Moorker

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„Moorker in Muffrika“

(c) Johanna Linder und Andreas Marschner, Hannover 2000

NB: Dieser Text wurde von einer früheren Version ohne weitere Überarbeitung in die LWG übernommen; lediglich die Abbildungen wurden nicht verwendet, auf sie wird aber im Text verwiesen.

Inhaltsverzeichnis

Einleitung

Die Beschäftigung mit der Geschichte emsländischer Moorkolonisation kann leicht auf unsicheren Boden führen. Die geschichtliche Bedeutung der im späten 18. Jahrhundert einsetzenden Maßnahmen zur Besiedlung des Bourtanger Moores wird unterschiedlich beurteilt. Ob letztlich von einer anhaltenden Prosperität oder dem raschen Niedergang der Kolonien ausgegangen werden kann, ist ein wesentlicher Aspekt folgender Überlegungen. Neben diesem Gesichtspunkt gehen wir der Frage nach, welche Faktoren und Motive zu Planung und Durchführung der Kolonisation zwingen. Daher scheint eine Betrachtung der naturräumlichen Gegebenheiten und gesamtgesellschaftlichen Verhältnisse bzw. Entwicklungen des nördlichen Emslandes sinnvoll.

Darüber hinaus richten wir am Beispiel des Kirchspiels Rütenbrock besonderes Augenmerk darauf, wie sich das Leben im Moor gestaltet haben könnte. Um annähernd zu einer Einschätzung der neubäuerlichen Lebensumstände zu gelangen, stellen wir einen Vergleich zu geestbäuerlichen Lebensweisen her. Es ist zu erwarten, daß hier Strukturen und Prozesse vorgefunden werden, die gleichermaßen überregionalen Erscheinungen entsprechen.

In diesem Kontext ist die einschlägige Literatur nur bedingt aufschlußreich. Wir haben die Wahl. Das Emsland im 18. Jahrhundert: Ist es eine Wüste, eine Steppe, Sibirien gleich oder ist es im Begriff, ein "neues Eden" zu werden? Die Kolonie Rütenbrock: Übertrifft das Aufblühen der Kolonie die größten Hoffnungen - oder ist sie von vornherein dem Scheitern preisgegeben? Und überhaupt: Wo liegt die Grenze zwischen fremder Prätention und Sozialkritik, wo die Grenze zwischen lokalpatriotischen Stereotypen und unvoreingenommener Offenheit?

Wir haben unserer Arbeit den Titel "Moorker in Muffrika" gegeben. Die Etymologie beider Begriffe wird verdeutlichen, daß nicht notwendig lästerliche Absichten, von denen wir ohnehin weit entfernt sind, vermutet werden müssen.

Eine Region im Blickwinkel von Landsmann und Fremdling

Die ambivalente Tradition von Begriff und Bedeutung

"Moorker in Muffrika" mag als Titel einer Arbeit über das Leben im Moor im 18. Jahrhundert provokant erscheinen, zumal man im Emsland offenbar eine in dieser Hinsicht recht sensible Haltung entwickelt hat. Eine Haltung, deren ausgeprägter Lokalpatriotismus manches Mal geneigt ist, insbesondere wenn es sich um Auslassungen von Außeremsländischen handelt, rasch Unrat zu wittern. Im folgenden wird sich zeigen, daß beide Begriffe nicht notwendig negativ besetzt sind. Wohl oder Wehe der vermeintlichen Absicht, in der Begriffe wie "Moorker" oder "Muffrika" gebraucht werden, scheint sich jedoch streng an der jeweiligen Herkunft, ob Landsmann oder Fremdling, zu scheiden. Eine Provokation stellt die Auswahl des Titels lediglich in der Weise dar, daß mit der hannoverschen Aneignung beider Begriffe bewußt mit dieser Tradition gebrochen wird.

Anhand des Titels lassen sich hingegen einige Voraussetzungen und Inhalte dieser Arbeit umreißen. Das Leben im Moor unterliegt durchaus regionalen Unterschieden - ein oder das Leben im Moor gibt es nicht. Mit dem Begriff "Moorker" ist sowohl die hier getroffene Auswahl der Region als auch eines ihrer Charakteristika gekennzeichnet: "Moorker" bezeichnet den Moorsiedler, der auf die "Moorbrandkultur" angewiesen ist, da aufgrund mangelnder Infrastruktur eine Verfehnung als Wirtschaftsform ausscheidet und eine reine Viehwirtschaft wegen Mangels an Grünflächen ebenfalls nicht in Frage kommt.[1] Eine über diese Definition hinausgehende Wertung läßt sich hier nicht feststellen.

Rütenbrock und die umliegenden, zum Ende des 18. Jahrhunderts gegründeten, linksemsischen Moorkolonien im Niederstift Münster war eine Region, auf die die geschilderten Verhältnisse zutrafen. Die Siedler Rütenbrocks, deren Geschichte hier ein Schwerpunkt sein wird, waren demnach "Moorker". "Moorker" oder "Mörker" war andererseits jedoch auch eine Bezeichnung, derer sich die Sandbauern mit deutlich negativem Gehalt für die Siedler bedienten.[2] Demnach wird das Verhältnis zwischen den emsländischen Geestbauern und den Moorkolonisten vermutlich nicht immer harmonisch gewesen sein.

"Muffrika" als Bezeichnung für das Emsland ist kein so eindeutig negativ gezeichneter Begriff, wie er auf den ersten Blick zu sein scheint. Wesentlich ist vor allem, von wem er gebraucht wird, von den Emsländern selbst oder von Fremden. Die Herkunft des Begriffs wird auf unterschiedliche Wurzeln zurückgeführt. Die von niederländischer Seite benutzte Bezeichnung "Muffen" für die dort arbeitenden Emsländer wird einerseits auf die Zeit des Fürstbischofs Bernhard von Galen zurückgeführt, in der die Münsterländer ihren niederländischen Gegnern bei feindlichen Begegnungen im "Zielen und Fechten" überlegen gewesen sein sollen, weil sie zum Schutz gegen die herrschende Kälte sog. Pelzmuffen trugen. Andererseits soll die holländische Bezeichnung "Moffen" als Synonym für die "mürrischen, dummen" Westfalen gebräuchlich gewesen sein.[3] Der beim Moorbrennen entstehende "Haarrauch" könnte ebenfalls zur Entstehung des Begriffs beigetragen haben.[4] "Muffrika" taucht jedoch zum Beispiel in Anzeigen und Artikeln aus dem 19. Jahrhundert auch als "unser liebes Muffrika", das "holde Muffrika" oder in Versform auf:

       " Abseits im entleg’ nen Winkel
       viel geschmäht und oft verkannt
       sei gepriesen teure Heimat
       armes Muffrikaner Land..."[5] (Ohne Jahr)

So ist der ambivalente Gebrauch und die daraus resultierende Bedeutung ein und desselben Begriffs immer Ausdruck der Perspektive des jeweiligen Betrachters.

Lokalpatriotische Spielarten

In diesem Zusammenhang soll zunächst auf ein Phänomen hingewiesen werden, das sich in der Literatur über das Emsland bis in die neueste Zeit hinein immer wieder bemerkbar macht.

Auffallend häufig, wenn auch nicht überraschend, sind die Autoren der Literatur über das Emsland im Emsland beheimatet. Bemerkenswert ist jedoch, daß viele Darstellungen von einer gewissen historischen Distanzlosigkeit geprägt sind. So heißt es zum Beispiel in dem 1982 herausgegebenen oft zitierten Aufsatz Horst H. Bechtlufts, " Das Emsland als historischer Raum":

"Da Bevölkerungen einzelner Landstriche sich gerne durch das "Herunterputzen" anderer Gegenden selbst aufwerten, ist nicht auszuschließen, daß die Anfänge des negativ gefärbten Begriffs vom emsländischen "Muffrika" in der Praxis des Moorbrennens eine der Ursachen haben."[6]

Ist dies zwar eine der Möglichkeiten der Herkunft des wohl auch nicht immer eindeutig negativ gefärbten Begriffs, so nimmt sich die Formulierung doch ein wenig eigenartig aus.

Horst Bechtluft räumt im weiteren mit der, wie er anführt, verbreiteten Rede von der angeblichen Ansiedlung von Sträflingen in den emsländischen Mooren recht unbekümmert auf. Die "historische Wahrheit" nämlich sei, daß überwiegend Heuerleute aus der näheren Umgebung siedelten[7] - Sträflinge befanden sich gewißlich nicht unter ihnen. Allerdings, so fährt Bechtluft fort, sei der Zusammenhang zwischen Moorkultivierung und Strafvollzug sehr wohl (!) zu rekonstruieren. Bei den durch die preußische Regierung im 18. Jahrhundert veranlaßten Ansiedlungsmaßnahmen in ostfriesischen Mooren nämlich, da habe man auch entlassene Sträflinge, Bettler und Militärinvaliden als Kolonisten genommen.[8] Sollte Horst Bechtluft die ostfriesische Moorkolonie Moordorf vor Augen gehabt haben als er diese "historische Wahrheit" rekonstruierte, so irrt er. Die in Hinsicht auf Herkunft und Naturell sicher nicht minder von historischen Gerüchten gebeutelten Moordorfer Siedler, übrigens ebenso Moorker wie die emsländischen Kolonisten[9], sind in der überwiegenden Mehrheit mittellose Ostfriesen.[10] Ist es ohnehin fragwürdig, sich auf eine historische Wahrheit zu berufen, so macht sich Herr Bechtluft, nunmehr das zuvor durch ihn angeprangerte Prinzip des "Herunterputzens" selbst anwendend, einer gewissen Doppelmoral verdächtig.

Ulf-K. Wulkotte, auch ein Landsmann, daher in ähnlicher Weise auf "historische Wahrheit" bedacht, bemerkt in der Einleitung seines in Literaturhinweisen ebenfalls allgegenwärtigen Buches "Das Emsland in alten Reiseberichten des 18. und frühen 19. Jahrhunderts":

"Die hier gesammelten Berichte stammen zumeist von Autoren aus Westfalen - also gewissermaßen von Landsleuten! Es stehen also Berichterstatter im Mittelpunkt, die selbst aus Norddeutschland stammen und somit wohl mit klarerem Blick und mit mehr Sachkenntnis schreiben, was uns entgegenkommt, da uns an einer möglichst getreuen Beschreibung der damaligen Verhältnisse hierzulande gelegen ist. Die meist nicht vorurteilsfreien Stücke der fremden Reisenden können daher nur die Würze für das Ganze abgeben."[11]

Nach diesem Verständnis sind auch wir als Autoren dem Verdacht der Voreingenommenheit ausgesetzt. Dennoch sind wir freilich um einen "klaren Blick" bemüht. Allerdings möchten wir auch die Berichte der Fremdlinge als das betrachten, was sie sind, als Quellen eben, die in einer bestimmten historischen Situation vom Zeitgeist geprägt entstanden sind, die geradeso in das historische Bild des Emslandes gehören wie die Darstellungen der Landsmänner. In welch hohem Maße diese Quellen Ausflüsse ihrer Zeit sind, soll im folgenden mittels einiger Beispiele verdeutlicht werden.

Der fremde Blick: Wahrheit und Willkür

Was also sahen die auswärtigen Berichterstatter? Der aus der Grafschaft Ravensberg stammende Prediger J. G. Hoche schildert nach einer Reise ins Niederstift um 1800 folgende Impressionen:

"[...] Doch war es kein gelobtes Land, es war ein Aufenthalt für Harpyen und Stymphaliden. Sandberge, Haideplätze wechselten ab mit Morästen und Brüchen. Es war ein deutsches Sibirien, wo die Natur mit einem Seitenblick vorüberging, als sie ihre Schätze über die Erde aussäete, und endlich eine Hand voll Buchwaizensaamen mitleidig zur Seite warf. Der luxurirende Boden, der durch seinen bunten Teppich und wogenden Saatfelder alle lebendigen Wesen mit Freude und Frohsinn erfüllt, ist hier mit einem Trauerflor überworfen, auf welchem die nährigen Haidebienen den einzelnen Blümchen die letzte Kraft rauben, und den magern Kühen die verdorrten Stengel überlassen. [...] Was das Herz erfreuet, und Lust zum Leben erzeugt, ist fern von diesen Grenzen. Dürftigkeit deckt die Mittagstafel, und Armuth den Abendtisch.

