Numismatik

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Inhaltsverzeichnis

Was ist die Numismatik und womit beschäftigt sie sich?

Der Begriff Numismatik leitet sich vom altgriechischen Wort nómisma "Münze" ab. Das Wort nómisma leitet sich vom Verb nomizô ab, welches "etwas als Brauch anerkennen" bedeutet. Die Numismatik sieht ihre Aufgabe vor allem im Sammeln und Publizieren von Münzen sowie deren Interpretation. Dabei beschäftigt sich die Numismatik u.a. mit dem Metall, der Herstellungsart, den Herstellungsorten, dem Verbreitungsbereich und der -zeit sowie der Wertbestimmung der jeweiligen Münzen, Medaillen oder tesserae (Marken).

Was ist eine Münze?

Münzen sind handliche Metallscheiben von genormtem Gewicht, die ab der 2. Hälfte des 7. Jh.v.Chr. oder der 1. Hälfte des 6. Jh.v.Chr. eine Prägung erhielten. Sie dienten als Zahlungsmittel oder konnten als Werterhalter genutzt werden. Hierbei ist jedoch zu beachten, dass nicht jede Münze automatisch als Tauschmittel gedacht war. Münzen sind also nicht in jedem Fall mit Geld gleichzusetzen. Münzen wurden häufig als Schatz gehortet, können uns aber auch Auskunft über die Austausch- und Handelsnetze der antiken Welt geben. Das Recht der Münzprägung galt als Zeichen politischer Autonomie. Münzen geben Auskunft über die politischen und wirtschaftlichen Verhältnisse. Über die Bilder konnten die Prägeherren Informationen über ihre Taten und politischen Ziele vermitteln. In der Antike war der Wert einer Münze durch seinen Metallgehalt vom Prägeherrn gewährleistet. Der antike Philosoph Aristoteles beschäftigte sich mit Münzgeld aus der Perspektive der Verteilungsethik.

Interpretationsmöglichkeiten von antiken Münzen / Was kann uns eine antike Münze sagen?

Bei der Beschäftigung mit antiken Münzen sollte sich jeder Studierende auch die Frage stellen: "Was kann uns diese Münze sagen?" Eine Interpretation einer Münze sollte von einer Beschreibung ausgehen, dazu gehören u.a. diese Punkte.

  1. Welches Metall liegt vor?
  2. Welches Nominal (z.B. Drachme, Denar usw.) ist es?
  3. Welchen Durchmesser, Dicke und welches Gewicht hat die Münze?
  4. Welche Legende (Beschriftung) und Abbildung findet sich auf dem Avers (Vorderseite)?
  5. Welche Legende (Beschriftung) und Abbildung findet sich auf dem Revers (Rückseite)?
  6. Welche Randgestaltung liegt vor?

Dies sind nur die Beschreibungspunkte gewesen. Mit Hilfe von Sekundärliteratur, Datenbanken sowie Corpora können bei der Intepretation folgende Punkte geklärt werden:

  1. Wann und wo ist die Münze entstanden?
  2. Wer war der Prägeherr?
  3. Welche Symbole, Kompositionen usw. sind bei den bildlichen Darstellungen auf Avers und Revers genutzt worden?
  4. Welche Wirkung sollten die bildlichen Darstellungen eventuell auf die Nutzer der Münzen haben?
  5. Wie konnten die Botschaften, sofern sie in Bildern vermittelt worden sind, wahrgenommen und verstanden werden?
  6. Finden wir darauf auch in anderen antiken Quellen Hinweise?
  7. Gibt es zur gleichen Zeit eventuell andere Münzen mit einer völlig anderen Bilddarstellung und warum kann eine solche existieren?
  8. Welche historische Bedeutung hat die Münze als Quelle für uns?

Wenn wir diesen nicht vollständigen Fragenkatalog sehen, wird deutlich wieviel uns eine antike Münze über seinen Ursprung und die damaligen Verhältnisse sagen kann. So ist es z.B. auch äußerst interessant herauszufinden, wie weit eine Münzart in der antiken Welt "gereist" ist, um so eventuelle Handelsbeziehungen zwischen Städten zu ermitteln.

Literaturhinweise

  • Casey, Patrick J.: Understanding ancient coins. An introduction for archaeologists and historians, London 1986.
  • Christ, Karl: Antike Numismatik. Einführung und Bibliographie. 3. Aufl. Darmstadt 1991.
  • Göbl, Robert: Antike Numismatik. [2 Bde.]. München 1978.
  • Göbl, Robert: Numismatik. Grundriß und wissenschaftliches System. München 1987.
  • Howgego, Christopher J.: Ancient history from coins (= Approaching the ancient world). London/New York 1995.
  • Howgego, Christopher: Geld in der antiken Welt : was Münzen über Geschichte verraten.Aus dem Engl. übertr. von Johannes und Margret K. Nollé.Darmstadt 2000.
  • Melville Jones, John R.: A dictionary of ancient Greek coins. London 1986.
  • Melville Jones, John R.: A dictionary of ancient Roman coins. London 1990.
  • Radnoti-Alföldi, Maria: Antike Numismatik. [2 Bde.] (= Kulturgeschichte der antiken Welt. 2-3), Mainz 1978.
  • Schaps, David M.: The invention of coinage and the monetization of the ancient Greece. University of Michigan Press 2004.

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