Wahlen in Bad Münder

Aus LernWerkstatt Geschichte
Wechseln zu: Navigation, Suche

Die Aufgabe unserer Arbeitsgruppe war es, die Ergebnisse der Reichstagswahlen im Untersuchungsgebiet während der Zeit der Weimarer Republik zu dokumentieren. Mit einbezogen wurden die Wahl zur Nationalversammlung 1919 sowie die höchstens halbfrei zu nennende Reichstagswahl vom März 1933. Grundlage bildeten die Landratsamtsakten des damaligen Kreises Springe im Hauptstaatsarchiv Hannover und Berichte im Volkswillen und der Deister-Weser-Zeitung in Hameln. Die Neue-Deister-Zeitung aus Springe ist für den fraglichen Zeitraum leider nicht zugänglich, so daß die Ergebnisse der Reichstagswahl vom Dezember 1924, die aus den anderen Quellen nicht erschlossen werden konnten, fehlen und darüberhinaus oftmals die Erklärung lokaler Besonderheiten im Wählerverhalten nicht möglich ist. Zudem ist grundsätzlich anzumerken, daß im Rahmen unseres begrenzten Projektes keine umfassende Wahlanalyse zu leisten war, da die Erhebung der dazu notwendigen Sozialdaten unsere Möglichkeiten überstiegen hätte.

Aber schon die reine Dokumentation der Wahlergebnisse läßt einige begründete Rückschlüsse zu. Hierzu haben wir die Ergebnisse des gesamten Untersuchungsraumes mit der reichsweiten Entwicklung verglichen, wie sie bei FALTER u.a. analysiert wird, sowie besondere Entwicklungen auf dem Gebiet des heutigen Bundeslandes Niedersachsen berücksichtigt. Weitergehend wurden die Dörfer Bakede, Böbber, Eimbeckhausen und Hamelspringe, die auch in anderen Arbeitsgruppen im Vordergrund standen, näher betrachtet. Im Anhang werden tabellarisch die prozentualen Ergebnisse sowie eine mögliche Form der graphischen Umsetzung dargestellt. Zu beachten ist, daß aufgrund der stark differierenden Einwohnerzahlen der Untersuchungseinheiten ein Vergleich nur beschränkt aussagefähig ist. So hatte Eimbeckhausen 998 Wahlberechtigte im Jahre 1919, Bakede 714, Hamelspringe 647, aber Böbber lediglich 166.

Bei der graphischen Darstellung mußten der Übersichtlichkeit halber Zusammenfassungen vorgenommen werden, die die Grundstrukturen der politischen Entwicklung im Kreis Bad Münder deutlicher hervortreten lassen:

1. Unter dem Hilfsbegriff "Bürgerliche Mitte" ("BM") wurden die DDP, DVP, DNVP und die im Untersuchungsraum unbedeutende Zentrumspartei zusammengefaßt. Hier sind Parteien zusammengefaßt, die, bei aller Differenz der politischen Positionen vor allem in der Endphase der Weimarer Republik, doch die gleichen Wählerschichten ansprachen, denn sie konkurrierten um die Stimmen der im weitesten Sinne bürgerlich-liberalen Mittelschichten. Zudem waren sie alle drei im Untersuchungsraum eher unbedeutend, da die Rolle, die sie auf Reichsebene spielten, hier von der DHP ausgefüllt wurde.

2. Unter "Sonstige" wurden alle weiteren Splitter- und Partikularparteien zusammengefaßt. Sie spielten auch im Raum Bad Münder nur die Rolle von "Zwischenwirten" (Wahlen, S. 18) für den Aufstieg der NSDAP.

Beschreibung

Literatur:Wahlen und Abstimmungen in der Weimarer Republik. Materialien zum Wahlverhalten 1919 - 1933, hrsg. v. Jürgen FALTER, Thomas LINDENBERGER u. Siegfried SCHUMANN, München 1986.

Autor: Jens Binner