Sklaverei in Südafrika

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  • Autoren: Helmut Bley und Uta Lehmann-Grube
  • Erstveröffentlichung: 1991 in Helmut Bley ed. Sklaverei in Afrika. Afrikanische Gesellschaften im Zusammenhang von europäischer und interner Sklaverei und Sklavenhandel. Pfaffenweiler: Centaurus, 1991.
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Inhaltsverzeichnis

Einleitung

Die Geschichte der Sklaverei in Südafrika unterscheidet sich von der in anderen Teilen Afrikas. Es ist der Fall, in dem Europäer auf dem Kontinent selbst Sklaven hielten. Die Versklavten wurden nicht nur von Europäern aus anderen Regionen herantransportiert, so außer von afrikanischen Nachbargebieten von den Inseln des indischen Ozeans, aus Indien und Indonesien, sondern Menschen wurden auch innerhalb der Region des Kaps gejagt. Sie wurden ausschließlich für Produktion und Dienstleistungen im Lande eingesetzt. Anders als auf den großen von Europäern betriebenen Plantagen Amerikas arbeiteten viele Herren auf den Farmen weiter mit, jedenfalls galt dies für kleine und mittlere Farmer, sicherlich nicht für die aristokratischen Wein- und Weizenproduzenten. Schließlich geriet auch das südafrikanische Sklavereisystem unter den Druck der englischen Antisklavereibewegung. Aber es gelang in Südafrika trotz der Tatsache, daß Sklaverei illegal wurde, die Arbeiter unfrei zu halten. Die Kontrolle der Arbeitskräfte auch nach Abschaffung der Sklaverei 1833 gelang durch ein über die Jahrzehnte verfeinertes Netz von Gesetzen, die Sklaverei wurde so in ein System der Zwangsarbeit und dann der umfassenden Arbeiterkontrolle umgewandelt. D.h. zur Vorgeschichte des Apartheidsystems heute gehört der erfolgreiche Versuch der europäischen Siedler am Kap der Guten Hoffnung die Vorteile der Sklaverei in das 19. und 20. Jahrhundert herüberzuretten und den modernen Erfordernissen anzupassen.

Entsprechend der günstigen Quellenlage, weil die Administratoren, Kommissionen und Gerichte reichhaltig Quellen produzierten, ist viel über die innere Struktur der Sklaverei bekannt. Wir wissen, wie die Sklaverei von den Betroffenen empfunden wurde, welche Chancen zum Widerstand bestanden, oder besser, kaum bestanden, wie das Verhältnis zwischen Sklaven und Herren war, wie insgesamt das soziale Leben durch diese Institution geprägt war. Robert Ross, der in den Niederlanden lehrende Historiker, hat in seinem Buch „Cape of Torments, Slavery and Resistance in South Africa“ sehr negative aber sicherlich zutreffende generelle Aussagen gemacht:

1. Gewalt bestimme das Verhältnis zwischen Herrn und Sklaven, und es sei deshalb ein Widerspruch in sich selbst, nach „milden“ Sklavenregimen zu suchen.
2. Es sei wahrscheinlich, daß in einer durch Gewalt und Sklaverei brutalisierten Gesellschaft die meisten Menschen brutalisiert würden; das gelte auch für die Sklaven, eine Warnung, die Folgen der Unterdrückung für die Unterdrückten zu bagatellisieren.
3. Obwohl sich nachweisen lasse, daß immer wieder Sklaven Widerstand geleistet haben, insbesondere durch Weglaufen, auch durch Tötung ihres Herren, schließlich durch viele Versuche, Elemente eines autonomen Lebens zu sichern, waren die Chancen für Widerstand in der Konstellation der Kap-Kolonie sehr gering. Die Sklaven lebten zu verstreut. Die Herren selbst waren anwesend und arbeiteten mit. Die Herrenschicht blieb in der Periode des Regirnewechsels von Holländern und Briten, sogar in der Zeit der Abschaffung der Sklaverei, in der Frage der Kontrolle der Arbeitskraft einig. Dieses wurde auch nicht durch den Umstand unterminiert, daß ein Teil der sklavenbesitzenden Buren im Protest über die Antisklavereipolitik der britischen Verwaltung sich zum "Großen Treck" nach Norden und zur Gründung von Burenrepubliken entschieden.

