrieg ist nur einer von mehreren Begriffen, die zur Bezeichnung verschiedener Typen einer Kriegführung in einem kleineren Maßstab dienen. Mit ihm verwandt und heutzutage synonym zu gebrauchen sind die Begriffe Kleinkrieg und Partisanenkrieg. Darüber hinaus gibt es noch eine große Zahl Begriffe mehr, die verschiedenen möglichen Ausprägungen des Kleinkrieges präziser zu umschreiben, doch die drei oben genannten Begriffe sind die in unserer Zeit gängigsten. [6] Gleichwohl Guerillakrieg, Partisanenkrieg und Kleinkrieg historisch in Entstehung und Ausprägung unterscheidbar sind, so werden sie heute doch begriffsgleich verwendet, was eine Definition nicht eben einfacher macht. In der Tat umfasst der Begriff Guerillakrieg durch Zeit und Räume eine so große Menge an verschiedenen Ausprägungsformen, dass z.B. Werner Hahlweg, der bedeutendste deutsche Theoretiker zu Guerillaproblematik, zur Definition denn auch nur ein Grundgerüst von verbindenden Charakteristika anbieten mag, jedoch großen Wert darauf legt, dass jeder einzelne Guerillakonflikt besonders genau seinem eigenen, spezifischen Wesen nach untersucht werden muss.[7] Angelehnt an die Theorien Hahlwegs, sollen hier einige wesentliche Charakteristika festgehalten werden.

Erstens sind die kämpfenden Einheiten der Guerilleros relativ klein. Der Begriff klein variiert natürlich je nach der Bezugsgröße, also der Armeeeinheiten, mit denen sie sich auseinandersetzen müssen: stets jedoch werden sie relativ zu diesen gesehen wesentlich kleiner sein. Daraus ergibt sich zweitens, dass die Einsatzziele nicht die direkte Vernichtung des gegnerischen Heeres sein können, sondern dass andere Mittel und Wege (Sabotage, schnelle Zermürbungsattacken, Diebstahl, Attentate etc.) genutzt werden, um den Feind auf lange Sicht auf strategischer Ebene zu besiegen. Die sich aus diesen beiden Punkten drittens ergebende Kampftechnik muss eine irreguläre, lockere, aufgelöste, verdeckte, flexible und tiefenwirksame sein. Der Bezugsrahmen der Guerilla ist dabei immer die taktische Ebene. Viertens ist die Guerilla stets aufs engste mit dem Land und den Menschen verbunden, aus dem sie hervorgeht, sie "[...] stellt keinen ,Ausfuhrartikel' dar." [8] Sie muss fünftens aufgrund ihrer taktischen Struktur von Menschen betrieben werden, die über einen besonders hohen Grad von Selbstständigkeit verfügen. Um zum Sieg zu gelangen, ist eine Guerilla sechstens im Regelfall auf die Unterstützung einer freundlich gesonnen Anlehnungs- oder Unterstützungsmacht angewiesen. [9]

Diese sehr knappe Aufzählung deckt beschreibend alle wesentlichen Grundcharakteristika der modernen Guerilla ab. Die ersten fünf Aspekte sind immer konstituierend für eine Guerilla, der sechste Aspekt jedoch tritt im Regelfall auch hinzu. Neben diesen Aspekten, die für alle Guerillas seit dem 18. Jahrhundert gelten, kommt vor allem im 20. Jahrhundert noch der revolutionäre Aspekt hinzu.[10] Da sich verschiedene revolutionäre Bewegungen das Prinzip der Guerilla zu eigen gemacht haben, wird im Umkehrschluss der Begriff Guerilla oftmals automatisch mit dem Adjektiv revolutionär verknüpft. Dies ist jedoch ein deskriptiv zu fokussierter Ansatz. Fast jede moderne revolutionäre Bewegung hat sich zwar diesen Ansatz zunutze gemacht, aber die konventionelle, nicht-revolutionäre Guerilla bleibt immer noch als Phänomen beobachtbar. Das revolutionäre Element kann also nicht als konstituierend gelten. Gleichwohl muss aber m.E. betont werden, dass im 20. Jahrhundert zumindest in eben diese zwei Grundtypen der Guerilla unterschieden werden muss, da sich der revolutionäre Charakter einer Guerilla ganz wesentlich auf ihre faktische Ausprägung auswirkt.[11] Diese Punkte beschreiben aber nur eine Form der Kampfführung; ein wesentliches Charakteristikum entgeht dieser Definition. Sie lässt vermissen, dass Guerilla im modernen Sinne "[...] ihre Eigentümlichkeit [in der] kausalen Verflechtung von Politik und Krieg [haben], ja ihre Definition von Politik erfolgt eigentlich in Begriffen der Gewalt [... ]" [12] Gleichwohl eine der Wurzeln des modernen Guerillabegriffes unpolitisch war[13], ist dieser Begriff heute immer nur politisch zu denken. Verschmolzen aus dem Begriff der Guerilla und des Kleinkrieges einerseits, aber eben auch aus dem Begriff des Partisanenkrieges, also des Parteigängerkrieges, und geprägt durch mehr als 200 Jahre Kriegführung unter politischer Prägung nach Art des "leichten" oder "kleinen Krieges" ist diese Form der Kampfführung nicht mehr von ihrer politischen Dimension zu trennen.

Die historische Entwicklung

Der Kleinkrieg als solcher ist, im Gegensatz zur Guerilla, alles andere als eine besonders moderne Erscheinung. Der Kampf in kleinen, lockeren Gruppen, die hochmobil sind und den Gegner vor allem durch zermürbende Störangriffe bekämpfen, ist seit der Antike belegbar, und er wurde auch niemals komplett ausgesetzt.[14] Durch das Mittelalter bis in die Frühe Neuzeit fand sich stets irgendwo das eine oder andere Volk, dass diese Kampfesweise zu bestimmten Zeiten für zweckmäßig erachtete und demzufolge einsetzte. Allerdings setzte sich in Europa seit dem 11. Jahrhundert kontinuierlich und dann besonders noch einmal im Zuge der Bildung der Nationalstaaten ein hoher Grad der Professionalisierung des Kriegswesens durch. Das Volk einerseits und die Ritter/Landsknechte/Soldaten andererseits trennten sich deutlich voneinander, was in der Ära der Kabinettskriege[15] im allgemeinen Konsens gipfelte, "[...] dass das Volk sich tunlichst nicht echauffiere, [...]"[16], also keinesfalls auf irgendeine Art und Weise in das militärische Geschehen eingreife.[17] Nichtsdestoweniger pflegten auch die Armeen dieser Epoche, in der Volk und Militär formell so sauber getrennt waren, selbst durchaus das taktische und operative Mittel des Kleinkrieges als unentbehrliches Werkzeug. Wohlgemerkt betrieben in diesem Zusammenhang reguläre Truppen Kleinkrieg; dieser Kampfstil spiegelt sich heute noch in der Redewendung "Husarenstreich" wider. "Ein solcher Kleinkrieg fand entweder taktisch in Form von Einzelaktionen, individuell, in mehr oder weniger eng begrenztem Rahmen statt, oder er spielte sich strategisch ab, d.h. in Unternehmungen leichter Truppen nach einem größeren Plan [...]"[18] Dieser Kleinkrieg war dabei stets Ergänzung zum Großen Krieg, also zu den offenen Feldschlachten dieser Epochen.

Die Wandlung des Kleinkrieges zur modernen Guerilla erfolgte über den Partisanenkrieg. Heute untereinander synonym austauschbar, gibt es historisch gesehen einen enormen Unterschied: Beim Partisanenkrieg wird technische gesehen ein klassischer Kleinkrieg vollzogen, aber Volk und Militär sind nicht länger getrennt. Vielmehr politisieren sich Zivilpersonen und werden zu Parteigängern, zu partisans (frz.) oder Partisanen. Hier spielen nun also die Elemente des Irregulären und des Politischen untrennbar zusammen. Die natürliche Kampfform, derer sich diese Irregulären bedienten, musste aufgrund geringer Zahl, mangelnder Organisation und Ausrüstung natürlich der Kleinkrieg sein. Dieser Partisanenkrieg ist zum ersten Mal im amerikanischen Unabhängigkeitskrieg nachweisbar, der so gesehen eine Scharnierstellung zwischen den Kabinettskriegen und den Revolutionskriegen einnimmt: "Am Tage gingen sie zivilen Tätigkeiten nach und bewegten sich unauffällig, um im Schutze der Nacht planmäßig und unter Ausnutzung des Überraschungsmomentes den Engländern schwere Verluste zuzufügen, ihre Verbindungslinien zu stören, ihre Versorgung zu erschweren [...]"[19] und auf vielerlei andere Art den Feind zu bekämpfen. Der Partisanenkrieg ist dem modernen Begriff der Guerilla schon sehr nahe, und unterscheidet sich von ihr eigentlich nur durch eine stärkere Betonung des einzelnen, hoch motivierten Politkämpfers, wohingegen der Begriff Guerilla mehr in die Richtung einer großen, zusammenhängend agierenden Gruppe zielt. Um die Jahrhundertwende sollten dann die Französische Revolution und ihre Folgewirkungen der große Katalysator für die Guerilla sein. Die erste Guerilla im modernen Sinne war ausgerechnet eine konterrevolutionäre Bewegung, übrigens ebenso wie die Guerillabewegungen in Spanien und Tirol.[20] Bei der französischen Guerilla handelte sich hierbei um den Volkaufstand in der Vendée 1793-1796, einer Bewegung, die gegen die Französische Revolution gerichtet war. "Ist der kleine Krieg bisher vornehmlich durch Parteigänger aus den Reihen der regulären Truppen, der Berufssoldaten, geführt worden, so wird er nunmehr Sache der Volksmassen. Damit verlagert er sich in die Tiefe des politischen, sozialen und ökonomischen Raumes."[21]Damit entsteht nun die moderne Guerilla: Irregulär, politisch, im Volke verwurzelt. Völlig neue Antriebskräfte werden dadurch freigesetzt und sollten die Kriegführung in Intensität und Grausamkeit dauerhaft verändern.

Zum Zeitpunkt von Lawrence Einsatz waren also beide Formen der Guerilla noch bzw. schon existent: Einmal die rein militärische Form, der Kleinkrieg, aber auch die Form des Partisanenkrieges, der Volksguerilla.[22] Und auch wenn bis zum Ersten Weltkrieg der Kleinkrieg immer noch ein relativ stiefmütterliches Dasein neben dem Großen Krieg fristete, und die moderne Guerilla sich erst entwickelte, so müssen beide Phänomene Lawrence bekannt gewesen sein.

Der Ursprung von Lawrence Theorien

Lawrence schrieb seine Ansichten zur Theorie und Praxis der Guerilla erst nach dem Ersten Weltkrieg nieder. Wichtigste Quelle dabei ist hier sein Hauptwerk aus der Nachkriegszeit "Seven Pillars of Wisdom" [23], in dem er auch Ansätze aus anderen seiner Aufsätze oder Niederschriften vereinte. Ungeklärt bleibt die Frage, wann Lawrence diese Ideen explizit entwickelte. Er selber nimmt für sich in Anspruch, seine Ideen im März 1917 entwickelt zu haben, als er von einer schwächenden Krankheit zehn Tage ans Bett gefesselt war und nach eigener Angabe die Zeit nutzte, um sich über die zukünftige Strategie klar zu werden.[24] Andere Autoren stehen dieser Aussage kritisch gegenüber: Die von Lawrence in seinen Schriften verfassten Aussagen klingen ihrer Meinung nach doch allzu sehr nach einer Übersicht in der Deutung der Umstände, die nur der reflektiert Rückblickende haben kann, ein m.E. sehr plausibler Einwand.[25] Außerdem gibt es Quellen, die eindeutig belegen, dass Lawrence nach dem März 1917 noch in strategischen Bahnen dachte, die zumindest seiner angeblich ab dann existenten Medinatheorie [26] glatt zuwiderliefen, ein weiteres Indiz für eine nachträgliche, rückwirkende Verortung der Theorieentwicklung. Prinzipiell lassen sich aber andererseits durchaus Belege dafür finden, dass Lawrence in der Praxis bereits zu dieser Zeit die Möglichkeiten der Araber in der Guerilla sah - was aber nicht die zeitliche Einordnung der expliziten Theorieentwicklung klären kann. Skepsis ist ob der offensichtlichen Nachträglichkeit zumindest der Medinatheorie angebracht.[27] Mit Sicherheit kann jedoch festgestellt werden, dass Lawrence der erste wirkliche Theoretiker der Kriegsguerilla war - ob er nun 1917 oder 1919 diese Ideen kodifizierte, ist dabei eigentlich von nachrangiger Bedeutung.[28] Für einige Kritiker stellt sich aber sogar die Frage, ob er die niedergeschriebenen Ideen wirklich selbst kreativ hervorgebracht hat, oder ob er nur einen Kampfstil, den er bei den Arabern bereits vorgefunden hat und beobachten konnte, schriftlich fixiert hat. Diese Frage entscheidet ungemein über die Bewertung von Lawrence Stellenwert in der Militärhistorie. Ein kreativer Genius und ein schlichter deskriptiv schreibender Beobachter sind eben zweierlei. Diese Frage sollte deshalb im nun folgenden Hauptteil nicht in Vergessenheit geraten.