[...] Wenig denkend und wenig empfindend wandert der arme Sterbliche über die Steppen dahin; sein Blick spricht Gleichgültigkeit. [...]"[12]

Dies ist wahrhaftig ein deprimierendes Urteil. Auch der Schwabe Carl Julius Weber wird sich nicht scheuen, in seinem 1826 - 1828 erschienenen Werk "Deutschland oder Briefe eines in Deutschland reisenden Deutschen" für das Niederstift Münster den Vergleich mit Sibirien heranzuziehen.[13]

Die Bewohner des Niederstifts Münster, in diesem Fall die Papenburger, müssen sich in einem Reisebericht aus dem Jahre 1799 eine ähnlich krasses Urteil gefallen lassen, das hier trotz seiner Länge vollständig zitiert wird:

"Aufklärung des gemeinen Mannes darf man in Papenburg noch nicht erwarten, und nicht selten ist die Physiognomie seiner Einwohner der Verräther der Unwissenheit. Besonders zeichneten sich die hiesigen Frauens-Personen durch grobe, geistlose Gesichtszüge und plumpe Körperformen aus, und ihr Betragen und Anstand schien ganz damit übereinzukommen. Ihre Kleidertracht ist häßlich; eyförmig zugespitzte Hauben von Kattun, Röcke von grobem braunrothen Boy, grobe schwarze Strümpfe, plumpe Schuhe, mit kleinen Schnallen, (manche gehen barfuss) entstellende Ohr-Eisen von irgend einem edlen oder unedlen Metalle, nebst Kreuzen von derselben Masse vor der Brust, eine Schnur von dicken Bernstein-Korallen um den Hals; dies sind ungefähr die Stücke, welche einen Körper bedecken, dem der immerwährende Rauch, der ihre Wohnhäuser, wie in einem großen Theile Westphalen, anfüllt, und Mangel an Reinlichkeit eine schmutzig gelbe Zigeuner-Farbe verliehen haben. Wie sehr uns diess auffallen musste, wird man leicht denken können, da wir so eben die überaus reinlichen Holländerinnen verlassen hatten, deren Sinn für Reinlichkeit und deren zarter Teint alles übertreffen, was man davon bey andern Nationen findet. Das männliche Geschlecht ist hier weit vorzüglicher. Ihre Gesichtszüge sind angenehmer und weniger dumm. Wahrscheinlich rührt diess daher, dass ein grosser Theil von ihnen beständig Reisen mit Schiffen macht und dadurch Gelegenheit erhält, sich mehr auszubilden. Ihr Körperbau ist männlich und kraftvoll."[14]

Die eben angeführten Ansichten fremder Reisender stellen lediglich eine kleine Auswahl dar. Was aber treibt die Verfasser dieser Berichte in einer Zeit, in der das Reisen im Heiligen Römischen Reich Deutscher Nation wegen der noch weitgehend widrigen Verkehrsverhältnisse leicht zu einer Leib und Leben bedrohenden Strapaze werden kann[15], ausgerechnet in eine wohl ausgesprochen unwirtliche Gegend, deren Bewohner obendrein geistlos, häßlich und schmutzig sind?

In Anbetracht der eben angedeuteten Reisebedingungen wird verständlich, daß selbst diejenigen, die das im 18. Jahrhundert längst noch nicht jedermann vergönnte Privileg der Bewegungsfreiheit genießen, Reisen nicht ohne Notwendigkeit oder erkennbaren Nutzen unternehmen.[16] Selbst das heimatliche Land konnte daher für viele in dieser Zeit ein weitgehend unbekanntes Land sein.[17] Den gleichwohl vorhandenen Informationsbedarf spiegelt die Zahl der Veröffentlichungen von Reiseliteratur wider, deren Aufschwung im späten 18. Jahrhundert lediglich von der Romanliteratur übertroffen wird.[18] Von Bedeutung für das Entstehen von Texten, wie sie oben zitiert wurden, sind jedoch weitere Faktoren, wie zum Beispiel die Verfasser selbst, ihre Intentionen oder die Adressaten.

Wie Ulf-K. Wulkottes hier bereits zitierte Sammlung von Reiseberichten über das Emsland zum Beispiel nehmend, entstammen die Autoren der Berichte auffallend häufig der bürgerlichen Gelehrtenschicht. In diesem Umstand findet sich ein Fingerzeig auf ein wesentliches Phänomen dieser Zeit. Die bürgerliche Gelehrtenschicht ist, um einen das 18. Jahrhundert prägenden Begriff einzuführen, bekanntlich der Träger der Aufklärung, für die die Forderung nach Gedankenfreiheit grundlegend ist.[19] Mit Kants berühmten Ausspruch "sapere aude" läßt sich daher ein bürgerliches Selbstbewußtsein umreißen, das nicht länger Spiel der herrschenden Meinungen sein, sondern eigene Beobachtungen, eigene Meinungen bilden will, die überdies der bürgerlichen Öffentlichkeit frei zugänglich sein sollen. Auch die Verfasser der Reiseberichte aus dem Emsland verfolgen daher den doppelten Zweck der auf Empirie gründenden Erkenntnis sowie der Verbreitung von Informationen.[20] Der bildende Einfluß von Reisen wird denn auch für die Papenburger Männer geltend gemacht, die, wie es oben heißt, aufgrund ihrer Reisen "weit vorzüglicher" seien als die weibliche Bevölkerung.

Informationen über die Zustände im Lande benötigt natürlich auch der Staat, der seine Bedienten ausschickt, Erkundungen einzuholen. Leutnant Flensbergs im "Göttingschen Magazin der Wissenschaften und Literatur" veröffentlichter Brief an Justus Möser enthält detaillierte Kenntnisse zum Beispiel über Geologie, Siedlungsgeschichte und Ökonomie des Niederstiftes Münster.[21] Zum Kenner dieser Region wurde Flensberg u. a. als Leiter der staatlich beauftragten Kommission, die sich mit dem deutsch-holländischen Grenzverlauf sowie den Plänen zur Moorkolonialisierung im Bourtanger Moor befaßte.[22]

Sowohl inhaltlich als auch stilistisch sind die von Wulkotte gesammelten Reiseberichte über das Emsland charakteristisch für das späte 18. Jahrhundert und daher auch in dieser Hinsicht keineswegs überraschend. Stilistisch scheint zum Beispiel der oben zitierte J. G. Hoche, dessen Formulierungen mit typischem Pathos der subjektiven Naturerfahrung Ausdruck verleihen, vom Gefühlskult[23] der der Aufklärung innewohnenden Bewegung des Sturm und Drang inspiriert zu sein. Der Einfluß dieser Periode macht sich im übrigen auch in dem erwähnten Brief des Leutnant Flensberg bemerkbar, der die Landschaft als eine "Scene" beschreibt, in der die von den Stürmern und Drängern hochverehrten "Gesänge des Ossian" zu fühlen seien.[24] Die hier ebenfalls in Auszügen zitierten "Bemerkungen über Papenburg" sind dagegen trotz der drastischen Ausdrucksweise durch den rationalen Stil des gelehrten Aufklärers gekennzeichnet.

Die ausführlichen Auslassungen über Gesicht und Gestalt der Papenburger, insbesondere der Frauen, sind wenig schmeichelhaft und entsprechen vielleicht wirklich einer gewissen dünkelhaften Voreingenommenheit gegen das weibliche Geschlecht überhaupt sowie der mangelnden Aufgeklärtheit der Papenburger. Gleichwohl bleiben diese mehr oder weniger subjektiven Beurteilungen der gestrengen Wissenschaft verhaftet, da sie sich auf die Lehre der Physiognomie berufen dürfen, die im späten 18. Jahrhundert sehr populär, aber auch viel diskutiert und umstritten ist. Die Anhänger dieser Lehre, wie zum Beispiel Lavater, vertreten die Theorie von der körperlichen Ausprägung des menschlichen Wesens in Merkmalen der Gesichtszüge und der Schädelform.[25] Da eine nähere Betrachtung der Diskussionen über die Physiognomie hier eindeutig zu weit führen würde, möchten wir, um die Methode der Physiognomie, und den Meinungsaustausch über die physiognomische Betrachtungsweise ein wenig zu illustrieren, einen satirischen Ausflug zu Lichtenbergs "Fragment von den Schwänzen" wagen:

   Lichtenberg, Georg Christoph, Auszug aus der Satire: Fragment.. - siehe Fußnote 26

"C. Silhouette vom Schwanze eines, leider! zur Mettwurst bereits bestimmten Schweinsjünglings in G ... Von der größten Hoffnung, den ich allen warmen, elastischen, beschnittenen und unbeschnittenen, Genie ausbrütenden Stutzern von Mensch- und Sauheit bittewimmernd empfehle. Fühlt’s, hört’s! und Donner werde dem Fleischer, der dich anpackt.

Noch nicht ganz entferkelt; mutterschweinische Weichmut im schlappen Hang und läppische Milchheit in der Fahnenspitze. Aber doch bei p schon keimendes Korn von Keilertalent; ja wäre bei M nicht sichtbarlich städtische Schwäche und mehr Spickespeck als Haugeist, und wäre unter dem Schwanz bei O minder Mettwurst als Triumph, so sagte ich: dein Ahnherr überwand den Adonis, und der Ebergeist des Herkulesbekämpfers ruht auf deinem Schwanz."[26]

Ist zwar die systematische Anwendung der Vernunft im Lichte der Aufklärung auf alle Lebens- und Wirklichkeitsbereiche bezogen[27], so fallen doch in den Berichten der Reisenden einige weitere Schwerpunkte auf. Von großem Interesse scheinen zum Beispiel der Grad der "Aufklärung des gemeinen Mannes" sowie sozioökonomischer Entwicklungsstand der Region zu sein. Diese Schwerpunkte weisen auf Strömungen des 18. Jahrhunderts hin, die hier zunächst mehr oder weniger schlagwortartig genannt werden sollen: Landesausbau und agrarische Bewegung im Zuge des Kameralismus und hierzu in enger Verbindung stehend die sog. Volksaufklärung.

Die Aufklärung des niederen Volkes, das bis dahin von den kulturellen Evolutionstendenzen noch weitgehend unberührt geblieben war, rückt zum Ende des 18. Jahrhunderts immer mehr in den Mittelpunkt der Aufmerksamkeit.[28] Die für das gemeine Volk vorgesehene Aufklärung ist in ihrer Modifizierung weniger geprägt von Freiheitsideen und Menschheitsidealen oder gar egalitären Ideen als vielmehr von der ökonomisch-utilitaristischen Ausrichtung auf die Tugenden der Arbeitsamkeit, Disziplin und des zweckmäßigen Umgangs mit den Produktionsmitteln.[29]

Die Volksaufklärer finden sich jedoch in der schwierigen Lage, die einmal in Gang gesetzten Denk- und Bildungsprozesse unter Kontrolle behalten zu müssen, denn Denken und Handeln des Volkes darf keinesfalls die Standesgrenzen antasten. Die Stellung in der Gesellschaftshierarchie muß als schicksalhafte Bestimmung des Volkes bewußt bleiben, um die innere Ordnung nicht zu gefährden.[30] Ohne die Dialektik der Aufklärung hier entfalten zu wollen, darf übrigens doch bemerkt werden, daß dies eine im Rahmen der Aufklärung rational schwer zu rechtfertigende Maxime ist. Welch große Rolle die Zementierung der bestehenden Ordnung spielt, wird deutlich, wenn selbst ein Freiherr Knigge, der für seine entschiedene gesellschafts- und staatskritische Haltung bekannt und staatlicherseits berüchtigt war[31], schreibt:

"Die beste Aufklärung des Verstandes ist die, welche uns lehrt, mit unsrer Lage zufrieden und in unsern Verhältnissen brauchbar, nützlich und zweckmäßig tätig zu sein. Alles übrige ist Torheit, und führt zum Verderben."[32]

Grundlegend für die Effektivierung der Arbeitsprozesse der agrarischen Produktion scheint den Volksaufklärern das Ausmerzen des Aberglaubens in der ländlichen Lebenswelt. Die Entmythisierung der Natur soll einem Denken und Handeln die Basis schaffen, das sich nicht länger dem vermeintlich gottgegebenen Schicksal beugt, sondern tätig werdend, selbst die Natur zu beherrschen sucht.[33] Wenn es um die produktiven Bereiche des Lebens geht, hat die Allgewalt des Schicksals also der Vernunft zu weichen.