Es gehört zu der Ironie der Geschichte, daß die holländische Ostindiengesellschaft, als sie sich 1653 anschickte, die Bucht an der Südspitze Afrikas im Schütze des Tafelbergs zu einer Schiffahrtsstation zu machen, die die nach Asien fahrenden Schiffe mit frischem Proviant versorgen sollte, sich jahrzehntelang energisch dagegen wandte, daß aus dem Proviantplatz eine Siedlungskolonie selbständiger europäischer Siedler wurde. Vielmehr versuchte sie als Handelskompanie ihre Angestellten unter Kontrolle und nur auf die Aufgaben der Schiffsversorgung konzentriert zu halten. Vordringen in das Hinterland und damit Konflikte mit der einheimischen Bevölkerung, vornehmlich der Khoikhoi, die sie verächtlich Hottentotten nannten, sollten aus Kostengründen vermieden werden. Allerdings konnte sich die holländische Kompanie an dieses Prinzip nicht lange halten. Sie überließ zögerlich die Nahrungsmittelproduktion auch freien Burghern (burisch: Bürger), die sie trotzdem unter Kontrolle zu halten versuchte. Gegen den aggressiven Charakter europäischer Siedler, unter allen Umständen ihr Glück am Tafelberg zu versuchen und die einengenden Zwänge einer Monopolgesellschaft zu durchbrechen, um selbständig für einen Markt zu wirtschaften, waren die Kontroll-Mecha-nismen der Gesellschaft auf Dauer zu schwach. Etliche Burgher zogen sich in das relativ trockene Hinterland zurück und begannen, anders als in den Gärten unmittelbar um Kapstadt, extensiv Viehzucht zu betreiben. Das Kunststück war dabei, einerseits am Kapstädter Markt beteiligt zu sein und andererseits für schlechte Zeiten, wenn sich nichts verkaufen ließ, auf Eigenversorung und Jagd umzustellen. Ein Dilemma hatten alle, die Gesellschaftsangestellten ebenso wie die in das Hinterland treckenden Burgher, die sich bald Buren oder auch Afrikaaner nannten. Sie brauchten Arbeitskräfte. Auch wenn Eigenarbeit eine Rolle spielte, es war selbstverständlich, daß man Herr war. War man leitender Angestellter, war es ohnehin üblich, Diener zu haben, versuchte man als kleinerer Mann sein Glück in Übersee, war auch für ihn selbstverständlich, wie ein Herr zu leben und mindestens für die harten Arbeiten und für die häuslichen Dienstleistungen Diener zu wollen und in dieser europäischen Männergesellschaft mit Mangel an Frauen aus der eigenen Gesellschaft auch afrikanische oder asiatische Frauen als Konkubinen zur Verfügung zu haben und nach wechselnden gesetzlichen Regeln auch Mischlinge zu heiraten.

Die Khoikhoi waren an abhängiger Arbeit für Europäer nicht interessiert. Die Arbeit, die insbesondere die siedelnden Farmer von ihnen für schlechten Lohn verlangten, waren Jagd und Hütedienste und damit nichts prinzipiell anderes als die eigene auskömmliche Arbeit. Sie gegen schlechtere Bedingungen für Fremde auszuüben gab es wenig Gründe. Eher konnte man, wenn es um Kapstadt zu eng wurde und man militärisch unterlegen war, ins Hinterland ausweichen, solange noch Raum war. Allerdings wurden Khoikhoi durch Gewalt, als Kriegsgefangene oder weil sie in ihrer Gesellschaft ausgestoßen waren, in Einzelfällen als Arbeitskräfte an die Farmen gebunden: ein Trend, der sich im Laufe des Jahrhunderts verstärken sollte. Dennoch, die Zahl beschränkte sich auch gegen Ende der Herrschaft der holländischen Kompanie nur auf wenige tausend.

Für die Lösung der Arbeitskräfteprobleme gab es eine bequemere Alternative. Kapstadt lag zwischen den Hauptströmen des internationalen Sklavenhandels. Es war für die holländische Gesellschaft ziemlich unkompliziert aus Angola oder Mocambique, aber auch aus dem asiatischen Sklavenhandel, aus Madagaskar, Indien und Indonesien die geringe Anzahl von Sklaven mit den durchreisenden Schiffen zu beschaffen. So entstand an der Südspitze Afrikas die wohl internationalste Sklavengesellschaft, die wir kennen.

Zum Herrschaftswissen von Herren und Sklavenhaltern dieser Zeit gehörte, die Leute nach tatsächlichen oder ihnen nachgesagten Tätigkeiten zu beschäftigen. So wurde es üblich, den Afrikanern, den Khoikhoi aus dem Kap wie auch den ban-tusprechenden aus Mocambique und Angola die Viehzucht, oft das Jagdwesen zu überlassen, im Transport- und Handwerkswesen sowie im häuslichen Dienst eher Sklaven aus dem asiatischen Raum einzusetzen, obwohl viel davon auch Herrenideologie blieb, da der statistische Nachweis der Arbeitsverteilung ein sehr gemischtes Bild zeigt. Charakteristisch blieb außerdem, mit Ausnahme der später zuwandernden aristokratisch lebenden kapitalkräftigen Wein- und Weizengroßfarmer, von denen die meisten aus in Frankreich vertriebenen hugenottischen Familien kamen, daß kleine und mittlere Farmer keine reine auf Aufsicht beschränkte Herrenkaste wurden, sondern beim Haus- und Brunnenbau, beim Frachtfahren und auf Jagdzügen selbst arbeiteten. Es entstand so eine bemerkenswerte Vermischung von herrschaftlicher Distanz und alltäglicher Nähe und Zusammenarbeit, in der diese Nähe zugleich die ständige Verteidigung der Distanz notwendig machte. Der Unterschied zur afrikanischen Haussklaverei war groß. Auch nach Generationen war die Integration in die Familie europäischer Abstammung unmöglich. Der soziale Mechanismus, der im übrigen Afrika eine so wichtige Rolle spielte, daß wegen der Gleichartigkeit der Arbeit sich die Unterschiede im Alltag verwischten und Kinder aus dem Konkubinat in die Familie hineinwuchsen, galt hier nicht - obwohl unter den heutigen alteingesessenen europäisch-stämmigen Familien kaum eine ohne afrikanische Vorfahren ist.