Lawrence Theorien

"Lawrence gehört heute zu den Klassikern des Kleinen Krieges gerade im Bereich der westlichen Welt; sein Name wird stets dort genannt, wo es um Grundfragen der Führung dieser Art des Krieges geht."[29] Die von ihm geprägt Theorie kann in einen allgemeinen, zeitlosen Teil und in einen speziellen, an den arabischen Aufstand gebundenen Teil unterschieden werden.[30] Die allgemeine Theorie zeichnet sich dadurch aus, dass Lawrence drei stets vorhandene Elemente einer Guerilla konstatiert, die vom Guerillero genau analysiert und in ein Verhältnis zueinander gestellt werden müssen, wenn er einen erfolgreichen strategischen Ansatz entwickeln will.[31]

Das erste Element ist das rechnerische Element des Sachlichen.[32] Es bezeichnet die konkret erfassbaren Rahmendaten eine Kriegstheaters[33] , also die Kopfzahl der Soldaten, der Guerilleros, das zu beherrschende Land in Quadratkilometern, dessen Geographie, Klima, die Zahl der Städte, Panzerwagen, Gewehre und so weiter und so fort. Im arabischen Zusammenhang beispielsweise errechnete er auf Basis dieser Daten, dass die Türken unmöglich alle wichtigen Punkte sichern konnten, und dass die Araber zwar von geringer Zahl, aber von hoher Beweglichkeit waren. Um aus dieser Schwäche nun eine Stärke zu machen, kombinierte er beide Erkenntnisse zu einer grundlegenden Strategie: "Armies were like plants, immobile, firm-rooted, nourished through long sterns to the head. We might be vapour, blowing where we listed."[34]

Das zweite Element ist das biologische Element des Lebendigen.[35] Dieses schränkt das scheinbar so präzise und berechenbare Element das Sachlichen ein: Es handelt sich hierbei um die allgemeine Unbestimmtheit und Unsicherheit, die Menschen in Pläne und Rechnungen bringen. Dieser Unsicherheit muss begegnet werden mit einem klarsichtigen, genau angepassten und klugen Führungsstil. Der Führer eines Aufstandes muss dieses Element intuitiv erfassen, denn "the components [dieses Aspektes] were sensitive and illogical [...]".[36] Nur wenn er sich also gefühlsmäßig auf die Menschen einstellen kann, die er führt, und in der Lage ist, seine Führung dementsprechend zu adaptieren, ist er in der Lage, eine erfolgreiche Guerilla zu führen. Außerdem umfasst dieses Element aber auch eine Bewertung der Wichtigkeit des Menschen im jeweiligen Kriegstheater. Im arabischen Zusammenhang hieß das, dass das Material der Türken zum Hauptziel der Aktionen der Araber werden musste, und nicht ihre Soldaten, denn "in der Türkei, wo alles Material kostbar war, wurde die Ausrüstung des Menschen höher eingeschätzt als er selbst."[37] Nun hatten sich neben der Art der Kriegführung auf Grund des zweiten Elementes auch deren primäre Ziele ergeben. Schlachten sollten dabei gemäß des ersten Elementes vermieden werde: "Battles in Arabia were amistake, since we profited in them only by the ammunition the enemyfired off. [...] Our cards were speed and time, not hitting power. The invention of the bully E.E.F. profited us more than the invention of the gunpowder, but gave us strategical , rather than tactical strentgh, since in Arabia range was more than force, space grater than power."[38] Die logische Konsequenz mussten also Raids gegen Bahnen, Brücken, Depots und so weiter sein. Hätte Lawrence beispielsweise 1944 eine Guerilla gegen die amerikanischen Truppen in Frankreich planen müssen, wäre sein Urteil sicher genau gegenteilig ausgefallen.

Das dritte Element, das psychologische Element des Ideellen[39] schließlich umfasst all jene Dinge, die einerseits dazu tauglich sind, den Geist und den Kampfeswillen der Guerilleros durch moralische und ideelle Werte aufzubauen, und ihnen dergestalt den Willen zum Sieg zu geben, und andererseits beim Gegner genau das Gegenteil zu bewirken. Der Geist und die Einstellung eines jeden einzelnen Soldaten auf dem Gefechtsfeld seien genauso wichtig wie die Waffen, die er führt, und also sei es unabdingbar diesem diffizilen Element höchste Aufmerksamkeit zukommen zu lassen. Wieder auf den arabischen Raum bezogen bedeutete dies, dass den Arabern stets Sinn und Zweck ihres Handelns präsent gehalten werden musste, wohingegen den Türken ununterbrochen klar sein musste, dass sie in einem feindlichen Lande standen, was durch die ständigen Raids erreicht wurde. Daraus ergab sich ein ziemlich klares Bild für das arabische Kriegstheater: Alles sollte in einem Ausweichkrieg resultieren.[40] Die arabischen Truppen sollten sich im ganzen Lande verteilen, um keine Angriffsfläche zu bieten. Mit Beweglichkeit und Schnelligkeit sollten sie sich Kämpfen entziehen, und wo immer sie es bestimmten, die Türken an ihren empfindlichsten Stellen treffen. Tiefenausdehnung war das Schlüsselwort, klassische Frontbildung hingegen wäre glatter Selbstmord gewesen. Lawrence vergleicht die Guerilla in einem so großen Raum mit der Seekriegführung: "In character our operations of development for the final stroke should be like naval war, in mobility, ubiquity, independence of bases and communications, ignnoring of ground features, of strategie areas, of fixed directions of fixed points."[41] Diese Art der Kriegführung fordert besonders selbstständige Individuen, die in der Lage sein mussten, ganz und gar eigenverantwortlich Entscheidungen zu treffen andererseits ergibt sie auch auf gewisse Weise einen besonders simplen Krieg: Kein Train, keine Versorgungssysteme, keine komplizierten Kommunikationsstränge, keine Stäbe sind für einen solchen Krieg notwendig: "The Arab war was a simple and individual. [...] The efficiencey of each man was his personal efficiency."[42] Diese Kriegführung ist die dem arabischen Stammesleben angemessene gewesen, und um diese Angemessenheit nicht zu verwässern, wurde laut Lawrence nur maximal ein britischer Offizier pro ca. 1000 Araber eingesetzt, ein Ansatz, der auch für zukünftige Guerilla berücksichtigt werden muss. [43] Neben der prinzipiellen Logik, solcherlei Kriegführung mit kleinen Gruppen durchzuführen, und neben dem unausweichlichen Rahmenumstand, nur geringe Kopfzahlen in der arabischen Armee zur Verfügung zu haben, waren diese Kleinstverbände auch auf Grund der Besonderheiten der Araber anzuraten: "Als Masse sind sie nicht besonders gefährlich, da sie keinen Korpsgeist besitzen, und kein Gefühl für Disziplin aufbringen können, sich auch gegenseitig nicht trauen. Aber der einzelne Mann ist sehr gut; ich möchte sagen: je kleiner die Einheit, die operiert, desto besser wird sie operieren. Eine Masse von 1000 Mann würde nichts gegen den vierten Teil ausgebildeter Truppen vermögen, aber in ihren eigenen Tälern und Bergen sind drei oder vier Araber ein Dutzend türkische Soldaten wert."[44] Hier sieht man eine handfeste Umsetzung dessen, was Lawrence das biologische Element des Lebendigen nennt. Diese sind also die allgemeinen und speziellen Grundlagen, die Lawrence nach dem Kriege zur Theorie und Praxis der Guerilla niedergeschrieben hat, und mit denen er sicher ein wegweisendes Stück der Kriegstheorie verfasst hat.[45] Im nun folgenden Hauptteil wollen wir seine Taten in Relation dazu setzen: Wie handelte Lawrence praktisch im Arabischen Aufstand? Inwiefern war er überhaupt prägend für welche Abläufe, und inwieweit decken sich diese mit seinen später niedergeschriebenen Theorien?

Lawrence Rolle bis Akaba

Der arabische Aufstand wurde am 05.06.1916 vom Groß-Scherifen Hussein von Mekka ausgelöst. Obwohl ihm ein langes und kompliziertes diplomatisches Geplänkel zwischen Arabern, Türken und Briten über verschiedenste Kanäle vorausging, wurde der eigentliche Aufstand selber ziemlich überstürzt ausgelöst. Hussein sah sich plötzlich bedroht durch eine deutsche Mission, die nach ihrem Führer so genannte Stotzingen-Mission. Diese hatte verschiedene Aufträge, und neben so konkreten Aufgaben wie der Errichtung eines Funkturmes, der die deutschen Afrikakolonien mit Berlin verbunden hätte, unter anderem auch die, durch pure Anwesenheit die Loyalität des Scherifen zu prüfen; ein Ansatz, der zwar zweifelsfrei gelang, wenn auch nicht mit dem erhofften Ergebnis. Die Stotzingen-Mission sollte dazu, begleitet von türkischen Einheiten in der Stärke mehrerer Bataillone, zur Erledigung ihrer Aufträge den Hedjaz durchqueren. Hussein, der zuerst noch versuchte, diplomatisch aus dieser Situation Vorteile zu schlagen, löste dann aber, als er sich von der nahenden Streitmacht bedroht fühlte, doch den Aufstand aus, der eigentlich erst für den August geplant war und ursprünglich auch in Syrien ihren Schwerpunkt haben sollte.[46] Dies konnte den Briten aber nur recht sein, denn das Scheitern der Stotzingen-Mission bewahrte sie vor weitreichenden Problemen. Es ist nämlich nicht unplausibel, anzunehmen, dass ein Erfolg Stotzingens weitreichende Auswirkungen auf das afrikanische Kriegstheater hätte haben können. Außerdem wäre Aden, ein strategisch sehr wichtiger Punkt, plötzlich massiv bedroht gewesen.[47]

Die Kräfteverhältnisse

Die Kampfhandlungen flammten schnell an verschiedenen Stellen gleichzeitig auf, da die Araber sich, ihrer Gesellschaftsstruktur nach nur natürlich, dezentral organisierten. Drei der Söhne des Groß-Scherifen, namentlich Feisal, Abdullah und Ali, befehligten größere Kontigente von regulären und irregulären arabischen Kämpfern, deren Kopfzahl aber ständig aus verschiedenen Gründen wechselte. Die Truppenteile rekrutierten sich aus den Stämmen, und definierten sich über diese Stammeszugehörigkeit, was einen größeren Zusammenhalt gewährleistete, aber auch bedeutete, das ganze Truppenteile ausfielen, wenn ein Stamm beschloss, den Aufstand nicht weiter zu unterstützen.[48] Der Grund für solch eine Entscheidung konnte alles Mögliche sein: Abfall von der Idee, Befriedigung der persönlichen Kriegsziele (i.e. Beute), Streit unter den Stämmen oder andere Verpflichtungen. Die Zahlen sprechen eine deutliche, aber dennoch wenig erhellende Sprache. So befehligte Feisal kurz vor der Schlacht auf Wedjh, also im Januar 1917, konnte Feisal in seiner Truppe 10.000 Mann vereinigen, führte aber kurz vor der Eroberung von Damaskus im September 1918 nur 4.000 Mann, teilweise schrumpfte seine Truppe sogar auf 2.000 Mann zusammen.[49] Dies macht es unmöglich, eine Gesamtsumme des zur Verfügung stehenden Menschenpotentials auf arabischer Seite zu geben, da es ja beständig wechselte. Lawrence selbst bezifferte es einmal auf etwa 50.000 Mann, eine offensichtlich über den Daumen gepeilte und m.E. nach zu hohe Zahl.[50] Zusammenfassend kann man aber feststellen, dass sich die Zahlen der gleichzeitig kämpfenden Araber im Rahmen von je nach Zeitpunkt ca. 5.000 bis zu eventuell 20.000 bewegt haben werden. Diese Zahl teilt sich aber natürlich auf die Hauptverbände und verschiedene unabhängig operierende Einheiten auf. Während des gesamten Aufstandes wurden begleitend reguläre arabische Einheiten von den Briten ausgebildet. Da diese auf Stammrollen erfasst wurden und ein dauerhaftes Dienstverhältnis hatten, ist hier eine Bezifferung wesentlich leichter: Bereits Anfang 1918 verfügten die Araber über einen Kern von 3.000 Regulären, die für damalige Verhältnisse zudem noch relativ hoch technisiert waren, drei Monate später bereits über 4.000.[51]

