Schlacht Minden Auswirkungen

Aus LernWerkstatt Geschichte
Wechseln zu: Navigation, Suche

Auswirkungen des Siebenjährigen Krieges auf Zivilbevölkerung und Militär


Inhaltsverzeichnis

Gravierende Einschnitte im Alltag der Bürger und Bauern

Ein mit Heu beladener Wagen.
Für die Bevölkerung hat die Militärpräsenz gravierende Einschnitte zur Folge. Neuartige Steuern und Abgaben werden erhoben, um die Truppen zu unterhalten. 1757 besetzt die französische Armee das Fürstentum Minden. Die Bauern und Bürger müssen für die Besatzer Dienste leisten. Diese beinhalten Fuhrdienste und Einquartierungen der Soldaten. Spätestens jetzt erreicht der Siebenjährige Krieg die hiesige Bevölkerung. Nach geltendem Kriegsrecht in der Frühen Neuzeit können die Besatzer Kontributionen erheben. Unter Androhung des Brandschatzens wird die Bevölkerung gezwungen, neben den regulären Steuern an den eigenen Fürsten, auch Geld- und Sachleistungen an die Besatzungsmacht abzuführen. Einquartierung, Fuhrdienste, Kontributionen und die damit einhergehenden Ernteausfälle, Inflation und der Verlust von Eigentum münden schließlich in eine politische, soziale und wirtschaftliche Krise.
↑ Zurück zum Seitenanfang

Der Krieg vor unserer Tür und der Soldat in meinem Bett

Die Einquartierung der Soldaten in die Stuben der Bauern und Bürger geschieht unter Zwang. Ein stehendes Heer - in der Frühen Neuzeit eine militärische Neuerung - ist kostenintensiv und erfordert logistische und organisatorische Hochleistungen der Kriegsstrategen. Die Einquartierung der Soldaten stellt daher ein besonderes Problem dar. Schließlich wird der Krieg somit unmittelbar in die intimen Wohnräume des zivilen Lebens getragen. Die zwangsweise gemeinsam genutzte Stube wird so zu einem Raum neuer sozialer Spannungen. Denn nun nehmen fremde Männer am Familienleben teil. Mit Edikten und Verordnungen wird detailliert festgelegt und befohlen wie sich der Soldat verhalten soll, was ihm an Lebensmitteln zusteht, aber auch was sich der Wohnungsinhaber nicht gefallen lassen soll. Trotzdem sind die Einquartierungen für das zivile Leben, für die Handelstätigkeiten und für die privaten Dinge sowie für familiäre Angelegenheiten einschneidend, einschüchternd und belastend.

↑ Zurück zum Seitenanfang

Zu Abgaben gezwungen und zu Hunger gedrängt

Eine Schale mit Getreide.
Bei der Besatzung eines selbstständigen Staates dürfen nach dem im 17. und 18. Jahrhundert geltenden Kriegsrecht zur Versorgung der Besatzungstruppen Geld- und Sachabgaben von dem besetzten Staat und seiner Bevölkerung eingefordert werden. Kontributionen und Fourage werden willkürlich eingefordert oder werden zwischen den Kriegsparteien vertraglich ausgehandelt. Die Fourage, die Versorgung mit Lebensmitteln, Tierfutter und Heu, wird von den Bürgern und Bauern vor Ort eingefordert. Bei nur einer Getreideernte im Jahr muss die Zivilbevölkerung nicht nur sich selbst ernähren, sondern auch die Soldaten des eigenen Fürsten. Durch den Krieg werden die ohnehin schon knappen Ressourcen anders verteilt, sodass die eigene Versorgung mit Lebensmitteln nicht mehr gewährleistet ist und Hungersnöte die Folge sind. Obwohl die Kriegsparteien Abgabenlisten ausgehandelt haben, kommt es vielerorts zu Plünderungen und Erpressungen. Neben der überall grassierenden Korruption wirken sich diese zusätzlichen Belastungen verheerend auf die Städte und Dörfer aus.
↑ Zurück zum Seitenanfang

