Textverarbeitungen

Aus LernWerkstatt Geschichte
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Inhaltsverzeichnis

Anforderungen

Eine Textverarbeitung für Historiker sollte mehrere Aufgaben erfüllen:

  • strukturiertes Arbeiten für das Erstellen mittlerer oder längerer Texte von der Hausarbeit bis zur Dissertation
  • (natürlich) die Nutzung von Fuß- und Endnoten,
  • Formatvorlagen für Absätze, Zeichen und am besten auch Seiten, um schnelle auch längere Texte einheitlich zu erstellen,
  • eigene Literaturverwaltung oder Kooperation mit einer externen Literaturverwaltung.

Was aber genau so wichtig ist: ein Nutzer und eine Nutzerin, der/die sich mit erweiterten Textverarbeitungsfunktionen auskennt. Denn auch das beste Textverarbeitungsprogramm ist nur so gut, wie es der User zuläßt. In der Regel sind schlecht formatierte Texte nicht der Software zuzuschreiben, sondern Nutzern, die die hochkomplexen Textverarbeitungen wie eine Schreibmaschine nutzen. Außerdem sollte der Nutzer seine Software wirklich kennen, damit er/sie diese auch "intuitiv" nutzen kann.

OpenOffice

OpenOffice steht hier an erster Stelle, weil es frei verfügbar ist (und zwar für alle verbreiteten Betriebssysteme). Es bietet alle Funktionen, die eine moderne und leistungsfähige Textverarbeitung können muß. Als Besonderheiten sind zu erwähnen:

  • ein sehr gutes Konzept für Vorlagen für Absätze, Zeichen, Aufzählungen und Seiten,
  • ein sehr guter integrierter PDF-Export mit mittlerweile sehr vielen Optionen,
  • eine integrierte, aber nur rudimentäre Literaturverwaltung,
  • eine - relative - Stabilität bei langen Texten,
  • ein guter Support durch Online-Foren wie dieses,
  • auch als Linux- und Mac-Version erhältlich, wobei die Mac-Version auch in der Version 3.0 noch ihre spezifischen Schwächen hat; hier bieten sich NeoOffice und mittelfristig ggf. auch Lotus Symphony als brauchbare Alternativen an. NeoOffice arbeitet auch mit vielen Erweiterungen und Plugins (nicht allen) von OpenOffice, u.a. auch mit Zotero.

Dagegen gilt es als relativ langsam, besitzt eine eher schwache Rechtschreibkorrektur und keine Grammatikprüfung. Es sieht den "alten" Word-Versionen bis 2003 zwar recht ähnlich, arbeitet im Detail aber doch anders, so dass sich bei Word-Usern, die glauben, damit wie unter Word arbeiten zu können, schnell Unzufriedenheit einstellen kann.

Eine gute Einführung in typographische Besonderheiten mit vielen weiterführenden Links findet sich hier.

Eine nach wie vor gute Anleitung zum Schreiben von Diplomarbeiten (also auch für Bachelor-, Magister- und Masterarbeiten) bietet Werner Roth.

Eine Besonderheit bei OpenOffice sind die Formatvorlagen für Seiten. Word "kennt" zwar Abschnitte, aber die OpenOffice-Lösung ist wesentlich flexibler. Sie gestattet es, sehr schnell und weitgehend automatisch einen Text über die Kombination von Seiten- und Absatzvorlagen zu gestalten. Ein gutes, zudem für Haus- und Abschlußarbeiten geeignetes Beispiel bietet die "Vorlage für eine wissenschaftliche Hausarbeit". Die Titelseite, die Verzeichnisse und dann die eigentlichen Textseiten sind jeweils eigenen Seitenvorlagen zugeordnet, so dass die Verzeichnisse eine eigene Nummerierung haben und die eigentlichen Textseiten mit Kopfzeilen und einer bei 1 beginnenden Seitenzählung beginnen.

Word

Microsoft Word gilt immer noch für viele als DIE Textverarbeitung. Das neue Word 2007 sieht allerdings nicht nur "moderner" aus als die alten Versionen, sondern es nutzt auch eine Technik zur Bedienung über sogenannte Ribbons. Das bedeutet zumindest einen gewissen Um- und Einarbeitungsaufwand. Wer diesen scheut, kann getrost weiter mit der alten Version arbeiten (wobei "alt" relativ ist und auch eine 10 Jahre alte Version betreffen kann).

