Papyrologie

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Was ist die Papyrologie und womit beschäftigt sie sich?

Die Papyrologie beschäftigt sich mit der Erfassung, Bearbeitung und Analyse der auf Papy-rus überlieferten Schriftquellen. Papyrus wurde aus der Papyrusstaude, einem Riedgras (Cyperus Papyrus L), gewonnen, dessen Mark in Streifen geschnitten, fugenlos aneinander gefügt und im Verbundsystem zweilagig gepreßt wurde. Heute versteht man unter der Papyrologie die wissenschaftliche Beschäftigung mit den griechischen und lateinischen Texten Ägyptens und Vorderasiens als Ausdruck der hellenistisch-römischen Gesellschaft und Kultur. Nicht zum näheren Forschungsgebiet der Papyrologie gehören Zeugnisse in hieroglyphischer, hieratischer, demotischer und koptischer Schrift, die in das Aufgabengebiet der Ägyptologie fallen, sowie aramäische, persische und arabische Texte.

Hauptschriftträger sind, wie es schon der Name sagt, die Papyri, aber es werden auch Zeugnisse, die sich auf anderen Materialien befinden, untersucht. Des Weiteren wurde auch auf Ostraka (Singular: Ostrakon)- Tonscherben -, Holz-, Wachs-, Mumientäfelchen geschrieben. Die Untersuchung solcher Zeugnisse fällt auch in den Bereich der Papyrologie. Papyri haben sich nur in Gebieten mit extremer Trockenheit (Ägypten südlich von Kairo, Palästina; z. B. die berühmten Funde im ägyptischen Oxyrhynchos) bzw. unter Sonderbedingungen (z. B. die karbonisierten Papyri von Herculaneum) erhalten. Ungefähr 40000 Papyri sind lt. Rupprecht bereits publiziert und er geht von weiteren 10000 unpublizierten Papyri aus. Zitiert werden Papyri: P., abgekürzter Name des Fundortes oder Sammlung und Nummer z.B. P.Oxy. nach dem Fundort Oxyrhynchos. Allerdings gibt es natürlich auch Ausnahmen. Editionen von Ostraka werden als O. [xy], solche von Holz- bzw. Wachstäfelchen als T. [xy] (für tabulae) abgekürzt.

Literaturhinweise

  • Turner, E.G.: Greek Papyri, Oxford ²1980.
  • Montevecchi, O.: La Papirologia, Turin 1973.
  • Pestman, P.W.: The new papyrological Primer, Leiden u.a. 1990
  • Rupprecht, H.-A.: Kleine Einführung in die Papyruskunde, (Wissenschaftliche Buchgesellschaft) Darmstadt 1994.
  • Bagnall, R. S.: Reading Papyri - Writing Ancient History, London/New York 1995.
  • Hengstl, J.: Griechische Papyri aus Ägypten als Zeugnisse des öffentlichen und privaten Lebens, Düsseldorf 1978.
  • Mitteis, L./Wilcken, U.: Grundzüge und Chrestomatie der Papyruskunde, 1. Bd. Historischer Teil, 2. Bd. Juristischer Teil, Leipzig/Berlin 1912. ND Hildesheim 1963 (der Klassiker).

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