Es ist daher nicht verwunderlich, daß die Autoren der Reiseberichte über das Emsland - auch die Landsmänner - auffallend häufig das Ausmaß des Aberglaubens im Niederstift thematisieren. So zum Beispiel schreibt im Jahre 1794 der aus Münster stammende Professor M. D. über die Niederstifter zunächst recht beifällig: " Der Niederstifter ist ein gesunder, starker, obschon nicht allenthalben ein vorzüglich großer Schlag von Menschen." Der Aberglaube aber scheint auch in den Augen des Professors, dem nicht der Vorwurf gemacht werden kann, er gehöre zu den vorurteilsverbreitenden "Fremden Reisenden", im Niederstift noch recht verbreitet:

"[...] Allenthalben ist der Glaube an Gespenster, Vorgeschichten, Hexen, Wahrsager (Wicken) allgemein [...]."[34]

Wenn es in den oben zitierten "Bemerkungen über Papenburg" aus dem Jahre 1799 heißt, Aufklärung des gemeinen Mannes dürfe man noch nicht erwarten, könnte diese Aussage durchaus - und nicht nur auf Papenburg oder das Niederstift Münster bezogen - Wahres enthalten, sofern man den Grad der Alphabetisierung als Maßstab anlegen möchte beziehungsweise kann[35], da für die deutschen Territorien gegen Ende des 18. Jahrhunderts der Anteil von Analphabeten mit insgesamt ca. 70% angegeben wird.[36] Auch in Hinsicht auf die von J. G. Hoche geschilderte ländliche Armut ist das Niederstift Münster wahrhaftig kein Einzelfall. Die ländliche Armut und das Anwachsen ländlicher Unterschichten sind in vielen Regionen symptomatische Erscheinungen.[37]

Insgesamt betrachtet scheinen die Berichte der Reisenden in der Tat also charakteristische Erscheinungen des 18. Jahrhunderts zu sein, die mit Sicherheit in ähnlicher Diktion auch in und über andere Regionen verfaßt wurden. Darüber, daß das Emsland beziehungsweise das Niederstift Münster zu den Regionen gehörte, in denen im 18. Jahrhundert unter anderen wegen der geographischen Beschaffenheit Knappheit vorherrschte, besteht auch bei den Autoren des 20. Jahrhunderts Einigkeit. Die Schilderungen der "Fremden" zum Beispiel wie in den Papenburger Bemerkungen, könnten nun einerseits allerdings als arrogante Attitüde des bürgerlichen Gelehrten gedeutet werden, der in typisch rigoroser Distanzierungspraxis des Bürgerlichen von sozialen Gruppen wie den Ungebildeten oder den Frauen[38] in einer Zeit schreibt, in der Armut vielfach als selbstverschuldet gilt[39]. Mag dies vielleicht ein Vorurteil sein, so ist es jedenfalls ein gängiges. Andererseits könnten die bedrückenden Impressionen zum Beispiel des J. G. Hoche über das Niederstift Münster im Lichte einer durchaus vehementen Sozialkritik betrachtet werden. Eine Kritik, die sich durchaus nicht unüblich des Vehikels der Reiseliteratur bedienend[40], an die Öffentlichkeit und den Staat wendet, der im theoretischen Rahmen des Naturrechtes und seines Vertragszustandes seiner Fürsorgepflicht gegenüber den Untertanen nicht nachkommt.[41]

Der emsländische Prometheus

Wenden wir uns abschließend den Texten eines heimischen Verfassers zu, werden freilich auch ganz andere Töne angeschlagen. Der Papenburger Godfried Bueren preist die promethische Schöpfungskraft des Menschen, die ihm zum Triumph über die Natur verhilft:

"Begeistert ruf ich aus: Welche Stimme des Rufenden hat die todte Wüste wieder belebt? Welcher Gott hat das Auferstehungs-Wort gesprochen über die Grüfte der Verwesung?

Nicht die Wunderkraft des unmittelbar schaffenden und belebenden Worts des Allmächtigen hat diese Moorschöpfungen hervorgebracht, sondern die Wunderkraft des im Menschen, aber nicht in allen Menschen wohnenden hehren Unternehmungsgeists, der die Gestalten der Materie nach seinen Ideen formt, und mit eigner Kraft des Kopfes und der Hände sich eine eigene neue Schöpfung bildet." [...][42]

Godfried Bueren muß Goethes Prometheus-Dichtung wahrlich dicht vor Augen gehabt haben und steht damit deutlich unter dem Einfluß des Sturm und Drang.[43] Bemerkenswert ist, daß auch Bueren die Natur als feindlich, nämlich tot und wüstenhaft, beschreibt. Frohlockend fortfahrend werden Zukunftsvisionen beschworen, die möglicherweise dem der Aufklärung eigenen optimistischen Glauben an eine Entwicklung zum künftig besseren Zustand entsprechen[44]:

"Ein Rütenbrock, ein Twist, wird mit Pekeln und Papenborg wetteifern, seine kleinern Schiffe werden aus den versunkenen Wäldern den Hauptstädten die kostbare Feuerung zuführen, und seine größeren den Ozean pflügen; an der Stelle der vermoderten werden verjüngte Eichen und Buchenwälder erstehen, und ein neues Eden wird in dem unwirthbaren Steppen entblühen. Amen."[45]

Linksemsische Moorkolonisation und ihre gesamtgesellschaftlichen Bedingungen

Im Sommer des Jahres 1788 verlost die münstersche Regierung unter Fürstbischof Maximilian Franz Siedlerstellen für acht linksseitig der Ems gelegene Kolonien im Bourtanger Moor. Kurze Zeit darauf werden sechs weitere Kolonien im rechtsemsischen Teil des Moores gegründet.[46] Von diesen vierzehn Kolonien mit ihren insgesamt 441 nur recht unzulänglich ausgepflockten sog. Plaazen[47] (= Siedlerstellen) entfallen 92 auf das linksemsische Rütenbrock. Damit nimmt Rütenbrock von Anfang an nicht nur eine gewisse Sonderstellung aufgrund seiner Größe ein, es ist zudem die erste der neu entstandenen Moorkolonien, die, wenn vorerst auch nur provisorisch als Missionsstelle, bereits 1798 zu einer eigenen Pfarrgemeinde erhoben wird. Wenn im folgenden die Rede von Rütenbrock ist, dann ist damit in jedem Fall das gesamte Kirchspiel Rütenbrock gemeint, nicht etwa die spätere politische Gemeinde.[48]

Bevor wir uns nun den Beweggründen und Zielsetzungen der münsterschen Regierung, vor allem aber denen der Moorkolonisten von Rütenbrock zuwenden, die trotz der privilegierten Stellung Rütenbrocks zweifelsohne das Los aller anderen Neusiedler teilen, wollen wir auf die allgemeinen naturräumlichen und gesamtgesellschaftlichen Faktoren und Gegebenheiten des nördlichen Emslandes verweisen, die die gegen Ende des 18. Jahrhunderts einsetzende Moorbesiedlung und - kultivierung maßgeblich beeinflußt und schließlich ausgelöst haben.

Darüber hinaus soll anhand einer Gegenüberstellung der Wirtschaftsweise der sog. Neubauern und der alteingesessenen Geestbauern, den sog. Sandbauern, untersucht werden, ob und inwieweit ihre jeweilige landwirtschaftliche Tätigkeit überhaupt Unterschiede aufzuweisen hat.

Naturräumliche Gegebenheiten in Geest und Moor

Unter dem Aspekt der Siedlungsgeschichte sind die geologischen Strukturen des betrachteten Raumes als ausgesprochen siedlungsfeindlich zu beurteilen.[49] Vor allem im Westen und Norden des nördlichen Emslandes befinden sich große, zusammenhängende Moorflächen, die zu jener Zeit zu den größten Hochmoorflächen in Mittel- und Westeuropa zählen. Im westlichen Teil, linksseitig der Ems, erstreckt sich das Bourtanger Moor mit einer Nord-Süd-Ausdehnung von ca. 80 km und riegelt damit das Land fast vollständig von den benachbarten Niederlanden ab. Im Norden trennen ausgedehnte Moore das Emsland von den ostfriesischen Flußmarschen.[50]

Zu diesem Zeitpunkt gibt es im Emsland lediglich zwei Hauptverkehrswege: In nördlicher Richtung sind es die Ems und die parallel zu ihr verlaufende friesische Straße, die das Münsterland mit Ostfriesland verbinden. Nach Westen führt die flämische Straße, über die der Landverkehr zwischen dem flämisch-niederländischen Raum und dem Ostseeraum fließt.[51]

Ansonsten wird das Landschaftsbild von menschenleeren und unwegsamen Moorflächen beherrscht, welche sozusagen natürliche Grenzlinien zu den benachbarten Territorien bilden und deren Verlauf bis zum Ende des 18. Jahrhunderts nicht eindeutig festgelegt bzw. markiert ist.[52] Aus diesem Grund kommt es immer wieder zu Grenzstreitigkeiten zwischen dem Niederstift Münster und den Niederlanden, die häufig in Übergriffen gegen emsländische Bauern ihren Ausdruck finden.[53]

Insgesamt sind damals ca. 40% des nördlichen Emslandes von Mooren bedeckt, die nicht oder kaum bewirtschaftet werden können. Lediglich die oasenhaften Bänder entlang der Ems und Hase, sog. Flußoasen, bilden landwirtschaftlich nutz- und besiedelbare Areale. Diese nicht von Mooren bedeckten, als Heide bezeichneten Flächen weisen vorrangig ertragsarme Sandböden auf und lassen daher nur einen inselhaften Ackerbau zu. Doch die Esche, die in Dorfnähe befindliche Ackerfläche, macht nur einen geringen Teil des landwirtschaftlich nutzbaren Bodens aus. Den wesentlich größeren Teil nehmen die Markengründe (= Allmende) ein, die zur Viehweide, Brennholz- und Torfgewinnung sowie der Plaggenmahd dienen. Aufgrund der schlechten Bodenverhältnisse kommt es zu einer exzessiv betriebenen Viehhaltung, die im Laufe der Jahrhunderte zu einer starken Erosion des Bodens führt, so daß schließlich nur noch Heidekraut gedeihen kann. Dies hat einerseits die Zurückdrängung der Schweine- und Rinderhaltung zugunsten der anspruchslosen Heidschnucken zur Folge.[54] Der zunehmende Verlust der Grasnarben und Bodenkrumen auf den Markenflächen durch die Überweidung und das Abtragen der Heideplaggen bewirkten die Verbreitung offener Sandwehen, welche um 1780 immerhin etwa 7,5 % der gesamten Fläche des Niederstiftes Münster bedecken.[55]

In einer zeitgenössischen Landschaftsbeschreibung heißt es hierzu:

"Es liegt in der Dürre des Bodens, welche hier ist, daß in den großen Heiden, die hier sind, sehr oft bewegliche Sandberge entstehen. Ein Flecken Grundes, etliche Schritte breit, ist von ohngefähr von seiner Kruste entblößt worden; der Wind findet Gelegenheit hier den nackten Sand zu fassen; höhlet den Sand aus und streuet ihn umher. Nunmehr steht ein offnes Ufer da, welches den Wind auffängt. Dieser wühlet unter die Kruste des Grundes, unterhöhlet sie, die Kruste stürzt ein; und so wird der Sandfleck immer breiter. [...] Bei starkem Winde ist es äußerst beschwerlich, durch dergleichen Sände zu reisen. [...] Man kann sich hier im kleinen vorstellen, was Cambyses im großen widerfahren, als er mit seinem ganzen Heere unter aegyptischem Sande begraben wurde."[56]

Bild: Wachendorfer, Wehsandfläche (Hermann Kaiser, Materialien zur Volkskultur nordwestliches Niedersachsen, Heft 8, S. 11, 1982) - (c) Museumsdorf Cloppenburg

Die mit gerade mal 0,03% Wald bewachsene, also nahezu baumlose Landschaft des Niederstiftes verwandelt sich allmählich und scheinbar unaufhaltsam in ein steppenartiges, teilweise sogar wüstenartiges Gebiet.[57]

===Heuerlingswesen und Nebenerwerb als Symptome soziökonomischer Strukturwandelungen

Gegen Ende des 18. Jahrhunderts leben im gesamten Emsland ca. 50.000 Menschen. Ungefähr zwei Drittel davon sind Bewohner des Niederstiftes Münster[58], welches mit seinen Ämtern Meppen, Cloppenburg und Vechta, durch Nachbarterritorien abgeschnürt vom Oberstift Münster, als ein ausgesprochenes Nebenland des Fürstbistums gilt.[59] Aufgrund überkommener landwirtschaftlicher Strukturen und altertümlicher Produktionsformen entspricht die wirtschaftliche Entwicklung in keiner Weise der des Bevölkerungswachstums.[60]

Trotz dünner Besiedlung stellt sich das nördliche Emsland zu diesem Zeitpunkt, gemessen an seinen agrarwirtschaftlichen Ressourcen und angesichts der immer bedrohlicher werdenden ökologischen Situation, bereits als eine überbevölkerte Landschaft dar.[61]

Franz Bölsker-Schlicht geht sogar so weit und vergleicht die damaligen demographischen und sozioökonomischen Verhältnisse des Emslandes mit denen, die heutzutage in sog. Entwicklungsländern vorzufinden sind.[62]

Aus dem Zusammenwirken der geschilderten ökologischen Zu- bzw. Mißstände und der enormen, seit der Mitte des 17. Jahrhunderts anhaltenden Zunahme der Bevölkerung resultiert unweigerlich ein wachsender sozialer Druck, der mit einer gravierenden Vermehrung unterbäuerlicher Sozialgruppen wie Köttern, Brinksitzern und Heuerleuten in Erscheinung tritt.[63] So macht beispielsweise die Zahl der Heuerleute zur Zeit der Gründung Rütenbrocks ungefähr die Hälfte der gesamten Bevölkerung des Emslandes aus.[64]

Die besitzslosen Heuerlinge sind innerhalb der unterbäuerlichen Schichten als die am ärgsten betroffene Gruppe des in diesem Gebiet vorherrschenden Anerbenrechtes anzusehen. Hatte man anfangs noch versucht, den Bevölkerungsüberschuß durch die Bildung neuer kleiner Hofstellen aufzufangen, so ist aufgrund des ohnehin begrenzten Acker- und Weidelandes und der extensiven Wirtschaftsweise eine Einrichtung zusätzlicher Kleinbauernstellen bereits gegen Ende des 17. Jahrhunderts kaum mehr möglich. Eine Abwanderung der Heuerleute in die drei einzigen umliegenden kleinen Städte Meppen, Haselünne und Lingen ist kaum möglich, da viele der Stadtbewohner selbst in großer Armut leben und deshalb als sog. Ackerbürger Landwirtschaft betreiben.[65]

Bedingt durch die fortschreitende Verarmung der Böden und die stetige Zunahme der Bevölkerung, sind die ländlichen Bewohner mehr und mehr auf einen Nebenerwerb angewiesen, denn Ackerbau und Viehzucht reichen als Subsistenzgrundlage nicht mehr aus. Im Zuge dieser Entwicklung gewannen die Bienenzucht, die Herstellung und der Verkauf von Wollprodukten sowie von Wachs und Honig immer mehr an Bedeutung innerhalb der ländlichen Wirtschaft.[66]