Die Stärken von Word sind:

  • Quasi-Standard,
  • "gewohnte" Bedienung,
  • extrem viele Funktionen auch zur Nutzung von Formatvorlagen,
  • in der neuen Version 2007 auch eine durchaus brauchbare Literaturverwaltung,
  • eine gute Rechtschreib- und Grammatikprüfung,
  • verschiedene Ansichten des Textes.

Dagegen wird immer wieder bemängelt, dass Word-Dateien nicht zu groß sein sollten, weil sie gerne zum Absturz neigen (was andere nicht daran hindert, 600-Seiten Dissertationen damit zu schreiben; in den aktuellen Versionen verhält sich Word auch wesentlich stabliler bei größeren Dokumenten als früher). Der Autor (KHS) findet, dass die Trennhilfe eher schwach ist. Eine integrierter PDF-Export wie bei OpenOffice fehlt im Auslieferungszustand (wegen Lizenzproblemen mit Adobe), lässt sich aber sehr einfach nachrüsten.

Über den Nutzen von Word 2007 wird häufig gestritten. Die neue Benutzerführung und die neuen Formatierungsmöglichkeiten machen aber schnell Spass am Gestalten von Texten. Ein Plugin für Zotero gibt es ebenfalls.

Textmaker

Textmaker als Bestandteil von Softmaker Office 2008 ist noch fast ein Geheimtip. Für Studenten für freundliche 20,- € erhältlich, glänzt das Programm mit großer Schnelligkeit und einigen Gemeinsamkeiten mit Word, die z.T. weiter gehen als bei OpenOffice. Die Kompatibilität mit Word-Dokumenten ist ziemlich groß, natürlich sind auch OpenOffice-Dateien kein Problem. Die DTP-Funktionen sind teilweise stärker ausgeprägt als bei den beiden vorherigen Programmen (etwa mit Masterseiten). PDF-Export ist inzwischen möglich. Softmaker Office ist als eine der wenigen kommerziellen Office-Suiten auch für Linux erhältlich.

Papyrus

Papyrus ist eine deutsche Textverarbeitung, die "anders" aussieht und funktioniert als die übrigen hier vorgestellten Programme. Dabei ist es sehr schnell und bietet viele Funktionen, inkl. einer Datenbank mit einer Literaturverwaltung. Es ist nicht kostenlos und setzt engagiertes Einarbeiten voraus. Dann macht es durchaus Freude, zumal es auch einen PDF-Export bietet und sogar die Möglichkeit hat, hybride Dateien zu generieren, die auf dem eigenen Rechner normal mit Papyrus bearbeitet werden, nach dem Schließen aber wieder PDF-Dokumente sind.

Kurz: Wer Spaß an einer anderen Textverarbeitung und 79,- € (Studentenrabatt) übrig hat, sollte es sich einmal ansehen, was durch eine zeitlich nicht limitierte (aber mit kleinen Einschränkungen versehene) Demoversion erleichtert wird. Und: Es ist nicht nur für Windows, sondern auch für MAC OS erhältlich und kann beim Kauf im Unterschied zu Microsoft Office auf beiden Plattformen eingesetzt werden.

Mittlerweile gibt es als neue Version Papyrus Autor II. Das ist zwar noch etwas teurer, aber besser für die Arbeit an Texten geeignet. Es bietet eine Stilkorrektur, die nicht nur vor langen Sätzen warnt, sondern etwa auf Wortwiederholungen hinweist oder grammatikalische Fehler zeigt. Integriert ist der Duden 6. Die einzelnen Kapitel eines Textes können mit Kommentaren versehen und mit einem Status versehen werden, also ob sie noch unfertig, in Bearbeitung oder fertig sind. "Perfekte" Textteile können sogar vor Veränderung geschützt werden. Zudem besitzt Papyrus die beste Backup-Funktion aller gängigen Textverarbeitungen.

Abiword

Abiword gibt es für Windows und Linux, es ist wie OpenOffice OpenSource und kann eigentlich alles, was eine Textverarbeitung können muss. Es fällt aber weder optisch noch funktionell auf. Vielleicht sagt das schon alles.

Weitere

Hier werden noch weitere Programme nach und nach vorgestellt wie Lyx oder - nur für Mac OS-User - Mellel, allerdings braucht es dazu einen Tester.


KH Schneider


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