Schaumburger Bergbau im 19. Jahrhundert

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Eine Übersicht

Entscheidend für den Schaumburger Bergbau waren die geologischen Verhältnisse: der von den Bückebergen in die Schaumburger Mulde einfallende bauwürdige Flöz hatte ein „Mächtigkeit" von ca. 50 cm, in den Bückebergen fand seit dem Mittelalter der Stollenabbau statt, seit dem frühen 19. Jahrhundert ging man bei Nienstädt zum Tiefbau über; je nach Lagerstätte handelte es sich um fettreiche oder um Magerkohle; in den Bückebergen litt der Abbau unter hoher Feuchtigkeit (dünnes Deckgebirge), im Tiefbau gab es Probleme bei der Bewetterung (Grubengase).

Besitzverhältnisse: Seit der Teilung der Grafschaft Schaumburg 1640/47 gab es gleiche Anteile des schaumburg-lippischen Fürsten und des hessischen Kurfürsten ("Samtbergbau"), seit 1831 tritt an die Stelle des letzteren der kurhessische Staat; seit 1866 der preußische Staat.

Schon im 18. Jahrhundert systematischer Ausbau des Bergbaues (1757 Wilhelm-Wilhelm-Stollen), um 1800 ca. 120 Bergleute; um 1831 dann 450 Mann, 1860 ca. 900 Bergleute; zunächst stammten sie zu etwa gleichen Teilen aus der Grafschaft Schaumburg und Schaumburg-Lippe, ab der Mitte des Jahrhunderts dann stärker aus Schaumburg-Lippe.

Fördermengen: im 18. Jahrhundert ca. 3000 to, Anfang der 40er Jahre ca. 50.000 to, 1856 150.000 to, 1816 Aufnahme der Verkokung auf Osterholz, dort im gleichen Jahr auch erster Tiefbau, ab 1835 nach Einbau der ersten Wassersäulenmaschine wurde der Abbau aufgenommen.

1854 der zweite Kunstschacht und 1873 der dritte Kunstschacht, Ausbau des Beckedorfer Revieres beginnt, ab Ende des Jahrhunderts dann auch verstärkter Ausbau des Stollenabbaues (1907 Liethstolln), ab 1902 Bau des Georgschachtes (für die F-Sohle), mit Georgschacht wird auch die Weiterverarbeitung der Kohle bzw. von Kohleprodukten (in erster Linie Koks, daneben Teer, Ammoniak) erheblich modernisiert bzw. erst eingeführt.

Wirtschaftskrisen 1857 und nach 1873 treffen auch den Schaumburger Bergbau bis Anfang des 20. Jahrhunderts bleibt der Schaumburger Bergbau konkurrenzfähig gegenüber dem Ruhrbergbau als größtem Konkurrenten, danach nimmt der Abstand zu, da dort aufgrund der besseren Abbauverhältnisse eine Mechanisierung des Abbaues einsetzen konnte (Schüttelrutschen, Bohrmaschinen) dagegen bleibt der Abbau in Schaumburg Handarbeit, wird erschwert durch die starke Ausdehnung infolge nur eines bauwürdigen Flözes.

Durch das schnelle Fortschreiten des Abbaues ist auch schon vor 1914 erkennbar, daß der Georgschacht nur eine begrenzte Zeit Zentrum bleiben kann, im neuen Beckedorfer Schacht wird allerdings erst in den 20er Jahren die Förderung aufgenommen.

Die Schaumburger Bergleute stammen nicht wie die des Ruhrgebietes von auswärts, sondern sind Einheimische, durch die Ausdehnung des Abbaues von den Bückebergen in die Schaumburger Mulde und an den Nordrand der Bückeberge (Beckedorf) werden von ihm auch neue Dörfer erfaßt, als „bodenständige Grundbesitzer" unterschieden sich die Bergleute von den Glasmachern.

Literatur

Neuber, Dirk, Energie- und Umweltgeschichte des Niedersächsischen Steinkohlenbergbaus: von der Frühen Neuzeit bis zum Ersten Weltkrieg. (Veröffentlichungen der Historischen Kommission für Niedersachsen und Bremen 206) Hannover 2002.

Schneider, Karl H., Schaumburg in der Industrialisierung. Teil 1. Vom Beginn des 19. Jahrhunderts bis zur Reichsgründung. (Schaumburger Studien Melle 1994.

Schneider, Karl H., Schaumburg in der Industrialisierung. Teil 2. Von der Reichsgründung bis zum Ersten Weltkrieg. (Schaumburger Studien Melle 1995.



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