Angesichts der Zahlen der türkischen Armee, die ihnen gegenüberstanden, war dies eine beachtliche Zahl. Lawrence schätzt die Zahl der Türken in Syrien auf ca. 50.000 Soldaten, die aber ein riesiges Gebiet überwachen mussten.[52] Diese Truppen sind in größeren und kleineren Garnisonen in den Städten und in Eisenbahnstationen untergebracht, letzteres vor allem deshalb, weil die Eisenbahn, und besonders die Hedjaz-Bahn die zentrale Lebensader für alle türkischen Truppen war. Der Schutz dieser Lebensader musste ihr vorrangiges Ziel sein, die nachhaltige Störung derselben das natürliche Ziel der Araber. Gleichzeitig liefern sich große Teile dieser Truppen an der Küste des Mittelmeeres im Grenzgebiet zwischen Ägypten und Palästina auch noch heftige reguläre Gefechte eher europäischen Stiles mit der E.E.F.[53] unter General Murray, die 1915 ebenfalls auf eine Kopfzahl von knapp 20.000 kam. Dies resultierte de facto in relativ kleinen ständigen Garnisonen von (je nach Relevanz der Stadt) 200 bis 1.200 türkischen Soldaten, die wie Perlen entlang einer Kette (der Hedjaz-Bahn) ziemlich isoliert in Feindesland lagen, und aus verschiedensten Gründen eine miserable Kampkraft hatten: "Ihre Ursachen: Rückständigkeit im sozialökonomischen Bereich, die kaum vorhandene Rüstungsindustrie und das äußerst schlechte Verkehrswesen. Außerdem sind die meisten Soldaten Analphabeten. [...] Die Truppe befindet sich zum größten Teil in desolatem Zustand."[54] Deshalb war die türkische Armee sehr von ihren Bundesgenossen, dem Deutschen Reich und der österreichungarischen Doppelmonarchie abhängig. Neben wenigen k.u.k.-Abteilungen[55] stärkte vor allem das Deutsche Reich seinem Junior-Partner den Rücken. Nicht nur mit Ausrüstung und Ausbildern wurde das türkische Heer unterstützt, deutsche Offiziere füllten bis in die allerhöchsten Ebenen wesentliche Kommandoposten, um die Führungsstruktur wie ein Skelett zu stützen.[56] Andererseits hatten auch die Araber ihre Probleme. Untereinander oftmals zerstritten und ihren Zielen und Methoden uneins, waren sie vor allem von ihrer Ausrüstung her einem modernen absolut nicht gewachsen. Die waffentechnische Ausrüstung der Araber war absolut veraltet, aber auch das Material das ihnen die Briten anfänglich zukommen ließen, war nach damaligen Maßstäben bereits deutlich veraltet, wenn auch nicht so antiquiert wie das arabische. [57] Operativ und strategisch dachten die arabischen Führer durchaus kreativ, wie wir im Verlauf dieser Arbeit sehen werden, aber taktisch gesehen waren die Araber einer Schlacht europäischen Typs absolut nicht gewachsen.

Der Verlauf des Aufstandes bis zu Lawrence Eintreffen

Die Auslösung des Aufstandes zu diesem Zeitpunkt traf die Türken ziemlich überraschend was ob des spontanen Charakters von Husseins Entscheidung nicht weiter verwundern kann. Erstes Hauptziel des Angriffes musste Mekka sein. Diese Stadt war für die Moslems eine der drei wichtigsten heiligen Stätten (neben Medina und Jerusalem) und musst also allein schon aus diesem Grunde genommen werden. Außerdem war es wichtig, dass der Groß-Scherif als Führer des Aufstandes seine eigene Machtbasis als erstes befreite und etablierte. Die Eroberung der Stadt de facto war schnell erfolgreich, wenn auch gewisse Höhen und Punkte um Mekka herum noch bis zum September von Türken gehalten wurden.[58] Teils unterstützt durch Küstenbombardements der Briten, erobern die arabischen Truppen schnelle einige wichtige Städte: Die zu Mekka gehörende Hafenstadt Dschidda, der wichtige Ort Janbo, sowie die Ortschaften Kunfida, Rabegh und Um Ledschj.[59] Gemäß der Idee der "Seekriegführung in der Wüste", nach der Operationsbasen wichtiger sind als wirklich konkret besetztes Gelände, beherrschen die Araber damit recht schnell ein ziemlich groBes Einflussgebiet, oder wie Morsey sagt, es bedeutete, dass "[...] Scherif Hussein jetzt mit Ausnahme der ganz im Norden liegenden Hafenstadt Wedsch und der Hauptstadt Medina praktisch uneingeschränkter Herrscher im Hedschas zwischen dem 19. und 25. Breitengrad war, [...]"[60] Wie Morsey schon schreibt, war die Crux des Momentes Medina: Diese äußerst wichtige Stadt konnte von den Arabern nicht genommen werden, und es sollte ihnen auch den gesamten Krieg über nicht gelingen. Erst lange nach dem Waffenstillstand übergab die türkische Garnison aufgrund der neuen politischen Verhältnisse friedlich die Stadt an die Araber. Im Juni 1916 jedoch resultierte dies alles erstmal allerdings in einer sehr problematischen Situation – da die Araber aus technischen Gründen (Mangel an Artillerie, Mangel an Sprengstoff, fehlendes technisches Wissen zu dessen Einsatz) nicht in der Lage waren, die Hedjaz-Bahn nachhaltig zu stören, konnte Medina von den Türken weiter versorgt und verstärkt werden - Medina steckte also wie ein Stachel im neuen arabischen Hoheitsgebiet. Es bestand sogar die Gefahr, dass die Türken aus Medina heraus eine Gegenoffensive starten würden. Benannt nach der Stadt Rabegh, welche die Türken auf dem Weg nach Mekka hätten passieren müssen, wurde diese gefährliche Zeit Rabeghkrise genannt.[61] Im Verlauf dieser Krise trifft Lawrence im Geschehen ein.

Zu diesem Zeitpunkt ist für unsere Fragestellung zweierlei interessant, nämlich die Betrachtung der unbeeinflussten strategisch-operativen Ansätze einerseits und taktischen Methoden andererseits. Der Gedanke, Medina den Lebensnerv an der Hedjaz-Bahn abzuschneiden, ist Feisal nachweislich bereits vor dem Eintreffen Lawrence gekommen - er setzte ihn praktisch sofort mit der Auslösung der Revolte in die Tat um, und scheiterte bei seinem Versuch nur an technischen Problemen. Nichtsdestoweniger entwickelte Feisal hier bereits, und nicht erst später unter Lawrence Anleitung, die Grundzüge des Kleinkriegs, in dem neben den klassischen Attacken auf die Städte er nadelstichartig die Verbindungslinie seines Gegners angriff.[62] Auch auf taktischer Ebene bedient er sich bereits des Kleinkrieges - darüber haben wir interessanterweise von Lawrence selbst Zeugnis. Zwar erlitten die Araber schwere Niederlagen, wenn sie versuchten, sich im offenen Feldgefecht den Türken zu stellen, nicht zuletzt aufgrund der mangelhaften Ausrüstung, welche die Briten ihnen zukommen ließen.[63] Doch im Rahmen seiner Kleinkriegsstrategie gegen den türkischen Feind griff Feisal natürlich auch zu den adäquaten taktischen Ansätzen, nämlich zu "[...] überraschenden Reiterüberfällen gegen dessen rückwärtige Verbindungen [...]."[64] Auch das Zusammenspiel zwischen Regulären und Irreguläre, der effektive Paarlauf Allenbys und Feisals später in Palästina, wird in dieser Zeit bereits vorausgedacht - aber wiederum nicht von Lawrence. Aziz al-Masri, ein arabischer Berater des Groß-Sherifen, hatte dieses Zusammenspiel bereits im November 1916 skizziert und vorausgeplant. Lawrence hingegen sollte es später als sein Konzept verkaufen.[65] Wir können als Zwischenfazit also bereits festhalten, dass die Araber den Kleinkrieg bereits vor Lawrence Ankunft ausübten, wenn auch noch ziemlich eingeschränkt, vor allem durch den Mangel an vernünftiger Ausrüstung. [66] Ebenso gab es schon die grundlegenden strategischen Gedanken, die den Aufstand später prägen sollten.

Die Rabeghkrise und der Angriff auf Wedjh

In dieser Situation traf Lawrence am Ort des Geschehens ein, ursprünglich nur in der Rolle eines besonders sachverständigen Beobachters. Lawrence war selber alles andere als ein militärischer Charakter, und er hatte keine fundierte Ausbildung als Soldat. Vielmehr hatte er nur das nötigste des soldatischen Handwerks gelernt, da er eigentlich eine Verwendung abseits des Schlachtfeldes erfüllen sollte.[67] Gleichwohl bezog er sich in seinen Schriften immer wieder auf Clausewitz und andere Theoretiker der Kriegskunst, die er im College gelesen zu haben behauptete.[68] Er erlebt die Rabeghkrise mit, in der die Araber unter der drohenden Gefahr einer türkischen Offensive über verschiedenste Formen der engeren Anlehnung an die Briten diskutieren. Der Groß-Scherif selbst geht unter dem Eindruck der wachsenden Gefahr so weit, die Entsendung regulärer britischer Truppen in den Hedjaz zu befürworten - ein Schritt, der bis dahin undenkbar war, aus Gründen die auch Lawrence in diesem Zusammenhang vorbringt: Die Anwesenheit der Briten könnte von den Arabern als Schwäche des Groß-Scherifen gedeutet werden, was ihn durchaus seine Autorität in diesem Aufstand hätte kosten können.[69] Lawrence hingegen betont, dass die Ausbildung regulärer arabischer Truppen langfristig die bessere Alternative sei. Das Pikante dabei ist allerdings, dass Lawrence sich das erste Argument von dritter Seite angeeignet und als seine eigene Überlegung verkauft hat.[70] Der Streit über das richtige Vorgehen wird nach einigen Tagen obsolet, weil die Türken es, symptomatisch für den überalterten, undynamischen Zustand ihrer Armee, versäumen, in dieser Situation wirkungsvoll die Initiative auszunutzen - einige kleinere, noch dazu erfolglose Scharmützel sind das einzige, was sie aus der Situation herausholen.[71] Gesammelt und ermutigt durch die offensichtliche Schwäche der Türken, reißen die Araber die Initiative nun an sich und beginnen ihrerseits mit einem Vormarsch. Lawrence kann in dieser Zeit kaum größeren Einfluss auf die strategische Entscheidungsfindung ausgeübt haben, da er einen großen Teil der Rabeghkrise gar nicht dort anwesend war, die Entscheidungen gefällt wurden, sondern im Hedjaz selbst unterwegs, um, wie er es später ausdrücken sollte, "den Propheten der Revolution"[72] zu suchen. Außerdem war er zu diesem Zeitpunkt gerade mal als Leutnant frisch am Ort des Geschehens eingetroffen und konnte kaum relevanten Einfluss ausüben.[73]

Allerdings änderte sich dies recht rasch, als die Araber wieder die Initiative ergreifen, obwohl sie in dieser Zeit auch bereits gewonnen Punkte wieder aufgeben mussten.[74] Im Gegensatz zum reinen Kleinkrieg wollte Feisal, der wichtigste Heerführer unter den Söhnen des Groß-Scherifen, durchaus zweigleisig fahren, und auch nach klassischer Theorie des großen Krieges Städte erobern und halten. In seinen Fokus rückte dabei schnell die Stadt Wedjh, die ob ihrer strategischen Lage sehr wichtig für eine Ausbreitung des Aufstandes nach Norden in Richtung Syrien war; ein Plan, den Feisal gehabt haben muss, was durch Wahl dieses Zieles bewiesen sein dürfte. Lawrence hatte auf diese strategische Entscheidung keinen Einfluss, wird aber in diesem Zusammenhang nun fest in die Geschehnisse des Aufstandes eingebunden, da er nun offiziell Liaisonoffizier für Feisal wird.[75] Die Eroberung von Wedjh Mitte Mai 1917 war der erste militärische Einsatz im arabischen Aufstand, an dem Lawrence teilnehmen wollte. Während Abdullah sich mit seiner Truppe daran machte, die Bahn nach Medina nachhaltiger als bisher zu stören, vereinbarten die Briten und Araber einen kombinierten Angriff auf die Hafenstadt Wedjh. Während von britischen Schiffen eine britische Marineeinheit und 550 arabische Reguläre anlanden sollten, sollte die Stadt gen Westen von eben diesen Schiffen, gen Osten von Feisal mit ca. 10.000 Irregulären abgeriegelt werden. Diese dienten eigentlich nur als symbolische Manifestation der neuen arabischen Geschlossenheit, denn Wedjh hatte nur eine Garnison von ca. 200 Mann. In der Tat nahmen Feisals Truppen mit Lawrence im Schlepptau auch keinen Einfluss auf die Schlacht, da sie unterwegs aufgehalten wurden und zu spät eintrafen.[76] Die Schlacht selbst wird von verschiedenen Quellen unterschiedlich skizziert. Einigen Quellen zufolge haben sich große Teile der Araber einfach dem Kampf entzogen und pausiert, andere haben mehr als schlechte Kampfleistungen geboten, während andere Autoren die Landungsoperation als vorbildlich bezeichnen.[77] Lawrence hat also bei dieser ersten wichtigen militärischen Aktion weder auf strategischer, noch auf taktischer Ebene irgendwelche gestaltende Kraft ausgeübt. Die Eroberung selbst ist eher dem klassischen Kriegsbild des Großen Krieges zuzuordnen, aber auch der Guerillakrieg, der zeitgleich geführt wird, entzieht sich Lawrence Prägung.