Die schleichende Entwertung des Geldes

Das Fürstentum Minden kann vor 1757 regelmäßige Getreideüberschüsse erzielen. Gewinnbringende Exporte werden jedoch kurz nach Kriegsbeginn verboten. Denn die Zahl aller zu versorgenden Soldaten wächst bis 1759 auf ca. 80% der Vorkriegsbevölkerung Minden-Ravensbergs. Dieser enormen Brotnachfrage steht ein schnell sinkendes Angebot gegenüber: Bauern verarmen oder flüchten, sie lassen unbebauten Boden zurück. Ernten fallen aus, Land verödet. Die Preise für Nahrungsmittel steigen und der Fürst sucht verzweifelt nach einem Ausweg aus dieser Misere. Seine zwar schnelle, doch kurzsichtige Lösung: mehr Geld drucken! Und da im Norddeutschland des 18. Jahrhunderts das gedruckte Papiergeld noch nicht als allgemeines Zahlungsmittel anerkannt ist, gilt es für den "cleveren" Fürsten, stattdessen mehr Münzen zu prägen. Ergiebige Silberquellen hat er dafür nicht ausreichend zur Verfügung, also prägt er die neuen Münzen aus minderwertigeren Legierungen und damit in einem geringeren Materialwert. Wie wir heute allgemein wissen, führt eine Ausweitung der verfügbaren Geldmenge und die Ausgabe dieser sogenannten Scheidemünzen zu einer Entwertung des Geldes. Der Gegenwert der Güter - wie Lebensmittel, Handelswaren und Tuch - scheint dabei immer unverhältnismäßiger zu werden. Kostet z.B. ein Huhn zunächst gerade einige Pfennige, zahlt man mit der Zeit bis zu vier Groschen. Das bedeutet, die Inflation galoppiert.

↑ Zurück zum Seitenanfang

Die Folgen der Schlacht für die Bevölkerung

Untersuchungen der Historikerin Monika M. Schulte zeigen, dass auch viele Jahre nach der Schlacht bei Minden die Auswirkungen auf die Bevölkerung messbar sind. Dabei ist es nicht die Schlacht, die zu Zerstörungen in Minden führt, sondern die Eroberung Mindens in den Jahren 1757-1759. Während die Schlacht bei Minden außerhalb von Minden ausgetragen wird, so geht die Befreiung Mindens 1758 durch Herzog Ferdinand von Braunschweig mit Zerstörungen und Verwüstungen einher. Als die französische Armee unter Brogli die Stadt 1759 zurück erobert, kommt es zu Straßenkämpfen, in deren Folge weitere Häuser verwüstet werden.

↑ Zurück zum Seitenanfang

Soldatenalltag im 18. Jahrhundert

Bei der Betrachtung von Schlachten und Kriegen beherrschen verschiedene Bilder die Vorstellung. Der Feldherr auf dem sprichwörtlichen Feldherrenhügel, der seine untergebenen Truppen lenkt, gewaltige Burgen und Festungen, und, vor allen, die gesichtslosen Massen der Soldaten, die in Reih und Glied aufeinander zu marschieren und die Schlacht ausfechten. Auch die Geschichtswissenschaft war lange von dieser Vorstellung dominiert. Militärgeschichte war über Jahrhunderte hinweg gleichbedeutend mit Kriegs- und Feldherrengeschichte. – Welcher Feldherr schlug wann und wo welche Schlacht?

Die kämpfenden Armeen wurden als abstrakte Einheit betrachtet. Die einzelnen Soldaten, die aus den verschiedensten Gründen in diesen Armeen kämpften und starben, wurden ausgeblendet. Aus diesem Grund widmet sich ein Abschnitt der Ausstellung ganz dem Leben des einfachen, bislang gesichtslosen Infanteristen des Siebenjährigen Krieges.

↑ Zurück zum Seitenanfang

Wer kämpft, wer befiehlt?

Die Kavallerie und das Offizierskorps dieser Zeit waren vom Adel dominiert, für den der Militärdienst, im wahrsten Sinne des Wortes, Ehrensache war. Die einfachen Soldaten dagegen kämpften nicht, weil ihre Ehre es so verlangte. Genauso wenig kämpften sie aus einem Gefühl nationaler Verpflichtung heraus. Die Armeen des 18. Jahrhunderts waren keine nationalen Armeen, sondern Königsarmeen. Die überwältigende Mehrheit der Soldaten des Siebenjährigen Krieges kämpfte, weil sie, aus dem einen oder anderen Grund, keine andere Wahl hatte.

