Was Sie schon immer über Schaumburg-Lippe wissen wollten

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Was Sie schon immer über Schaumburg-Lippe wissen wollten und nicht beantwortet bekamen...

Inhaltsverzeichnis

Woher kommt der Name Schaumburg-Lippe?

Schaumburg-Lippe ging 1647 aus der alten Grafschaft Schaumburg hervor. Die Grafschaft Schaumburg wurde nach dem Aussterben des letzten Grafen in drei Teile aufgeteilt: die Ämter Bokeloh und Lauenau wurden als heimgefallene Lehen vom Herzogtum Braunschweig-Lüneburg übernommen, der Rest fiel zu etwa gleichen Teilen an die Landgrafschaft Hessen-Kassel und an eine Nebenlinie der Grafen zu Lippe, die mit diesem Teil des Landes von Hessen-Kassel belehnt wurden. Der Teilungsrezeß war Bestandteil des Westfälischen Friedens. Der mit der lippischen Nebenlinie belehnte Landesteil wurde zur Unterscheidung von dem hessischen Landesteil als Schaumburg-Bückeburg oder Lippe-Bückeburg oder eben als Schaumburg-Lippe bezeichnet. Das Haus Schaumburg-Lippe hatte übrigens bis ins 19. Jahrhundert hinein Besitzungen in Lippe, die Ämter Blomberg und Alverdissen.

Bis 1807 war Schaumburg-Lippe eine Grafschaft, dann ein Fürstentum, zwischen 1918 und 1946 ein Freistaat, und 1946 begründete es mit Oldenburg, Braunschweig und der Provinz Hannover das Land Niedersachsen.

Teilung schaumburg 1647.gif

Die Teilung der Grafschaft 1647


Wie klein war Schaumburg-Lippe wirklich?

Schaumburg-Lippe hatte eine Flächengröße von 340 km², Mitte des 18. Jahrhunderts lebten hier etwas über 16.000 Menschen, 1815 waren es ca. 20.000, damit lag das Fürstentum im Deutschen Bund an drittletzter Stelle.

Gab es in Schaumburg-Lippe nur Fürstenkinder?

Die Kleinheit der Verhältnisse bedingte eine enge, gleichsam patriarchalische Beziehung zwischen Landesherr und Untertan. Noch heute erfreut sich das Haus Schaumburg-Lippe großer Beliebtheit im Lande. Dennoch waren in der Vergangenheit die Beziehungen zwischen Untertan und Landesherr komplexer. Im 18. Jahrhundert flohen beispielsweise viele Bauern vor der Verpflichtung zum Wehrdienst, 1848 brach in Schaumburg-Lippe eine respektable kleine Revolution aus, und seit 1912 war die SPD wie im Reich die stärkste Partei im Land. „Fürstenkinder" im engeren Sinn gab es also nur zwischen 1807 unf 1918.

War Schaumburg-Lippe ein Bauernland?

Die Nazis sorgten mit den Bildern von schaumburg-lippischen Bauerntrachten für das Bild einer ländlichen Region. Aber Schaumburg-Lippe war anders. Zwar spielte die Landwirtschaft eine wichtige Rolle; Bergbau, Glasindustrie, Ziegeleien und Wanderarbeit bildeten im 19. Jahrhundert die Säulen für eine schwerindustrielle Basis. Allerdings waren viele Arbeiter Hausbesitzer und bewirtschafteten etwas Land (beziehungsweise deren Ehefrauen), so daß das ländliche Element weiter bestehen blieb.

Sozialstruktur 1907 sl.gif Sozialstruktur 1907

Sorgten die Schaumburg-Lipper bei der Landtagswahl vom 15. Januar 1933 für eine Vorentscheidung zugunsten der Nazis?

Die Wahl vom 15. Januar 1933 fand nicht in Schaumburg-Lippe, sondern in Lippe-Detmold statt. In Schaumburg-Lippe gab es bis zum März 1933 sogar eine regierungsfähige Koalitionsregierung aus SPD und Deutscher Staatspartei; den Nazis gelangen nur geringe Einbrüche in die SPD-Hochburgen, den Orten mit einem hohen Anteil von Bergarbeitern.

Wahl 1933 sl.gif Wahlergebnis vom 5. März 1933

Lag der Bückeberg, auf dem die Nazis ihr Erntedankfest feierten, in Schaumburg-Lippe?

Diese Annahme ist nicht selten und dennoch falsch. Auf dem Erntedankfest traten häufi die reich geschmückten Trachtenträgerinnen aus Schaumburg-Lippe auf und außerdem gibt es in Schaumburg-Lippe Bückeberge (Plural beachten!). So gab es schon 1933 Verwechslungen, weshalb die Bückeberge in Bückeburger Wald umbenannt werden sollten. Der Bückeberg lag (und liegt) übrigens bei Hameln.

Eine gute Internetseite zum Bückeberg gibt es hier: [1]

Literatur

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