Schlacht Minden Kartographie

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Die Entwicklung der Kartographie


Inhaltsverzeichnis

Die Entwicklung der Kartographie

Karten werden seit Menschengedenken verwendet und haben sich im Laufe der Jahrhunderte nur unwesentlich verändert. Beispielsweise bieten sie einen Überblick über bestimmte Gebiete, erleichtern die Kontrolle, zeigen Grenzen auf und helfen bei Planungen. Aus militärischen Gesichtspunkten können sie zur Koordination von Truppenbewegungen, Positionsbestimmung oder Ähnlichem genutzt werden.

Um dies bewerkstelligen zu können, müssen die Karten so genau und detailliert wie möglich sein. Zur Zeit der Schlacht bei Minden gestaltet sich dieses jedoch noch recht schwierig. Denn wie wurden Karten vor 250 Jahren hergestellt? GPS und Luftaufnahmen waren noch jenseits des Möglichen. Ortskundige können Karten anhand von einigen wenigen Details lesen und sich zurechtfinden. Jedoch um eine Karte auch als Fremder lesen zu können, bedarf es Details und Genauigkeit.

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Kartographie einer Schlacht

Eine Messkette.
Um eine solche Karte erstellen zu können, benötigte man an technischem Verstand und Ausrüstung sowie markanten Punkten, welche eher von beständiger Natur waren, wie zum Beispiel Kirchen oder Windmühlen. Diese mussten dann wiederum miteinander in Verbindung gesetzt werden. Mithilfe von Messketten und Stangen konnte die Entfernung errechnet werden. Anhand von Winkelmess- und Nivelliergeräten wurden Höhenunterschiede vermerkt und die Linie zwischen den beiden Punkten konnte zum Ausgangspunkt für weitere Messungen genutzt werden. Da es für Karten keine Norm gab, musste man des Weiteren darauf achten, in die Karte eine Windrose zu integrieren, um überhaupt eine Ausrichtung zu haben und Angaben darüber geben zu können, welcher Maßstab der Karte zugrunde lag. Es war von entscheidender Wichtigkeit für die Logistik zu wissen, ob man in Meilen, Kilometern, Fuß, oder sogar Schritten rechnen musste. Höhenunterschiede wurden in den meisten Karten lediglich schraffiert, was die Karten ungenauer werden ließ. Ob man nun einen Berg oder einen Hügel betrachtete, war nicht klar zu erkennen. Um die verzeichneten Punkte und dadurch die Karte lesen zu können, war eine ausführliche Erklärung oder Legende nötig. Im Allgemeinen ist zu sagen, je mehr Fixpunkte zur Karten-Erstellung herangezogen wurden, desto genauer war die spätere Repräsentation.
Eine Nivelliergerät aus dem 19. Jh.
Um sich die Erstellung ein wenig einfacher zu gestalten, entschied man sich, Karten in Quadranten einzuteilen. Diese mussten dann nur im Nachhinein miteinander verbunden werden, um größere Kartenwerke erstellen zu können. Die heute auf Karten in der Regel eingezeichneten Quadranten hatten vor 250 Jahren also eine weitaus größere Bedeutung als lediglich die Position anhand von Koordinaten bestimmen zu können. Bei der Betrachtung von Karten, gerade wenn diese dazu dienen Ereignisse fest zu halten, ist es außerdem unerlässlich, sich über die Intention der Karte im Klaren zu sein. Denn jede Art der Repräsentation wird mit einer bestimmten Zielsetzung erstellt. Nur dann ist man in der Lage zu entscheiden, ob die Karte für den eigenen Anspruch genügt bzw. ob die Karte überhaupt den Tatsachen entspricht. Wenn die Intention unklar ist, hilft es, wenn möglich, mehrere Karten des gleichen Gebietes oder Ereignisses miteinander zu vergleichen. Anhand der eingetragenen Daten lässt sich recht schnell herausfinden, ob die Karte überhaupt dem eigenen Fragestellung dienlich ist. Anhand der vorliegenden Karten lässt sich die Schlacht bei Minden relativ genau rekonstruieren, jedoch sind gewisse Details in allen Karten unterschiedlich, so dass ein wirklich exaktes Bild nicht zustande kommen kann.
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Logistische Wichtigkeit

Ferdinand von Braunschweig war sich der Wichtigkeit eines Sieges bei Minden durchaus bewusst, als er seine Truppen am 16. Juli 1759 nördlich des Petershagener Waldes Stellung beziehen ließ. Er wusste, dass die Befestigung um Minden, einer der wenigen sicheren Wege über die Weser, ebenso ein Tor Richtung Hannover im Nordosten darstellte. Der französische Befehlshaber Contades hatte bereits zuvor seine Truppen in eine gut zu verteidigende Stellung südwestlich von Minden, zwischen Uphausen und der Weser südlich des Moores, gebracht. Eine kleine Streitmacht postierte er unter dem Befehl von Marschall de Broglie an der Ostseite der Weser zur Absicherung gen Osten.

Als am 28. Juli eine kleine Streitmacht das französisch besetzte Lübbecke einnahm, brach eine der wichtigsten Nachrichten- und Nachschubstrecken der Franzosen weg. Das gleichzeitige Verlegen von Ferdinands Truppen in die Gegend zwischen Detzkamp und Nord-Hemmern brachte Contades in Zugzwang, da er sich nun abgeschnitten und in die Enge getrieben fühlte. In einer Nachtaktion sollte eine alliierte Artillerie Stellung unter General von Wangenheim, welcher bei Todtenhausen Stellung bezogen hatte, durch ein schnelles Eingreifen der Einheit unter de Broglie angegriffen werden, während die restlichen französischen Truppen einen Abwehrring um Minden bildeten. Der Nachtangriff misslang allerdings aufgrund von Fehlern in der Logistik und den schlechten Nachrichtenwegen.