↑ Zurück zum Seitenanfang

Rekrutierung, Ausbildung, Bewaffnung, Dienst und Drill

Eine preußische Reiterpistole, Modell M 1738.
Das Soldatenleben begann mit der Rekrutierung durch einen staatlichen Armeewerber. Für nicht wenige Männer in allen europäischen Staaten war der Militärdienst die einzige Alternative zu permanenter wirtschaftlicher Not. Beim Werben der Soldaten war es gängige Praxis, im benachbarten Ausland zu werben, um einerseits die Arbeitskräfte des eigenen Staates zu schonen und zugleich diejenigen des potentiellen Gegners zu schwächen. Die Werber, die pro Rekrut eine Kopfprämie ausgezahlt bekamen, setzten bei ihrer Arbeit alle Mittel ein. Betrug, Bestechung und offene Gewalt waren an der Tagesordnung. Dementsprechend versuchten natürlich alle Länder, Werber anderer Armeen aus ihrem Gebiet fernzuhalten.

Das Königreich Preußen stellte hierbei eine Ausnahme dar. Mit dem Kantonsystem, einem Vorläufer der allgemeinen Wehrpflicht, wurde ein Rekrutierungssystem geschaffen, das einerseits einen ständigen Überblick über und Zugriff auf die im eigenen Land verfügbaren Soldaten bot, andererseits aber auch explizit den Zweck hatte, dem oftmals gewalttätigen und schädlichen Treiben der Werber Einhalt zu gebieten. Geworben wurde fast ausschließlich in den niedrigsten sozialen Schichten. Neben Bauern, die wie schon seit der Antike die Masse der Soldaten stellten, wurden Tagelöhner, Bettler und Kleinkriminelle umworben, mit dem expliziten Zweck, den "Abschaum der Gesellschaft" einer nützlichen Tätigkeit zuzuführen. Handwerker, Kaufleute, all diejenigen Menschen, die für die Wirtschaft eines Landes von Bedeutung waren, blieben in der Regel vom Militärdienst verschont.

Preußen stellte einen Sonderfall dar. Hier wurde das Bürgertum zwar von der Dienstpflicht freigestellt, musste im Gegenzug aber seine Stuben als Soldatenunterkünfte zur Verfügung stellen. Neben allgemeiner körperlichen Gesundheit waren vor allem zwei Merkmale potentieller Rekruten ausschlaggebend: Ein möglichst hoher Wuchs und gesunde Zähne. Nur hoch gewachsene Soldaten konnten den langen Ladestock der Steinschlossmuskete vernünftig handhaben und gesunde Zähne waren vonnöten, um beim Nachladen der Waffe die Papierpatrone aufzubeißen. Das war natürlich allgemein bekannt, und nicht wenige junge Männer ließen sich vom örtlichen Schmied einige Zähne ziehen, um so dem Militärdienst zu entgehen. War ein Soldat nun auf die eine oder andere Weise in den Dienst eines Monarchen gekommen, wurde er zuerst eingekleidet. Er empfing mehrere verschiedene Uniformen, darunter eine für den alltäglichen Dienst und eine für die Parade. Eine weitere Uniform wurde eingelagert und nur im Kriegsfall an die Soldaten ausgegeben. Jeder Soldat war persönlich dafür verantwortlich, seine Uniform in tadellosem Zustand zu halten. Flecken oder Beschädigungen zogen empfindliche Strafen nach sich. Preußen stellte hier erneut eine Ausnahme dar, da jeder Soldat jährlich komplett neu eingekleidet wurde und die alten Uniformen behalten oder verkaufen durfte. Die robusten, kaum abgetragenen Uniformen erfreuten sich auch in der Zivilbevölkerung großer Beliebtheit. Im Anschluss an die Einkleidung begann für den Soldaten die militärische Ausbildung, die in erster Linie aus Waffendrill, Exerzieren sowie Marschübungen bestand. Der rigorose Waffendrill diente einzig dem Zweck, auch in der Hitze des Gefechts ein möglichst schnelles Nachladen und Abfeuern der Muskete zu ermöglichen. Eine Schießausbildung wurde dagegen nur rudimentär betrieben, da mit den Waffen der Linieninfanterie ohnehin kein gezieltes Schießen möglich war. Das regelmäßige Exerzieren wiederum hatte einzig und alleine zum Ziel, während der Parade wie auch in der Schlacht einen möglichst ästhetischen Anblick zu bieten.