In welchem Ausmaß die Wollverarbeitung den Arbeitsalltag der Geestbewohner bestimmt, verdeutlicht folgender Auszug aus einem um 1780 verfaßten Brief des bereits erwähnten Leutnants Flensberg, der acht Jahre später eine entscheidende Rolle bei der Gründung der emsländischen Moorkolonien spielt:

„Alles strickt hier, was nur Hände hat, Bauer und Bauerinn, Kinder, Knecht und Magd vom fünften Jahr des Alters bis ins Grab. So wie die arbeiten, die den Acker betreffen, freie Musse geben, sitzt alles beim Feuer, oder im Schatten zum Stricken. Der Knecht strickt hinter dem Mistwagen, unterwegs, wenn er zum Acker, zur Wiese oder sonst übers Land geht: so die Magd, so alle Hausgenossen; der Schäfer den ganzen Tag hinter den Schafen; und man findet selten hier den Landmann auch über Weges ohne Strickzeug [...]“.[67]

Wer als besitzloser Heuerling nicht in der Lage ist, das Land zu verlassen, hat kaum eine andere Wahl, als seinen Lebensunterhalt auf einem der ansässigen Bauernhöfe zu verdienen. Dazu muß er ein Pacht- und Arbeitsverhältnis, basierend auf einem Heuerkontrakt, eingehen und sich dazu verpflichten, als Gegenleistung für die Nutzung von Haus, Acker und Garten zum einen eine gewisse Pachtsumme an den verpachtenden Bauern zu zahlen und zum anderen Arbeiten auf dessen Hof zu verrichten.[68]

Walter Bien geht davon aus, daß das Heuerlingswesen im wesentlichen in den ärmeren Gegenden mit besonders ungünstigen Bodenverhältnissen wie beispielsweise in Nordwestdeutschland und im westfälisch-lippischen Raum begründet wurde, während es auf besseren Böden wie beispielsweise in Marsch- und Zuckerrübenanbaugebieten niemals zu dessen Verbreitung kam.[69]

Doch ein großer Teil der emsländischen Heuerleute kann sich von der gepachteten kleinen Heuerstelle nicht ernähren. Selbst die von vielen Bauern bewilligte Mitbenutzung der Markengründe trägt nicht zu einer Verbesserung ihrer Situation bei.[70] Sie führt letztlich nur zu einer Beschleunigung der ehedem weit fortgeschrittenen Landverödung. Daher entwickeln sich das erwähnte, unter den Bauern bereits übliche Stricken sowie die Saisonarbeit in den Niederlanden, die sog. Hollandgängerei, ebenfalls unter den Heuerleuten zu den wichtigsten Nebenerwerbsquellen.[71] Gestrickt werden vor allem Strümpfe, die später von Strumpfhändlern vornehmlich nach Holland und Ostfriesland verkauft werden.[72]

Für ein bis drei Monate im Jahr arbeiten zahlreiche der Heuerlinge als Hollandgänger in den benachbarten holländischen Fehnkolonien. Dort verdingen sie sich, nicht selten bis zu sechszehn Stunden am Tag als Grasmäher und Torfgräber. Häufig ermöglicht erst der hart erarbeitete Verdienst dieser Saisonarbeit die Bezahlung der an den Bauern zu entrichtenden Pachtsumme.[73]

Bauern und Besitzlose der Geest sind, wenn auch in unterschiedlichem Maße, auf den Nebenerwerb angewiesen. Ein Prozeß, der sich in den Moorkolonien fortsetzt. Im Jahre 1802 gehen beispielsweise von den 462 Einwohnern Rütenbrocks ca. 20% der Hollandgängerei nach. Das entspricht der Mehrheit der in Rütenbrock lebenden arbeitsfähigen erwachsenen Männern, so daß während ihrer Abwesenheit Frauen und Kinder sämtliche anfallende Arbeiten übernehmen müssen.[74]

An dieser Stelle drängt sich die Frage auf, weshalb in den Niederlanden ein großer Bedarf an Arbeitskräften besteht, obwohl sich die dortigen naturräumlichen Bedingungen ursprünglich nur unwesentlich von den emsländischen unterscheiden.

Auf der anderen Seite des Bourtanger Moores: Fehnkolonisation statt Brandkultur

Bereits im 16. Jahrhundert wird in den Niederlanden die Moorbrandkultur durch die -Fehnkultur ersetzt. Die Anwendung dieses weitaus kapital- und arbeitsintensiveren Kultivierungsverfahrens in den darauffolgenden Jahrhunderten ist maßgeblich auf den zunehmenden niederländischen Welthandel zur See zurückzuführen, der mit einer enormen Kapitalakkumulation in großen Städten wie beispielsweise Groningen einhergeht. Durch das Wachstum der städtischen Gewerbe, die Errichtung großer Ziegelbrennereien etc., kommt es zu einem steigenden Energiebedarf. Der Abbau des Brennstoffes Torf gewinnt mehr und mehr an Bedeutung. Daraufhin beginnen finanzkräftige niederländische Unternehmer, große Moorflächen aufzukaufen, Kanäle zu deren Entwässerung zu bauen, die gleichzeitig zur Schiffahrt genutzt werden können.[75] Im Großen und Ganzen obliegt die Moorverwertung in den Niederlanden einem privaten Unternehmertum, das durch eine straffe Organisation in Form systematischer Arbeitsteilung die wirtschaftliche und soziale Entwicklung der Fehnkolonien erfolgreich vorantreibt.

Wenn wir nun den Blick von den wahrlich prosperierenden niederländischen Moorgebieten zurück zum nördlichen Emsland wenden, dann offenbart sich einmal mehr die sozioökonomische Rückständigkeit dieses Territoriums, gegen die vom fürstbischöflichen Landesherren bis weit ins 18. Jahrhundert hinein keine nennenswerte Abhilfe erfolgt.

Staatliche Motive der Kolonisation unter dem Druck bäuerlicher Unbeugsamkeit

Obgleich mit der Gründung der Fehnkolonie Papenburg zu Beginn des 17. Jahrhunderts ein erster Versuch unternommen wird, den Siedlungsraum in die Moore hinein zu erweitern, setzt erst mit der Gründung der Moorkolonien im Jahre 1788 ein Prozeß ein, der den anhaltenden Bevölkerungsdruck wenigstens etwas abzumildern vermag.[76]

Die staatlichen Intentionen, die letztlich zur Gründung der Moorkolonien im Bourtanger Moor führen, stehen auf den ersten Blick ganz im Zeichen merkantilistischer Staatswirtschaftspolitik. So könnte man annehmen, daß hier durch Schaffung zusätzlicher Siedlerstellen und Anbauflächen (Binnenkolonisation) eine angestrebte Verbesserung der Lebenssituation bäuerlicher, vor allem aber unterbäuerlicher Schichten verfolgt wird, welche letztlich mit der Intensivierung der Landwirtschaft und einer allgemeinen Produktivitätssteigerung zugunsten des gesamten Staates einhergeht.[77]

Bölsker-Schlicht, der übrigens gebürtiger Emsländer ist, hebt in diesem Zusammenhang neben dem grenzstabilisierenden Aspekt vor allem die merkantilistisch geprägten wirtschaftlichen und sozialen Beweggründe des münsterschen Fürstbischofs hervor. Nach seiner Auffassung dient die staatliche Besiedlungspolitik in erster Linie dazu, neue Existenzgrundlagen für die vielen besitzlosen Familien zu schaffen und zugleich eines der umfangreichsten Moorgebiete Norddeutschlands zu kultivieren.[78]

Heinz-Günther Borck, über dessen Herkunft uns leider nichts bekannt ist, sieht dagegen in der staatlich geförderten Besiedlung der Moorregionen vor allem staatspolitische Interessen des Landesherren verwirklicht, da nach seiner Auffassung primär die Grenzsicherung zu den Niederlanden die Wahl der Ansiedlungsorte bestimmt. Aufgrund der Zweitrangigkeit wirtschafts- und siedlungspolitischer Überlegungen bewertet Borck im Gegensatz zu Bölsker-Schlicht die Erfolge der Besiedlungspolitik im nördlichen Emsland, verglichen mit der Entwicklung in den Niederlanden, als verhältnismäßig bescheiden.[79]

Als Teil des bedeutenden Fürstentums Münster, eines der größten Staaten Nordwestdeutschlands[80], ist dem Niederstift natürlich an der Sicherung und Erhaltung des Territoriums gelegen. Doch erst mit der Unterzeichnung der Grenzscheidungskarte im Rahmen der 1784/85 stattfindenden Grenzverhandlungen beschließt man in Münster, den holländischen Gebietsansprüchen durch Ansiedlung von Kolonisten endgültig ein Ende zu setzen. Tatsächlich in Angriff genommen werden grenzstabilisierende Maßnahmen jedoch erst im Jahre 1788 mit der Gründung der bereits erwähnten vierzehn Moorkolonien.

Anläßlich der Grenzverhandlungen läßt der münstersche Minister Freiherr von Fürstenberg im Auftrag der Regierung noch im selben Jahr die Vermessung der Landesgrenze, unter anderen unter Leitung des Offiziers Flensberg, sowie die Erstellung eines Gutachtens über die wirtschaftliche Lage und eventuelle Siedlungsmöglichkeiten im Bourtanger Moor vornehmen. Jenes Gutachten sieht ursprünglich die Anlage von Kolonien auf Sandrücken am Übergang von Moor und Heide vor, wobei die Moorflächen nach Trockenlegung als Grünflächen genutzt werden sollen. Um eine effektive Moorbrandkultur zu erreichen, sollen die Plaazen der zukünftigen Siedler sechs- bis achtmal so groß wie die gewöhnlichen Plaazen sein.[81]

Kaum verwunderlich, daß die empfohlene Größe der Plaazen, vor allem wegen der damit verbundenen Einschränkung der Markennutzung, bei den Altgemeinden auf Ablehnung stößt. Indem jedoch die mit der Kolonisation beauftragte Kommission zunächst einmal versucht, sich über die Rechte der Markgenossen hinwegzusetzen, provoziert sie deren offenen Widerstand, der mit dem Beschluß, die Plaazen der Kolonisten zu verkleinern, vorerst beschwichtigt werden kann. Diese Entscheidung wird sich allerdings als folgenschwer für die Zukunft der Neusiedler erweisen, denn mit einer Verkleinerung der Plaazen entzieht man ihnen von vorn herein die wirtschaftliche Existenzgrundlage[82] - ihre Verarmung ist vorprogrammiert.

Trotz der Zugeständnisse der staatlichen Kommission dauert der Widerstand der Gemeinden an und erzwingt schließlich die gänzliche Verlagerung der Neuansiedlungen in das Moor.[83] Die Nachgiebigkeit der Kommission ist mit großer Wahrscheinlichkeit auf die Furcht der münsterschen Regierung vor einem Eingreifen der Reichsgerichte zurückzuführen, da ein Urteil zugunsten der Markenberechtigten im äußersten Fall vielleicht zu einer gesamten Verhinderung der Kolonisationpläne hätte führen können.[84]0

Eine weitere Ursache für die Kompromißbereitschaft der Regierung ist sicherlich in den vorherrschenden Standesbeziehungen innerhalb des Niederstiftes Münster zu suchen:

Da sich ein großer Anteil der bäuerlichen Bevölkerung seit geraumer Zeit aus den alten grundherrlichen Bindungen befreit hat, ist der Antagonismus zwischen Adel und Bauern nur gering ausgeprägt. Vielmehr ist es das Verhältnis zwischen Bauern und Heuerleuten, welches mehr und mehr zu sozialen Spannungen führt.[85]

Im Zuge der sich anbahnenden gesellschaftlichen Strukturveränderungen erweist sich das feudale System in immer stärkerem Maße als unfähig, dem Notstand unter der Bevölkerung wirksam entgegenzutreten; ist es doch selbst die eigentliche Ursache für die vorhandenen Mißstände.

So leitet der Staat den einmaligen Kolonisationsakt von 1788 lediglich ein, indem er mit der Vergabe von Plaazen und der Gewährung einer zehnjährigen Steuerbefreiung die rechtlichen Voraussetzungen zur Besiedlung des Bourtanger Moores schafft.[86] Eine staatliche Hilfe für den tatsächlichen Auf- und Ausbau der Kolonien gibt es jedoch nicht. Die gesamte Last der Erschließungsarbeiten wird allein den mittellosen Kolonisten überlassen.[87]

Aufgrund dieser Tatsache scheint uns die Argumentation Borcks, der vor allem staatspolitische Interessen in den Vordergrund des fürstbischöflichen Handelns stellt, der tatsächlichen Intention des Landesherren am ehesten gerecht zu werden. Dagegen kann nach unserer Auffassung der von Herrn Bölsker-Schlicht betonten Hochschätzung wirtschaftlicher und sozialer Leistungen des Fürstbischofs Maximilian Franz[88] bezüglich der weiteren Entwicklung der Moorkolonisation nur sehr begrenzt zugestimmt werden.