Der Marsch auf Akaba

Die Eroberung der strategisch günstig positionierten Hafenstadt Akaba durch die arabischen Truppen im Juli 1917 war ein Aufsehen erregendes Ereignis. Sie war in der Tat so wichtig für den weiteren Fortgang des Krieges, dass bis auf den heutigen Tag ein heftiger Streit um die Urheberschaft des Planes geführt wird. Die Stadt selber war bereits mehrfach von britischen Schiffen beschossen worden, die damit die Funktion des Hafens stören wollten. Eine Eroberung war aber nie ins Auge gefasst worden, da die Stadt von der Seeseite her durch bestimmte natürliche geographische Gegebenheiten perfekt zu verteidigen war, und die andere Seite von einer Wüste gedeckt war, die für britische reguläre Truppen undurchquerbar war.[78] Der Gedanke, diese Wüste mit arabischen Truppen zu durchqueren, war recht nahe liegend, nachdem der arabische Aufstand ausgelöst worden war, und bewies, dass die arabischen Irregulären durchaus Kampfkraft in die Waagschale werfen konnten. Feisal, Lawrence und Auda abu Taji, einer der Verbündeten, nahmen alle für sich die Uridee in Anspruch, aber die verschiedenen Ansprüche können und sollen hier nicht skizziert werden. Dies ist auch gar nicht nötig, denn: "Komplizierte Entdeckungen können gleichzeitig in verschiedenen Laboratorien gemacht werden: Die verhältnismäßig einfache Wahl einer der drei Annäherungsmöglichkeiten nach Akaba (mit Varianten der Taktik) kann allen drei Männern eingefallen sein." [79] Bestehen bleibt jedoch die Frage nach der operativen Ausprägung, und auch hier scheiden sich die Geister der Chronisten. Nach Morseys Auffassung, und diese ist sehr plausibel dargelegt, sei die Eroberung Akabas aus der Gunst der Stunde entstanden, während die kleine Gruppe von anfangs etwa 50 Reitern ursprünglich erst einmal nur den Auftrag hatte, die rückwärtigen Verteidigungsanlagen soweit wie möglich zu sabotieren. Feisal hatte ja, wie wir bereits gesehen haben, sowieso die Absicht, massiv nach Norden gen Syrien vorzurücken, und es liegt nahe, dass das kleine Grüppchen in diesem Zusammenhang nur als Spähtrupp hätte agieren sollen.[80] Aber dann: "When they [die Truppe um Lawrence] approached Aqaba they discovered that its garrison was weak because it was made up of one ineffective turkish bataillon; so they were able to capture it by a surprise attack."[81] Ein Indiz, das diese Theorie untermauert, ist die Tatsache, dass sich die kleine Truppe, die erst vor Akaba durch lokale Araber verstärkt wird, auch laut Lawrence ausgiebig mit den Vorposten befasst - ein Verhalten, dass etwas widersinnig ist, wenn das eigentliche Ziel die Eroberung Akabas gewesen wäre, da es nur eine Gefährdung der Operation dargestellt hätte. Außerdem hat Lawrence selbst die Lage der Truppe nach der Eroberung von Akaba als so dermaßen desaströs skizziert, dass es unglaublich scheint, dass die Truppe mit der Absicht der Eroberung nach Akaba geritten ist - so eine miserable Vorbereitung wäre für ein geplantes Unternehmen unbegreiflich.[82] Lawrence denn selbst scheint keine besonders dominante Rolle bei dem Unternehmen gespielt zu haben: Sein Kritiker Mousa verweist dabei vor allem auf Lawrence zeitnahen Schriften, in denen Lawrence sich keineswegs als Führer der Expedition darstellt[83] - ganz im Gegensatz zu seinen späteren Schriften, die durchaus den Eindruck einer zumindest Mitführerschaft Lawrence erwecken. Auch bei diesem Unternehmen beschränkte sich die taktische Rolle Lawrence auf ein Mindestmaß, schon allein deshalb, weil der Trupp kaum Kämpfe zu bestehen hatte, weil "alle Außenposten um Akaba herum eingezogen oder verringert worden waren, so dass in Khadara [der Haupstellung vor Akaba, vermutlich das ursprüngliche Sabotageziel Feisals] nur dreihundert Mann saßen."[84] Beim einzigen wesentlichen Gefecht auf dem Marsch nach Akaba schaffte es Lawrence, seinem Kamel in der Hitze des Gefechts in den Hinterkopf zu schießen, woraufhin er zu Boden fiel und bewusstlos wurde.[85] Auch angesichts der veränderten Situation direkt vor Akaba ergreift keineswegs Lawrence als Führer das Wort, sondern ein heftig und hitzig diskutierender Kriegsrat entscheidet laut seiner Aussage über das weitere Vorgehen zwischenzeitlich entfernt sich Lawrence sogar von der Szenerie, genervt von der kindlichen Ungeduld seiner Waffengenossen. "Ich indessen verkroch mich in mein Fleckchen Schatten, zu müde dieser Menschen (die doch eigentlich alle meines Geistes Kinder waren), um mich noch weiter darum zu kümmern, wer ihre fiebrigen Impulse lenkte."[86]. Nun brauchte die Truppe nichts weiter zu tun, als zu übernachten, denn ihre Zahl wurde durch lokale Araber weiter verstärkt, auf ca. 200 Mann, und am nächsten Morgen ergab sich der türkische Posten ohne nennenswerten Widerstand. Akaba selbst war nicht geschützt und wurde kampflos eingenommen.[87] Tabachnick und Stephenson zitieren Douglas Orgill mit der Aussage, Akaba sei eine klassische Meisterleistung der Guerilla gewesen, dies muss m.E. nach deutlich verneint werden.[88] Vielmehr wurde hier in klassischer Kriegsmanier Raum besetzt, eine Konzept, dass der Guerilla wesensfremd ist. Zwar wurde Akaba später als Operationsbasis für die Guerilla genutzt, aber die Eroberung selbst war ein spontaner Glücksfall, der nichts mit besonderer Guerillaleistung zu tun hatte. Auch bei dieser Operation hat Lawrence offensichtlich weder auf strategisch-operativer noch auf taktischer Ebene herausragende oder besonders kreative Leistungen vollbracht. Vielmehr erhärtet sich das Bild des stillen, mitreisenden Beraters.

4. Lawrence Rolle nach Akaba

"Lawrences Leistung bei diesem Unternehmen scheint uns deshalb weniger in der Eroberung Akabas zu liegen, als in der Fruchtbarmachung dieser Kriegstat für die zukünftigen Operationen der Araber, indem er nun ihr Geschick eng an die Operationspläne der E.E.F. anschloß."[89] Dieses Urteil ist so treffend, dass ihm kaum noch etwas hinzuzufügen ist. Nur kurz zuvor war der Befehlshaber der E.E.F., General Murray, nach erfolglosen Angriffen gegen die Türken im Sinai durch General Allenby ersetzt, der ganz anderen Charakters ist. Da die Eroberung Akabas Allenby beeindruckt hat, kann Lawrence diesem seine Idee der Guerilla, die zuvor keine wesentliche Beachtung in Kairo fanden, nun nahe bringen.[90] Dieser erkennt und akzeptiert die Araber als zumindest potentielle Unterstützung für seine geplanten Offensiven, und er übernimmt schnell das Konzept der zwei Flügel, das Lawrence, wie weiter oben erläutert, nicht ganz wahrheitsgemäß als sein eigenes ausgibt: Die E.E.F. soll mit Masse an der Küste nach Norden durch Palästina in Richtung Syrien und Türkei vorstoßen, die Araber sollen dabei die östliche Flanke decken und durch Sabotage und Guerilla die Türken schwächen. Es sollte hier durch die Verschiedenartigkeit der Kriegführung noch zu Reibungen kommen[91], aber insgesamt fuhr Allenby gut damit, an der Ostflanke wenig einzugreifen: "Lawrence stand unter meinem Kommando, aber nachdem ich ihn mit meinen strategischen Plänen vertraut gemacht hatte, ließ ich ihm freie Hand [...] während des gesamten Feldzuges war er von unschätzbarem Wert[...]." [92] Der arabische Aufstand verbindet sich nun unauflöslich mit der britischen Kriegführung, was auch und gerade politisch nicht folgenlos bleiben konnte. Jedoch die arabische Bewegung lebt nur von Allenbys Gnaden [...]"[93] Akaba ist ein Wendepunkt, ein Strategiewechsel findet statt: Feisal unterstellt sich nun Allenby - aus logischer Einsicht und freiem Willen, denn ob der Distanz zu Mekka einerseits und Allenbys Hauptquartieren andererseits, machte dies im Sinne einer effizienten Bündelung der Kräfte durchaus Sinn, die Idee dazu hatte allerdings zuerst Lawrence, was eine hervorragende Entscheidung war.[94] Auch die arabische Guerilla wird nun besser ausgebildet und sucht sich neue Ziele, um die Türken nicht mehr nur zu stören, sondern ernsthaft zu behindern und Medina endgültig die Lebensader abzuklemmen, wobei diese Ziele auf strategischer Ebene aber von Allenbys Leuten bestimmt werden. Die Person Lawrence nimmt in dieser Zeit enorm an Bedeutung zu, da er das Bindeglied zwischen Feisal und Allenby wird, und es versteht, zu beiden Seiten seine Verdienste und Leistungen wirkungsmächtig darzustellen, um sich unabkömmlich darzustellen, oder wie es sein Kritiker Mousa wesentlich krasser ausdrückt: "Lawrence thus won half the battles through a series of coincidences copunded by lies, daring and impudence"[95], ein sicher sehr harsch formuliertes Urteil, das jedoch m.E. den Kern der Sache trifft. Richtig ist jedenfalls Mousas Erkenntnis, dass Lawrence sich nun innerhalb kürzester Zeit vom stillen Mitreisenden zum Verantwortlichen gemausert hat - und plausibel ist auch der Ansatz, dass die Briten Lawrence soviel zutrauten, weil sie sich einfach nicht vorstellen konnten, hier rein arabische Leistungen zu betrachten.[96] Der Wechsel der Führung des E.E.F., die Umstellung der Strategie, das Heranführen und Dislozieren von neuen Truppen; all das resultierte in einem mehrmonatigen Stillstand an der E.E.F.-Front, aber die Guerilla ging davon natürlich unbelastet weiter.

Die Bahnraids

Sofort mit Beginn des Aufstandes begannen die Araber, die Bahnlinien der Türken anzugreifen und seit durch die Einnahme von Wedjh die Hedjaz-Bahn attackierbar geworden war, haben auch die Briten Raids gegen diese Bahnlinie geführt. Lawrence hat also keinen Anteil an der ursprünglichen Entwicklung dieser Taktik. Sie sind durch Zeitungen und Bücher zum bekanntesten und charakteristischsten Bild dieses Aufstandes geworden, was eine gesonderte Beschäftigung mit ihnen rechtfertigt. Captain Garland, ein weiterer britischer Verbindungsoffizier, war die prägende Figur bei dieser Art Kriegführung. Er brachte Lawrence die Technik der Bahnsprengungen bei, und bildete auch die Araber in dieser Taktik aus. Der Umgang mit Dynamit und elektrischen Zündern einerseits wollte gelernt sein, andererseits mussten aber auch taktische Fragen geklärt werden: Wie und wo sollten Gleise gesprengt werden? Wann und wie oft? Lawrence selber sollte hier insofern eine große Rolle spielen, als dass er zusammen mit einem Offizier namens Peake so genannte Tulpenminen, die die Eigenschaft hatten, die Gleise nicht komplett zu zerstören, sondern nur so unbrauchbar zu machen, dass die Reparatur besonders arbeits- und zeitaufwendig war, was die Bahnraids wesentlich effizienter machte.[97] Es stellen sich in unserem Zusammenhang zwei Fragen: Waren sie sinnvoll, und welche Rolle spielte Lawrence dabei? Die Zahlen jedenfalls sprachen für diese Einsatzform. Das gesamte, viele hunderttausend Quadratkilometer große Gebiet südlich von Damaskus wurde nämlich von einer ziemlich kleinen Eisenbahnflotte der Türken versorgt, die gerade mal 40 Loks, 700 Personen- und 600 Güterwaggons umfasste. Da auch ständig Maschinen repariert werden mussten, blieben noch weniger Züge übrig, was bedeutete, das jeder ausgeschaltete Zug die türkische Infrastruktur nicht nur ein wenig, sondern ganz massiv schädigte.[98] Angriffe auf die Gleise hingegen waren ein zweischneidiges Unterfangen: Sie erforderten relativ viel Aufwand, aber der Schaden konnte oftmals von den Türken relativ leicht wieder repariert werden, wenn es nicht vernünftig gemacht wurde. Die Bahnraids wurden die gesamte Zeit des Aufstandes über betrieben, aber in der abschließenden Bewertung dieser Taktik gehen die Meinungen auseinander. Tabachnick zitiert Brian Gardner mit der Bewertung: "[...] haben Kritiker immer wieder behauptet, dass Lawrence sich spektakulären, aber unbedeutenden Einsätzen gewidmet hätte. In Wahrheit haben er und die anderen britischen Sprengkommandos die gesamte türkische Streitmacht ernsthaft geschwächt [...]"[99] Ein solcher Kritiker ist aber interessanterweise Lawrence selber. Noch bezogen auf den Zeitpunkt April 1918 schreibt er: "Die arabische Bewegung hatte sich bisher gleichsam als eine Art Wild-West-Schau ausgewirkt, in ihren Mitteln ebenso beschränkt wie in ihren Möglichkeiten und Aufgaben."[100] Da keine Daten über die tatsächlich aufgehaltenen und geplünderten Mengen an Material und Ausrüstung zur Verfügung stehen, kann man nur mutmaßen. Wenn man allerdings die oben genannten Zahlen als Datenbasis anlegt und dann mit einbezieht, dass alleine Lawrence in seinen Aufzeichnungen ein halbes Dutzend beschriebener, erfolgreicher Bahnraids für sich in Anspruch nimmt, darüber hinaus vermutlich noch wesentlich mehr davon gemacht hat und nicht der einzige Führer von Sprengtrupps in der Region war, ist es plausibel anzunehmen, dass die Bahnraids durchaus die Nachschublinien der Türken empfindlich gestört haben. Angesichts der spezifischen Infrastruktur dieses Kriegsgebietes bedeutet muss dies eine spürbare Herabsetzung der türkischen Kampfkraft zur Folge gehabt haben, von moralischen Effekten mal ganz zu schweigen. Die Türken mussten sich ob der beliebigen Attackierbarkeit ihrer Bahnlinien auf eine passive Verteidigung einlassen. [101]