↑ Zurück zum Seitenanfang

Drill und Sanktionen

Prügel durch die Vorgesetzten und drakonische Strafen für das geringste Fehlverhalten waren über die Ausbildung hinaus während der gesamten Dienstzeit an der Tagesordnung. Körperliche Strafen waren allgemein als Mittel zur Disziplinierung nicht nur von Soldaten anerkannt und akzeptiert. Die berüchtigtste Strafe war dabei das bis heute sprichwörtliche Spießrutenlaufen, bei dem ein Soldat mehrmals durch eine Gasse seiner Kameraden laufen musste, die mit langen Stöcken auf ihn einschlugen. Schlug dabei ein Soldat nicht oder nur zaghaft zu, wurde er derselben Strafe unterworfen. Die preußische Armee, die bis heute für diese Strafen besonders berüchtigt ist, war tatsächlich die einzige Armee ihrer Zeit, bei der die Prügel in irgendeiner Weise reglementiert und begrenzt waren. Ziel der Ausbildung und der der Strafen war es nicht, in den Soldaten Loyalität gegenüber ihrem Dienstherren zu erwecken, sondern bedingungslose Disziplin und Gehorsam zu erzwingen. Der Soldat sollte in der Schlacht automatisch und ohne jedes Nachdenken und Zögern funktionieren. Hierfür galt eine Ausbildungsdauer von nicht weniger als drei Jahren bis zum ersten Kriegseinsatz als mindestens erforderlich.

↑ Zurück zum Seitenanfang

Der Militärdienst in Friedenszeiten

Die Soldaten der zahlreichen deutschen Staaten sowie Frankreichs standen nach Abschluss ihrer militärischen Ausbildung keineswegs das ganze Jahr über im Militärdienst. Vielmehr verbrachten sie in Friedenszeiten den größten Teil des Jahres, bis zu zehn Monate, bei ihren Familien und gingen dort zivilen Tätigkeiten nach. Sie bewirtschafteten Höfe oder übten ein Handwerk aus. Dies war in doppelter Hinsicht notwendig: Einerseits waren die Soldaten kaum in der Lage, alleine von ihrem Militärsold zu überleben, andererseits wäre es besonders für kleine Staaten mit einer überproportional großen Armee wie Preußen wirtschaftlicher Selbstmord gewesen, eine große Zahl von Arbeitskräften über einen längeren Zeitraum dem Wirtschaftskreislauf zu entziehen. Lediglich in Österreich standen die Soldaten tatsächlich das ganze Jahr über im Dienst. Die tatsächliche Dienstzeit verbrachte der Soldat mit Waffendrill, Exerzieren und vor allem Wachdiensten. Die Unterbringung der Soldaten unterschied sich dabei von Land zu Land.

Frankreich begann schon im späten 17. Jahrhundert damit, seine Soldaten in Kasernen und nicht länger in Privathäusern unterzubringen. Der Grund hierfür lag schlicht in der gewaltigen Größe der französischen Landstreitmacht, die im 18. Jahrhundert zeitweise über 300.000 Mann unter Waffen hatte. Eine solche Masse an Soldaten bei der Zivilbevölkerung einzuquartieren, war kaum möglich. Dagegen begann Preußen erst nach Ende des Siebenjährigen Krieges in größerem Umfang damit, seine Soldaten zu kasernieren. Vorher waren die Soldaten in Bürgerstuben untergebracht. Nur in einigen Festungsstädten wie beispielsweise Magdeburg und Berlin gab es schon vorher Baracken, in denen die einfachen Soldaten wohnten.

Für ihre Verpflegung bekamen die Soldaten in den meisten Fällen eine gewisse Menge Brot zur Verfügung gestellt. Für alles Übrige mussten sie selbst aufkommen. Gewöhnlich legten die Soldaten, die sich gemeinsam eine Unterkunft in der Kaserne oder in einer Bürgerstube teilten, schon bei der Soldauszahlung einen Teil ihres Soldes zurück, von dem sie später gemeinsam Lebensmittel einkauften und diese selbst zubereiteten. Auch für alle anderen Belange der Haushaltung waren die Soldaten selbst verantwortlich.