Motivation und Herkunft der Moorkolonisten

Zu fragen wird nun sein, welchen charakteristischen Einfluß der Lebensraum auf das Dasein der Rütenbrocker Moorsiedler im 18. Jahrhundert hat. Wie einführend bereits erläutert wurde, ist Leben und Arbeiten der Moorker auf die landwirtschaftliche Produktion ausgerichtet. Auch aus diesem Grunde bietet es sich an, einen Vergleich zu den sozioökonomischen Verhältnissen der Geestbevölkerung in die Überlegungen einzubeziehen. Jedoch sind die sozioökonomischen Verhältnisse weder der Geest noch der Moorkolonie einzig von regionalen und naturräumlichen Spezifika geprägt, sondern stehen, wie sich bereits mehrfach andeutete, gleichermaßen unter dem Einfluß typischer Entwicklungen für die deutschen Territorien im ausgehenden 18. Jahrhundert überhaupt. Neben erkennbaren Unterschieden sind daher auch Übereinstimmungen sowie enge Verflechtungen zwischen den Verhältnissen in Moor und Geest zu erwarten.

Der Erwerb einer Plaaze als notwendige Basis für die Gründung eines eigenen Haushaltes scheidet für die Siedler als Motiv der Ansiedlung im Moor aus, da sich unter den ersten Siedlern auch kinderreiche Familien befunden haben sollen.[89] Mag zwar den Siedlern die Moorbearbeitung, wie es bei Gröninger heißt, unbekannt[90], die Moorkultivierung im 18. Jahrhundert in der Tat noch in einer eher experimentellen Phase gewesen sein[91], dürften die Siedler doch annähernd gewußt haben, daß die Ansiedlung im Moor ein durchaus gewagtes Unterfangen war.

Es sind vielleicht zwei Phänomene, die sich hier bemerkbar machen. Zum einen kann die Ansiedlung in einem Naturraum wie dem Moor als Anzeichen gewertet werden, daß das soziale Gefüge im Emsland ebenso wie in vielen anderen Territorien im 18. Jahrhundert, oben am Beispiel der Entstehung des Heuerlingswesen geschildert, bereits stark in Bewegung geraten ist.

Neben den Zwängen der Existenzsicherung könnte sich hier aber auch ein traditionell geprägtes Bewußtsein zeigen, das am Ständegefüge festhält und daher auf den Eintritt in den Stand und Status des Bauern ausgerichtet ist.[92] Vor dem Hintergrund, daß der Heuerling eine Zwischenstellung zwischen Knecht und Pächter einnimmt, könnte die Ansiedlung verbunden mit einer gesellschaftlichen Anschauung, die nicht Armut, sondern Abhängigkeit als unehrenhaft betrachtete[93], auch in dieser Weise eine gewisse Anziehungskraft ausgeübt haben.

Ungeachtet der zu erwartenden enormen Schwierigkeiten weckt das Kolonisationvorhaben des Fürstbischofs große Hoffnungen bei der besitzlosen Landbevölkerung. Bauer Heinrich Blanke schreibt dazu:

"So kamen die Siedler mit wenigen Ausnahmen aus ferneren Gegenden des Vaterlandes, und man sagt, sie seien aus sieben der verschiedenen Gegenden gekommen: aus dem Münsterland, Alt-Hannover, Hildesheim, Paderborn und sogar aus Holland und Brabant. Familie um Familie kamen angezogen, und es schien den alten Bewohnern des Emslandes, als ob eine Völkerwanderung eingesetzt habe. Doch viele kamen nur bis an den Rand des Moores. Aus Not und kümmerlichem Leben waren sie in der frohen Hoffnung weggegangen, bald einen großen Acker und wohlbestallten Hof ihr eigen nennen zu können. Beim Anblick des Moores verließ sie aber der Mut, und enttäuscht kehrten sie um. Und nur die Familien, die zu jedem Opfer und jeder entsagungsvollen Arbeit entschlossen waren, blieben. [...] Nur mit wenig Hab und Gut - und einer großen Schar Kinder - im buchstäblichen Sinne des Wortes arm, begannen die ersten Kolonisten ihr neues Leben. Da gings hart her. Da war keine Sippe und keine Gemeinschaft. Jeder sprach einen anderen Dialekt."[94]

Neuere Forschungen haben jedoch ergeben, daß die hier gemachten Angaben zur Herkunft der Neusiedler korrigiert werden müssen. Anhand von Besiedlungsprotokollen und Kirchenbüchern ist nachzuweisen, daß es sich bei den Siedlern, bis auf wenige Ausnahmen, größtenteils um emsländische Familien handelt. Vermutlich sind es die Namen einiger weniger "Fremder" gewesen, die dazu geführt haben, von überwiegend überregionalen Zuwanderern zu sprechen.[95]

Die Rütenbrocker Moorker

Grundlage der Informationen über Leben und Arbeit der Rütenbrocker Kolonisten sind nicht nur im Rahmen dieser Arbeit zumeist die Werke des Heimatchronisten Hermann Gröninger aus Lindloh. Im Vorwort seiner Schrift: "Aus der Geschichte emsländischer Moorkolonien"[96] bemerkt der Autor, sich an mögliche Kritiker wendend, daß sein "Büchlein" keinen Anspruch auf Wissenschaftlichkeit erhebe.[97] Möglicherweise liegt hier die Ursache für seine häufig wenig präzisen Zeitangaben, wodurch uns die Einordnung vieler seiner Angaben in das 18. Jahrhundert teilweise zu heftigen Spekulationen zwingt.

Armut scheint denn auch unter den ersten Rütenbrocker Siedlern, deren Ankunft Hermann Gröninger mit bewegten Worten bildhaft vor Augen führt, die Regel, die Grundausstattung mit Lebensmitteln und Gerätschaften nur notdürftig gewesen zu sein.[98] Vor Ort erwartet die Siedler nichts weiter als eine schlecht ausgepflockte Plaaze.[99] Ohne große finanzielle Reserven und völlig auf sich selbst gestellt in einem Gebiet ansässig zu werden, das noch in keiner Weise erschlossen ist, ist ganz abgesehen von den im Moor herrschenden naturräumlichen Bedingungen sicherlich kein kleines Wagnis.

Kein Weg - kein Steg

Bereits beim Transport der Habseligkeiten zur erworbenen Plaaze macht sich ein das Leben im Moor prägendes Handikap bemerkbar. Da man nicht ohne weiteres mit Gespannen oder ähnlichen Transportmitteln in das Moor hineinfahren kann, sind die Siedler gezwungen, ihre Besitztümer selbst zu tragen.[100] Haben die Geestbauern gegen die Bodenerosion und den daraus resultierenden Sandverwehungen zu kämpfen, so bereitete hier Nässe und Grundlosigkeit Probleme.

Die Unwegsamkeit des Untergrundes erschwert jegliche Fortbewegung im Moor. Zu Fuß ist spezielles Schuhwerk, "breite, platte Holzschuhe", erforderlich, um sich vor der Nässe und vor allem vor dem Einsinken zu schützen.[101] Gröninger erwähnt, man habe sich mit Hilfe von Brettern unter den Füßen fortbewegt.[102] Auch das Springen von "Bült zu Bült" mit der Unterstützung eines Stabes, dem "Pulsstock", konnte auf dem Weg in benachbarte Ortschaften zum Kirchgang oder dem Einkauf der benötigten Lebensmittel unvermeidlich sein.[103]

Pferde, sofern überhaupt vorhanden, müssen im Gespann ebenfalls mit "Pferdeholzschuhen" versehen werden, um durch die vergrößerte Trittfläche ein zu starkes Einsinken zu verhindern. Trotzdem sind die Fuhrwerke bei zu starker Nässe nur unter Mühen überhaupt vorwärts zu bringen und bleiben häufig stecken.[104] Gröningers Bericht ist zu entnehmen, daß die "berüchtigten Pferdeholzschuhe" zu seinen Lebzeiten noch teilweise in Gebrauch waren.[105] Mit dieser Bemerkung wird nicht nur deutlich, daß die Unwegsamkeit des Moores ein dauerhaftes Problem der Kolonisten war. Berüchtigt waren die Pferdeholzschuhe, weil sich die Pferde durch das Tragen dieser "Schuhe" häufig Verletzungen zuzogen, die ihren Einsatz wirkungsvoll verhindern konnten.

Daß die Infrastruktur im gesamten Niederstift Münster im 18. Jahrhundert noch mangelhaft und im emsländischen Bereich des Bourtanger Moores wegen der fehlenden Transportverbindungen eine Verfehnung nicht möglich ist, wurde bereits erläutert. Erkennbar wird nun der erhebliche Einfluß, der die Unwegsamkeit des Moores auch auf die landwirtschaftliche Produktion der Moorker haben muß, die nicht unwesentlich von der Zugänglichkeit der bearbeiteten Flächen sowie der Anbindung an Märkte abhängt.

Die Wohnverhältnisse

Probleme bereitet der Untergrund auch beim Bau einer Unterkunft. Wegen der großen Nässe mancher Plaazen kann es ausgesprochen schwierig sein, überhaupt einen geeigneten Bauplatz zu finden. Aus Birkensparren, Plaggen und Erdschschollen werden innerhalb eines Tages zunächst einfache Hütten gebaut. Diese Hütten bestehen meist aus einem einzigen Raum, der in den Wohn-, Schlaf- und Kochbereich sowie den Bereich für die Stallung der Tiere unterteilt ist. Gekocht wird auf einer offenen Herdstelle, deren Rauch durch die Ritzen zwischen den Erdschollen abzieht, da kein Schornstein vorhanden ist. Das Wasser macht jedoch vor den Behausungen nicht halt. Auch in Rütenbrock erzählt man die Geschichte von den nächtens am Bett vorbeischwimmenden Holzschuhen.[106]

   Bild: Plaggenhütte einer Siedlerfamilie in Bucksande, Nordloh, 1913 (Hermann Kaiser, Materialien zur Volkskultur nordwestliches Niedersachsen, Heft 8, S. 19, 1982) - (c) Museumsdorf Cloppenburg

Sofern die wirtschaftliche Lage es erlaubt, werden die Hütten durch größere und festere Häuser ersetzt. Aus finanziellen Gründen kaufen die Siedler häufig ältere Häuser oder Scheunen in den umliegenden Ortschaften, um sie auf der Plaaze wieder aufzubauen.[107] Nicht nur aus diesem Grunde ist anzunehmen, daß sich die Häuser in den Moorsiedlungen nicht wesentlich von denen der Geest unterscheiden, da es durchaus schlüssig ist, weiterhin zu vermuten, daß sich die Siedler schon aufgrund ihrer Herkunft und ihrer agrarisch ausgerichteten Produktion an der im Niederstift üblichen ländlichen Bauweise orientieren.

Verbreitet ist im gesamten Bereich zwischen Weser und Ems zum Teil bis weit in das 19. Jahrhundert hinein das sog. Rauchhaus, das seinen Namen dem nicht vorhandenen Kamin als Rauchabzug verdankt. Der vom Herdfeuer aufsteigende Rauch dringt durch das Dach nach außen.[108] Unter anderem haben die angeblich starke Rauchentwicklung in diesen Häusern, die niedrigen Innentemperaturen in der kalten Jahreszeit sowie die übliche Wohngemeinschaft von Mensch und Tier den aufgeklärten Zeitgenossen, die Vorteile dieser Bauweise oft außer Acht lassend, immer wieder Anlaß zu manchmal beißender Kritik gegeben[109], wie die Papenburger Bemerkungen im ersten Kapitel hinlänglich deutlich machen. Untersuchungen haben inzwischen ergeben, daß die im Winter zu erreichenden Innentemperaturen der Rauchhäuser in der Tat nicht annähernd mit heute üblichen Wohntemperaturen zu vergleichen sind.[110] Die Rauchbelästigung wird nicht gar so groß gewesen sein. Vorteile der aufsteigenden Wärme und des Rauches dagegen sind zum Beispiel die Nachtrocknung des unter dem Dach gelagerten Getreides.[111]

   Bild: Herdstelle, Hof Drees - Aufnahme um 1940 (Hermann Kaiser, Materialien zur Volkskultur nordwestliches Niedersachsen, Heft 2, S. 118, 1980) - (c) Museumsdorf Cloppenburg

Informationen, die ein wenig detaillierter über die Wohnverhältnisse und die Entwicklung des Lebensstandards, etwa darüber, wieviel Siedler wann in der Lage waren, die Hütte durch ein Haus zu ersetzen, Auskunft geben, liegen nicht vor. Da sich mit dem Begriff des Rauchhauses mehr ein Bauprinzip als ein bestimmter Lebensstandard zu verbinden scheint[112], können wohl auch die Hütten der Rütenbrocker Siedler, wie sie oben beschrieben sind, diesem Prinzip zugeordnet werden.

Der Ackerbau und Brandkultur

Nachdem der Bau einer Behausung vollbracht ist, gilt es nun, sich einer weitaus größeren Herausforderung zu stellen: dem Ackerbau.