Die soziale Lage der Sklaven in Stadt und Land

Die Sklaven kamen aus fünf Regionen: dem indonesischen Archipel, Bengalen und Süd-Indien, Sri Lanka, Madagaskar und der ostafrikanischen Küste. Unter den Sklavenhändlern waren bengalische Banians, buginesische Händlerpiraten aus Celebes, chinesische Chunken-Kapitäne, Sakalava-Könige aus Madagaskar, Prazeros, Großgrundbesitzer portugiesisch-afrikanischer Herkunft vom Zambesi, portugiesische Beamte von der Delagoa Bay in Mocambique oder Menschenräuber aus Südindien. Der Transport erfolgte zum Teil illegal als Fracht von Seeleuten und Kompanieangehörigen, dann in kleinen Zahlen, oder aber von französischen und portugiesischen Sklavenschiffen, die bevorzugt erkrankte Sklaven zu verkaufen versuchten, die die Überfahrt nach Amerika nicht überstehen würden.

Ein kultureller Zusammenhang zwischen versklavten Menschen so unterschiedlicher Herkunft und so kleinen Zahlen war schwer zu stiften So war die Kap-Kolonie während der gesamten Herrschaftsperiode der Ostindien-Gesellschaft eine Strafkolonie, in die insbesondere die politischen Gegner der Niederländer aus dem indonesischen Archipel gebracht wurden. Diese Exilanten waren in der Regel Aristokraten und oft gelehrte Muslime. Der Statusunterschied beispielsweise zwischen aristokratischen Javanesen und indischen Unberührbaren war sehr groß. Dennoch gab es Gemeinsames zwischen diesen Sklavengruppen. Sklaven durften nicht getauft werden, so daß sich die Distanz von Sklave zum Herrn als religiöse ausdrückte, Sklaven waren Muslime und Hindi, Herren waren Christen. Im übrigen trugen die gelehrten aristokratischen Muslime zu einer islamischen Gemeindebildung bei und halfen Sklaven unter Umständen beim Weglaufen, weil Muslime nach dem Koran nicht versklavt werden durften. Bei den wenigen organisierten Aufstandsversuchen richteten sich die Befehle der Anführer, Sklavenbesitzer zu bekämpfen oder zu töten, nicht gegen diese als Herren (Master) oder Weiße etc. sondern stets gegen sie als Christen.

Ein weiteres die Sklaven untereinander verbindendendes Element, das aber auch Kommunikation mit den Herren stützte, bildete die Hauptverkehrsprache, das Afrikaans. Es entstand geradezu aus der Sprache zwischen Sklaven und Herren. Auch wenn das Grundvokabular holländisch war, so wurde es am Anfang sogar auch in arabischer Sprache niedergeschrieben und enthielt viele malayische und afrikanische Elemente. Hinzu kam, daß die meisten Angestellten der Kompanie holländisch nicht als Muttersprache beherrschten sondern meist Deutsche und Skandinavier waren. Das heißt, was als der Kern der Identität der burischen Nation im zwanzigsten Jahrhundert interpretiert wird, ist ein Produkt des Vielvölkergemisches und der Kommunikation zwischen Herren und Sklaven.

Die soziale und gesellschaftliche Isolation und Entfremdung der meisten Sklaven wurde dadurch extrem zugespitzt, daß sie kaum eine Chance zur Familiengründung hatten. Das Verhältnis von männlichen zu weiblichen Sklaven war im 17. und 18. Jahrhundert vier zu eins, so daß bis auf wenige, die Khoikhoi Frauen heiraten konnten, die meisten ohne Frau blieben. Die Spannungen, die sich aus dieser, auch sexuellen Not, ergaben, bestimmten das Klima insbesondere auf den Farmen, steigerten die Isolation und im Falle der Homosexualität auch die Illegalität, da dies nach den Gesetzen der Kolonie ein todeswürdiges Verbrechen war. Gefährliche Spannungen entstanden auch, weil Müttern und Väter die Autorität gegenüber ihren Kindern verweigert wurde. Ohne Chance zur Familiengründung und bei sehr geringer Lebenserwartung blieb das Sklaverei-System auf ständige Zufuhr von Menschen von außen angewiesen.

Van Riebeck gab den ersten Sklaven eine Lebenserwartung von fünf Jahren nach Ankunft am Kap. Es verwundert nicht, daß in der malayischen Tradition eine Form äußersten Widerstandes in so aussichtsloser Lage war, den Herren umzubringen, um dann Amok zu laufen und Unbeteiligte zu töten, bis man selbst zu Tode kam. Diese Lage scheint sich erst nach dem Verbot des Sklavenhandels gemildert zu haben, jedenfalls gleicht sich das Zahlenverhältnis zwischen den Geschlechtern im 19. Jahrhundert aus.