Auf taktischer Ebene hat sich Lawrence mehrfach in die Rolle des Führers solcher Raids begeben. Die Beschreibungen, die Lawrence zeitnah dem Arab Bulletin zukommen ließen, klingen nach relativ disziplinierten, eingespielten Aktionen, und zeigen keine besondere Betonung einer eigenen Führerrolle - ganz im Gegensatz zu den blumig ausgeschmückten Beschreibungen in seinen Nachkriegswerken. [102] Andererseits bringen seltsamerweise wiederum gerade diese nachträglich ausgeformten Passagen Lawrence taktische Schwächen ans Licht: So bringt er sich bei einer Bahnsprengung durch simple Fahrlässigkeit beinahe selber um, als er nicht den erforderlichen (und mit Sicherheit bestens bekannten) Abstand zur Mine einhält und von der Explosion erfasst wird[103], und überhaupt war beispielsweise dieses Unternehmen eine einzige taktische Dummheit: Enttäuscht von einem fehlgeschlagenen Brückenraid, kommen die Araber auf die Idee, stattdessen einen Zug zu überfallen. Lawrence, der die Truppe eigentlich führt, ist nicht in der Lage, sie von dieser Idee abzubringen, obwohl ihm bewusst war, dass sie nicht die nötige Ausrüstung für diese Art Einsatz hatten. Während ein Brückenraid ein Unternehmen ist, das von Heimlichkeit und schnellem Rückzug profitiert, ist der Anschlag auf einen Zug stets der Auftakt mindestens zu einem Rückzugsgefecht, denn die türkischen Züge sind ob der offensichtlichen Bedrohung stark geschützt durch Soldaten und MGs. Dies bedeutete, dass Bahnraid-Gruppen mindestens ebenfalls MGs haben mussten, besser noch Mörser, um die als Deckung verwendbaren Züge zu umgehen. [104] Wider besseres Wissen trägt Lawrence also einen Bahnraid mit, von dem er weiß, dass er seine Gruppe über alle Maßen gefährden musste, da diese den Erfolg der Sprengung nicht ausnutzen würde können, und diese sich so in größte Gefahr begeben würde. Lawrence Leistung als Führer steht hier in einem mehr als schlechten Licht da, und dies nicht zum ersten Mal. Bereits einige Zeit zuvor wäre ein Bahnraid beinahe katastrophal ausgegangen, da die Araber eigenmächtig zu früh den gesprengten Zug im Sturmangriff nehmen wollen. Lawrence, der bei diesem Einsatz in seinem Buch deutlich den Eindruck des Führers der Operation vermittelt, schreibt dazu: ,,Dieser Angriff war ein Fehler gewesen und ohne Befehl unternommen, denn die Maschinengewehre und Mörser hätten die Sache schon allein erledigt, wenn die Mine richtig funktionierte. Also war ich für diesen Verlust nicht verantwortlich.,,[105] Lawrence verkürzt hier die Schuldfrage unzulässig. Richtig ist sicher, dass er technisch gesehen keine direkte Verantwortung trug, denn der Angriff ist tatsächlich eigenmächtig und spontan von einigen Arabern ausgelöst worden. Aber andererseits ist Lawrence zumindest bei dieser Expedition der Verantwortliche, und in diesen Bereich gehört es auch, die unterstellte Gruppe so weit im Griff zu haben, dass solcherlei Eigenmächtigkeiten gar nicht erst vorkommen. Das dies ob des sehr eigenen Charakters der arabischen Kriegführung eine besonders schwere Aufgabe war, ist unstrittig - dennoch wäre es Lawrence Aufgabe gewesen, die Gruppe so zu formen und zu führen, dass diese Dummheit nicht hätte passieren können. Insofern ist Lawrence durchaus schuldig. Insgesamt entsteht bei Lawrence Bahnraids ein durchaus unspektakuläres Bild, teilweise wirken sie sogar laienhaft - es werden wesentlich weniger Einsätze beschrieben, als man durch den kolportierten Lawrence-Mythos erwarten würde, und diese Einsätze selbst sind oftmals durch deutliche taktische oder operative Mängel gekennzeichnet.

Brückenraids

Brückenraids sind eigentlich keine eigene taktische Form, sondern nur eine Variante der Bahnraids, denn schließlich wird auch hier eine Bahnlinie attackiert, um den Nachschub der Gegners abzuschneiden. Besondere Erwähnung findet dieser Typus hier auch nur, weil er von Lawrence gern hervorgehoben wird. Wie bereits oben erwähnt gibt es einen taktischen Unterschied zwischen einem normalen Bahnraid und einem Brückenraid. Weil ein Bahnraid überall stattfinden kann, können nicht alle 1.600km Schienen geschützt werden. [106] Brücken hingegen konnten von den Verteidigern sehr wohl als potentielle Ziele erkannt und entsprechend geschützt werden. Dies bedeutete für die Araber, dass die Brücken entweder mit einem richtigen Ziels ein völlig unverhältnismäßiger Aufwand gewesen wäre, oder dass Kommandounternehmen nötig waren, die klassische Sabotage betreiben mussten. Diese Brückensprengungen waren im Vergleich zu normalen Bahnraids besonders effizient, weil die Reparatur einer Brücke ungleich schwerer ist, als die ebenerdiger Gleise,[107] und eine kleine, hochmobile Truppe konnte sehr viele verschiedene Ziele in kurzer Zeit attackieren. [108] Deshalb bot sich dieser Einsatztypus auch als perfekte Verwendung für die gepanzerten Wagen an, die die Briten den Arabern haben zukommen lassen. Es handelte sich hierbei um mit genieteten Metallplatten von 9mm Stärke gepanzerte Radwagen von ca. 3,5t, die mit einem Vickers 8mm-MG bewaffnet waren. Sie waren mit 3 bis 4 Mann besetzt, hatten eine Reichweite von 240km (die durch Zusatztanks vergrößert werden konnte) und erreichten eine Geschwindigkeit von beachtlichen 95km/h. [109] Diese Mischung aus Beweglichkeit, Reichweite, Feuerkraft und Panzerschutz machte die Panzerwagen der Marke Rolls-Royce im arabischen Raum mit seiner "Seekriegführung" zu idealen Werkzeugen, da sie optimale Bedingungen vorfanden. Gerade bei Brückenraids (ab Dezember 1917) waren sie zum schnellen sicheren Vorstoß und geordneten Rückzug ideal. [110] Allerdings muss erwähnt werden, dass auch diese Fahrzeuge alles andere als unverwundbar war: "Armoured car work is fighting deluxe, but they give a sitting shot to a well handled plane.“[111]

Auch bei den Brückenraids kann beschreibend wieder eine Paradebeispiel von Dilettantismus angeführt werden: Eine an sich gut geplante, heimliche Sprengung einer Brücke scheitert nicht etwa an überraschenden Maßnahmen des Gegners, sondern daran, dass einer Version zufolge der "Kommandosoldaten" sein Gewehr fallen lässt - ein Fehler von geradezu lächerlicher Amateurhaftigkeit in einem solchen Einsatz. [112] Einer anderen Version des gleichen Einsatzes nach haben die türkischen Verteidiger die Schritte der Araber auf den Gleisen gehört, ebenfalls ein unverzeihlicher Fehler, da eine Sprengung der Brückenpfeiler dies verhindert hätte. [113] Wie dem auch sei, so oder so wurde hier erneut schlechtes Handwerk geleistet. Für die taktische Bewertung Lawrence gilt das gleiche, wie in Kapitel 6. b. resümiert wurde, auch wenn der Kommentar von Konrad Morsey übertrieben wirkt: "Das ,tägliche Brot' der Araber ist die Arbeit der Bahnzerstörung, während Lawrence Expeditionen Schaunummern darstellen."[114] Lawrence nimmt übrigens für sich in Anspruch über 80 Brücken gesprengt zu haben, eine Zahl die m.E. auch trotz der erwähnten Mobilität der Trupps maßlos übertrieben ist, da er sonst kaum noch für irgendetwas Zeit hätte erübrigen können. Mousa hat eine gute chronologische Übersicht zu diesem Thema geliefert.[115]

Die Schlacht von Tafileh

Die Schlacht um die Ortschaft Tafileh im Januar 1918 war die einzige "richtige" Schlacht im klassischen Kriegsbild des Großen Krieges dieser Zeit, weshalb sie besondere Beachtung verdient, auch wenn Lawrence sie später eine "beinahe unverhüllte Parodie auf alle anerkannten Regeln der Kriegführung" [116] nennen sollte. Die kleine Stadt war den Arabern von den Türken praktisch widerstandslos übergeben worden, und auch wenn die arabischen Einwohner ihrerseits nach dieser Übergabe für chaotische Zustände sorgten, so war es doch insgesamt eine ziemlich unblutige Eroberung. Während die Araber nun bereits den weiteren Vorstoß in Richtung Norden planen, ergreifen die Türken untypischerweise die Initiative und setzen sich in Marsch, um die Stadt zurück zu erobern, was rein strategisch gesehen unsinnig erschien, wie Lawrence ganz richtig feststellte: "Nach den einfachsten Grundregeln vernünftiger Kriegführung hätten sich die Türken nie und nimmer auf diesen Vorstoß auf das gänzlich belanglose Tafileh einlassen dürfen."[117] Mit 900 Infanteristen, 100 Kavalleristen, 2 Gebirgshaubitzen[118] und 27 MGs rückten die Türken gegen Tafileh vor, wobei es ihnen gelang, die Araber völlig zu überraschen. Die Araber zogen sich aus der Stadt zurück auf einen Höhenzug, um von dort aus die Stadt mit ihren Gebirgsgeschützen und MGs zu beherrschen. Nach einem kleinen Vorstoß, um die Stärke des Gegners zu erkunden[119] , baut Lawrence eine Reserve- und Ausweichstellung auf, laut seiner Aussage auf der Basis eigenen Antriebes. Zeid, den nominellen Führer der Araber bei dieser Operation, stellt er lethargisch und wenig entschlussfreudig dar, nicht willens, Lawrence Ratschläge anzunehmen.[120] Mousa betont, dass Zeid nachweislich maßlos übertriebene Berichte bezüglich der Stärke der Türken erreichten, was seinen defensiven Stil erklären würde.[121] Lawrence hingegen hielt nach eigener Darstellung die Moral aufrecht und die Verteidigung instand. Nach einem weiteren willentlichen Etappenrückzug, konzentrierten sich die arabischen Kräfte. Auf Grund der geologischen Gegebenheiten konnten die Türken zwar am Fuß des Höhenzuges aufmarschieren und Geschütze und MGs in Stellung bringen, doch die Araber mit effizientem Feuer belegen, das konnten sie nicht, nicht zuletzt wohl auch auf Grund mangelnder Ausbildung.[122] Die Araber ihrerseits konnten mit ihrem einzelnen Geschütz und wenigen MGs zwar nicht viel Material ins Feld führen, dies aber effizient einsetzen.

An diesem Punkt möchte ich kurz auf eine Analyse eingehen, die der bekannte Lawrence-Biograph Aldington bezüglich dieser speziellen Gefechtssituation gemacht hat. Nach Lawrence Angaben betrug die Distanz zwischen der arabischen Stellung und der türkischen Linie 3,100 Yards. Aldington behauptet nun, die weittragendsten MGs der Briten im Ersten Weltkrieg hätten aber nur eine Reichweite von maximal 2,900 Yards gehabt. Diese „sachliche Ungenauigkeit" wird als weiteres Indiz für Lawrence Aufwerten der eigenen Rolle gewertet.[123] In der Tat jedoch liegt die sachliche Ungenauigkeit auf Seiten Aldingtons. Zuerst bleibt einmal festzuhalten, dass die MGs dieses Zeitraumes durchaus derartige und sogar noch größere Distanzen mit Leichtigkeit überbrücken konnten - und zwar mit Hilfe des indirekten Feuerns. Es ist relativ schwer, genaue Daten über die Maximalreichweiten von MGs zu erhalten[124], aber wenn man das deutsche MG08 als Referenzmodell heranzieht[125], so kann man mit diesem maximale Distanzen von umgerechnet über 3,800 Yards im indirekten Feuer belegen.[126] Beim indirekten Feuern benötigen die Schützen nur die gewünschte Ausrichtung als Kompasszahl und die gegebene Distanz. Nach dieser wird dann die nötige Erhöhung des Laufes nicht per Optik, sondern per Rechnung ermittelt, so dass man wesentlich weiter schießen kann, als dass mit direktem Richten möglich wäre. Und Lawrence schreibt selber, dass in dieser Situation die Araber im indirekten Feuer richteten: "Auch kannten wir die genaue Schussweite. Wir gaben also unseren Vickersmaschinengewehren die genaue Erhöhung und segneten die altmodischen, nur auf direkten Schuß eingerichteten Visiere des Gegeners."[127] Dies belegt Aldingtons Irrtum.