↑ Zurück zum Seitenanfang

Der Marschbefehl

Truppenbewegungen, egal ob im Manöver oder im Kriegsfall, erfolgten für den gemeinen Soldaten gewöhnlich zu Fuß. Wenn es möglich war, nutzte man für den Transport von Truppen und Material den Wasserweg, eine Tatsache, die sich von der Antike bis zur Verbreitung der Eisenbahn nicht änderte. Die Soldaten legten dabei im Durchschnitt Strecken von etwa 20 Kilometern täglich zurück, bevor sie das Lager für die Nacht aufschlugen. Bei Gewaltmärschen wurden immer wieder weitaus längere Strecken zurückgelegt. Diese Tatsache ist um so erstaunlicher, wenn man bedenkt, dass im 18. Jahrhundert nur die wenigsten Straßen befestigt waren. Deswegen galt eine Marschleistung von zwei bis drei deutschen Meilen, das sind 15 bis 22 Kilometer, als gute Leistung. In der Regel wurde alle vier bis sechs Tage ein Ruhetag eingelegt, damit die Truppen sich erholen und neuer Nachschub herangeführt werden konnte. Die Versorgung auf dem Marsch bestand zum größten Teil aus Brot, das in mobilen Feldbäckereien alle fünf bis sieben Tage frisch gebacken wurde und bis zu neun Tage lang halten musste. Ergänzt wurde diese Verpflegung durch kleine Mengen Dörrfleisch, Stockfisch und vor allem Getreidebrei und getrocknete Hülsenfrüchte. Alles weitere mussten die Soldaten unterwegs auf die eine oder andere Art und Weise selber beschaffen.

↑ Zurück zum Seitenanfang

Ausrüstung und Marschgepäck

Ein katholisches Gebetsbuch von 1680.
An Ausrüstung trug jeder Soldat auf dem Marsch einerseits seine Bewaffnung, bestehend aus Gewehr, Bajonett und, in einigen Armeen, einem Säbel, dazu eine Patronentasche mit einer Anzahl vorgefertigter Papierpatronen, einen Brotbeutel aus Leinen und den Infanterietornister. In dem Tornister, der im Siebenjährigen Krieg noch an einem Riemen über der Schulter und nicht auf dem Rücken getragen wurde, fand sich ein buntes Sammelsurium an Ausrüstungs- und Privatgegenständen. Typische Dinge, die mitgeführt wurden, waren beispielsweise ein Essgeschirr, Mittel zur Lederpflege, Messingpolitur, Nadel und Faden, Ersatzknöpfe und ähnliches, um die Uniform instand zu halten, eine Wäscheleine und Wäscheklammern, Ziegelstaub zum Polieren der Waffe, Feuersteine und Zunder zum Feuermachen, Seife, verschiedene Glücksbringer, eine Bibel oder ein Gebetsbuch, Karten- und Würfelspiele, eine Pfeife samt Tabakbeutel, Andenken und Erinnerungstücke von Zuhause oder, bei altgedienten Soldaten, von verschiedenen Feldzügen, kurz; all die Dinge, die für das tägliche Leben im Feld unbedingt erforderlich oder nützlich waren oder der Zerstreuung dienten. Hierbei spielte auch eine Rolle, dass die Ausrüstung, von der Uniform und Bewaffnung einmal abgesehen, nicht standardisiert war.

Jeder Soldat konnte - und musste - sich den Großteil seiner Ausrüstung selbst beschaffen. Im Feldlager waren die Soldaten in Zelten untergebracht, die sich eine feste Zeltgemeinschaft aus sechs bis zehn Soldaten teilte. Das notwendige Material führten die Soldaten, aufgeteilt auf diese Gemeinschaft, am Mann mit. Neben Spannleinen und Heringen waren dies eine Hacke und ein Spaten, ein schwerer Kochkessel und eine große Wasserflasche. Die Zelte, die aus dem gleichen robusten Wollstoff wie die Uniformen gefertigt waren, sowie zusätzliche Munition und Verpflegung, wurde auf Packpferden mitgeführt. Einquartierungen in der Bürgerstube waren, entgegen weit verbreiteten Vorstellungen, auf dem Marsch für reguläre Truppen die Ausnahme. Grund war aber nicht etwa eine Rücksichtnahme aus die Zivilbevölkerung, sondern vielmehr die Sorge, die Kontrolle über die eigenen Truppen zu verlieren.