Das Verhältnis von Sklaven und Herren unterschied sich in Stadt und Land. In Kapstadt, wo rund ein Drittel der Sklaven lebten, bestand keine rigorose Trennung nach Sklaven und Herren. Die sozialen Grenzen waren vielmehr komplizierter gezogen. Es bestand eher der Unterschied zwischen der kleinen Zahl "respektabler Leute", den Kompanie-Beamten an der Spitze, den Schiffsoffizieren und Kaufleuten bis hin zu Burghern, die Sklavenbesitzer waren, also auch den kleinen Krämern, Kaufleuten und Handwerkern, und dem Rest der Gesellschaft, ob sie nun durchreisende Seeleute, Soldaten, freie Afrikaner, Chinesen oder eben Sklaven waren. Etliche freie Schwarze kontrollierten die Kneipen und Bordelle, Chinesen den Kleinhandel einschließlich der Hehlerei und der Versorgung mit Opium, das viele Sklaven rauchten, um die eigene Lage zu vergessen. Sklaven konnten, obwohl abhängig, auf eigene Rechnung kleine Werkstätten haben. Dies war aber stets eine Minderheit. Die Grenze war in Einzelfällen so verwischt, daß gelegentlich freie Europäer der Unterschicht und Sklaven gemeinsam flohen und im Hinterland eine oft kurzlebige Freiheit suchten.

Die Lage auf den Farmen war durch eine andere Gemengelage kompliziert. Totale Abhängigkeit und relative Vereinzelung in kleinen Gruppen sowie die Aufsicht des Herren oder seiner Knechte bei der Arbeit war der eine Pol; relative Distanz und Selbständigkeit beim Hüten des Viehs, eventuell sogar auf einer Zweitfarm des Herren oder als Frachtfahrer und Jäger, sogar mit Gewehren ausgerüstet, der andere. Persönlichkeitskonflikte zwischen Herren und Sklaven auf engstem Raum, die sexuellen Spannungen auf den Farmen, dies alles schuf offensichtlich ein Klima der Gewalt und Brutalität. Nur gut ein Viertel der Sklaven lebte in Gruppen von über zwanzig Sklaven zusammen, etwa 7% in Gruppen über von fünfzig. Südafrika war also kein Land der Großplantagen und der Anonymisie-rung des Arbeitsverhältnisses, es war überwiegend ein Land kleiner Sklavenbesitzer. Keiner der wein- und weizenanbauenden Aristokraten hatte mehr als 100 Sklaven. Die große Mehrheit der Sklaven arbeitete im Weizenanbau und wurde anschließend in der Saison der Weinernte auf die Weinfarmen vermietet, sofern sie nicht für die Anlieferung des Weizens in der Stadt zuständig waren oder Herden hüteten.


Formen der Herrschaftssicherung

Die Herrschaftssicherung beruhte im Kern auf Gewaltanwendung. Direkte Gewaltanwendung der Herren gegenüber Sklaven wurde von der Kompanie zwar rechtlich begrenzt, weil sie ein Gewaltmonopol für sich durchsetzen wollte. Aber es gab die Möglichkeit der "häuslichen Korrektur", nach preußischem Gesinderecht hieß dies "väterliches Züchtigungsrecht", was in der Regel erbarmungsloses Auspeitschen bedeutete. Ohnehin überließen die lokalen Behörden, wenn sie denn in der Praxis überhaupt gefragt wurden, häufig das Strafen den Herren. Sklaven konnten zum öffentlichen Ankläger, dem Fiscaal, gebracht werden.

Die öffentlichen Strafen gegenüber Sklaven waren weit über den ohnehin grausamen Standard des 17. und 18. Jahrhunderts brutalisiert. Wurde ein Mörder zum Brechen der Körperteile am Rad verurteilt, erhielt er doch den Gnadenstoß, um einen schnellen Tod zu gewährleisten. Dieser Gnadenstoß fiel weg, wenn ein Sklave einen Herren getötet hatte. Dann wurden ihm noch am Rad mit glühenden Zangen Körperteile herausgerissen und der Sklave seinem Schicksal überlassen. Es wird berichtet, daß die gnädige Ohnmacht meistens nicht vor dem dritten Tag eintrat. Auf Diebstahl stand Tod durch Erhängen. Für kleine Vergehen im Arbeitsalltag stand das Auspeitschen oder die Tretmühle in den Kornmühlen der Stadt.

Ein wichtiges indirektes Prinzip Herrschaft zu sichern, und Widerstand zu erschweren, lag darin, soziale Gegensätze zu schaffen. Es gab die priviligierten Aufseher, die selbst Sklaven waren. Haussklaven nahmen auch in Südafrika gegenüber dem Farmsklaven eine Sonderstellung ein. Darüber hinaus setzten die Farmer oft Farmverwalter, die "Knegte" ein. Diese Knegte, oder genauer: besonderen Aufseher, wurden von der Kompanie auf Zeit vermietet; sie konnten freie Burgher, freie Schwarze oder auch Sklaven sein. "Frei" waren die Knegte meist dann, wenn ein Farmer mehrere Farmen hatte. Denn geriet dem Farmer die Skla-ven-‘Community‘ außer Kontrolle, konnte er durch seine Nachbarn bestraft oder sogar regulär enteignet werden. Insbesondere wenn auf Farmen Schußwaffen unkontrolliert blieben, wurden die Gerichte angerufen. Konflikte zwischen Knechten oder Aufsehern und Sklaven waren dementsprechend an der Tagesordnung. Selbstverständlich waren auch Herren allein durch die persönliche Strafausübung bis hin zu Folter und Tötung an der Aufrechterhaltung der Kontrolle beteiligt. Sadismus, Angst und Brutalität konnten extreme Zustände schaffen. Dennoch ist diese Konfliktzone unterhalb des Eingreifens des < Herrn für die Herrschaftsstabilisierung von großer Bedeutung gewesen. Zwischen direkter Gewaltanwendung, insbesondere dem Auspeitschen und Sklavenwiderstand, Weglaufen oder dem offenen Ungehorsam bestand ein enger Zusammenhang. Dies war auch der Grund für die Regierungspolitik, die offene Gewalt zu begrenzen, um die Effektivität der Sklaverei zu gewährleisten.