Während die Linie der Türken, die sich mittlerweile entfaltete, also von vorne effIzient unter Feuer genommen wurde, wurde sie dann auch noch überraschend von beiden Flanken durch arabische Truppen angegangen. Als dann eine dieser Flankengruppen dann eine Reiterattacke ein die Seite der Türken vorträgt und die andere mit MGs angreift, löst sich das türkische Kontingent in Panik auf und flüchtet. Diese Flankenangriffe sind nach Lawrence Aussage seine Idee gewesen, was bedeuten würde, dass er ein kleines Cannae produziert hätte, was ihn wiederum zu einem regelrechten, kompetenten Feldherren stempeln würde.[128] Wie nicht anders zu erwarten traf diese Darstellung auf heftige Zweifel. Anlass dazu gab erneut Lawrence selbst, da er in einem zeitnahen Bericht an das Hauptquartier seine Rolle als die eines Beraters darstellt, während er erst in seinen Nachkriegsschriften als Feldherr erscheint.[129] Außerdem hat Mousa in einem Zeitzeugeninterview den Führer der Einheit befragt, die den rechten Flankenstoß durchgeführt hat, und Suhbi al-Umari, so sein Name, sagte aus, dass er den Angriff ohne Auftrag durchgeführt habe; ja sogar relativ heimlich, um Zeid nicht zu beunruhigen. Und laut seiner Aussage war es auch nicht die wohlgeordnete Kombination der Angriffe, welche die Türken aufrieb, sondern die Tatsache, das al-Umaris Leute genau in dem Moment angriffen, in der alle türkischen Offiziere bei einer Besprechung hinter der Linie waren, so dass sich ohne dieses stützende Skelett die Truppen in Panik auflösten, als sie attackiert wurden.[130] Auch in Lawrence zeitnah geschriebenen Briefen war keine Rede davon, dass er einen der Flankenstöße angeordnet hätte. Über Rasims Befehle (linke Flanke) wird gar nichts gesagt, und auch der Angriff von der rechten Flanke findet ganz plötzlich und ohne namentlich zuerkannte Befehlshaberschaft statt.[131] Jahre später sollte Lawrence über diesen Tag schreiben: "[...] Emir Zeid he was G.0.C. and present early in the afternoon. I only spectated all day."[132] All diese Indizien zusammennehmend, kann man m.E. nach davon ausgehen, dass die Fe1dherrenrolle, die sich Lawrence in seinen Werken andichtet, eine der von ihm eingeräumten literarischen Ausschmückungen ist, ein Urteil, dass auch Stewart ganz entschieden fällt.[133]

Das Massaker von Tafas

Obwohl auf Grund der Ludendorff-Offensive an der Westfront die E.E.F. um fast 60.000 erfahrene Soldaten reduziert wurde, die durch indische Truppen ersetzt wurden, denen es an Kampferfahrung mangelte, nahm A11enby im Herbst 1918 seine Offensive gen Syrien wieder auf, die zwischenzeitlich zum stehen gekommen war. Zwischen dem 19.09. und 21.09.1918 gelangen Allenbys Truppe dann überall an der Front massivste Einbrüche und Durchbrüche die türkische Armee brach unter diesen Schlägen an dieser Front komplett zusammen und die Truppen fluteten unorganisiert zurück gen Norden und Osten. Allenby übertrug der arabischen Truppe die Aufgabe, so viele Türken wie möglich an dieser Flucht zu hindern, damit sie sich nicht später regruppieren und den Briten wieder entgegentreten könnten.[134]

Tafas ist eine weitere kleine Ortschaft, wiederum ohne eigenen strategischen Wert, die allerdings von einer 2.000 Mann starken Kolonne türkischer Soldaten auf eben diesem Rückzug heimgesucht wird. Es darf als gesichert gelten, dass die türkischen Truppen in der Stadt ein Gemetzel anrichteten, und dabei Frauen und Kinder vergewaltigten und umbrachten. Dies wird zwar von mindestens einem Zeitzeugen vemeint[135] , aber die Quellenlage weist doch erdrückend darauf hin, dass diese Aussage falsch ist.[136] Die arabische Gruppe, der Lawrence angehört, fängt die türkische Truppe ab, als sie sich gerade von Tafas aus in Marsch setzt. Die Araber greifen an, und vernichten die Truppe bis auf den letzten Mann. Lawrence selber nimmt für sich den zweifelhaften Ruhm in Anspruch, dafür verantwortlich zu sein: "I said ,The best ofyou brings me the most turkish dead' [...]"[137] und noch genauer: "By my order we took no prisoners, fort he only time in war."[138] Es ist über diesen Befehl viel diskutiert worden, über den Wahrheitsgehalt von Lawrence Schrift und die Rechtmäßigkeit des Befehles.[139] Nach der momentanen Quellenlage ist es plausibel anzunehmen, dass die Aussagen von Lawrence gemacht wurden, aber die Diskussion geht m.E. an einer Kernfrage vorbei: Haben die Befehle überhaupt irgendwas bewirkt? Hätte Lawrence durch anders lautende Befehle die Araber aufhalten können? Die Antwort muss m.E. nach Nein lauten. Lawrence beschreibt eindringlich die aufgeladene, an den Blutrausch grenzende Stimmung der arabischen Gruppe. Außerdem konstatiert er zusätzlich vor der zweiten Aussage "The old lion of battle awakened in Auda's heart, an made him again our natural, inevitable leader."[140] Angesichts der Gefühlslage der Gruppe und der Übernahme des Kommandos des alten Kriegshe1den der Wüste in einer solchen Lage, ist es m.E. mehr als zweifelhaft, das Lawrence auch nur irgendetwas hätte sagen können, um die Situation zu entschärfen - er war, um es mal salopp auszudrücken, schlicht abgemeldet. Und um diese Machtlosigkeit zu kaschieren und sich dem Mythos des wilden Wüstenkämpfers für die gerechte Sache anzudichten, hat er sich selbst in seinen Werken die Initiative für diesen Angriff zugesprochen.

Interessant ist übrigens die Wertschätzung die Lawrence einem Teil seiner Gegner an dieser Stelle zukommen lässt. Ein Teil der Kolonne bestand aus deutschen und österreichischen Soldaten, die sich im Gegensatz zu ihren türkischen Verbündeten diszipliniert zur Wehr setzte: "They fought magnificently and repulsed us time and again despite our hardiness. [...] and here, for the first time, I grew proud for the enemy who had killed my brothers. They were twothousand miles from home, without hope and without guide, in conditions mad enough to break the bravest nerves. Yet their sections held together, in firm rank, sheering through the wrack of Turk and Arab like armoured ships, high-faced and silent. When attacked they halted, took position, fired to order. There was no haste, no crying, no hesitation. They were glorious."[141] Der Guerillaführer ergeht sich hier in einem erstaunlichen Loblied für die klassische europäische Taktik, ein Punkt, der das Augenmerk darauf richten sollte, das Lawrence zwar die Guerilla immer für das angemessene strategische und operative Mittel für den Wüstenkrieg hielt, aber von der ungeordneten Taktik und den für ihn unberechenbaren Eigenarten der Araber nie begeistert war.[142]


Fazit: Bewertung der militärischen Rolle Lawrence

Nach Tafas gab es in der Endphase des Krieges in dieser Region keine für die hier behandelte Fragestellung relevanten Einsätze. Die einzige wirklich bemerkenswerte Operation war die Eroberung von Damaskus, die aber auf strategischem Konsens beruhte und praktisch ohne Kämpfe von statten ging. Wenden wir uns nun also der abschließenden Beurteilung der Rolle Lawrence zu.

Die taktische Ebene

T.E. Lawrence war, entgegen des um ihn herum aufgebauten Mythos, im konkreten Sinne kein herausragender Soldat. Bei den meisten Einsätzen war Lawrence entweder nur Gast, Zuschauer oder höchstens Berater, er war aber niemals ein souveräner Führer oder gar ein Feldherr. Sei es, dass er Gefechte verpasste oder sich auf Grund eigener Ungeschicklichkeit selbst ausschaltete, sei es dass er arabischen Edelleuten explizit unterstellt war oder von ihrem Charisma einfach faktisch überstrahlt wurde - Lawrence hat zu keinem Zeitpunkt eine tragende taktische Rolle bei irgendwelchen Gefechten gespielt, auch wenn er es in seinen Werken durch geschickte Ausdrucksweise impliziert. Sogar wenn er einmal eine tragende Rolle in einer Einsatzgruppe hatte, geschah es, dass er in den Gefechten, also in Krisenzeiten, wenn das Talent des Menschenführers im Offizier wichtig wird, keine dominante Präsenz aufbauen konnte und bei taktischen Entscheidungen schlicht übergangen wurde, wie das Massaker in Tafas und der beinahe fatale Bahnraid zeigen. Lawrence selbst hat seine Rolle oftmals mit den Worten „guest" oder „spectator" beschrieben, und das kommt der Wahrheit sehr viel näher, als das spätere Bild vom Feldherren. Nur bei den Raids, den überfallartigen Kommandounternehmen, hat er teilweise die Führerrolle übernommen, aber diese Raids waren eben mehr reine Überfälle als richtige Gefechte. Sie liefen darüber hinaus nach einem relativ festen Schema ab, und sogar innerhalb dieses Schemas haben von Lawrence geführte Gruppen nachweislich mehr als nur einmal deutlich versagt. Zusammenfassend kann man konstatieren, dass Lawrence das Handwerk des Soldaten schlicht nicht beherrscht hat. M.B. liegt das Grundproblem neben der tendenziösen Darstellung, die Lawrence selbst von den Ereignissen gibt, in der Unfähigkeit der damaligen europäischen Beobachter, zu akzeptieren, dass schlicht und ergreifend arabische Irreguläre immer und immer wieder eine Armee besiegten, die den europäischen glich. Um diese kognitive Dissonanz zu glätten, wurde der europäische Feldherr Lawrence als Erklärung angenommen, ein Bild, gegen das Lawrence sich ganz und gar nicht stemmte, und das er dann mit seinen Schriften unterfütterte.

Die strategische Ebene

Auf strategischer Ebene ähnelt das Bild zunächst dem vorigen. Lawrence war keineswegs der allgegenwärtige Führer der arabischen Armeen, er war nicht einmal wirklich prägend für ihren Einsatz. Mousa hat treffend bemerkt, dass Lawrence so unglaublich viel zwischen Feisal, Kairo, Akaba, Jerusalem und Allenbys Hauptquartieren unterwegs war, dass es schon rein zeitlich gar nicht möglich ist, dass er der wirkliche Führer der Revolution oder auch nur der nördlichen Armeen war - er war ja kaum bei den Truppen.[143] Und wenn er dort war, hat er sich oft genug wieder auf Raids begeben; war also faktisch wieder abwesend. Auch bei den Planungen der einzelnen Operationen war Lawrence von untergeordneter Bedeutung, selbst wenn seine Bücher wiederum durch geschickte Sprache ein anderes Bild suggerieren. Die Akaba-Operation beispielsweise, einstmals Aushängeschild des Lawrence-Mythos, kann nicht mehr zweifelsfrei zugeordnet werden, doch die Tendenz spricht gegen Lawrence Urheberschaft. Auch bei der Planung der Gesamtstrategie scheint Lawrence nur ein Beobachter oder höchstens Berater gewesen zu sein - nicht zuletzt, weil auf dieser Ebene Politik und Strategie sich eng zur Grand Strategy verflechten und damit eine sehr hohe Ebene erreichen. Und auch wenn Lawrence sich einen ganz hervorragenden Ruf erarbeitet hatte, so war er doch auch noch vor allem ein sehr junger Offizier der mittleren Ränge. Was er aber geleistet hat, war, sich durch seine profunde Kenntnis der arabischen Welt, durch sein Auftreten und Verhalten zum unerlässlichen Bindeglied zwischen den Briten und den Arabern zu machen[144] , und vor allem, und das wird m.E. zu oft übersehen, aufbritischer Seite zu wirken: War auch die strategische Planung auf arabischer Seite wie beschrieben unabhängig von Lawrence, so war sie es nicht von Allenby und von der E.E.F.. Und es war Lawrence, der Allenby die Araber als Werkzeug nahe gebracht hat[145] , und es war weiterhin Lawrence der den Arabern die nötige Freiheit innerhalb dieser Einbindung in die britischen Pläne ermöglicht hat. Er hat sich dadurch in eine Rolle manövriert, in der er beiden Seiten unabkömmlich erschien, obwohl er es auf keiner Seite wirklich war: Er war vielmehr genau an dem Knotenpunkt, an dem er stand, unabkömmlich. Dies ist zusammengenommen ebenfalls eine strategische Leistung: Er benutzte das Werkzeug "Arabische Nordarmeen" nicht selbst, wie es der Mythos suggerieren will, aber erst er führte eine Lage herbei, in der dieses Werkzeug sowohl in den Interessen der Araber wie auch der Briten sinnvoll eingesetzt werden konnte und wurde.