Hinsichtlich der in den Moorkolonien angewandten Methode des Ackerbaues offenbart sich ein wesentlicher Unterschied zu der in der Geest üblichen Praxis. Wird in der Geest auf der Grundlage der Plaggendüngung vorwiegend Roggen und Hafer angebaut, so ist man in den Moorkolonien nahezu ausschließlich auf Moorbrandkultur und Buchweizenanbau angewiesen.[113]

Nach oberflächlicher Moorentwässerung durch kleine Gräben (Grüppen), wird der Boden im Herbst ca. dreißig cm tief umgehackt. Auf die nochmalige Auflockerung folgt bis zum 31. Mai das Abbrennen der oberen Moorschicht.[114] Die Aussaat des Buchweizens erfolgt unverzüglich in die noch warme Torfasche, die gleichzeitig als Dünger dient.[115] Nach der Blüte im August kann im September geerntet werden. Begeistert schreibt Gröninger:

"[...] In die Asche streute man den Buchweizen und derselbe gedieh herrlich. Weithin leuchteten die weißen Blüten des Buchweizens."[116]

Gar so herrlich wird es dagegen nicht immer gewesen sein. Gilt doch ein Hochmoor ohnehin als frostempfindlich, so ist der entwässerte und bearbeitete Moorboden noch anfälliger für Spät- und Bodenfröste. Für das im Bourtanger Moor linksemsisch gelegene Schöningsdorf wird die mittlere Dauer der frostfreien Periode mit spärlichen 72 Tagen angegeben.[117] Dabei kommt es nicht selten vor, daß extrem frühe und späte Fröste zu schwerwiegenden Ernteverlusten, des ebenfalls äußerst kälteempfindlichen Buchweizens führen. Darüber hinaus streut dieser bei Wind und Trockenheit überaus stark, daß die Ernte nicht selten zwischen elf und sechszehn Uhr unterbrochen werden muß.[118] Wie sehr das Wetter in Gestalt von Frösten, Hagelschlag, extremer Dürre- oder Regenperioden über den alljährlichen Ernteerfolg entscheidet[119], verdeutlicht die im Moor verbreitete Weisheit, "Buchweizensaat und Weiberrat gedeihen alle sieben Jahr"[120], auf recht anschauliche Art und Weise.

Verhängnisvoller noch wirkt sich für die Moorker die Anwendung der Moorbrandkultur aus. Das Abbrennverfahren läßt sich nur sechs- bis achtmal wiederholen. Danach ist der Boden für die Dauer von zwanzig bis vierzig Jahren erschöpft. So verwundert es denn kaum, daß um 1800 die auf der reinen Moorbrandkultur beruhende wirtschaftliche Basis immer schmaler wird. Dieser extensive Raubbau sowie die ehedem zu knapp bemessene Größe der Plaazen setzen einer Ausdehnung der Moorbrandkultur unwiderrufliche Grenzen.[121]

Die bereits erwähnte Hollandgängerei vieler Rütenbrocker ist letztlich nichts anderes als Ausdruck der Schwäche dieser ländlichen Wirtschaftsstruktur. Eine Symptomatik, die in ihren Modifikationen gleichwohl für das gesamte Emsland gültig ist.[122]

Die entscheidenden Ursachen für die beinah schicksalhafte Verarmung der Neubauern können an dieser Stelle wie folgt zusammengefaßt werden: Die fehnkoloniale Wirtschaftsform scheidet wegen ungenügender Anbindung an Verkehrswege zu Land wie zu Wasser und der fehlenden Handelsmärkte von vornherein aus.[123] Zustände, die dem Absatz agrarischer Produkte ebenfalls nicht dienlich sein können. Neben den Nachteilen der Moorbrandkultur ist es die allumfassende Mittellosigkeit der Siedler, die fehlende Unterstützung des Staates und sowie die wirkungsvolle Widerstandstandsfähigkeit der Altgemeinden, die eine gedeihliche Entwicklung der Moorkolonien langfristig verhindern.[124]

Insgesamt gesehen haben die Kolonisten also keine andere Wahl, als Moorker zu werden[125], wenn sie den just erworbenen Grund und Boden weiterhin ihr Eigentum nennen wollen. Die Hartnäckigkeit, mit der viele Siedler auf ihrer Plaaze trotz aller Widrigkeiten ausharren, erhärtet unsere vorab geäußerte Vermutung, daß die Ansiedlung im Moor gleichermaßen Ausdruck für den angestrebten sozialen Aufstieg in den Bauernstand ist.

Abgesehen von den Schwierigkeiten einer zeitlichen Zuordnung der Beschreibungen Gröningers, scheint er, mitgerissen von Begeisterung und Stolz auf das Erreichte, einer eher emotional-euphemistischen Darstellungsweise der kolonialen Lebensverhältnisse zugeneigt zu sein.

"So, aus den vorstehenden Reden und Erzählungen unserer Bekannten, haben wir schon vieles über den Zustand der Kolonisten vernommen. Und die Wahrheit hatten sie gesprochen. Es ging den Kolonisten gut, ja durchgehends sehr gut. Das jungfräuliche Moor eignete sich ganz vorzüglich zum Buchweizenbau. Wäre es magerer Sandboden gewesen, hätten die meisten wieder abziehen müssen. [...] Schon bald verschwand die armselige Gestalt der Kolonien. Die Plaggenhütten verwandelten sich in bequeme Wohnungen. Das Aufblühen der Kolonien übertraf bald nach der Anlage die größten Hoffnungen."[126]

Größer kann der Gegensatz zu der oben geschilderten prekären Ausgangslage der Siedler und dem heiklen Fortgang der kolonialen Entwicklung kaum sein. Träfen seine Schilderungen der gesundheitlichen Verfassung der Rütenbrocker zu, so wären auch sie eine positive und wahrlich seltene Ausnahme.

Die gesundheitlichen Verhältnisse

Hermann Gröninger betont, trotz der einfachen Ernährung, die im wesentlichen aus Brot, Brei, Pfannkuchen und Kartoffeln bestanden habe, seien die Leute sehr kräftig und gesund gewesen.[127] An anderer Stelle heißt es:

"Mehrere zwischen 80 und 90 Jahre alte Personen, die damals als kleine Kinder mit eingewandert waren, sahen wir fast jeden Sonntag zu Fuß den eine Stunde langen Weg von Lindloh zur Kirche machen. Dabei rühmten sie sich, noch niemals krank gewesen zu sein, wenigstens noch niemals Medizin gebraucht zu haben."[128]

Auch Blanke weist nachdrücklich auf das im allgemeinen hohe erreichte Lebensalter der Kolonisten hin.[129] Ein anderer Autor hebt jedoch hervor, daß die Bauern- und Heuerhäuser Brutstätten der Tuberkulose gewesen seien.[130] Ob sich nun die Moorkolonisten tatsächlich durch eine besonders widerstandsfähige Konstitution auszeichnen?

Die gesundheitlichen Verhältnisse sind jedenfalls nicht nur im Emsland noch in das 19. Jahrhundert hinein im allgemeinen ungünstig.[131] Am Beispiel des emsländischen Hümmling lassen sich einige charakteristische, noch im 19. Jahrhundert auftretende Probleme kurz aufzeigen. Infektionen aller Art, Epidemien, die als Volksseuche bezeichnete Tuberkulose grassieren und verursachen eine hohe Sterblichkeit. Hygiene, Wohnverhältnisse und Ernährung sind vielfach mangelhaft. Die Säuglingssterblichkeit ist hoch. Auch die durch Pneumokokken verursachte Lungenentzündung führt häufig zum Tod.[132] Es darf bezweifelt werden, daß die Rütenbrocker Moorkolonisten von solchen Verhältnissen gänzlich verschont geblieben sind.

Das Schulwesen

In Bezug auf das Schulwesen nimmt die Rütenbrocker Geschichte ebenfalls keine ausgesprochene Sonderstellung ein. Ist zwar bereits im Ansiedlungsprotokoll eine Schulplaaze bestimmt, so wird in Rütenbrock, wie wohl auch in den meisten der benachbarten Kolonien, erst sieben Jahre nach der Ansiedlung, demnach im Jahre 1796, eine Schule errichtet.[133] Abgesehen davon, daß es in der ersten Zeit in den Moorkolonien vermutlich drängendere Probleme als den Bau einer Schule gegeben hat, drückt sich mit dem Zeitpunkt der Schulgründung selbst im Vergleich zu protestantischen Gebieten keine Rückständigkeit aus.

Wie oben geschildert, setzen die Bemühungen um ein Erziehungs- und Bildungssystems auch des niederen Volkes erst im späten 18. Jahrhundert verstärkt ein.[134] Obwohl in manchen Territorien des Reiches bereits die Schulpflicht eingeführt ist, in Preußen zum Beispiel seit 1717, bleibt es dennoch im 18. Jahrhundert durchweg bei der Proklamation.[135] Man nimmt an, daß um 1800 maximal 50% der Schulpflichtigen in den protestantischen (!) Ländern einigermaßen regelmäßig erfaßt worden sind.[136] In diesem Zusammenhang darf daher immerhin hervorgehoben werden, daß die auch in Hinsicht auf das Bildungssystem bekannte Rückständigkeit katholischer Gebiete[137] für das Rütenbrocker Schulwesen wenigstens nicht gilt.

Die Kinder werden gegen Entrichten eines Schulgeldes nicht nach Alters- oder Lernstufen getrennt, sondern in einer Klasse gemeinsam in den Fächern Religion, Lesen, Schreiben und Rechnen unterrichtet. Der Unterricht findet im Winterhalbjahr vormittags von neun bis zwölf und nachmittags von ein bis vier Uhr statt. Im Sommer dagegen verkürzt sich die Unterrichtszeit auf zwei Stunden, die von ein bis drei Uhr abgehalten werden.[138] Die Einteilung der Unterrichtszeiten weist auf die im 18. Jahrhundert übliche Einbindung auch der Kinder in die ländlichen Arbeiten hin. Da in der arbeitsreichen Sommerzeit auf die Mitarbeit der Kinder nicht verzichtet werden kann, wird vielerorts auf den Unterricht im Sommer sogar gänzlich verzichtet[139], nicht selten scheitert der Schulbesuch ohnehin am Widerstand der Eltern oder der Grundherrren.[140] Die vier Unterrichtsfächer der Rütenbrocker Schule entsprechen ebenfalls den im 18. Jahrhundert allgemein üblichen Lehrplänen ländlicher Schulen.[141] Vielwisserei der unteren Stände ist, wie wir im Zusammenhang mit der Volksaufklärung bereits kurz erläuterten, erklärtermaßen nicht das Ziel dieser Bildungsbewegung des 18. Jahrhunderts, sondern vor allem eine berufs- und standesspezifische Funktionstüchtigkeit.

Ausbildung, Einkommen und Ansehen der Volksschullehrer sind gemeinhin noch auf denkbar niedrigem Niveau. Weder die mangelnde Attraktivität des Berufes noch die meist gänzlich fehlende Ausbildung sind geeignet, die Qualität des Unterrichtes zu heben.[142] Am Beispiel der ersten Lehrer in Rütenbrock und Lindloh deutet sich zumindest an, daß das Schulwesen der Moorkolonien auch in dieser Hinsicht durchaus im allgemeinen Trend liegt. Als erster Lehrer in Rütenbrock wirkt der Sohn des Rütenbrocker Bauern Keuter.[143] Sagt dies zwar nicht viel über seinen Bildungsstand aus, so ist anzunehmen, daß auch der Lehrer Keuter keine spezielle Ausbildung genossen hat. Auch der erste Lindloher Lehrer ist ein Bauernsohn, der bei der Prüfung auf seine Lehrfähigkeit immerhin ein Zeugnis des Ortspfarrers von Wesuwe vorweisen kann.[144] An Attraktivität könnte die Lehrerstelle in Lindloh durch die unter gewissen Auflagen erblich übertragene Schulmeister-Plaaze gewonnen haben.[145]

Religion als Essenz disziplinierter Gemeinschaft

Nicht nur im Vergleich zum Schulwesen wird religiösen Aspekten, schon gemessen an der Quantität der Aussagen, ein ungleich größerer Stellenwert eingeräumt. Die Betonung der enormen Glaubensstärke und fest verankerten Maximen christlicher Tugenden ist ein wesentliches Merkmal der Schriften heimatlicher Autoren, das, ungeachtet ihres jeweiligen Anspruchs, die emsländische Geschichtsschreibung bis heute prägt. Ob Gröninger, Blanke, Wulkotte, Bechtluft oder Bölsker-Schlicht - sie alle stehen, mehr oder weniger sekkant, in der identitätsstiftenden Tradition katholischer Gemeinschaft.

Bei seiner Gründung untersteht Rütenbrock der Pfarrei Wesuwe. Doch die "namenlose Sehnsucht"[146] nach einem nahen Gotteshaus entfesselt, alle vorhandenen Widrigkeiten verachtend, Energien, die bereits 1798 zur schon erwähnten Gründung einer eigenen Pfarrgemeinde führen. In Gröningers Chronik über Ereignisse seit der Gründung der Kolonien wird penibelst datiert und außergewöhnlich detailliert über jedwede kirchliche Angelegenheit Bericht erstattet. Ein Ereignis mit vergleichbarem Nachrichtenwert scheint, nach der Preissteigerung 1847, erst der Ausbruch der Revolution im Jahre 1848 zu sein.[147]

Auch Franz Bölsker-Schlicht widmet einen großen Abschnitt seiner Festrede anläßlich der 200-Jahrfeier Rütenbrocks im Jahre 1988 dem Gottvertrauen, Durchhaltevermögen und Gemeinschaftsgeist seiner Vorfahren.[148] Sicherlich ein Ausdruck dafür, daß die traditionelle Betonung des emsländischen "Wir-Gefühls"[149], in seiner nahezu symbiotischen Beziehung zum katholischen Glauben, an Intensität keineswegs verloren hat.