Sklaven und Khoisan

Im Kap lebten lange vor Ankunft der Europäer die Khoisan. Es waren Jäger und Sammler, die aber teilweise zur Viehzucht übergegangen waren. Letztere nannten sich Khoikhoi, Menschen der Menschen. Zu ihnen standen die Sammler oft in einer Art Klientelverhältnis, solange die Khoisan nicht das Vieh der Khoikhoi als Jagdbeute betrachteten und daraus Konflikte entstanden. Die Kompanie handelte mit ihnen im wesentlichen mit Vieh, um die Frischfleischversorgung für die Schiffe sicherzustellen. In dem Gründungsbefehl der Ostindien Kompanie war Gouverneur van Riebeck sogar angewiesen worden, friedliche Ausstauschbeziehungen herzustellen. Versklavung war untersagt.

Konflikte blieben nicht aus. Siedler drängten entgegen den Intentionen der Gesellschaft in das Hinterland und damit in die Weidegebiete. In Konflikten mit ihnen kam der Gedanke auf, die Sklaven gegen sie einzusetzen. Wichtiger wurde indessen, daß die Khoikhoi durch Geld - in der Regel durch den Preis einer Kuh - veranlaßt werden konnten, entlaufene Sklaven wieder einzufangen.

Andererseits entstand ein ambivalentes Verhältnis zu entlaufenen Sklaven. Viele Khoikhoi-Gruppen waren interessiert, Fremde, und so auch entlaufene Sklaven, zu integrieren, um so die Gruppe größer und konkurrenzfähiger zu machen. Insbesondere galt dies für von der Kolonialherrschaft entfernter lebende Gruppen. Diese Tendenz zur Integration der Entlaufenen ließ im Laufe der Jahrzehnte unter dem Druck der Burgher-Kommandos und der Marktbeziehungen nach.

Vor allem die Beziehungen zwischen Sklaven und Khoisan wurden im 18 Jahrhundert dadurch geprägt, daß die Khoisan selbst in die Arbeitsverfassung der Kap-Gesellschaft gezwungen wurden. Die Wege in die Arbeit waren unterschiedlich. Es war eine Grundsatzentscheidung der Kompanie, geprägt durch die Erfahrungen in Java, die einheimischen "Hottentotten", wie sie sie nannten, nicht zu versklaven. Nur wenige waren bereit, für Entgelt zu arbeiten. Die Lage der Khoisan und Khoikhoi war im Konfliktfall schwieriger als die eines Sklaven. Es gab keinen Rechtsschutz, und einen Sklaven zu töten, bedeutete finanziellen Verlust für den Herren, einen unzufriedenen Khoisan zu töten aber nicht.

Stoff für Konflikte lag also vor. Die Khoisan oder Khoikhoi konnten sich als Hirten oder als Jäger zurückziehen und sie achteten dabei mit Sorgfalt darauf, daß die Grenze zum Sklavenstatus nicht verwischte - ein konfliktträchtiges Unterfangen. Eine der Rückzugsmöglichkeiten war, sich militärisch organisierten Jagd- oder Militärgruppen anzuschließen. So etwa den Orlam, die schließlich ins Gebiet des späteren Namibias auswichen.

Insgesamt läßt sich überhaupt sagen, daß sich jenseits der Einflußgebiete der europäischen Siedler, hinter der "frontier", neue Gemeinschaften bildeten, so die Griquas, die sogar einen Staat gründeten, die sich zu guten Teilen aus entlaufenen Sklaven zusammensetzten. Allerdings hat diese Herkunft nicht zu einer besonderen Solidarität mit den Sklaven geführt. Je nach politischer Lage wurden entlaufene Sklaven durchaus auch ausgeliefert, was sicher eine Abwehrmaßnahme gegen den Druck der weißen bewaffneten Kommandos war. Es deutet aber auch an, daß es kein allgemeines "Klassenbewußtsein" der Sklaven gab, das Solidarität schuf und organisationsfähig machte. Dies ist wichtig festzustellen, weil die Beweislage ansonsten außerordentlich eindeutig ist, da sich die Sklaven ihres Verlustes der Freiheit völlig bewußt waren, nach Gelegenheiten suchten, frei zu werden, in der Regel durch Entlaufen, bei günstigen Umständen durch Freikauf. Den Khoikhoi war ja der Statusunterschied zwischen ihrem unfreien Knechtsdasein und dem Sklavenstatus wohl bewußt. Dies kam dementsprechend im Verhältnis von Europäern und Khoikhoi bzw. Khoisan zum Ausdruck. Zwar kam es sicher vor, daß sich ein Khoikhoi einem Farmer praktisch als Klient anschloß und so in Abhängigkeit geriet.