Der Guerillaführer

Auch das Bildnis des ersten echten Guerillaführers muss demontiert werden. Wie oben dargelegt, waren sowohl die strategischen wie auch die taktischen Grundlagen dieser Kriegführung den Arabern schon vor Lawrence Eintreffen sehr vertraut. Tabachnick zitiert Kirkbride mit den Worten, die Araber "[...] lehrten Lawrence die Strategie und Taktik der Wüste."[146] Dies trifft den Kern der Sache genau. Lawrence fand eine Kriegführung vor, gliederte sich selbst in diese ein und versuchte, ziemlich erfolglos, wie oben skizziert, diese zu übernehmen. Bei diesem Vorgang ist kein kreativer, schöpferischer Vorgang zu beobachten. Man sollte seine geistige Aufgeschlossenheit betonen, aber erfunden hat Lawrence diese Taktiken beileibe nicht. Aspreys Aussage, "[dass Lawrence] zu einer Kriegführung griff, die seinem Führungsstil, seinem Potential und dem politischen Ziel völlig entsprach."[147], ist in diesem Zusammenhang purer Euphemismus. Lawrence war bei diesem Vorgang ein passiver Teil, ein Teil eines großen Ganzen. Von einem aktiven "zu einer Kriegführung greifen" kann überhaupt keine Rede sein. Lawrence wesentliche faktische Leistung als Guerillaführer besteht darin, wie oben skizziert, die Guerilla erfolgreich an eine unterstützende Macht angekoppelt und so ihren Erfolg gesichert zu haben. Seinen wirklich bleibenden Stellenwert hat er m.E. denn auch nicht als aktiver Guerillero, sondern als erster Theoretiker der Guerilla.[148] Dabei ist folgendes zu beachten: Die Schriften und Theorien Lawrence sind ein Produkt des Aufstandes, und nicht umgekehrt. Sie kodifizieren eine Kriegführung, die er beobachtet hat; keine, die er geprägt hat. Und deshalb stellt sich die Frage, ob er denn seine eigenen Grundsätze beachtet habe, die so oft als Maßstab für seine Leistungen für die Guerilla herangezogen wird, und die auch eine Grundlage unserer Fragestellung war, m.E. auch gar nicht - auf Grund des Charakters der nachträglichen Festlegung seiner Prinzipien hat er sie automatisch erfüllt. Aber diese Schriften, so wenige es auch sein mögen, sind dennoch zeitlos, kreativ und waren von großer Wirkungsmacht.[149] Seine Theorien von den drei Grundelementen der Guerilla sind durch die Historie auf alle Kleinkriege anwendbar und auf zukünftige Konflikte projizierbar, was ihnen die Relevanz in der militärhistorischen Theorienbildung sichert, unabhängig davon, ob er sie in Arabien explizit berücksichtigt und umgesetzt hat oder nicht. Was Lawrence als Praktiker eben gerade nicht erreicht hat, was ihm aber zugesprochen wurde, nämlich eine große historische Leistung für die Guerilla, hat er in der Theorie sehr wohl verwirklichen können - nur ist es in diesem Zusammenhang mit wesentlich weniger Breitenwirkung rezipiert worden. Man kann also zusammenfassend sagen, dass Lawrence militärhistorisch keineswegs keinen Ruhm verdient hätte - er hat gewissermaßen nur genau den falschen Ruhm geerntet.