Als Haupttugenden der Kolonisten werden immer wieder Ordnung, Fleiß und vor allem Sparsamkeit hervorgehoben. Die meisten werden als brave und arbeitsame Menschen charakterisiert.[150] Es läßt sich jedoch nicht darüber hinwegsehen, daß die Entwicklung der Kolonien aufgrund der geschilderten Problematik, aller Mühsal und tugendhafter Beharrlichkeit zum Trotz, nicht den erhofften Gang nimmt.

Mit der hohen Zahl der Auswanderer, unter denen viele Rütenbrocker waren, die in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts nach Amerika oder in die holländischen Fehnkolonien[151] flüchteten, sehen wir unsere Annahme bestätigt, daß von einer anhaltenden Blüte der Moorkolonien nicht die Rede sein kann. Die wirtschaftliche Entwicklung tendiert, wie vermutet, zu einer existentiell bedrohlichen Verarmung, die den Verbleib in dem so "teuren Muffrika" aussichtslos erscheinen läßt.

"Überblicken wir nun noch einmal die zwei Jahrhunderte der Geschichte Rütenbrocks, so entdecken wir Höhen und Tiefen, können aber gleichzeitig feststellen, daß alle Krisen und Notlagen, die die Menschen des Kirchspiels zu erdulden hatten, angefangen mit der überaus schwierigen Ausgangslage der ersten Kolonisten vor 200 Jahren, dank ihres Durchhaltevermögens und ihres Gottvertrauens schließlich überwunden werden konnten. Daher darf ich der Hoffnung Ausdruck geben, daß die Bewohner des Kirchspiels Rütenbrock mit Gottes Hilfe auch künftige Krisen und Prüfungen bewältigen werden."[152]

   (Amen)

== Emsland gut, alles gut Ehe wir unsere bei weitem nicht erschöpfende Skizze emsländischer Geschichtsschreibung beschließen, möchten wir die Ergebnisse unserer Untersuchungen noch einmal resümieren.

Die kritische Betrachtung zeitgenössischer und neuerer Quellen zum nördlichen Emsland des späten 18. und beginnenden 19. Jahrhunderts führt zu der Erkenntnis, daß die überschwengliche Schwarz-Weiß-Malerei fremder und insbesondere heimatlicher Autoren, der Rekonstruktion eines möglichst realitätsnahen Bildes damaliger Zustände wenig dienlich ist. Zweifellos unterliegt jedes literarische Erzeugnis, natürlich auch Hausarbeiten, einer gewissen subjektiven Tendenz. Dennoch geht nach unserem Empfinden die Willkür gerade jüngerer ‘Heimatapologeten’ bei der Selektion und Interpretation von Quellen über ein erträgliches Maß hinaus, indem der opportune Gebrauch eben noch kritisierter Methoden wie beispielsweise die des "Herunterputzens" unbekümmert fortgeführt wird. Insgesamt offenbart sich uns das ungebrochene Festhalten an lokalpatriotisch geprägten Wertvorstellungen als anachronistisch und wenig geeignet, um eigene wie fremde Ressentiments abzubauen.

Bezüglich der Geschehnisse im Rahmen der Moorkolonisation vertreten wir die Auffassung, daß die staatlichen Maßnahmen, weniger der Abhilfe der geschilderten wachsenden sozioökonomischen Notlage unterbäuerlicher Sozialgruppen dienen denn der Verfolgung grenzpolitischer Motive.

Obwohl das Leben im Moor sicherlich in hohem Maße durch den Naturraum beeinflußt wird, sind grundlegende Parallelen bzw. Korrelationen zwischen neu- und geestbäuerlicher Existenz erwartungsgemäß vorhanden. Die ebenfalls vorgefundene Gemeinsamkeit mit so manchen im Heiligen Römischen Reich Deutscher Nation insgesamt anzutreffenden charakteristischen Verhältnissen ländlichen Lebens deutet an, daß eine allzu isolierte Betrachtung regionaler Lebensumstände wenig aufschlußreich ist.

In Anbetracht unserer gewonnenen Erkenntnisse scheint es schlüssig anzunehmen, daß eine negative Einschätzung des Kolonisationsvorhabens zumindest für den hier maßgeblichen Zeitraum gerechtfertigt ist. Maßnahmen, die einen anhaltenden Aufschwung ermöglichen würden, wie beispielsweise die spätere sog. "Deutsche Hochmoorkultur" sowie der Ausbau der Infrastruktur, setzen erst in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts ein.