Der Tross, der die Armee auf dem Marsch begleitete, war im Siebenjährigen Krieg um ein Vielfaches kleiner als noch etwa 100 Jahre zuvor, zu Zeiten des Dreißigjährigen Krieges, als der Tross meist weit größer war als die kämpfende Truppe. Dennoch wurde jedes Heer immer noch von einer beträchtlichen Zahl von Personen begleitet, darunter Handwerker, Barbiere, Wundärzte, Marketenderinnen und Prostituierte, wobei die beiden letztgenannten Gruppen häufig identisch waren. Dazu kamen noch zahlreiche Wagen, die Munition, Baumaterialien, Werkzeug und Proviant für Männer und Pferde transportierten.

↑ Zurück zum Seitenanfang

Das Feldlager

Eine Nachbildung eines Feldlagers.
In den Feldlagern traf man eine Vielzahl Menschen verschiedenster geographischer Herkunft und Sprachen. Die Armee aus "Landeskindern", mit der Friedrich der Große 1757 bei Leuten seinen wohl bekanntesten Sieg errang, stellte zu ihrer Zeit eine absolute Ausnahme dar. Da die meisten Soldaten nicht aus eigenem Antrieb oder gar aus einem Gefühl nationaler Verpflichtung heraus Dienst taten, waren schlechte Kampfmoral und Disziplinprobleme ein häufiger Zustand. Diese Tatsache wurde oft noch zusätzlich durch die bereits erwähnten drakonischen Strafen für das geringste Vergehen, die miserable Versorgung und den in Friedenszeiten eintönigen, in Kriegszeiten lebensgefährlichen Dienst verstärkt. Fahnenflucht war ein sehr häufiges Vergehen in den Armeen dieser Zeit. Besonders zu Kriegszeiten konnte sie besorgniserregende Ausmaße annehmen.

In Friedenszeiten wurden Deserteure nicht selten mit dem Tode bestraft, zu Kriegszeiten, wenn jeder Mann benötigt wurde, kam es oft zu sogenannten "Generalpardons" seitens der Monarchen, in denen Rückkehrern Straffreiheit versprochen wurde. Preußen versuchte, das Problem der Desertion dadurch in den Griff zu bekommen, dass Angehörige der Deserteure in Sippenhaft genommen und an seiner Stelle zum Armeedienst verpflichtet wurden. Diese Maßnahme konnte die Desertionsrate zwar senken, das Problem aber keineswegs völlig lösen.

Kam es schließlich zur Schlacht, drohte dem Soldaten nicht nur Gefahr von vorn, vom Feind, gegen den er vorrückte, sondern auch von hinten, von den eigenen Unteroffizieren, die hinter den lang gezogenen Reihen der Infanteristen standen und sie, mit Befehlen, Drohungen und roher Gewalt, nach vorn, in Richtung Feind, zwangen. Wurde ein Soldat verwundet oder getötet, hatten die Männer in der nachfolgenden Reihe die Pflicht, die entstandene Lücke sofort zu füllen. Sich in Deckung zu werfen war ebenso streng verboten wie verwundeten Kameraden zu Hilfe zu kommen. Die Verwundeten konnten nur hoffen und beten, dass ihnen nach der Schlacht jemand zu Hilfe kam. Doch dies konnte Stunden oder sogar Tage dauern.

Im Siebenjährigen Krieg verfügte von allen europäischen Staaten lediglich Frankreich über ein organisiertes Sanitätswesen. Aber selbst wenn ein Soldat eine Verwundung auf dem Schlachtfeld überlebte und versorgt werden konnte, war er noch lange nicht gerettet. Die medizinischen Möglichkeiten dieser Zeit waren extrem begrenzt. Amputationen waren die mit Abstand häufigsten "Behandlungsmethoden", Schmerz- oder Betäubungsmittel gab es nicht, ebenso wenig wie ein Wissen über die Entstehung von Infektionen. Dementsprechend hoch war die Sterblichkeitsrate.

↑ Zurück zum Seitenanfang
← Zurück zur Portalseite