Die Regel war das aber nicht. Im Prinzip führte die Zurückhaltung der Khoikhoi, unfreie Arbeit anzunehmen und der steigende Preis von Sklaven, der für extensiv wirtschaftende Farmer immer unerschwinglicher wurde, zu einer brutalen Unterwerfungs- und Jagdtechnik gegen Khoisan.

In der Periode der britischen Besatzung wurde dies unter dem Druck von Missionaren zum eigentlichen Skandal, nachdem legale Sklaverei durch die Antisklavereimaßnahmen des britischen Parlamentes immer stärker erschwert wurde. Als Ersatz nahm das Kidnapping zu, so daß ein Gesetz, der "Caledon Act", erlassen wurde, das die "Lehrlingsarbeit", eine über Jahre ausgedehnte Zwangsarbeit der Khoisan, regelte und dem Kidnapping und der Gewalt eine gewisse Grenze setzte.


Krisen des Systems: 18. Jahrhundert

Schon nach wenigen Jahrzehnten befand sich die Kolonie in einer tiefen Krise. Nur wenige Europäer waren zu Wohlstand gekommen, die Produkte erwiesen sich als nicht verkäuflich, vor allem aber die Abgrenzung zwischen Europäern, Afrikanern und Sklaven erwies sich als extrem schwierig. Einerseits förderte die Sklaverei die extensive Wirtschaftsform, die zudem noch an das Abgabemonopol der Gesellschaft gebunden war, andererseits war durch die Dynamik, die sich aus dem Frauenmangel ergab, keine klare Grenze zwischen Sklaven, befreiten Mischlingen und älteren freigekauften Sklaven zu ziehen. Außerdem scheiterte am Expansionsdrang der Siedler eine feste Grenzziehung zum Hinterland.

Seit Beginn des 18. Jahrhunderts wurde darüber nachgedacht, ob nicht die gesamte soziale und ökonomische Struktur der Kolonie verändert werden müsse. Zu den damals angestellten Überlegungen gehörte die fantastische Idee, einen breiten Wassergraben zwischen der Europäerkolonie und dem Rest des südlichen Afrikas zu ziehen, um so eine klare Abtrennung zu erreichen - ein utopisches Apartheidkonzept des 18. Jahrhunderts. In der Debatte von 1717 um die Zukunft der Kolonie kam das ganze Dilemma der Sklavenökonomie verbunden mit der Monopolwirtschaft der Kolonie zur Sprache. Schließlich empfahlen die Räte der Kompanie in Kapstadt, das System der Sklaverei beizubehalten, aber das Hauptquartier der Kompanie in Holland zu bitten, über die Schiffsversorgung hinaus selbständig mit den afrikanischen Nachbarländern und Inseln handeln zu können.

Interessant war der Gegenvorschlag, den Dominique de Chavonnes, der Kommandeur der Garnison und Bruder des Gouverneurs, vergeblich gemacht hatte. Seine Ratskollegen wollten an der Sklaverei festhalten, weil weiße Arbeiter zu faul, inkompetent, dem Alkohol ergeben und im übrigen zu teuer seien. Dagegen empfahl de Chavonnes, daß freie weiße Arbeiter produktiver seien, weil sie auf eigene Rechnung und für eigenes Interesse arbeiteten, auch wenn ihre Arbeit teurer sei. Der Hang zur extensiven Landwirtschaft und zu Großbetrieben würde durchbrochen werden. Durch viele verdienende Handwerker und intensiv betriebene mittlere Farmen entstünde ein aktiver Binnenmarkt und schließlich Anreiz zur Familiengründung und damit auch zum Zuzug europäischer Frauen. Der Offizier war natürlich an einer derartigen Bevölkerungsstruktur auch aus militärischen Überlegungen interessiert, aber es bleibt doch bemerkenswert, daß diese aufgeklärte kapitalistische Logik so eindeutig bereits 1717 formuliert wurde, auch wenn sie überstimmt wurde.

Kurzfristige Kosteninteressen und die gewohnte Lebensform ließ die Gesellschaft trotz offenkundiger Krisensymptome an der Ökonomie der Sklaverei festhalten.


Krisen des Systems: Abschaffung der Sklaverei und Beginn der Passgesetze

Der von Großbritannien ausgehende Druck zur Abschaffung der Sklaverei erreichte das Kap 1806 mit der erneuten britischen Besatzung. Zwar wurden noch immer Ausnahmegenehmigungen erteilt, insgesamt aber veränderte sich die Lage, weil der Preis für Sklaven anstieg. Zugleich wandten sich die britischen Philanthropen, unterrichtet durch Missionare, gegen den brutalen Umgang mit Khoisan und Khoikhoi. Die Khoisan waren durch die gnadenlose Jagd der Burenkommandos auf sie aufgrund von Viehdiebstahl, aber auch wegen der gewaltsamen Suche nach Arbeitskräften in ihrer physischen Existenz gefährdet. Kinder wurden gekidnapt oder als Waisen auf die Farmbetriebe gebracht. Im Grunde war ein schleichender Genozid im Gange. Ihnen stand ein Schicksal bevor, das dem der Indianer ähnelte. Sie zu schützen und die barbarische Praxis der Menschenjagd an der "frontier" zu beenden, war ein politisches Ziel der britischen Administration, das 1828 schließlich zur Anerkennung dieser Menschen als "Zivilpersonen" und damit als rechts- und vertragsfähige Subjekte führte.