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Schlachtverlauf

Im Morgengrauen des 1. August bewegte sich Ferdinands Armee auf Minden zu, während die noch intakte Artillerie unter Wangenheim nach Süden marschierte. Sie traf auf die bereits wartenden Franzosen. Diese hatten sich in einem Halbkreis um Minden postiert, mit dem Mindener Moor an der westlichen und der Weser an der östlichen Flanke. Hierbei untypisch für die damalige Zeit war, dass sich die französische Kavallerie im Zentrum der Streitmacht befand und nicht wie sonst üblich an den Flanken, um diese zu decken.

Ferdinands Armee hingegen näherte sich in klassischer Formation. Einzig die Kavallerie der westlichen Flanke unter Lord George Sackville unternahm keinerlei Anstrengungen sich dem allgemeinen Marschbefehl anzuschließen, obwohl sie voll kampfbereit stand.

Der erste Angriff auf die französischen Stellungen sollte durch ein schnelles Vorrücken der von Wangenheimschen Artillerie erfolgen, um den Franzosen in die Flanke zu fallen. Auf diesem Wege sollte es ermöglicht werden, die Franzosen von zwei Seiten anzugreifen. Aufgrund missverstandener Befehle kam es aber dazu, dass zeitgleich mit dem Angriffsbefehl für von Wangenheim die im Zentrum der Armee stehende Infanterie unter General von Spoercken zum Angriff auf die Kavallerie ging. Das hätte sich als fatal herausstellen können, da der Infanterie die Flankendeckung durch die Kavallerie fehlte.

Die französische Kavallerie, standardmäßig nur mit Säbeln bewaffnet, startete auf Befehl ihres Kommandanten daraufhin den Gegenangriff. Allerdings war diese aufgrund ihrer Position stark in ihrer Bewegungsfreiheit eingeschränkt. Da sich die Infanterie im Allgemeinen in Dreierreihen hintereinander und im Stehen ungenau schießend vorwärts bewegte, stellte dies für die Kavallerie kein Problem dar.

Von Spoercken jedoch ließ seine Soldaten, kurz bevor sie auf die Kavallerie trafen, in einer Reihe kniend Position beziehen. So konnten sie besser zielen und konzentrierter feuern. Der Feuerbefehl wurde zurückgehalten, bis ein Vorbeischießen kaum mehr möglich war. Dadurch wurde die Kavallerie vernichtend getroffen und zum Rückzug gezwungen. Die wenigen Verluste der Infanterie wurden schnell durch nachrückende Truppenteile aufgefüllt. Mit Unterstützung der nun aufrückenden Artillerie, welche die französische Infanterie an die Flanken band, konnte von Spoercken ungestört auf die verbliebenen Kolonnen der französischen Kavallerie vorrücken – welche alsbald den geordneten Rückzug antrat, gefolgt von der restlichen französischen Armee. Ohne Kavallerie auf Seiten der Franzosen und mit dem erfolgreichen Angriff der Wangenheimschen Artillerie war an einen Sieg nicht mehr zu denken. Da die Kavallerie unter Sackville noch immer nicht am Kampfgeschehen teilnahm, wurde den sich zurückziehenden Franzosen auch nicht nachgestellt.

Die Franzosen überquerten die Weser und marschierten in Richtung Kassel ab. Auf dem Rückzug wurden die Brücken in Brand gesetzt, um den Truppen Ferdinands die Verfolgung zu erschweren. Diese marschierten in Minden ein, wo sich die verbliebenen Franzosen nach kurzen Scharmützeln ergaben. Ferdinand setzte nach zwei Tagen Ruhezeit die Verfolgung der Franzosen aus dem nun befreiten Minden fort.

Abschließend ist zu sagen, dass beide Heerführer entweder über gute Ortskenntnis oder über gutes Kartenmaterial verfügt haben müssen, da sich beide im Vorfeld der topografischen Lage Mindens bewusst waren und die entsprechenden Gegebenheiten zu ihrem Vorteil zu nutzen vermochten. Beide hatten fähige Ingenieure unter ihren Untergebenen, die für eben diese Aufgabe bestens ausgebildet waren und auch die nötigten Kartographie-Apparaturen dabei hatten oder bereits im Vorfeld aussagekräftiges Kartenmaterial der Region erstellt hatte. Es ist bekannt, dass auf Seiten Ferdinands der britische Offizier Capt. William Roy, Angehöriger des britischen Ingenieurs Corps, zum Stab gehörte. Dieser hatte sich bereits vorher durch die Anfertigung einer sehr detaillierten und genauen Karte Schottlands einen Namen gemacht. Er war federführend bei der Erstellung der Karten zur Schlacht bei Minden. Allerdings ist nicht genau bekannt, wann er die Karte erstellt und veröffentlicht hat. Dennoch dient sein Original als Vorlage für eine große Zahl der nachträglich erstellten Karten des Geschehens.

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IV. Literatur und Quellen

1. Das Digitalisierungsprojekt Wilhelmshöher Kriegskarten des digitalen Archivs Marburg.

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