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Endnoten

  1. Keegan, John: Der Erste Weltkrieg, Eine europäische Tragödie, Hamburg 2001. S.575f.
  2. Vgl. Feldmarschall Viscount Montgomery von Alamein: Kriegsgeschichte, Weltgeschichte der Schlachten und Kriegszüge, London 1968. S.87.
  3. Vgl. McKale, David M.: War by Revolution, Germany and Great Britain in the Middle East in the Era of World War I, London 1998. S.186.
  4. Vgl. Ferguson Niall: Der falsche Krieg, Der Erste Weltkrieg und das 20.Jahrhundere, München 2002.
  5. Vgl. Herzfeld, Hans: Der Erste Weltkrieg,München 1985.
  6. Allein das Special Warfare Glossary, ein Ausbildungshandbuch der Armee der Vereinigten Staaten, enthält nicht weniger als 30 verschiedene Bezeichnungen für verschiedene Formen des Kleinkrieges. Vgl. dazu Hahlweg, Werner: Guerilla, Krieg ohne Fronten, Stuttgart 1968. S.253. Vgl. ebenfalls für verschiedene historische Bezeichnungen S.2lf.
  7. Vgl. Morsey, Konrad: T.E. Lawrence und der arabische Aufstand 1916/18, Dissertation, Osnabrück 1976. Studien zur Militärgeschichte, Militärwissenschaft und Konfliktforschung , Band 7. S.281.
  8. Zitiert nach Morsey (wie Anm. 7), S.282.
  9. Vgl. Morsey (wie Anm.7), S.280ff. Vgl. ebenso Hahlweg (wie Anm.6), S.21f, und Schulz, Gerhard: Die Irregulären: Guerrilla, Partisanen und Wandlungen des Krieges seit dem 18. Jahrhundert. Eine Einführung, in: Schulz, Gerhard (Hrsg.): Partisanen und Volkskrieg. Zur Revolutionierung des Krieges im 20. Jahrhundert, Göttingen 1985. S.16ff.
  10. Nicht zu verwechseln mit den Begriffen Rebellion, Aufstand oder Befreiung, die zum Beispiel beim in dieser Arbeit behandelten Thema angebracht sind.
  11. Vgl. zur revolutionären Guerilla: Haffner, Sebastian: Der neue Krieg, Berlin 2000. Haffner skizziert den Zusammenhang zwischen den beiden Aspekten sehr deutlich an den Ideen Mao Tse-tungs und Trotzkis. Ebenfalls: Freiherr von der Heydte, Friedrich A.: Der moderne Kleinkrieg als wehrpolitisches und militärisches Phänomen, zweite Auflage, Würzburg 1986. S.26ff.
  12. Merz, Karl M: Der kleine Krieg im großen Krieg: Die Guerilla, Über eine Form politischer Gewalt, ihre Entstehung und ihren systematischen Zusammenhang, in: Militärgeschichtliche Mitteilungen Nr.33 (1983), S.7-29. S.27.
  13. Der Kleinkrieg nämlich als solcher war nur eine Form der Taktik, aber eingeordnet in den rein militärischen Bereich. Vgl. zum klassischen, neuzeitlichen Kleinkrieg Hahlweg (wie Anm.6), S.27f. Hier tut also Differenzierung in der Nomenklatur not. In dieser Arbeit wird deshalb der Begriff Kleinkrieg verwendet, wenn es losgelöst vom politischen Zusammenhang inhaltlich nur um Taktik, Technik und Art der Kriegführung geht. Soll das moderne, umfassendere Phänomen der politischen Gewalt, die sich dieser Art Kriegführung als Instrument bedient, bezeichnet werden, wird das Wort Guerilla verwendet.
  14. Vgl. Hahlweg (wie Anm.6), S.25.
  15. Vgl. zu dieser Epoche Ortenburg, Georg: Waffen der Kabinettskriege 1650-1792, Augsburg 1986.
  16. Merz (wie Anm.12), S.8.
  17. Vgl. zum Themenkomplex der Professionalisierung des Soldatenhandwerkes seit dem Mittelalter: Kroener, Bernhard R.: Militärgeschichte des Mittealters und der Frühen Neuzeit, Vom Lehnskrieger zum Söldner, in: Neugebauer, Karl-Volker (Hrsg.): Grundzüge der deutschen Militärgeschichte, Band 1, Freiburg 1993. S.1338. Zum Fortgang des Prozesses im Absolutismus: Papke, Gerhard: Von der Miliz zum stehenden Heer, Wehrwesen im Absolutismus, in: Militärgeschichtliches Forschungsamt (Hrsg.): Deutsche Militärgeschichte in sechs Bänden 1648-1939, Band 1, Buch I, München 1983.
  18. Hahlweg (wie Anm.6), S.27.
  19. Schulz (wie Anm.9), S.1O.
  20. Vgl. Merz (wie Anm.12) S.9f. Aus dem Spanischen Volkskrieg stammt übrigens auch der Begriff Guerilla selbst. Es handelt sich dabei grammatikalisch um eine Verniedlichungsform des Wortes "guerra" und wurde zuerst im Sinne von Streifzug verwendet, bevor der Begriff inhaltlich übergreifend für den Volkskleinkrieg verwendet wurde. Vgl. Hahlweg (wie Anm.6), S.40.
  21. Hahlweg, Wemer: Typologie des modernen Kleinkrieges, Wiesbaden 1967. S.ll.
  22. Vgl. Hahlweg (wie Anm.6), S.60.
  23. Lawrence, T.E.: Seven Pillars of Wisdom, A Triumph, Privatdruck 1926, öffentliche Erstauflage 1935, unveränderte Neuauflage Middlesex 1962.
  24. Vgl. z.B. Wilson, Jeremy: Lawrence von Arabien, Die Biographie, München 1999. S.274ff. Wilson nimmt Lawrence Angaben kritiklos hin. Im Original: Lawrence, (wie Amn.23), S.193ff.
  25. Vgl. z.B. Mousa, Suleiman: T.E. Lawrence, An Arab View, London 1966. S.62f. Mousa ist einer der schärfsten Kritiker der heroisierenden Lawrence-Darstellungen, der sich in diesem Ansatz aber oftmals, wenn auch nicht hier, in unwissenschaftlich tendenziöse Gefilde mitreißen lässt.
  26. Lawrence konstatiert in dieser Teil-Theorie, es sei ein willentlicher, strategischer Ansatz gewesen, Medina den ganzen Krieg über nicht einzunehmen. Lawrence (wie Anm. 23), S.194: "[...] I [...] wondered what on earth Medina was good for us? [...] We had taken away their power to harm us, and yet wanted to take their town. [...] What on earth did we want it for?" Fraglich bleibt allerdings, sogar wenn man guten Willens von einem freien Willen ausgeht, ob die Araber bei gegenteiliger Entscheidung überhaupt in der Lage gewesen wären, Medina einzunehmen. Vgl. Morsey (wie Ang. 7), S.277.
  27. Vgl. Morsey (wie Anm. 7), S.276f.
  28. Vgl. Hahlweg (wie Anm.6), S.104. Die grundlegenden Theorien zur revolutionären Guerilla sind eher Lenin zuzuschreiben; dort allerdings natürlich mit dem klaren Fokus auf dem Primat des politischen Elements.
  29. Hahlweg (wie Anm.21), S.17.
  30. Dieser spezielle Teil kann durchaus auch sehr direkt als Inspiration für andere Kleinkriege dienen und ist ebenso wichtig wie der allgemeine Teil. Nur während der allgemeine Teil sich gewissermaßen aus dem luftleeren Raum der Kriegsphilosophie herleitet, ist beim speziellen Teil der arabische Aufstand die konkrete Wurzel der Erkenntnis.
  31. Vgl. Lawrence, T.E.: The Evolution of a Revolt, Ersterscheinung 1920, in: Weintraub, Stanley and Rodelle: Evolution ofa Revolt, Early postwar writings of T.E. Lawrence, London 1968. S.105.
  32. "The algebraical element ofthings" Lawrence (wie Anm.23), S.197: Vgl. zu den drei Grundelementen auch Tabachnick, Stephen und Matheson, Christopher: T.E. Lawrence, Wahrheit und Legende. Bilanz eines Heldenlebens, München 1988. S. 157ff.
  33. Ein in sich durch strategische und/oder geographische Bedingungen mehr oder weniger deutlich abgeschlossenes Areal der Kriegführung. Vgl. Von Clausewitz, Carl: Vom Kriege, erstmals aufgelegt 1832, unveränderte Neuauflage Erfstadt 2003. S.181.
  34. Lawrence (wie Anm.23), S.198.
  35. "a biological element of lives" Lawrence (wie Anm.23), S.197.
  36. Lawrence (wie Anm.23), S.199.
  37. Tabachnick (wie Anm.32), S.101. Zur miserablen materiellen Lage der Türken im ersten Weltkrieg: Piekalkiewicz, Janusz: Der Erste Weltkrieg, Augsburg 1994. 8.161.
  38. Lawrence (wie Anm.23), S.201f.
  39. "the psychologieal element ofideas" Lawrence (wie Anm.23), S.197.
  40. Vgl. Lawrence (wie Anm. 31), S.112ff.
  41. Lawrence (wie Anm.23), S.345.
  42. Lawrence (wie Anm.31), S.116.
  43. ebd. S.117.
  44. Lawrence, T.E.: Selbstbildnis in Briefen, München 1948. S.150. Der zitierte Briefwurde am 8. Januar 1917 verfasst.
  45. Vgl. Tabachnick (wie Anm.32), S.157.
  46. Vgl. McKale (wie Anm.3) 177ff. Auch Morsey (wie Anm.7), S.84ff.
  47. Vgl. McKale (wie Anm.3), S.175 und S.188.
  48. Lawrence, T.E.: Aufstand in der Wüste, Hildesheim 1988. S.63. Ebenso Lawrence (wie Anm.44), S.150.
  49. Vgl. Lawrence (wie Anm.48), S. 72.
  50. Vgl. Lawrence (wie Anm 23.), S. 198.
  51. Vgl. Wilson (wie Anm.24), S.364, bzw. Mousa (wie Anm.25), S.162.
  52. Vgl. Lawrence (wie Anm. 44). S.129.
  53. Egyptian Expeditionary Force, die regulären britischen Truppen in Ägypten.
  54. Piekalkiewicz (wie Anm. 37), S.161.
  55. Vgl. hierzu Jung, Peter: Der k.u.k. Wüstenkrieg, Österreich-Ungarn im Vorderen Orient 1915-1918, Wien 1992. Eine sehr detaillierte Darstellung dieser an sich kaum beachteten Episode.
  56. Vgl. Piekalkiewicz (wie Anm.37), S.160.
  57. Vgl. Lawrence (wie Anm.48). S.43 und S.64. Dieser Punkt ist von großer Wichtigkeit. In den Jahrzehnten vor dem ersten Weltkrieg, besonders in den 80er Jahren, wurden enorme Verbesserungen in der Waffentechnik erzielt. Dies führte dazu, dass die aktuellen Armeegewehre der europäischen Staaten wesentlich schneller, wesentlich genauer und wesentlich weiter schießen konnten und mehr Munition mitführbar machten, als die Gewehre der Generationen vor diesem Technologiewechsel. Damit ist nicht eine normale, kontinuierliche technische Entwicklung gemeint, sondern eine wirkliche Revolution. Ein modernes Gewehr war einer älteren Flinte um ein so vielfaches überlegen, dass ein Soldat mit einem solchen praktisch mehreren Soldaten mit alten Gewehren gleichwertig war. Aus diesem Grund haben die Araber die Belastung durch ihre Ausrüstung so besonders stark gespürt. Vgl. Roads, C.H.: Firearms other than Revolvers and Automatic Pistols 1870-1918, in: Blair, Claude: Pollard's History of Firearms, Feltham 1983. S.259ff.
  58. Vgl. Morsey (wie Anm. 7), S.89.
  59. Vgl. Lawrence (wie Anm. 31), S.34f.
  60. ebd. S.90.
  61. Vgl. Mousa (wie Anm.25), S.21.
  62. Vgl. Mousa (wie Anm.25), S.20. Ebenso Morsey (wie Anm.7), S.90.
  63. "Die ägyptischen Kanoniere wurden aufgefordert, das Feuer zu erwidern und die feindliche [türkische] Artillerie in Schach zu halten. Sie mussten eingestehen, dass ihre Geschütze nutzlos seien, denn sie reichten nicht auf die erforderlichen 9000 Yard. Man lachte sie aus, und die Araber eilten wieder in die Berge zurück." Lawrence (wie Anm. 48), S.46.
  64. ebd. S.46.
  65. Stewart, Desmond: Lawrence von Arabien, Eine Biographie, Düsseldorf 1979. S.212f.
  66. ebd. S.43.
  67. Vgl. Weintraub (wie Anm. 31), S.10. "'Experts' on Arab affairs, especially those who had travelled the Turkish-held Arab lands, were rare, and Lawrence was assigned to Intelligence, where he rocketed to Captain just seven weeks after first putting on a uniform." Und er war dabei doch so unmilitärisch in Auftreten und Gebaren, dass Weintraub konstatiert, er hätte während seines Aufenthaltes in Ägypten "[...] acting the part of the Least Professional Officer in the British Army."
  68. Was von einem seiner bekanntesten Biographen als Aufschneiderei bezweifelt wird, jedoch nichts dann ändert, dass seine Theorien solchen Autoren in späteren Jahren qualitativ beigeordnet wurden. Vgl. Tabachnick (wie Anm.32), S.158.
  69. Vgl. Mousa (wie Anm.25), S.39.
  70. Vgl. Stewart (wie Anm.65), S.212f.
  71. Vgl. Morsey (wie Anm.7), S.132ff.
  72. Vgl. Lawrence (wie Anm. 48), S.23ff. So Lawrence eigene Aussage. Vermutlich war er aber primär einfach zu Zwecken der militärischen Aufklärung unterwegs.
  73. Vgl. Mousa (wie Anm.25) S.40.
  74. Vgl. Wilson (wie Ang.24), S.233.
  75. ebd., S.47. Zur Frage, wer Wedhj zuerst ins Ziel rückte: Wilson (wie Anm.24), S.231.
  76. Der Grund scheint unklar: Wilson führt eine spontane Feierlichkeit an, Mousa heftige Regenfälle. Vgl. Wilson (wie Anm.24) S.243 und Mousa (wie Anm.25), S.49.
  77. Vgl. Lawrence (wie Anm.31), S.38f.
  78. Vgl. Stewart (wie Anm.65), S.225.
  79. Vgl. Stewart (wie Anm.65), S22f.
  80. Vgl. Morsey (wie Anm.7), S.170.
  81. Zitiert nach Morsey (wie Anm.7), S186.
  82. Vgl. Lawrence (wie Anm. 31), S.45.
  83. Vgl. Mousa (wie Anm.25), S.78f.
  84. Lawrence (wie Anm.48), S.154.
  85. Vgl. Wilson (wie Anm.24), S310.
  86. Lawrence (wie Anm.48), S.155
  87. Vgl. Mousa (wie Anm.25), S.71.
  88. Vgl. Tabachnick (wie Anm.32), S.157.
  89. Morsey (wie Anm.7), S.186.
  90. Vgl. Wilson (wie Anm.24), S.285 (vor Akaba) und S.3l6 (nach Akaba). Ebenso Lawrence (wie Anm.48), S.163.
  91. Vgl. Lawrence (wie Anm.48), S.198.
  92. Zitiert nach Tabachnick (wie Anm. 32), S.155.
  93. Lawrence (wie Anm.48), S.199.
  94. Vgl. Stewart (wie Anm.65), S.247 und S.237. Vgl. Wilson (wie Anm.24), S.320.
  95. Mousa (wie Anm.25), S.81.
  96. Vgl. Mousa (wie Anm.24), S.82.
  97. Vgl. Lawrence (wie Anm.48), S.334. Vgl. zu den technischen Fragen der Bahnraids in allen Details Lawrence (wie Anm.3l), S.57ff.
  98. Vgl. Wilson (wie Anm.24), S.264f.
  99. Zitiert nach: Tabachnick (wie Anm.32), S.156.
  100. Lawrence (wie Anm.48), S.282.
  101. Vgl. Lawrence (wie Anm.3l), S.56.
  102. Vgl. Mousa (wie Anm.25), S.96 und S.98.
  103. Vgl. Lawrence (wie Anm.48), S.236.
  104. Mörser sind so genannte infanteristische Steilfeuer-Unterstützungswaffen. Das Prinzip eines Mörsers ist das indirekte Feuer, dass es der Besatzung erlaubt, von oben dicht hinter Deckungen in deren für Direktfeuerwaffen eigentlich toten Winkel zu treffen. Das Prinzip des Mörsers reicht bis ins Mittelalter zurück, kam aber gerade im Ersten Weltkrieg zur Blüte. Vgl. Linnenkohl, Hans: Vom Einzelschuss zur Feuerwalze. Der Wettlaufzwischen Technik und Taktik im Ersten Weltkrieg, Koblenz 1990. S.188ff.
  105. Lawrence (wie Anm.48), S.195.
  106. Vgl. Wilson (wie Anm.24), S.264f.
  107. Vgl. zu den technischen Fragen der Brückensprengungen in allen Details Lawrence (wie Anm. 31), S.57ff.
  108. Vgl. Lawrence (wie Anm.23), S.156ff.
  109. Vgl. Trewhitt, Philip, Panzerfahrzeuge vom 1. Weltkrieg bis heute, Bindlach 2000. S.149. Das Konzept der Panzerwagen war bereits seit der Vorkriegszeit bekannt, konnte aber im Grabenkrieg in Europa nicht verwendet werden und musste dort durch den Panzer auf Endlosgleisketten ersetzt werden. (Erster Einsatz an der Westfront 15.09.1916). Vgl. Piekalkiewicz (wie Anm.37), S.368.
  110. Vgl. Lawrence (wie Anm.48), S. 328ff.
  111. Lawrence, zitiert nach Morsey (wie Anm.7), S.247.
  112. Vgl. Wilson (wie Anm.24), S.344.
  113. Vgl. Morsey (wie Anm.7), S.196f.
  114. Morsey (wie Anm.7), S.198.
  115. Vgl. Mousa (wie Anm.24), S.192.
  116. Lawrence, zitiert nach Morsey (wie Anm.7), S.207.
  117. Lawrence (wie Anm.48), S.255.
  118. Im gesamten arabischen Kriegsgebiet wurden in diesem Raum von allen Einheiten, die nicht zu Allenbys Hauptarmee (die ja ein entsprechendes Traingaufgebot hatte) gehörten, als Artillerie so genannte Gebirgsgeschütze eingesetzt: ,,zu Beginn des 19. Jahrhunderts wurden erstmals leichte Kanonen und Haubitzen für den Kampf in bergigem Gelände hergestellt, die zum Transport in Einzellasten zerlegt und auf Tragtiere verlastet werden konnten." Harding, David (Hrsg.): Waffenenzyklopädie, 7000 Jahre Waffengeschichte, Stuttgart 2000. S.190. Das Charakteristikum der tragtiergebundenen Verlastbarkeit machte diese Geschütze für den hochmobilen Krieg im arabischen Raum zur optimalen Lösung für Artillerieunterstützung. Diese war auch bitter nötig, erstens aus taktischen, aber zweitens auch aus psychologischen Gründen. Die arabischen Soldaten hatten einen enorm emotionalen Bezug zur normalen Artillerie, der fast einem Fetisch glich: Wurden sie von Artillerie beschossen, so resultierte das in übergroßer Panik vor selbiger; verfügten sie jedoch über Artillerie, so wurden sie enorm in ihrem Kampfgeist gestärkt. Vgl. Lawrence (wie Anm.39), S.5l.
  119. Vgl. Lawrence (wie Anm. 23), S.85.
  120. Vgl. Lawrence (wie AnmA8), S.257.
  121. Vgl. Mousa (wie Anm.25), S.135.
  122. Vgl. Morsey (wie Anm.7), S.207.
  123. Vgl. zu dieser These Morsey (wie Anm.7), S.209.
  124. Weil sie für einen extremen Distanzeinsatz nicht gedacht sind.
  125. Dies ist legitim, da die britischen MGs generationengleiche Weiterentwickhmgen des gleichen Ursprungs-MG- Typs Maxim waren.
  126. Vgl. Linnenkohl (wie Anm.104), S.17.
  127. Lawrence (wie Anm.48), S.261.
  128. Vgl. Lawrence (wie Anm.23), S.490f. Ebenso Lawrence (wie Anm. 31), S.49ff.
  129. Vgl. Morsey (wie Anm.7), S.207.
  130. Vgl. Mousa (wie Anm.25), S.136f.
  131. Vgl. Lawrence (wie Anm.44), S.169f.
  132. Zitiert nach Morsey (wie Anm.7), S.210.
  133. Vgl. 8tewart (wie Anm.65), S.261.
  134. Vgl. Wilson (wie Anm.24), S420ff. Vgl. zur Ludendorff-Offensive: Chickering, Roger: Das Deutsche Reich und der Erste Weltkrieg, München 2002. S.215ff.
  135. Vgl. Mousa (wie Anm.25), S.199.
  136. Vgl. Stewart(wie Anm. 65), S.272 und Morsey (wie Anm.7), S.250.
  137. Lawrence (wie Anm.23), S.652.
  138. ebd. S.653.
  139. Vgl. Z.B. Morsey (wie Anm.7), S.249f.
  140. Lawrence (wie Anm.23), 5.653.
  141. Lawrence (wie Anm.23), S.653 und S.655.
  142. Vgl. Stewart (wie Anm.65), S.222.
  143. Vgl. Stewart (wie Anm.65), S.120.
  144. Vgl. Stewart (wie Anm.65), S.82.
  145. 145 Vgl. Lawrence (wie Anm.48), S. 165, S.198, S.233. Ebenso Stewart (wie Anm.65), S.233 und Hughes, Matthew: Allenbyand British Strategy in the Middle East 1917-1919, London 1999. S.76ff. Ebenso Lawrence (wie Anm.31), S.85ff.
  146. Zitiert nach Tabachnick (wie Anm.32), S. 156. Kirkbride kommt dennoch zu dem Schluss, dass Lawrence "Genialität" besessen habe.
  147. Zitiert nach Tabachnick (wie Anm.32), S.156.
  148. ebd. S.160.
  149. ebd. S.160ff.

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"Der falsche Ruhm"(PDF)


Anmerkung

Der hier hinterlegte Text einer Hausarbeit aus dem Jahre 2002 ist durch Schrifterkennung einer Papierkopie entstanden. Dadurch haben sich diverse orthographische Fehler eingeschlichen, die im Original nicht enthalten sind. Bei Unklarheiten wenden Sie sich bitte an lwg@hist.uni-hannover.de oder nutzen Sie das PDF der Papier-Version (siehe unten) als maßgebliches Original.