Eine der Übergangsmaßnahmen, um die Arbeitsverfassung nicht zu stark zu stören, bestand darin, die in Hörigkeit gehaltenen Kinder und Jugendlichen auf den Farmen als "Lehrlinge" zu deuten, die mit den Farmern in einem vieljährigen Ausbildungsvertrag standen. Gouverneur Caledon führte dieses System 1809 ein. Sein Motiv war, einerseits einen Ersatz für die Ausfälle, die durch das Verbot des Sklavenhandels enstanden waren, zu bieten und Arbeitskräfte zu beschaffen, andererseits die wilde und gewaltsame Rekrutierung der Khoikhoi und Khoisan zu begrenzen. Die Ambivalenz dieses Programmes wird aus den Details der Maßnahmen deutlich. Der Widerstand der Khoikhoi gegen hörige Arbeit war in der Vergangenheit am wirkungsvollsten gewesen, wenn eine starke Lineage zur Verfügung stand, zu der man sich zurückziehen konnte.

Diese afrikanische Organisation war durch Gewaltmaßnahmen, durch Dezimierung als Folge von Masernepedemien, oder weil einzelne Khoikhoi sich aus den Zwängen ihrer Gesellschaft hatten lösen können, geschwächt worden. Caledon löste nun die "Stammesverfassung" auf und "emanzipierte" die Hottentotten als Individuen, eben mit individueller Vertragsfreiheit, wie es die liberale Ideologie nahelegte. Aber diese persönliche Vertragsfreiheit hielt sich in engen Grenzen. Die Khoikhoi durften die Distrikte, in denen sie Arbeit hatten, ohne einen Pass und ohne Genehmigung der Behörden nicht verlassen, waren also den lokalen Gewalten und damit auch den Farmern ausgeliefert. Die Kinder von Eltern, die bei Inkrafttreten der Bestimmungen in einem Dienstverhältnis standen, wurden in einen zehnjährigen Lehrlingsvertrag gegeben. Dies sollten die Wege werden, mit denen aus der abhängigen Arbeit, später auch der Sklaven, eine fiktive "freie Arbeit" mit faktisch starken Elementen von Zwangsarbeit konstruiert werden konnte.

Es war ein Konzept, das aus dem britischen Arbeitsrecht stammte, dort aber unter dem Druck der Arbeiterschaft 1814 abgeschafft wurde. In der Kapkolonie kam noch ein weiteres Element hinzu, das in die Ideologie der Zeit paßt: Nämlich die Auffassung, daß Arbeit bei Europäern, ganz gleich wie die Bedingungen waren, sogar Bedingungen der Unfreiheit, Menschen "zivilisiere". Die koloniale Legende war im Kap, das in vieler Hinsicht der Vorreiter kolonialpolitischer Techniken und Ideologien wurde, schon an der Jahrhundertwende voll entwickelt. Wirklich kritisch wurde es, als die Freilassung der Sklaven ab 1833 anstand und 1834 durchgesetzt wurde. Zu diesem Zeitpunkt lebten 39.000 Sklaven und 65.000 Europäer im Kapland. Aus der Sicht der Sklavenbesitzer gab es zwei Aspekte der Befreiung: Die Kompensation dessen, was sie als Enteignung auffaßten, und die Versorgung mit Arbeitskräften. Insbesondere im Ostkap erschien den Sklavenbesitzern eine Lösung des Arbeitskräfteproblems innerhalb dessen, was sie als restriktive britische Arbeitspolitik auffaßten, nicht möglich. Da sie sich überdies in ihrem Drang in die Siedlungsgebiete der Xhosa nicht genügend unterstützt fühlten, entstand der Gedanke an einen Treck nach Norden in Gebiete mit Zugang zu Arbeitskräften und frei von britischer Intervention. Die Gründung der Burenrepubliken im Norden ermöglichte dann die verschärfte Fortsetzung der Politik der abhängigen Arbeit, denn obwohl selbst in diesen Republiken offiziell Sklaverei abgeschafft blieb, wurde doch die Nähe zu den portugiesischen Sklavenhändlern noch lange genutzt. Wesentliches neues Element der burischen Arbeitskräftepolitik .wurde, daß sie alle Nichteuropäer als "Natives" deklarierten und sie unter Sonderstatus stellten.

In der Kap-Kolonie setzte sich die kapitalistisch liberale Tradition der Kontrolle der Arbeitskräfte durch. Als die "Lehrlingsgesetze" nicht mehr griffen, weil die Frist 1838 verstrich, wurde ein "farbenblindes", für alle Vertragsverhältnisse gültiges "Master and Servants"-Gesetz verabschiedet: Jeder Arbeitskonflikt wurde kriminalisiert, die Rechtlosigkeit festgeschmiedet und die Grenzen der Freizügigkeit eng gezogen. Langfristig geriet diese aus der Sklaverei abgeleitete Arbeiterkontrolle, die im Zuge der liberalen Reform in England entwickelt und auch in anderen Kolonien wie der Karibik, angewandt wurde, in eine Krise. Auch sie konnte die Hauptprobleme nicht lösen, den Widerstand der großen Mehrheit der afrikanischen Bauern, ihr Land aufzugeben und die Unfähigkeit der Europäer, ihr Land intensiv zu bewirtschaften.