Zitierte Literatur

  1. Vgl: Winterberg, Arnold, Das Bourtanger Moor. Die Entwicklung des gegenwärtigen Landschaftsbildes und die Ursachen seiner Verschiedenartigkeit beiderseits der deutsch-niederländischen Grenze. Remagen /Rhein 1957, S. 41.
  2. Vgl: Blanke, Heinrich, Emsländische Moorkolonien im Kreise Meppen. Osnabrück 1938, S. 69.
  3. Vgl.: Pardey, Karl, Emsland-Muffrika. In: Jahrbuch des Emsländischen Heimatbundes. Band 31, Sögel 1985, S. 10.
  4. Vgl.: Bechtluft Horst H., Das Emsland als historischer Raum. Kurzer Abriß der Geschichte im Landkreis Emsland von der Jungsteinzeit bis zur Gründung der Emsland GmbH. In: Hugenberg, Gerd, Bechtluft, Horst H., Franke, Werner, Das Emsland. Hannover 1982, S. 38.
  5. Vgl.: Pardey, Karl, Emsland-Muffrika. In: Jahrbuch des Emsländischen Heimatbundes. Band 31, 1985, S. 11-12.
  6. Zitiert nach: Bechtluft Horst H., Das Emsland als historischer Raum. In: Hugenberg, Gerd, Bechtluft, Horst H., Franke, Werner, Das Emsland, 1982, S. 38.
  7. Vgl.: Bechtluft, Das Emsland als historischer Raum. In: Bechtluft, Hugenberg, Franke, Das Emsland, 1982, S. 42.
  8. Ebd., S. 42
  9. Vgl.: Wojak, Andreas, Moordorf. Dichtungen und Wahrheiten über ein ungewöhnliches Dorf in Ostfriesland. Bremen 1992, 36
  10. Ebd.
  11. Vgl.: Wulkotte, Ulf-K., Das Emsland in alten Reiseberichten. Sögel 1978, S. 6.
  12. Vgl.: Hoche, J. G., Reise durch Osnabrück und Niedermünster in das Saterland , Ostfriesland und Gröningen. Bremen 1800, S. 421 ff.. Zitiert nach: Wulkotte, Das Emsland in alten Reiseberichten, 1978, S. 91-92.
  13. Vgl.: Wulkotte, Ulf-K., Das Emsland in alten Reiseberichten, 1978, S. 8.
  14. Vgl.: Seetzen, U. J., Heinemeyer, D. U., Allgemeine geographische Ephemeriden. IV Bds. 3. Stück. September 1799 in Jever. 1. Abhandlungen. 1. Einige Bemerkungen über Papenburg Zitiert nach: Wulkotte, Das Emsland in alten Reiseberichten des 18. und frühen 19. Jahrhunderts, S. 60-61.
  15. Vgl.: Griep, Wolfgang, Reiseliteratur im späten 18. Jahrhundert. In: Grimminger, Rolf (Hrsg.), Hansers Sozialgeschichte der deutschen Literatur vom 16. Jahrhundert bis zur Gegenwart. Band 3. Deutsche Aufklärung bis zur Französischen Revolution 1680-1789. München Wien 21984, S. 740.
  16. Ebd. S. 740.
  17. Ebd., S. 749
  18. Ebd., S.739
  19. Vgl.: Dipper, Deutsche Geschichte 1648-1789. Frankfurt am Main 1991, S. 243.
  20. Vgl.: Griep, Reiseliteratur im späten 18. Jahrhundert. In: Grimminger (Hrsg.), Hansers Sozialgeschichte der deutschen Literatur, Band 3, 2. 1984, S. 744-745.
  21. Vgl.: Wulkotte, Das Emsland in alten Reiseberichten, 1978, S. 77.
  22. Vgl.: Wulkotte, Das Emsland in alten Reiseberichten, 1978, S. 78.
  23. Vgl.: Beutin, Wolfgang, u. a., Deutsche Literaturgeschichte.Von den Anfängen bis zur Gegenwart. Stuttgart 1979, S.120.
  24. Vgl.: Leutnant Flensbergs Brief an Justus Möser. In: Wulkotte, Das Emsland in alten Reiseberichten, 1978, S. 85.
  25. Vgl.: Saltzwedel, Johannes, Das Gesicht der Welt. Physiognomisches Denken in der Goethezeit. München 1993.
  26. Vgl.: Lichtenberg, Georg Christoph, Auszug aus der Satire: Fragment von den Schwänzen. In: Lichtenberg, Georg Christoph, Aphorismen Briefe Satiren. H. Nette (Hrsg.), Düsseldorf /Köln 1962, S. 265-266.
  27. Vgl.: Pütz, Peter, Die deutsche Aufklärung. Darmstadt 41991, S. 76. (= Erträge der Forschung Bd. 81)
  28. Vgl.: Ruppert, Wolfgang, Volksaufklärung im späten 18. Jahrhundert. In: Grimminger, Rolf (Hrsg.), Hansers Sozialgeschichte der deutschen Literatur vom 16. Jahrhundert bis zur Gegenwart. Band 3. Deutsche Aufklärung bis zur Französischen Revolution 1680-1789. München Wien 21984, S. 341.
  29. Vgl.: Ruppert, Volksaufklärung im späten 18. Jahrhundert. In: Grimminger, Rolf (Hrsg.), Hansers Sozialgeschichte der deutschen Literatur, Band 3, 21984, S. 343.
  30. Ebd. S. 347.
  31. Vgl.: Oberschelp, Reinhard, Niedersachsen 1769-1820. Wirtschaft, Gesellschaft, Kultur im Land Hannover und seinen Nachbargebieten . Band 2. Hildesheim 1982, S. 306.
  32. Vgl.: Göttert, K.-H. (Hrsg.), Knigge Adolph Freiherr, Über den Umgang mit Menschen. Stuttgart 1991, S. 324. (=Reclam Universal-Bibliothek Nr.1138)
  33. Vgl.: Ruppert, Volksaufklärung im späten 18. Jahrhundert. In: Grimminger (Hrsg.), Hansers Sozialgeschichte der deutschen Literatur, Band 3, 21984, S. 349.
  34. Vgl.: Dettens, M., Reisebemerkungen über das Niederstift Münster, 1794. Zitiert nach: Wulkotte, Das Emsland in alten Reiseberichten, 1978, S. 40.
  35. Ohne die Debatte über den Grad der Alphabetisierung und den Zusammenhang zwischen Analphabetismus und Kulturlosigkeit hier weiter entfalten zu wollen, sei an dieser Stelle jedoch darauf verwiesen, daß Menschen, die weder lesen noch schreiben können, sehr wohl in der Lage sind, Wissen zu erwerben.
  36. Vgl.: Ruppert, Volksaufklärung im späten 18. Jahrhundert. In: Grimminger (Hrsg.), Hansers Sozialgeschichte der deutschen Literatur, Band 3, 21984, S. 342.
  37. Vgl.: Wehler, Hans-Ulrich, Deutsche Gesellschaftsgeschichte. Erster Band Vom Feudalismus des Alten Reiches bis zur defensiven Modernisierung der Reformära 1700-1815. München 1987, S. 170-174.
  38. Ebd. S. 238.
  39. Vgl.: Dipper, Deutsche Geschichte, 1991, S. 195.
  40. Vgl.: Griep, Reiseliteratur im späten 18. Jahrhundert. In: Grimminger (Hrsg.), Hansers Sozialgeschichte der deutschen Literatur, Band 3, 21984, S. 748.
  41. Vgl.: Dipper, Deutsche Geschichte, 1991, S. 236-237.
  42. Vgl.: Bueren, Das Moor. Ein Gemälde des Niederstiftes. Zitiert nach: Wulkotte, Das Emsland in alten Reiseberichten, 1978, S. 70.
  43. Vgl.: Sauder, Gerhard, Geniekult im Sturm und Drang. In: Grimminger (Hrsg.), Hansers Sozialgeschichte der deutschen Literatur vom 16. Jahrhundert bis zur Gegenwart. Band 3. Deutsche Aufklärung bis zur Französischen Revolution 1680-1789. München Wien 21984, S. 332-334.
  44. Vgl.: Grimminger, Rolf (Hrsg.), Hansers Sozialgeschichte der deutschen Literatur vom 16. Jahrhundert bis zur Gegenwart. Band 3. Deutsche Aufklärung bis zur Französischen Revolution 1680-1789. München Wien 21984, S. 16-17.
  45. Vgl.: Bueren, Das Moor. Ein Gemälde des Niederstiftes. Zitiert nach: Wulkotte, Das Emsland in alten Reiseberichten, 1978, S. 70, 76.
  46. Vgl.: Borck, Heinz-Günther, Die Besiedlung und Kultivierung der Emslandmoore bis zur Gründung der Emsland GmbH. In: Niedersächsisches Jahrbuch für Landesgeschichte. Band 45. Hildesheim 1973, S. 10.
  47. Vgl.: Winterberg, Das Bourtanger Moor, 1957, S. 41.
  48. Vgl.: Bölsker-Schlicht, Franz, 200 Jahre Kirchspiel Rütenbrock. Eine historische Betrachtung anläßlich des Gründungsjubiläums von Rütenbrock, Lindloh und Schwartenberg. In: Rütenbrocker Heimatblatt , Ausg. Nr. 5, Werlte 1989, S. 44.
  49. Vgl.: Borck, Die Besiedlung und Kultivierung der Emslandmoore, 1973, S. 2.
  50. Vgl.: Bölsker-Schlicht, Franz, Bevölkerung und soziale Schichtung im nördlichen Emsland vom 17. bis zum 19. Jahrhundert. In: Emsland/Bentheim Beiträge zur Geschichte. Bd. 10. Sögel 1994, S. 13.
  51. Vgl.: Bölsker-Schlicht, Bevölkerung und soziale Schichtung im nördlichen Emsland vom 17. bis zum 19. Jahrhundert, 1973, S. 19.
  52. Vgl.: Bölsker-Schlicht, 200 Jahre Kirchspiel Rütenbrock, 1989, S. 38.
  53. Vgl.: Borck, Die Besiedlung und Kultivierung der Emslandmoore, 1973, S. 9.
  54. Vgl.: Bölsker-Schlicht, Bevölkerung und soziale Schichtung im nördllichen Emsland vom 17. bis zum 19. Jahrhundert, 1994, S. 14-15.
  55. Vgl.: Bölsker-Schlicht, 200 Jahre Kirchspiel Rütenbrock, 1989, S. 40.
  56. Vgl.: Lemmermann, Holger, Auf dem freien Hümmling. Sögel 1993, S. 132-133.
  57. Vgl.: Bölsker-Schlicht, Bevölkerung und soziale Schichtung im nördlichen Emsland vom 17. bis zum 19. Jahrhundert, 1994, S. 16.
  58. Vgl.: Bölsker-Schlicht, 200 Jahre Kirchspiel Rütenbrock, 1989, S. 39.
  59. Vgl.: Bölsker-Schlicht, Bevölkerung und soziale Schichtung im nördlichen Emsland vom 17. bis zum 19. Jahrhundert, 1994, S. 11.
  60. Vgl.: Bölsker-Schlicht, 200 Jahre Kirchspiel Rütenbrock. 1989, S. 39.
  61. Vgl.: Bölsker-Schlicht, Bevölkerung und soziale Schichtung im nördlichen Emsland vom 17. bis zum 19. Jahrhundert, 1994, S. 16.
  62. Vgl.: Bölsker-Schlicht , 200 Jahre Kirchspiel Rütenbrock, 1989, S. 39.
  63. Vgl.: Bölsker-Schlicht, Bevölkerung und soziale Schichtung im nördlichen Emsland vom 17. bis zum 19. Jahrhundert, 1994, S. 17.
  64. Vgl.: Bölsker-Schlicht, 200 Jahre Kirchspiel Rütenbrock, 1989, S. 42.
  65. Ebd. S. 40.
  66. Ebd. S. 15.
  67. Vgl.: Wulkotte, Das Emsland in alten Reiseberichten, 1978, S. 82f.
  68. Vgl.: Bölsker-Schlicht, Bevölkerung und soziale Schichtung im nördlichen Emsland vom 17. bis zum 19. Jahrhundert, 1994, S. 104.
  69. Vgl.: Bien, Walter, Das Heuerlingswesen im Emsland und seine Beendigung nach dem Zweiten Weltkriege - dargestellt am Beispiel der Gemeinde Stavern. In: Jahrbuch des Emsländischen Heimatbundes. Band 41. Sögel 1995, S. 56.
  70. Vgl.: Bölsker-Schlicht, 200 Jahre Kirchspiel Rütenbrock, 1989, S. 40.
  71. Vgl.: Bölsker-Schlicht, Bevölkerung und soziale Schichtung im nördlichen Emsland vom 17. bis zum 19. Jahrhundert, 1994, S. 17.
  72. Vgl.: Lemmermann, Auf dem freien Hümmling,1993, S. 138.
  73. Vgl.: Bölsker-Schlicht, 200 Jahre Kirchspiel Rütenbrock, 1989, S. 41-42.
  74. Ebd. S. 42-43.
  75. Vgl.: Borck, Die Besiedlung und Kultivierung der Emslandmoore, 1973, S. 3-4.
  76. Vgl.: Bölsker-Schlicht, Bevölkerung und soziale Schichtung im nördlichen Emsland vom 17. bis zum 19. Jahrhundert, 1994, S. 20.
  77. Vgl.: Borck, Die Besiedlung und Kultivierung der Emslandmoore, 1973, S. 8.
  78. Vgl.: Bölsker-Schlicht, 200 Kirchspiel Rütenbrock, 1989, S. 38-39.
  79. Vgl.: Borck, Die Besiedlung und Kultivierung der Emslandmoore, 1973, S. 9.
  80. Vgl.: Bölsker-Schlicht, 200 Kirchspiel Rütenbrock, 1989, S. 38.
  81. Vgl.: Borck, Die Besiedlung und Kultivierung der Emslandmoore, 1973, S. 10.
  82. Ebd. S. 10-11.
  83. Ebd. S. 11.
  84. Ebd. S. 10.
  85. Vgl.: Bölsker-Schlicht, Bevölkerung und soziale Schichtung im nördlichen Emsland vom 17. bis zum 19. Jahrhundert, 1994, S. 18.
  86. Vgl.: Bölsker-Schlicht, 200 Kirchspiel Rütenbrock, 1989, S. 42.
  87. Vgl.: Bölsker-Schlicht, Bevölkerung und soziale Schichtung im nördlichen Emsland vom 17. bis zum 19. Jahrhundert, 1994, S. 11.
  88. Vgl.: Bölsker-Schlicht, 200 Kirchspiel Rütenbrock, 1989, S. 39.
  89. Vgl.: Gröninger, Hermann, Aus der Geschichte emsländischer Moorkolonien, Lingen 1910, (ND Sögel 1982), S. 17.
  90. Ebd. S. 67.
  91. Da u. a. die Erkenntnisse der Bodenchemie erst im 19. Jahrhundert Anwendung fanden, darf von dieser Ausgangslage wohl ausgegangen werden. Vgl.: Hugenberg, Gerd, Eine Landschaft ändert ihr Bild. In: Jahrbuch des Emsländischen Heimatbundes. Band 31. 1985, S. 190.
  92. Vgl.: Dipper, Deutsche Geschichte, 1991, S. 78.
  93. Ebd. S. 162.
  94. Vgl.: Blanke, Emsländische Moorkolonien im Kreise Meppen , 1938, S. 69.
  95. Vgl.: Menke, Heinz, Woher kamen unsere Vorfahren vor 200 Jahren? In: Quellen und Forschungen zur Geschichte Rütenbrocks. Band 1. Werlte 1988, S.12-13.
  96. Vgl.: Gröninger, Aus der Geschichte emsländischer Moorkolonien, 1910.
  97. Ebd. S. 3.
  98. Ebd. S. 17-18: "Armut und Not hatten sie aus der Heimat vertrieben. Viele brachten weiter nichts mit als eine Schar hungriger Kinder. [...]Treu ihrem Gott, treu dem Vaterlande, treu den Menschen, treu sich selbst hoben sie ihre schwieligen Hände zu dem, der den Fluren Segen und den Saaten Fruchtbarkeit spendet.So gingen sie denn mutig hinein ins Moor und wischten sich die letzten Tränen aus den Augen, die sie der lieben Heimat geweint."
  99. Vgl.: Winterberg, Das Bourtanger Moor, 1957, S. 41.
  100. Vgl.: Gröninger, Aus der Geschichte emsländischer Moorkolonien, 1910, S. 18.
  101. Vgl.: Blanke, Emsländische Moorkolonien im Kreise Meppen, 1938, S. 70
  102. Vgl.: Gröninger, Aus der Geschichte emsländischer Moorkolonien, 1910, S. 18.
  103. Ebd. S. 19.
  104. Ebd. S. 73-74.
  105. Vgl.: Gröninger, Aus der Geschichte emsländischer Moorkolonien, 1910, S. 159.
  106. Ebd. S. 19
  107. Ebd. S. 46.
  108. Vgl.: Kaiser, Hermann, Herdfeuer und Herdgerät im RauchhausCloppenburg 1980, S. 9-10. (=Materialien zur Volkskultur; nordwestliches Niedersachsen; Heft 2)
  109. Ebd. S. 13-15.
  110. Vgl.: Kaiser, Herdfeuer und Herdgerät im Rauchhaus, 1980, S. 33.
  111. Ebd. S. 37.
  112. Ebd. S. 19-20.
  113. Vgl.: Bölsker-Schlicht, 200 Jahre Kirchspiel Rütenbrock, 1988, S. 43.
  114. Vgl.: Winterberg, Das Bourtanger Moor, 1957, S. 41.
  115. Vgl.: Bölsker-Schlicht, 200 Jahre Kirchspiel Rütenbrock, 1988, S. 43.
  116. Vgl.: Gröninger, Hermann, Emsländische Bauernchronik. Fast vergessene Geschichten aus dem Moor. Sögel 1980, S. 76.
  117. Vgl.: Winterberg, Das Bourtanger Moor, 1957, S. 41.
  118. Ebd. S. 42.
  119. Vgl.: Lemmermann, Auf dem freien Hümmling, 1993, S. 139.
  120. Vgl.: Winterberg, Das Bourtanger Moor, 1957, S. 41.
  121. Vgl.: Borck, Die Besiedlung und Kultivierung der Emslandmoore, 1973, S. 7-8.
  122. Vgl.: Penners, Theodor, Emsland/Bentheim um 1800. Notitzen zur Verwaltung und Wirtschaft. In: Emsland/Bentheim, Beiträge zur neueren Geschichte. Band 1. Sögel 1985, S. 36.
  123. Vgl.: Borck, Die Besiedlung und Kultivierung der Emslandmoore, 1973, S. 11.
  124. Ebd. S. 11.
  125. Vgl.: Winterberg, Das Bourtanger Moor, 1957, S. 41.
  126. Vgl.: Gröninger, Emsländische Bauernchronik,1980, S. 87-88.
  127. Vgl.: Gröninger, Aus der Geschichte emsländischer Moorkolonien, 1910, S. 46-47.
  128. Vgl.: Gröninger, Emsländische Bauernchronik,1980, S. 87-88.
  129. gl.: Blanke, Emsländische Moorkolonien im Kreise Meppen, 1938, S. 70
  130. Vgl.: Franke, Werner, Bauern, Heuerleute, Siedler. In: Jahrbuch des Emsländischen Heimatbundes. Band 31. Sögel 1985, S. 91.
  131. Vgl.: Dipper, Deutsche Geschichte, 1991, S. 66.
  132. Vgl.: Book, Heinrich, Sanitätsrat Dr. Berthold Meistermann 1858-1923. Ein Arztleben auf dem Hümmling. In: Jahrbuch des Emsländischen Heimatbundes. Band 31. Sögel 1985, S. 70-73.
  133. Vgl.: Blanke, Emsländische Moorkolonien im Kreise Meppen, 1938, S. 123.
  134. Vgl.: Wehler, Deutsche Gesellschaftsgeschichte, Band 1, 1987, S. 285-286.
  135. Ebd. S. 285.
  136. Ebd. S. 287.
  137. Ebd. S. 285
  138. Vgl.: Blanke, Emsländische Moorkolonien im Kreise Meppen, 1938, S. 123.
  139. Vgl.: Wehler, Deutsche Gesellschaftsgeschichte, Band 1, 1987, S. 285.
  140. Ebd. S. 287.
  141. Ebd. S. 284.
  142. Ebd. S. 287.
  143. Vgl.: Blanke, Emsländische Moorkolonien im Kreise Meppen, 1938, S. 124.
  144. Vgl.: Gröninger, Aus der Geschichte emsländischer Moorkolonien, 1910, S. 21.
  145. Vgl.: Blanke, Emsländische Moorkolonien im Kreise Meppen, 1938, S. 126.
  146. Vgl.: Gröninger, Emsländische Bauernchronik,1980, S. 79.
  147. Vgl.: Gröninger, Aus der Geschichte Emsländischer Moorkolonien, 1910, S. 35-37.
  148. Vgl.: Bölsker-Schlicht, 200 Jahre Kirchspiel Rütenbrock, 1988, S. 44.
  149. Ebd. S. 47.
  150. Vgl.: Gröninger, Emsländische Bauernchronik,1980, S. 76.
  151. Vgl.: Bölsker-Schlicht, 200 Jahre Kirchspiel Rütenbrock, 1988, S. 44.
  152. Ebd. S. 47.

Literaturverzeichnis

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  • Beutin, Wolfgang u. a., Deutsche Literaturgeschichte. Von den Anfängen bis zur Gegenwart. Stuttgart 1979.
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  • Grimminger, Rolf (Hrsg.), Hansers Sozialgeschichte der deutschen Literatur vom 16.Jahrhundert bis in die Gegenwart. Band 3. Deutsche Aufklärung bis zur Französischen Revolution 1680-1789. München 21984.
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  • Gröninger, Hermann, Aus der Geschichte emsländischer Moorkolonien. Lingen 1910 (ND Sögel 1982).
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