Arbeitskräfte in großer Zahl wurden aber notwendig als sowohl die Bergwerke seit 1866 als auch eine immer kapitalintensivere Landwirtschaft große Mengen von Arbeitskräften verlangten. Dies ließ sich mit den alten Gesetzen der Arbeiterkontrolle als Erbe der Sklaverei allein nicht mehr bewerkstelligen. Ergänzend hinzu kam eine Politik der Landenteignung und Landverknappung, weil nur Landlose zur Arbeit gezwungen werden konnten.


Schluss

Wenn man überlegt, was das Besondere an der Sklaverei in Südafrika ist, drängen sich dem Betrachter folgende Aspekte auf, die sich zwar auch in den anderen von der Sklaverei betroffenen Gesellschaften finden, in Südafrika aber viel schärfer zutage getreten sind.

Die soziale Distanz zwischen Herren und Sklaven ergab sich nicht von selbst, in der Realität entstanden, da keine Großbetriebe vorherrschten und weil Spezialtä-tigkeiten ausgeübt wurden, unscharfe Zonen, die Distanz erschwerten. Im Kap gehörten dazu, daß Freigelassene vorhanden waren, daß die Grenze zwischen Sklaven und Knechten verschwamm und daß durch sexuelle Beziehungen und gemeinsame Kinder auch juristische Grauzonen bestanden. Um hier dennoch "Klarheit" zu schaffen, wurde direkte Gewalt eingesetzt. Dieses direkte Gewaltverhältnis ist kennzeichnend. Obwohl es in allen Sklavengesellschaften prägend ist, so ist doch denkbar, daß die besondere Aggressivität europäischer Herrschaftsformen hier besonders zum Ausdruck kam.

Die Sklaven waren sich ihrer Situation bewußt. Sie kannten den Unterschied zwischen Sklaverei und Freiheit selbst dann sehr genau, wenn im Alltag der Unterschied zwischen Sklavenarbeit, unfreier und Knechtsarbeit verwischte. Die Schwierigkeit der männlichen Sklaven, Frauen zu finden, gar Familien zu gründen; die Rechtlosigkeit von Eltern gegenüber ihren Kindern; die sexuelle Bedrohung, die ständig für die wenigen Frauen bestand, auch von Seiten der Herren und schließlich das häufige erbarmungslose Prügeln - all dies verstieß zu elementar gegen die Menschenwürde, als daß Gewöhnung möglich war.

Stets war sowohl für die von weither Verschleppten als auch für die Versklavten aus den Nachbarregionen die Freiheit als Alternative sichtbar. Sich anderen Gruppen nach der Flucht anzuschließen oder selbst welche zu gründen, war die eine Möglichkeit, in die kapstädtische Gesellschaft der Freien aufgenommen zu werden, z.B. durch Freikauf, war die andere. In der Zeit der Sklaverei gab es real nur wenig Möglichkeiten zum Widerstand, denn Weglaufen oder den Herren töten, die Hauptformen des Widerstandes, endeten meist in Katastrophen.

Für die Herren in Südafrika erzwang das Sklavereiverbot für Khoikhoi und seit 1807 die steigenden Sklavenpreise, die Grenzen zwischen Sklaverei und unfreier Arbeit zu verwischen. Im Selbstverständnis aller Betroffenen war ohnehin die Grenzlinie zwischen oben und unten scharf in der Weise gezogen, daß Sklaven und Arbeiter eher der selben Schicht zugerechnet gezählt wurden. Deshalb übernahm das Arbeitsrecht so viele Maßnahmen aus der vor- und frühindustriellen Arbeitsverfassung Europas. Dabei wurde sowohl in den Maßnahmen gegenüber Sklaven, als auch gegenüber den durch viele Regulierungen gebundenen Arbeitern um so rigoroser verfahren, je massenhafter sie existierten. So schwächte sich der Impuls, Sklaven zu christianisieren mit Anwachsen der Zahlen ab, je härter die Konkurrenz um die Arbeitskräfte wurde, und je widerstandfähiger sie sich zeigten, desto schärfer entwickelte sich der Kontrollapparat. Auch in Südafrika fand dies unter dem Anspruch statt, zu "zivilisieren", d.h. der Barbarei der Ungleich- und Ungerechtigkeit und der Gewalt einen Schleier der Selbstgerechtigkeit überzuwerfen.


Literatur

  • Neumark, S. Daniel. Economical Influences on the South African Frontier, 1652 - 1836. Stanford 1957.
  • Ross, Robert. Cape of Torments, Slavery and Resistance in South Africa. London 1983.
  • Walker, Eric A. A History of Southern Africa. 3. Aufl., London 1964.
  • Worden, Nigel. Slavery in Dutch South Africa. Cambridge 1985.



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